Hi!
Hatte heute richtig viel Zeit, also kann ich heute schon das nächste Kapitel hochladen....
Ihr erfahrt, warum Bella angefangen hat Drogen zu nehmen...
Also, ich wünsch euch viel Spaß!

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Wahrheit

Alles fühlte sich taub und komisch an.
Aber ich kam langsam wieder an die Oberfläche.
Ich hörte Stimmen, wusste aber nicht, wo sie herkamen.
Ich wusste, dass ich in meinem Truck saß. Also woher kamen dann die Stimmen? Träumte ich?
Ganz langsam verschwand die Taubheit.
Sie wurde durch höllische Schmerzen ersetzt.
Mir tat alles weh. Mein Kopf schien zu explodieren. Es war nicht auszuhalten.
Ich wünschte, er würde explodieren. Dann wären die Schmerzen vorbei.
Aber diesen Gefallen tat mir mein Kopf nicht. Er schmerzte einfach weiter.
Mir tat alles weh.
Mein ganzer Körper. Und es war keine Besserung in Sicht.
Ich versuchte meine Augen zu öffnen, aber es klappte nicht. Ich konnte den letzten Schritt durch die Oberfläche einfach nicht machen.
Ich war immer noch im schwarzen Wasser gefangen und konnte dem einfach nicht entfliehen.
Ich hatte keine Kontrolle über meinen Körper.
Er wollte mir einfach nicht gehorchen.
Aber ich konnte die Stimmen nun klarer hören. Und ich merkte, dass ich nicht mehr wie gedacht in meinem Truck saß. Ich lag irgendwo…
Wo war ich? Wer hatte mich gefunden? Und wohin hatte man mich gebracht?
"Carlisle?", hörte ich die Stimme einer Frau. Sie klang wunderschön und ich hatte das Gefühl, ich hätte sie irgendwo schon einmal gehört. Aber ich konnte sie nicht zuordnen.
Eine solche wunderschöne Stimme.

Ich kannte sie, da war ich mir sicher. Aber ich konnte sie einfach nicht zuordnen.
`Moment mal! Carlisle?!´
War ich bei den Cullens?
`Nicht das auch noch´, dachte ich.
Es scheint ihr langsam besser zu gehen", antwortete eine männliche Stimme.
Carlisle wahrscheinlich.
"Ich denke sie wird bald wieder aufwachen. Ihr Magen müsste vollkommen leer sein und die Infusion scheint langsam zu helfen. Sie bekommt wieder Farbe und ihr Herzschlag hat sich auch wieder normalisiert.", fuhr er fort.
"Können wir etwas tun?", fragte die weibliche Stimme nun. Wahrscheinlich war es Esme.
"Nein. Ich denke, wir haben getan, was wir konnten. Sie muss jetzt nur noch aufwachen. Aber vielleicht solltest du die Kinder rausschicken. Das wäre wohl besser. Vor allem Alice. Ich weiß, dass sie sich Sorgen macht, aber Bella brauch nun Ruhe. Das ist im Moment das Beste."
"In Ordnung."
Ich hörte wie eine Tür geöffnet und wieder geschlossen wurde.
Ich musste also nur noch aufwachen. Wenn das so leicht wäre. Ich wollte doch aufwachen, aber ich konnte nicht. Ich hatte keinerlei Kontrolle über meine Augenlider.
Mein Körper wollte mir einfach nicht gehorchen.
Ich war machtlos.
Ich versuchte wieder meine Augen zu öffnen.

