A/N: Das ging um einiges schneller als ich erwartet hatte.. :) dafür wird das nächste wahrscheinlich etwas dauern. Ich hoffe es gefällt euch!

an Mrs. Vampire: tja, ob Severus denn jetzt schon überzeugt ist? ;)

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Kapitel 17: Hogwarts

Albus Dumbledore ging mit ruhigen, gelassenen Schritten durch die Gänge des zugigen Schlosses. Die Mehrheit der Hogwartsschüler müsste längst in ihren warmen Himmelbetten in ihren Schlafsälen liegen. Er verspürte zum ersten Mal eine Dankbarkeit, dass dieses Schuljahr bald zu Ende gehen würde.

Und was für ein Jahr es gewesen war! Der endgültige Untergang Lord Voldemorts drei Monate zuvor markierte das lang ersehnte Ende der Ära Tom Riddles und seiner Todesser. Nach einem grimmigen Krieg zwischen Gut und Böse mit zahllosen Todesfällen auf beiden Seiten, war die Endschlacht mit Voldemorts Ableben ein willkommener Segen.

Harry Potter hatte die Prophezeiung, die über seinem Dasein hing, erfüllt.

Es war alles in der leisesten, geruhsamsten Nacht passiert, an die man sich erinnern konnte oder sich vorstellen konnte. Es waren keine Wolken im dunklen Nachthimmel gewesen. Tatsächlich schien es als wüssten die Sterne, dass etwas geschehen würde, sie hatten nicht so hell gefunkelt. Es gab kein Licht des Mondes. Er hatte gerade erst seine Phasen durchwandert und war finster.

Eine müde, erschöpfte Armee hatte sich auf dem dunklen, verwucherten Friedhof zusammengefunden. Es waren Auroren des Ministeriums, Mitglieder des Ordens des Phönix und drei Hogwartsschüler: das berühmte Gryffindor Trio. Niemand wusste, wie der Kampf ausgehen würde. Alle hatten das Gefühl, das diese Nacht ihre letzte sein würde.

„Zehn Minuten bis zur Einberufung," verkündete Severus Snape der versammelten Menge.

Wie Severus Snape es geschafft hatte die Information – den genauen Ort, Datum und Zeit der nächsten Todesser Versammlung – zu erhalten, wusste keiner. Er hatte dieses Geheimnis nur Dumbledore mitgeteilt. Während es viele gab, die unter sich flüsterten, sie würden in eine Falle geführt, hatte Dumbledore angeordnet dort zu sein. Und niemand hinterfragte Albus Dumbledore. Also warteten sie auf den schwärzesten Zauberer den die Welt je gesehen hatte, dass er seine Gefolgsleute in den Friedhof rief, der die sterblichen Überreste seines Muggelvaters hielt.

Ein tiefer Seufzer entfuhr Professor Dumbledore, als er seinen Weg durch die Korridore der Burg fortsetzte. Er mochte sich nicht gern an diese Nacht erinnern. Es hatte einige Verluste unter seiner Führung gegeben. Die junge Nymphadora Tonks war die erste gewesen, die fiel. Sie war töricht genug gewesen direkt auf Bellatrix Lestrange loszugehen. Tonks hatte ihrer Tante und Mörderin ihres Cousins einen erbitterten Kampf geliefert, aber es hatte nicht gereicht. Dumbledore hatte Tonks sofort gemocht, von dem Moment an da sie Hogwarts betreten hatte. Ihr Tod war schwer zu ertragen gewesen.

Jeder Verlust war schwer zu ertragen gewesen. Zu Beginn der Schlacht hatte es so ausgesehen, als ob die Dunkelheit siegen würde. Auroren fielen überall auf dem Friedhof. Erst als Albus und Harry mit den uralten Blutritualen begonnen hatten, kam ihre Seite wieder voran.

Die Schlacht hatte brutale fünf blutige Stunden gedauert, bis der Dunkle Lord zu Ende ging. Die Essenz Tom Riddles wurde im Moment in den höchsten Sicherheitstresoren tief im Innern des Zaubereiministeriums aufbewahrt. Der neu gewählte Minister Arthur Weasley, der sich seiner Rolle würdig und gewachsen zeigte, ging mit Voldemorts Essenz nicht das kleinste Risiko ein.

