A/N: Und schon wieder ein neues Kapitel.. tja, schreiben macht eben mehr Spaß als Lernen, was ich eigentlich machen sollte! ;)
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Kapitel 18: Mariah und Edward
Irgendetwas ging hier vor sich und Hermine gefiel es ganz und gar nicht. Sie hatte den Schmerz und die Trauer beim Anblick der vom Schicksal heimgesuchten Liebenden der Vergangenheit ertragen, weil sie glaubte, dass alles nur ein schrecklicher Albtraum sei, aus dem sie bald erwachen würde. Jetzt war sie sich nicht mehr so sicher, dass sie diese Welt, diese andere Realität, in der es nur Unglück gab, jemals wieder verlassen würde.
Es war alles wie ein Traum, als sie in den fernen, fremden Ländern der vorhergegangenen Geschichten gewesen war. Aber im Krankenflügel von Hogwarts zu sein, dem Flügel den sie unglücklicherweise nur allzu gut kannte, ließ sie irgendwie eingesperrt fühlen, gefangen in unglücklichen Erinnerungen. Das hier war real, selbst wenn nichts was sie bisher gesehen hatte real war. Alles hatte auf diesen einen Moment in der Vergangenheit hingeführt. Was würde sie sehen? Was würde geschehen? Und wie würde es sich auf sie auswirken? Sie konnte nur abwarten und zusehen, wie sich die Dinge entwickelten.
„Mir geht es gut, Onkel Albus," erwiderte Mariah ihrem Onkel mit Nachdruck, während sie Edward genauso eindringlich ansah. „Eine kleine Beule, mehr nicht."
„Ich habe mit Professor Grebe gesprochen. Er hat schon ein paar Mal seiet dem Unfall nach dir gesehen," erklärte Albus Dumbledore. „Er meint, dass du mit ein paar Tagen Ruhe wieder vollständig gesund wirst, mein Schatz."
„Das ist eine Erleichterung, muss ich sagen," seufzte Edward.
Dumbledore lächelte den jungen Mann an. Seine funkelnden Augen verrieten keines seiner Geheimnisse. Hermine konnte nicht umhin, sich sicher zu fühlen, dass der Schulleiter so viel wusste. Als junge Hogwartsschülerin war sie immer wieder erstaunt gewesen, wie Dumbledore so viel wusste, wovon er eigentlich gar nichts wissen konnte. Nachdem Harry ihr erzählt hatte, dass er ein Legilimens war, machte es alles plötzlich einen Sinn. Dumbledore las Edwards Gefühle während sie sich unterhielten.
„Professor Dumbledore, gibt es nicht etwas, dass wir wegen dem Zaubertränkemeister tun können?" fragte Edward nervös.
„Was meinen Sie, Mr. Canton?" Albus wusste die Antwort natürlich längst, wollte aber, dass Edward sie aussprach.
„Ich denke wir sollten mit Schulleiter Dippet sprechen, damit Professor Grebe einen Verweis für seine Handlung bekommt."
„Was redest du denn da, Edward?" fragte Mariah ungeduldig.
„Er hat eine Schülerin gebeten einen Trank zu brauen, der ihrer Ausbildung weit voraus liegt und das ohne irgendeine Aufsicht. Es ist einfach eine Nachlässigkeit von seiner Seite."
Albus tat etwas, das Mariah und Edward überraschte. Er lachte. Nicht einfach nur ein leises Kichern, sondern ein volles, Kopf in den Nacken, Lachen. Etwas an Edwards Kommentar amüsierte ihn offensichtlich.
„Wieder jung und verliebt zu sein," seufzte Dumbledore. Für einige Augenblicke war er schweigsam, ein ferner, nostalgischer Ausdruck in seinen Augen.
„Professor?"
Dumbledore kehrte in die Gegenwart zurück.
„Ja, nun, du hattest einen anstrengenden Tag, Mariah. Du brauchst Ruhe."
Die Autorität in seiner Stimme ließ, selbst dann, keinen Widerspruch zu. Mariah lächelte zu Edward auf, bevor sie sich in die frisch gestärkten Laken des metallenen Krankenbetts kuschelte. Professor Dumbledore lehnte sich herab um seiner Nichte erneut einen Kuss auf die Stirn zu geben. Er drehte sich zu Edward um.
