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Kapitel 5 – Unerwünschte Begegnung

Wie an einem Samstagnachmittag üblich, war die Bibliothek von Hogwarts mit Schülern bevölkert. Nicht nur Ginny hatte die Idee gehabt, ihre Hausaufgaben zu machen…

Seufzend machte die Gryffindor sich auf die Suche. Sie hatte überhaupt keine Lust auf den Aufsatz. Aber zum Glück war Verwandlung eines ihres stärksten Fächer, es würde nicht allzu lange dauern.

Nachdem sie mehrere Regalreihen entlang gewandert war, fand sie das Buch, welches sie gesucht hatte: „Verwandlung Toten Holzes in ein Lebendig Getier". Es war sehr alt und schwer. Daher war es wohl besser, sie blieb für den Aufsatz in der Bibliothek.

Suchend sah sie sich um. Hier musste doch irgendwo ein Tisch frei sein? Leider nicht.

Sie ging weiter in den hinteren Teil der Bibliothek. Dann sah sie ihn: den freien Platz! Rasch ging die darauf zu. Nur der Tisch war mit einem Bücherstapel belegt… sicher einige, die Madam Pince noch nicht geschafft hatte, weg zu packen. Sie schob sie beiseite und setzte sich hin.

„Hey! Was glaubst du, was du da machst!". Hinter dem Bücherstapel tauchte ein verärgert aussehender, dunkler Lockenkopf auf. ‚Oh nee, wird ich den denn nie los?'

„Ach, das hätte ich mir ja denken können! Eine Gryffindor. Ihr denkt auch, euch gehört die ganze Welt?", sagte Blaise Zabini.

„Ja, und ihr Slytherins denkt, ihr könnt euch die ganze Welt kaufen…", erwiderte Ginny.

„Natürlich nicht. Wobei…", seine Augen funkelten höhnisch, „das Geld dazu hätten wir, im Gegensatz zu einigen anderen…"

Jetzt war Ginny wirklich wütend. Hallo, musste denn jeder immer wieder darauf rumreiten, dass ihre Familie nicht so viel Geld hatte?

„Taktgefühl kann man auch mit noch so viel Geld nicht kaufen. Ich dachte, du hättest eine bessere Erziehung genossen. Ach nein, ich vergaß, wie denn, wenn die Eltern nie da sind?"

„Pass auf, was du sagst, Weasley!". Er funkelte sie nun böse an.

Doch Ginny war jetzt richtig in Fahrt. „Ja, du fandest es wahrscheinlich schön, an Weihnachten statt einer Umarmung deiner Eltern und eines schönen Abends mit ihnen nur ein großes Geschenk zu bekommen, was dein eh schon übervolles Zimmer noch voller machte?"

Blaise war jetzt merkwürdig still geworden. Wortlos stand er auf und ging.

Das Mädchen sah ihm verblüfft hinterher. Seit wann ließen Slytherins eine Gelegenheit zum Streiten aus? Ob sie ihn ernsthaft verletzt hatte? Das hatte sie nicht gewollt!

„Blaise!", rief sie ihm hinterher. „Warte!". Sie rannte los. Zum Glück war der Slytherin noch nicht weit gekommen. Sie packte ihn am Arm, als sie ihn erreichte.

„Was willst du?". Ginny erschrak. Er sah sie mit einem so kalten Blick an, dass es ihr kalt den Rücken hinunter lief.

„Ich…"

„Was ist nun? Ich habe noch andere Sachen zu tun, als einem stotternden Kind zuzuhören."

‚Kind? Wieso wollte ich mich überhaupt bei ihm entschuldigen?'. Sie sah ihn grimmig an.

„Eigentlich wollte ich mich ja bei dir entschuldigen, wegen dem, was ich eben gesagt habe. Ich weiß zwar nicht, wieso es dich so verletzt hat, aber es war unter der Gürtellinie. Aber… wenn du so ein arrogantes Arsch bist, …"

„PSST! RAUS! RAUS AUS MEINER BIBLIOTHEK!". Wütend kam Madam Pince angestürmt. Ups! In ihrer Rage war die Gryffindor viel zu laut gewesen. Jetzt half nur noch Flucht. Madam Pince konnte wirklich sehr rabiat werden… dabei war ihr Talent immer wieder beeindruckend, flüsternd zu schreien, so paradox das klang.

