A/N: Sorry, dass es sooo ewig gedauert hat... hatte ne Menge zu tun... okay, ich hätte die Zeit gehabt, hab nur nicht dran gedacht.. ;) Ich kann auch nicht versprechen, dass es in Zukunft wieder öfters ein Update gibt. Hoffentlich bleib ich diesmal dabei und es dauert nicht so lange bis zum nächsten Kapitel.. schenit so, als ob ich das immer in Schüben mache :)

Ich möchte auch noch mal daran erinnern, dass die Story nicht aus meiner Feder stammt, sondern ich sie nur übersetze! Das Original ist von Canimal.

Disclaimer: siehe Kapitel 1


Kapitel 11: Clara und Gabriel 3

Captain Maddox drehte sich unbehaglich auf dem Sofa, das nun für einige Zeit – über die genaue Dauer war Hermine sich nicht sicher – sein Krankenbett gewesen war. Es war recht schwierig für Hermine dem Verlauf der Zeit, die er nun mit Clara in der Hütte war, zu folgen. Wie lang es auch immer war, die letzten Minuten waren angespannt gewesen. Sie nahm an, dass es für die tatsächlich anwesenden um einiges länger war. Vielleicht ein paar Stunden, aber sicher nicht mehr als ein ganzer Tag.

Clara war nur ein- oder zweimal herunter gekommen, um dem Captain eine winzige Ration an Nahrung zu bringen. Sie hatte vermieden ihrem Patienten ins Gesicht zu sehen. Captain Maddox schien erpicht darauf den Streit wieder gut zu machen, respektierte aber Claras Abstand und drängte sie nicht. Hermine fand es skurril, dass – in dieser Zeit – die Frau, die ihr so ähnlich sah, in ihrem Verhalten Professor Snape mehr ähnelte. Der stürmische, junge Captain dagegen verhielt sich eher wie Hermine. Sie nahm an, dass es höchstwahrscheinlich etwas mit der langen Einsamkeit zu tun hatte. Professor Snape verbrachte definitiv die meiste Zeit verborgen in den Räumen seiner geliebten Kerker. Clara hatte keine andere Wahl, als sich in der feuchten, heruntergekommenen Jagdhütte zu verkriechen. Wenn sie ihr Versteck verlies, musste sie befürchten auf so widerwärtige Gestalten wie Unionsoldat Miller zu treffen.

Ja, Clara war sicherlich nicht annähernd so wie Hermine sich ein junges Mädchen in ihrer Position und Lebenszeit vorstellte. Die Sezessionskriegszeit des Südens war eine Ära der Ritterlichkeit gewesen, die Plantagenbesitzer und ihre Damen schön. Von Frauen wurde erwartet sich auf eine bestimmte Art und Weise zu benehmen, das richtige zu sagen und das richtige zu tun. Clara war für ihre Ära sehr unkonventionell. Verbitterung und extreme Einsamkeit hatten aus ihr nicht mehr als einen launenhaften Griesgram gemacht, genau das, als was Hermine ihren Zaubertränkeprofessor so häufig bezeichnete.

Captain Maddox dagegen schien die Rolle, die Hermine von Clara erwartete, perfekt zu übernehmen. Er war sanft und Hermines Meinung nach viel zu ruhig für einen Mann, der Professor Snape so beunruhigend ähnlich sah. Es war offensichtlich, dass auch er einige harte Umstände überdauert hatte, aber er hatte sich davon schneller erholt als Miss Richmond. Wenn Clara sich zu ihm in den Keller gesellte, war er immer höflich, selbst wenn sie nichts oder nur ein oder zwei Worte sagte. Er schien Claras Fürsorge und Pflege ehrlich zu schätzen. Hermine konnte auch sehen – aber nur, weil sie selbst genauso war – dass dieser Mann begierig war, vielleicht zu begierig, so viel wie möglich über alles Mögliche zu lernen. Und Clara war offensichtlich etwas, über das er am meisten etwas lernen wollte.

„Miss Richmond, bitte," bat Captain Maddox sobald Clara ihren Aufstieg auf der Kellerleiter begann. Sie hielt in der Mitte der Leiter inne und stieg wieder hinab.

„Ja, Captain Maddox?" Ihre Stimme war kalt, beinahe gefühllos. Offensichtlich vergab sie nicht sehr schnell, wenn jemand sie beleidigte oder sie sich beleidigt glaubte.

