A/N: Ah, hier ist es also.. das letzte Kapitel.. die Auflösung. Viel Spaß! :)

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Kapitel 21: Erlösung

Wenn ich dich verliere oder du mich, dann können wir so ziemlich alles tun, um den anderen wieder zu finden."

Die Worte hingen in der kühlen Luft des Schlosses wie Spinnweben, hallten von den Steinmauern in leisen Echos. Sie rangen Hermine in den Ohren. Sie stand in dem geheimen Raum und starrte die jungen Liebenden an, die gerade das wahrscheinlich wohl dümmste in ihrem Leben getan hatten. Dunkle Magie, wie im Laufe der Jahre unzählige Male bewiesen wurde, war nichts womit man leichtsinnig umgehen sollte. Es gab immer Rückwirkungen, Konsequenzen; ein Gleichgewicht zwischen Licht und Dunkel, Gutem und Bösem.

Langsam begannen die beiden Figuren, die Erinnerungen an Edward Canton und Mariah Dumbledore, sich aufzulösen und aus dem geheimen Raum zu verschwinden. Hermine war gänzlich allein. Ein kleiner alter Sessel, der aussah als würde er bald zusammenbrechen, stand in der Ecke. Wenn es einen Ort gab an dem Hermine sein sollte, dann wusste sie nichts davon. Vorsichtig ließ sie sich auf dem Sessel nieder und seufzte. Eine übermäßige Menge an Gedanken wirbelte in ihrem Kopf herum.

„Ich habe nicht genug über den Zauber gelesen gehabt, bevor ich ihn durchgeführt habe," brach eine vertraute Stimme durch Hermines Gedanken.

Hermine zuckte zusammen und drehte sich um. Sie hatte nicht erwartet die Stimme von jemand anderem zu hören. Zu ihrer linken stand eine transparente Figur… Mariah Dumbledore. Die junge Frau, offensichtlich ein Geist oder Gespenst irgendeiner Art, sah sich in dem Raum um. In ihren Augen sah Hermine eine Traurigkeit und ein Sehnen, die sie noch nie in jemandes Blick gesehen hatte. Miss Dumbledore war die schwermütigste Figur, die Miss Granger je gesehen hatte. Mariah sah sich mit einem sehnsuchtsvollen Blick nach dem was einmal war, um.

„M… Mariah?" stotterte Hermine, nicht sicher, ob sie ihren Augen wirklich trauen konnte.

Der Geist von Miss Dumbledore wirbelte zu ihrer Doppelgängerin herum und gab ihr ein halbes Lächeln. Dieses tat nichts gegen die Trauer in ihren Augen. Wenn überhaupt, dass verstärkte es die Emotion nur noch mehr.

„Nicht ganz in Fleisch und Blut," antwortete Mariah. „Aber das bist du ja auch nicht."

„Wa… wa… ich meine, ich verstehe nicht…" Hermine hatte Schwierigkeiten ihre Gedanken und Fragen in hörbare, sinnvolle Worte zu formen. Sie fühlte sich, als müsste sie platzen. Es gab hunderte an Fragen, die sie stellen wollte; hunderte von Informationen, die sie wissen wollte.

„Es ist alles ein wenig überwältigend nicht wahr?" Der Geist lächelte erneut. Ihr Lächeln war so kalt wie das Zimmer in dem sie sich befanden. Es war, als würde Mariah eine Ironie finden, die Hermine nicht sehen konnte.

„Ist das hier Teil desselben Traumes? Bist du ein Produkt meiner Phantasie?"

Mariah gab ein kurzes, gellendes Lachen von sich. Es war sehr anders als Hermine, ein überraschender Laut aus ihrem Körper.

„Ich bin überrascht, Hermine." Das Lächeln war diesmal etwas wärmer. "Du hast doch sonst immer alle Antworten."

"Woher weißt du…?"

„Ich weiß eine Menge über dich," gab Mariah zu.

Hermine erhob sich aus ihrem Sessel in einer schnellen, verängstigend Bewegung.

„Hast du…?"

„Ich habe dich beobachtet, seit du dieses Schloss betreten hast."

Hermine war sichtlich unangenehm zumute bei diesem Eingeständnis. Unbewusst schlang sie die Arme um sich, in einer offensichtlichen Handlung jemandes, der fühlt, dass seine Privatsphäre oder Person verletzt wurde.

„Du hast mich beobachtet?" Ihre Stimme klang hohl, beinahe als ob sie die Worte nicht selbst aussprechen würde.

„Ich hab gerne ab und zu mal nachgeschaut, wie es dir geht."

