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Kapitel 15 – Eine Entdeckung
Wieder wachte Ginny am Samstagmorgen spät auf. Auch das war, ebenso wie die Probe am Freitagabend, Tradition geworden. Sie fühlte sich komisch. Irgendwie hatte sie einen seltsamen Traum gehabt... was es gewesen war, wusste sie nicht mehr, aber dumpf schien etwas mit Bäuchen dabei gewesen zu sein.
Trotz des langen Schlafes müde, stand sie auf und zog sich an. Da sie großen Hunger hatte, wollte sie sofort in die Große Halle um zu frühstücken. Ein Blick auf die Uhr sagte ihr, dass sie es noch schaffen konnte – wenn sie sich beeilte.
Schnell versuchte sie noch, sich ihre Haare in einen Zopf zu binden. Dabei fiel ihr auf, dass diese recht knotig waren und mal wieder gewaschen werden müssten. Sollte sie das jetzt gleich machen?
Nach dem Frühstück wäre immer noch genug Zeit.
Und sie sollte besser bald in die Große Halle gehen, wenn sie den Tag nicht mit dem Mittagessen starten wollte.
Also: nach dem Frühstück.
Aber was wenn…
Ginny schüttelte den Kopf. Hatte sie jetzt wirklich gedacht, ‚Aber was wenn Blaise mich so sieht?'?
Nein, so was würde sie nicht denken. Niemals. Wie kam sie da überhaupt drauf. Nur weil er sie schon in der letzten Woche am Samstagmorgen gesehen hatte, ungeduscht, hieß das nicht, dass sie das stören würde, wenn es wieder passieren würde.
Überhaupt nicht.
Ganz und gar nicht.
Wieso auch.
Nein, das würde sie nicht stören.
Nö. Nada. Niente. Rien.
…‚Ich geh duschen.'
Es war schließlich egal, ob sie es jetzt oder später machte, nicht wahr? Sooo hungrig war sie dann auch nicht. Und eine Dusche am frühen Morgen kann sehr erfrischend…
knurr ‚Ach, halt die Klappe, Magen!'
Nach einer dreiviertel Stunde, nach der sie den ganzen Dreck des letzten Tages und noch mindestens den der nächsten 2 Wochen von sich abgeschrubbt und auch ihre Haare frisch gewaschen hatte, ging sie in ihren Schlafsaal. Dort zog sie sich an und bändigte ihre Haare mit einem Haarband.
So.
Und jetzt?
Frühstück war vorbei, Mittagessen gab es noch nicht. Aber sie hatte Hunger, wie ihr Magen allzu häufig verdeutlichte, indem er knurrte.
Waren nicht einige Schokofrösche im letzten Paket gewesen, das sie von zu Hause geschickt bekommen hatte? Hoffentlich waren noch welche da!
Schnell kramte sie in ihrer Tasche, aber dort war leider nichts.
Vielleicht hatte Ron noch etwas? Es war zwar unwahrscheinlich, aber vielleicht… der Magen hing ihr inzwischen bis zu den Kniekehlen und so ging sie auf der Suche nach ihrem Bruder in den Gemeinschaftsraum.
Suchend ließ sie ihren Blick durch den Raum schweifen. In der Ecke auf einem weg gedrehten Sofa sah sie von hinten einen roten Schopf. Das musste er sein!
Schnell ging sie hin und um das Sofa herum.
„Ron, ich wollte dich fragen ob…"
Ihre Stimme erstarb mitten im Satz. Mit offenem Mund starrte sie ihren großen Bruder an.
Der saß nicht allein auf dem Sofa.
Die andere Person war kleiner als er und so hatte Ginny sie von der anderen Seite des Raumes nicht sehen können.
Nicht nur, dass die beiden nebeneinander saßen. Ron hatte den Arm um dieses Mädchen gelegt und sie, bis Ginny sie unterbrochen hatte, geküsst.
Die andere Person war Sarah, die Ravenclaw, die im selben Jahrgang wie Ginny selbst war.