„Guten Abend, Professor Dumbledore," kam eine Stimme vom Ende des Korridors, der zum Krankenflügel führte.

„Ah, guten Abend, Mr. Potter," gab Dumbledore zurück, insgeheim dankbar für die Unterbrechung seiner trüben Gedanken. „Es ist sehr spät, Harry. Solltest du nicht ins Bett?"

„Tut mir leid, Professor. Ich mache mir nur Sorgen um Hermine."

„Natürlich. Ich dachte mir schon, dass du heute Abend nach ihr sehen würdest." Er sank auf eine Steinbank auf halbem Weg den Korridor hinunter. Nach einem Handwink setzte Harry sich zu ihm. „Miss Granger hat einiges durchgemacht in den letzten Stunden. Mehr als ich glaube, dass wir annehmen oder verstehen."

„Darf ich fragen, was Sie damit meinen?" erkundigte Harry sich vorsichtig. „Was ist noch mit ihr geschehen?"

„Ahh… mein lieber Harry. Ich fürchte, das kann ich dir nicht beantworten."

Harry begann zu protestieren, aber der ältere, weisere Zauberer hob eine autoritäre Hand um ihn zu stoppen.

„Ich halte diese Informationen nicht absichtlich zurück, das versichere ich dir, Harry. Wenn ich wüsste was Miss Granger genau durchmacht, würde ich es dir mitteilen."

„Natürlich. So wie Sie alles was sie über mich wussten, mitgeteilt haben. Meine Vergangenheit, mein Schicksal, mein…"

Er hielt abrupt inne, als ihm kler wurde was er da genau sagte und zu wem er es sagte. Obwohl Harry seine immer noch vorhandene Wut und Enttäuschung über das Zurückhalten von Informationen gegenüber seinem Mentor versucht hatte zu leugnen oder zumindest zu verstecken, hatte er seine Gefühle gezeigt.

„Professor… Entschuldigung," sagte er ungemütlich.

„Nicht doch, Mr. Potter. Ich verstehe dich sehr gut. Vielleicht, wenn ich etwas mehr entgegenkommend gewesen wäre… es hätte alles ganz anders kommen können."

Eine entsetzlich unangenehme Stille fiel über die beiden. Als nach einigen Minuten immer noch nichts gesagt wurde und keine Anzeichen einer Interaktion stattfanden, erhob sich der Professor elegant, wenn auch erschöpft, von der Steinbank. Er glättete seinen knitterigen türkisen Umhang und wandte sich langsam seinem Schüler zu. Mit einem beinahe gezwungenen Halb-Lächeln sprach er zu dem jungen Mann vor ihm.

„Ich werde gehen, Mr. Potter," erklärte er sachlich, bevor er den dunklen Korridor hinunter verschwand, mit nichts als seinen beunruhigenden Gedanken als Gesellschaft.

Harry blieb noch einige Minuten nachdem der Schulleiter gegangen war auf der Bank sitzen. Er hatte seine eigenen beunruhigenden Gedanken, aber seine waren auf den Schmerz und die Ungewissheit, die einer seiner besten Freunde gerade durchmachte, gerichtet.

„Was hast du dir nur dabei gedacht, Hermine?" flüsterte er in den leeren, dunklen Korridor. „Das einzige Mal, dass du einen Zaubertrank vermasselst…"

Professor McGonagall hatte sich sofort auf die Suche nach Harry und Ron gemacht, nachdem die erfahren hatte, was mit Hermine passiert war. Sie wusste wie nahe sie sich standen, wie wichtig Hermine den beiden war. Sie wollte sicher gehen, dass sie die Wahrheit erfuhren, bevor die Gerüchte die Runde machten. Sie hatte sich immer um jeden ihrer Gryffindorschüler gekümmert, aber irgendwie waren ihr Harry, Ron und Hermine immer etwas näher gewesen.