„Ich werde euch einen Moment allein lassen, damit ihr Gute Nacht sagen könnt," informierte er die jungen Verliebten. „Wenn ihr fertig seid, warte ich im Korridor auf Sie, um zu besprechen, was Sie besprechen wollten, Mr. Canton."
Edward sah verdutzt aus. Er hatte nicht erwähnt, dass er Dumbledore allein sprechen wollte. Hermine war allerdings wenig überrascht. Professor Dumbledore durchquerte den Krankenflügel und ging zur Tür. Mariah kicherte beim Anblick ihres Verlobten.
„Woher weiß er immer alles, was man ihm nicht erzählt?" fragte er.
„Großes Rätsel, denke ich," seufzte Mariah. Sie zuckte zusammen und hielt sich die Seite. Offensichtlich hatte sie immer noch Schmerzen vom Unfall. „Onkel Albus schien immer schon alles zu wissen, was passieren würde oder was wir sagen wollten, bevor wir es aussprachen."
„Oh, Mariah… soll ich Madam Pomfrey holen?" fragte Edward als er ihr schmerzerfülltes Gesicht sah.
„Mach dir nicht so viele Sorgen um mich," sagte sie verteidigend bei seinem Vorschlag. „Ein bisschen Schmerz ist zu erwarten. Immerhin bin ich gestern fast gestorben."
Sie versuchte ihre Situation herunterzuspielen. Für Hermine war eindeutig, dass sie nicht wollte, dass Edward sich noch mehr Sorgen machte, als er ohnehin schon hatte. Sie versuchte Witze über ihre Situation zu machen, um die Ernsthaftigkeit der Lage ein wenig herunter zu spielen. Edward schien von ihren Bemühungen nicht so begeistert zu sein.
„Das war kein normaler Zaubertränkeunfall. Und du solltest es auch nicht als solchen behandeln," gab er zurück.
Hermine hatte Schwierigkeiten zu begreifen, wie zwei Menschen, die so unterschiedlich waren zusammen gekommen waren. Einfach von den paar Minuten, die sie beobachtet hatte, seit Mariah aufgewacht war, konnte sie sehen, dass Meinungsverschiedenheiten und Streitereien zwischen den beiden nichts Ungewöhnliches war. Die Art und Weise wie sich die beiden immer wieder angriffen, im leichtesten Sinne des Wortes, zeigte ihre Gewohnheit im Wortwechsel. Das war keine Überraschung für Hermine als schweigsamer Beobachter. Jeder der dem Zaubertränkeprofessor ähnlich sah, konnte doch nur eine missmutige Art haben. Sie konnte definitiv nie mit ihm klarkommen, auch nicht wenn sie mit dem Orden zusammen saßen. Wenn Edward Canton irgendwie ein ‚vergangenes Leben' von Professor Snape war, war sie nicht im Geringsten überrascht, dass er jetzt unkooperativ war.
„Mir geht es gut," versicherte ihn Mariah zum hundertsten Mal. „Madam Pomfrey kümmert sich sehr gut um mich."
In dem Moment tauchte die erwähnte Madam Pomfrey in der Tür auf, von der Hermine wusste, dass sie zu deren privaten Räumen führte. Sie hatte einen entschlossnen Ausdruck im Gesicht, den Hermine nur allzu gut kannte. Ihr Ziel war das Krankenbett von Miss Mariah Dumbledore. Dem Blick nach zu urteilen, den sie Mr. Canton zuwarf, hatte sie ihn nicht mehr hier erwartet oder sie wünschte ihn eindringlich fort.
„Mr. Canton, ich dachte ich hätte Sie bereits vor mehr als zwei Stunden gebeten den Krankenflügel zu verlassen," erinnerte sie den jungen Mann. Ihr Gesicht trug denselben gereizten Ausdruck, den sie noch Jahre später in Hermines eigener Zeit innehaben würde. Beim Anblick der beiden Verliebten, wurde ihre Mimik etwas weicher. „Sie werden vielleicht überrascht sein, aber ich weiß wie es ist jung und verliebt zu sein. Während ich durchaus mitfühlend bin, muss ich darauf bestehen, Mr. Canton, dass sie sofort in ihren Schlafsaal zurück kehren. Ich versichere Ihnen, Miss Dumbledore ist hier in besten Händen. Jetzt muss ich ihr ein paar Tränke geben und sie untersuchen um festzustellen ob sie tatsächlich aus dem Gröbsten heraus ist."