„Äh, ich….", stotterte sie jetzt. Ron sah sie fragend an. Es war offensichtlich, dass sie gestört hatte und er lieber an der Stelle weiter machen wollte, an der sie unterbrochen wurden.
„…Ich geh dann mal!", und mit schnellen Schritten brachte sie sich aus der ‚Gefahrenzone'.
So verbrachte sie die letzte halbe Stunde bis zum Mittagessen an ihren Hausaufgaben.
Und mit dem Grübeln über ihren Bruder – und dessen neue Freundin. Sie hatte sich so gesetzt, dass sie die beiden nicht ansah. Es war ein seltsames Gefühl, dass Ron jetzt mit Sarah zusammen war. Also, sie gönnte ihrem Bruder ja das Glück. Aber sie hätte sich gewünscht… ja, was eigentlich? Eine Freundlichere? Na ja, sie kannte Sarah nicht so genau. Sie könnte ja netter sein, wenn man sie erst näher kannte. Ron würde schon nicht das Falsche machen.
Ginny versuchte, sich wieder auf ihre Hausaufgaben zu konzentrieren. Nach einer Weile merkte sie, dass sie etwas nicht verstand. Vielleicht konnte es ihr Hermine erklären?
Suchend sah sie sich um. Im Gemeinschaftsraum war ihre größere Freundin jedenfalls nicht. Sie ging zu dem Schlafsaal, den die Siebtklässlerin hatte.
Zu ihrem Erstaunen war dieser zugeschlossen. Sie klopfte, aber als sich nichts tat, ging sie.
Das war seltsam.
Vielleicht war Hermine ja beim Mittagessen?
Ginny ging hinunter in die Große Halle.
Als sie später zurück in den Gryffindor-Turm ging, hatte sie ihre große Freundin immer noch nicht gefunden. Dafür war sie wenigstens satt.
Sie beschloss, noch einmal an Hermines Tür zu klopfen – wo sollte sie wohl sonst sein? Als jedoch auch nach 10 Minuten nichts passiert war, musste sie aufgeben. Wo konnte die Siebtklässlerin denn noch sein?
Natürlich! In der Bibliothek.
Schnell ging Ginny dort hin.
Sie ging vorsichtig an Madam Pince vorbei. Dann sah sie sich um. Hermine war anscheinend nicht hier, im vorderen Teil der Bibliothek. Vielleicht war sie also weiter hinten?
Ginny ging weiter. Dabei sah sie sich immer wieder suchend nach Hermine um. Jedenfalls redete sie sich ein, dass sie nur nach Hermine sah. Aber ein kleiner Gedanke an einen dunklen, leicht gelockten Slytherin ging ihr auch nicht aus dem Kopf...
Nein, sie war auf der Suche nach Hermine!
Ginny war jetzt schon fast durch die ganze Bibliothek gegangen. Ihre Freundin hatte sie nicht gefunden.
Nur bei einer Sitzgruppe hatte sie noch nicht nachgesehen.
Sie bog in den letzten Gang ein.
An einem Tisch saß jemand.
Es war nicht Hermine.
„Was machst DU denn schon hier?"
Blaise sah von dem Buch, in dem er gelesen hatte, auf. Ginny erkannte, dass es das war, in dem etwas über Leonce und Lena stand. Ein Blick auf die Uhr bestätigte es ihr: es war erst kurz nach 2. Blaise jedoch antwortete:
„Das Gleiche könnte ich dich fragen. Und lernst du eigentlich nie eine ordentliche Begrüßung?"
Ginny rollte die Augen. Der wurde allmählich nervig.
Obwohl ihr diese kleinen Plänkeleien inzwischen fast gefielen.
Nur fast. Also, es würde auch nie so werden, dass ihr irgendetwas gefiel, was Blaise sagte, das war ja wohl klar.
Sie erklärte: „Ich bin hier, weil ich Hermine suche."
