A/N: hier ist das nächste Kapitel.. wie versprochen hat es diesmal nicht ganz so lange gedauert :)
Disclaimer und Summary in Kapitel 1
Kapitel 12: Clara und Gabriel 4
Hermine war in ihrem ganzen Leben noch nie so gelangweilt. Unwissend, wie lange sie schon in dem frostigen, schmuddeligen Keller der Richmond Jagdhütte verbracht hatte, war sie definitiv reif zu ihrem geliebten Hogwarts zurück zu kehren. Nichts Aufregendes war passiert, während sie das Mädchen aus dem Süden und den Offizier aus dem Norden beobachtet hatte, seit Joshua Richmond unerwartet an der Tür seiner Schwester aufgetaucht war. Als Hermine gesehen hatte, wie Joshua die Eigentümer von Captain Maddox entdeckt hatte, die sie alle weg zu räumen vergessen hatten, als sie Gabriel im Keller versteckten, war sie sicher gewesen, dass es nicht länger als einen Tag dauern würde, bis er zurück kam.
„Muss irgendwo aufgehalten worden sein," versicherte sich Hermine. „Entweder das, oder er hat selbst nicht geglaubt was er gesehen hat."
Es war kein Geheimnis, dass Clara Richmond und Captain Maddox sich jeden Tag etwas näher standen. Ihnen zu zusehen, wie sich ihre Freundschaft und anschließend das gegenseitige Interesse langsam entwickelten, war für Hermine anfangs noch spannend gewesen. Nachdem Clara jedoch zu viel Zeit brauchte, sich dem Captain gegenüber zu öffnen, wurde es sehr langweilig.
„Warst du jemals in Ohio?" fragte Gabriel Clara in einer ihrer Unterhaltungen.
„Nein," antwortete sie, ohne ihre Augen von der Stickerei in ihren Händen zu heben. „Ich fürchte Maryland ist das nördlichste, das ich je gereist bin."
„Es ist ein wunderschönes Land," fuhr er fort. „Vielleicht… eines Tages… könnte ich es dir zeigen."
Beide, Hermine und Clara, sahen bei seinen Worten erstaunt auf.
„Mir Ohio zeigen?"
Seine Wangen röteten sich, etwas das Hermine niemals in Professor Snapes Antlitz zu sehen erwartet hätte.
„Vergib mir, wenn ich zu direkt war," erwiderte er schnell.
„Nichts da, Captain," gab Clara zurück, ihre Augen erneut auf die Stickerei gerichtet. „Ich habe dir schon mal von meiner Abneigung gegenüber lächerlicher Formalitäten erzählt."
Seine angespannten Züge schienen sich vor Erleichterung zu lockern.
„Vielleicht werde ich Ohio eine Tages besuchen," fügte sie hinzu und sah mit einem kleinen Lächeln zu Captain Maddox auf.
Dies schien den verunsicherten Captain zu beruhigen. Es war deutlich zu sehen, dass, obwohl er die junge Frau sehr gern hatte, er immer noch sehr nervös in ihrer Nähe war, besorgt sie wieder zu beleidigen oder etwas schlimmeres zu tun, dass sie wütend und aufgebracht machen würde. Er wollte nichts weiter, als sie nie wieder zu verärgern.
„Ich denke, dass, obwohl ich den Süden sehr liebe, ich sehr gern sehen würde, was dieses Land sonst noch zu bieten hat," fuhr Clara fort. „Natürlich, wenn der Krieg vorbei ist."
„Das sollte nicht mehr lange dauern," stimmte Gabriel zu. „Die Konföderierten können sich sicher nicht mehr lange halten…"
Er hielt abrupt inne, schließlich war er in Gesellschaft einer Konföderierten, deren Familie gegen ihn kämpfte. Seine Worte beunruhigten Clara nicht im Geringsten.
„Ja, ich fürchte meine Landsmänner werden diesen Krieg verlieren," antwortete sie in, für Hermine, einem geschlagenen Tonfall. „Aber das ist nicht wichtig… ich möchte, dass all diese Grausamkeiten vorbei sind. Kriege werden nicht nur auf dem Schlachtfeld gekämpft, Captain Maddox, sondern auch zu Hause in den Familien."