Edward nickte im Einverständnis.
„Ja, Madam Pomfrey" antworte er. „Ich sehe dich morgen früh, Mariah."
Er nahm ihre linke Hand in seine und küsste sie sanft.
„Okay," antwortete Mariah. Der Besuch hatte sie eindeutig angestrengt. Es schien, als würde sie nicht länger als die nächsten paar Minuten wach bleiben. „Gute Nacht, Edward."
Edward erlaubte sich einen letzten Blick auf seine angeschlagene Verlobte, bevor er die Tür öffnete und den Krankenflügel verließ. Hermine wusste, dass alles was jetzt von Interesse stattfinden könnte, im Korridor bei Edward und Dumbledore vor sich gehen würde, und ließ ihre Doppelgängerin allein um Edward zu folgen.
„Ich habe selten einen solchen Schmerz gesehen, als den im Antlitz eines jungen Mannes in Sorge um seine Liebe," gab Professor Dumbledore bei Edwards Anblick von sich.
„Aber Professor, dies sind keine kleinen Sorgen. Mariah hätte bei dem Unfall ums Leben kommen können. Sie wird vielleicht lange Zeit nicht wieder gesund."
„Ich verstehe Ihre Sorgen, Mr. Canton, aber ich würde mir nicht zu viel Gedanken um Ihre junge Lady machen. Wenn es etwas gibt, dass ich über meine Nichte weiß, dann dass sie willenstark und zäh ist. Sie ist zu hartnäckig, um diesen Unfall ihrer Zukunft im Weg stehen zu lassen."
Dumbledore konnte einen immer schon, egal unter welchen Umständen, aufmuntern. Er hatte einen beruhigenden Effekt auf selbst die verzweifelsten Menschen. Dies war auch beim jungen Edward nicht anders. Beinahe sofort nach diesen Worten wurde er ruhiger.
„Nun, was wollten Sie mit mir besprechen?" fragte Dumbledore mit dem Anliegen die Aufmerksamkeit des jungen Mannes von seinen trüben Gedanken abzulenken. „Ich weiß, dass es um Mariah geht. Man muss keine Gedanken lesen können, um das zu sehen."
„Naja, P-Professor," stammelte Edward. „Ich weiß nicht so recht wie ich anfangen soll… Ist Ihnen bewusst welche Art von Beziehung Mariah und ich haben?"
„Alles was ich weiß, ist das was ich in euren Gesichtern sehen kann," antwortete Dumbledore mit einem Lächeln. „Ich fürchte, dass meine Nichte nicht sehr zuvorkommend ist, wenn es um ihr Privatleben geht. Das ist natürlich verständlich. Welche junge Frau würde denn ihrem alten kauzigen Onkel gerne von ihrem Liebesleben erzählen?"
„Ja, klar…"
Es war offensichtlich, das Edward lieber überall anders gewesen wäre, als diese Unterhaltung in den zugigen Korridoren mit seinem Professor zu führen.
„Ich habe… ich habe Mariah gebeten mich zu heiraten," platzte er nach einigen Momenten der Stille hervor.
„Verstehe…" gab der Professor zurück. „Und nun fühlst du, dass es ein Problem mit deinen Plänen gibt?"
