Zusammenfassung und Disclaimer: siehe Kapitel 1.
Kapitel 8: Camille und Henri 2
Das Läuten eines kleinen Glöckchens über der Tür kündigte einen Kunden in dem dunklen, staubigen Buchladen an. Hermine drehte sich dem Eingang zu. Camille Laurent schritt schnell über die Schwelle. Der dunkelgraue Himmel draußen goss unbarmherzig den Regen auf die junge Frau herunter.
Camille sah sich im Laden um, während sie ihren Mantel öffnete. Monsieur Girou war nirgends zu sehen. Vermutlich verkriecht er sich irgendwo im Schatten und wartet auf den richtigen Augenblick zum Zuschlagen, überlegte Hermine. Die junge Frau, die in ihrer eigenen Zeit war, nahm ihren durchnässten Mantel ab und hängte ihn an den Garderobenständer. Sie zog einen dicken Band aus der kleinen Umhängetasche, die sie anscheinend ständig mit sich herumtrug.
„Schon wieder gekommen, um das Buch zurückzugeben, was?" zischte eine Stimme aus dem hinteren Teil des Ladens. Henri Girou tauchte katzengleich aus den Schatten auf. Innerhalb eines Atemzugs war er an Camilles Seite.
„Oh… natürlich nicht," gab Camille lächelnd zurück.
„Wozu verschwenden Sie dann meine Zeit?" bellte er. „Ich bin ein viel beschäftigter Mann. Ich habe anderes um das ich mich kümmern muss."
„Ich bin nicht hier, um Sie von Ihren Pflichten abzuhalten," anwortete sie und ging zum Stapel Bücher neben der Tür hinüber. „Ich finde das Buch, das ich benötige schon alleine, vielen Dank."
Ihre abweisende Art reizte den Ladenbesitzer. Er war dieses Verhalten von Frauen nicht gewohnt. Camille öffnete ihr eigenes Buch an einer markierten Seite. Sie überflog den Inhalt der Seite rasch und sah sich dann die Titel der Bücher um sie herum an. Girou sah ihr dabei wenig interessiert zu. Die meisten seiner Gefühle waren eher feindlicher Art.
Nachdem ein paar Minuten verstrichen waren, hielt Henri Girou es nicht länger aus. Mit der glatten Bewegung einer Katze nahm er das Buch aus Mademoiselle Laurents Arm.
„Hey!" sagte Camille überrascht. „Das ist mein Buch."
Henri studierte den Band.
„Fortgeschritten…" spuckte er nach langem Schweigen aus.
„Ja, so wie ich." Camille schnappte sich das Buch zurück. „Wenn sie mich nun entschuldigen würden."
Henris Reaktion war überraschend, wenn man es so sagen wollte. Er hob eine Augenbraue an und brach dann in schallendes Gelächter aus. Das Lachen war für den Ladenbesitzer genauso unnatürlich, wie es für den grimmigen Zauberstränke-Meister gewesen wäre. Beide, Camille und Hermine, war sichtlich Unwohl bei diesem Anblick von Emotionen.
„Wa…" stammelte Camille. Langsam erhielt sie ihre Fassung wieder zurück. „Was ist so amüsierend, wenn ich fragen darf?"
Sich anscheinend der Situation bewusst werdend hielt Monsieur Girou abrupt inne. Jegliches Anzeichen von Heiterkeit floh aus seinem Gesicht.
„Ich… äh…" Das Stottern war noch uncharakteristischer als das Lachen.
Camille sah den eleganten, stotternden Mann vor sich an. Sie lächelte ihn warm an, woraufhin sein Gesicht eine dunkelrote Färbung annahm.
„Hören Sie meinetwegen nicht auf zu lachen," sagte sie. „Sie sollten öfter lachen."
„Wenn Sie meine Hilfe nicht weiter benötigen," gab Henri, bevor er sich abwandte. „Ich werde dort drüben sein." Er ging zurück in den hinteren Teil des Ladens.
Camille wandte sich wieder dem Bücherstapel zu. Henri hatte ihr Buch zurück in ihre Arme geschoben, bevor er sich in die Schatten zurückzog.
„Mein Vater erwähnte, dass eine neue Schule bei Hogsmeade erbaut werden soll," erklärte Camille nach einigen Minuten des Schweigens.
Henri hob sein Gesicht aus dem Buch, das er gerade las, und zog eine Augenbraue hoch.
„Schulen werden ständig gebaut," antwortete er und senkte den Blick wieder in sein Buch.
„Nicht Zauberschulen."
Langsam senkte er das Buch und blickte zu ihr herüber.
