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Kapitel 8 – Das Casting

Den Samstag verbrachte Ginny mal wieder damit, ihre Hausaufgaben zu erledigen. Der Alltag hatte sie nach diesen Wochen Schule endgültig wieder eingefangen. Zum Glück gab es ihr neues Hobby.

Am Donnerstagabend war sie sich nicht mehr so sicher, ob das wirklich „zum Glück" war. Kurz: sie war ein komplettes Nervenbündel. Den Text hatte sie sich wohl schon an die hundert Mal durchgelesen – jedenfalls hatte sie das Gefühl.

„Ginny, inzwischen kann sogar ICH den Text…". Colin sah sie genervt an.

„Ja, aber, was ist wenn ich ihn morgen vergesse? Oder ganz schlecht spiele? Vielleicht bekomme ich dann gar keine Rolle! Oh nein, stell dir das vor, oder ich bin nur ein winzig kleiner Statist und darf nur einmal über die Bühne laufen, das wäre ja so peinlich..."
"GINNY! Beruhig dich! Du kannst den Text, nach dem, was Tonks sagt, kannst du auch recht gut spielen, also. Mach dich nicht fertig. Dann bekommst du nur noch ein Blackout."

„Blackout?"

„Ein Muggelausdruck dafür, wenn man alles vergisst, obwohl man es eigentlich kann…". Schon bevor er es ausgesprochen hatte, wusste er, dass das falsch gewesen war.

„WAS, das kann wirklich passieren? Und dann ist alles weg?"
"DAS PASSIERT WENN MAN SICH ZU SEHR AUFREGT!"

„Ich muss den Text lernen!"

„GINNY! Hörst du mir überhaupt zu?"

„Ja, jetzt! Da ist es! Ich dachte die Zeit an nichts.". Ginny sprach den ersten Satz der Szene, die sie lernen musste.

„Ich gebe auf…"

Am Freitagmorgen traf Ginny Justin beim Frühstück. Auch er sah etwas nervös aus, wenn er auch nicht so ein Nervenbündel war wie Ginny.

„Und, hast du auch schon deinen Text gelernt?", fragte er sie freundlich lächelnd.

„Ja. Die halbe Nacht, habe ich das Gefühl…"

„Ich habe auch schlecht geschlafen. Es wird schon werden!". Aufmunternd blickte er sie noch einmal an und begab sich dann zu seinen Hauskameraden.

Ginny fühlte sich gleich besser. Der Hufflepuff hatte etwas an sich, was sie beruhigte.

An ihrem Platz angekommen, ließ sie sich neben Colin auf die Bank fallen. Der sah sie verwundert an.

„Nanu? Was ist denn jetzt los? Gar keine Weltuntergangsstimmung? Und deinen Text murmelst du auch nicht ständig vor dich hin! Was ist denn mit dir passiert?"

„Ach, nichts…". Jetzt, da sie wieder an das Casting am Abend erinnert wurde, wurde ihr gleich wieder mulmig.

„Ah ja? Na, wenn das ‚nichts' war, dann möchte ich mal ‚etwas' sehen!". Er grinste.

Ginny streckte ihm die Zunge raus. Unglücklicherweise kam zu dem Zeitpunkt ausgerechnet Harry und setzte sich zu den beiden.

„Hi Ginny, hi Colin!"

„Morgen Harry."

„Sag mal, Ginny, ist Justin auch in der Theatergruppe?"

„Ja, wieso?". Sie fühlte, wie sie leicht rot wurde.

„Na ja, ihr scheint euch gut zu verstehen. Habt ihr nicht eben auch miteinander geredet?"

Ginny wurde immer röter, während sie krampfhaft versuchte, die Blicke Colins neben ihr zu ignorieren. Seine Augen blitzten eindeutig wieder.

Auch Harry schien nun etwas zu bemerken. Er grinste.

„Neulich in Kräuterkunde hat er dich mir gegenüber auch erwähnt. Er meint, du spielst sehr gut und bist außerdem sehr freundlich."

„Oh, hat er das…"

Colin sah jetzt so aus, als würde sein Mund von einem Ohr zum anderen reichen.

Ginny jedoch stopfte sich das letzte Stück Toast in den Mund und stand abrupt auf.
"If muff gehn!", nuschelte sie mit vollem Mund. Dann ging sie aus der Großen Halle – ja, sie rannte fast!