Dumbledore benötigte nicht seine magischen Fähigkeiten als Legilimens um diese Tatsache zu erkennen. Jeder Zentimeter, jede Linie in Edwards Gesicht sprach Bände über seine Angst, dass das eine nach dem er sich am meisten sehnte – seine Heirat zu Mariah – verdammt dazu war zu scheitern. Seine größte Furcht war, dass Mariahs reinblütiger Vater, der Hermines Meinung nach kein bisschen wie Albus Dumbledore klang, Mariah niemals erlauben würde ‚unter ihrer Würde' zu heiraten. Sicherlich glaubte ein Mann wie Adeben Dumbledore, dass ein muggelstämmiger Zauberer wie Edward und ein Gryffindor noch dazu, das von Slytherin meist gehasste Haus, unter seiner Würde und der seiner Familie sei. Es wäre ungewöhnlich für einen solch stolzen und resoluten Mann solch eine Verbindung zuzulassen. Edwards Ängste waren nicht unbegründet oder gar überraschend. Dem ernsten Blick des Professors nach zu urteilen, war er sich Edwards Befürchtungen bereits bewusst.
„Mariah ist überzeugt, dass ihr Vater niemals seine Zustimmung für eine Hochzeit geben würde. Sie möchte fortlaufen und ohne seine Zustimmung heiraten," erklärte der hoffnungsvolle angehende Bräutigam. „Ich möchte kein Zerwürfnis in ihrer Familie bewirken, wenn ich es verhindern kann."
„Ich verstehe deine Bedenken Edward," sagte Dumbledore und ließ seine gewöhnlichen Professor-Schüler-Formalitäten fallen. Edward war einer seiner beliebtesten Schüler und sicherlich einer der begabtesten, die er je hatte. Nichts hätte ihn glücklicher gemacht, als seine Nichte mit dem mächtigen Zauberer verheiratet zu sehen. Er wusste, dass er sie glücklich machen würde und dass er eine erfolgreiche Zukunft vor sich hatte.
„Mein jüngster Bruder ist fürchte ich eine ganz andere Person als du oder ich. Es war sehr schmerzhaft für mich, als er heiratete und seine Verwandten fast vollkommen vergaß. Der Name Dumbledore ist traurigerweise das einzige, das uns noch verbindet. Die Tatsache, dass er niemals freiwillig zulassen würde, das Mariah außerhalb seines ‚sozialen' Umfelds heiratet, ist mir nicht unbekannt. Es ist haarsträubend und bedrückt mich mehr als ich sagen kann. Was ich nicht verstehe ist was du möchtest, dass ich tue um euch zu eurem ehelichen Glück zu verhelfen."
Der letzte Satz war als Aussage formuliert, aber es war klar, was Dumbledore hören wollte. Edward ließ sich auf eine Steinbank sinken und stieß einen erschöpften Seufzer aus. Hermine konnte seinen Gesichtsausdruck erkennen…
…wie merkwürdig dieser Ausdruck von Schmerz und Liebe auf seinem Gesicht. Ich könnte es mir niemals auf Professor Snapes Gesicht vorstellen.
Sie dachte über alles nach, was sie bis eben auf ihren Reisen gesehen hatte. Jedes Mal wenn sie einen Mann gesehen hatte, der Professor Snape bis auf das letzte Haar glich, wurde ihr etwas gezeigt, von dem sie nie erwartet hätte es zu sehen. Severus Snape hatte nie wirklich menschlich gewirkt. Er lebte, atmete, aß und Hermine nahm an, dass er schlief, aber Liebe war niemals etwas, das sie sich vorstellen konnte, dass er es fühlte. Ganz zu schweigen von ausdrücken. Jeder dieser Männer war verliebt gewesen, aus tiefstem Herzen, leidenschaftlich verliebt. Obwohl sie immer noch die mürrische Verfassung des Zauberers besaßen, der definitiv viel zu viel Zeit damit verbrachte arme Erstklässler in den Kerkern herunterzumachen, waren sie glücklich mit den Frauen, die sie liebten – und wenn nur für kurze Zeit. Liebe schien das einzige zu sein, das ihn retten könnte – falls er denn gerettet werden musste – von einem Schicksal, das sie für schlimmer als den Tod hielt. Ein Leben ohne Liebe war eine Strafe, die schlimmer war als alle Jahre der Zeit in der nasskalten Dunkelheit von Azkaban. Ein Leben ohne Liebe, aber ständig von ihr umgeben zu sein, war nichts, was Hermine je erfahren wollte. In diesen wenigen Momenten, in denen sie zusah, wie dieser unglückliche Ausdruck auf das Gesicht des jungen Mr. Canton kroch, verspürte Hermine eine überwältigende Sympathie gegenüber dem Mann, den sie zu hassen geglaubt hatte und heimlich gefürchtet hatte, seit ihrem ersten Tag als Elfjährige in seinem Klassenzimmer.