„Warum?"

„Natürlich habe ich dich bereits etwa zwanzig Jahre früher erwartet." Sie ignorierte Hermines Frage.

„Warum bist so interessiert an meinem Leben?"

Mariah lächelte ihr kaltes Lächeln erneut.

„Abgesehen von dem winzigen Detail, dass du mein Gesicht hast, bist du ein großer Teil jeder Zukunft, die ich haben könnte."

„Ich verstehe nicht…"

"Du hättest vor zwanzig Jahren hier sein sollen. Ich habe auf dich gewartet."

„Als Professor Snape herkam?"

„Es schien mir logisch, dass ihr beide zur gleichen Zeit auftauchen würdet. Schließlich waren Edward und ich im gleichen Jahrgang."

Hermine wandt sich nervös unter dem kühlen Blick des Gespenstes. Es war schließlich nicht etwas, was einem täglich passierte. Sie war daran gewöhnt die Hausgeister zu sehen, Fast-kopfloser Nick, den Blutigen Baron, den Fetten Mönch und viele von den dutzenden Geistern, die im Schloss – mangels eines besseren Wortes – lebten. Sie war auch an die Untaten des örtlichen Poltergeistes gewöhnt. In der Gegenwart einer jungen Frau zu sein, die Jahrzehnte zuvor gestorben war und noch dazu das gleiche Gesicht mit ihr teilte, ließ Hermine alles andere als wohlig zu mute sein.

„Nach einer Weile begann ich daran zu zweifeln, dass du je auftauchen würdest. Vor allem nachdem Severus die Schule verließ." Sie hielt inne. „An dem Tag, an dem du deinem Haus zugeteilt wurdest, bin ich nicht einmal mehr zur Zeremonie gegangen. Zu viele Jahre der Enttäuschung."

Hermine versuchte sich daran zu erinnern jemals diesen Geist, der ihr so ähnlich sah, gesehen zu haben. Wenn Mariah behauptete ein Auge auf sie und Professor Snape gehabt zu haben, dann hätten sich ihre Wege doch irgendwann einmal kreuzen müssen. Allerdings war sie überzeugt, dass sie Mariah noch nie zuvor erblickt hatte.

„Warum habe ich dich noch nie gesehen? Ich habe alle Geister des Schlosses getroffen."

Mariahs kühler Blick wurde durchdringend starr. Hermines Frage war offensichtlich keine, die sie hören wollte.

„Ich bin nicht wirklich ein Geist."

„Was? Aber… du bist gestorben… und jetzt… bist du noch hier."

Mariah ließ einen lauten, dramatischen Seufzer hören.

„Eine Nebenwirkung, fürchte ich. Von einer törichten Handlung meiner Vergangenheit."

„Der Zauber?"

„Leider, ja."

Die junge Frau fuhr nicht weiter fort mit ihren Erklärungen. Hermine wartete ungeduldig dass sie es näher ausführte. Eine unermessliche Melancholie lag auf Miss Dumbledore ohnehin schon freudlosem Gesicht. Quälende Erinnerungen, Gedanken an das was hätte sein können, oder vielleicht was hätte sein sollen rasten ihr durch den Kopf. Es gab so viel zu bereuen. Ihre Naivität und Ungestüm hatte nicht nur ihr Leben, sondern auch das ihres Geliebten unwiderruflich verändert.

„Ich war so von dem Gedanken eingenommen von meiner Liebe getrennt zu werden, dass ich leichtsinnig wurde. Ich habe nicht genug recherchiert. Für die letzten sechzig Jahre bin ich in diesem Schloss und seinen Ländern eingeschlossen gewesen. Niemand kann mich sehen oder hören, nicht einmal die Geister, aber ich sehe alles." Sie war sichtlich aufgewühlt.

„Wenn das wahr ist…"

„Natürlich ist es wahr!" Sie war aufgebracht. Die scharfen Worte sprangen von ihren Lippen, bevor sie sie aufhalten konnte.

„Aber wieso kann ich dich sehen?"

„Du bist nicht in der Welt des Bewusstseins, das ist meine Spekulation." Mariah wandte sich von Hermine ab. „Die Fähigkeit zu besitzen alles zu sehen und dennoch selbst nicht gesehen zu werden… das ist Folter."

„Kann ich mir vorstellen…"

„Wie kannst du dir das denn vorstellen?" schnappte Mariah und brachte Hermine zum Schweigen. „Ich habe alles gesehen, das passiert ist. Ich habe unzählige Schüler kennen gelernt, nur durch beobachten."

Sie wirbelte herum und sah Hermine erneut an. In ihren Augen schwammen Tränen.