Ratlos ging Ginny über die Gänge. Und jetzt? Blaise war ihr anscheinend ernstlich böse. Hätte er sonst so kühl reagiert? ‚Ach was, er ist ein Slytherin.'. Sie schüttelte den Kopf. Die würden sich wohl nie ändern. Und den Aufsatz würde sie wohl morgen schreiben müssen.

Die Woche ging ihren gewohnten Gang. Das Gryffindor-Mädchen freute sich schon wieder auf den Freitag. Was würde die Theatergruppe wohl diesmal machen? Allerdings hatte sie auch etwas Angst. War Blaise ihr immer noch sauer?

Wie fies konnten Slytherins werden? Sehr fies… das wusste sie aus Erfahrung. Oje…

Vor den Frei-tag hat das Schicksal jedoch die Voll-tage gesetzt – also die Werktage.

Dienstag im Zauberkunst-Unterricht erfuhr sie jedoch etwas, was ihre Freude auf den Freitag noch steigerte: Sarah würd nicht wiederkommen.

„Es ist mir einfach zu kindisch", meinte die Ravenclaw, „ich dachte, wir spielen richtige Stücke, die Klassiker, weißt du?"

„Sarah", sagte Ginny ernsthaft, „bevor man mit den Proben beginnen kann, muss sich Tonks doch ein Bild von unserem Können machen."

„Professor Tonks", korrigierte Sarah. Diese Ravenclaws! Aber zum Glück waren die meisten ok… Sarah hatte halt einen Spleen. Kann man nichts machen. Sie war stolz darauf, Jahrgangsbeste zu sein und versuchte den anderen bei jeder Gelegenheit ihre Überlegenheit zu beweisen – selbst wenn es bei der Zweiten des Jahrgangs, Ginny Weasley, war.

„Außerdem denke ich, dass wir mit den Spielen erst einmal an das Theaterspielen gewöhnt werden sollen. Wir haben das schließlich alle noch nie gemacht!"

Die Gryffindor bemerkte, dass Sarah etwas beleidigt aussah. Ups, das musste ja auch nicht sein.

„Na komm, konzentrieren wir uns wieder auf den Unterricht. Wie ging die Handbewegung?"

Das war das beste Mittel, Sarah wieder in gute Laune zu bringen: sie nach etwas fragen, wobei sie einem helfen konnte.

An diesem Tag gab es gleich noch eine Überraschung für Ginny. Als sie nach dem Mittagessen in den Verwandlungen-Raum ging, kam ihr ein einzelner Slytherin entgegen. Er schien aus der Bibliothek zu kommen. Als sie ihn sah, fühlte Ginny die Röte in sich aufsteigen. Blaise… wenn er ihr nun noch böse war? Ob er ihr etwas an den Kopf werfen würde? Sie verhexen? Oder einfach – eisig schweigen?

Nun waren sie fast auf gleicher Höhe.

Unwillkürlich hielt Ginny den Atem an. Dann…

„Guten Tag.". Dabei senkte er fast unsichtbar den Kopf ein wenig. Verdattert antwortete die Gryffindor mit ‚Hallo'.

Auf dem weiteren Weg in den Unterrichtsraum grübelte Ginny nach. Ob das wohl seine Art war, ihr zu sagen, dass er ihr verziehen hatte? Ein komischer Junge…

Die weiteren Tage der Woche vergingen wie im Flug unter Unterricht, Hausaufgaben und Lernen. Schon war es wieder Freitag. Ein Blick auf Colin zeigte ihr, dass auch er an diesem Abend etwas vorhatte. Er lief mit einem verträumten Lächeln im Gesicht herum und sah immer wieder unbewusst in seine Handfläche. Fast musste seine beste Freundin los lachen. Er war zu süß, wenn er verliebt war. Sie drückte ihm die Daumen.