Colin jedoch kam hinter ihr her. Kurz nach der Großen Halle hatte er sie eingeholt.

„Hey, Ginny!"

„Was ist?"

Er lächelte immer noch. „Ich habe mich einfach nur gefragt, was Harry da eben erzählt hat."

Genervt rollte Ginny ihre Augen. Aber er war schließlich ihr bester Freund, also antwortete sie:

„Ich verstehe mich gut mit Justin. Zufrieden?"

„Du verstehst dich gut mit ihm?"

„Bist du ein Papagei?"

„Bin ich ein Papagei?"

„Colin, das ist jetzt wirklich nicht lustig!"

„Nein, das ist jetzt wirklich nicht lustig!", sagte er ernsthaft.

Jetzt musste Ginny doch lachen. „Du kannst einfach nicht ernst sein, oder?"

„Manchmal!". Er grinste.

Sie gingen gemeinsam in den Gemeinschaftsraum. Auf halben Weg sagte Colin dann doch noch etwas:

„Ich mag Justin jedenfalls bedeutend mehr als diesen Slytherin…"

Ginny gab ihm einfach keine Antwort. Obwohl ihr eine auf der Zunge gelegen hätte… aber sie wollte nicht schon wieder Streit mit ihrem Freund. Außerdem, rief sie sich energisch ins Gedächtnis, der Slytherin war wirklich arrogant, eigenwillig, dunkel, seltsam, zurückgezogen etc etc… wie hatte sie nur kurz daran denken können, Colin zu sagen, dass der Blaise auch seine guten Seite hatte? Und sowieso, jedenfalls deutlich weniger als Justin.

Bei dem Gedanken an Justin und daran, was Harry gesagt hatte, wurde sie fast wieder etwas rot. Fast.

Viel früher als sonst, schon 10 nach halb 8, machte sich Ginny an diesem Abend auf den Weg in die große Halle. Sie war wieder sehr aufgeregt. Hoffentlich ging alles gut!

Dreiviertel 8 war sie in der Großen Halle. Zu ihrem Erstaunen war sie nicht allein. An einen Pfeiler gelehnt stand eine dunkle Gestalt.

Es war Blaise. Er hatte einen Text in der Hand und schien ihn gerade noch einmal durchzugehen.

Ginny hatte beschlossen, sich an Colins Rat zu halten und sich nicht allzu verrückt zu machen. Es war nur einfacher gesagt als getan. Aber wenigstens meinte er, sie solle vorher ihren Text nicht noch 20 Mal lesen, das würde sie nur noch nervöser machen.

Also hatte sie jetzt nichts zu tun. Sie beschloss, zu dem Slytherin zu gehen. Besser Blaise als gar keine Gesellschaft…

„Hallo!"

„Hm.", brummte der Angesprochene ohne vom Blatt aufzuschauen.

Ginny fühlte sich vor den Kopf gestoßen. Was sollte das denn? Pffh, dann doch lieber keine Gesellschaft!

Sie drehte sich um und wollte schon gehen, da sagte Blaise plötzlich: „Oh, hallo."

Erstaunt drehte Ginny sich um. Litt sie an Paranoia?

„Ich war eben in den Text vertieft gewesen; ich habe dich gar nicht wirklich mitbekommen.", sagte Blaise.

„Ach so."

Jetzt standen sie sich gegenüber und sagten beide kein Wort. Bei Merlin, warum musste das auch immer so schwierig sein, mit Slytherins ein Gespräch anzufangen! Kein Wunder, dass die anderen Häuser selten etwas mit ihnen zu tun hatten…

„Für welche Rollen hast du dich beworben?", wagte sie schließlich einen Versuch.

„Für Leonce und für Valerio."

„Oh, so etwas Großes? Das sind beides schwierige Rollen."

„Ich hoffe einfach, ich kann eine der beiden spielen". Er zuckte mit den Schultern. Ginny war verwirrt. Das klang gar nicht mehr so arrogant wie sonst.

„Du hast dir auch keine kleinen Rollen ausgesucht.", bemerkte ihr Gegenüber.

„Oh, ja, ich meine, nein, also… ich will für Lena und die Gouvernante vorspielen."

Er nickte einfach.

„Ich… ich hoffe, du bekommst den Leonce!", platzte sie einfach heraus.

Er sah sie mit hochgezogenen Augenbrauen und subtilen Grinsen an: „So? Du willst dann wohl meine Lena spielen?"

