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Kapitel 9 – Interessante Auftritte
Auf sein Stichwort hin ging Blaise auf die Bühne. Aber was war mit ihm los? Er schien etwas zu schwanken! Außerdem hatte er ein dümmliches Grinsen auf dem Gesicht. Zuerst. Doch noch bevor er den ersten Satz gesagt hatte, der Diversiocorpus hielt gerade den Monolog Leonce', wurde sein Gesicht schlagartig ernst und starr. Dann ging er, wie ohne Vorwarnung auf diesen zu: „Ja!"
Der Diversiocorpus antwortete: „Richtig!"
Diese beiden Worte kamen zusammenhangslos. Trotzdem sah Blaise aus, als wollte er von etwas wirklich Ernstem und Wichtigem sprechen. Er fragte: „Haben Sie mich begriffen?"
Der Diversiocorpus antwortete mit „Vollkommen!"
„Dann wollen wir von etwas anderm reden".
So ging diese Szene weiter. Ginny gefiel Blaise als Valerio gut. Justin würde es schwer haben, dass zu überbieten…
Dieser kam als letzter Bewerber für Valerio danach an die Reihe. Wieder gefiel Ginny die Darstellung. Anders als Blaise bezog Justin Leonce mehr in sein Spiel ein. Man konnte geradezu sehen, wie ihm der Schalk aus den Augen sprang. Ginny musste, obwohl sie die Szene doch konnte, noch einige Male lachen. Justin war zu komisch! Dabei konnte er auch todernst wirken. Es war umwerfend!
„So! Das waren die Darbietungen der Valerios. Nun sind noch 2 Castings übrig: Leonce und Lena, die Titelcharaktere! Ich denke, wir nehmen die Reihenfolge, in der die beiden auch im Titel auftauchen. Erst Leonce, dann Lena!"
Das hieß für Ginny noch etwas länger warten.
Für die Rolle des Leonce hatten sich 4 Jungen beworben: Blaise, ein Fünftklässler aus Hufflepuff und einer aus Ravenclaw sowie Dennis, was Ginny sehr erstaunte. Sie hätte es dem kleinen Bruder von Colin nicht zugetraut. Er hatte es auch nicht erwähnt gehabt!
Dennis war gleich der erste, der als Leonce vorspielen sollte.
Natürlich ist es schwierig, Monologe zu spielen. Ginny wusste das: man musste allein, ohne Unterstützung, das ganze Publikum unterhalten. Man konnte auch nicht auf andere eingehen. Dafür schlug sich Dennis recht passabel. Aber wirklich fesseln konnte er sie leider nicht.
Ebenso ging es ihr bei dem Hufflepuff. Auch er war gut, aber er wirkte etwas verloren auf der Bühne.
Der Ravenclaw war hier schon besser. Er schaffte es, Ginny in den Bann zu ziehen. Aber dafür schien er den Text nicht ganz verstanden zu haben und vermasselte einige Pointen oder legte seine Betonungen nicht immer richtig.
Als letztes kam Blaise. Wieder ruckte Ginny gespannt auf ihrem Stuhl nach vorne. was würde er jetzt wohl darbieten?
„Mein Herr, was wollen Sie von mir? Mich auf meinen Beruf vorbereiten? Ich habe alle Hände voll zu tun, ich weiß mir vor Arbeit gar nicht mehr zu helfen. – Sehen Sie, erst habe ich auf den Stein hier dreihundertfünfundsechzigmal hintereinander zu spucken. …"
So ging der Text weiter. Ginny verfolgte es total gebannt. Blaise war unglaublich! Er bewegte sich mit einer Lässigkeit auf der Bühne, die schon unverschämt schien. das passte sehr gut zu seiner Rolle. Auch seine Betonungen waren gut, die Ironie des Textes war deutlich, jedoch nicht lächerlich. Anders als seine Vorgänger setzte er auch mehr Mimik und Gestik ein.
Doch auch das ging vorbei. Und obwohl Ginny noch so fasziniert gewesen war, konnte sie jetzt nicht umhin, an ihre eigene Rolle zu denken, und an das Casting für Lena, was jetzt folgen sollte…
Außer Ginny hatten sich noch 2 weitere Mädchen für die Lena beworben. Es waren die 2 Ravenclaws, die auch die Rosetta spielen wollten.
Wieder blieb eine der beiden in der Großen Halle. Ginny und die andere gingen hinaus.