Wie in der Woche zuvor war das Mädchen schon beim Abendessen aufgeregt. Was Tonks wohl heute mit ihnen vorhatte?

Pünktlich 5 Minuten vor 8 traf sie in der Großen Halle ein. Einige andere Schüler standen schon da. Es schienen weniger zu sein als das letzte Mal. Oder kam ihr das nur so vor? Wieder standen einige Schüler am Rand. Slytherins. Die waren immer noch da? Ginny war ernsthaft erstaunt. Sie hatte geglaubt, die Slytherins hätten das Ganze ebenso wie Sarah kindisch gefunden. Anscheinend hatte sie sich geirrt.

Um 8 traf Tonks ein. Sie hatte wieder ihr geliebtes bonbonrosafarbenes Haar. Mit einem schelmischen Lächeln öffnete sie die Tür zur Großen Halle.

„Rein mit euch! Es wird wieder eine lustige Stunde, das verspreche ich euch."

Auch die Garderoben-Ständer standen schon bereit. Ohne, dass Tonks etwas sagen musste, hängten die Schüler ihren Umhang hin. Nur einer stach mal wieder aus der Reihe: ein ganz gewisser Slytherin ging einfach an den Kleiderständern vorbei. Verwundert sah Ginny ihm nach. Aber… er hatte gar keinen Umhang an! Er musste ihn also schon vorher ausgezogen haben. Die Gryffindor unterdrückte ein Lächeln. War das seine Art von Humor?

Blaise musste ihren Blick bemerkt haben, denn er drehte sich zu ihr und sah ihr direkt in die Augen. Dabei zog er eine Augebnbraue hoch und sah sie etwas verächtlich an.

Humor? Der? Nie im Leben! Wie hatte sie so etwas denken können… der war nur ein arroganter, verzogener Kerl!

„Sooo, womit beginnen wir denn heute?". Tonks sah sich strahlend im Kreis um. Es waren wirklich weniger geworden, Ginny hatte Recht gehabt. Sie waren nur noch 17 Schüler.

„Am besten, wir machen uns erst einmal etwas locker. Also, wie letzte Woche: lauft einfach etwas herum!"

Gespannt machten die Schüler dies. Bald folgte Tonks' erste Anweisung:

„Ihr seid in der Stadt. In der Hand habt ihr einen großen, schweren Koffer. Bummeld geht ihr durch die Straßen, schaut in die Schaufenster…"

Eifrig setzten die Schüler die Anweisungen um.

„Jetzt sehr ihr auf die Uhr und bemerkt: es ist spät! Euer Zug kommt gleich. Ihr müsst rennen. Vergesst dabei nicht euren großen, schweren Koffer."

Tatsächlich waren einige kopflos losgerannt, ohne daran zu denken, dass sie ja noch einen Gegenstand bei sich haben sollten.

Ginny währenddessen mühte sich ab, trotz „Koffer" so schnell wie möglich voran zu kommen. Es war gar nicht so leicht, sich auf so viel Sachen gleichzeitig zu konzentrieren.

Jetzt ging Tonks noch einen Schritt weiter: „Und nun… stolpert ihr! Das hat gerade noch gefehlt, euer Koffer platzt auf und ihr müsst eure Sachen einsammeln. Vergesst nicht, iuhr wollt den Zug noch erwischen!"

Überall fielen die Schüler nun um – mal mehr, mal weniger theatralisch oder echt. Ginny entschied sich dafür, über ihren Koffer zu stolpern. Plumps

Krach

„Au!"

„Was machst DU unter mir?"

„Hallo, wer ist denn hier auf wen drauf gefallen!"

Blaise und Ginny funkelten sich böse an. Dann besannen sie sich wieder auf ihre Aufgabe.

„Geh zur Seite, ich muss meine Sachen aufsammeln.". Mit diesen Worten schubste Blaise die Gryffindor grob zur Seite.

„Heh, kannst du nicht aufpassen?". Fast wäre sie noch einmal gestolpert, diesmal wirklich.