Diesmal tat sich endlich was. Ich konnte sie nicht offen halten. Aber für zwei Sekunden klappte es schon.
Meine Augen brannten.
"Bella? Bella, kannst du mich hören? Ich bin es, Carlisle. Versuch bitte deine Augen zu öffnen."
Ich tat was er wollte und hatte auch relativ viel Erfolg. Es dauerte eine Minute, bis ich meine Augen tatsächlich offen halten konnte. Ich musste einige Male blinzeln, bis sie offen blieben und nicht mehr so sehr brannten.
"Schön, dass du endlich wach bist!", sagte Carlisle und er klang wirklich erleichtert.
Ich schaute mich um.
Ich lag in Carlisles Arbeitszimmer in einem Bett.
Wann hatten sie ein Bett hierher gestellt? Doch nicht etwa meinetwegen? Wer hatte denn auf seines verzichten müssen?
Wie lange war ich hier? Was war mit Charlie? Wusste er bescheid? Hatte Carlisle ihm alles erzählt?
Wahrscheinlich!
`Na toll!´
Mir gingen eine Menge Fragen durch den Kopf.
"Was mache ich hier? Was ist passiert?", fragte ich stattdessen. Ich wusste die Antworten schon. Ich hatte wieder eine Überdosis. Oder das Ecsteasy vertrug sich nicht mit dem Koks.
Aber diese Mal fühlte ich mich viel schlimmer, als beim ersten Mal.
"Ich denke, du bist wohl lieber hier, als im Krankenhaus", begann Carlisle ernst.
Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: "Außerdem denke ich, dass du genau weißt, was passiert ist. Deine Drogen hätten dich fast das Leben gekostet. Das ganze Zeug müsste aus dir draußen sein. Aber es war wirklich knapp. Hätten dich Alice und Jasper nur fünf Minuten später gefunden, wäre es wohl zu spät gewesen. Und du wärst jetzt nicht mehr am leben."
Ich versuchte mich langsam aufzurichten.
"Bleib liegen", sagte Carlisle. Na ja, befahl traf es wohl eher.
"Ich muss aufstehen. Charlie wartet!", entgegnete ich leicht gereizt.
"Du bleibst liegen! Charlie weiß, dass du hier bist. Du brauchst dir also keine Sorgen zu machen."
`Was? Nein!´
Ich starrte Carlisle entsetzt an. "Nein!", flüsterte ich.
Eigentlich wollte ich laut aufschreien, aber meine Stimme versagte.
"Wir haben ihn angerufen und ihm gesagt, dass du mit Alice lernst."
Ich spürte, wie mir eine Riesen Last von den Schultern fiel. Charlie wusste also nichts.
"Ich werde dich jetzt alleine lassen. Du brauchst schlaf."
Carlisle stand auf und verließ das Zimmer.
Er hatte recht. Ich brauchte dringend Schlaf. Ich war hundemüde.
Ich brauchte nicht lange, bis ich eingeschlafen war.
Es war ein unruhiger Schlaf.

