Chapter Rating: 12/

Beta: Meine ohji-Maus!

~H°F~

Zwei Wochen später saß Harry in Verwandlung und versuchte seine Animagus-Form herauszufinden. Es wurde von der ganzen Klasse verlangt sich zu beteiligen, auch wenn bei manchen Schülern – Harry eingeschlossen – nicht zu erwarten war, dass es ihnen möglich sein würde, sich in ihr inneres Wesen zu verwandeln. Harry konnte es wahrhaftig nicht verstehen. Er wusste, er besaß die angeborene Kraft eine Animagus-Form zu besitzen. Und er spürte tief in seinem Innern, dass er auch eine besaß, gleichgültig was McGonagall und ihre Tests sagen mochten. Er kannte sich selbst besser als sie oder ihre Zauber es taten. Er hatte eine Animagus-Form, er konnte sie bisher einfach noch nicht freisetzen.

Hermione war die erste gewesen, die den Prüfungs-Zauber korrekt ausgeführt hatte – zu ihrer eigenen Bestürzung und Rons Belustigung, war sie ein Kranich. Ron endete ironischerweise als ein rotes Wiesel, eine Form von der er zweifellos nicht sonderlich erfreut war.

Bis zum Ende der Stunde war es allen außer Harry gelungen ihre hypothetische Animagus-Form herauszufinden. Als noch fünf Minuten übrig waren, seufzte McGonagall enttäuscht in Richtung Harrys und hieß alle sich hinzusetzen und die Hausaufgaben von der Tafel abzuschreiben. Harry war zutiefst beschämt, dass er als einzige Person nicht in der Lage war die Aufgabe zu erfüllen und Rons und Hermines mitleidige Blicke halfen kein bisschen.

Gerade, als er fertig wurde, fühlte Harry etwas Kleines auf seinen Schoß krabbeln. Er blickte steif nach unten und sah ein Kleinkind bequem auf seinen Beinen sitzen, sich mit einem verdrossenen Schmollen auf seinem Gesicht an ihn klammernd. „Was zum…" Er brach mitten im Satz ab, als das kleine Kind mit vertrauten goldenen Augen zu ihm aufblickte. Seine Stimme zu einem Flüstern senkend, trillerte Harry in Phönix-Sprache: „Fawkes, bist du das?"

Das Kind kicherte freudig und umarmte ihn. „Hawy!"

Harry blickte mürrisch drein. „Dumbledore hat eine Menge zu erklären…"

„Mr. Potter, was um alles in der Welt ist das!", wollte McGonagall wissen.

Harry lächelte sardonisch. „Dies ist meine Seelengefährte, Professor!", sagte er mit falscher Freude. Er hob Fawkes hoch und half ihm der alten Professorin zuzuwinken. „Sag hallo zu Professor McGonagall, Fawkes, sei nicht unhöflich."

„Hawo 'fessor Gongal!", zwitscherte der kleine Junge unschuldig lächelnd. Harry grinste seine Hauslehrerin breit an, ein versengendes und bitteres Glitzern in seinen smaragdgrünen Augen, das nur schlecht verborgen war.

Hermine blieb vor Schock die Luft weg. „Harry, hast du gerade Fawkes gesagt?", rief sie aus. „Fawkes, wie in Dumbledores Phönix!"

Harry nickte, aber sein Blick war nun intensiv auf das summende Kind auf seinem Schoß fixiert. „Hagrid hat mich in seiner verflixten Rede gewarnt, dass das passieren könnte. Ich schätze, das bedeutet du hattest vor kurzem einen Brandtag, huh?", seufzte er müde. „Ich hoffe, dass Dumbledore nicht erwartet, dass ich mich um dich kümmere…"

Fawkes lächelte nur süß, sich nicht bewusst, dass er Harry eine Menge Aufregung verursachte. „Für Hawy!", sagte er, eine kleine Flittersache hochhaltend. „Fawkes machen." Harry nahm es neugierig an und war überrascht, einen schönen Ring in seiner Hand zu entdecken.

„Das ist toll, Fawkes, hast das wirklich du gemacht?", fragte er und hielt ihn für eine genauere Musterung hoch.

Der kleine Phönixjunge lächelte stolz. "Fawkes gestern machen. Schänk für Hawy."

