Kapitel 16: Isabella und James 2
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James und die anderen Männer, die auf die Jagd gegangen waren, betrateten das chaotische Camp zunächst ruhig und warfen sich Geschichten über das Wild, das sie getötet oder beinahe erwischt hatten, zu. Sie schienen zufrieden mit ihrer morgendlichen Jagd in den West Texas Plains. Nur einer der Männer, der etwas hinterher lief, schien aufgebracht. Er trat nach einem Stein und verfluchte sich selbst, dass er nicht mit zurückgebracht hatte.
„So schlimm ist es doch auch nicht, George," ermutigte James seinen Freund mit einem Klopfen auf den Rücken. „Die Kaninchen sind furchtbar flink."
Hermine war schockiert vom Anblick der Ruhe, die diese Männer verspürten. Konnten sie denn nicht die aufgebrachten Schreie und Rufe aus dem Lager hören? Sie drehte sich um und sah zum wuselnden Platz nur wenige dutzend Meter entfernt hinüber. Niemand schien stillzusitzen. Selbst die sehr Alten liefen herum, was sie machten konnte Hermine nicht erkennen.
„Pa! Pa!" Ein junger Mann, vielleicht 16 Jahre alt, rannte der heimkehrenden Gruppe von Männern entgegen.
„Was ist, Eddie?" fragte ein erschöpft aussehender Mann hinter James den Jungen.
„Indianer, Pa! Sie haben die Frauen am Fluss angegriffen, als sie gewaschen haben. Etwa ein Dutzend Frauen und Kinder wurden von den Wilden gefangen!"
Die ruhige Gruppe an Männern wurde deutlich unruhig. Hermine warf einen Blick zu dem Mann mit Professor Snapes Antlitz hinüber und sah einen ängstlichen Ausdruck über sein Gesicht huschen. Er erinnerte sich an die Unterhaltung, die er mit seiner Frau am Abend zuvor gehabt hatte. Er hatte ihr versprochen, dass ihr nichts zustoßen würde, er würde sie beschützen. Mit den schlimmsten Befürchtungen rannte er zu seinem Planwagen hinüber. Die anderen folgten ihm ebenso schnell.
„Belle!" James durchsuchte den Wagen und die Umgebung hastig, rief den Namen seiner Frau alle paar Sekunden. „Belle!"
„James…" Eine strenge, aber sanfte Stimme ertönte hinter ihm.
James hielt beim Klang der autoritären Stimme inne. Seine Schultern, die angespannt gewesen waren, sackten unwillkürlich herab. Sein Gesicht sprach Bände über seine Gefühle.
„Sie wurde gefangen genommen," fuhr der Mann fort. „Wir wissen nicht, was mit ihnen geschehen ist nachdem sie verschleppt wurden, aber wir werden sie finden."
James drehte sich um und sah sein Gegenüber an. Hermine erkannte ihn nicht. Sie hatte ihn hier noch nicht gesehen. Es war aber offensichtlich, dass James den Mann respektierte und bewunderte.
„Was ist mit deiner Familie, Arthur?" fragte James leise.
Arthur zuckte bei der Frage zusammen. Er war selbst unerträglich besorgt um die Leben und Beschaffenheit der Frauen.
„Helen und Mary und Maggie wurden verschleppt."
James Gesicht wurde zu einer stoischen Maske, der von Professor Snape sehr ähnlich.
„Was werden wir nun tun?" Hermine erschauerte zu ihrer Überraschung bei der Eiseskälte in James Stimme. Während man seinen Kentucky Akzent immer noch sehr gut heraushören konnte, kam es der seidigen Kälte von Severus Snapes Stimme sehr nahe. Obwohl er der liebende, besorgte Ehemann für Isabella war, war sich Hermine sicher, dass James kein Mann war, dem man in die Quere kommen wollte.