Als ich wieder aufwachte war ich immer noch müde, aber ich konnte nicht wieder einschlafen.
Ich hatte keine Ahnung, in welcher Zeit ich lebte. Mein Zeitgefühl war komplett verloren.
Ich hörte ein vorsichtiges klopfen und ein leises "Bella?" kurz bevor die Tür aufging und Alice herein kam.
"Bella!", sagte sie. Sie klang sehr erleichtert.
"Du hast mir einen riesigen Schrecken eingejagt. Ich dachte du wärst tot. Als Jasper und ich dich in deinem Auto liegen sahen, wäre ich fast gestorben!", fügte sie hinzu während sie zu mir ans Bett kam.
Sie nahm mich in den Arm und ich wusste nicht, was ich tun sollte. Also legte ich meine Arme irgendwann ebenfalls um sie.
Auf komische Art und Weise tat es gut mal wieder von jemandem umarmt zu werden.
"Ich schätze nun weißt du, warum ich nach Forks gekommen bin", sagte ich kleinlaut als sie ihre Umarmung löste.
Mir liefen die Tränen über die Wangen und ich fing an zu schluchzen.
Alice nahm mich wieder in den Arm und streichelte mir in kreisenden Bewegungen über den Rücken bis ich mich etwas beruhigt hatte.
Sie schaute mir tief in die Augen. Und ich konnte ihren Blick nicht deuten. Sie schien enttäuscht zu sein. Vielleicht auch erschrocken oder entsetzt.
Sie sah so kryptisch aus.
Ich schaute verlegen zu Boden.
"Ich schätze, ja!", beantwortete sie meine Frage schließlich.
"Warum?", fragte sie nach einigen Minuten.
Sie klang flehend.
"Warum tust du das? Warum nimmst du Drogen?"
Ich räusperte mich.
Das war nicht unbedingt das Gesprächsthema, auf welches ich Lust hatte. Aber ich würde es wohl durchstehen müssen. Ohne Antworten würde ich nicht hier weg kommen. Und ich konnte von Alice auch nicht verlangen, dass sie mir keine Fragen stellte. Ich würde ihr die Wahrheit erzählen müssen.
Aber jetzt, wo sie wusste, dass ich Drogen nahm war der schwierigste Teil eigentlich erledigt.
Ich atmete noch einmal tief ein und begann dann zu erzählen.
"Ehrlich gesagt Alice, ich weiß es nicht. Mittlerweile habe ich auch keine andere Wahl mehr. Ich brauche die Drogen."
Ich merkte, dass Alice etwas sagen wollte, brachte sie aber durch eine einfache Handbewegung zum schweigen.
Sie sollte mich nicht unterbrechen. Das hier würde auch ohne Unterbrechung schwer genug werden. Und ich wollte ihr die Wahrheit erzählen.
Ich musste das endlich jemandem erzählen.
"Also, ich brauche die Drogen. Länger als ein paar Tage ohne halte ich nicht aus. Und das auch nur, wenn es nicht anders geht."
Ich machte eine kurze Pause um zu überlegen, wie ich am besten fort fuhr.
"Ich fing an, als ich 14 war. Zuerst waren es nur leichte Sachen. Aber je älter ich wurde, desto härter wurden die Sachen. Die leichten Drogen reichten einfach nicht mehr aus. Ich brauchte mehr.
Und vor fünf Monaten versuchte ich das erste Mal Ecsteasy und gestern Koks.
Wenn ich unter Drogeneinfluss stehe fühle ich mich so frei. Dann kann ich alles um mich herum vergessen. Dann ist egal, was passiert ist. Dann ist egal, was in der Zukunft ist, oder was in der Vergangenheit war. Es zählt einfach nur der Moment."
Alice hörte mir geduldig zu. Manchmal wollte sie etwas sagen, aber sie tat es nie.
Sie wartete, bis ich fertig war.
"Du musst damit aufhören Bella!", war das erste, was sie sagte.
"Ich weiß", antwortete ich und spürte, wie mir die Tränen wieder kamen.
Alice nahm mich in den Arm und versuchte mich zu trösten.
"Bella, was war der Grund, warum du anfingst Drogen zu nehmen?", fragte sie vorsichtig, während sie mich tröstete.
Ich brauchte einige Zeit, bis ich ihr antworten konnte.
"Meine Mum lernte einen neuen Mann kennen. Phil. Am Anfang schien er echt nett zu sein. Er war zwar meiner Meinung nach zu jung für meine Mum, aber er machte sie glücklich, also konnte ich nichts dagegen sagen.
Ich hatte zuerst meine bedenken, dass er hinter ihrem Geld her war, wir hatten gerade geerbt, aber das schien nicht der Fall zu sein. Zumindest nicht am Anfang. Dann heirateten sie ganz überstürzt. Noch nicht mal ich war dabei! Und da wurde er mir schon etwas unsympathisch. Aber wie schon gesagt, er machte sie glücklich. Sie lachte wieder...
Na ja, aber dann fing er an mich zu bedrängen und anzufassen. Und irgendwann kam er auch Nachts in mein Zimmer.
Ich konnte es ihr nicht erzählen. Phil drohte mir und so hab ich geschwiegen. Ich hab dann in der Schule Damien und seine Freunde kennen gelernt und die haben mir gezeigt, wie man Drogen nimmt.
Es war auf einmal viel leichter. Ich konnte vergessen, was Phil jede Nacht mit mir machte...", ich konnte nicht weiter erzählen. Ich brach in Tränen aus und Alice nahm mich fester in den Arm.
"Sie hätte mir doch nie geglaubt! Sie wusste doch, dass ich ihn nicht mochte!", fügte ich hinzu und brach völlig zusammen.
Ich konnte mich nicht mehr beruhigen. Die ganzen Erinnerungen und Bilder von Phil, wie er Nachts zu mir kam und seinen Spaß haben wollte. Wie er lächelte, wenn er kam. Sein Gesicht, als er mir drohte. Alle Bilder kamen plötzlich wieder.
Irgendwann rief Alice Carlisle.
Sie machte sich Sorgen.
"Was machst du denn...?", fing Carlisle an, beendete seine Frage aber nicht.
"Ich weiß. Tut mir leid. Aber sie kriegt sich nicht wieder ein. Ich weiß nicht, was ich machen soll. Ich kann sie einfach nicht beruhigen und sie sagt ständig wieder: "Sie hätte mir doch nie geglaubt! Sie wusste doch, dass ich ihn nicht mochte!", erklärte sie panisch.
"Wie kam es dazu?", fragte Carlisle.
Er holte ein Medikament aus seinem Schrank und verabreichte es mir.
Ich merkte, wie ich augenblicklich ruhiger wurde.
"Alice, ich muss wissen, was passiert ist", wiederholte Carlisle.
"Ich...ich..."
"Alice, schau mich an." Sie drehte sich zu ihm und schaute ihn an. "Und jetzt sag mir, was passiert ist."
"Ich hab sie gefragt, warum sie Drogen nimmt. Und sie hat mir erzählt, wie sie anfing, von ihrer Mutter und von Phil. Und was er mit ihr machte. Und dann hat sie sich nicht mehr beruhigt. Und ich wusste doch nicht, was ich machen kann..."
Ich fühlte mich so dreckig und klein, als Alice ihrem Vater erzählte, was passiert war. Warum ich Drogen nahm. Ich wollte das nie jemandem erzählen. Allein die Angst vor Phil war Grund genug. Und ich fühlte mich so schlecht, wenn ich nur daran dachte.
Ich konnte doch niemandem vertrauen. Keinem hatte ich etwas erzählt. Noch nicht einmal Damien. Vor allem nicht ihm.
Aber Alice vertraute ich. Ich weiß nicht warum, aber ich hatte das Gefühl, dass sie ein Geheimnis für sich behalten konnte.
Alice erzählte ihm die ganze Geschichte und hielt dabei die ganze Zeit meine Hand.
Ihre war wie immer eiskalt, aber das störte mich nicht.
Ich brauchte ihre Unterstützung.
Ihren Rückhalt.
Carlisle war total geschockt und schweigsam, nachdem Alice ihm die ganze Wahrheit erzählt hatte.
Er erklärte Alice, dass er mich noch einmal untersuchen musste und schickte sie raus.
Sie ging nur widerwillig und auch nur nachdem ich ihr gesagt hatte, dass es in Ordnung sei.
Ich vertraute Carlisle genauso wie Alice.
Er schaute mich eindringlich an, sagte jedoch erst mal nichts.
Er überprüfte meinen Blutdruck, hörte meine Lungen ab und überprüfte die Reaktionsfähigkeit meiner Pupillen.
Schließlich sagte er: "Es ist soweit alles wieder in Ordnung."
Er machte eine kurze Pause.
"Hast du deine Geschichte je jemandem erzählt?"
Ich schüttelte nur den Kopf, denn mir kamen schon wieder die Tränen.
Ich weiß nicht genau warum, aber ich fühlte mich in seiner Gegenwart wohl.