„Zwanzig Punkte von Gryffindor für Herumlungern außerhalb des Gemeinschaftsraumes eine halbe Stunde vor Nachtruhe."

Harry musste nicht einmal seinen Kopf heben, um zu wissen woher und von wem der Kommentar gekommen war. Obwohl er mindestens ein Dutzend Kommentare für seinen Zaubertränkeprofessor bereit hatte, wusste er, dass Gryffindor einige Augenblicke später überhaupt keine Punkte mehr haben würde. Wortlos stand Harry auf und trat den Rückweg zum Gryffindor Gemeinschaftsraum an. Bevor er ganz außer Hörweite war, drehte er sich zu seinem Professor um.

„Guten Abend, Professor Snape," sagte er kühl.

Professor Snape starrte seinem meistgehassten Schüler wütend hinterher. Ein paar Tage noch, nur noch ein paar Tage, erinnerte er sich immer und immer wieder in dieser Woche. Nur in ein paar Tagen würde er Harry Potter das letzte Mal als Hogwartsschüler sehen müssen. Er musste sich nur gedulden und nicht die Ruhe verlieren, bevor der Junge tatsächlich fort war. In der Dunkelheit des leeren Korridors erlaubte er sich ein kleines Lächeln. Sieben lange Jahre hatte er darauf gewartet, sie nicht mehr sehen zu müssen. Harry Potter, Ronald Weasley, den verdammten Neville Longbottom und diese besserwisserische…

Er hielt inne bei seinem letzten Gedanken. War er tatsächlich bereit dafür Miss Granger Hogwarts verlassen zu sehen? Nur ein paar Tage zuvor hätte er keinen Zweifel der Antwort wegen gehabt. Vom ersten Moment an als ihre Hand in seiner Klasse in die Luft geschossen war, gerade mal elf Jahre alt, hatte er sie nicht ausstehen können. Er konnte ihr ständiges Geplapper über alles Mögliche in seinem Unterricht nicht ausstehen. Er hasste die Art, wie sie beim Brauen immer wieder zu Longbottoms Rettung geeilt war. Wie sollte der Junge es denn jemals lernen, wenn er nie selbstständig einen Trank zu Ende brachte? Verdammt! Was hasste er noch an ihr? Nur ein paar Tage vor diesem verfluchten Laborunfall hätte er gut und gerne eine ganze Meile an Dingen detailliert auflisten können, die er an diesem Mädchen hasste. Aber jetzt…

„Was zum Teufel ist los mit mir?!" schnappte er in den dunklen Korridor hinein.

Er sollte erbost sein, dass seine kostbare Zeit damit verschwendet werden sollte, am Krankenbett einer Schülerin zu sitzen. Er sollte noch zorniger sein, dass diese Schülerin ein war, die er seit sieben Jahren loswerden wollte. Ganz egal wie sehr er sich auch bemühte, er konnte sich nicht dazu bringen wütend zu sein, seine Zeit im Krankenflügel abzusitzen. Wenn überhaupt, dann war er wütend auf sich selbst, dass er nicht wütend war.

Ganz egal wie sehr er sich bemühte, er konnte die Bilder des Abends in seinem Kopf nicht loswerden. Hermine, wie sich im Nebel am See von ihm abwandte, war mit Abstand das schlimmste für ihn. Sie fortgehen zu sehen, mit dem Wissen, dass sie aus seinem Leben trat, traf ihn auf eine Weise die er nie erwartet oder erdacht hatte.

„Verdammt!" zischte er.

Je mehr er sich bemühte zu vergessen, wie traurig sie am Ufer des Sees geschaut hatte, desto schwieriger wurde es zu vergessen. Ihre strahlenden Augen, die sonst immer vor Neugier oder Glück glänzten waren kalt geworden. Er hatte in seinem Leben genug kalte Augen gesehen, um sie zu erkennen, aber nur ihre sandten einen eisigen Schauer seinen Rücken hinunter. Es war unnatürlich für sie so kalt zu sein, Angst einflößend sogar. Sie war eine Hexe mit einer bedeutenden Begabung, mehr als sie selbst sich bewusst war. Auf ihre schlechte Seite zu gelangen würde ein Schicksal schlimmer als der Tod sein.