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Isabella sah aus als würde ihr schlecht werden. Sie saß auf dem Pferd, dass ihrem Geiselnehmer gehörte. Er saß direkt hinter ihr. Die große Gruppe von Comanchen und ihren schreienden Gefangenen auf den Pferderücken war ein Anblick. Es wurde geschlagen, gekratzt und gebissen auf Seite der Frauen und Kinder. Die Bezwinger fuchtelten nur nach ihnen wie nach lästigen Fliegen.
Während die meisten Gefangenen schrieen oder weinten, war Hermine überrascht, dass Isabella nichts dergleichen tat. Ihr Gesicht war eine teilnahmslose, leere Maske, die keinerlei der Furcht oder Angst zeigte, die sie sicherlich fühlte. Sie sah aus als würde sie sich in einem Traum befinden, als ob nichts von dem was um sie herum geschah tatsächlich geschah.
Die Comanchen stoppten ihre Pferde am Rande eines großen Canyons. Hermine war von der drastischen Veränderung in der Landschaft überrascht. Vorher war das gesamte Land flach, trocken und gelb gewesen. Dieser Canyon summte mit Leben, von dem sie nicht wusste, dass die West Texas Plains es besaßen. Am Grunde des Canyons war ein See. Grüne Bäume und grünes Gras brachten Farbflecken in die Umgebung. Eine saftige, grüne Aue umringte eine Seite des Sees. Winzige Inseln, gerade mal groß genug, dass ein paar Leute darauf stehen konnten, zierten die Mitte des klaren Sees. Die Szenerie war atemberaubend.
Nachdem Hermine die so absolut nicht West Texas-hafte Landschaft ausreichend begafft hatte, bemerkte sie, dass die Indianer den Abstieg in den Canyon begonnen hatten. Ein rauer Weg, nicht mehr als ein Trampelpfad, führte zu einer mit Kakteen und Yucca Pflanzen besiedelten grasigen Ebene hinunter. Sie brachten die Gefangenen in die Tiefen des Canyons.
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„James, beruhige dich," befahl Arthur dem jungen Mann auf dem Pferd neben sich. „Wir werden sie finden. Es wird alles wieder gut."
Ruhig war das letzte, mit dem man James Laune beschreiben konnte. Er rutshcte nervös auf dem Sattel seines Pferdes herum. Wellen von Aufregung, Angst und Wut schienen von ihm auszugehen. Hermine erschauderte erneut bei dem kalten, stürmischen Blick den James Arthur zuwarf.
„Ich hab ihr versprochen, dass ihr nichts geschehen würde," sagte er leise zu Arthur.
„Und das wird es auch nicht." Arthur schien sich selbst überzeugen zu wollen. Er war ruhig, aber Hermine fragte sich wie in der Welt er das sein konnte. Seine Frau und beiden Töchter waren gefangen genommen worden, Gott weiß wohin. Sie war sich sicher, dass er nicht s sagen wollte, das die Situation für ihn irgendwie realer machen würde. Arthur musste sich überzeugen, dass alles zum Besten ausgehen würde.
Hermine hatte Schwierigkeiten sich vorzustellen, dass es so kommen würde. Sie hatte in den vergangenen Leben bereits genug gesehen, um zu wissen, dass Glück nicht etwas war, das jeder einfach so fand. Zuvor war sie immer überzeugt gewesen, dass sie eine Zukunft gefüllt mit Glück und Liebe haben würde. Sie würde die Schule beenden, einen profilierten Job im Ministerium annehmen, sich verlieben, heiraten, Kinder bekommen und sich nicht um schlimme Schicksalsschläge in ihrem Leben sorgen müssen.
Voldemort war weg. Er war ein für allemal geschlagen. Harry Potter hatte dafür nur ein paar Monate zuvor gesorgt. Die Zaubererwelt konnte wieder durchatmen. Es gab kaum Angst, dass er je zurückkehren würde. Das Leben schien für alle eine glückliche Wendung zu nehmen. Hermine hatte nie daran gedacht, dass etwas geschehen könnte, das ihren Ausblick auf die Zukunft stören könnte. Aber nachdem sie glückliche und verliebte Paare zerfallen und unter tragischen Umständen sterben sehen hatte… Sie war sich nicht mehr so sicher.