„Ich habe mich vorhin nicht benommen, wie ich sollte," fuhr er fort. „Ich möchte mich für meine Wortwahl entschuldigen."

Clara schien beinahe… verwirrt von der Entschuldigung. Langsam, leise, ging sie zum Stuhl neben den Sofa. Sie setzte sich ruhig, ohne ein Wort zu sagen. Hermine konnte sehen, wie der arme Captain sich vor Nervosität versteifte.

„Ich habe selbst auch nachgedacht, Captain Maddox," begann Clara leise. „Es war nicht richtig von mir Ihnen gegenüber verärgert zu sein. Ich sehe ein, dass vielleicht ich es bin, die hier schuldig ist."

Claras Entschuldigung, oder eher die Abwesenheit einer Entschuldigung, mehr, wie sie um eine tatsächliche Entschuldigung herum kam, erinnerte Hermine an eine Zeit in ihrem sechsten Schuljahr. In einer Unterrichtsstunde hatte Professor Snape ihnen einen neuen, recht schwierigen Trank aufgegeben. Hermine hatte diesen ohne Schwierigkeiten fertig gestellt. Als er ihren Trank inspizierte, hatte er sich über ihren Kessel gebeugt und ein kleines Stück Matsch, das an seinem Umhang hängen geblieben war nachdem Nevilles Kessel explodiert war und seinen Inhalt über die beiden verteilt hatte, fiel in Hermines perfekten Zaubertrank. Der Kessel hatte zu brodeln und zu pfeifen begonnen, der vorige wasserartige Zustand hatte sich in ein unnatürliches breiiges Rot verwandelt und der nun modifizierte Trank hatte den Boden des Kessels geschmolzen.

„Miss Granger… Ihr Trank… scheint modifiziert…" hatte Professor Snape in kurzen, unebenen, aber leisen Tönen gesagt. Es war Hermine für den Bruchteil einer Sekunde so vorgekommen, als ob der Professor ihr eine unerwartete Entschuldigung machen würde. „Vielleicht… falls Mr. Longbottom lernen würde einmal aufzupassen, würden die Zaubertränke seiner Mitschüler nicht beeinträchtigt werden! Fünf Punkte Abzug von Gryffindor für Ihren Fehler, Mr. Longbottom!"

„Danke, Miss Richmond," erwiderte der Captain unsicher. Er blieb auf der Couch, nur ein paar Fuß von der jungen Frau entfernt, sitzen.

„Ich weiß, dass ich manchmal sehr empfindlich sein kann", fuhr sie fort. „Es ist gewiss nicht Ihre Schuld."

„Sie sind eine außerordentliche junge Dame, Miss Richmond," sagte Captain Maddox leise, beinahe zu leise, dass die beiden Mädchen es hören konnten.

„Darf ich fragen wie Sie das meinen, Captain?" Clara hob eine Augenbraue zu dem Offizier vor ihr. Er rutschte erneut nervös auf der Couch hin und her, bevor er begann.

„Ich habe schon viele junge Frauen aus Ihrem geliebten Süden getroffen," fing er unsicher an. „Keine war annähernd so wie Sie."

„Sie haben meine Frage noch nicht beantwortet, Captain," gab sie zurück.

„Ich habe noch nie jemanden getroffen, nicht zu guter letzt eine Dame, der so viel erleiden musste wie Sie." Er wand sich weiterhin unbehaglich. „Sie scheinen, als ob Sie… Sie scheinen…"

„Bitte sagen Sie nur was Sie meinen, Captain Maddox," sagte Clara.

„Sie sprechen nicht so, wie ich es von einer jungen Dame in Ihrer Position erwartet hätte."

„Wie bitte?" Sie hob erneut ihre Augenbrauen an.

„Vergeben Sie mir, aber Sie sind sehr direkt. Ich habe noch nie eine Dame getroffen, ob aus dem Süden oder nicht, die so freimütig ihre Meinung äußert. Die Art wie Sie vom Ihrem Vater sprachen…"

„Was ist mit meinem Vater?" Ihre Stimme war nicht länger fest und ernst. Sie war sanfter.

„Als ich Sie nach der Herkunft all dieser Besitztümer fragte," er wies auf die Möbel um ihn herum. „Sie erwähnten seine Erfahrung mit den Briten als Jungendlicher und dann sagten Sie er sei…"

„Verrückt?"

Gabriel Maddox räusperte sich unwohl.

„Nun, ja… nie zuvor hab ich gehört, wie sich jemand so offen über ein Mitglied seiner Familie äußerte, vor allem nicht über den eigenen Vater."

