A/N: Danke für die tollen Reviews! Freut mich, dass es euch so gut gefällt! Ich bemühe mich wirklich schnell weiter zu machen, aber momentan bin ich wieder etwas im Stress... Das nächste Kapitel kann also ein paar Wochen dauern! Aber ich werde mich beeilen! :)

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Kapitel 15: Severus

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Severus fand sich unwillig über das nebelige Hogwarts Gelände auf die Eingangshalle zugehen. Die Luft war für die Jahreszeit untypisch kalt. Sein Atem stieg in weißen Schwaden um ihn auf. Als er über die Schwelle in die Halle trat lief bei der plötzlichen Kälte ein Schütteln durch seinen Körper. Die Luft war aber nicht die einzige Kälte, die ihm entgegen schlug. Aus unbekanntem Grund schien die Atmosphäre in der Halle befremdlich und feindlich.

„Was machst du hier, Hermine?"

Er bewegte sich auf die Ecke der Halle zu, als er die gereizte, weibliche Stimme hörte. Zu seiner Überraschung fand er eine anders aussehende Hermine Granger. Sie war älter, das war offensichtlich. Wie viele Jahre älter, konnte Severus jedoch nicht sagen. Er schätzte, dass sie etwa zehn Jahre älter war, als die Hermine, die er mit seinem Doppelgänger am See diskutieren gesehen hatte. Sie hatte sich die Haare kürzer geschnitten. Nicht länger buschig und hüftlang, fielen ihre glatten braunen Locken über Kinnlänge. Miss Granger war nicht mehr in der tristen Hogwarts Schuluniform gekleidet, sondern trug eine niveauvolle, aber einfache, dunkelblaue Robe.

„Was zum Teufel geht hier vor sich?!" fragte Severus mindestens zum dritten Mal seit er in dieser Parallelwelt aufgetaucht war. Natürlich hörte ihn niemand.

„Das hier war ein Fehler," sagte die ältere Version von Hermine laut zu sich selbst. „Ich hätte niemals zurückkommen sollen."

Sie trat aus der Ecke in der sie sich versteckt hatte. Auf ihrem Weg durch die Eingangshalle schritt sie geradewegs durch die körperlose Gestalt ihres Professors hindurch, bevor er zur Seite treten konnte. Beide fühlten die kalte, prickelnde Empfindung, die man spürt, wenn man durch einen Geist tritt. Severus hatte es erst einmal zuvor gefühlt, als der Blutige Baron ihn in den Kerkern überrascht hatte. Beide schüttelten sich unwillig.

„Was war das?" fragte Hermine sich leise. Sie blickte in Severus Richtung, konnte aber nichts sehen.

„Sehen Sie wieder Traumbilder, oder wie?" Ein kühler, bekannter Bariton hallte durch die fast leere Eingangshalle.

Hermine zuckte beim Klang seiner Stimme zusammen. Sie hatte wohl nicht damit gerechnet ihrem alten Professor allein in der Halle zu begegnen. Ihr Gesicht war von dem Severus, der mit ihr in der Halle stand abgewandt, aber sichtbar für den Severus, der gerade träumte. Er sah einen Ausdruck gemischt aus Furcht, Wut und Bedauern über ihr Gesicht huschen. Still fing Hermine sich wieder und drehte sich einen Moment später ruhig um, um ihrem Ankläger ins Gesicht zu sehen.

„Ich nahm an Sie würden bereits zum Festmahl in der Großen Halle sein, Professor," antwortete Hermine beinahe gleichmütig, ohne ihre Furcht und Nervosität, die einen Augenblick vorher noch auf ihrem Gesicht zu sehen war, zu zeigen.

„Das wäre ich auch, wenn es nicht notwendig gewesen wäre einem Gryffindor jetzt schon Hauspunkte abzuziehen und ein besonders unangenehmes Nachsitzen mit Mr. Filch zu verordnen." Es war nach den zehn Jahren auch in Severus Snape eine deutliche Veränderung zu erkennen. Während er immer sardonisch, bis an die Grenzen der Grausamkeit, gewesen war, war er jetzt noch kälter und distanziert. Irgendetwas war offensichtlich geschehen, dass ihn noch bitterer werden ließ, als er ohnehin schon war.

„Wenn Sie mich entschuldigen würden, Professor," fuhr Hermine fort. „Ich werde in der Großen Halle zum Fest erwartet. Kommen Sie, wenn es denn sein muss."