Sie besann sich zurück auf die Unterhaltung zwischen Professor Dumbledore und Edward und schob ihre Gedanken über ihre eigene Zeit beiseite, um sich auf die jetztigen Geschehnisse zu konzentrieren. Sie hatte noch nichts verpasst. Edward bemühte sich immer noch einen Weg zu finden wie er seine Bitte formulieren sollte.
„Mariah hat mir einmal von dem immense Respekt erzählt, den ihr Vater vor seinem älteren Bruder hat, Professor. Ich verstehe, dass es Probleme in Ihrer eigenen Familie gegeben hat, die Beziehungen verändert haben… und, nun ja, alles verändert haben. Aber ich weiß, dass er Ihre Meinung schätzt," versuchte Edward hastig zu erklären.
„Ahh… ich verstehe. Du möchtest, dass ich mit meinem Bruder rede und ihn überzeuge seine Zustimmung zu geben, richtig?" fragte Dumbledore.
„Nun… ja, das ist genau das worum ich Sie bitten wollte. Ich weiß, dass es mehr ist als ich fragen sollte. Ich könnte niemals erwarten, dass jemand etwas so persönliches für mich tut und um so einen riesigen Gefallen bitten…"
Edward plapperte in einem nervösen Wortschwall. Eine ruhige Geste von Dumbledore ließ ihn innehalten.
„Ich habe viel Respekt für Sie, Mr. Canton," gab Dumbledore an. „Es ist nicht sehr häufig, dass man einen so jungen Menschen mit so viel Selbstvertrauen und Elan findet, wie Sie. Ich weiß wie stark Liebe sein kann, besonders wenn man jung ist und noch sein ganzes Leben vor einem liegt. Ich kenne die Extreme, zu denen manche gehen, um ihre Liebe und ihr Glück zu sichern. Ja, glauben Sie es oder nicht, Liebe ist etwas, das mir sehr bekannt ist."
Dumbledore lächelte schwermütig.
„Es gibt nur wenige für die ich so etwas tun würde, ich hoffe das ist Ihnen bewusst, aber ja, ich werde mit Adeben über eure Verlobung sprechen," versprach Dumbledore. „Er wurde über den Unfall seiner Tochter informiert und wird morgen früh in der Schule ankommen um nach ihr zu sehen. Ich werde dann in Ihrem Anliegen mit ihm sprechen."
„Danke, Professor!" Edwards Gemüt hellte bei der Aussicht deutlich auf.
„Ich werde mit ihm sprechen. Unter einer Bedingung…"
Edwards Gesicht fiel. Widerwillig fragte er, „Was ist die Bedingung, Sir?"
„Dass Sie sofort in Ihren Schlafsaal zurückkehren und etwas Schlaf nachholen," sagte Dumbledore lächelnd. „Sie sind schon zu lange auf den Beinen. Gehen Sie ins Bett und kommen Sie keine Minute vor elf Uhr morgen früh in mein Büro."
Hermine sah zu, wie die beschwingte und hoffnungsvolle Gestalt von Edward Canton den Korridor hinab in Richtung Gryffindor Turm verschwand. erWie erwartet sah sie, wie ihre Umgebung sich drehte und in das Büro verwandelte, das in ihrer Zeit Professor McGonagalls werden würde. Professor Dumbledore saß hinter seinem Schreibtisch, einem anderen Zauberer zugewandt, den Hermine sofort als seinen jüngeren Bruder erkannte. Adeben Dumbledore war einfach eine jüngere Version von Albus. Der einzige Unterschied war die Abwesenheit von Wärme in Adebens blauen Augen. Bei Zauberer besaßen kastanienbraunes Haar, wobei Albus bereits etwas weiß wurde.
„Ich verstehe deine Sorgen um Mariah, Albus, wirklich," sagte Adeben. „Aber Fakt ist, dass sie bereits einem anderen versprochen wurde, als sie noch ein junges Mädchen war."
