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Kapitel 12 – Auswertungen und Vorbereitungen
Ginny ging in den Gryffindor-Turm zurück. Sie war sich nicht sicher, wie sie das Treffen einschätzen sollte. Es war alles so verwirrend! Er hatte das Buch, was sie beide brauchten und hatte ihr das Angebot gemacht, zusammen daran zu arbeiten. Das tat er wahrscheinlich nur, da er wollte, dass das Stück gut wird, das hatte er ja selbst gesagt!
Eigentlich sollte sie froh sein, die Möglichkeit zu haben, das Buch zu lesen und Hintergrundinformationen zu erfahren. Warum fühlte sie sich dann so enttäuscht wegen dem Treffen?
Im Turm angekommen, sagte sie der Fetten Dame das momentane Passwort, „Puffbohne", und kletterte in den Gemeinschaftsraum. Dort war Colin, der aufsah, als sie hereinkam und sofort zielstrebig auf sie zuging.
„Na? Wie war's?"
Dieses Grinsen in seinem Gesicht konnte nichts Gutes bedeuten.
„Er hat mir angeboten, zusammen die Hintergründe von ‚Leonce und Lena' zu erarbeiten."
„Zusammen?"
„Wieso höre ich bei dir schon wieder diesen Unterton? Es ist ganz einfach: das Buch, was wir brauchen, gibt es in der Bibliothek nicht. Also, doch, aber es ist verzaubert und man kann es nicht lesen. Aber er hat eine Ausgabe davon zu Hause.", erklärte Ginny.
„Wieso leiht er es dir dann nicht einfach?"
„Es ist auf Französisch!"
„Ach so, die Familie Zabini sind keine Großbritannier…"
„Blitzmerker!"
Colin schielte zu seiner, nun schon leicht genervten, Freundin.
„Und wie war es sonst?"
„Warum bist du eigentlich nicht bei deiner Freundin?", versuchte Ginny das Gespräch umzulenken.
„Damit du mir antworten kannst!", antwortete der Gryffindor prompt.
„Wir haben uns fast nur gestritten. Zufrieden?"
„Du musst ja nicht gleich patzig werden."
„Ach, lass mich doch einfach in Ruhe!". Mit diesen Worten stürmte Ginny in ihren Schlafsaal.
Dort warf sie sich erst einmal auf ihr Bett. Warum hatte sie Colin jetzt so angeschnauzt? Er hatte sich doch bloß nach dem Treffen erkundigt…
Das Treffen. Warum hatte sie nur so schlechte Laune? War es deswegen?
Warum musste nur alles immer so kompliziert sein?
Grummelnd drehte sie sich auf die andere Seite. Dann boxte sie sich ihr Kissen zurecht, knuddelte es sich unter den Kopf und lag nachdenkend da.
Konnte es sein, dass Blaise ihr doch nicht so egal war, wie sie gedacht hatte?
Nein, was für ein absurder Gedanke! Er war ein Slytherin, ein ziemlich arroganter obendrein.
Trotzdem mussten sie zusammen arbeiten.
Sie seufzte. Nein, es war besser, wenn sie darüber jetzt nicht weiter nachdachte.
Da sie sich einigermaßen beruhigt hatte, stand sie auf. Der erste Weg führte sie wieder ins Badezimmer. Sie klatschte sich schnell etwas kaltes Wasser in ihr Gesicht.
Noch etwas prustend trocknete sie sich ab und beschloss: kein überflüssiger Gedanke mehr an Blaise!
Nachdem sie sich so wieder beruhigt hatte, ging sie zurück in den Gemeinschaftsraum. Zögerlich setzte sie sich zu Colin, der gerade eine Party Schach mit Ron spielte – und anscheinend gleich verlieren würde.
„Äh, hi.", sagte sie, etwas schüchtern, da sie nicht wusste, wie er reagieren würde.
Zum Glück waren ihre Sorgen nicht berechtigt.
„Hi Ginny. Setzt du dich zu uns und hilfst mir? Ich erlebe sonst gleich die größte Niederlage des Jahrzehnts!". Er lächelte sie an.
Erleichtert grinste Ginny zurück. Das war Colins Art zu sagen, dass er ihr verziehen hatte. Sie waren nun schon so lange Freunde, dass sie nicht mehr alles in Worten formulieren mussten und den anderen auch so verstanden. Sicher hatte Colin bemerkt, dass das Mädchen etwas durcheinander gewesen war.
Gähnend stand Ginny am nächsten Morgen auf. Sie hatten am Samstag noch bis tief in die Nacht hinein im Gemeinschaftsraum gesessen und „Snap explodes" gespielt. Zum Glück hatte Harry einen Zauber gekannt, der dafür sorgte, dass die Geräusche den Gemeinschaftsraum nicht verließen.