„Ich habe ihr versprochen, dass ich ihr nichts zustoßen lassen würde," murmelte James zu sich selbst. „Und ich will verdammt sein, wenn ich das Versprechen jetzt zurücknehme!"
Er trat seinem Pferd vielleicht mit etwas zu viel Kraft in die Flanken. Pferd und Reiter schossen vorwärts, dem Horizont entgegen, ins Unbekannte.
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Die Frauen und Kinder saßen zusammen geschmiegt nahe einem kleinen Bach unten im Canyon. Es war ein langer, harter Ritt zu ihrer neuen ‚Bleibe' gewesen und die Erschöpfung war jedem einzelnen ins Gesicht geschrieben. Die bronzene und orangene Sonne begann hinter dem Horizont hoch über dem Canyon zu sinken. Ein großer Baum mit ausgestreckten Ästen bot den verängstigten Gefangenen etwas Schutz.
Isabella hatte sich nicht verändert seit Hermine sie zuletzt auf dem Pferderücken gesehen hatte. Ihr Gesicht war dieselbe ausdruckslose Maske. Die Frauen um sie herum sprachen leise miteinander, aber sie sagte nichts. Helen hielt ihre beiden Kinder an sich und versuchte ihr Schluchzen zu beruhigen. Niemand wusste, was mit ihnen geschehen würde. Sie hatten alle große Angst.
„Was wird mit uns passieren, Mama?" fragte eine von Helens Mädchen.
„Ich weiß es nicht, Maggie," flüsterte sie.
„Ich will Daddy," weinte Mary.
„Ich weiß, Liebling."
Einer der Comanchen, der der Isabella gefangen hatte, stand vor der versammelten Gruppe. Er hatte einen Schimmer von Autorität. Es war offensichtlich, dass er die Befehlsmacht hatte. Er ordnete einige der Männer an, den Frauen und Kindern Essen und Trinken zu bringen und verschwand dann durch die Bäume.
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Zeit war vergangen als Hermine sich wieder zu den Gefangenen umdrehte. Wie viel wusste sie nicht. Sie sahen noch müder und abgezehrt aus als zuvor. Ihre Kleidung war schmutzig und einige waren eingerissen. Ein paar der Frauen hatten blaue Flecken an den Armen und eine sogar im Gesicht. Es war offensichtlich, dass sie nicht gut behandelt wurden.
Isabella saß am Ufer des kleinen Baches und hielt eine von Helens Zwillingen im Arm. Das Mädchen war eingeschlafen. Isabella schien sich mit dem was ihr passier war abgefunden zu haben. Sie trug nicht länger eine emotionslose Maske. Ihr Gesicht war dreckverschmiert und sie war blass, schien aber ansonsten unverletzt. Sie wiegte das Kind ruhig in ihren Armen.
„Isabella?" flüsterte Helen, die neben ihr saß und ihre andere Tochter hielt.
„Was ist?" fragte Isabella erschöpft.
„Ich habe gerade mit ein paar von den anderen Frauen gesprochen. Sie wollen abhauen."
Isabella drehte sich um ihre Freundin scharf anzusehen.
„Abhauen?" fragte sie.
„Ja, sie wollen versuchen fortzulaufen."
„Wie erwartet ihr das zu tun?" Sie klang skeptisch.
„Sie lassen meistens nur eine Wache hier. Wir warten bis es spät ist und er nicht aufpasst, dann laufen wir los."
„Helen, das wird nicht klappen."
„Woher willst du das wissen?" verlangte sie, scheinbar verletzt.
„Selbst wenn sie uns nur mit einer Wache hier lassen und er grad nicht aufpasst, wird es unmöglich sein für alle zwölf gleichzeitig zu fliehen. Und auch wenn wir an der Wache vorbei kommen, wir wissen nicht wie wir hier rauskommen."
„Doch. Wir gehen einfach den Weg den wir gekommen sind zurück."