Hermine hatte sich auch verändert. Zum ersten Mal fielen Severus die müden Linien in ihrem jungen Gesicht auf. Sie war nicht länger die schale Alleswisserin ihrer Jugend. Sie eine verbitterte, zynische Frau geworden.

„Es gab eine Zeit, in der Sie meine Gesellschaft nicht loswerden wollten." Severus schlich sich mit der Gewandtheit eines Raubtieres vor sie. Er stand so nahe, dass sie nervös zurücktrat.

„Entschuldigen Sie mich, Professor." Ihre Stimme war nicht mehr so ruhig, wie noch wenige Augenblicke zuvor.

„Natürlich, Miss Granger." Er trat zur Seite, um sie zur Großen Halle durchzulassen.

Rasch schritt sie zur Tür. Auf halbem Weg hielt sie jedoch inne und wandte sich dem grinsenden Professor erneut zu.

„Es ist Professor Haversham," korrigiert sie ihn. „Wenn Sie mich ansprechen, dann als Professor Haversham oder, wenn Sie wollen, Hermine. Ich bin seit acht Jahren nicht mehr Miss Granger gewesen und werde es sicher jetzt auch nicht sein."

„Ja, Professor Haversham," gab er spöttisch zurück.

Hermine drehte sich auf dem Absatz um und schritt in die Große Halle. Beide Severus Snapes sahen ihr interessiert nach. Der träumende Severus mit neu gefundenem Respekt. Sie hatte ihren Platz bewiesen und war der Person gegenüber getreten, die sie am liebsten nie wieder gesehen hätte. Das bewies erheblichen Mut. Der zukünftige Severus blickte drein als wäre sie nur ein lästiges Krabbeltier, das er unter seinem Absatz zerquetschen sollte. Mit einem höhnischen Schmunzeln folgte er ihr in die Große Halle.

Die Geschehnisse, die sich vor dem träumenden Severus abgespielt hatten, waren so befremdlich und rasch vorüber, dass er Probleme hatte es alles zu verstehen. Bevor er es jedoch auf sich wirken lassen konnte, drehte sich der Raum leicht. Als es aufhörte fand er sich in einem beinahe leeren Lehrerzimmer. Sonnenlicht badete die staubigen Möbel und die frühmorgentlichen Insassen in seichtes Licht.

„Guten Morgen, Hermine," grüßte ein müde aussehender Remus Lupin, der gerade erst den Raum betreten hatte.

„Remus!" Hermine sprang aus dem Sessel und warf ihre Arme um den Hals des Werwolfs. Severus verspürte gegen seinen Willen ein leises Ziepen von Eifersucht bei dieser offenen Zuneigung. „Wann bist du angekommen?"

„Nur vor ein paar Augenblicken," antwortete Lupin und drückte die junge Frau an sich. „Professor Dumbledore hat mir von deiner Anstellung als neue Professorin für Verteidigung gegen die Dunklen Künste erzählt. Ich wusste gar nicht, dass du das Ministerium verlassen hattest."

„Es ist eine Weile her, dass wir uns das letzte Mal gesehen haben." Sie trat mit einem nachdenklichen Ausdruck zurück.

„Das ist natürlich verständlich."

Es entstand eine ungemütliche Pause zwischen den beiden, bevor Lupin erneut sprach.

„Grant war ein großartiger Zauberer. Er wird von uns allen vermisst."

Hermine wischte sich rasch eine einzelne Träne vom Gesicht. Sie blickte mit einem kleinen Lächeln zu Lupin auf.

„Danke, Remus." Sie seufzte leise. „Kaum zu glauben, dass bereits ein Jahr vergangen ist… lass uns nicht darüber sprechen. Sag mir… was bringt dich nach Hogwarts?"

„Nur ein paar Geschäfte mit Dumbledore. Nichts Aufregendes eigentlich."

„Wie geht es Harry? Ich habe ihn schon eine halbe Ewigkeit nicht mehr gesehen."

Severus hörte nur halb hin. Potter hatte anscheinend die jüngste Weasley geheiratet und die beiden waren auf bestem Wege ihre eigene Schar von hochnäsigen Gören zu züchten. Ohne Zweifel musste er, oder eher der zukünftige Severus, sich bald mit einer dritten Generation von Potters herumschlagen. Reflexartig erschauderte Severus beim Gedanken an weitere Potters.

„Ich muss dich nun leider deinen Schülern überlassen," sagte Lupin schließlich nach einigen Minuten. „Sei aber vorsichtig… ich habe gehört, dass Malfoys ältester dieses Jahr ein Erstie ist."

Lupin lachte leise beim verzweifelten Ausdruck auf Hermines Gesicht.