„Ich werde so bald wie möglich zu meinen eigenen Truppen zurückkehren müssen," sagte Gabriel, kaum lauter als ein Flüstern.
Clara hielt in ihrer Arbeit inne, ließ die Stickerei sinken und sah zu dem Mann auf, den sie inzwischen zutiefst gern hatte.
„Wie willst du zu deinen Truppen zurückkehren?" fragte sie, versucht unberührt zu klingen.
„Ich denke, ich werde zu Fuß gehen müssen."
„Diese Wälder sind gefährlich für einen Soldaten aus dem Norden. Nicht nur sind sie voll von konföderierten Nachzüglern, sondern auch von einfachen Bauern und Plantagenbesitzern, die nicht zweimal darüber nachdenken würden einen Yankee gefangen zu nehmen… oder zu töten."
„Ich fürchte, das Risiko muss ich auf mich nehmen. Meine Männer haben mich vermutlich vergessen oder nehmen an ich sei tot. Ich kann nicht einfach ruhig hier sitzen, während sie ihr Leben riskieren und kämpfen."
Hermine konnte die Steigerung der Spannung im Raum förmlich spüren. Captain Maddox wählte seine Worte mit Vorsicht, das war ihr klar. Er dachte über alles zweimal nach, bevor er es aussprach. Miss Richmond war ruhig, zu ruhig.
„Ich schätze, du hast Recht," sagte Clara schließlich. „Du wirst so schnell wie möglich zu deinen Männern zurückkehren müssen."
Sie nahm ihre Stickerei in die Hände und stand auf. Ohne ein weiteres Wort durchquerte sie den Raum zur Leiter. Captain Maddox erhob sich rasch von der Couch und ergriff sie sanft am Arm. Clara hielt inne, ihre Augen abgewandt, um seinem gefühlstiefen Blick zu entgehen.
Hermine war nicht mehr gelangweilt. Sie sah mit ungeteilter Aufmerksamkeit zu. Dies war das erste Mal, dass sie sich berührten. Einmal hatten sich ihre Hände kurz gestreift, als sie beide nach einem heruntergefallenen Taschentuch gegriffen hatten. Sie waren beide heftig errötet und hatten sich gegenseitig mit Entschuldigungen überhäuft.
Gabriel legt beide Hände auf Claras Schultern. Als sie nicht zu ihm aufsah, wie er es erwartet hatte, hob er mit seiner rechten Hand ihr Kinn an. Braune Augen trafen auf schwarze.
„Ich werde die nicht vergessen, Miss Richmond," versprach Captain Maddox. „Wenn dieser Krieg endgültig vorbei ist, werde ich zurückkehren."
„Ohio?" flüsterte Clara behutsam.
Gabriel lächelte.
„Natürlich. Ich werde zurückkommen und dich mit mir nach Ohio bringen. Du hast dich um mich gekümmert und ich gelobe dir mich um dich zu kümmern."
Er lehnte sich zögerlich zu ihr herunter und gab ihren Lippen einen sanften Kuss. Hermine konnte sich nicht helfen und ein kleiner Seufzer entrann ihr bei dem Anblick.
„Heißt das wir sind…?" begann Clara, hielt aber inne, bevor sie die Frage ausformulieren konnte.
„Verlobt?" fragte Gabriel erwartungsvoll. Es war offensichtlich, dass er nervös war, unsicher wie sie auf seinen Antrag reagieren würde.
Clara fand die Knöpfe an ihrer Jacke plötzlich extrem interessant. Sie sah hinab und fing an, an einem herumzufummeln, nervös, unkomfortabel. Sie wollte offensichtlich herausfinden, ob es wirklich das war was sie wollte, bevor sie ja sagte. Gabriel wurde durch ihr Schweigen noch nervöser. Er begann unruhig sein Gewicht von einem Bein aufs andere zu verlagern.
„Ich verstehe natürlich, wenn du zuerst mit deinem Bruder darüber sprechen musst," begann er. „Schließlich ist er nun das Familienoberhaupt."
Das hatte Clara nicht zu hören erwartet. Sie ließ ihren Knop los und sah Gabriel direkt in die Augen.
„Ich muss niemanden um Erlaubnis fragen, um zu tun was ich will," erklärte sie fest.