Mit einem mulmigen Gefühl im Magen standen sie vor der Tür. Plötzlich sprach das andere Mädchen sie an:
„Ach, ich bin so aufgeregt! Ich würde wirklich gerne die Lena spielen… aber es ist so viel!"
„Mary,", bemerkte Ginny nach einigem Überlegen, da sie den Namen nicht gleich wusste. Sie verwechselte Mary und ihre Freundin Claire, die gerade vorspielte, dauernd, „es wird schon gut gehen. Du darfst dich nur nicht aufregen…"
Mary schluckte. „Du hast wohl Recht…"
Kurz darauf wurde Mary in die Halle gerufen, um vorzuspielen. Jetzt wartete die Gryffindor alleine.
Aber auch das ging vorbei. Nach einigen Minuten wurde auch sie herein gerufen.
Jetzt wurde es also noch einmal ernst. Den Text konnte sie, daran hatte sie inzwischen keine Zweifel mehr. Aber ob es ihr auch gelingen würde, Lena richtig zu spielen? Konnte man das überhaupt? Gab es „richtig" und „falsch", oder gab es nicht eigentlich nur eine Vielzahl an verschiedenen Interpretationen?
Ach Schluss jetzt! Sie musste sich auf die Rolle konzentrieren…
Mit leicht zitternden Beinen ging sie auf die Bühne. Du gute Güte, sie wurde sich immer mehr bewusst, dass die anderen auf jede ihrer Bewegungen achteten. Würde das gut gehen?
Der Diversiocorpus war bereits auf der Bühne. Das erste Wort, der erste Einsatz musste jedoch von ihr kommen. Sie atmete noch einmal tief durch. Dann begann sie mit ihrem Text.
Nein, es war nicht nur so, dass sie mit dem Text begann. Sie füllte die Rolle mit Leben. Es war die Stelle, an der Lena verzweifelt war und nicht wusste, was sie machen sollte wegen der aufgezwungenen Heirat. Diese Verzweiflung, die Ginny, wie wohl jedes Mädchen, so gut nachvollziehen konnte, brach auch aus ihr heraus. Sie spielte die kurze Szene mit soviel Gefühl wie nie zuvor – und Merlin weiß, wie oft sie es geübt hatte! Aber hier, auf der Bühne, vor den anderen war es anders. Abgehobener vom normalen Leben. Vielleicht fiel es ihr deshalb so leicht.
Nach dieser Szene herrschte kurze Ruhe. Dann brach Applaus los. Erstaunt sah Ginny in das Publikum. Verwirrt ging sie dann von der Bühne. Sie sah jemanden auf sich zukommen, fast rennen. Und dann stand auch schon Justin vor ihr.
„Ginny, du warst toll!"
Sanft nahm er sie in den Arm.
‚Was mache ich jetzt nur?', dachte Ginny sich hilflos. Doch bevor sie auch nur irgendwie reagieren konnte, hatte der Hufflepuff sie auch schon wieder losgelassen und stand immer noch lächelnd vor ihr.
Jetzt km auch Hannah:
„Es war wirklich bewundernswert! Die anderen beiden waren nicht so gut. Eine hatte doch wirklich vor Aufregung ihren Text vergessen…"
„Gut, dass mir das nicht passiert ist!". Bei dem Gedanken daran bekam die Gryffindor noch einen kleinen Schreck.
„Na ja, jetzt ist es erst einmal vorbei! Hey, das war das letzte Casting, wir haben es hinter uns gebracht!". Justin strahlte die beiden Mädchen an.
„Puh, ich bin so froh…", meinte Ginny.
„Hoffentlich bekommen wir die Rollen, die wir und gewünscht haben!"
In diesem Moment wurde das erleichterte Gespräch der 3 von Tonks unterbrochen.
„Kommt ihr? Ich muss die Große Halle wieder zu schließen. Für heute war es genug Theater, oder?". Sie lachte, wobei ihre bonbonrosafarbenen Haare hüpften.
Zusammen mit den beiden Hufflepuffs ging Ginny aus der Halle. Sie waren die Letzten gewesen. Aber auch in der Eingangshalle war noch einiges los. Fast alle Mitglieder der Theatergruppe standen da und tauschten sich aus. Nur die Slytherins waren anscheinend schon gegangen.
Fast wunderte sich Ginny, warum sie das etwas enttäuschte. Es waren doch nur die Slytherins, nicht? Mit denen konnte man sich eh nicht unterhalten… verflixt, wieso tauchte wieder das Bild eines gewissen Dunkelgelockten vor ihr auf?