„Ich sah meinen Onkel um mich trauern. Kannst du dir etwas Frustrierenderes vorstellen? Ich war dort. Ich konnte sehen, wie aufgewühlt er war und dennoch konnte ich nichts tun. Ich konnte ihm noch nicht einmal bewusst machen, dass ich dort war."

„Das muss schrecklich gewesen sein."

„Du hast ja keine Ahnung."

von dem Augenblick an, da Mariah ihre Anwesenheit zu erkennen gegeben hatte, hatte Hermine in Gedanken Fragen formuliert, die sie ihr stellen wollte. Was genau war es für ein Zauber, den Edward und sie ausgeführt hatten? Warum konnte niemand sie sehen? Wenn Mariah hier war, warum war Edward dann nicht hier? Jede Minute warf weitere Fragen auf. Aber mit jedem Angriff von Mariah, mit jedem Mal da sie hörte, dass sie unmöglich verstehen könnte, wurde Hermine frustrierter.

„Ich habe viel gesehen und wurde ebenso nicht gesehen," sagte sie schließlich.

„Was?"

„Ich habe mehrere Geschehnisse der Vergangenheit beobachtet, furchtbare Geschehnisse. Niemand konnte mich sehen. Ich wusste, was vor sich ging. Ich habe versucht sie anzuschreien, zu verhindern was geschah, aber niemand konnte mich hören. Du sagst, dass ich nicht weiß, wie sich das anfühlt, aber ich fürchte ich muss dir widersprechen. Ich weiß ziemlich genau wie sich das anfühlt."

Mariah lachte ein freudloses Lachen. Ihre Augen zeigten keine Wärme. Nur Kälte, Wut und eine Mischung anderer Emotionen, die nur ihr bekannt waren.

„Meinst du Henri und Camille? Isabella und James?" spuckte Mariah aus.

„Woher…?"

„Oder vielleicht Gabriel und Clara?"

„Woher weißt du von ihnen?"

„Und natürlich, mein persönlicher Favorit müsste Anthony und Cleopatra sein. Klassische, tragische Liebesgeschichte." Ihre Worte waren bitter. Sie verhöhnten Hermine. Daran bestand kein Zweifel. "Diese dem Untergang geweihten Liebesgeschichten zu beobachten hat dich schwach und machtlos fühlen lassen, nicht wahr, Hermine?"

„J…Ja," murmelte sie.

„Das ist nur ein winziger Teil von allem mit dem ich in den letzen Jahren klarkommen musste," hallte Mariahs Stimme durch den kleinen Steinraum. Sie schien übernatürlich, unwirklich und beängstigend. Jahre der Einsamkeit hatten die einst verliebte Jugendliche in ein kaltes, entmutigtes Wesen verzerrt. „Und sie waren noch nicht einmal echt."

„Nicht echt?" Im Kontrast zu dem anderen Mädchen wurde Hermines Stimme immer kleiner und leiser. Ihr Gesicht viel beim Klang der Worte aus Mariahs Mund.

„Nur Geschichten, die ich gelesen habe, als ich noch ein Mädchen war."

„Aber wie…?"

„Wie kann es sein, dass du sie gesehen hast? Dass du fühltest du wärst wirklich dort, obwohl es alles nur Fiktion war?"

"Ja…" Eine Träne fiel aus Hermines Augen auf ihre Wangen.

„Und wie kam es, dass jedes Paar, das du gesehen hast, so eine erstaunliche Ähnlichkeit mit dir und deinem Zaubertränkeprofessor hatte?"

„Ja…" Tränen folgten der ersten und liefen ungehindert über ihr Gesicht.

„Einer meiner brillanteren Pläne, wenn ich das so sagen kann."

Hermine konnte Mariah nicht länger ins Gesicht blicken. Sie wandte sich ab und vergrub ihr tränenüberströmtes Gesicht in den Händen. Sie fühlte sich als hätte sie eine Ewigkeit nur geweint. Ihre Augen brannten. Mariah schien es überhaupt nicht zu kümmern, was ihre Worte und ihre Taten dem anderen Mädchen antaten.

„Warum hast du mir so etwas angetan?" fragte Hermine in einem gezwungenen Flüstern. „Wie konntest du mich so etwas durchmachen lassen? Was für einen Sinn macht es mich solcher Trauer und Schmerz auszusetzen?"

„Es war nicht für dich, Hermine, dass ich es dir gezeigt habe. Ich habe es alles für mich und mein Wohlergehen getan," antwortete Mariah eisig. Ihre Stimme und ihr Gesicht enthielten keinerlei Anzeichen von Reue.