„Eine arrangierte Ehe?" Die Worte entkamen Dumbledores Lippen mit Verachtung.
„Natürlich eine arrangierte Ehe. Eine respektierte Slytherin Familie bot ihren Sohn als sie nur etwa vier Jahre alt war. Es ist seit der Zeit besprochen. Sobald sie Hogwarts Anfang des Sommers verlässt, wird sie heiraten."
„Und weiß Mariah von dieser Zukunft?" Dumbledore war wütend, behielt aber seine äußerliche Ruhe.
„Sie wusste immer, was von meiner Tochter erwartet wird. Sie wird bereit sein ihre Zukunft anzunehmen."
„Was ist, wenn sie wählt den jungen Mann, der für sie auserwählt wurde nicht zu heiraten?"
„Das ist keine Frage um du dich sorgen musst, Albus. Mariah wird tun wie ihr gesagt wird."
„Ich muss sagen, dass du deine Tochter nicht besonders gut kennst, wenn du glaubst, dass sie blind deinen Befehlen folgen wird. Sie ist viel zu selbstständig und temperamentvoll, um in eine Ehe gezwungen zu werden, die sie nicht will."
„Wenn sie nicht heiratet wen ich für sie auserwähle, dann wird sie zur Schande der Familie. Das ist nicht tragbar."
Ihre immer hitziger werdende Diskussion kam abrupt zum Stehen, als Edward ankam. Er klopfte nervös an die Bürotür. Albus Dumbledore erhob sich aus seinem Stuhl und glitt durch den Raum um die Tür zu öffnen.
„Ahh, guten Morgen, Mr. Canton. Ich hoffe, Sie haben ausgeschlafen?" grüßte Dumbledore den offensichtlich verängstigten jungen Mann.
„Ja, Sir. Das habe ich, danke."
„Biite, kommen Sie herein." Dumbledore zog an Edwards Arm, um ihn ins Zimmer zu geleiten. „Mr. Canton, ich möchte Sie meinem Bruder und Mariahs Vater vorstellen, Adeben Dumbledore."
Das Treffen wurde von da an so ungemütlich, dass Hermine sich wünschte sie könnte einfach gehen. Sie wusste, dass sie herausfinden musste, was vorgefallen war, aber es gefiel ihr immer weniger. Adeben Dumbledore war jedes bisschen der herzlose reinblütige Zauberer, den Hermine sich vorgestellt hatte. Wenn nicht sogar noch schlimmer als ihre Annahme. Er strebte danach Edward so unbehaglich Zumute zu machen, wie er nur konnte. Beinahe dreißig Minuten lang wurde die Diskussion über Heirat und Adeben Dumbledores Protest fortgesetzt.
„Sie verstehen doch in welch prekärer Situation ich mich befinde, Mr. Canton," sagte Adeben kühl. „Wenn ich Mariah erlauben würde Sie anstelle des Zauberers, dem sie seit Jahren versprochen ist, zu heiraten, würde mein Wort in dieser Gesellschaft gänzlich an Wert verlieren. Keine respektable Zaubererfamilie würde noch mit mir Verhandlungen führen wollen."
„Aber Mr. Dumbledore, ich bin sicher sie würden es verstehen, wenn Sie ihnen erklären würden, wie sehr Mariah und ich uns lieben!" protestierte Edward vehement. Er war entschlossen nicht kampflos aufzugeben.
„Es tut mir sehr leid, Mr. Canton, aber ich kann meine Zustimmung nicht geben."
Dieser letzte Satz schien die Diskussion endgültig abzuschließen. Adeben Dumbledore war kein Mann der sich von irgendjemandem herumkommandieren ließ. Er würde sich von niemandem beeinflussen lassen seine Meinung oder Gefühle zu ändern. Er war es gewohnt derjenige zu sein, der herumkommandierte. Sein Ruf war ihm sehr viel wichtiger, als dass seine Kinder glücklich waren. Mariah, seine einzige Tochter, würde niemals den muggelstämmigen Edward Canton heiraten. Adeben würde alles tun um das zu verhindern.
„Ich verstehe, Mr. Dumbledore," gab Edward nach. Er ließ den Kopf hängen, den Blick auf den gewebten Teppich des Professors gerichtet.