Er trat leise in den dunklen Krankenflügel. Poppy schien bereits in ihren Gemächern neben dem Krankenflügel zu sein. Jedenfalls war im Saal keine Spur von ihr. Alle Lichter, mit Ausnahme eines dämmrigen Nachtlichtes in einer Ecke von den Betten abgelegen, waren gelöscht. Da er, wenig überraschend, kein Licht benötigte um sich zurecht zu finden, machte sich Severus auf den Weg zum einzigen Bett, das im Flügel belegt war.

Er hatte keine Ahnung, warum sein Mentor darauf bestand, dass er am Bett einer Schülerin wachte, einer Schülerin eines anderen Hauses, einer Schülerin, die er nicht ausstehen konnte. Es schien immer einen Grund hinter Dumbledores verrückten Plänen zu geben, deshalb kam er seinen Wünschen mürrisch nach. Sicherlich würde Albus ihn um nichts bitten, das nicht getan werden musste. Severus wünschte sich nur einen kleinen Hinweis darauf, was der Zweck dahinter war.

Es waren Sichtschutzvorhänge um Hermines Krankenbett gezogen. Ohne ein Geräusch zu verursachen zog er die Vorhänge aus dem Weg, um einen Blick auf seine Schülerin zu werfen. Hermine lag genauso da, wie er sie vor ein paar Stunden verlassen hatte. Er hielt in seinen Gedanken inne, um sich daran zu erinnern seine Schülerin nicht beim Vornamen zu nennen. Das würde zu viel Nähe erzeugen. Es war in seinem besten Interesse ihr nicht zu nahe zu kommen. Jemandem nahe zu kommen, jemandem eine Tür zu sich selbst zu öffnen, das endete immer in einem Desaster. Hermi… äh… Miss Granger könnte definitiv jemand sein, den er hereinlassen würde, wenn er es sich erlauben würde. Sie war, selbst in ihren jungen Jahren, alles was er in einem Partner suchte. Er respektierte ihren Intellekt, ihren Durst nach Wissen. Er wusste, dass, sollte er sich unter den richtigen Umständen mit ihr unterhalten, als Gleichberechtigte, ihre Unterhaltung würde angenehm und interessant sein. Sie war zu einer eleganten Schönheit herangewachsen, weit über die Erwartungen jener hinaus, die sie als Elfjährige mit buschigen Haaren und zu großen Schneidezähnen in Erinnerung hatten. Da waren Eigenschaften in ihr, die Severus ohne Zweifel lieben könnte… wenn er es sich erlauben würde. Das war der Punkt… er würde nicht zulassen, dass das geschah.

Sie weinte wieder. Was sie wohl durchmachte, dass sie ständig weinte? Er hatte Tränen noch nie ausstehen können. Sie lösten nichts. Wenn überhaupt, dann machten sie das Problem noch größer, noch schlimmer. Ihre Tränen machten in unwohl. Poppy hatte ihm bersichert, dass Hermine nicht unter Schmerzen war und dass ein Trank gegen die Tränen unnötig war. Professor Dumbledore hatte sogar seine Nase dazwischen gesteckt und gesagt, dass er glaubte, ihre Tränen aufzuhalten würde Miss Grangers Genesung im Weg stehen. Severus fand das lächerlich, aber er behielt seine Einwände für sich.

Nachdem er sich versichert hatte, dass Miss Granger in Ordnung war und es keine sichtbaren Veränderungen gegeben hatte, trat er leise durch die Vorhänge. Der Stuhl neben dem Bett war alles andere als gemütlich. Er zog es vor in dem kleinen Raum nahe den großen Fenstern des Krankenflügels hin und her zu laufen. Auf das dunkle Gelände von Hogwarts hinauszublicken, in der Hoffnung vielleicht einen Schüler außer Bett zu erwischen, beruhigte ihn ungemein. Er beobachtete gerade Hagrids Saurüden Fang, wie er die Gründe überquerte, als er glaubte eine Bewegung von Hermines Bett vernommen zu haben.