„Warum würdest du das tun?" schrie Hermine und schockierte das andere Mädchen.

„Weil… weil ich deine Hilfe brauche."

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„Ich fürchte, das ergibt meiner Meinung nach sehr wenig Sinn, Schulleiter," seufzte Severus.

Die zwei Zauberer saßen immer noch auf der alten Steinbank im Korridor vor dem Krankenflügel. Über eine halbe Stunde lang hatte Severus gereizt den Erklärungen des alten Mannes über die Vorkommnisse der vergangenen Wochen gelauscht.

„Dann sollte ich es noch einmal erklären, Severus." Albus war übermäßig geduldig mit dem jüngeren Professor, trotz dessen steigender Frustration. „Vor drei Wochen erhielt ich eine seltsame Posteule. Der Brief war adressiert an ‚Onkel'."

„Aber du hast doch selbst erzählt, dass du dutzende Nichten und Neffen hast. Wieso war das so seltsam?"

„Es war hauptsächlich ein Gefühl, dass ich hatte. Eines dieser tiefen, unterbewussten Gefühle, die nicht wegerklärt werden können. Ich habe den Brief in meinen Umhang gesteckt, mit der Absicht ihn später zu lesen. Meine Neugier hat mich aber bald übermannt."

„Was stand in dem Brief?"

„Bitte sei geduldig, Severus. Es waren nur zwei Worte geschrieben: Infinitas Infinitio. Ist dir bekannt was das für ein Zauber ist?"

„Ja, ein uralter Binde-Zauber. Du hast es vorhin erwähnt. Ich habe aber keine Ahnung, was das mit mir oder deiner Nicht oder Mr. Canton oder Miss Granger zu tun hat!"

„Es ist in der Tat ein uralter Binde-Zauber, ein gefährlicher, wenn inkorrekt ausgeführt. Vor dreihundert Jahren wurde er von den Internationalen Zaubererverbänden verboten. Alle Bücher, die den Zauber enthielten, sollten zerstört werden. Natürlich sind ein paar Exemplare erhalten geblieben. Ich erinnere mich, dass meine Nichte Mariah mich einmal danach fragte."

„Und das kam dir nicht merkwürdig vor?"

"Mariah hat Fragen gestellt, sobald sie sprechen konnte. Ohne Zweifel hatte sie im Vorübergehen oder in einem alten Buch von dem Zauber gehört und war neugierig. Ich wusste selbst sehr wenig über den Zauber, als sie fragte. Alles was ich tun konnte war sie auf die Bücher in der Bibliothek zu verweisen, die es ihr vielleicht weiter erklären konnten. In ihrem letzten Jahr in Hogwarts fand ich dann dieses Buch bei ihr. Sie sagte sie hätte es in der weitläufigen Bibliothek ihres Urgroßvaters MacNair gefunden. Sie versicherte mir auch, dass sie es lediglich zu Bildungszwecken hatte."

„Hast du ihr geglaubt?"

„Du kennst meine Nichte leider nicht," lächelte Albus bei dem Gedanken. „Sie war enorm überzeugend. Ich gebe es ungern zu, aber ich wusste selbst zu wenig über den Zauber. Ich wusste nicht was er bewirkte."

„Was bewirkt er?"

„Als ich die Eule mit dem Namen des Zaubers erhielt, wurde ich neugierig. Es waren beinahe sechzig Jahre vergangen seit ich davon gehört hatte. Tagelang las ich jedes Buch, das ich finden konnte in dem der Infinitas Infinitio vorkam. Wenn zwei Menschen verliebt sind und fühlen, dass es Hindernisse an einer gemeinsamen Zukunft gibt, konnten sie diesen Zauber ausführen. Sie mischten ihr Blut am Abend eines Neumonds mit einer Anzahl anderer Zutaten, die man leicht in einem Zaubertränkelabor finden konnte. Wenn sie getötet oder irgendwie voneinander getrennt würden, konnten sie sich wieder finden."

„Eine Art Folge- oder Such-Zauber?"

„Nicht ganz. Falls ihnen etwas Tragisches zustieße, würden ihre Essenzen in dieser Ebene der Existenz verweilen, bis sie in der Zukunft wieder beisammen sein konnten."

„Als Geister oder einer anderen Wesensgestalt?"

„Nein…" Albus zögerte bevor er fortfuhr. „Bis ihre physischen Körper wiedergeboren wurden und sie… äh, die Geschehnisse wiederholten."