Er sah sie wieder mit diesen hochgezogenen Augenbrauen an, sodass sie sich gedrängt fühlte, das näher zu erklären:
„Ich suche sie, weil… weil sie weg ist.". Das war wieder ein brillanter Satz, gratuliere.
Blaise schien das ebenso wie sie selbst zu sehen. Er grinste.
„Guter Grund, jemanden zu suchen. Machst du das immer so?"
Ach, sie könnte sich selbst die Zunge verhexen! Der Slytherin musste sie ja für komisch halten…
Um abzulenken, meinte sie:
„Also hier ist Hermine jedenfalls nicht. Ähm… und woanders auch nicht."
‚Was rede ich da? Ich habe heute morgen wohl doch zu heiß geduscht.'
Das Grinsen im Gesicht des Slytherins war inzwischen zu einem breiten Feixen geworden.
„Was für eine Erkenntnis. Dann könntest du also
eigentlich aufhören zu suchen und dich zu mir setzen."
'WAS?'
„Äh, wie bitte?"
„Wir könnten unser kleines Rendez-vous vorziehen. Schließlich habe ich auch nicht den ganzen Tag Zeit."
Er hatte seinen überheblichsten (wobei, gab es da eigentlich den Superlativ? Es ging anscheinend immer NOCH überheblicher) Gesichtsausdruck aufgesetzt.
Ginny währenddessen glaubte, sich verhört zu haben. Hatte er da gerade wirklich Rendez-vous gesagt? Ihr Herz schlug schneller bei diesem Ausdruck, der doch eigentlich dem Treffen von Verliebten vorbehalten war. Wieder einmal drohte die Röte ihr Gesicht zu überwältigen. Sie versuchte, sich nichts anmerken zu lassen und ließ sich neben ihn auf einen Stuhl plumpsen.
Blaise währenddessen sah bereits erneut in sein Buch.
Nach wenigen Minuten, in denen Ginny immer nervöser wurde und nicht wusste, was sie machen sollte, fing Blaise an zu sprechen.
„Wie das Stück entstanden ist, wissen wir ja nun. Es bleibt noch die Frage zu klären, warum es zu entstanden ist. Und damit sind wir schon fast bei der Interpretation angekommen."
Verwirrt versuchte Ginny zu folgen. Warum das Stück entstanden war? Na, weil Georg Büchner es geschrieben hatte, oder nicht? Wegen dem Wettbewerb?
Blaise bemerkte ihren verwirrten Gesichtsausdruck.
„Was ist?", fragte er.
„Ich verstehe nicht, was du meinst. Das Stück ist entstanden, weil der Autor bei diesem Preisausschreiben mitmachen wollte."
„Das ist doch nicht der einzige Grund!"
„Wieso sollte es noch weitere geben?". Slytherins dachten aber auch kompliziert.
„Also, hör zu. Er wollte mit diesem Stück auch Missstände anprangern."
„Wieso? Welche?"
„Ich dachte, du hast es wenigstens gelesen?", fragte er, inzwischen schon deutlich genervt. Das ließ Ginny nur noch wütender werden.
„Ja, natürlich habe ich es gelesen!"
„Das kommt mir aber nicht so vor. Sonst wüsstest du, was gemeint ist.". Hochnäsig sah er sie an
„Dann glaubs halt nicht.". Erbost stand sie auf und wollte gehen.
„Das Gryffindors immer gleich aus der Haut fahren müssen. Hey, bleib hier."
Plötzlich packte sie etwas am Arm. Es war Blaise Hand. Erstaunt bemerkte Ginny, dass er sie zwar fest hielt, aber ihr nicht weh tat.
„Setz dich wieder, sonst werden wir nie fertig.". Er hatte fest gesprochen, mit einer Stimme, die keinen Widerspruch duldete. Kurz war Ginny versucht, trotzdem patzig zu antworten, aber dann wurde ihr bewusst, wie kindisch sie sich gerade verhielt. Also setzte sie sich wieder auf ihren Stuhl. Erst als sie saß, ließ Blaise sie wieder los. Einen Augenblick lang fühlte Ginny etwas wie Bedauern und wünschte sich, sie würde immer noch stehen.