„Bist du wach?"

Keine Antwort. Aber er war sich sicher, dass er das leise Rascheln von Laken und das Geräusch von Dingen, die auf dem Nachttisch herum geschoben wurden, gehört hatte.

„Bist du wach?" fragte er erneut mit etwas mehr Nachdruck. Der unnatürliche Tonfall seiner Stimme, nervös und ängstlich zugleich, überraschte ihn.

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Hermine fand sich in einem Bett wieder, das man definitiv nicht als gemütlich bezeichnen konnte. Der Raum war absolut dunkel und geräuschlos.

„Wo bin ich?" fragte sie sich laut. Sie hatte schon vor einiger Zeit aufgehört sich zu fragen wie und warum sie diese Orte besuchte.

Die ängstliche junge Frau tastete in der kühlen Dunkelheit nach einem Licht. Irgendetwas stimmte mit ihrer Umgebung nicht. Sie fühlte sich für sie - falls es denn möglich wäre oder verständlich - unheimlich echt an. Zuvor hatte sie keinen der Orte an dem sie gewesen war wieder erkannt. Es waren einfach nur Umgebungen eines unbekannten Ortes einer unbekannten Zeit gewesen. Sie hatte das Gefühl gehabt, einfach im Leben anderer anwesend zu sein, dass sie keinen Zweck anders als zuzuschauen gehabt hatte. Dies hier war anders.

„Bist du wach?" kam eine Stimme aus der Dunkelheit. Sie kannte die Stimme gut. Der einzige Unterschied war, dass sie nicht mit eisigem Sarkasmus getränkt war, sondern stattdessen Nervosität und Besorgnis herausklangen.

„Professor?!" gab sie in einem leisen Flüstern von sich, der einzige Klang, den ihr Körper gerade zulassen wollte.

Keine Antwort. Der Mann war immer noch im Raum; Hermine konnte seine Anwesenheit spüren. Er machte keine Bewegung. Wo immer er war, er schien wie erstarrt zu sein.

„Bist du wach?" fragte er erneut, nervös. Es schien beinahe, als wüsste er nicht welche Antwort er haben wollte.

„Edward?" flüsterte eine andere Stimme im Raum.

Sofort hörte Hermine das Rascheln von Kleidung und Bewegungen. Er lief zu einer dunklen Ecke, direkt links von Hermine. Ihre Augen hatten sich immer noch nicht an die Umgebung gewöhnt.

Incendio!" flüsterte der Mann, den Hermine für ihren Professor hielt. Sie hatte ihn definitiv noch nie als Edward bezeichnet gehört.

Die Lampe auf dem Nachttisch flackerte ins Leben. Obwohl es sie nach allem was sie gesehen hatte nicht hätte schockieren sollen, musste sie sich zusammenreißen, um nicht ohnmächtig zu werden.

Sie lag im Krankenflügel ihres geliebten Hogwarts. Es war genau so wie es immer gewesen war. Sie hätte sich beinahe einbilden können, dass die Stimmen, die sie gehört hatte, ihrer Phantasie entsprungen waren. Sie konnte fast alles was sie erlebt hatte abstreifen und als beunruhigenden Traum eines Schulmädchens abtun, das sich blöderweise in ihren Lehrer verknallt hatte.

All das hätte sie verstanden, wäre da nicht…

„Mariah?! Wir haben uns solche Sorgen gemacht."

Sie war noch nicht von ihrer Reise zurück.

„Was ist passiert?" fragte das Mädchen, das im Krankenbett neben Hermines lag. Mariah, offensichtlich.

Hermine setzte sich auf, um sie sich anzusehen. Nicht überraschenderweise sah Mariah genauso aus wie Hermine und Edward sah genauso aus wie Professor Snape.

„Jetzt wird's langsam echt lächerlich," seufzte Hermine.

