Disclaimer: Das Harry-Potter-Universum ist geistiges Eigentum von J.K.Rowling. Mit dieser Geschichte wird kein Geld verdient.
Kapitel 7 – Rollenwünsche
Verwirrt starrte Ginny auf das Rosenblütenblatt. Wie war das hierhin gekommen? Vielleicht hatte es ja auch schon vorher dagelegen… aber woher sollte es sein? Bloß, wieso fiel es ihr aus der Robe? Was sollte das Ganze?
Ohne es zu wollen, erinnerte sie sich an Blaise, wie er an diesem Abend eine „Rose" gepflückt hatte. Und wie er dann bei ihr die Hand geöffnet hatte… ob das Rosenblatt von ihm kam?
Verunsichert schüttelte Ginny den Kopf. Wieso sollte er das machen? Und wie war das gemeint? Eine Entschuldigung? So ein Unsinn… das Ganze so kompliziert zu machen, so subtil! Wer würde denn so etwas machen?
Ein Slytherin. Ja, das war ganz ihre Art. Auf Umwegen, und ohne ihre Würde zu verlieren oder auch nur angekratzt zu sehen. Dazu noch elegant. Ginny seufzte. Ein Beweis war das noch lange nicht, aber immerhin bestünde die Möglichkeit, dass Blaise seine Worte wirklich bereuen würde. Wobei, würde er es wirklich bereuen, hätte er sich dann nicht aufrichtig entschuldigt? Ach, Slytherins waren einfach arrogant.
Mit diesem letzten, zornigen Gedanken warf sie sich auf ihr Bett. Jetzt würde sie erst einmal das Stück lesen.
Nachdem sie es noch am Freitagabend fertig gelesen hatte, nahm sie sich das Stück am Samstagvormittag noch ein weiteres Mal vor. Da sie nun die Geschichte schon kannte, hatte sie mehr Muße um die Wortspiele zu entziffern und den Hintergrund des Stückes zu erkennen. Es war wirklich, wie Tonks gesagt hatte: es steckte mehr dahinter.
Sie verstand, dass sie so allein nicht weiter kam. Um wirklich in die Materie einzudringen, musste sie auch etwas über den historischen Hintergrund und das Leben des Autors wissen. Also ging sie in die Bibliothek, die einen scheinbar unerschöpflichen Vorrat an Wissen aller Richtungen hatte.
In der Abteilung für Muggelliteratur wurde sie fündig. Sie fand eine Reihe „Bedeutende Werke deutscher Muggelautoren". Es waren viele Bücher, unterteilt in Jahrhunderte und Epochen. Goethe, Schiller und einige andere hatten eigene Bücher. Mühsam versuchte Ginny sich zu erinnern, wann das Stück geschrieben wurde. Es hatte dabei gestanden. Ach ja, 1836 oder so. Sie suchte zwischen den entsprechenden Büchern. Leider wusste sie nicht, welche Epoche es genau war…
Zwischen 2 Büchern, welche über die Zeit kurz vor und kurz nach 1836 handelten, war ein Platz frei. Das konnte doch wohl nicht wahr sein! Jemand hatte das Buch schon ausgeliehen. Dennoch suchte Ginny noch in den daneben stehenden Bänden, entdeckte jedoch nicht Georg Büchner. Enttäuscht ging sie wieder aus der Bibliothek.
Obwohl sie den historischen Hintergrund nicht hatte, meinte sie dennoch einiges von dem Stück verstanden zu haben. Es war wirklich nicht die simple Story, die es auf den ersten Blick zu sein schien.
Der erste Akt begann mit einer Art Monolog von Leonce, einer der Titelfiguren des Stückes. Ginny fand bereits diese ersten Seiten umwerfend komisch. Aber es steckte auch Melancholie dahinter, wie Leonce versuchte, gegen die immerwährende Langeweile anzukämpfen. Die Hofmeister, die ihm ja nur nach dem Mund redeten, stellten keine Gesellschaft dar. Diese kam erst in Gestalt von Valerio. Er nahm das Leben anscheinend sehr gelassen.
Der Präsident, der sich selbst so wichtig nahm und nur Unsinn redete, brachte Ginny wieder zum Lachen. Aber auch zum Nachdenken. Wie konnte so jemand regieren? Nicht nur das Volk, auch Leonce war ihm anscheinend egal. Unwillkürlich musste sie an Fudge denken. Wieder grinste sie.