„Du musst mir ja nicht im Weg rumstehen!"

„Entschuldige mal, aber hier ist doch Platz genug für uns alle."

„Oh tut mir Leid, wie KONNTE ich dich nur übersehen! Ist ja auch wirklich schwer, bei der Signalfarbe." Dabei sah er verächtlich auf ihre roten Haare.

„Spinnst du?"

„Aber wenigstens hat die Farbe sicher einen Zweck. Damit eure Mutter euch auch alle wiederfinden kann. Muss ja sonst zu schwierig sein, zwischen den ganzen Muggeln mit denen ihr euch umgebt! Das hat sicher schon abgefärbt."

Ginny blieb vor Wut der Mund offen stehen. Der hatte sie ja wohl nicht mehr alle! „Du…", knurrte sie.

„Ich muss gehen. Ich habe schließlich einen Zug zu erwischen."

Damit drehte er sich um und ging.

Fast wäre Ginny ihm nach und hätte sich auf ihn gestürzt. Nur mit Mühe konnte sie sich zügeln. DAS würde er zurück bekommen…

Sie bemerkte nicht, dass auch Blaise alles andere als glücklich drein sah. Wäre er kein Slytherin gewesen, hätte man diesen Gesichtsausdruck wohl als ‚beschämt' einordnen können… aber die Mitglieder des Hauses der Schlange schienen ja so etwas wie Reue nicht zu kennen.

„Kommt alle her!"

Die Stunde war weiter fortgeschritten. Sie hatten einige weitere, lustige Übungen gemacht. Ginny hatte sich zurück gehalten. Sie war immer noch wütend.

„Die Übung, die wir jetzt machen, habe ich vorher selbst noch nie ausprobiert. Aber ich denke, sie wird euch gefallen. Also: ich habe hier eine Box mit Zetteln. Auf jedem dieser Zettel steht ein Gefühl. Ihr zieht einen. Jemand anderes bekommt gleichzeitig von mir ein dazu passendes Gefühl gesagt. Verstanden? Gut. Dann werden diese beiden ‚aufeinander losgelassen', das heißt, sie spielen eine Szene. Dabei müssen sie das Gefühl vom Zettel, beziehungsweise das, was ich ihnen gesagt habe, haben. Das Ziel der Szene ist es, möglichst realistisch zu einem Kompromiss zu kommen, dass also am Ende beide ähnlich sind. Ihr könnt am Ende beide eines der vorgegebenen Gefühle haben, oder euch irgendwo in der Mitte treffen. Alles klar?"

Einige der Schüler sahen sie mit großen Augen an. Aber Ginny hate verstanden, was sie meinte. Es war wieder eine Improvisationsübung, wie das meiste.

Tonks schien zu bemerken, dass Ginny nicht so verwirrt aussah wie viele der anderen Schüler.

„Ginny; willst du anfangen? Du warst heute bisher recht ruhig."

Die Gryffindor ging nach vorne.

„Soo, jetzt brauchen wir noch einen Partner…". Tonks ließ die Augen über die vor ihr Stehenden schweifen. „Was ist mit dir?"

‚Ich werde ihn echt nie los! Liegt denn ein Fluch auf mir?'

Blaise trat vor. Er sah auch nicht begeistert aus. Mürrisch sah er sich um.

„Ginny, zieh bitte einen Zettel!"

‚Bitte bitte nichts Schlimmes… bitte bitte…' WUT! Das war ja super. Genau das Gefühl hatte sie gebraucht. Ihre Augen blitzten angriffslustig. Das konnte spannend werden!

Währenddessen hatte Tonks ihr über die Schultern gelugt. Auch sie hatte ein Blitzen in den Augen, als sie zu Blaise hinüber ging. Sie flüsterte ihm etwas ins Ohr.

