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Kapitel 3 – Erste Übungen
Gespannt ging sie die Treppe, welche in die Große Halle führte, hinunter. Einige Schüler waren bereits da. Sie standen in kleinen Gruppen zusammen und unterhielten sich. Die Gryffindor musste erst einmal schlucken – sie kannte fast niemanden von den hier Anwesenden näher. Suchend glitt ihr Blick umher. Sie erkannte eine größere Gruppe von Hufflepuffs verschiedenen Alters. Sie lachten gerade über etwas. Ginny mochte die Schüler dieses netten, aufgeschlossenen Hauses. Außerdem erkannte sie, dass sie doch nicht, wie sie gedacht hatte, die Älteste sein würde: in der Gruppe der Hufflepuffs standen 2 Siebtklässler, Justin Finch-Fletchey und Hannah Abott.
Auch einige Ravenclaws waren hier. Erleichtert bemerkte Ginny ein Mädchen aus ihrem Zauberkunst-Kurs, dass sie zu sich hinüber winkte. Lächelnd ging sie zu der Gruppe.
„Hallo Sarah!"
"Hi Ginny! Willst du auch beim Theater
mitmachen?"
„Ja klar! Ist schon ein Lehrer da, der es leitet?"
„Also wir haben noch niemanden gesehen… aber dafür sind erstaunlich viele Slytherins hier! Die wollen sich nur Ärger stiften."
Irritiert sah Ginny sich um. Tatsächlich, vereinzelt, meist im Schatten oder in Ecken standen einige Slytherins herum. Das Mädchen hatte nicht erwartet, dass sich Schüler eines Hauses, welches sich so sehr von den anderen abgrenzt, auch da sein würden.
Hinter sich hörte sie Fußgetrappel. Einige jüngere Schüler aus Gryffindor kamen die Treppe hinunter gerannt, laut schwatzend:
„Wir sind die letzten! Ihr hättet euch beeilen sollen!"
„Ihr hättet ja nicht auf uns warten müssen…"
Ginny lächelte. Einen der Schüler kannte sie, es war Colins kleiner Bruder Dennis. Die anderen waren Zweit- bis Viertklässler. Von Gryffindor wäre sie also die Älteste. Aber immerhin gab es ja Sarah, Hannah und Justin. Auch einer von den Slytherins sah aus, als wäre er älter als sie. Verstohlen blickte Ginny zu ihm. Er war groß, schlank und hatte dunkelbraunes, fast schwarzes Haar, nicht zu lang, wie es neuerdings Mode war, aber auch nicht zu kurz. Wobei, über die Länge konnte man schwer etwas sagen, da es leicht gelockt war… beschämt bemerkte Ginny, dass sie den Jungen fast schon anstarrte. Da er im Schatten stand, war zwar nicht alles zu sehen, aber was sie sah, gefiel ihr ausnehmend gut… schnell drehte sie sich weg. Das fehlte ja gerade noch!
In diesem Moment stupste Sarah sie an: „Der Lehrer kommt!". Gespannt sah Ginny die Treppe hinauf. Eine Gestalt in langem, schwarzen Umhang schritt sie hinunter. Die Gryffindor erkannte sie als den neuen Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste. Besser: die neue Lehrerin.
Lächelnd ging Nymphadora Tonks auf die Schüler zu.
„Wie ich sehe, habt ihr schon gewartet. Na dann, lasst uns in die Große Halle gehen. Professor Dumbledore hat mir erlaubt, sie für unsere Proben zu benutzen."
Tonks hatte heute, statt der hellbraunen Haare, welche sie meist als Lehrerin trug, wieder eine bonbonrosafarbene Frisur.
Die Schüler folgten ihr. Sarah flüsterte Ginny ins Ohr:
„Es ist komisch, dass sie es ist, nicht wahr? Ich hätte eher gedacht, das macht einer der alteingesessenen Lehrer. Sie hat doch noch nicht so viel Erfahrung, oder?"
„Also ich mag sie sehr gerne und denke, sie macht auch einen fantastischen Unterricht."
Sarah murmelte etwas, was wie Zustimmung klang.
Inzwischen hatten sich alle Schüler in der Großen Halle versammelt. Tonks glitt mit den Augen durch die Menge:
„Gut, also wir sind ungefähr 30. Das sind eine ganze Menge, soviel hätte ich nicht erwartet. Na gut. Fangen wir an!"
Mit diesen Worten lächelte sie ihre gespannten Schüler an.
„Ich denke, als erstes solltet ihr eure Schulumhänge ablegen. Was wir hier machen, ist kein Unterricht. Und um Theater zu spielen, muss man sich bewegen! Die Umhänge stören dabei nur."
Mit einem Schwenk ihres Zauberstabes erschienen einige Kleiderständer. Schnell glitten die meisten Schüler aus ihren Umhängen und hängten sie hin. Nur einige Slytherins, darunter der große Junge, standen weiterhin da, wie zuvor.
„Wollt ihr die Umhänge nicht auch ausziehen? Es ist so wirklich praktischer."