„Dann…" Gabriel war noch immer recht nervös. „Heißt das…?"
Clara sah zu ihm auf und lächelt, um den Mann zu beruhigen.
„Ja, wenn du zurückkehrst werde ich dich heiraten," antwortete sie.
Hermine hatte noch nie einen so glücklichen Ausdruck auf Professor Snape Gesicht gesehen. Zu schade, dass es nicht wirklich sein Gesicht ist, dachte sie. Es würde ihm stehen.
„Ich bin sehr glücklich, dass du das sagst," sprach Gabriel zu seiner neuen Verlobten.
Der Captain beugte sich vor, um die Verlobung mit einem Kuss zu besiegeln. Hermine war aufgeregt. Es schien, zum ersten Mal, dass ein Paar es tatsächlich schaffen sollte. Gerade als ihre Lippen sich zu ihrem zweiten Kuss treffen sollten…
„Nimm deine dreckigen Hände von ihr!" Das Paar war von niemand anderem als Claras Bruder, Joshua Richmond, angetroffen worden. Neben ihm standen drei seiner konföderierten Kameraden.
Was als nächstes geschah, passierte so schnell, dass Hermine kaum registrierte was gerade vor sich ging. Zuerst versuchte Gabriel Clara hinter sich zu schieben und sie vor den Eindringlingen zu schützen.
„Nein!" Clara sprang vor Gabriel, als sie sah wie ihr Bruder und seine Kameraden ihre Waffen zogen.
„Clara, geh aus dem Weg!" befahl Joshua, das Gewehr an seiner Schulter, schussbereit.
„Nein, Joshua! Bitte!" Sie schrie, ihr Gesicht rot vor Wut oder Angst, Hermine wusste nicht was es war.
„Deshalb wolltest du mich hier letztens so schnell loswerden, Clara?" Joshua war rasend vor Wut.
Gabriel schob Clara zur Seite, und stellte sich direkt vor Joshua. Benjamin, einer der anderen Konföderierten, ergriff Clara rasch und zog sie von Captain Maddox fort. Gabriel rührte sich kaum, als sie weggezogen wurde.
„Du bist also der Captain, nach dem wir schon die ganze Zeit suchen," spuckte Joshua aus. „Bist uns ganz schön durch Netz gegangen beim letzten Kampf. Wir haben dich drei Tage lang gesucht. Und zu denken, dass du die ganze Zeit hier in der Hütte bei meiner Schwester warst. Hast du gedroht sie umzubringen, falls sie nicht kooperiert?"
„Ganz und gar nicht," protestierte Captain Maddox. „Clara hat mich aus freiem Willen aufgenommen."
„Sprich nicht ihren Namen!"
„Joshua, bitte hör auf!" Clara mühte sich ab aus Benjamins Griff zu entkommen.
„Jetzt verstehe ich weshalb du hier bleiben wolltest und nicht zu Benjis Plantage. Der Schleimbeutel hat dich hier gehalten."
Joshua trat näher an Gabriel heran. Einer der anderen Männer, Hermine wusste den Namen nicht, trat hinter den Captain und nahm sein Union Gewehr. Gabriel stand nun in der Mitte des Kellers, unbewaffnet, mit drei Gewehren auf ihn gerichtet.
„Es gibt im Umkreis von Meilen keinen einzigen Unionsoldaten mehr," sagte Joshua und ignorierte die wiederholten Proteste und Rufe Captain Maddox in Ruhe zu lassen. „Wenn dir etwas zustößt, bin ich sicher keiner wird dich vermissen. Offensichtlich haben deine Männer nicht versucht dich zu finden."
„Wenn du ihm etwas antust, Joshua," sagte Clara heftig. „Dann verletzt du deinen zukünftigen Schwager!"
Es gab kein Wort in Hermine Vokabular, das den Ausdruck auf Joshuas Gesicht bei dieser Eröffnung hätte beschreiben können. Es war eine Mischung aus vielen Emotionen, hauptsächlich Wut.
„Zukünftiger Schwager, wie?" Er trat drohend näher an den Captain heran. „Konntest deine dreckigen Hände nicht von ihr lassen? Jetzt musst du sie auch noch heiraten?!"
„Nein, Joshua!" protestierte Clara. „Nichts dergleichen ist passiert!"