Und auch, obwohl er meine Geschichte kannte und ich mir so dreckig vorkam, konnte ich ihm noch in die Augen schauen.
"Danke!", flüsterte ich.
"Ich denke, es ist Zeit runter zu gehen. Wenn du bereit bist."
Ich schluckte.
Runtergehen? Dort würde sicher die ganze Familie warten.
Carlisle bemerkte meine Unsicherheit.
"Es ist in Ordnung. Du musst nicht."
Ich schüttelte meinen Kopf und antwortete ihm: "Nein. Es geht. Ich muss da durch."
Ich versuchte ihn anzulächeln, hatte aber wenig Erfolg.
Das würde schwer werden.
Carlisle öffnete die Tür und ich ging ihm hinterher.
Es dauerte einen Moment, bis ich gerade laufen konnte. Mein Kreislauf musste sich erst wieder erholen, aber Carlisle half mir.
Ich fragte ihn, wie viel Uhr wir hatten und er sagte mir, dass wir fast vier Uhr Nachmittag hatten.
Das hieß, Charlie würde in etwa drei Stunden nach Hause kommen.
Wir erreichten das Wohnzimmer, und entgegen meiner Befürchtungen waren nur Alice und Esme da.
Aber das hieß ja nichts. Sie wussten bestimmt alle von meiner Überdosis.
Zumindest Jasper. Das wusste ich sicher.
"Bella!", hörte ich Esme erleichtert sagen.
Sie kam auf mich zu und nahm mich in den Arm.
"Es tut mir leid!", sagte ich und ich war mir selbst nicht sicher, warum ich mich entschuldigte.
"Schon gut Bella. Du hast uns alle wirklich erschreckt", erwiderte sie.
Ich löste mich aus ihrer Umarmung und wandte mich Alice zu, die mittlerweile zu uns gekommen war.
"Danke Alice. Ich weiß, es ist nicht selbstverständlich, dass du für mich da bist. Das bedeutet mir wirklich viel."
Ich nahm sie in den Arm und sagte ihr: "Ich brauche deine Hilfe. Wenn ich von den Drogen weg möchte brauche ich jemanden, dem ich absolut vertraue."
"Du kannst dich auf mich verlassen", antwortete sie.
Währenddessen verschwand Carlisle kurz nach oben, und kam dann wieder.
"Wenn du das wirklich durchziehen willst, dann solltest du diese Tabletten nehmen, sie helfen, zumindest am Anfang, gegen die Entzugserscheinungen", erklärte er, als er wieder kam und mir eine Packung Tabletten in die Hand drückte.
"Danke. Für alles."
"Wenn du Hilfe brauchst, dann sind wir da. Du weiß, wo du uns findest."
Ich nickte daraufhin nur.
Mehr konnte ich nicht.
Ich war ihnen auf unerklärliche Weise wichtig. Und das fühlte sich gut an. Fast schon wie ein zu Hause. Und das Gefühl hatte ich schon seit langem nicht mehr gehabt.
Ich war glücklich und fühlte mich frei.
Frei von der Last, die ich seit Jahren mit mir rumschleppte.
Und das ganz ohne Drogen.