Er sah sie geschockt an. Der Slytherin sah aus, als ob ihm jemand gesagt hätte, er würde seine gesamte Zauberkraft verlieren und fortan in der Muggelwelt Straßen fegen. „Ich glaube, ich habe nicht ganz verstanden…". Tonks flüsterte es ihm noch einmal ins Ohr. Sie hatte ein diebisches Grinsen auf dem Gesicht. Sein Ausdruck änderte sich nicht. Knallrümpfige Kröter schienen nichts gegen das zu sein, was ihn erwartete.

„So, habt ihr beide euer Gefühl verstanden? Dann können wir ja anfangen!"

Tonks hatte wieder ein Strahlen auf dem Gesicht, dass einem Angst und Bange werden konnte. Ihre bonbonrosafarbenen Haare hüpften auf ihrem Kopf hin und her.

Jetzt wurde Ginny doch etwas mulmig. Was hatte Blaise bloß für ein Gefühl? Ach, einfach spielen!

Auf ein Klatschen von Tonks hin drehten sich die beiden Schüler zueinander um. Ginny legte einen Ausdruck äußerster Wut auf ihr Gesicht – was ihr nicht schwer fiel.

Zu ihrem Erstaunen sah Blaise sie ganz anders an, als sie erwartet hatte. Ein – wie könnte man sagen? – freundlicher, fast zärtlicher Ausdruck lag auf seinem Gesicht. Über ihre Wut schien er eher erschrocken zu sein.

Obwohl ihr etwas mulmig war, machte Ginny einen Schritt nach vorne. Die Hände hatte sie zu Fäusten geballt. Als sie redete, spuckte sie die Worte geradezu aus:

„Wie konntest du es wagen!"

Weiter sah er sie erschrocken an.

„Ich... ich wollte das nicht!"

„Und warum? Hättest du nicht vorher überlegen können?"

„Manchmal... rutschen einem die Wörter einfach so heraus!". Um Verzeihung heischend sah er sie an. In seinen Augen lag etwas... konnte man es als Schmerz bezeichnen?

Ginny währenddessen wurde etwas unsicher. Ok, sie war wütend. Sie stritt sich mit Blaise. Aber worüber? Vielleicht hatte er eine Idee... „Rausrutschen nennst du das? Du hast mich beleidigt! Es kann einem nur etwas rausrutschen, was auch schon in einem drin ist!"

„Anne... ich...". Jetzt sah er wirklich verzweifelt aus. „Ich weiß nicht, wie ich es dir erklären soll!"

„Was sollte es da noch zu erklären geben?". Jetzt kam die Gryffindor wirklich in Fahrt. „Ich habe damit nicht angefangen. DU konntest dich nicht zurück halten. Warum...". Weiter kam sie nicht. Blaise war auf sie zugegangen und stand jetzt direkt vor ihr. Er war einen ganzen Kopf größer als sie, sodass sie zu ihm hinauf sehen musste, was ihr ein unangenehmes Gefühl der Unterlegenheit gab. Aber noch viel mehr irritierte sie der Ausdruck, mit dem er sie aus seinen grünen Augen heraus ansah. „Ob du...". Seine Augen waren nicht nur grün. Sie waren mit kleinen, golden bis braunen Sprenkeln durchsetzt. Fast hielt Ginny den Atem an. „Ob du mir verzeihen kannst?". Damit legte er die Arme um sie und zog sie ein Stück an sich heran. Dabei drehte er den anderen Schülern den Rücken zu. Dann beugte er sich zu ihr herunter. Gebannt sah Ginny ihn scheinbar millimeterweise auf sich zubewegen. „Wie...?" brachte sie heraus.

„Ich wollte dir nicht weh tun. Ich könnte dich doch nie verletzen.". Diese Worte flüsterte er fast. Dennoch war seine Stimme in der ganzen Großen Halle zu hören. Nicht nur Ginny hielt den Atem an.

Jetzt war Blaise nur noch Zentimeter von ihrem Gesicht entfernt. Sie spürte seinen Atem auf ihrer Wange kitzeln. Es wurde eng, sie musste etwas machen. Einer plötzlichen Eingebung heraus schlang sie ihre Arme um seinen Nacken: „Pascal!". Ihre Gesichter berührten sich jetzt fast. Dann...