Seufzend setzte sie sich später an ihre Hausaufgaben. Am gestrigen Tag hatte sie ja leider keine geschafft, das würde sie jetzt alles nachholen müssen.
So verbrachte sie den ganzen Sonntag mit zunehmend deprimierter Laune über Stapeln von Pergamentrollen.
Kurz vor dem Abendessen setzte sie schließlich den letzten Strich an ihrem Aufsatz über „Das Liebesleben Beißwütiger Barberienen" für Kräuterkunde.
Schwungvoll ließ sie dann die Pergamentrolle zurollen.
Die ganze weitere Woche hielt dieser Stress an. Am Mittwoch fragte sie sich, wie die Lehrer es bloß schafften, diese ganzen Hausaufgaben zu korrigieren und ob sie nicht langsam genug hätten. In der nächsten Stunde erfuhr sie: nein, sie hatten nicht genug.
Nur den Siebtklässlern ging es noch schlechter als ihr selbst. Die Vorbereitungen auf die UTZ-Prüfungen mussten grauenvoll sein. Und das schon jetzt!
Da sie so viel zu tun hatte, verging die Zeit bis zum Freitag und somit bis zur nächsten Theaterstunde sehr schnell.
Nach dem Abendessen setzte sie sich hin, um schon mit einem Aufsatz für Verwandlungen anzufangen.
Als sie wieder auf die Uhr schaute, erschrak sie: 2 Minuten vor 8!
Blitzschnell stand sie auf und rannte hinunter in die Große Halle. Diese war schon aufgeschlossen. Schnell stürmte sie hinein.
Die Schüler sammelten sich gerade um Tonks. Unauffällig versuchte auch die Gryffindor, sich dazu zu stellen.
„Ich wusste es doch: Pünktlichkeit ist nicht gerade die herausragendste Eigenschaft der Gryffindors!", flüsterte da neben ihr eine hämische Stimme.
Wütend zischte Ginny Blaise an: „Ich bin das erste Mal etwas spät!"
„Siehst du, ich war es noch nie."
„Ach, halt die Klappe!", war die einzige Bemerkung, die Ginny dazu noch einfiel. Sie wollte auch nicht weiter streiten, sondern lieber hören, was Tonks zu sagen hatte.
Nachdem diese sie alle begrüßt hatte, begann sie:
„Ihr habt vor einer Woche eure Rollen bekommen. Gibt es jetzt jemanden, der absolut unzufrieden damit ist?"
Neugierig sah sich die Frau mit den bonbonrosa-farbenen Haaren um.
Da meldeten sich die 2 Mädchen aus Ravenclaw, die die Polizeidiener spielen sollten: Maria und Claire.
„Wir sind nicht zufrieden!", erklärten sie, fast unisono.
„Habt ihr wirklich lange darüber nachgedacht? Ihr wisst, es ist schwierig, die Rollen jetzt noch umzubesetzen.", erwiderte Tonks besorgt.
„Ich bin mir sicher!", erklärte Mary.
„Ich auch!", setzte Claire hinzu.
Tonks seufzte. Ginny verstand das. Na, das konnte ja heiter werden.
Sie hatte ein etwas mulmiges Gefühl im Magen. Die beiden hatten doch auch Lena werden wollen. Und was, wenn sie das jetzt immer noch wollten? Wenn Tonks einer von beiden nachgeben würde?
Dann hätte sie nicht mehr die Lena zu spielen. Sie hatte sich inzwischen schon so an den Gedanken gewöhnt, dass es ihr fast grotesk vorkam, sollte sie jetzt doch eine kleine Rolle spielen. Und außerdem… würde dann Blaise nicht mehr mit ihr zusammen arbeiten sondern mit einer der Ravenclaws… ‚HALT, STOPP Ginny!'. In Gedanken zählte sie leise bis Zehn. ‚Trallala, schon keine Gedanken mehr, ich denke überhaupt nicht mehr an Blaise! … Mist.'
„Und was habt ihr euch so gedacht?", fuhr Tonks in diesem Moment zu den 2 Ravenclaws gewandt fort. Gespannt wartete Ginny auf die Antwort.
„Ich will nicht den zweiten Polizeidiener spielen.", sagte Mary.
„Und ich nicht den ersten.", fügte Claire hinzu.
„Es soll andersherum sein!", sagten dann beide.
Erst sah Tonks die beiden fassungslos an. Dann brach sie in Lachen aus. Auch die rothaarige Gryffindor war erleichtert.
„Na, wenn ihr meint…", meinte Tonks.
Mit einem Schwenk ihres Zauberstabs beschwor sie wieder die Tafel hinauf, auf der immer noch die Rollenverteilung stand.