„Eine Zauberschule?" fragte er. „Wer baut sie?"
"Dieser Zauberer, der für Verwandlung so bekannt ist, glaube ich. Godric irgendwas. Es sind vier verschiedene Zauberer, aber er ist der einzige, den ich mir gemerkt habe."
Camille schritt langsam näher zum Ladenbesitzer.
„Gryffindor?" fragte Girou.
„Ja, genau der," antwortete sie. „Noch ein weiterer Zauberer und zwei Hexen. Ich fürchte, ich kenne mich mit diesen Leuten nicht so ganz aus."
„Gryffindor, mmhh… ich hab nie besonders viel von dem gehalten," sprach Girou fast zu sich selbst.
„Kennen Sie ihn?" Camille ließ sich auf dem Stuhl neben Henri nieder.
Dass Henri unwohl war, mit dem jungen Mädchen vor ihm zu sprechen, sah man an seinen unruhigen Füßen und dem Vorwand die Bücher auf dem Tisch gerade zu rücken.
„Wir waren zusammen in Beauxbatons, unglücklicherweise."
„Oh… wie ist Beauxbaton?" Sie lehnte sich vor, um ihm zum Weitersprechen aufzufordern. „Ich habe Vater gebeten mich dort hinzuschicken, aber er war der Meinung eine junge Dame sollte zu Hause unterrichtet werden."
Hermine fühlte, wie der Raum einen Ruck tat und anfing sich zu drehen. Sie schloss die Augen. Als sie ihre Augen wieder öffnete, sah sie die gleiche Szene wie zuvor. Henri und Camille saßen im hinteren Teil des Ladens und unterhielten sich. Der Raum drehte sich langsam weiter, aber nicht auf unangenehme Weise. Ihr wurde nicht schlecht, wie es in Ägypten und Rom geschehen war.
Mit jeder Drehung des Raumes sah sie die beiden zusammen. Sie trugen immer wieder andere Kleidung. Manchmal unterhielten sie sich, manchmal lasen sie ein Buch gemeinsam. Einige Male waren sie über einen brodelnden Kessel gebeugt, ohne Zweifel, um sich gegenseitig mit ihren Zaubertränketalenten zu übertrumpfen. Ab und zu waren weitere Kunden mit im Geschäft. Je länger sich der Raum drehte, desto näher schienen die beiden sich zu kommen. Zu Anfang waren ihre Haltung und Gesichter unbehaglich. Langsam entspannten sie sich und das Lachen, das am zweiten Tag noch merkwürdig klang, schien nicht mehr angespannt und fremd.
Hermine konnte die Unterhaltungen nicht hören, während sich der Raum drehte. Sie sah wie sich die Beziehung zwischen den beiden entwickelte, sah die Blicke und gelegentlichen kurzen Berührungen ihrer Hände oder das versehentliche Streifen eines Armes. Als der Raum schließlich aufhörte sich zu drehen und sie die Unterhaltung wieder hören konnte, waren Camille und Henri wieder einmal über einen Kessel gebeugt. Beide hielten sie einen Trinkbecher in der Hand.
„Ich wusste, dass es eine furchtbare Idee war," sagte Camille zu dem dunklen Mann neben sich. „Ich hätte mich nie von dir zu so einem schrecklichen Experiment überreden lassen sollen."
Henri rollte mit den Augen. Bevor Hermine sich genauer ansehen konnte, woran die beiden arbeiteten, brach Henri in mädchenhaftes Giggeln aus. Das stoppte sie auf der Stelle. Camille sah den jungen Mann entsetzt an.
„Hör auf damit!" befahl sie nachdrücklich. „Es könnte jemand in den Laden kommen. Du kannst nicht wie ein kleines Schulmädchen kichern!"
Hermine war furchtbar verwirrt beim Anblick dieses Austausches.
„Ich sollte mir wirklich gemütlichere Umhänge kaufen," stellte Henri fest und zog an seinem Kragen. „Könntest du mir bitte mal erklären, wie ich die letzten dreißig Jahre in dieser Kleidung ausgehalten habe?"
Henri stellte sich vor einen Wandspiegel und begutachtete sein Spiegelbild.
„Wie du es ausgehalten hast?" schnappte Camille. „Mein Umhang muss wohl das ungemütlichste Kleidungsstück sein, das je geschneidert wurde."
Camille sah den Mann finster an, als er erneut zu kichern begann.
„Stell sofort dieses verfluchte Giggeln ein!" rief Camille mit mehr Nachdruck, als Hermine so einer zierlichen Frau zugetraut hätte.
