A/N: Disclaimer und Summary im ersten Kapitel.
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Kapitel 13: Hogwarts
„Ich habe mich gefragt, wann ich Sie sehen würde."
Zu sagen, dass Severus verwirrt war, war untertrieben. Er hatte nicht erwartet einzuschlafen und sich in Hermine Grangers Gegenwart wieder zu finden. Und er hatte definitiv nicht erwartet, dass sie ihn erwartete. Neugierig, was genau gerade vor sich ging, mit dem Gefühl, dass sie vielleicht die Antwort wusste, öffnete Severus seinen Mund um zu sprechen. Bevor jedoch ein einziges Wort über seine Lippen kam, hörte er…
„Haben Sie erwartet, dass ich Ihnen hinterher laufe?" Es war eine Stimme, die Severus nur zu gut kannte. Er drehte sich so schnell er konnte um, stolperte dabei beinahe. Keine fünf Meter entfernt stand ein exaktes Abbild von… ihm selbst.
„Was zum Teufel geht hier vor sich?!" fragte er die zwei Wesen neben ihm. Keiner der beiden schien ihn zu hören oder überhaupt wahrzunehmen, dass er dort war. In der Tat starrte Hermine direkt durch ihn hindurch.
„Mir hinterher laufen?" fragte Hermine ungläubig. „Nein, natürlich nicht. Sie würden mir nie hinterher laufen. Ich glaube, das haben Sie mit ihren Handlungen vorhin deutlich gezeigt."
Ihre Worte waren beißend. Obwohl er keine Ahnung hatte, warum sie wütend war oder warum sie überhaupt in irgendeinem merkwürdigen Feld mit ihm, oder was er annahm, dass er es war, stand, konnte Severus die Schärfe in ihrer Stimme spüren. Sehr wenige Male in den sieben Jahren, in denen er die liebenswürdige Miss Granger kannte, hatte er gesehen, wie sie die Geduld verlor oder auch nur das kleinste bisschen Wut zeigte. Was auch immer ‚er' ihr getan hatte, sie war offensichtlich sehr aufgebracht.
„Ich fürchte, ich verstehe nicht ganz warum Sie wütend auf mich sind, Miss Granger," erklärte sein Doppelgänger einfach.
„Vergeben Sie mir, Professor," sagte sie bitter. „Aber ich war nicht diejenige, die heute Abend im Krankenflügel so eine peinliche Szene gemacht hat."
„Miss Granger, ich will keine Schuld hin und her schieben, aber Sie waren diejenige, die mit so unfassbaren Geschichten aufgewacht ist."
Severus fing an sich die Umgebung genauer anzusehen. Die Unterhaltung, die zwischen Miss Granger und ihm vor sich ging war, nicht zu guter letzt, rätselhaft. Nach einigen Momenten, in denen er sich umsah, wusste er wo er sich befand… auf dem Hogwartsschulgelände. Der See neben dem sie standen war derselbe in dem der Riesenkrake hauste.
„Mir wurde ein Geschenk gemacht!" schrie sie, die Stille unterbrechend. „Ich weiß nicht warum oder wie… aber ich habe die Vergangenheit gesehen. Während ich dort in diesem Krankenbett lag, während alle um mich herum arbeiteten, voller Angst, dass ich sterben könnte… habe ich die Vergangenheit wieder erlebt."
„Ja, ich erinnere mich an den Teil. Ihre früheren Leben, nicht war?" Er glaubte Hermine nicht, das war offensichtlich.
„Setzen Sie sie nicht so herab!"
„Miss Granger, darf ich Sie daran erinnern, dass Sie noch immer in Hogwarts sind und ich ein Professor bin?" Severus hob seine Stimme. „So sollten Sie Ihre Lehrer nicht behandeln."
„Vielleicht wäre ich etwas respektvoller, wenn Sie sich nicht wie ein absoluter Trottel benehmen würden!"
Severus, der Severus, der sich mit Hermine unterhielt, packte sie schnell am Arm. Er starrte wütend auf sie hinab. Jeder andere, vor allem ein Schüler, in ihrer Situation wäre unter seinem Blick zusammen gesunken. Hermine tat dies nicht. Sie stand noch aufrechter und starrte dem bedrohlichen Professor direkt zurück in die Augen.