Kein Geräusch erklang im Korridor. Severus konnte nicht glauben, was der Schulleiter da sagte. Das erste Mal da er diese Begebenheiten erklärt hatte, war Albus nicht ins Detail gegangen, was der Zauber umfasste.

„Miss Granger und ich… um den ausgeführten Zauber zu erfüllen, müssen uns verlieben?" Er sprach die Worte mehr zu sich selbst als zu dem Schulleiter.

„Ich bin nicht ganz sicher, aber ich glaube schon. In einem der Bücher, die ich gelesen habe, ist eine Darstellung, die in großem Detail beschreibt, was passierte. Ein junger Zauberer verliebte sich in eine Adelige. Ihr Vater erlaubte nicht, dass die beiden zusammen waren. Der junge Mann führte den Zauber durch, mischte ihr Blut und besiegelte ihn mit einem Kuss, sodass sie zusammen sein konnten. Wie es kommen musste, wurde befunden, dass die junge Frau ein Kind erwartete. Ihr Vater ließ den jungen Zauberer töten und dann seine Tochter ermorden.

„Die Essenz des jungen Zauberers verweilte. Er war belastet mit der Aufgabe sicher zu stellen, dass die zukünftigen Inkarnationen von ihm und seiner Geliebten sich treffen und verlieben würden. Seine Essenz war gefangen. Niemand konnte ihn sehen, aber er konnte Zauberkräfte verwenden, um die beiden zusammen zu bringen. Beim ersten Mal waren die Reinkarnationen nicht erfolgreich. Über zweihundert Jahre wartete der junge Zauberer, bis er schließlich Erfolg hatte."

Severus Snape wollte keine Märchen mehr hören. Dieser Zauber, dieser verfluchte Zauber, klang als wäre er einem Romantikroman entsprungen, den er einer Drittklässlerin abgeknöpft hatte, nachdem er sie beim lesen im Unterricht erwischt hatte. Das war keine Realität für ihn. Der alte Mann war verrückt, wenn er diesen Mist glaubte.

„Was hat das mit irgendeinem von uns zu tun?" verlangte er von dem älteren Zauberer.

„Ich dachte, zu wiederholen was vor sechzig Jahren geschah, würde den Zauber vielleicht brechen."

„Du hast die Explosion geplant?!" Severus konnte sich nicht erinnern jemals so erzürnt gewesen zu sein. „Du hast Hermine fast umgebracht!"

„Meine Nichte kann keinen Frieden finden, bis der Zauber gebrochen wird."

„Verfluchter Zauber!" zischte Professor Snape. „Du hättest Herm… Miss Granger umbringen können. Wenn sie stirbt… falls sie stirbt, wirst du dafür bezahlen, Albus."

Mit einer schnellen Drehung auf dem Absatz eilte Severus durch die Tür zum Krankenflügel. Sein Zorn hatte noch nie solche Ausmaße angenommen, wie in diesem Moment. Albus Dumbledore war nicht länger ein Zauberer, den er respektierte. Seine Ängste, seine Gefühle für seine Nichte machten ihn verantwortlich für alles, das mit Hermine geschehen war. Sie war immer noch bewusstlos und blass. Ein fesselndes Gefühl der Angst lies Severus Magen verknoten. Sollte Hermine sterben, würde er dem Mann, der ihm eine zweite Chance im Leben gegeben hatte, niemals verzeihen.

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„Warum brauchst du meine Hilfe?"

Hermine handelte mit sich selbst für einige Minuten nach Mariahs Eröffnung. Sie war sich nicht sicher, ob sie dem Geist, der so wütend war, dem Geist, der verantwortlich war, dass sie all diese schrecklichen Geschichten gesehen hatte, überhaupt helfen wollte.

„Nur du kannst den Zauber brechen. Nur du kannst mir Frieden geben."

Mariah erklärte Hermine den Infinitas Infinitio Zauber, so wie Albus ihn Severus erklärt hatte.

„Ich war leichtsinnig. Ich dachte in dem Moment in dem wir unser Blut mischten würden all unsere Probleme vorbei sein. Wenn ich nur mehr darüber gelesen hätte, noch mehr nachgeforscht hätte, dann hätte ich gewusst, dass es bedeutet, dass ich keinen Frieden finden würde."

Eine Frage war Hermine während des gesamten Gesprächs nicht aus dem Kopf gegangen. Klar, es gab ungefähr eine Million Fragen, die die junge Hexe beantwortet haben wollte, aber diese eine schien ihr am wichtigsten.

„Wo ist Edward?" platzte sie hervor.