Hermine lief zum Kessel herüber, um den Inhalt zu inspizieren. Knotengras, Florfliegen, Baumschlangenhaut und Egel waren auf der Arbeitsfläche verstreut, sowie weitere Zutaten, die sie nicht sofort identifizieren konnte. Einige Augenblicke traf es sie… Vielsafttrank.
„Wie lange hält es an?" fragte die Person, die in Camilles Körper steckte.
„Nur etwa… eine Stunde," flüsterte der junge ‚Mann'. „Wirklich, Henri, du wusstest worauf du dich einlässt, als du dich freiwillig gemeldet hast."
„Ich habe hierfür niemals freiwillig zugestimmt!" rief der echte Henri aufgebracht. „Du hast mich gebeten dir zu assistieren, während du einen neuen, schwierigen Trank ausprobierst. Wenn ich gewusst hätte, wozu das führt…"
Camille verließ ihren Platz vor dem Spiegel und stellte sich vor den Mann, der nun ihren Körper besaß, zumindest zeitweise. Er… oder eher sie, es wurde schwer die beiden auseinander zu halten, streckte die Hand aus und berührte das Gesicht, das wenige Minuten zuvor noch ihr eigenes gewesen war.
„Dies ist wirklich eine merkwürdige Erfahrung," lachte Camille.
Henri schreckte vor Camilles Berührung zurück. Er setzte sich auf einen Stuhl, um zu schmollen.
„Mein Vater hatte recht," sagte Camille und beäugte den Ladenbesitzer. „Ich sehe nicht sehr attraktiv aus, wenn ich schmolle."
Henri blitzte sie an. Um ihn zu ärgern, warf Camille ihm einen finsteren Blick zu. Sie bekam genau die Reaktion, die sie wollte. Er sah sie beunruhigt an.
„Vielleicht…" flüsterte er leise. „Sollte ich nicht so häufig so finster dreinblicken."
Camille lachte und nahm seine kleinen Hände in ihre großen. Alle drei zuckten zusammen, als die Glocke an der Tür die Ankunft eines neuen Kunden ankündigte. Henris Reaktion mit Camilles Gesicht zeigte seine Angst. Es war jemand im Laden und sie würden die beiden im Körper des anderen sehen! Er riss sich zusammen und sprang vom Stuhl zum Kunden hinüber.
„Kann ich Ihnen mit etwas behilflich sein?" fragte er unbehaglich.
Der Kunde sah zu Henri in Camilles weiblichem Körper auf. Er war offensichtlich ein Gentleman, der seine besten Tage hinter sich hatte. Ein Lächeln, das Henri beunruhigte, legte sich auf die Lippen, des älteren Zauberers.
„Danke, Mademoiselle, aber ich glaube, ich benötige für meine Auskunft die Hilfe eines Mannes," gab er abweisend zurück und ging zu Camille in Henris Körper hinüber.
Hermine musste lachen, als sie den geknickten Ausdruck auf Henris geliehenem Gesicht sah. Sobald Camille dem Kunden, der nur mit ‚Hilfe eines Mannes' betreut werden konnte, assistiert hatte, schloss sie die Tür hinter ihm und wandte sich Henri zu.
„Also…" Sie stellte sich vor Henri. "Wie fühlst du dich dabei?"
Henri sah sie finster an.
„Wütend," grummelte er. Wütend, weil er dachte, dass ich ihm nicht behilflich sein könnte. Weil er dachte, ich könnte ihm unmöglich helfen, während ich in diesem Körper stecke."
Camille grinste triumphierend.
„Erinnerst du dich noch an den Tag, an dem wir uns trafen?" fragte sie und zog eine Augenbraue hoch.
„Ja," antwortete er durch zusammengebissene Zähne.
„Du hast mich genauso behandelt, wie der Mann dich gerade behandelt hat."
Henri sprang vom Stuhl auf und lief zum Kessel hinüber. Er begann aufgebracht durch die Seiten eines Buches zu blättern.
„Es muss ein Gegenmittel für diesen verfluchten Trank geben!" fauchte er. „Ich werde nicht länger du sein!"
„Beruhige dich." Camille schlich sich von hinten an Henri heran und schlang ihm mutig die Arme um die Hüften. „Es wird nur noch ein paar Minuten länger anhalten. Sieh, dein Haar wird schon wieder schwarz."
Er flüchtete aus ihrer Umarmung und versteckte sich hinter einem großen Bücherstapel.
„Gib mir meinen Umhang zurück!" verlangte er. „Ich werde nicht in meinem Körper in deinem Umhang gesehen werden!"