„Sie können mich nicht mehr verschrecken, Professor," sagte sie fest. „Ich habe eine Seite von Ihnen gesehen, viele Seiten, von denen, glaube ich, nicht einmal Sie etwas wissen."
Er ließ ihren Arm los.
„So, dann kennen Sie mich besser, als ich mich selbst, oder wie?"
„So ähnlich."
„Dann bin ich ein offenes Buch, bereit gelesen zu werden?" Er war immer noch ziemlich wütend über die Unverschämtheit seiner beinahe ehemaligen Schülerin.
„Sie sind für mich sicherlich nicht mehr so mysteriös, wie Sie einmal waren. Ich weiß jetzt, dass Sie nicht so fürchterlich sind, nur traurig."
„Ich glaube nicht, dass meine persönlichen Gefühle Sie irgendetwas angehen, Miss Granger."
„Was ist geschehen, dass Sie so traurig macht?" fragte sie leise und blickte in seine geweiteten Augen.
„Es gibt nichts an mir über das Sie sich Gedanken machen sollten."
Offensichtlich wollte er das Thema nicht weiter erkunden. Er wandte sich von Hermine ab und starrte über den See, hoffend, dass sie verstehen würde, dass er nicht weiter reden wollte.
„Ich wünschte, Sie wären dort gewesen," sprach Hermine nach einigen Minuten der Stille. „Zu sehen, was ich gesehen habe. Zu hören, was ich gehört habe, zu fühlen, was ich gefühlt habe. Sie wären nicht so ungläubig."
Severus hielt inne und sah die junge Frau an. Beide, er und der Severus, der die beiden nur dieser Art Traum besuchte, starrten Hermine mit neu gefundenem Interesse an. Sie sehnten sich beide danach ihr Geheimnis zu erfahren und zu verstehen, was sie sagte.
„Vielleicht war ich zu voreilig, Sie vorhin im Krankenflügel zu unterbrechen," gab Severus zurück. „Würden Sie mir bitte noch einmal sagen, was Sie versucht haben mir zu erklären?"
„Und was dann? Sie versuchen mich wieder bloßzustellen, alles was ich sage als erfunden darzustellen?" Hermine schnaubte beinahe vor Spott. „Nein danke. Ich würde das lieber nicht noch einmal erleben müssen."
Severus ließ einen frustrierten Seufzer los und wandte seinen Blick wieder dem grauen, nebeligen See vor ihnen zu. Es war ein kalter Abend, ungewohnt kalt für die Jahreszeit. Er schüttelte sich unfreiwillig, als eine kalte Brise vom See ihn traf. Sie waren beide still. Keiner wollte etwas zum anderen sagen, aber ebenso wollte keiner der beiden gehen.
„Sie waren alle so traurig," sagte Hermine laut.
„Wer, Miss Granger?"
„Sie alle… Henri, Camille, Clara, Gabriel… alle," seufzte sie.
„Und Sie glauben diese… Visionen, die Sie hatten, während Sie bewusstlos waren, waren tatsächlich Menschen, die einmal gelebt hatten?"
Hermine sah ihren Professor wütend an.
„Sie waren echt," bestand sie.
„Woher wissen Sie, dass sie echt waren?" Er versuchte nicht schwierig zu sein, zumindest glaubte er das. Er wollte nur die Details wissen.
„Nicht alles ist so einfach wie schwarz und weiß," antwortete sie leise und wandte sich ab. „Es gibt Dinge, die man einfach spürt. Ich weiß, dass sie echt waren. Ich weiß, dass ihre Geschichte und ihre Leben tatsächlich geschehen sind. Ich weiß, dass, aus irgendeinem Grund, den ich nicht verstehe, mir die Möglichkeit gegeben wurde sie zu besuchen. Um hautnah zu erleben, was all diese Jahre zuvor mit all diesen Menschen passiert ist."
„Sie sagten, dass… dass ich auch dort war?"