Daraufhin gingen auch die Letzten zu den Kleiderständern. Nur der dunkle Junge stand weiterhin da, als hätte er sie nicht gehört. Nun sprach er:
„Ich denke, ich kann sehr gut für mich selbst entscheiden, was ich mache."
Tonks sah ihn erstaunt an. „Nun gut, wie du meinst, …"
„Zabini.", erklärte er ihr, „Blaise Zabini."
„Nun, ich denke während der Theaterstunden können wir beim Vornamen bleiben. Das gilt für alle. Wir sind eine TheaterGRUPPE, da ist es nicht nötig, so förmlich zu bleiben."
Ginny bemerkte, dass Blaise sich bei diesen Worten etwas versteifte. Pfs, sollte er doch. Sie fand ihn maßlos arrogant.
In diesem Moment fragte ein kleines Mädchen aus Hufflepuff:
„Frau Professor, sollen wir auch Sie beim Vornamen nennen?"
„Nein, ich denke, eher nicht… nennt mich einfach Tonks."
Tonks Blick traf sich mit Ginnys. Beide mussten sich abwenden, um nicht laut los zu lachen. Es war kein Geheimnis, dass Tonks ihren Vornamen nicht mochte.
Jetzt begannen sie ein Spiel, um die Namen der anderen erst einmal zu lernen. Das war gut so, denn s wirklich kannte Ginny die Mitglieder der anderen Häuser noch nicht. So wie ihr schien es allen zu gehen. Nach diesem kurzen Spiel lächelte Tonks wieder in die Runde.
„Gut, jetzt müssten wir alle unsere Namen kennen. Noch ein kleiner Test. Dennis, wie heißt Hannah?"
Verblüfft sahen sich die Schüler um. Dann, nach einem kurzen Moment, begannen alle zu lachen. Die Stimmung war nach diesem kleinen Scherz gelöster. Jetzt würde wohl das richtige Theaterspielen kommen! Gespannt sahen alle zu Tonks. Diese sah sich um:
„Als erste Übung werden wir… herumlaufen."
„Was?", fragte Ginny und einige andere fragten mit ihr.
„Herumlaufen! Ihr habt die Hälfte der Großen Halle Platz, bis zu den Kleiderständern."
Und schon ging sie munter pfeifend los. Unsicher folgten einige Schüler ihrem Beispiel, bis schließlich alle durcheinander im Raum herum liefen.
„Und jetzt", rief Tonks, „stellt euch einmal vor, ihr seid in einem Wald. Einige Blätter rascheln zu euren Füßen, der Wind rauscht in den Bäumen, ihr seht ein Eichhörnchen… was ihr wollt."
Ginny versuchte, die Anweisung umzusetzen. Um sich herum stellte sie sich einen Wald vor, in dem sie gerade einen Spaziergang machte. Bald meinte sie, die Bäume geradezu zu sehen. Bei dem Gedanken an einen Vogel lächelte sie in sich hinein.
Plötzlich stolperte sie über etwas.
„Kannst du nicht aufpassen?", zischte Blaise ihr zu.
Wütend sah Ginny auf seinen langen Umhang, über den sie gestolpert war. Er trug ihn nun über dem Arm, allerdings schleifte er etwas, so dass sie, ganz versunken in ihre Vorstellung, stolperte.
„Kannst DU nicht auf Tonks hören? Sie hat gesagt, wir sollen die Umhänge ablegen!"
„Habe ich doch!". Grinsend blickte er auf sie hinunter. Wieder einmal ärgerte sich das Mädchen, dass sie so klein war. Oder Blaise so groß.
„Aber erst jetzt!"
„Im Wald bei dem Spaziergang war mir warm geworden. Die Sonne schien."
Wieder Willen musste Ginny fast Lachen. Der Slytherin hatte Humor. Aber das konnte sie auch:
„Wenn du mich nun entschuldigst, ich will noch etwas frische Luft schnappen.". Mit diesen Worten drehte sie sich um, bereit, sich wieder ihrer Vorstellung eines Waldes hinzugeben.
„Frische Luft? In der Nähe deiner Muggelfreunde? Wo ist da die frische Luft?"
Wie hatte sie nur fast so etwas wie Symphatie zu diesem widerlichen Kerl empfinden können! Wütend drehte sie sich um und funkelte ihn an. Gerade als sie zu einer Antwort ansetzte, pfiff Tonks laut.
„Kommt her, wir machen jetzt eine weitere Übung. Ich erkläre sie euch."
Gespannt scharrten sich die Schüler um die junge Lehrerin. Ginny warf Blaise noch einen bösen Blick zu und stellte sich dann neben Sarah. Diese versuchte sofort, sie flüsternd in ein Gespräch zu verwickeln:
„Hoffentlich ist diese Übung besser als die andere… das eben war ja wohl voll daneben! Ich dachte, wir wollen Theater spielen und nicht im Raum rumlaufen…"
Ginny hielt sich mit ihrer Antwort zurück. Sie fand, dass Vorstellungsvermögen sehr wichtig war für das Theaterspielen – schließlich musste man sich in eine fremde Person hinein versetzen. Aber darüber wollte sie nicht streiten.