„Ich weiß es nicht." Mariahs harscher Tonfall wurde durch Melancholie ersetzt. „Ich dachte, wenn er sterben würde, würden wir uns wieder finden. Jahrelang hatte ich keine Ahnung, dass er nur wenige Tage nach mir gestorben war. Er konnte seinen Weg weitergehen, aber aufgrund meiner dummen Entscheidung bin ich hier gefangen."

Ein weiteres Mal empfand Hermine Mitleid mit Miss Dumbledore. Trotz der falschen Träume voller Schmerz und Trauer, die Mariah ihr in ihrem wehrlosen Zustand auferzwungen hatte, fühlte Hermine Sorge um die junge Frau, die alles verloren hatte.

„Wie kann ich dir helfen?"

„Du und Severus müsst den Vorgang wiederholen, den Edward und ich durchgeführt haben. Das ist die einzige Möglichkeit den Zauber zu brechen."

„Aber…" Hermine zweifelte an der Effektivität dieses Plans. „Wenn ich das tue, werde ich dann nicht so wie du enden? Zwischen den Welten gefangen, wenn ich sterbe?"

„Nein, deine Taten werden meine törichte Tat auslöschen. Ich kann in die nächste Welt weiterziehen und bei Eddie sein. Du und Severus könnt ein normales, glückliches Leben führen."

Mariah fasste Hermine an der Schulter. Ihre Umgebung verblasste sofort und wandelte sich von dem trostlosen, kalten geheimen Raum in den dunklen Krankenflügel.

„Sieh ihn dir an," flüsterte Mariah.

Severus saß in einem Stuhl neben Hermines schlafender Figur. Er war ruhig und still, aber seine Augen verließen nie ihr Gesicht. Auf seinem Gesicht konnten beide Frauen die Angst und Sorge sehen, die er fühlte. Dieser Moment, einer der still und privat war, enthüllte seine Sorge und Zuwendung für Miss Granger.

„Er hat kaum deine Seite verlassen," erklärte Mariah. „Er hat entsetzliche Angst, dass du nie wieder aufwachst, Hermine. Kannst du das nicht sehen?"

„Er schaut lediglich nach Symptomen… um sicher zu gehen, dass es mir gut geht."

„Wenn du das glaubst, dann bist du noch naiver als ich es einmal war. Kannst du mir helfen?"

„Ich werde es versuchen."

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Kaum ein Augenblick war vergangen bevor sich Hermine in ihrem warmen Krankenhausbett wieder fand. Die Schmerzen und Qualen, die längst aufgehört hatten sie zu beeinträchtigen, waren plötzlich mit voller Kraft zurück.

„Ugh," stöhnte sie leise.

Severus sprang aus dem Stuhl auf.

„Miss Granger? Miss Granger, sind Sie wach?"

„Mein Kopf dröhnt."

„Das ist zu erwarten."

„Professor Snape?" Sie versuchte sich aufzusetzen, aber er drückte sie sanft zurück in die Kissen. „Wo ist Professor Dumbledore?"

Mit einem Seufzer antwortete Severus.

„Draußen im Korridor."

Hermine musste den Schulleiter sprechen. Bevor sie ihren Wunsch aussprechen konnte, kam Albus Dumbledore durch die Tür gerauscht.

„Miss Granger?"

„Ich hab sie gesehen, Professor Dumbledore," antwortete Hermine atemlos.

„Wen haben Sie gesehen?" fragte Severus harsch.

„Ihre Nichte Mariah."

Dumbledores Augen füllten sich mit Tränen. Er griff erneut nach seinem Taschentuch, um sie fortzuwischen.

„Sie ist hier gefangen, Professor," erklärte Hermine. „Sie steckt in Hogwarts fest."

„Das habe ich befürchtet," sagte er leise.

Neben Hermines Bett lag ein Stück Pergament. Wortlos griff sie danach und nach einer nahe liegenden Feder. So schnell sie konnte und trotz der Schmerzen, die sie hatte, schrieb sie eine Liste. Als sie fertig war, drückte sie das Papier in Severus Hände.

„Professor, Sie und ich sind die einzigen, die ihr helfen können. Bitte… bitte tun Sie es für sie."

Er musste kein zweites Mal gebeten werden. Um die Wahrheit zu sagen, hätte Hermine Granger ihn in dem Moment gebeten Voldemorts Essenz allein und ohne Zauberstab aus dem Zaubereiministerium zu stehlen, hätte er es ohne zu fragen getan. Er eilte aus dem Krankenflügel.

„Sind Sie sicher, Sie wissen was Sie tun, Miss Granger?" fragte Professor Snape eine halbe Stunde später, als die drei erneut im Krankenflügel versammelt waren.