Mit einem weiteren Schwenk tauschten die Namen von Mary und Claire den Platz.
Zum Glück hatte niemand sonst einen Wunsch.
„Nachdem das nun geklärt ist, stehen alle Rollen verbindlich fest. Ich möchte noch einmal sagen, dass ich mich auf die Zusammenarbeit mit euch freue!"
Die Schüler nickten ihrer Leiterin zustimmend zu. Diese bedankte sich lächelnd und fuhr fort:
„Jetzt wird also die Arbeit am Stück beginnen. Ich möchte, dass sich jeder individuell mit seiner Rolle befasst. Falls jemand eine Frage hat oder etwas nicht versteht, geht entweder zu einem der älteren Schüler oder fragt mich. Einzelne Fragen zur Interpretation werden während der Proben geklärt werden."
„Und wann sind die?", fragte jemand. Ginny erkannte, dass es Finn gewesen sein musste.
„Stimmt, das sollte ich euch vielleicht auch sagen. Also:
Ich habe einen Probenplan erstellt. Wartet…"
Sie kramte in ihren Taschen. Dann zog sie ein kleines Kästchen heraus. Sie ließ es mit „Engorgio!" wachsen und öffnete es.
Darin lagen einige Blätter Pergament.
„So, das sind die Probenpläne. Hier, nehmt sie euch, jeder bekommt einen, es steht euer Name darauf."
Kurz entstand um das Kästchen herum einiges Gedränge.
Als letztes nahm Blaise sich seinen Probenplan. Er hatte sich aus dem Gewühle heraus gehalten.
Ginny sah auf ihren. Er war leuchtend bunt: sie sah rote, gelbe, grüne und schwarze Schrift in verschiedenen Schattierungen, dazu immer wieder einzelne Worte in anderen Farben. In grellem Blau prangte oben drüber die Aufschrift: „Ginny Weasley: Lena"
Tonks erklärte weiter:
„So, hat jetzt jeder seinen Probenplan? Gut. Wie ihr feststellt, ist er in verschiedenen Farben gehalten."
‚Verschiedene Farben ist gut', dachte Ginny sich. ‚Dagegen ist ja ein Regenbogen langweilig.' Aber, wer hätte bei Tonks mit ihrer Vorliebe für bonbonrosa und andere krasse Farben etwas anderes erwartet? Zum Glück hatte sie wenigstens diese, ihre Lieblingsfarbe aus dem Spiel gelassen…
„Ich habe das so gemacht, damit es übersichtlicher für euch ist!".
Sie war wirklich stolz auf ihre Idee.
„Das System ist einfach: Rot steht immer für die erste Probe einer Szene, gelb für die Zweite, Grün für die Dritte und damit Letzte Einzelprobe der Szene. Danach wird sie nur noch im Zusammenhang mit den anderen geprobt. Aber das wird erst später der Fall sein.
An den einzelnen Schattierungen, in denen das Rot, Gelb und Grün gehalten ist, erkennt ihr, wie stark ihr in dieser Szene vorkommt; je dunkler, desto weniger habt ihr zu tun. Wenn ihr gar nicht dran seid, ist die Schrift einfach schwarz. Verstanden?
Hinter jeder Szene stehen außerdem alle Personen, die darin vorkommen. Jeder hat eine eigene Farbe, in der der Name immer geschrieben ist."
Aha, jetzt wo Tonks es sagte, war das Ganze wirklich verständlich und es schien System hinter diesem bunten Wirrwarr zu stecken. Daher hatte also auch jeder seinen persönlichen Probenplan bekommen. Und wie Ginny vermutet hatte: ‚ihre Farbe' war das grelle Blau, mit dem auch ihre Name oben auf dem Pergament stand.
„Wie ihr sicher gesehen habt, ist unten noch etwas Platz.", erzählte Tonks weiter.
Und wirklich war unter dem Probenplan auf dem Pergament noch ein Rand von etwa 15 cm Länge.
„Hiermit kann man sich kurzfristig zum Beispiel über Probenplanänderungen verständigen. Ihr müsst einfach nur mit der Feder etwas auf das Pergament schreiben, und schon erscheint es für den Zeitraum von 3 Tagen auf allen Pergamenten, geschrieben in eurer Farbe!"
Tonks strahlte die Schüler an. Sie war offensichtlich total begeistert von dieser Idee.
„So kann auch ich euch schnell Nachrichten zukommen lassen. Mein Farbe ist übrigens Rosa!"
Aha. Da war es also doch.
„Hat noch jemand Fragen?", erkundigte sich Tonks jetzt.