Camille lachte, tat aber was er verlangte. Sie verkroch sich ein paar Meter von ihm entfernt hinter ihrem eigenen Stapel. Sie tauschten die Umhänge und ein paar Minuten später kamen beide hinter den Büchern hervor.
„Ich helfe dir nie wieder bei einem Zaubertrank," drohte Henri.
„Ich nahm an, das ein so fleißiger Leser, wie du selbst, wusste, wofür der Vielsafttrank benutzt wird," kicherte sie.
Sein typisch finsterer Blick schlich sich auf sein Gesicht.
„Ich lese vielleicht viel, aber ich weiß nicht alles," gab er zurück.
„Vielleicht lehrt dich dies, mehr über einen Trank herauszufinden, bevor du ihn freiwillig einnimmst."
„Vielleicht lehrt mich dies, dir nie wieder zu trauen."
Die Worte waren scharf, aber sie wussten alle, dass er es nicht ernst meinte. Hermine festigte sich für das vertraute Wirbeln. Es dauerte nicht annähernd so lang, wie das vorhergegangene. Als es aufhörte, fand sie Henri allein im Buchladen. Plötzlich platze Camille durch die Tür und riss die Glocke beinahe aus der Halterung.
Henri drehte sich bei der Störung abrupt um. Sein Gesichtsausdruck wechselte schnell von Zorn zu Besorgnis, als er die Tränen auf dem Gesicht der jungen Frau, die er wie Hermine wusste, liebte, sah.
„Camille?" fragte er sanft.
Sie entgegnete nicht, sondern warf sich in seine Arme. Er war kurz überrascht, aber hielt das schluchzende Mädchen dann in seinen Armen.
„Hier… setz dich." Henri führte sie zu einem Stuhl. "Ich hole dir eine Tasse Tee."
Eine Minute später kehrte er mit einer dampfenden Tasse Tee zurück. Sie nahm Tasse und Untertasse in ihre zittrige Hand.
„Kannst du mir sagen, was los ist?" fragte er sanft aber bestimmt.
„Vater…" würgte sie zwischen zwei Schluchzern hervor. „Vater… hat mich gerade über meine bevorstehende Heirat informiert."
Die Neuigkeit schockierte Hermine, aber anscheinend nicht Henri. Er wandte das Gesicht von Camille ab und begann vor ihr auf und ab zu laufen.
„Heirat?" fragte er leise.
„Varien Perrine hat Vater gestern Abend um meine Hand gefragt."
„Ich verstehe."
"Adelaide hat mich gewarnt, dass dies geschehen könnte. Sie hat mir schon vor einem Jahr von seinem Interesse erzählt," erklärte Camille. „Es war an dem Tag, als ich dich traf."
„Wann wird die Hochzeit stattfinden?"
„Was?!" riefen Camille und Hermine gleichzeitig.
Henri lief durchs Zimmer, den Rücken Camille zugekehrt.
„Die Hochzeit kann nicht stattfinden!" rief Camille. „Das kannst du nicht zulassen!"
Er drehte sich um, um ihr in die Augen zu blicken.
„Was kann ich tun?" Es war keine Einladung für Vorschläge.
„Was du tun kannst? Es aufhalten!"
Camille sprang von ihrem Stuhl auf, Teetasse und Untersetzer zerschellten auf dem Boden. Sie erreichte den Buchverkäufer mit wenigen Schritten.
„Ich liebe dich, Henri! Sicher weißt du da inzwischen?"
"Ja, das ist mir bewusst."
Seine abweisende Kälte machte Camille wütend.
„Liebst du mich denn nicht?" fragte sie schüchtern.
Er wandte sich erneut von ihr ab.
„Natürlich liebe ich dich," entgegnete er leise.
„Dann unternimm etwas gegen die Heirat! Bitte!" sie griff nach seinem Arm und drehte ihn zu sich herum.
„Ich kann nichts tun," antwortete er.
„Was?!"
„Was in aller Welt könnte ich denn tun? Monsieur Laurent fragen, ob er sein Einverständnis gibt, dass seine Tochter einen Buchladenbesitzer mit mehr Schulden als Gewinn heiratet? Ihn fragen, dass sie mich heiratet anstelle des zukünftigen Zaubereiministers?" Seine Stimme war kalt, aber voller Schmerz. „Dein Vater würde mich auslachen, Camille."
Camilles Tränen, die aufgehört hatten, fingen wieder an zu fließen.
„Wir könnten fortlaufen," schlug sie vor.