Was dachte sich der Kerl eigentlich? Dann doch lieber keine Gesellschaft als diese.

„Ich dachte eigentlich nur, dass du recht gut spielen kannst, deshalb! Außerdem will Justin auch für den Valerio vorspielen!"

In diesem Moment rief es von der anderen Seite der Halle: „Hey, Ginny!".

Sie drehte sich um. Es waren Justin und Hannah, die gerufen hatten. Ohne den Slytherin noch eines Blickes zu würdigen, drehte sie sich um und ging zu den beiden Hufflepuffs.

„Na, kannst du deinen Text?". Fröhlich sah Hannah sie an.

„Ja, ich denke schon, sagt Colin zumindest…"

Hannah lachte. „Und was sagst du?"

„Wird schon! Und bei dir?"

„Also, ich habe gelernt, und in meinem Zimmer ging es auch gut…"

„…und als du es vor mir gespielt hast, hat es mir auch gefallen!", warf Justin ein.

Hannah lächelte ihn an. „Danke."

„Immer zu Diensten.". Spielerisch machte der Hufflepuff eine Verbeugung.

Ginny und Hannah lachten.

In diesem Moment kam Tonks. „Ich sehe, ihr habt gute Laune! So ist's richtig, lasst euch nur nicht verrückt machen von diesem klitzekleinen Casting.". Sie grinste.

Ginny stöhnte kurz auf. Justin hatte es wohl bemerkt, denn er sah sie aufmunternd an und drückte kurz ihre Hand. Dann gingen sie in die Große Halle.

Als sie ihre Robe aufhing, war die Gryffindor sehr verwirrt. Was hatte das zu bedeuten gehabt, dass Justin eben ihre Hand genommen hatte? Egal, jetzt musste sie sich auf das Casting und ihre Szene konzentrieren.

Im Gegensatz zu den letzten Wochen war in der Großen Halle eine kleine erhöhte Bühne sowie einige Stuhlreihen davor aufgebaut wurden.

Die 17 Schüler scharrten sich um Tonks, während sie das Verfahren erklärte.

„Ich werde euch eine Rolle nennen. Die Schüler, die sich darauf vorbereitet haben, melden sich dann bitte. Ihr werdet einzeln vorspielen; die anderen, welche sich auch auf diese Rolle vorbereitet haben, warten solange bitte vor der Tür. Die anderen Schüler können zuschauen."

Es erhoben sich sofort einige Fragen:

„Warum sollen wir vor der Tür warten?"

„Warum können nicht ALLE vor der Tür warten?", kam eine klägliche Stimme einer Hufflepuff-Drittklässlerin.

Tonks lachte. „Ganz einfach: es soll niemand von den anderen abgelenkt werden, die sich auf die Selbe Rolle vorbereitet haben, ich will wirklich von jedem die ganz eigene Interpretation sehen. Und trotzdem ist es wichtig, dass ein Publikum dabei ist; so könnt ihr erstens die anderen danach fragen, falls ihr eine Entscheidung von mir nicht versteht, und zweitens müsst ihr euch sowieso daran gewöhnen auch wenn ihr aufgeregt seit vor Publikum zu spielen. Ich glaube nämlich nicht, dass ihr bei der Aufführung die Ruhe in Person sein werdet!"

Jetzt erhoben sich keine weiteren Diskussionen. Tonks sagte also die erste Rolle an: „Rosetta! Wer will Rosetta spielen?"

2 Mädchen aus Ravenclaw und das einzige Mädchen aus Slytherin meldeten sich. Die Mädchen waren allesamt Viertklässler. Eine der Ravenclaws blieb im Raum, während die anderen beiden hinausgingen. Die restlichen Schüler setzten sich auf die Stühle, ganz vorne fand Tonks ihren Platz. Es verwunderte Ginny nicht, dass sich Justin neben sie setzte.

„So!", Tonks klatschte. Sie strahlte über das ganze Gesicht, „dann wollen wir mal anfangen!"

Sie zückte kurz ihren Zauberstab. Auf der Bühne erschien ein junger Mann – oder so etwas ähnliches, denn ‚es' war leicht durchscheinend wie ein Geist.

„Das ist ein Diversiocorpus. Es ist also kein wirklicher Mensch, aber er wird auf das reagieren, was du machst. Der Diversiocorpus ist also dein Leonce!", erklärte Tonks.