„Es werden Indianer den ganzen Weg stationiert sein. Es wird nicht lange dauern, bis sie merken, dass wir fort sind. Sie werden uns finden. Wenn nicht im Canyon, dann spätestens wenn wir raus sind. Wir haben keine Ahnung wo wir sind, wo unsere Männer sind. Dies ist ein feindliches Land mit vielen wilden Tieren. Wir würden allein keinen Tag überleben."
„Du bist viel zu negativ," schalt Helen. „Wo ist der Idealismus, mit dem ich dich immer geneckt habe?"
„Ich kann nicht helfen, dass unsere Situation mir ein wenig Optimismus genommen hat."
„Die alte Isabella hätte versucht mit uns zu fliehen."
„Vielleicht, aber ich bin jetzt zu realistisch. Ich weiß, dass euer Plan schief gehen wird und es könnte noch schlimmer kommen."
Helen wandte sich wütend von Isabella ab. Es gab keinen Ausweg. Sie waren eingesperrt und Männern ausgeliefert, die sie alle für Wilde hielten.
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„Fünf Tage! Fünf Tage und nichts!" rief James.
Die Männer um James flohen wie Schaben vor dem Licht. Seine Launen waren anscheinend gut bekannt. Sie wollten ihm nicht im Weg stehen.
„Wo zum Teufel können sie sein?!" rief er weiter. „Wir haben gesucht und gesucht und nichts!"
„James, beruhige dich." Einer der Männer stand auf und legte ihm die Hand auf die Schulter. Hermine erkannte ihn als George, den Mann der beim Jagen erfolglos gewesen war. „Die Armee wird in ein paar Tagen hier sein um zu helfen."
„In ein paar Tagen könnten sie noch weiter fort sein," spuckte er. „Oder schlimmer… sie könnten…"
„Red nicht so! Sie werden okay sein."
Ein weiterer Mann, den Hermine noch nicht kannte, trat zu den beiden.
„Der Kundschafter der Armee, mit dem ich gesprochen habe, sagte so etwas passiert ständig," erklärte er. „Frauen und Kinder werden gefangen genommen, von den Indianern festgehalten bis diese mexikanischen Händler vorbeikommen. Die Mexikaner bringen sie nach Santa Fe oder El Paso und fordern ein Lösegeld. Sie sind zu wertvoll, als dass ihnen etwas zustoßen würde."
Der Mann versuchte James und die anderen Männer, deren Frauen und Kinder gekidnappt wurden, zu beruhigen. Allerdings schaffte er das nicht im Geringsten.
„Lösegeld, Frank!" schrie James. „Wo meinst du denn, dass ich das Geld finde, um meine Frau freizukaufen?!"
„Uns wird schon was einfallen, James. Wir kriegen sie irgendwie zurück."
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Die Gruppe an Frauen und Kindern war noch hagerer als das letzte Mal das Hermine sie gesehen hatte. Mehr Zeit war vergangen. Es war offensichtlich, dass sie immer noch zu Essen bekamen, aber sie durften wenig anderes.
„Ich halte das nicht mehr aus!" schrie Helen in einem Flüstern zu Isabella. „Drei Wochen! Drei Wochen sind wir nun schon in diesem schrecklichen Canyon. Wir werden niemals gerettet werden!"
„Sag so was nicht, Helen!" flehte Isabella. „Unsere Männer werden uns nicht vergessen. Sie werden bis ans Ende der Welt gehen um uns zu retten, wenn nötig."
„Ich wünschte, ich könnte das glauben."
„Hör auf so zu denken, Helen. Denk an deine Mädchen. Du musst stark für sie sein."
Helen wurde plötzlich nachdenklich.
„Du hast recht," sagte sie nach einigen Minuten des Schweigens. „Ich muss an meine Töchter denken."
Plötzlich wurde es dunkel. Alle, die vor kurzem noch wach gewesen waren und sich unterhalten hatten, lagen schlafend unter dem großen Baum. Sie waren zu einem schützenden Haufen zusammen gerückt. Neben Isabella befand sich ein auffälliger leerer Platz. Bei näherer Betrachtung viel Hermine auf, dass sie weder Helen noch ihre Mädchen sah.