Die erste für sie interessante Figur war Rosetta, ein Mädchen. Sie kam in einer Szene mit Leonce vor. Anscheinend hatten sie ein Verhältnis. Aber für Ginny war dieses Mädchen zu oberflächlich, sie wollte jemand anderen spielen.
So ging das Stück weiter. Nachdem Leonce und Valerio beschlossen hatten, aus dem Reich zu fliehen, trat das erste Mal Lena in Erscheinung. Sie beklagte sich über die bevorstehende Zwangsheirat. Ihre Verzweiflung war förmlich zu spüren. Ihre Gouvernante tat sie Leid, sodass diese den Vorschlag machte, zu gehen.
Im zweiten Akt trafen Leonce und Valerio auf 2 Polizeidiener, welche sie suchen sollten. Auch dieser Dialog war wirklich komisch, die beiden Staatsdiener waren nicht sehr klug.
Nach einem weiteren kurzen Dialog Lenas mit der Gouvernante, in dem Lena sehr weiblich und verklärt wirkte, trafen die beiden Königskinder endlich in einem Wirtshausgarten aufeinander. Diese Szenen waren jetzt wirklich interessant. Ginny konnte es fast auf der Bühne vor sich sehen. Die Figuren nahmen immer mehr Gestalt an.
Leonce entschloss sich sehr schnell, Lena zu heiraten, nach wenigen Dialogen. Valerio schien ein Freund von ihm geworden zu sein.
Der dritte Akt handelte von der Hochzeit. Die Gespräche der Untertanen waren sehr komisch, aber Ginny wusste nicht wirklich viel damit anzufangen. Hmpf, dass sie aber auch den Hintergrund nicht hatte!
Das Stück endete schließlich mit der Hochzeit selbst: maskiert heiraten Leonce und Lena um dann zu erkennen, dass sie füreinander bestimmt waren.
Puh, so ganz war Ginny noch nicht durch das Stück gedrungen. Aber sie hatte jetzt eine grobe Vorstellung von den Personen. Hm. Aber welche der Rollen wollte sie spielen? Es kam ihr abstrakt vor, eine der Personen auch auf der Bühne darzustellen. Schließlich dachte sie an die Gouvernante. Es war eine recht wichtige Rolle, aber sie war auch nicht so groß. Ja, das würde sie sicherlich hinbekommen. Hoffte sie.
Die Woche verging.
Einmal begegnete sie Blaise auf dem Weg in die Große Halle. Sie wusste nicht, wie sie sich im gegenüber verhalten sollte, daher nickte sie ihm einfach noch zu. Zum Glück sah sie da Einige Meter weiter Justin stehen. Erleichtert rannte sie zu ihm.
„Hi Justin. Hast du das Stück auch schon gelesen?"
„Ja, natürlich. Ich finde es wirklich lustig."
„Ja, ich auch."
Die beiden grinsten sich an. Es war einfach, mit dem aufgeschlossenen Hufflepuff ins Gespräch zu kommen. Sie plauderten noch etwas weiter, über den Unterricht, die Lehrer, die immer mehr Hausaufgaben aufgaben und natürlich Theater.
„Welche Rolle hättest du gerne?"
„Ich weiß nicht, ich denke, die Gouvernante könnte mir gefallen."
„Hey, Hannah will auch die Gouvernante spielen! Na, mal schauen, wer von euch beiden es wird."
„Sicher sie, sie ist schließlich älter als ich.", seufzte Ginny.
„Bei der Rollenvergabe kommt es auf Talent an.". Er lächelte ihr zu. Ginny wurde rot. Um abzulenken fragte sie schnell:
„Und wen willst du spielen?"
„Verrats keinem, aber ich mag die Rolle des Valerio sehr."
„Die ist wirklich groß! Aber ich denke, du kannst das schaffen."
„Danke Ginny."
Lächelnd verabschiedeten sie sich voneinander, da sie inzwischen in der Großen Halle angekommen warten. Jeder ging an seinen Haustisch.
Ginny setzte sich neben Colin.
„Hallo!"
„Hi Ginny! Sag mal, habe ich das richtig gesehen?"
„Was?". Erstaunt sah sie ihren Freund an. Der hatte blitzende Augen.
„Du bist mit Justin Finch-Fletchey herein gekommen."
„Und? Er ist auch in der Theatergruppe."
Colin grinste weiter.
„Ach Mensch, hör auf zu grinsen Colin! Dafür ist dieses Projekt mit dem Fest doch da, dass man sich untereinander kennen lernt. Damit die Häuser zusammen wachsen."
„Ja, damit man sich kennen lernt und die Häuser zusammen wachsen.". Colin hatte immer noch nicht aufgehört zu grinsen.