Esme bat mich, noch etwas zu essen, bevor ich ging. Und diesem Angebot ging ich nur zu gerne nach. Ich hatte wirklich Hunger. Obwohl mir übel war.
Sie verschwand in die Küche und kam mit einer Suppe nach einer Weile zurück.
Sie schmeckte lecker und war genau das richtige für meinen Magen.
Esme fragte, ob es in Ordnung sei, wenn sie auch erführe, was los war.
Und ich sagte ihr, dass es in Ordnung sei. Aber ich es nicht erklären konnte.
Sie fragte nicht weiter nach. Und da war ich auch froh drüber. Ich wollte es unbedingt vermeiden wieder an Phil zu denken.
Carlisle oder Alice würden es ihr sicher erklären.
Nachdem ich die Suppe leergegessen hatte brachte Esme den Teller in die Küche.
"Es hat wirklich gut geschmeckt", erklärte ich, als sie wieder zurück kam.
Sie lächelte mir zu.
Sie war wie eine Mutter zu mir, obwohl ich es nicht verdient hatte. So fürsorglich und liebenswert. Alice hatte wirklich großes Glück.
"Ich werde dann mal gehen. Charlie kommt bald zurück und dann möchte ich zu Hause sein. Er macht sich sonst sicher Sorgen."
Ich verabschiedete mich und versprach Esme, dass ich bald wieder herkommen würde. Alice musste ich versprechen, dass ich sie anrief, wenn etwas war.
Danach fuhr Carlisle mich zu meinem Truck.
Er stand noch da, wo ich ihn gestern abgestellt hatte.
Es fühlte sich komisch an, hierher zurückzukehren. Aber ich musste ja.
Was hätte ich Charlie denn sagen sollen, wenn er mich fragte, wo mein Auto war.
"Ähm, Dad. Ja, mein Truck, der steht im Wald!" - Das Gesicht von Charlie würde ich gerne sehen!
Andererseits kehrte ich mit dem Wissen zurück, dass ich aufhören wollte.