„Mami, wo gehen wir hin?" flüsterte eine kleine Stimme in der Dunkelheit.
Hermine hastete in die Richtung, aus der sie die Stimme gehört hatte. Helen stand in der Mitte des Bachs. Sie winkte ihren Kindern zu ihr zu folgen.
„Wir gehen hier weg. Wir werden nie mehr zurückkommen," antwortete Helen und nahm die beiden Mädchen am Arm.
Es geschah alles so schnell, dass Hermine kaum Zeit hatte zu reagieren. Helen zog entschlossen an den Armen ihrer Töchter. Als sie in den Bach stolperten, drückte sie die Köpfe der beiden gleichzeitig unter Wasser. Die Mädchen wehrten sich, aber Helen ließ nicht los.
„Es tut nur ein bisschen weh. Versprochen."
Helens Worte trafen Hermine mit einem grausamen Schauer. Sie konnte nicht glauben, was sie sah. Eine Frau ertränkte ihre eigenen Töchter.
„So, meine Kleinen."
Helen zog ihre Töchter aus dem Wasser und gab ihnen einen zärtlichen Kuss auf die Stirn. Beide waren tot von ihrer Mutter Hand. Sie lagen auf dem Wasser, Blut mischte sich rot mit ihren blonden Locken. Es war ein entsetzlicher Anblick.
„Mami wird bald bei euch sein."
Helen hielt ihren eigenen Kopf unter Wasser und nahm sich selbst das Leben.
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Das Lager und die Gefangenen waren am nächsten Morgen in Aufruhr. Alle waren geschockt von dem makabren Anblick zu dem sie erwachten. Zwei tote Mädchen und ihre tote Mutter. Niemand wusste genau was geschehen war, aber Hermine hatte das Gefühl, dass Isabella eine Ahnung hatte. Sie sagte nichts, als die leblosen Körper aus dem Wasser gezogen wurden. Ihr Gesicht war wieder eine ausdruckslose Maske, wie sie es in den ersten Tagen gewesen war. Hermine ahnte, dass Isabella nicht mehr weiter herumsitzen würde. Ein Plan entstand in ihrem Kopf.
Es war nach Einbruch der Nacht, nachdem sich alle schlafen gelegt hatten, dass Isabella ihren Plan in die Tat umsetzte. Sie wartete bis die Wache ihr den Rücken zu wandte und kroch dann leise ins Gebüsch und zu den Bäumen am Rand des Lagers. Niemand beobachtete sie. Hermine folgte ihr aus dem Camp zu einem freien Bereich des Canyons. Langsam, leise und vorsichtig fand Isabella einen wenig genutzten Fußpfad, der sie – hoffentlich – aus dem Canyon herausführen würde. Sie hatte ihn nur von einem ihrer Geiselnehmer benutzt gesehen, deshalb glaubte sie ihre Chancen unentdeckt davon zu kommen hier am besten. Obwohl sie den Canyon über einen Pfad mehr als vier Meilen entfernt betreten hatten, wusste sie, dass sie irgendwo aus dem Canyon heraus musste. Es würde einfacher sein sie außerhalb des Canyons zu entdecken als drinnen.
Der Aufstieg war langwierig und schwer. Hermine musste einige male innehalten und Atem schöpfen. Fremde Geräusche erklangen überall um sie herum in der Dunkelheit. Sie war sich nicht sicher was für Kreaturen in den Felsen des Canyons hausten, aber sie war sicher, dass sie es nicht genau wissen wollte. Als der Grund plötzlich aben wurde, fing Isabella leise an zu weinen. Sie war aus dem Canyon heraus. Leise, aber flink, rannte sie so schnell sie konnte in die Wildnis von West Texas.
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„Der Kundschafter sagte es gibt einen Canyon etwa zehn Meilen von hier in dem viele Comanchen ihre Pferde wässern," informierte George die Männer. „Wir werden morgen dorthin aufbrechen. Es ist ein langer Ritt, aber die Armee sagte, dass ist vielleicht unsere beste Chance."