Einige Schüler sahen immer noch verwirrt aus, aber das System schienen alle verstanden zu haben. An sich war es ja nicht weiter schwer. Es war ähnlich wie mit den Münzen, die sie beim DA gehabt hatten, dachte sich Ginny. Bloß, dass man noch detaillierte Nachrichten auf diese Weise weiterreichen konnte.
Nachdem das also nun geklärt war, wiederholte Tonks noch einmal:
„Wie gesagt, bitte befasst euch mit eurer Rolle. Wenn ihr Probe habt, möchte ich, dass ihr euren Text auswendig könnt, damit ihr nicht ablesen müsst. Es ist so auch leichter für euch, den Text schrittweise zu lernen, anstatt alles auf einmal.
Wenn ihr nicht kommen könnt, müsst ihr mir das so schnell wie möglich sagen, damit wir es verschieben können. Ansonsten: seid zu jeder Probe, wenn ihr dran seid, da. Wenn ihr nicht dran seid, könnt ihr auch kommen. Es kann nützlich sein, das zu sehen!"
Sie sah auf ihre Uhr:
„Es ist spät jetzt! Macht, dass ihr in eure Betten kommt!"
Mit diesen Worten gingen die Schüler aus der Halle. Die meisten betrachteten immer noch ihren Probenplan. Justin nickte ihr kurz lächelnd zu, bevor er mit den anderen Hufflepuffs weg ging. Ginny errötete etwas. Schnell konzentrierte sich die Gryffindor wieder auf ihren Probenplan.
Sie hatte inzwischen entdeckt, dass sie einiges würde machen müssen. Hoffentlich lief alles gut!
Plötzlich wurde sie von hinten an der Schulter gepackt.
„Was bei Merlin…?", abrupt drehte sie sich um. Ihr Herz schlug bis zum Hals.
„Guten Abend.". Ein schwarzhaariger Slytherin stand spöttisch grinsend hinter ihr.
„Blaise, spinnst du? Erst erschreckst du mich zu Tode und dann sagst du einfach ‚Guten Abend'? Ganz abgesehen davon, dass wir uns heute schon gesehen haben, du erinnerst dich? Vor wenigen Minuten!"
„Du hattest ja nicht gehört, als ich dich vorher angesprochen habe. Außerdem habe ich gelernt, dass eine ordentliche Begrüßung wichtig ist.". Er hatte jetzt wieder seine undurchschaubare Maske aufgesetzt und auch seine Stimme hatte diesen spöttisch-hochnäsigen Unterton.
Aber das schüchterte Ginny schon lange nicht mehr ein:
„Toll, das war die Begrüßung. Und was kommt jetzt?"
„Ich wollte dich daran erinnern, dass du morgen pünktlich erscheinst."
Ginny verdrehte die Augen.
„Ich will schließlich nicht meine kostbare Zeit vergeuden.", fügte der Slytherin hinzu.
„Oh, keine Angst, ich werde deine ‚kostbare Zeit' schon nicht ‚vergeuden'."
„Das will ich hoffen."
Mit diesen Worten drehte er sich um und ging davon. Fassungslos sah die Gryffindor ihm hinterher. Was sollte das jetzt schon wieder?
Da drehte er sich plötzlich um: „Gute Nacht.". Dann ging er weiter.
„Hä?", rief Ginny ihm hinterher.
„Auch ein ordentlicher Abschiedsgruß ist höflich. Und es heißt ‚Wie bitte'."
Mit diesen Worten verschwand er im nächsten Gang, während das rothaarige Mädchen total perplex dastand. Versteh mal einer die Slytherins…
Anmerkungen: Jupp, das zwölfte Kapitel ist da! Damit ist ein Dutzend voll! Hat es euch gefallen?
Zusatz-Disclaimer: Das Stück „Leonce und Lena", die Handlung, der Inhalt, Personen, Handlungsorte, Ideen, Worte, usw usf gehört Georg Büchner.
Also, wie immer, ich freue mich wahnsinnig doll über Reviews aller Art. Wie fandet ihr Blaise diesmal? Hach, er ist so herrlich arrogant (hoffentlich kann ich ihn auch halbwegs so rüberbringen, wie ich möchte seufz). Na gut, das Kapitel war mal wieder viel Erklärung. Ich hoffe, ihr mochtet es trotzdem.
Möchte mich ganz herzlich bei den Reviewern zum letzten Kapitel bedanken: Elanor Ainu, MoonyTatze, Alfiri, neara1 und crazylolly14. Danke! Hab euch lieb! knuddel
Und an alle Schwarzleser (ich weiß, dass es euch gibt, muhaha!): schreibt doch auch einfach mal nen Review! Büdde! Nen Klitzekleines? hundeblick aufsetz
Ansonsten: FRÖHLICHE WEIHNACHTEN!