„Hoffen wir mal, dass er einfacher zu handhaben ist als sein Vater," entgegnete Hermine.

„Sicher nicht." Lupin beugte sich herab und gab Hermine einen Kuss auf die Wange, bevor er das Lehrerzimmer verließ.

Hermine suchte ihre Bücher und Pergamente zusammen, die sie auf einem nahen Tisch verstreut hatte. Sie holte tief Luft und trat hinaus in den Korridor, um sich zweifelsohne auf den Weg zu ihrer ersten Verteidigungsstunde zu machen. Merkwürdig, dachte Severus. Dass sie der neue Professor geworden ist. Warum habe ich den Posten in zehn Jahren nicht bekommen?

Er blickte gerade rechtzeitig auf, um den zukünftigen Severus aus dem Schatten des Lehrerzimmers hervortreten zu sehen. Er war sich nicht sicher, aber es schien als hätte er sich versteckt um der Unterhaltung von Lupin und Hermine zu lauschen. Er sah nicht gerade glücklich und ein wenig genervt aus. Mit bauschendem schwarzem Umhang schritt er zur Tür und verschwand. Würde er Hermine zum Verteidigungsklassenzimmer folgen? Oder würde er sich zum Schmollen in die Kerker zurückziehen? Severus wusste es nicht.

Er war sehr interessiert an der Person, die er in diesem Traum war. Obwohl er wusste, dass niemand ihn für freundlich oder im Geringsten sympathisch hielt, konnte er nicht umhin den Mann, der sein Gesicht trug, zu verabscheuen. Er war zornig, das war klar. Aber weshalb? Was war mit ihm geschehen? Sicher konnte es nicht schlimmer sein, als im Dienste des Dunklen Lords? Severus war fest entschlossen es herauszufinden. Sein eigener schwarzer Umhang bauschte sich, als er zur Tür herüber schritt. Bevor er dort jedoch ankommen konnte…

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Er war in den Kerkern. Es war nahezu unmöglich herauszufinden, welche Tageszeit es war, wenn man in den Kerkern war. Die einzigen Fenster gab es in seinem Büro und selbst diese waren schwer vergittert. Die einzigen Lichtquellen waren die Dutzenden Fackeln, die an den Wänden entlang der Verliese hingen. Alles schien wie immer an diesem dunklen, unheimlichen Ort, den Severus seit über sechzehn Jahren sein Zuhause nannte. Seine Beine trugen ihn unerklärlicherweise direkt zu seinem Klassenzimmer. Vielleicht war es nur ein Zufall, aber er fühlte, dass es mehr als das war.

„Schrubb jeden Kessel hier drin… ohne magische Hilfe!" fauchte der zukünftige Severus ein junges Mädchen an, das sicher nicht älter als zweite Klasse war.

Er drehte sich auf dem Absatz um und ging durch eine Tür, die zu seinem Lagerraum führte. Der träumende Severus folgte.

„Jedes Jahr ist es genau dasselbe!" beschwerte sich Severus. „Sie sind alle gleich… ignorant… eine absolute Zeitverschwendung. Ich habe wichtigeres zu tun, als einen Haufen Dummköpfe zu unterrichten."

Der zukünftige Severus nahm eine Flasche Feuerwhiskey von einem der hinteren Regale des Lagerraums. Nachdem er sich ein großzügiges Glas eingeschenkt hatte, kippte er es in einem Schluck herunter. Das leere Glas donnerte er auf den Tisch und seufzte.

„Und jetzt… ist sie zurück. Ich dachte ich hätte sie vor elf Jahren das letzte Mal ertragen müssen."

Eine Kiste, in einer Ecke des Raumes versteckt, fiel dem träumenden Severus ins Auge. Er wartete bis der andere Severus das Lager verlassen hatte um die arme Zweitklässlerin anzubrüllen, bevor er sich hinhockte, um den Inhalt genauer zu inspizieren. Mindestens drei Dutzend Tagespropheten waren darin gestapelt. Vorsichtig zog er einen davon aus der Kiste, um herauszufinden warum er alte Zeitungen aufheben sollte.

Er blätterte durch die ersten Seiten der Zeitung und überflog rasch die Überschriften. Neben einer über den neuen Zaubereiminister fand er einen markierten Artikel.

Zaubertränkemeisterin Hermine Granger Entdeckt Trank zur Heilung von Haarausfall'

Severus konnte es kaum glauben. „So ein immenses Talent und sie vergeudet es auf die Entdeckung der Heilung von Glatzen?"

Aber da waren noch mehr.