„Vielen Dank, Fawkes", sagte er. „Es ist ein wunderbares Geschenk!", korrigierte er ihn sanft, sich mental selbst auf die Schulter klopfend, dass er diese jüngste Entwicklung so gut aufnahm. Immerhin hatte er weder einen Wutanfall bekommen, noch war er in hysterisches Schluchzen ausgebrochen. Das musste doch was wert sein, oder?

Nun, offensichtlich dachte niemand sonst so. Schnell wurde er in das Büro des Direktors verfrachtet und von einer großen Gruppe diskutierender Ordens-Mitglieder umgeben, die alle miteinander stritten, wie Harrys Zukunft aussehen sollte. Es war schön zu wissen, dass er da ein Mitspracherecht hatte. Wirklich toll!

„Warum streiten sie?", fragte Fawkes immer noch behutsam in Harrys Schoß gebettet.

Harry seufzte. „Ich weiß es nicht, Fawkes."

„War Fawkes böse?", wimmerte der kleine Junge.

Harrys Gesicht verzog sich zu einem warmen Lächeln. „Nein, du warst sehr brav, Fawkes." Fawkes grinste ihn an und blickte dann erneut zu den Erwachsenen. Er wand sich, in dem Versuch, es sich noch bequemer zu machen. „Sitz still, Fawkes, oder ich setze dich ab." Dies hatte augenblicklich den gewünschten Effekt. Fawkes wurde so still wie eine Statue, kuschelte sich in Harrys Arme, und war bald darauf in den Schlaf abgedriftet.

Harry lächelte zu dem Kind, bevor er seine Aufmerksamkeit auf die brüllende Meute von Erwachsenen im Raum richtete. „Zankt euch bitte etwas leiserer. Das Baby schläft!", sagte er leise, sein Tonfall versprach jedem Schmerzen, der es wagen sollte sich ihm zu widersetzen. „Kann ich jetzt eine Frage stellen?"

„Ja, natürlich Harry.", sagte Dumbledore.

„Fawkes befindet sich in diesem Zustand, weil er einen Brandtag hatte, richtig? Also, wie alt wird er, bevor er brennt?"

„Normalerweise brennt er nur alle paar Jahre. Seit er dich getroffen hat, hat er jedoch begonnen monatlich zu brennen. Er wird als Baby geboren und wächst zu seinem besten Alter heran – ich weiß nicht, wie alt er jetzt in menschlicher Gestalt erscheint –, nur um den Kreislauf dann in jedem Monat von neuem zu beginnen.", erläuterte der Schulleiter.

„Ich habe jetzt also jeden Monat ein Baby zu ertragen?", fragte Harry ungläubig.

Remus, der bis zu Harrys Unterbrechung äußerst eifrig mit Snape gestritten hatte, lächelte den Jungen traurig an. „Ja, das ist genau richtig, Harry.", antwortete er. „Aber du solltest es als Segen sehen. Du wirst niemals eigene Kinder haben und dies ermöglicht dir einen kleinen Eindruck von den Freuden Kindererziehung ohne die langfristigen Probleme der Elternschaft."

"Also, im Grunde genommen ziehe ich ihn auf, damit er mich besinnungslos vögeln kann.", sagte Harry rundweg, sich viele strafende Blicke und mehrere Zurechtweisungen von den Älteren einhandelnd. „Was? Ich sage einfach nur gerade heraus, was ihr euch zuzugeben weigert." Plötzlich hielt Harry inne, als ein Gedanke ihn traf. Er schluckte und sagte unhörbar, so dass keines der Ordens-Mitglieder ihn verstehen konnte: „Erinnert er sich an mich?"

Als ob es seinen Kummer gespürt hätte, rührte sich das Kind auf seinem Schoß und er sah in große bernsteinfarbene Augen hinab. „Fawkes erinnert Hawy!", murmelte das Kind, als sei es durch die Tatsache, dass Harry dachte er würde ihn vergessen, verletzt.

„Natürlich tut er das!", fügte Remus, Harrys Besorgnis bemerkend, schnell hinzu. „Gerade jetzt erinnert sich Fawkes an jedem Moment, den er mit dir verbracht hat. Allerdings hat er momentan ein anderes Fassungsvermögen für die Tiefe des Denkens und Fühlens. Er hat das Herz und den Verstand eines Kindes, aber er hat auch die Erinnerungen eines uralten Paradiesvogels."

„Paradiesvogel?", wiederholte Harry.