„Das lernt man wohl bei Aurorentraining", flüsterte Ginny Justin zu. „Es kann wichtig sein, den Gegner für kurze Zeit abzulenken."

Das Mädchen nickte. Tonks erklärte weiter:

„Wenn du bereit bist, fang einfach an. Ok?"

Wieder nickte die Ravenclaw. Dann schluckte sie noch einmal. Und begann:

„Leonce!". Dabei ging sie langsam auf den Diversiocorpus zu.

„Rosetta!", sagte eine Stimme aus dem Hintergrund. Sie schien nicht direkt von dem Diversiocorpus zu kommen, aber er bewegte die Lippen dazu.

So ging die Szene weiter. Ginny erkannte, dass es eine aus dem ersten Akt war. Das Ravenclaw-Mädchen schien ganz gut zu Recht zu kommen. An einer Stelle stockte sie, aber es fiel nicht sehr auf.

Danach kam das andere Ravenclaw-Mädchen an die Reihe. Ginny fand sie etwas weniger gut als die erste. Sie leierte den Text etwas, es war schwerer, ihr zu folgen.

Nach den beiden Mädchen aus dem Hause des Adlers kam die Slytherin. Sie hieß Diamante und war sehr hübsch. Ihr Haar war blond und lang, ihre Gesichtszüge aristokratisch. Dennoch war sie recht zierlich. Sie war die, die den Siegelring dargestellt hatte.

Das, was Diamante auf der Bühne bot, stellte das der beiden vor ihr weit in den Schatten. Sie war sowohl natürlich als auch leicht aufreizend. Es passte einfach zu Rosetta! Seltsamerweise spielte sie die Rolle auch mit einer gewissen Melancholie. War das gerechtfertigt? Ginny würde es später nachlesen müssen.

Danach kamen verschiedene andere Rollen an die Reihe: Landrat, Schulmeister, Hofprediger… es waren kleinere Rollen und die Castings gingen schnell, mal mehr, mal weniger gut. Hannah hatte nun schon 2 der 3 Rollen für die sie vorsprach hinter sich.

Als für den König Peter vorgesprochen werden sollte, war erstmals auch Justin dran. Er spielte gut, er legte seinen eigenen Charme und Witz in diese Szene.

Es ging weiter. Schließlich waren noch 4 Rollen übrig: Leonce, Lena, Gouvernante und Valerio.

Zuerst sollte die Gouvernante kommen. Lächelnd meinte Hannah zu Ginny: „Mach du zuerst, ich sehe doch, wie aufgeregt du bist!". Dankbar nickte das Mädchen.

Als sie auf der Bühne stand, kam sie sich eigenartig vor. Der Diversiocorpus stellte Lena dar, was sie später selbst noch spielen musste. Aber sie nahm sich zusammen. Es ging wohl recht gut, weder vergaß sie ihren Text noch geschah sonst etwas Unvorhergesehenes.

Danach setzte sie sich wieder hin, während Hannah vorspielte: da sie selbst schon gespielt hatte, durfte Ginny zusehen. Hannah war als Gouvernante viel mütterlicher als Ginny es dargestellt hatte. Dies wirkte noch mehr, da sie zudem auch älter war.

Ginnys Herz sank in die Hose. Diese Rolle würde wohl Hannah bekommen.

Justin bemerkte, dass sie etwas geknickt aussah. Lieb lächelte er sie an. Dann ging er hinaus. Jetzt würde für den Valerio vorgespielt werden.

Zuerst spielte ein Ravenclaw aus der fünften Klasse. Es war eine Szene im ersten Akt, die erste, in der Valerio vorkam. Aber der Fünftklässler war für Ginnys Geschmack entschieden zu ernst.

Danach kam Blaise. Gespannt setzte Ginny sich etwas weiter nach vorne.

Anmerkungen: Soooooo, was wird jetzt wohl alles passieren? Wie wird der Rest des Castings ablaufen? ;-) Tut mir Leid, ist wieder etwas kurz…

Zusatz-Disclaimer: Das Stück „Leonce und Lena", die Handlung, der Inhalt, Personen, Handlungsorte, Ideen, Worte, usw usf gehört Georg Büchner.

Ich hoffe, euch hat das Kapitel gefallen! Wie findet ihr Diamante? Ja, man hat noch nicht so viel von ihr erfahren, ich wollte sie erst recht spät einführen…

Hinterlasst mir büdde nen Review!