Ich hatte es mir vorgenommen, und ich würde es durchziehen. Ich hatte schließlich Alice, Esme und Carlisle.
Ich wollte mich nicht länger von meiner Sucht kontrollieren und beherrschen lassen.
Das war jetzt einfach gesagt, wenn es mir erst mal schlecht genug ginge, dann wäre es nicht mehr so einfach.
"Bella, wenn deine Entzugserscheinungen zu stark werden, dann nimm eine von den Tabletten. Sie werden dir ein wenig helfen. Allerdings nützen sie nichts, wenn du nicht selbst aufhören willst. Sie unterstützen dich nur. Und du kannst sie nur am Anfang nehmen. Dein Körper muss lernen ohne Tabletten und Drogen auszukommen", erklärte Carlisle.
Ich saß noch immer in seinem Auto.
Wenn ich jetzt aussteigen würde, dann wäre der erste Schritt gemacht.
Zumindest fühlte es sich so für mich an. Für jeden anderen wäre das nichts besonderes.
"Danke", sagte ich und machte eine kleine Pause.
"Danke, dass sie Charlie nichts erzählt haben, und dass sie mir helfen. Ich weiß, dass sie das nicht tun müssen."
Carlisle wandte sich mir zu und antwortete: "Bella. Das ist schwer zu erklären, aber wir haben das Gefühl, dass..."
Er schwieg einen Moment. Er schien nach den richtigen Worten zu suchen.
"Wie könnten wir denn jemandem wie dir nicht helfen?", fragte er schließlich und schaute mich lächelnd an.

Er war so charismatisch und sah auch eigentlich zu jung aus um Vater zu sein. Und trotzdem hatte er etwas väterliches. Etwas was Geborgenheit und Schutz ausstrahlte.
Ich merkte, wie ich rot wurde.
"Ich denke, ich werde dann mal gehen", erklärte ich und öffnete die Tür.

Kurz bevor ich ausstieg musste ich Carlisle allerdings noch etwas sagen.
"Ach so. Also, vielleicht lassen Sie mich besser erklären, was war. Also, ich meine gegenüber Rosalie und ihren Söhnen. Ich weiß nicht, wann ich es tun werde. Ich brauch noch etwas Zeit und ich möchte ihnen vertrauen können, aber das wäre etwas, was ich gerne persönlich machen würde. Sie können ihnen sagen, dass ich Drogen nehme. Dass ich eine Überdosis hatte wissen sie wahrscheinlich schon, aber den Rest möchte ich selbst erledigen", sagte ich.
"Ja klar. Ist in Ordnung, ich kann das verstehen. Von uns wird niemand etwas erfahren. Alice, Esme und ich werden nichts sagen."
Ich nickte.
"Danke."
"Melde dich, wenn etwas ist!", sagte Carlisle noch und ich stieg dann aus.
Ich zögerte, aber da musste ich jetzt durch.
Es war nicht weit, bis zu meinem Auto. Vielleicht fünf Meter. Und trotzdem fiel es mir nicht leicht.
Hier hatte ich gestern gelegen.
So hilflos.
Hier hatte ich mich fast umgebracht.
Ich drehte mich noch einmal um und sah, wie Carlisle sein Auto wendete.
Er wartete solange, bis ich die Fahrertür meines Truck geöffnet hatte und einstieg. Erst dann fuhr er fort.
Jetzt war ich also allein.
Ich schloss die Fahrertür und startete den Motor, dann fuhr ich los.