„Tut mir leid dich enttäuschen zu müssen, Schwesterherz, aber ich werde nicht zulassen, dass du einen dreckigen Yankee heiratest. Vor allem keinen Feigling."
„Das ist eine Angelegenheit, die dich nichts angeht," gab Gabriel fest zurück.
„Oh, tut sie nicht, was?" spottete Joshua.
„Clara hat ihre eigene Entscheidung getroffen. Sie braucht dich nicht, um sie zu führen."
„Ich bin die einzige Familie, die sie noch hat! Sie ist meine Schwester. Ich würde sie umbringen, bevor ich zulasse, dass sie dich heiratet," sagte Joshua und drehte das Gewehr von Gabriel auf eine geschockte und erboste Clara.
„Das ist doch nicht dein Ernst, Joshua!" rief Benjamin, der Clara immer noch fest hielt.
„Wenn sie einen Yankee heiraten möchte, würde ich sie lieber tot sehen!"
Hermine sah wie Gabriel sich auf Joshua stürzte. In letzter Sekunde riss Joshua das Gewehr herum und schoss. Der Captain hielt inne und brach leblos zusammen.
„NEIN!" schrie Clara, und wandt sich aus Benjamins Griff. Sie lief an Gabriels Seite. „Du wirst wieder gesund. Alles wird wieder gut." Offensichtlich sagte sie es, um sich selbst zu beruhigen und nicht den Offizier vor ihr.
„Ich sterbe, meine Liebe. Aber ich kann nicht sterben, ohne einen letzten Kuss von dir," keuchte Gabriel.
Clara beugte sich vor und küsste ich ein letztes Mal. Hermine konnte nichts tun, als ihr die Tränen das Gesicht herunter liefen. Die Geschichte war tragisch. Gabriel und Clara hatten sich geliebt, von dem Moment an, als sie sich das erste Mal sahen. Es war so offensichtlich. Die Zeit, die sie miteinander verbracht hatten, war kurz, aber bedeutsam. Und jetzt… jetzt zu wissen, dass Claras eigener Bruder für Gabriels Tod verantwortlich war. Es war beinahe zu viel für Hermine.
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Hermine war nicht länger in einem dunkeln, voll gestellten Keller mit Clara, wie sie um ihre verlorene Liebe trauerte. Sie befand sich mitten in einem einfachen Wohnzimmer. Zwei Frauen, die Hermine noch nie gesehen hatte, saßen in Schaukelstühlen und strickten. Sie unterhielten sich fröhlich miteinander. Eine der Frauen, offensichtlich die ältere, hatte beinahe vollständig ergrautes Haar. Die andere war ziemlich jung. Nicht älter als 19 Jahre alt.
„Clara Liebes, da bist du ja," sagte die ältere, als Clara durch eine Seitentür eintrat.
Sie hatte sich verändert, in der Zeit seit Hermine sie das letzte Mal gesehen hatte. Die Traurigkeit war noch immer da, doch sie versuchte ihr bestes sie zu verbergen. Ihr Gesicht war nicht länger dreckig, ihr Kleid sauber und ihre Haare ordentlich.
„Margaret und ich haben uns schon gefragt, wo du hin bist." Die Frau lächelte Clara freundlich an.
„Ich hoffe, ich habe keine Sorgen bereitet, Mrs. Milton," gab Clara zurück, als sie sich in einem leeren Sessel niederließ. Ein Korb voller Stricksachen stand daneben. Sie nahm sie auf und fing an zu arbeiten.
„Natürlich nicht," antwortete die jüngere. „Mutter und ich haben nur deine Gesellschaft vermisst. Wir freuen uns, dass du hier bist. Nicht wahr, Mama?"
Mrs. Milton lächelte beiden Mädchen zu.
„Ja, das tun wir," sagte sie. „Und ich bin so dankbar, dass du dich endlich entschieden hast, diese Hütte zu verlassen und zu uns zu ziehen. Benjamin war halb verrückt vor Sorge."
Stille viel über den Raum, als die drei Frauen zu ihrer Arbeit zurückkehrten. Hermine beobachtete Clara Gesicht aufmerksam. Sie war tief in Gedanken versunken, offensichtlich aufgebracht. Ich kann es ihr nicht verübeln, dachte Hermine bitter.