Währenddessen erklärte Tonks:
„Was ich als nächstes mit euch machen will, heißt Klatschtheater. Dabei spielen jeweils 2 Personen eine Szene, die sie sich während sie spielen überlegen. Es ist also wichtig, auf den anderen einzugehen! Es hört sich jetzt etwas kompliziert an, aber wenn ihr es macht, entwickelt sich das schon.
Die, die gerade nicht spielen, sehen zu. Und wenn einer von euch denkt, dass ihm die Pose, in der die Spielenden gerade sind, gefällt, dann klatscht er. Die 2 auf der Bühne „frieren ein", bewegen sich also nicht mehr. Derjenige, der geklatscht hat, geht dann für eine von den beiden Personen in die Szene und nimmt ihre Pose ein. Dann gibt er den nächsten Satz vor – für eine völlig andere Situation. Der andere muss nun darauf eingehen."
Einige Schüler sahen sehr verwirrt aus. Tonks bemerkte das und lachte.
„Wir probieren es einfach aus! Gibt es jemanden, der anfangen möchte?". Die meisten Schüler sahen schnell weg.
„Justin, was ist mit dir? Und Dennis?"
Die beiden Angesprochenen gingen nach vorne. Tonks erklärte:
„Ihr stellt euch jetzt einfach ganz normal hin. Wenn ich ‚jetzt' sage, sagst du, Dennis, einfach einen Satz, der dir gerade einfällt. Du musst dann darauf reagieren Justin. Entwickelt einfach eine Szene! Das nennt man Improvisation."
Neben Ginny flüsterte Sarah schon wieder:
„Was soll das denn bringen?"
Genervt hörte sie weg und konzentrierte sich lieber auf die beiden Jungs. In diesem Moment sagte Tonks: „Jetzt!"
Dennis sah seinen Gegenüber mit großen Augen an. Dann brachte er hervor:
„Eeeh… Erdbeereis ist echt lecker!"
Justin sah kurz aus, als wollte er gleich loslachen. Dann fing er sich wieder und antwortete ernsthaft:
„Mir schmeckt Schoko viel besser. Besonders, wenn kleine Stückchen drin sind!"
„Und Vanille erst!"
Die beiden kamen allmählich in Fahrt. Jetzt wühlte Justin in seiner Tasche herum:
„Es soll sogar Bertie Botts Bohnen in diesen Geschmacksrichtungen geben. Sieh, ich habe welche dabei!". Er hielt Dennis seine geöffnete, leere Handfläche hin. Sarah zischte:
„Da ist doch gar nichts!"
Jetzt konnte Ginny nicht mehr. Sie antwortete: „Das nennt sich Theater! Schon mal was von Pantomime gehört?"
Justin stand immer noch mit geöffneter Hand da. Dennis griff langsam hin. Da beschloss Ginny, dass es Zeit war, das mit dem Klatschen einmal zu versuchen.
Klatsch
Die beiden vor dem Publikum hörten sofort in ihren Bewegungen auf. Gespannt sahen sie zu Ginny. Diese ging zu Dennis, schickte ihn weg, und nahm seine Pose ein. Dann sagte sie:
„Oh! Deine Ratte ist ja so süß! Darf ich sie mal streicheln?"
Justin ging zum Glück schnell darauf ein:
„Ja klar. Du kannst sie auch mal halten, wenn du willst!"
„Oh, wie lieb von dir!"
Jetzt nahm die Gryffindor vorsichtig ‚die Ratte' von Justins Hand; also besser, sie versuchte, ihre Hände so zu halten, als hätte sie darin eine Ratte. Pantomime waren gar nicht so einfach…
„Die ist ja so süß! Wie heißt sie?"
Justin überlegte kurz. „Oliver!"
Ginny fand, es war Zeit, mehr Pepp in die Situation zu bringen. Also tat sie so, als würde ihr die Ratte hinunter fallen:
„Mist! Jetzt ist Oliver weg! Schnell hinterher!"
Der Hufflepuff war wirklich ein guter Spielpartner. Gemeinsam jagten sie nun hinter der imaginären Ratte hinterher:
„Ich hab sie gleich!"
„Autsch! Jetzt hat sie mich gebissen!"
Die anderen sahen dem Treiben der zwei verblüfft zu. Vereinzelt lösten sich Lacher. Die beiden Spielenden lagen jetzt nah nebeneinander am Boden und griffen nach der ‚Ratte', also in die Luft. Da kam ein Geräusch:
Klatsch
Ginny sah auf. Ein schwarzhaariger, gelockter Slytherin löste sich aus den Reihen der Zuschauer und trat auf sie zu.
Anmerkungen: Ich hoffe, das Kapitel hat euch gefallen! Was denkt ihr über die Leiterin? Wer hätte das wohl erwartet? Und was meint ihr über den Verlauf der Stunde? Es ist ja erst das erste Mal, dass sich die Gruppe trifft, da kann man ja noch nicht gleich mit dem Stück anfangen (da spreche ich aus Erfahrung). Das kommt dann bald! Was denkt ihr jetzt, hat Blaise wohl vor? Tja! Schreibt doch einfach eine Bemerkung in Form eines kleinen Reviews!