Es herrschte eine spürbare nervöse Anspannung zwischen den beiden. Mariah sah genauso aus wie Hermine, gleiches Alter, gleiches alles. Edward sah jung aus, höchstens achtzehn. Der verfolgte Blick, den der Mann, dem er ähnlich sah, besaß, war verschwunden. Aber er war anscheinend dennoch beunruhigt.

„Was ist passiert?" fragte Mariah und mühte sich aufzusetzen. Edward hielt sie sanft auf. Widerwillig lehnte sie sich wieder zurück.

„Ein Unfall im Zaubertränkelabor. Ein Kessel ist explodiert," antwortete er leise. Hermine konnte sich nicht erinnern je jemanden so nervös, wie diesen jungen Mann gesehen zu haben. Seine Hände zitterten furchtbar, aber er tat sein Bestes sie vor ihr zu verstecken.

„Das macht doch keinen Sinn," erwiderte Mariah, offensichtlich verwirrt. „Ich war allein im Labor."

„Ich weiß. Es war dein Kessel der explodiert ist."

Dem Ausdruck in seinem Gesicht nach zu urteilen, wünschte sich Edward er hätte nichts gesagt. Die Farbe in Mariahs Gesicht wechselte sofort von leichenblass zu zornig rot.

„Niemals… in meinem… ganzen Leben…" Die Worte kamen angehackt hervor. „Hab ich… jemals… einen Trank vermasselt!"

„Es gibt immer ein erstes Mal, fürchte ich," versuchte er sie zu beruhigen.

Hermine lachte bei Mariahs Verhalten. Wie konnte jemand so schrecklich auf einen vermasselten Zaubertrank reagieren? Solche trivialen Dinge waren doch einfach das: trivial. Es gab keinen Grund sich so aufzuregen, wie Mariah sich über etwas so bedeutungsloses aufregte.

„Welcher Trank war es?" verlangte Mariah, immer noch sichtlich aufgebracht.

„Ich weiß den genauen Namen nicht. Es war irgendein fortgeschrittener Heiltrank, den Professor Grebe von dir haben wollte, der schmierige alte Bastard."

„Edward! So redet man nicht über einen Professor!"

„'Tschuldige," sagte er schnell. „Ich vergaß, wie sehr du ihn magst…"

Edward war beleidigt. Kein Zweifel. Um ihn zu besänftigen griff Mariah zögerlich nach seiner Hand. Diese simple Geste der Zuneigung schien seine Nerven sofort zu beruhigen. Edward nahm ihre Hand und streifte seine Lippen dagegen.

„Jedenfalls… Grebe sagte, du wärst abgelenkt gewesen. Anstatt Weißdornblüten hinzuzufügen hast du Bergkiefer hineingetan."

„Aber das würde…"

„Eine heftige Reaktion hervorrufen und somit deinen Kessel explodieren lassen." Er legte eine Hand an ihre Wange. „Es ist ein Wunder, dass du überlebt hast, Mariah. Wir hatten alle Angst… ich hatte solche Panik, dass du nicht zu mir zurückkommen würdest."

Für einen Moment schien Mariah berührt von seinen Worten. Beinahe augenblicklich war sie allerdings zurück in ihrer Tirade.

„Das ist doch lächerlich! Ich wäre niemals so tollpatschig!" Sie fing an zu stürmen, dass sie noch nie einen schlechten Zaubertrankrank produziert hatte und sicherlich nicht an diesem Tag damit angefangen hatte. Sie wurde abrupt von einem Kuss des jungen Edward unterbrochen.

„Meine kleine Alleswisserin," flüsterte er liebevoll.

„Warum hab ich den Trank überhaupt gemacht?"

„Du erinnerst dich nicht?"

„Es ist alles noch etwas schwammig," antwortete sie. Als sie den besorgten Blick in Edwards Gesicht sah, fügte sie leise hinzu, „Aber es ist nichts, worüber man sich Sorgen manchen sollte. Ganz sicher nicht."

„Professor Grebe hat dich gebeten den Zaubertrank zu brauen, um zu beweisen, dass su in der Lage bist schwere Tränke alleine zu brauen für…"

„Seine Empfehlung, natürlich," erinnerte sie sich.