„Eine Sache, die ich durch das Alleinleben gelernt habe, Captain Maddox, ist, dass es nicht viel bringt pausenlos höflich und anständig zu sein."

Der Offizier starrte die junge Frau verwundert an. Das war definitiv eine befremdliche Einstellung von Clara.

„Ich habe ungezählte Stunden und Tage allein ohne Gesellschaft, außer der einer halbverhungerten Katze, verbracht," beharrte sie. „Mir ist über meine eigene Familie einiges klar geworden. Es ist zwecklos zu verleugnen, dass mit meinem Vater in der Tat etwas nicht stimmte. Ich hab ihn geliebt, keine Frage. Aber niemand der noch alle Sinne beisammen hat würde einen Keller bauen, in dem er seinen ganzen Besitz versteckt, und diesen dann unter einer heruntergekommenen Jagdhütte verstecken."

Hermine und Captain Maddox stimmten Miss Richmond zu. Obwohl keiner der beiden etwas sagte – Hermine, weil sie sowieso keiner hören konnte, und Captain Maddox, weil er höflich und manierlich war – konnten sie die Tatsache nicht abstreiten, dass sie glaubten der alte Mr. Richmond war nicht ganz richtig im Kopf gewesen bevor er verstarb.

„Ich verstehe." war alles was der Captain als Antwort gab.

Klopf. Klopf. KLOPF. KLOPF. Klopf.

„Oh nein!" keuchte Clara und sprang rasch aus ihrem Stuhl auf.

„Was ist?" fragte Captain Maddox besorgt und griff nach seinem Gewehr, das Clara nicht weit von der Hütte gefunden hatte.

Clara sah sich hektisch in dem kleinen Keller um. Sie fing an einige kleinere Stücke der Möbel zu verschieben, um im hinteren Teil des Kellers etwas Platz zu schaffen.

„Das ist mein Bruder mit einem seiner Kameraden!" informierte sie den Offizier. Erkenntnis breitete sich auf seinem Gesicht aus.

„Konföderierte?"

„Natürlich!"

Captain Maddox erhob sich von der Couch und trat näher an Clara heran.

Klopf. Klopf. KLOPF. KLOPF. Klopf.

„Schnell, verstecken Sie sich hier hinten!" befahl sie Gabriel. „Keinen Mucks!"

Gabriel Maddox tat wie beordert. Sein Zustand hatte sich in den wenigen Tagen in Miss Richmonds Obhut erheblich verbessert, aber er war noch nicht ganz gesund. Vorsichtig positionierte er sich in einer Nische, in die er nur knapp hinein passte, und half ihr die Möbel so anzuordnen, dass sie ihn komplett verdeckten. Nachdem sie sich vergewissert hatte, dass er nicht zu sehen war, eilte sie die Leiter hinauf in die Hütte. Hermine folgte ihr so schnell sie konnte.

„Clara, da bist du ja!" seufzte ein erleichterter Joshua Richmond. „Ich hab mir solche Sorgen gemacht. Als du nicht geantwortet hast, dachte ich schon dir sei etwas passiert."

„Es tut mir sehr leid, Joshua," sagte sie und versuchte ihre eröteten Züge zu verstecken. „Ich war im Keller und hab dich nicht sofort gehört."

Joshua hielt einen kleinen weißen Beutel in seiner Hand. Er setzte ihn ab um seine immer noch zitternde Schwester zu umarmen.

„Ist alles in Ordnung, Clara?" fragte er zurücktretend, um sie genauer anzusehen.

„Alles in bester Ordnung, Joshua," versuchte sie ihr Bestes zu lügen.

„Warum zitterst du dann? Ist etwas passiert?"

Er ging zur Falltür hinüber. Als er anfangen wollte in den Keller hinab zu steigen, stoppte Clara ihn in dem sie seinen Arm ergriff.

„Wirklich, es ist nichts," versprach sie. „Ich war im Keller und habe eine Ratte gefunden. Nicht mehr."

„Eine Ratte? Eine Ratte hat dich so sehr verschreckt?" Er schien nicht überzeugt.

„Ich bin in letzter Zeit etwas schreckhaft. Mit allem was ich hier höre ist das doch wohl verständlich, oder nicht?"

„Ich denke schon."

Sie fühlte, dass sie ihren Bruder überzeugt hatte und durchquerte die Hütte, um den Beutel, den Joshua abgelegt hatte, zu holen. Sie nahm ihn hoch und fing an seinen Inhalt zu inspizieren.