In diesem Moment wurde sie auf ihren Gedanken heraus gerissen.
„Ginny?"
„Äh, ja?", antwortete sie Justin.
„Hannah, die anderen Hufflepuffs und auch einige Ravenclaws und ich wollen noch etwas feiern, dass wir das Casting hinter uns haben. Willst du… ähm…"
„Was?"
„Willst du… vielleicht mitkommen?". Den letzten Teil sprach er so schnell, dass er sich fast verschluckte. Eine leichte Röte überzog daraufhin sein Gesicht.
„Äh, oh… warum nicht?"
Justin lächelte sie an. Oder sollte man es eher strahlen nennen?
„Wir wollen im Raum der Wünsche feiern."
Währenddessen hatte sich bereits eine kleine Gruppe auf den Weg gemacht. Zusammen mit ihr und Justin waren es 10 Schüler.
Auf dem Weg in den Raum der Wünsche hörte Ginny eine der kleineren Hufflepuffs seufzen: „Ich wünschte, es hätten doch alle draußen warten müssen! Ich musste schon wieder auf der Bühne kichern…"
Ginny verkniff sich ein Grinsen. Sie sah, dass es Justin, der neben ihr war, ebenso ging.
Der Raum der Wünsch war mal wieder perfekt: es standen einige gemütliche, knautschig-flauschige Sofas in allen Farben in einem Kreis, sodass man sich in eine Runde setzen und unterhalten konnte. An die Wand gelehnt standen weitere Sofas. Sogar kleine Tische mit Knabbereien und Getränken standen bereit!
„Wie der Raum dass nur alles immer hin bekommt!", staunte Hannah.
Den Anderen ging es ebenso. Schnell hatten alle einen Platz gefunden. Ginny saß zwischen Justin und einem Ravenclaw. Dieser hatte einen der kleinen Tische mit den Knabbereien heran gezogen und machte sich nun darüber her. Auch Ginny nahm sich eine Hand voll „Feuerscharfer Chilli-Drachen".
„Wie kannst du das nur essen?", fragte Justin interessiert.
„Was?"
„Na, dieses scharfe Zeug!"
„Keine Ahnung, ich bin halt damit aufgewachsen.". Ginny zuckte mit den Schultern.
„Fred und George haben mir das früher immer gegeben um mich zu ärgern, weißt du? Aber irgendwann gewöhnt man sich daran."
„Deine Brüder sind wirklich verrückt!"
„Nein, nicht alle. Einige sind echt ok."
„Wie, hast du noch mehr außer Fred, George und Ron?"
„Ja. Bill und Charlie sind viel älter, aber sie sind wirklich
nett. Percy müsstest du noch kennen!"
"Percy… Percy?
Der, der in Gryffindor war und vor einigen Jahren Schülersprecher?"
„Jepp."
„Das wusste ich gar nicht, dass das dein Bruder ist. Er ist so… anders als deine anderen Brüder."
Ginny lachte. „Tja, es muss überall ein weißes Schaf geben!"
Jetzt lachte auch Justin. Dann sah er ihr auf einmal mit einem befremdlichen Blick in die Augen: „Vielleicht ist Percy nicht das einzige ‚weiße Schaf' der Familie..."
Ups. Was sollte sie jetzt sagen? Sie versuchte die Situation einfach zu entschärfen:
„Stimmt, Ron ist ja auch Vertrauensschüler!"
Justin sah kurz etwas enttäuscht aus, oder bildete sie sich das nur ein? Sofort hatte er wieder ein Lächeln aufgesetzt.
Sie plauderten noch eine Weile, bis ginny schließlich erschrocken auf die Uhr sah:
„Oje, ich sollte los! Es ist wirklich schon spät, sonst macht sich noch jemand Sorgen, wo ich bin."
Tatsächlich waren die meisten inzwischen schon gegangen. Außer Ginny und Justin waren nur noch 3 andere Schüler da.
„Ja, ich sollte auch gehen.", erklärte Justin und ging mit ihr zur Tür.
Sie gingen schweigend nebeneinander her, bis sie zu einem Gang kamen, an dem sie sich trennen mussten, da Ginny in den Gryffindorturm abbiegen musste.
Verlegen meinte sie: „Es war ein netter Abend."
„Fand ich auch…"
„Na ja… äh… schlaf gut!"