„Mrs. Milton!" kam ein Ruf von draußen.
Mrs. Milton erhob sich aus ihrem Stuhl, legte ihre Näherei darauf ab und ging rasch zum großen Frontfenster hinüber. Margaret folgte ihrer Mutter. Hermine lief zum Fenster, um zu sehen worum es bei dem ganzen Lärm ging. Nur Clara blieb sitzen.
„Mrs. Milton!" Ein Junge, wohl kaum mehr als dreizehn Jahre alt, sprang von seinem Pferd und rannte zum offenen Fenster hinüber.
„Was ist denn los, Jack?" fragte sie den Jungen ungeduldig.
„Der Krieg ist vorbei!" rief er.
„Was?" Mrs. Milton schien erregt und aufgebracht zugleich.
„General Lee hat beim Appomattox Gerichtshaus kapituliert. Es ist vorbei!" erklärte Jack. „Mama sagte, ich solle sofort her reiten und es Ihnen erzählen."
„Danke dir, Jack! Und danke auch deiner Mutter."
„Ja, Ma'am," Jack lief zu seinem Pferd zurück, saß auf und ritt den Weg hinunter.
Mrs. Milton und Margaret wandten sich einander zu.
„Es ist endlich vorbei!" rief Margaret. „Benjamin kommt bald heim."
Mrs. Milton nahm ihre Tochter fest in den Arm.
„Ja, das wird er. Oh, und Joshua auch!" Sie drehte sich zu Clara um, die still zu weinen angefangen hatte. „Kein Grund zu weinen, Kind. Es ist endlich vorbei. Jetzt können du und Benji endlich heiraten, so wie geplant bevor dieser schreckliche Krieg anfing."
Diese Neuigkeit schockierte Hermine und veranlasste Claras Tränen nur noch stärker zu fallen. Clara hatte geplant Benjamin zu heiraten noch bevor sie Captain Maddox überhaupt getroffen hatte? Sie war verwirrt. Clara stand abrupt auf, ihre Strickerei fiel zu Boden und sie drehte sich um und stürmte aus dem Zimmer und aus dem Haus.
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Die Sonne schien gleißend, als Hermine die Augen nach dem nächsten Lidschlag öffnete. Sie stand in einem alten Kirchenfriedhof. Es schien nicht viel Zeit vergangen zu sein. Clara sah noch genauso aus wie vorher. Sie ging entschlossen auf ein großes Monument am Ende des Friedhofs zu. Als sie anhielt, sah Hermine sich den Grabstein genauer an, an dem Clara ihre Blumen ablegte.
Captain Gabriel William Maddox 1825 – 1864
„Ohio ist wunderschön," sprach Clara zu dem Grabstein. „Genau wie du gesagt hast."
Hermine fühlte wie sich Tränen in ihren Augen sammelten. Clara hatte es nach Ohio geschafft, aber sie war allein.
„Der Krieg ist nun beinahe ein Jahr vorbei," fuhr sie fort. „Du hast das Ende nur um ein paar Monate verpasst."
Clara hielt inne, um sich die Tränen mit einem Taschentuch aus dem Gesicht zu wischen.
„Ich habe gemerkt, dass ich nicht in dem Land bleiben konnte, in dem ich aufgewachsen war. Zu viele schmerzhafte Erinnerungen. Nicht nur von dir, aber die wären bereits genug gewesen. Ich konnte nicht länger bei denen, die mal meine Familie waren, bleiben."
Sie seufzte tief.
„Ich habe dir mal erzählt, dass ich gerne sehen würde, was dieses Land alles zu bieten hat. Nun… dazu breche ich nun auf. Mir wurde erzählt Oregon sei ein wunderschönes Land. Ich habe mich noch nicht entschieden wo ich hingehe, aber ich werde weit weg von allem sein, das ich bisher kannte. Ich wollte sehen… wo du liegst, bevor ich gehe. Um ein letztes Mal Abschied zu nehmen."