Hermine drehte sich wieder Severus zu.
„Ja, ich sah Sie jedes Mal." Sie stellte sich vor ihn hin und sah ihm direkt in die Augen. Er trat einen Schritt zurück, ob aus Angst oder Nervosität, er wusste es nicht. „Es waren nicht Sie, das weiß ich. Es war jemand, der Sie einmal waren. Vor langer Zeit."
„Ich weiß nicht, wer ich mal war, Miss Granger, oder ob ich überhaupt an vergangene Leben glaube. Mein Metier sind Zaubertränke. Sibyll Trelawney ist diejenige, mit der Sie sprechen sollten, wenn Sie vergangene Leben diskutieren wollen."
Hermine schnaubte bei der Erwähnung von Trelawney. Severus schaffte es ein Schmunzeln zurück zu halten.
„Sie waren echt, Professor," behauptete sie erneut. „So echt, wie Sie und Ich jetzt."
„Ich zweifle nicht, dass Sie glauben sie waren echt, Miss Granger… aber Fakt ist," Er hielt inne, als er ihren finsteren Blick auf sich gerichtet sah.
„Ist es so schwer zu glauben? Zu glauben, dass unsere Vergangenheit, und ich glaube auch unsere Zukunft, so eng miteinander verbunden ist?"
„Sie sind meine Schülerin, Miss Granger," gab Severus zurück. „In ein paar Tagen werden Sie Hogwarts verlassen und Ihre Arbeit im Zaubereiministerium beginnen. Von dann an ist unsere gemeinsame Zeit vorbei."
„Darin liegen Sie meiner Meinung nach falsch, Professor."
Hermine studierte seine Gesichtszüge einen Moment länger, auf der Suche nach irgendeinem Anzeichen, dass er ihr glaubte, dass ihr Zaubertränkeprofessor ihre gemeinsame Zeit nicht beenden wollte. Als sie keines fand, wandte sie sich ein letztes Mal ab.
„Ich wünschte, Sie würden mir glauben, Professor," sagte sie leise. „Aber da Sie es nicht tun, werde ich Ihren Wunsch respektieren. Den Augenblick, in dem ich Hogwarts verlasse, wird es vorbei sein. Ich werde weiterleben und versuchen zu vergessen, was in den letzten Stunden passiert ist."
Severus sagte nichts, als er seine Schülerin fortgehen sah. Er folgte ihr bald darauf zum Schloss und ließ den anderen Severus, den träumenden Severus, am Ufer des Sees allein, in Gedanken versunken über das was gerade geschehen war.
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Albus Dumbledore sank in den übergroßen Chintz Sessel vor seinem offenen Kaminfeuer seines Büros. Es war ein langer Tag gewesen und bereits jetzt sah es so aus, als ob es eine lange Nacht werden würde. In nur ein paar Minuten würde er im Großen Saal zum Abendessen erwartet werden.
„Professor Dumbledore, Sir," kam eine piepsige Stimme hinter seinem Sessel hervor.
Professor Dumbledore lächelte und drehte sich zu dem kleinen Hauself um, der gerade in sein Büro appariert war.
„Warst du in der Lage deine Aufgabe zu vollbringen, Dobby?" fragte er erwartungsvoll.
„Ja, Professor Dumbledore. Dobby hat getan was Professor Dumbledore verlangt hat."
„Exzellent. Danke, Dobby." Er stand auf. Bevor er sein Büro jedoch schwungvoll verlassen konnte, hielt Dobby ihn auf.
„Professor Dumbledore?"
„Ja, Dobby?" Der alte Zauberer lächelte gütig zu dem nervösen Hauself herab.
„Dobby fragt sich, warum Professor Dumbledore wollte, dass Dobby Professor Snapes Schlaftrunk mit dem Trunk, den Professor Dumbledore ihm gegeben hat, vertauscht."
Dumbledore lachte herzlich und lächelte dem Hauselfen erneut zu.
„Einer meiner brillanteren Pläne, Dobby, falls ich das so sagen darf!" lachte er. „Weißt du, Dobby, Miss Granger ist gerade im Krankenflügel."