Es konnte nichts mehr dazu gesagt werden. Ein hastiges, dringendes Klopfen ertönte von der anderen Seite der Tür. Professor Dumbledore stand auf und schritt viel schneller als zuvor zur Tür, welche er aufriss während der ältere Zauberer im Korridor die Hand noch zum Klopfen erhoben hatte. Hermine hatte diesen Zauberer bereits irgendwo mal in einem Gemälde gesehen, konnte sich aber nicht an seinen Namen erinnern.
„Professor Grebe, stimmt etwas nicht?" fragte Dumbledore.
„Ja, Albus, ich fürchte ja," antwortete er ruhig mit besorgter Stimme. „Es ist Grindelwald."
Professor Dumbledore führte seinen Kollegen hinaus in den Korridor um zu sprechen. Hermine versuchte zuzuhören, aber ihre Stimmen waren zu leise. Die zwei Zauberer, die im Büro zurückgeblieben waren, saßen in angespannter Stille. Nach ein paar Minuten, die drohten sich sehr lang zu ziehen, kehrte der Professor zurück.
„Ich fürchte wir müssen hier abbrechen," verkündete Dumbledore ohne an seinen Schreibtisch zurück zu kehren. Stattdessen schritt er zu einem großen Schrank im hinteren Teil des Büros hinüber.
„Gibt es ein Problem, Professor?" fragte Edward besorgt.
„Grindelwald wurde nur wenige Meilen von Hogsmeade gesichtet," erklärte er. „Die Vertrauenschüler bringen die Schüler zurück in die Gemeinschaftsräume und die meisten Lehrer gehen ins Dorf."
Hermine sah zu Adeben hinüber, ob er eine Reaktion zeigte. Sein Ausdruck war nicht überraschend, aber dennoch beunruhigend. Er plante etwas. Alles was von dem Mann kam war unwahrscheinlich besonders vorteilhaft zu sein.
„Wirst du Hilfe benötigen, Albus?" fragte er.
„Ich bin sicher, wir können jede Hilfe benötigen, die wir kriegen können," antwortete Dumbledore.
„Mr. Canton, mein Bruder hat mir von Ihren großen magischen Fähigkeiten erzählt," fuhr Adeben fort. „Dieser Grindelwald hat für zu viel Chaos gesorgt. Ihn loszuwerden wäre eine große Erleichterung für uns alle."
„Ich verstehe nicht ganz, Mr. Dumbledore."
„Sollten Sie meinem Bruder helfen diesen Teufel loszuwerden," erklärte Adeben. „Wäre ich bereit Ihnen und meiner Tochter meinen Segen zu geben."
Das war alle Aufmunterung, die Edward brauchte. Sofort nachdem er Adeben Dumbledore gedankt hatte, half er Albus Dumbledore bei den Vorbereitungen für die Schlacht gegen den schwärzesten Zauberer, den die Welt bis dann gesehen hatte. Hermine konnte nicht umhin sich zu fragen, warum Adeben plötzlich willens war alles aufzugeben, nur weil Edward bereit war zu kämpfen. Irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht. Edward schien nicht besorgt, dass sein zukünftiger Schwiegervater irgendwelche Hintergedanken haben könnte. Es war allerdings offensichtlich, dass Professor Dumbledore den Absichten seines Bruders nicht ganz traute. Er warf seinem jüngeren Bruder einen fragenden Blick zu, aber Hermine war die einzige der es auffiel.
„Bevor ich gehe muss ich zu Mariah in den Krankenflügel," verkündete Edward und verließ eilig das Büro.
„Wenn du mich entschuldigen würdest, Albus, ich muss zum Anwesen zurück. Es war schön die mal wieder zu sehen. Vielleicht können wir unser nächstes Treffen mit einem angenehmeren Ende abschließen."
Adeben gab seinem Bruder eine kurze, steife Verbeugung und schritt aus dem Büro. Um nichts zu verpassen folgte Hermine ihm. Im Korridor sah sie einen Mann, den sie vorher noch nicht gesehen hatte. Er stand in einer dunklen Ecke und wartete offensichtlich aud Adeben.