Hermine Granger Kreiert Neue Linie für Schönheitstränke'

Granger, Inc. von der Zauberei-Handelskammer zum Erfolgreichsten Start-Up Business des Jahres gewählt'

Die Zeitungen enthielten alle mindestens einen Artikel über Hermine im Laufe der letzten zehn Jahre. Eine der Überschriften weckte sofort Severus Interesse.

Weltbekannte Zaubertränkemeisterin des Ministeriums Verlobt mit Sohn des Zaubereiministers'

Grant und Hermine Haversham Heißen Neuesten Haversham Willkommen'

Es gab einige Artikel über das junge Pärchen. Hermine hatte Grant Haversham im Rahmen ihrer Arbeit im Zaubereiministerium getroffen. Er hatte eines Tages seinen Vater besucht und der Minister persönlich hatte die beiden miteinander bekannt gemacht. Zwei Jahre später hatten sie in einer großen Zeremonie mit über 500 Gästen geheiratet. Die Klatschseiten waren voll von Artikeln über ihr Leben, ihre Partys und ihre Freunde. Aus den Bildern ließ sich erkennen, dass sie zusammen absolut glücklich waren. Sie war anscheinend über den Schmerz hinweg, den er ihr an dem Tag am See bereitet hatte. Sie hatte die Vergangenheit hinter sich gelassen und hatte einen wundervollen, wohlhabenden und gut aussehenden Ehemann gefunden.

Gegen seinen Willen fühlte Severus, wie sich sein Bauch schmerzhaft verknotete beim Gedanken an Hermine, glücklich mit einem anderen.

„Hör auf!" schalt er sich selbst. Das war doch albern. Selbst außerhalb dieser Traumwelt kannte er Hermine beinahe überhaupt nicht. Er wusste nicht, was sie von ihrem Leben wollte, was sie von der Liebe erwartete. Er würde sich definitiv niemals einer so schönen, jungen Kreatur darbieten. Aber während er diese Artikel durchblätterte und sich Hermine, seine Hermine, als treue Ehefrau zu Grant Haversham vorstellte, wurde ihm übel.

Kein Wunder, dass der zukünftige Severus so unglücklich ist, dachte er. Er… ich habe sie gehen lassen.

„Stopp!" sagte er erneut. „Das ist verrückt! Absolut lächerlich. Nichts hier ist real, Severus. Das hier ist nur ein Hirngespinst meiner Phantasie. Alles nur ein Traum, ein kranker… schrecklicher Traum. Du wirst aufwachen und alles ist so wie es war."

Aber ein dumpfes Gefühl in seinem Innern sagte ihm, dass es nicht alles so sein würde, wie es war. Verzweifelt versuchte er den Gedanken beiseite zu schieben und blätterte weiter durch den Stapel von Tagespropheten. Die letzte Zeitung, der Prophet, der ganz unten in der Kiste lag, schockierte ihn am meisten.

Unfall Fordert Leben von Grant und Ryan Haversham'

Eine Explosion in ‚Haversham Manor' hatte sowohl Hermines Ehemann, als auch ihren fünfjährigen Sohn getötet. Der Auslöser der Explosion war unbekannt, ein Verbrechen wurde jedoch ausgeschlossen. Das Zaubereiministerium hatte es ‚eine zufällige magische Explosion' genannt. Es hatte keine Hinweise auf ein Gewaltverbrechen gegeben.

„Ich will hier weg," flüsterte Severus leise. Der Gedanke, dass Hermine um ihren Ehemann und Sohn trauerte, war viel schlimmer, als die Vorstellung, dass sie mit ihrer Familie glücklich war. Severus spürte Emotionen aufwallen, die er nie für möglich gehalten hätte.


„Wie geht es ihr, Poppy?" fragte Albus Dumbledore die erschöpfte Medihexe. Sie wechselte gerade Hermines Verbände.

„Besser, viel besser," antwortete sie. „Sie ist noch nicht ganz über den Berg, aber es geht ihr besser als ich erwartet hatte. Sie ist eine starke junge Frau," fuhr Poppy fort. „Die meisten hätten solch eine Explosion nicht überlebt. Sie hat bereits alle Erwartungen übertroffen bei den Überlebenschancen… ich hoffe nur, dass sie jetzt nicht aufgibt."

Albus legte eine beruhigende Hand auf Poppys Schulter.

„Ich habe keine Zweifel, dass Miss Granger da durch kommt, Poppy," sagte er überzeugt. „Sie hat jetzt zu viel, für das es sich zu leben lohnt."


TBC

A/N: R&R, bitte! :)