Eine leichte Rötung kroch auf ihr Gesicht mit einem kleinen Lächeln.

„Ich erinnere mich wovon ich abgelenkt war," sagte sie nervös.

Unter ihrem Schlafanzug (offizielle Krankenflügelkleidung) zog sie eine simple goldene Kette hervor. An der Kette hing ein einfacher goldener Ring mit einem einzelnen Rubin. Der Ring war nichts Besonderes. Er war nicht besonders kunstvoll, ein einfacher Ring mit dem Rubin als einzige Verzierung. Mariah sah den Ring an als wäre er der wertvollste Schmuck, getragen von der reichsten Frau der Welt.

„Ich hatte ihn hervor geholt, um ihn noch mal anzusehen," erörterte sie. „Meine Gedanken sind abgeschweift, während ich den Zaubertrank gebraut habe."

„Du hättest vorsichtiger sein sollen," schalt Edward milde.

„Ich weiß," gab sie beschämt zurück. „Aber ich hatte so schöne Gedanken… über unsere Zukunft."

„Es wird genug Zeit geben darüber nachzudenken. Aber bitte nicht über dem offenen Feuer."

Hermine sah der entstehenden Handlung mit großem Interesse zu. Die Geschichte schien eindeutig genug zu verstehen. Beide Hogwartsschüler, Edward und Mariah waren zusammen zur Schule gegangen und hatten sich verliebt. Ihr ungewöhnlicher Zaubertränkefehler hatte sie beinahe das Leben gekostet. Wie jeder verliebte Mann hatte Edward an ihrem Bett gewacht, um da zu sein, wenn sie aufwachte.

„Wann meinst kann ich ihn von der Kette nehmen und stolz an meinem Finger tragen, wo er hingehört?" fragte sie flüsternd, während sie den Ring anstarrte.

„Wenn dein Vater meiner Bitte um deine Hand zustimmt," antwortete er.

Mariah ließ einen lauten, frustrierten Seufzer hören, bevor sie den Ring wieder unter ihrem Nachthemd verschwinden ließ.

„Er wird niemals zustimmen," gab sie wütend zurück. „Das wissen wir beide."

„Vielleicht wenn wir ihm Zeit geben sich an den Gedanken zu gewöhnen."

„Muggel werden mit ihren bloßen Händen Berge auftragen, bevor er sich ‚an den Gedanken gewöhnt'!" Ihr zuvor schwaches und erschöpftes Gemüt schien von Wut gestärkt.

„Mariah, beruhige sich," bat er.

„Ich werde mich verdammt noch mal nicht beruhigen!" Ihre Stimme klang fremd in dem ansonsten ruhigen Krankenflügel. „Mein Vater würde niemals, nicht in eintausend Jahren, seinen Segen geben, dass du mich heiraten kannst!"

„Mariah!"

„Wird er nicht," sagte sie leise. Ihr Ausbruch hatte ihr die letzte Kraft genommen. „Er ist bereits wütend auf mich, dass ich die Position in der Zaubertränkeabteilung im Ministerium angenommen habe."

„Was?" Edward schien schockiert das zu hören. „Aber so eine Chance gibt es nur einmal im Leben."

„Der anständige Platz für eine Slytherin Ehefrau ist im Anwesen, um die Hauselfen umherzukommandieren und magische Kinder großzuziehen." Antwortete sie in einer Imitation ihres Vaters.

„Aber du bist viel zu intelligent, um deine Talente zu Hause zu verschwenden."

„Ich bin ein Slytherin. Mein Vater ist ein Slytherin. Meine Brüder sind alle Slytherin. Nur meine Mutter ist die Ausnahme in der Familie."

Hermine musste sich kurz setzen, um alles was eben gesagt wurde aufzunehmen. Mariah war in Slytherin? Sie schien definitiv nicht in den Stereotyp zu passen. Aber sie ermahnte sich, dass alles was sie über dieses Mädchen wusste war, dass sie aussah wie sie selbst und in einen Jungen namens Edward verliebt war, der wie ihr Professor aussah. Hermine wusste nichts über die Persönlichkeit dieses Mädchens.