„Colin!"
„Was?". Er hatte einen unschuldigen Blick aufgesetzt.
„Du bist unerträglich… hast du heute Wahrsagen?"
„Wieso?"
„Das würde deine widerlich gute Laune erklären. Manche brauchen ja keine Theatergruppe, um zwischen den Häusern Freundschaften zu schließen, nicht wahr?". Jetzt war es an Ginny zu grinsen.
„Ach hör auf…"
Die beiden lächelten sich an.
Danach widmeten sich endlich ihrem Essen.
Jede Woche hat einen Freitag, so auch diese. Wie sie es nun schon gewohnt war, ging Ginny abends kurz vor 8 in die Große Halle. Die anderen Gryffindors waren aus unverständlichen Gründen wieder spät dran. So stellte sie sich zu Justin und Hannah.
„Hallo!"
„Hi Ginny!". Die beiden lächelten sie warm an. Hannah schien es ihr nicht übel zu nehmen, dass sie die gleiche Rolle wie sie selbst. Zaghaft lächelte die Gryffindor zurück.
„Was meint ihr, wie wird Tonks wohl festlegen, wer welche Rolle bekommt? Ob sie das einfach so bestimmt?"
„Nein, ich denke, es wird ein Casting geben."
Fragend sah Ginny Justin an. „Cas-ting?"
"Jeder spricht für die Rolle, die er gerne hätte, vor. Also, das heißt, eine Szene wird ausgesucht und wer die Rolle gerne hätte, muss diese Szene spielen. Wer dann am besten passt, bekommt die Rolle. Es ist sozusagen etwas wie ein Vorstellungsgespräch."
Erstaunt sah Ginny ihn an. „Wieso weißt du darüber so viel?"
Der Hufflepuff sah verlegen aus.
„An meiner alten Muggelschule gab es auch eine Theatergruppe. Meine Eltern wollten zwar nicht, dass ich dahin ging, sie meinten, Lernen und Sport sei wichtiger, aber ich war trotzdem dabei."
„Das ist ja toll! Du hast also schon Erfahrung?"
Der Hufflepuff wurde rot. „Ein bisschen…", murmelte er.
„Er hat sogar eine der Hauptrollen gespielt damals, oder?", erklärte Hannah.
„So groß war die Rolle dann auch wieder nicht…"
„Stell dein Licht nicht unter den Scheffel!", Hannah schubste ihn an. „Dass er immer so schüchtern sein muss."
Ginny lachte. Der ältere Junge wurde noch röter. Dann meinte er erleichtert:
„Da kommt Tonks!"
Die Schüler, es waren dieselben wie in der Woche zuvor, strömten in die Große Halle. Sie legten ihre Umhänge ab und warteten, was Tonks jetzt machen würde.
„Hallo! Ich hoffe, die meisten von euch haben das Stück gelesen."
Alle Schüler nickten.
„Das ist ja wunderbar! Macht euch keine Sorgen, wenn ihr die eine oder andere Stelle nicht verstanden habt. Das meiste wird klar, wenn wir uns näher damit beschäftigen."
Einige der jüngeren Schüler sahen erleichtert aus. Tonks lächelte sie an.
„Aber ich denke, den groben Inhalt kennt ihr?"
Wieder Nicken.
„Könntest du vielleicht kurz zusammenfassen, Ginny?"
Die Gryffindor kam der Aufforderung gerne nach. Sie erzählte kurz, was sie bisher verstanden hatte.
„Gut. Danke Ginny, besser hätte ich es auch nicht erzählen können.
Nun, ich nehme an, ihr habt euch auch schon mit den einzelnen Figuren etwas beschäftigt. Ich hoffe, ihr wisst auch schon, wen ihr gerne spielen würdet. Das würde ich jetzt gerne wissen!"
Mit einem Schwenk ihres Zauberstabes erschien hinter ihr eine Tafel. Mit einem weiteren Schwenk standen sämtliche zu vergebende Rollen darauf, immer mit einem Doppelpunkt und Platz daneben.
„Gut, ihr sagt mir jetzt einfach, was ihr gerne spielen würdet! Ruhig auch bei mehreren Rollen, schließlich ist es leider nicht sicher, dass ihr auch eure Lieblingsfigur spielen könnt. Na los, kommt schon!"
Zögerlich sahen sich die Schüler um. Keiner sagte etwas.
„Na kommt schon! Hannah, was würdest du gerne spielen?"
„Äh… die Gouvernante."