Klatsch

Strahlend sah Tonks die beiden an. Hinter ihr begannen die Schüler zu klatschen und zu murmeln. Sie schienen die Gefühle, welche beide gehabt hatten, schnell erraten zu haben.

„Das habt ihr wunderbar gemacht! Wirklich. Oh Ginny, ich wünschte, ich wäre an deiner Stelle gewesen!". Sie zwinkerte ihr zu. Das Mädchen wurde etwas rot. Hoffentlich hatte niemand gemerkte, dass das „P" bei Pascal fast wie ein „B" geklungen hatte... zum Glück hatte sie sich noch rechtzeitig gefangen.

Die anderen Schüler redeten aufgeregt. Jeder schien sie bewundernd anzusehen. Dennis quiekte: „Wie hast du das gemacht? Es kam mir vor, als wärt ihr wirklich ein Liebespaar! Du scheinst gar nicht mehr Ginny zu sein wenn du auf der Bühne stehst.". Die Gryffindor quittierte das mit einem Lächeln. Ja, auf der Bühne war wirklich alles anders...

Zaghaft wagte sie einen Blick zur Seite, wo Blaise stand. Wieder hatte er einen mürrischen Gesichtsausdruck aufgesetzt. Aber irgendetwas war anders... vielleicht war es die Tatsache, dass er sie nicht mit einem bösen Blick bedachte sondern weiter neutral schaute. Nur eine Augenbraue zog er fragend hoch. Schnell wand sie den Blick ab. Das fehlte ja noch, dass er dachte, sie beobachte ihn!

Noch einige weitere Schüler spielten jeweils zu zweit. Es trafen sich die Gefühle Freude und Trauer, Verschlossenheit und Partyfreude sowie Angst und Mut. Ein letztes Paar bestehend aus Hannah und Dennis hatte Probleme sich zu finden. Ginny brauchte eine Weile um zu bemerken, wer welches Gefühl hatte: schließlich tippte sie auf Hunger und Übelkeit. Tonks beendete das schließlich, denn es war schon wieder Zeit, in die Zeit in die Schlafsäle zu gehen.

Sie verabschiedete sich von ihnen mit den Worten: „Die Zeit ging schon wieder so schnell vorbei! Und leider hatten wir jetzt keine Zeit mehr dazu... freut euch schon auf nächste Woche! Ich werde euch dann das Stück vorstellen!"

In der Großen Halle blieben einige Schüler noch in kleinen Gruppen stehen, um sich zu unterhalten. Sie sprachen aber nicht über die Möglichkeiten, welches Stück sie wohl spielen würden...

Tatsächlich war es Ginny etwas unangenehm, dass anscheinend so viele über ihre Szene mit Blaise redeten... sie beeilte sich, an denen vorbei zu kommen.

Plötzlich tauchte neben ihr ein dunkler Schatten auf. Sie sah auf und direkt in die Augen von Blaise. Überrascht starrte sie ihn an. Er starrte zurück. Sie begann, langsam rot zu werden.

„Nicht schlecht.", meinte er schließlich. Jetzt errötete sie tatsächlich.

„Danke... du hast aber auch einiges drauf."

„Ehrensache.". Bildete sie sich das ein, oder lächelte er ihr wirklich kurz zu? Jedenfalls ging er dann schnell weiter in Richtung Keller.

In Gedanken versunken ging auch Ginny weiter. Sie realisierte erst, wo sie war, als sie von der Fetten Dame nach dem Passwort gefragt wurde.

Anmerkungen: Tätäh, hier ist es! Das fünfte Kapitel! Mein längstes bisher in dieser Geschichte... und, hat es euch gefallen? Ich hoffe doch! Hinterlasst mir doch einfach ein Review! Büdde büdde... ach ja, und wie schon angedeutet, der Tag ist nicht mehr weit, an welchem der Titel des Stückes verkündet wird! Ich kann euch soviel verraten: ihr werdet relativ sicher überrascht sein!

Ich freue mich ganz dolle über Reviews! (alle Reviewer und besonders Elanor Ainu knuddel)