„Du würdest jeden Respekt und die Liebe deiner Familie verlieren. Das kann ich nicht von dir verlangen."
„Aber ich liebe dich. Ich würde es tun."
"Und genau deshalb werde ich es nicht zulassen."
Sanft zog er seinen Arm aus ihrem Griff und wandte sich ab. Sie sah ihm nach und dann zur Tür, die nur einen Meter von ihr entfernt lag.
„Henri, wenn ich jetzt durch diese Tür gehe," begann sie. „Dann komme ich nicht mehr zurück."
„Dann solltest du vielleicht gehen," antwortete er, seine Stimme voller Emotionen. „Perrine kann dir ein Leben zeigen, wie ich nie träumen könnte, es dir zu geben."
„Das ist mir nicht wichtig," bestand sie.
„Ich lasse dich nicht alles wegwerfen."
Sie lief ihm nach, um ihm ins Gesicht zu sehen.
„Wenn du mich durch diese Tür gehen lässt, komme ich nicht mehr zurück," wiederholte sie.
Er sagte nichts und wandte sich von ihr ab. Sie wischte die Tränen aus ihrem Gesicht und ging zur Tür. Als sie sah, dass Henri sich nicht umdrehte, öffnete sie sie und ging.
Hermine sah, wie der Buchhändler zusammensackte, als sich die Tür schloss. Sie hatte noch nie so viel Traurigkeit in einem Gesicht gesehen.
Der Raum begann erneut sich langsam zu drehen. Nur diesmal sah sie nach jeder Drehung nur Henri. Das Wirbeln hörte auf. Er stand allein im Hinterzimmer und trank, wie es aussah, ein Glas Feuerwhisky. Die Glocke über der Tür läutete und seine Augen schossen hoch, um den Neuankömmling zu begutachten. Als er Adelaide, Camilles Freundin, erkannte, sprang er abrupt auf und lief zu ihr.
„Es ist also wahr?" fragte er zurückhaltend.
„Ich fürchte ja," entgegnete sie und wischte eine Träne mit dem Taschentuch beiseite. „Der Arzt hat alles für sie getan, was er konnte. Nichts, magisch oder muggel, hätte sie retten können."
Henri rieb sich die Augen und stieß einen tiefen Seufzer aus.
„Was ist mit dem Kind?" fragte er.
„Er hat überlebt," gab Adelaide zurück. „Der Arzt sagte, ihm geht es gut. Es scheint alles in Ordnung zu sein."
„Camille," flüsterte er zu sich selbst. Er wandte sich ab, als Adelaide den Laden verließ. „Du bist gestorben, um dieses Perrine-Balg zur Welt zu bringen. Es ist alles meine Schuld. Ich hätte dich nie gehen lassen dürfen. Es tut mir so leid."
Hermine sah dem gebrochenen Mann zu, als das Bild langsam vor ihr erlosch.
„Was auch immer das hier ist," sagte sie, als die letzte Spur von Henri aus ihrem Blick verschwand. „Ich halte es nicht mehr sehr viel länger aus. Ich muss bald aufwachen."
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Er hatte beinahe vier Stunden an Miss Grangers Bett gesessen. Es hatte keinerlei Veränderung an ihrem Zustand gegeben. Die Ärzte aus St. Mungos konnten nichts neues berichten. Sie versuchten immer noch ein Gegenmittel für das möglicherweise tödliche Gebräu zu finden, das Miss Granger geistesabwesend erzeugt hatte.
„Was macht der hier?" hörte Snape eine Stimme hinter der Abschirmung flüstern, die Hermines Bett außer Sicht neugieriger Augen hielt.
„Mine wird nicht glücklich sein, wenn er das erste ist was sie sieht, wenn sie aufwacht," fuhr die Stimme, die offensichtlich Ronald Weasley gehörte, fort.
„Ron, schh," flüsterte Ginny Weasley. „Er ist vermutlich hier, um ihre Symptome im Auge z ubehalten."
„Ginny hat wahrscheinlich recht, Ron," mischte Harry Potter sich ein. „Wir sollten gehen."
Snape war noch nie so erleichtert, Potter und die beiden Weasleys gehen zu sehen.
„Was mache ich hier denn genau?" fragte er sich bestimmt schon zum hundertsten Mal an diesem Tag.
Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück und schloss die Augen. Eine Minute später sprang er aus dem Stuhl und lief durch den Krankenflügel.
„Das ist lächerlich. Ich werde hier nicht länger rumsitzen."
A/N: und so geht auch dieser Teil zu Ende... ;) werd mich bemühen bald weiter zu machen! aber wie das immer so ist...