„Ja, in der magischen Welt ist der Phönix eine Art von Paradiesvogel. Getreu Muggel-Verständnis neigen diese Vögel dazu, ihr ganzes Leben lang durch die Lüfte zu gleiten, niemals auch nur einen Fuß an Land setzend, etwas essend oder sich fortpflanzend. Jedenfalls ist dies das Ausmaß des Wissens der Muggel, diese Wesen betreffend."

„Paradiesvögel sind magische Vögel und sie besitzen eine große Begabung in der Kunst der Magie. Darüber hinaus sind sie rein im Wesen und Charakter. Sie lassen sich in ihrem Handeln von ihrem Instinkt leiten, was so auch ganz gut ist, da sie Wesen von immensem Licht und Kraft sind. In gewissem Sinne sind sie menschlichen Zauberern überlegen. Ein einzelner Paradiesvogel kann größere Mengen von wilder Magie besitzen, als der gesamte Orden zusammen. Das ist der Grund, weshalb wir unserer Gruppe den Namen der Orden des Phönix gegeben haben – weil wir uns bemühen Fawkes' Macht zu benutzen um unsere eigene in der Schlacht gegen das Böse zu erhöhen."

Harrys Gesichtsausdruck verdunkelte sich und seine Arme legten sich schützend um Fawkes. „Welches Recht haben Sie Fawkes in einen Käfig zu sperren und ihn für irgendetwas, edel oder unedel, zu benutzen?"

„Hawy!", gurrte das Kind, Harrys kaum beherrschte Wut wahrnehmend.

„Er ist nicht nur irgendein Tier, das Sie irgendwo einsperren und mit einem Stock anstupsen können, vor allem nicht mit dem magischen, die wir alle Zauberstab nennen! Er hat Gefühle!"

Dumbledore antwortete: „Und wir haben dafür gesorgt, dass seine Gefühle in Betracht gezogen werden. Durch das Ausleihen seiner Kräfte zahlt er mir eine Lebensschuld zurück, aus seinem eigenen freien Willen, wie ich hinzufügen möchte. Und wie du weißt, Harry, wird er gut behandelt."

„Sie meinen behandelt wie ein Tier.", spie der Zauberer aus. „Er ist Ihnen, wie Sie gesagt haben, gleichgestellt, wenn nicht gar überlegen, unabhängig davon in was auch immer für einer Schuld er bei Ihnen Jahr für Jahr steht. Wie können Sie ihn wie ein Werkzeug behandeln?"

„Harry, mein Junge…"

„Genau wie ich", murmelte Harry, der mit Fawkes sicher in seinen Armen dastand. „Sie behandeln ihn wie Sie mich behandeln: ein Mittel zum Zweck. Ich nehme an, Sie denken, dass Ihre rechtschaffenen Ziele die Behandlung Ihrer Werkzeuge, ihrer Bauern rechtfertigen? Wir sind keine Objekte, Dumbledore. Wir verdienen besseres als das!" Harry schickte den anderen Erwachsenen einen kalten Blick zu und stürmte, seinen Seelengefährten mit sich nehmend, aus dem Zimmer.

Fawkes klammerte sich an Harrys Roben, zu verängstigt durch den Ausbruch des jungen Mannes gegenüber des Schulleiters, um seinem körperlichen Unwohlsein zum Ausdruck zu bringen, als er holprig den Korridor hinab zum Gryffindorturm getragen wurde. Sobald sie Harrys Zimmer erreicht hatten, wurde Fawkes schließlich auf dem Bett seines Seelengefährten abgesetzt. Harry warf sich selbst mit Schwung auf das Bett und vergrub sein Gesicht in seinem Kissen. Fawkes beobachtet ihn besorgt mit unschuldigen Augen aus geschmolzenen Flammen.

„Hawy?"

„Nicht jetzt, Fawkes!", kam die gedämpfte Antwort. Fawkes schmollte und kletterte hinauf, so dass er neben Harrys Kopf saß. Er lehnte sich lautlos zurück und schaute zu dem Zauberer. Seine Augenlider wurden schwer und er konnte sie nicht mehr offen halten, selbst als er spürte, wie sich das Bett unter Harrys Gewicht bewegte.

„Schlaf gut, Fawkes!", hörte er leise und ein warmes Lächeln schmückte seine Lippen, als er gegen seinen Gefährten gerollt in die angenehme Vergessenheit wegdöste.

~~~tbc~~~