„Ich denke schon. Mariah hat mir gesagt was ich wissen musste."

Ein kleiner Kessel blubberte auf dem Nachttisch neben ihrem Bett. Große flackernde blaue Flammen leckten unter ihm hervor. Mit jeder Zutat, die Hermine hineinwarf änderte sich die Farbe des Trankes und ein lautes Zischen tönte durch den Krankenflügel. Sie nahm ein kleines Messer und schnitt sich in die Hand. Dunkelrotes Blut rann ihre Hand hinunter und auf ihr Handgelenkt.

„Was machen Sie da, Miss Granger?" fragte Severus mit mehr als nur ein bisschen Besorgnis.

Ohne Vorwarnung nahm sie seine Hand und schnitt genauso wie in ihre eigene hinein. Ihre blutverschmierten Hände umklammerten einander. Tropfen ihres vermischten Blutes fielen mit einem Zischen in den dampfenden Kessel. Ein Schwall unnatürlicher Energie durchfuhr ihre Körper und verschlug ihnen den Atem. Hermine saß auf ihrem Krankenbett, aber sie war nah genug um den Professor zu sich heran zu ziehen. Als sich ihre Lippen zum ersten Mal trafen, ließ die Kraft, die durch ihre Vene pulsierte, nach.

„Mariah?" Albus konnte nicht glauben, was er sah.

Die Figur von Mariah Dumbledore wurde vollständig sichtbar. Die Trauer und der Zorn, die einst ihre Züge verdunkelt hatten, waren fort und stattdessen durch ein Leuchten ersetzt. Sie sagte nichts zu ihrem geliebten Onkel, der jungen Frau, die sie gerettet hatte oder dem verwirrten und perplexen Zaubertränkeprofessor. Still lächelte sie die drei an, bevor sie langsam in einer Säule von Licht verblasste.

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„Kannst du den Trank in der nächsten Stunde für mich fertig haben, Hermine?" fragte eine ältliche Hexe der Mysteriumsabteilung des Zaubereiministeriums die junge Zaubertränkeexpertin.

„Ich hab ihn in zwanzig Minuten fertig," versprach Hermine mit einem Lächeln.

„Noch besser."

Das war jetzt ihr Leben. Zwei Jahre nach dem sie Hogwarts Schule für Hexerei und Zauberei verlassen hatte war sie eine voll ausgebildete Expertin. Sie liebte ihre Arbeit. Jeden Morgen erwachte sie mit der Sonne, aufgeregt, was sie wohl heute tun würde. Jeden Morgen hatte sie eine neue Aufgabe, einen neuen Trank zu brauen. Die Spontaneität ihrer Karriere faszinierte sie.

Ihre Arme waren voller Bücher, wie sie immer schon gewesen waren. Sie waren bis über ihren Kopf getürmt. Sie hatte gelernt den anderen in ihrer Abteilung zu vertrauen, dass sie ihr aus dem Weg gingen, wenn sie den Bücherstapel kommen sahen. An diesem Tag jedoch befand sich ein Fremder in der Abteilung.

„Entschuldigen Sie, das tut mir furchtbar leid."

Ein auffallend gut aussehender junger Zauberer reichte nach unten um ihr zu helfen die Bücher aufzuheben. Sie waren zusammen gestoßen, als er sich für einen Moment umgesehen hatte. Er war nicht an Hermine Granger und ihre Schwäche für schwere Werke gewohnt.

„Es war ganz und gar meine Schuld," versicherte sie ihm. „Ich trage immer zu viele Bücher auf einmal. Meine Schulfreunde würden Ihnen dasselbe sagen können."

„Grant Haversham."

„Ahh, natürlich. Ich hätte Sie erkennen sollen."

Sie stand vom Boden auf und stapelte ihre Bücher erneut in ihren Armen. Da sie nur ein paar Meter von ihrem Büro entfernt war, wollte sie sich nicht abhalten lassen ihre Aufgabe zu beenden.

„Und wie werden Sie genannt?" fragte Grant hinter ihr her.

„Oh… ah, Hermine Granger."

„Nun, Miss Granger, vielleicht könnte ich mein tollpatschiges Benehmen wieder gut machen, indem ich Sie heute Nachmittag zum Kaffee einlade?"