„Okay, also bist du eine Slytherin," gab Edward in der schneidenden Stimme, die sie so oft gehört hatte, zurück. „Und ich bin ein Gryffindor. Was hat das damit zu tun?"

Gryffindor? dachte Hermine. Sie unterdrückte ein Kichern beim Gedanken, dass irgendjemand, der wie Severus Snape aussah in Rot und Gold gekleidet sein könnte. Es schien beinahe unnatürlich.

„Als Slytherin wird von mir erwartet, dass ich einen anderen Slytherin heirate. Mein Vater hat mir das mein ganzes Leben eingebläut," erklärte Mariah.

„Sicher gibt es Erwartungen."

„Wenn du ein Ravenclaw wärst, wäre es kaum ein Problem. Wir haben ein paar Gryffindors in der Familie, entfernte Verwandte natürlich. Ich habe sogar eine Hufflepuff Cousine. Sie ist eine große Schande für die Familie, wir sprechen nicht über sie."

„Ich sehe immer noch kein Problem darin auf die Zustimmung deines Vaters zu warten."

„Mein Vater würde mir niemals erlauben ein Schlammblut zu heiraten."

Hermine und Edward zuckten bei Mariahs Wortwahl zusammen. Beinahe sofort nachdem das Wort ihre Lippen verlassen hatte, wandte Mariah den Blick von Edwards Gesicht.

„Ich hab es schon wieder gesagt, nicht war?" fragte sie leise, obwohl sie die Antwort natürlich wusste.

„Ja," sagte Edward, kaum ein Flüstern.

„Es tut mir so leid. Es ist einfach so herausgeplatzt. Ich wollte das nicht sagen."

Jetzt wandte Edward den Blick von Mariah ab.

„Edward, es tut mir leid. Du weißt, dass ich dich liebe. Mir ist es egal wer deine Eltern sind, dass sie Muggel sind. Das stört mich nicht."

„Es klingt aber so als ob es das täte."

„Es stört nur meinen Vater. Edward, ich liebe dich. Ich will dich heiraten und den Rest meines Lebens mit dir verbringen," sagte sie eindringlich. „Aber wenn wir heiraten wollen, dann müssen wir es heimlich tun. Vater wird niemals zustimmen."

„Dein Onkel…"

„Was ist mit ihm?"

„Sicherlich kann er etwas tun. Hat er Einfluss auf deinen Vater? Er wäre unser bester Verbündeter."

Mariah dachte über Edwards Vorschlag nach.

„Ich schätze wir könnten ihn fragen es zu versuchen. Vielleicht würde Vater auf ihn hören. Er hatte immer Respekt vor seinem älteren Bruder."

„Wir werden morgen mit ihm reden und ihn fragen."

Edward lehnte sich hinunter um seiner zukünftigen Frau einen Kuss auf die Stirn zu geben.

„Ist meine Nichte aufgewacht?"

Eine dritte Person, ein Zauberer, hatte den Raum betreten, aber Hermine konnte ihn von diesem Blickwinkel nicht sehen. Edward stand im Weg.

„Ja, Professor," beeilte er sich zu antworten. „Sie ist vor ein paar Minuten aufgewacht."

Der Professor war noch einige Meter entfernt, schritt jetzt aber eilig auf das Bett seiner Nichte zu.

„Und du, junge Dame, hast uns einen ganz schönen Schrecken eingejagt. Was hätte ich tun sollen, wenn etwas noch schlimmeres mit dir passiert wäre? Wie hätte ich meinem Bruder Adeben erklären sollen, dass seine einzige Tochter sich lebensgefährlich verletzt hat, während sie an meiner Schule war?"

Der Zauberer trat an Mariahs Bett. Edward stand ihr immer noch im Weg, also trat sie von der Gruppe zurück. Sie dachte ihr Unterkiefer würde bis auf den Boden fallen, als sie sah wer der Mann war… Albus Dumbledore, um einiges jünger, als der Zauberer den sie kannte, lehnte sich über das Bett um seiner Nichte einen Kuss auf die Stirn zu geben.

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