„Ähm… gute Nacht. Schöne Träume wünsche ich dir…". Er nahm sie kurz in den Arm. Aber wieder war er so schnell weg, dass Ginny meinte, sich das auch eingebildet haben zu können.
Dann gingen beide in ihre Gemeinschaftsräume.
Wie nun jeden Samstag schlief Ginny auch an diesem lang. Sie wusste gar nicht, wo sie sonst ihr Schlafpensum aufholen sollte. Zum Glück war es tief und einigermaßen traumlos, nur einige verworrene Sachen.
Den Samstag beschloss sie, wieder in der Bibliothek zu verbringen. Hauptsächlich, um Colins neugierigen Fragen aus dem Weg zu gehen. Ginny hatte wirklich keine Lust, über… was auch immer zu reden.
In der Bibliothek suchte sie sich einen Platz möglichst weit hinten, damit sie niemand störte. Es war wieder ein teuflisch komplizierter Aufsatz in Verwandlungen zu schreiben.
Bald bemerkte sie, dass sie so, allein mit ihren Büchern nicht zu Recht kam. Aber wozu war sie schließlich in der Bibliothek?
Suchend ging sie durch die Reihen. Puh, hier mussten alle Bücher über Verwandlungen stehen, die je geschrieben worden waren…
Schließlich bog sie in den letzten Gang ein. Suchend ging sie dort entlang. Plötzlich..
„Hey!"
„Was?"
„Oh, du schon wieder…"
„Blaise. Ich freue mich auch, dich zu sehen!", antwortete Ginny ironisch.
„Es scheint unser Schicksal zu sein, uns gegenseitig umzurennen."
„Es gibt so etwas wie Schicksal nicht."
„Wirklich nicht?". Seine Augen hatten plötzlich einen leicht abwesenden Ausdruck angenommen, wie Ginny erschrocken bemerkte.
„Äh… du hast gestern wirklich gut gespielt! Der Leonce hat mir gefallen.", versuchte sie hastig das Thema zu wechseln.
Es klappte. Er sah sie schon wieder selbstgefällig an.
„Hm, ich denke auch, du könntest die Lena bekommen."
„Oh…". Ginny errötete.
„Die anderen beiden waren wirklich schauderhaft schlecht!"
Pffh, also doch kein Kompliment? Oder doch? Häh?
In diesem Moment ging der Slytherin auch schon mit einem Buch in der Hand in die entgegengesetzte Richtung davon. Er war schneller verschwunden, als sie realisieren konnte.
„Äh, Blaise?"
Nee, der war schon weg. Diese Slytherins! Gab es für die irgendwo eine Gebrauchsanleitung?
Grimmig beschloss Ginny, irgendwann, wenn sie mal Zeit hatte, hier in der Bibliothek danach zu suchen. Wenn nicht hier, wo sonst?
Anmerkungen: Und hier ist der 2. Teil des Castings! Tätäh! Na, wie hat euch das Kapitel gefallen?
Zusatz-Disclaimer: Das Stück „Leonce und Lena", die Handlung, der Inhalt, Personen, Handlungsorte, Ideen, Worte, usw usf gehört Georg Büchner.
Puh, es wird immer mehr Justin! Argh, das nervt mich fast selbst! (Moony, ich kann deinen Wunsch verstehen, ihn einfach Hannah unterzujubeln ;-)) Aber Blaise ist so schwer fassbar… bin froh, dass ich ihn zum Ende diese Kapitels hin mal gepackt habe, der haut sonst immer ab! Ach ja, die eine Bemerkung führt jetzt schon auf etwas in der Zukunft hin, ach nee, eher in der Vergangenheit… hehe, hab ichs geschafft, euch zu verwirren?
Nein, es wird auch wieder Kapitel mit mehr Blaise geben. Natürlich!
So, und jetzt was anderes, meine liebsten Reviewer (und die, die es werden wollen! ;-)): wie ihr seht, haben einige der Figuren noch keine Namen. Und hier kommt ihr ins Spiel! Ihr könnt euch nen Namen wünschen, für eine der Nebenfiguren die bisher noch keinen hat! Die besten werde ich dann auch nehmen! Am meisten liegt mir übrigens die süße kleine Drittklässlerin aus Hufflepuff am Herzen, die immer kichert, ich finde sie soooo niedlich! Also, immer her mit den Vorschlägen! Eure Meinungen und Wünsche sind mir schließlich wichtig! ;-)