Hermine drehte sich um und lächelte Mr. Haversham an. Es war kein Geheimnis, dass sie seit Jahren nicht mehr auf einem Date gewesen war, nicht seit sie Hogwarts verlassen hatte. Es wurde immer angenommen, dass sie unsicher war, wegen des Gehstocks, den sie seit ihrem Unfall, der sie fast umgebracht hatte, zum Laufen benötigte. Die meisten glaubten, dass es Eitelkeit oder Stolz waren, die sie von der sozialen Welt fernhielten. Niemand, nicht einmal Harry oder Ron, wusste den wahren Grund. Dass sie die einzige Person mit der sie zusammen sein wollte in Hogwarts zurück gelassen hatte.

Grant Haversham war der umwerfende Sohn des neuesten Zaubereiministers. Zu seinem wohlverdienten Ruhestand, hatte Arthur Weasley Grants Vater zum Zaubereiminister ernannt. Während die Gedanken an Severus Snape niemals lange aus ihrem Bewusstsein fort blieben, hatte sie ihn nicht mehr gesehen, seit der Nacht in der sie den Zauber im Krankenflügel gebrochen hatten. Er verschwand sobald Mariah verschwunden war. Während Hermine sich im Krankenflügel langsam erholte, versteckte er sich in den Kerkern und sprach zu niemandem. Jetzt wo Mr. Haversham sie zum Kaffee einlud, fühlte sie zum ersten Mal einen Drang zuzusagen.

„Das fände ich sehr schön, Mr. Haversham," antwortete sie.

„Aber sie hat heute schon eine Verabredung zum Kaffee."

Hermine wirbelte herum und ließ ihre Bücher erneut zu Boden fallen. In der Mysteriumsabteilung, in seine traditionellen, schwarzen, bis zum Himmel hoch zugeknöpften Roben stand ihr ehemaliger mürrischer Zaubertränkeprofessor. Mit einem Schlag erinnerte sie sich wieder in aller Deutlichkeit an jene Nacht. Sie erinnerte sich an die Emotionen und die Energie, die sie durchströmt hatte. Und mit einem Schlag vergaß sie Grant Haversham.

„Vielleicht ein andermal." Mr. Haversham lächelte den beiden zu, die ihre Augen nicht voneinander abließen, und verließ würdevoll den Raum.

„Professor…"

„Miss Granger…"

„Ich bin nicht länger ein Schulmädchen," erinnerte sie ihn sanft mit einer Spur eines Lächelns im Gesicht.

„Das ist etwas, an das du mich nicht erinnern musst, Hermine."

Für einige Momente waren sie still. Es gab so viel zu sagen, so viele Fragen, die beantwortet werden mussten, und Entschuldigungen, die ausgesprochen werden sollten. Für einige Momente sahen sie sich einfach nur an, fühlten, dass keinerlei Worte nötig waren.

„Es tut mir leid, dass es mich so lange gebraucht hat hier her zu kommen," sagte er leise, die erste Entschuldigung, die Hermine sich erinnern konnte je von ihm gehört zu haben. „Ich wollte vergessen, aber ich konnte es einfach nicht. Als ich von Minister Haversham gelesen habe, wusste ich, dass ich herkommen musste. Ich wusste, dass ich dich nicht Grant Haversham heiraten lassen konnte."

„Was?" Es war das erste mal, dass Hermine von Severus Träumen über die Zukunft hörte. Im Laufe der Zeit würde er es ihr bis ins Detail erzählen, aber jetzt war es noch ein Geheimnis.

„Ich erkläre es später," versprach er. „War es falsch von mir zu sagen, du hättest bereits Pläne?"

„Ganz und gar nicht," versicherte sie ihm lächelnd. „Ich hätte liebend gerne Kaffe mit dir."

„Großartig." Er lächelte ein allzu unübliches Grinsen. Es war nur leicht und beinahe unkenntlich, aber Hermine blieb die Luft weg.

„Aber zuerst muss ich einen Trank fertig stellen. Hättest du Lust mir zu assistieren?"

Die beiden betraten ihr Büro, beide mit dem Bewusstsein, dass ihr Leben nie wieder so sein würde, wie es einmal war.

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Ende.

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A/N: Puuh.. es ist vollbracht! Endlich, endlich ahbe ich es geschafft! Hatte schon fast gar nicht mehr damit gerechnet.. ;)

Ich hoffe es hat euch gefallen! Ich möchte mich noch mal ganz herzlich für die Reviews und die Treue bedanken! Ohne euch hätte ich es nie fertig gebracht! :)

Außerdem noch mal ein großes Lob an Canimal für die Original Geschichte.

Ich habe schon eine weitere Story in Aussicht, wieder eine Übersetzung.. meiner eigenen Phantasie traue ich noch nicht so ganz über den Weg, aber vielleicht kommt das auch noch.. :)

Liebe Grüße und Danke!

butterflyonawheel