Neben dem Wort „Gouvernante" an der Tafel, erschien jetzt: „Hannah".
Das Eis schien gebrochen. Immer mehr Schüler meldeten sich jetzt. Als Ginny dran kam, sagte sie ebenso wie Hannah: „Die Gouvernante."
„Wirklich? Ganz ehrlich, ich hatte gedacht, dass Lena zu dir passen könnte."
„Aber…"
„Also sind wir ja einer Meinung!". Auf dem freien Platz neben „Lena" erschien Ginnys Name. Sie fühlte sich völlig überrumpelt. Ob sie das wirklich spielen konnte? Es war doch sicher sehr schwer! Die anderen bekam sie kaum mit. Aus ihrem tranceähnlichen Zustand erwachte sie erst, als eine ihr wohl bekannte Stimme etwas sagte: „Leonce".
Blaise! Er wollte wirklich den Leonce spielen?
Neben ihr stöhnte Justin auf. „Oh nein, nicht er… obwohl er ja gut spielt, aber wenn ich nun wirklich der Valerio werde, werden wir viel miteinander spielen müssen."
„Ganz zu schweigen davon, dass ich Lena werden könnte…"
Hannah sah die beiden mitleidig an. „Noch ist ja nichts entschieden!"
Nachdem das Wünschen der Rollen abgeschlossen war, erklärte Tonks, wie es nun weiter gehen sollte.
„Ihr seht ja, dass sich teilweise mehrere Schüler für eine Rolle beworben haben. Natürlich können wir nicht 3 Lenas oder 5 Valerios haben. Daher wird ein Casting stattfinden. Das heißt, ich gebe euch eine Szene. Den Text der Rolle, die ihr spielen wollt, lernt ihr bitte auswendig. Und dann werdet ihr mir das am nächsten Freitag vorspielen. Wer sich am besten für die Rolle eignet, bekommt sie dann. Alls klar?"
Also hatte Justin Recht gehabt. Es würde wirklich ein Casting stattfinden!
Nun verteilte Tonks die Szenen. Die für Lena und die Gouvernante war zum Glück die Selbe: im ersten Akt, als die beiden beschlossen, zu fliehen. Das hieß allerdings, Ginny musste 2-mal diese Szene spielen: einmal als Lena und einmal als Gouvernante. Puh, das konnte kompliziert werden… auch die beiden Hufflepuffs hatten einiges zu tun, da sie für mehrere Rollen vorspielen wollten.
In der Großen Halle verabschiedete sie sich von den beiden Siebtklässlern. Das Besprechen des Casting-Ablaufs, welches am folgenden Freitag stattfinden sollte, hatte einige Zeit in Anspruch genommen. Als sie die Treppe hinauf aus der Großen Halle hinauf rannte, sah sie unten aus den Augenwinkeln eine bekannt dunkelhaarige, große Person. Ohne zu wissen weshalb, drehte sie sich um. In diesem Augenblick sah auch der Blaise sie an. Ihre Augen trafen sich. Sein Blick war unergründlich. Die Gryffindor musste schlucken. Dann nickte er ihr zu, drehte sich um und ging in Richtung Kerker.
Im Gemeinschaftsraum angekommen, fragte sich Ginny, was das nun schon wieder zu bedeuten gehabt hatte. Ach, egal, es war spät und sie war müde.
Als sie im Bett lag, konnte sie dennoch noch lange nicht einschlafen. Sie dachte an das Theater und überlegte, wer wohl welche Rolle bekommen würde. Ob sie wirklich die Lena…? Ach, sicherlich nicht!
Sie hoffte für Justin, dass dieser den Valerio spielen durfte. Er war wirklich nett… schließlich fiel sie in einen tiefen Schlaf.
Anmerkungen: Puh, wieder ein Kapitel fertig! Es ist etwas als Erklärung und Einleitung in Leonce und Lena gedacht. Zusatz-Disclaimer: Das Stück „Leonce und Lena", die Handlung, der Inhalt, Personen, Handlungsorte, Ideen, Worte, usw usf gehört Georg Büchner.
Falls jemand etwas an dem, was ich bisher geschrieben habe, auszusetzen hat, meldet euch bitte! Ich wollte bloß noch nicht zu viel verraten…
Ansonsten, wie hat es euch gefallen? Wer das Buch wohl hat? ;-) Ratet doch einfach mal, und hinterlasst mir ein Review! DANKE für alle bisherigen! knuddel (ich schreib jetzt lieber keine Namen auf, sonst vergesse ich wen… aber ich denk an euch! ;-))