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Wieder einmal änderte sich das Geschehen um Hermine. Sie stand nun am Ufer eines breiten, wilden Flusses. Dutzende Planwagen standen in einer Reihe und warteten bis sie an der Reihe waren den Fluss zu überqueren. Hermine sah dem Wagen zu, der bereits in der Mitte angekommen war. Alles schien in Ordnung zu sein, bis, aus irgendeinem Grund, der gesamte Wagen plötzlich umkippte. Sie konnte Schreie von drinnen hören, als die Insassen verzweifelt versuchten sich zu befreien.
Männer sprangen von ihren eigenen Wagen und stürzten ins Wasser, um die gefangenen Pioniere zu befreien. Der Mann, der den Planwagen gefahren hatte, schien in Ordnung und zog eine Frau heraus, von der Hermine annahm, dass es seine Frau war. Hilfe kam und sie zogen zuerst ein Kind heraus, dann zwei und schließlich drei Kinder.
„Clara!" rief die Frau des Fahrers.
Hermine sah zu, wie ein Mann die leblose Figur von Clara aus dem Wasser zog. Er eilte mit ihr ans Ufer, aber es war zu spät. Sie war bereits tot… ein Opfer des Flusses.
Dies brach Hermines gebrochenes Herz noch mehr. Clara hatte so viel gelitten, so viel erreicht, nur um auf dem Weg in ein neues Leben zu ertrinken. Sie konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten. Sie rannen frei ihre Wangen hinunter und drohten niemals aufzuhören.
Severus fand seine privaten Räume so auf, wie er sie verlassen hatte… beschämend unordentlich. Es gab nur einen Ort, den er vollständig für sich allein hatte. Er hatte Schutzschilde überall in seinen Räumen angebracht, um die Hauselfen fern zu halten. Während sein Büro und Klassenzimmer immer makellos waren, zog er sich gerne in die dunklen, unaufgeräumten Zimmer zurück.
Seine Gedanken waren immer noch bei Herm… Miss Granger… er musste sich davon abhalten, es zu persönlich werden zu lassen… Miss Grangers heikle Lage. Er gab sich natürlich selbst die Schuld. Sie hatte nur getan, was er verlangt hatte, und er hatte das Gefühl, dass er sie tatsächlich von ihrer Aufgabe abgelenkt hatte.
Da er wusste, dass selbst die stärksten Schlaftrunke von einer besorgten, gestressten Laune beeinflusst werden konnten, schritt Severus direkt zu seinem Bücherschrank hinüber, in dem er immer eine Flasche Scotch aufbewahrte. Nachdem er ein Glas hinunter geschüttet hatte, entkorkte er den Schlaftrunk und spülte ihn in einem Schluck herunter. Er wollte nicht in seinem Bett schlafen, da es momentan mit allen möglichen Kleiderartikeln belegt war. Stattdessen machte er es sich auf dem Sofa vor dem brausenden, magischen Feuer gemütlich und wartete auf die Wirkung des Zaubertrankes.
Severus musste nicht lange warten. Beinahe bevor er seine Füße auf das Sofa gezogen hatte, war er schon eingeschlafen. Er rutschte in einen langen, dunklen Tunnel. Seine Atmung wurde langsamer, tiefer. Gerade als er fühlte wie er in einen tiefen Schlaf sinken wollte, spannte sich sein ganzer Körper an. Severus fühlte, wie sich die Räder in seinem Kopf drehten, obwohl er in einem traumlosen Schlaf liegen sollte. Ohne Vorwarnung wurde sein Gehirn von bunten Farben und Schatten überflutet. Er reiste mit verzerrter Geschwindigkeit durch eine Art Vortex.
So rasch wie sie aufgetaucht waren, waren die Farben und Schatten auch schon wieder verschwunden. Severus fand sich in einem leeren Feld voll grünem Gras wieder. Nur ein paar Meter vor ihm sah er die Figur einer jungen Frau am Rand eines Gewässers stehen. Fasziniert trat er vor, um zu sehen wer diese liebliche Frau wohl sein mochte. Anscheinend seine Anwesenheit bemerkend, drehte sie sich zu dem Professor um. Sein Herz machte einen Sprung, als er merkte, dass er vor Hermine Granger stand. Ihre Augen waren rot und geschwollen. Frische Tränen rannen ihre Wangen herunter. Schließlich, nach einer halben Ewigkeit, sprach sie.
„Ich habe mich gefragt, wann ich Sie sehen würde."