„Ja, Dobby hat von der armen Miss Granger gehört. Dobby hofft, dass Miss Granger wieder gesund wird."
„Das tue ich auch, Dobby, ich auch. Aber siehst du, Miss Granger ist jetzt auf einer Reise, einer langen und beschwerlichen Reise..."
„Aber Professor Dumbledore," unterbrach Dobby. „Miss Granger ist doch immer noch im Krankenflügel! Dobby hat sie dort vor wenigen Minuten selbst gesehen."
„Ja, Dobby. Miss Grangers Körper liegt im Krankenflügel, anscheinend in einem sehr ernsten Zustand," stimmte er zu. „Aber es ist ihr Geist, ihre Seele, die durch Raum und Zeit reist. Sie erlebt erneut einige Fehler der Vergangenheit. Diese Fehler beinhalten Professor Snape."
Dobby nickte, als ob er verstanden hatte, wovon Professor Dumbledore sprach. Das alles ging ihm in Wirklichkeit zu seinen fledermausartigen Ohren hinein und gleich wieder heraus, doch er wollte, dass der Professor fortfuhr.
„Ich habe Professor Snape gebeten bei Miss Granger zu bleiben und dort zu sein, wenn sie aus dem Schlaf erwachen würde."
„Aber Professor Snape war in den Kerkern, als Dobby dort war."
„Ja, ich dachte mir schon, dass Severus sich so schnell wie möglich in die Kerker zurückziehen würde. Aber ich weiß auch, dass er einen Befehl seines Schulleiters sehr ernst nehmen würde. Er wird im Krankenflügel sein, wenn Miss Granger aufwacht."
Dobby nickte erneut, immer noch nichts verstehend.
„Um auf die lange Nacht im Krankenflügel vorbereitet zu sein, würde Severus ein kurzes Nickerchen in seinen Räumen halten. Da er so aufgebracht war, musste er einen Schlaftrunk nehmen." Dumbledore lachte erneut. „Und deshalb habe ich dir den Traumtrunk gegeben, den ich aussehen ließ wie Traumlosen Schlaftrunk."
„Dobby versteht nicht, warum Professor Snape träumen soll, Sir."
„Es ist sehr kompliziert, Dobby, ich kann es nicht alles erzählen, aber ich sage dir eines: Severus wird träumen wie sein Leben aussehen wird, sollte er sich entscheiden nicht zu glauben, was Miss Granger ihm erzählt, wenn sie wieder aufwacht. Das Leben wird für ihn nicht sehr froh sein ohne sie, Dobby. Sie brauchen sich. Ihre Wege mussten sich kreuzen."
„Professor Snape wird sehen, wie traurig Professor Snape ohne Miss Granger sein würde?"
„Ganz genau."
„Darf Dobby fragen, wie Professor Dumbledore Professor Snape dazu bringen will, vom Leben ohne Miss Granger zu träumen?"
Dumbledore lachte.
„Das ist eines meiner Geheimnisse, Dobby. Ich fürchte, ich kann es dir noch nicht verraten."
„Darf Dobby fragen, warum es so wichtig für Professor Dumbledore ist, dass Professor Snape und Miss Granger glücklich zusammen sind?"
„Ah, Dobby, das kann ich dir auch nicht sagen. Ich habe viele Geheimnisse, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie enthüllt werden sollen. Ich werde dir dies antworten, Dobby: Die Zukunft von Professor Snape und Miss Granger beeinflusst mich sehr persönlich. Sie beeinflusst auch jemanden, dem ich sehr nahe stehe."
„Darf Dobby…"
Professor Dumbledore hob eine Hand um den Hauselfen zu stoppen.
„Alle Geheimnisse kommen eines Tages ans Licht, Dobby."
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A/N: Diesmal ging es wieder schneller. Ich habe immer so Phasen, in denen ich ploötzlich ganz viel schreibe und gar nicht mehr aufhören will.. und dann wieder Phasen in denen ich lange nichts schreibe.. Danke dass ihr trotzdem so geduldig seid und immer wieder weiterlest! :) Freue mich immer über Reviews!