„Mr. Dumbledore?" fragte er in einem unmissverständlichen Tonfall. Er war offensichtlich ein Angestellter von Adeben. Ein Bodyguard oder Assistent vielleicht.
„Folgen Sie ihm. Tun Sie was immer nötig ist, dass er nie mehr zurückkehrt," befahl Adeben flüsternd, bevor er in Richtung Krankenflügel davon marschierte.
Hermine und Adeben unterbrachen einen tränenreichen Abschied zwischen dem jungen Pärchen.
„Ich werde eine Weile fort sein, aber mach dir bitte keine Sorgen um mich," flüsterte Edward.
„Eine Weile? Wie lange sagte Onkel Albus seid ihr fort?"
„Das letzte Mal als er hinter Grindelwald her war, war er einen Monat fort. Ich bin nicht sicher, wann wir zurückkehren."
„Oder ob überhaupt!" erwiderte Mariah sardonisch.
„Ich werde zurückkehren. Ich weiß nur nicht genau wann. Wenn ich nicht zurück bin, bevor das Semester vorbei ist, geh nach Hause. Ich werde dich dort aufsuchen."
„Nein, ich werde nicht nach Hause gehen während du da draußen bist und kämpfst oder vielleicht stirbst!" argumentierte sie. „Ich werde dieses Schloss nicht verlassen, bis du zurückkehrst!"
„Es kann länger als einen Monat dauern."
„Dann werde ich hier länger als einen Monat warten. Ich werde das Schloss nicht verlassen, bis du zurückkehrst."
Mariah konnte nicht überredet werden Hogwarts zu verlassen, bis sie Edward wieder sah. Es machte Hermine traurig. Sie hatte schließlich den Befehl Edward zu töten gehört, den Adeben gegeben hatte. In jeder anderen Geschichte war das Paar am Ende nicht glücklich. Das hier war eine weitere.
„Mr. Canton, es ist Zeit aufzubrechen," verkündete Professor Dumbledore. „Wir lassen Mariah in guten Händen."
Es gab ein weiteres tränenreiches Auf Wiedersehen und weitere zehn Minuten später folgte Edward Dumbledore aus dem Krankenflügel und in eine Zukunft, die nicht viel versprechend aussah.
Mariah weinte noch lange nachdem Edward fort war. Sie und ihr Vater hatten eine kleine Auseinandersetzung über ihre Verlobung. Bevor sie sich einigen konnten, kam Madam Pomfrey aus ihrem Büro und gab Mariah einen Schlaftrunk. Schließlich hatte sie noch einen langen Heilungsprozess vor sich.
„Wenn es Ihnen nichts ausmacht, Madam Pomfrey," begann Adeben in seiner aalglatten Art. „Ich würde gerne noch eine Weile am Bett meiner Tochter sitzen, bevor ich aufbreche."
„Natürlich, Mr. Dumbledore. Ich bin in meinem Büro, falls Sie irgendetwas brauchen."
Hermine blickte Madam Pomfrey hinterher, als sie in ihr Büro hinüber ging. Sie wusste, dass etwas Schreckliches passieren würde, und dass die Abwesenheit der Medihexe den Vorgang nur beschleunigen würde.
„Hast du tatsächlich geglaubt, ich würde meine Tochter ihre Verlobung mit einem Mitglied einer der mächtigsten und renommiertesten Zaubererfamilien in Großbritannien abbrechen lassen, damit sie ein dreckiges Schlammblut heiratet?" zischte er leise in die Stille des Krankenflügels. Mariah war bereits in einen tiefen Schlaf versunken. „Einen Malfoy abzulehnen um ein Schlammblut zu heiraten? Lächerlich. Die kindischen Ideen meines Bruders über Gleichberechtigung haben ihre Ideale vergiftet. Ich werde nicht zulassen, dass sie dieser Familie Schande bringt!"
Damit nahm er ein Kissen von dem leeren Bett neben Mariahs. Hermine schrie ihn an aufzuhören, aber ihre verzweifelten Rufe blieben ungehört. Nach nur wenigen Augenblicken hatte Mariah ihr Versprechen gegenüber Edward erfüllt. Sie würde Hogwarts nie verlassen… zumindest nicht lebend.
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