Da Charlie noch etwas brauchte, ging ich erst mal in den Keller, als ich zurückkam.
Es musste dringend mal wieder Wäsche gewaschen werden.
Das war noch etwas, was Charlie außer kochen nicht konnte - Wäsche waschen.
Ich sortierte schnell die Wäsche, so schnell es mir möglich war, denn ich fühlte mich noch immer schlecht, und stellte dann eine Maschine an.
Danach legte ich mich ein wenig auf die Couch und schloss die Augen.
Ich schlief nicht, sondern ruhte mich nur ein wenig aus. Denn Ruhe konnte ich mehr als genug vertragen.
Ich hatte zwar fast den ganzen Tag geschlafen, war aber trotzdem noch richtig müde.
Als ich Charlie kommen hörte stand ich auf und richtete meine Kleidung.
Danach ging ich in die Küche und holte eines der vorbereiteten Gerichte aus der Kühltruhe.
Kartoffelgratin.
Ich streute etwas Käse darüber und schob es in den Ofen.
Für die ersten Minuten stellte ich den Ofen etwas heißer, damit es schneller auftaute.
Das nächste Mal sollte ich wohl dran denken, es vorher aufzutauen. Dann wäre es wesentlich einfacher.
Charlie stellte keine Fragen.
Er ging ins Wohnzimmer und schaute etwas Fernsehn solange das Essen noch nicht fertig war.
Er aß schweigend und ich wusch danach das Geschirr ab.
Ich hatte keinen Hunger, zumindest nicht auf Kartoffelgratin.
Da drehte sich mir der Magen schon beim Gedanken daran um.

So kleine Aufgaben wie abwaschen gaben mir immer Zeit nachzudenken.
Dieses Mal dachte ich über die ersten Tage nach, die mich erwarteten. Ich wusste im Ansatz, was mich erwartete, seit ich auf das Päckchen von Damien gewartet hatte.
Ich würde nicht in der Nähe von Charlie sein können. Das würde schlimmer werden. Viel schlimmer.
Ich würde Schmerzen haben. Nicht schlafen können und nur an die Drogen denken können.
Das einzige, was mein Körper wollen würde wäre das, was er auf keinen Fall kriegen dürfte.
Ich musste stark sein.
Aber wie sollte ich die Schmerzen vor Charlie verstecken?
Ich konnte so schon kein Geheimnis vor ihm haben, wie sollte ich also so tun, als ob alles in Ordnung wäre, wenn ich wirkliche Schmerzen haben würde?
Wer würde mich davon abhalten, dass ich keine Drogen nahm?
Hier gab es keinen.
Ich konnte das gar nicht alleine schaffen.
Dazu brauchte ich Hilfe. Und die einzigsten, die mir helfen konnten und bescheid wussten waren die Cullens. Aber ich konnte nicht von ihnen verlangen, dass sie tagelang auf mich aufpassten wie auf ein kleines Kind. Ich würde Leiden und ich konnte nicht verlangen, dass sich das jemand anschaute.
Ich kannte Alice und ihre Familie doch noch gar nicht richtig.
Wie sollte ich dann so etwas großes von ihnen verlangen?
Wie sollte ich Charlie erklären, dass ich tagelang nicht da wäre?
Ich könnte verreisen. Aber das würde Charlie nie erlauben. Nicht mitten in der Schulzeit.
Ein Entzug ging nun mal nicht von Jetzt auf Gleich.
Das brauchte Zeit. Der Körper musste ja erst mal registrieren, dass er nicht mehr das bekam, was er wollte.

Bei dieser Erkenntnis ließ ich den Teller, den ich gerade spülte, fallen.
Er glitt fast geräuschlos ins Spülbecken.
Ich beeilte mich mit dem restlichen spülen und rief dann Alice an.
Sie hatte gesagt, dass sie mir helfen würde.
Und jetzt brauchte ich ihre Hilfe.

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Wie fandet ihr das Kapitel? Schreibt mir ein paar Reviews. Ich weiß, dass viel mehr lesen, als Reviews schreiben....
Ist ganz einfach.... Drückt mal auf das Knöpfchen. Damit kann man mich ganz einfach glücklich machen. Kostet nur eine Minute. ;D
Ich freu mich auf jede Art von Feedback. Kritik hilft! ;p

BlueBloodedVampireAngel