„Drei Wochen," murmelte James. „Drei Wochen seit ich sie zuletzt gesehen habe. Ich kann nur beten, dass es ihr gut geht."
Alle Männer, die Hermine gerade noch zusammenhocken sehen hatte, saßen jetzt auf ihren Pferden. Mehrere uniformierte Soldaten waren bei ihnen. Kaum ein Wort wurde gesprochen, als sich der Suchtrupp langsam dem Canyon näherte, der ihre Frauen und Kinder hielt.
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Isabella wusste nicht wo sie war. Sie war nicht weit vom Canyon fortgelaufen, in der Hoffnung, dass bald ein Suchtrupp auftauchen würde. Die Sonne stand hoch am Himmel und sie hatte Angst ihr Versteck zu verlassen. Um sie herum war wenig Bewegung, nur ein paar Hasen und ein oder zwei Schweinehunde.
Klipp-Klopp. Klipp-Klopp.
„Pferde," flüsterte sie zu sich selbst.
Hermine blickte in die Richtung aus der die Pferde kamen, konnte aber nicht erkennen wer die Reiter waren. Aus Angst, dass sie entdeckt werden würde, sprang Isabella von ihrem Platz unter einem Mesquite Baum auf und rannte auf die sicheren Bäume am Rand des Canyons zu. Als die Pferde näher kamen, wurde Isabella nervöser. Sie warf alle Vorsicht in den Wind und lief nicht mehr von Baum zu Baum. Mit aller Kraft die sie noch in den Beinen hatte lief sie auf die schützende Ansammlung von Bäumen zu.
„Komm schon," rief sich Isabella zu. „Lauf schneller."
Sie war nur wenige Meter von den Bäumen entfernt, als sie über einen großen Stein stolperte. Sie konnte sich nicht mehr fangen und stürzte zu Boden. Unglücklicherweise war sie direkt am Rand des Canyons als sie fiel. Sie verlor ihr Gleichgewicht und stürzte von der steilen Klippe neben ihr. Hermine hastete vor, um zu sehen ob es ihr gut ging, aber zu spät. Isabella lag ausgestreckt auf dem felsigen Boden gut zwölf Meter weiter unten… tot.
Hermine konnte die Tränen nicht stoppen. Sie war es so überdrüssig zu weinen. Es schien ihr als wäre das das einige was sie seit… naja, sie wusste nicht genau wie viel Zeit bereits vergangen war, seit sie Hogwarts verlassen hatte.
„Ich habe da drüben etwas gesehen!" rief einer der Reiter und ritt auf sie zu.
Sie erinnerte sich an die Pferde und ihre Reiter und wandte ihnen wieder ihre Aufmerksamkeit zu. Blaue Armeejacken war das erste was sie sah. Soldaten ritten auf den Canyon zu. Eine Gruppe von Männern, eindeutig Zivilisten, ritt hinter ihnen.
„Oh nein!" rief Hermine.
Da war er. James war auf dem Weg. Er hatte seine Frau nur um wenige Minuten verpasst. Hermine konnte nicht mehr stehen. Ihre Knie gaben nach und sie viel zu Boden. Tränen der Wut und des Schmerzes liefen ihr über die Wangen.
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Severus schreckte aus dem Schlaf auf. Kalter Schweiß lief ihm den Nacken herunter. Sein Atem kam schwer und abgehetzt. Er sprang in einer schnellen, plötzlichen Bewegung vom Sofa auf. Sich umblickend und den Raum nach Vertrautem absuchend, seufzte er, als er merkte, dass er noch immer in seinen privaten Räumen war.
„Es war nur ein Traum," erinnerte er sich selbst und kontrollierte seine Atmung.
Er griff nach seiner schwarzen, immer schwarzen, Lehrerrobe. Er warf sie im Laufen über und verließ den Raum, um zu Krankenflügel zu gehen.
„Ich verstehe nicht warum, aber ich werde dort sein," sagte er laut.
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A/N: Und ein weiteres Kapitel ist geschafft. Sorry, dass es so lange gedauert hat.. ich werde mich in Zukunft bemühen. Ehrlich! :)