„Oh, danke Joshua!" rief sie beim Anblick der frischen Lebensmittel.

Hermine beobachtete wie der junge Mr. Richmond sich wieder der Falltür näherte. Clara schenkte ihm offensichtlich keine Aufmerksamkeit, wie er kurze Blicke hinein warf. Er fühlte anscheinend, dass irgendetwas in der Ordnung der Kabine nicht ganz stimmte.

„Ich hatte beinahe nichts zu essen mehr übrig," sagte Clara. „Wenn du nicht vorbeigekommen wärst, hätte ich vielleicht wilde Beeren und Baumrinde essen müssen."

Joshua Richmond schnellte zurück in die Realität. Er drehte sich zu seiner Schwester um.

„Es ist natürlich nicht viel", gab er zurück. „Vorräte sind momentan schwer zu bekommen. Ich hoffe das ist ein Zeichen, dass der Krieg bald vorüber ist."

„Wirst du nicht bei deinem Regiment gebraucht? Sicher solltest du jetzt bei ihnen sein, anstatt hier bei mir."

„Ich habe ein paar Tage Fronturlaub. Gerade genug Zeit um hierher zu kommen und ein paar der Familien im County zu besuchen. Ich habe einige Briefe zuzustellen."

„Wirst du dann hier bleiben?" fragte Clara. Hermine konnte bei der Aussicht einen Schimmer von Sorge in ihren Augen erkennen.

„Ich fürchte das geht nicht."

Erleichterung lief über ihr Gesicht und sie versuchte ohne Erfolg einen kleinen Seufzer zu verbergen.

„In der Tat muss ich sofort aufbrechen."

Joshua ging zu seiner Schwester hinüber und umarmte sie erneut.

„Ich muss zu Benjamins Plantage. Seine Mutter erwartet mich."

„Das ist schon in Ordnung."

„Ich wünschte du würdest ihre Einladung annehmen und bei ihrer Familie unterkommen. Dies hier ist wirklich kein Ort an dem eine junge Frau leben sollte."

„Wie ich dir schon oft genug gesagt habe, mir geht es hier gut. Ich werde diesen Wald nicht verlassen bis die Yankees vollständig aus dem Süden verschwunden sind. Vaters letzter Wunsch war es, dass seine Besitztümer verschont bleiben."

„In Ordnung. Ich werde vermutlich für ein paar Wochen nicht zurückkommen können."

„Ich verstehe. Sei vorsichtig."

Joshua beugte sich herunter um seiner Schwester auf die Wange zu küssen. Als er sich zum Gehen wandte, stoppte ihn ein lautes Krachen aus dem Keller. Abrupt drehte er sich um und sah seine Schwester an. Besorgnis und Furcht standen ihr ins Gesicht geschrieben. Ohne ein weiteres Wort schritt er zur Falltür. Clara streckte ihren Arm aus, um ihn aufzuhalten, aber er ging an ihr vorbei.

„Es war nur eine Ratte!" versuchte sie ihn zu beruhigen.

Clara und Hermine folgten Joshua so schnell sie konnten die Leiter hinunter in den Keller. Ihre Augen wanderten sofort zu der Ecke, in der Captain Maddox sich versteckte. Zum Glück war er nicht zu sehen. Wo auch immer der Krach hergekommen war, es war nicht in seiner Nähe. Joshua schien allerdings nicht von der Rattengeschichte überzeugt. Seine Augen überflogen den düsteren Raum auf der Suche nach irgendetwas Ungewöhnlichem.

„Bitte, Joshua," beschwor ihn Clara. „Geh schon. Es war nur eine Ratte. Ich werde sie finden und umbringen. Du solltest Benjamins Mutter nicht warten lassen."

Offensichtlich noch nicht ganz überzeugt, wandte sich Joshua von den gestapelten Möbeln im hinteren Keller ab. Widerwillig folgte er Clara die Leiter hinauf. Seine Schwester bemerkte es nicht, aber Hermine sah Joshuas Gesicht, als er Captain Maddox Gewehr und den verheißungsvoll blauen Mantel des Union Offiziers auf dem Boden bemerkte. Hermine hatte keine Zweifel, dass Joshua sie gesehen hatte und verstehen würde was es bedeutete. Er sagte nichts, folgte nur seiner Schwester und verschwand aus der Hütte. Hermine war sich sicher, dass es nicht das letzte mal war, dass sie ihn sehen würde.

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