„Mütchen wieder gekühlt? Können wir weiter machen?". Blaise hatte anscheinend schon versucht, den Spott in seiner Stimme zu unterdrücken, aber es war dennoch heraus zu hören.
Hatte sie sich eben gewünscht, noch zu stehen? Nun, jetzt wünschte sie es wieder. Um doch noch abzuhauen. Aber sie biss die Zähne zusammen und blieb. Als sie bemerkte, dass Blaise sie immer noch ansah, nickte sie und sagte:
„Fang an."
„Büchner hat mit diesem Stück Missstände beschrieben, die es damals in seinem Heimatland, Deutschland, gab."
„Wieso hat er das gemacht?", warf Ginny ein.
„Die meisten seiner Stücke haben politische Probleme aufgezeigt. Das war der Stil, in dem er geschrieben hatte, wie auch einige andere. Diese Epoche dieser Autoren wird als ‚Junges Deutschland' bezeichnet."
„Welches Problem spricht er bei Leonce und Lena an?"
„Ein damals sehr wichtiges: die Teilung des Reiches."
„Teilung? Warte, davon habe ich schon mal was gehört.". Sie versuchte, sich an das zu erinnern, was ihr Vater mal erzählt hatte. „Die hatten doch eine Mauer, irgendwie…"
Blaise zuckte mit den Schultern. Er wusste es wohl auch nicht genauer, wollte das aber nicht zugeben. „In diesem Buch steht, dass es damals 36 Kleinstaaten in Deutschland gab, die meisten sehr klein."
„Aha? Stimmt, auch die Reiche Popo und Pipi, in denen Leonce und Lena leben, sind sehr klein!"
„Ah, du hast es also doch gelesen.", bemerkte Blaise.
„Das bemerkst du aber früh."
„Danke für das Kompliment, aber ich weiß auch so, dass ich wahnsinnig klug bin.". Er schien das wirklich ernst zu meinen. Vergeblich suchte Ginny nach dem Ton, der die Ironie in seiner Stimme verraten hätte. War der arrogant! Aber er hatte genug Gründe dafür… ‚STOPP! Nicht weiter denken.' Ginny konnte es trotzdem nicht verhindern, dass ihr Blick kurz über seinen Körper glitt. Zu ihrem Pech bemerkte er das.
„Könntest du dann aufhören mich anzustarren, damit wir weiter reden könnten? Es fällt zwar sicher schwer, von meinem Körper abzulassen, aber…". Der Rest des Satzes war eine hochgezogene Augenbraue und ein spöttischer Blick.
Wieder wurde Ginny rot. Dennoch entgegnete sie schlagfertig: „Was kann ich dafür, dass du so charmant und nett bist, dass ich einfach nicht aufhöen kann, an dich zu denken?". Dabei schenkte sie ihm ein sehr übertriebenes Augenklimpern, während ihre Stimme vor Sarkasmus nur so tropfte. Das konnte selbst der Slytherin nicht mehr als Kompliment nehmen, wie seine kurzzeitig entglittenen Gesichtszüge bestätigten. Er sah eindeutig geschockt aus, hatte sich jedoch schnell wieder unter Kontrolle und sprach in normalen Tonfall weiter:
„Büchner hat also diese Kleinstaaterei angeprangert."
„Er wollte, dass alles zusammen kommt?"
„Ja."
„Weil alleine kaum etwas zu schaffen ist, aber wenn es mehrere sind… geht es besser."
„Gut."
Ginny nickte.
„Das war es dann für heute.", erklärte Blaise.
„Schon?"
„Hast du noch nicht genug von mir? Nächste Woche treffen wir uns wieder."
„Du hast wohl heute Hormonstau. Ich meinte nur, dass wir noch nicht so viel gemacht haben.". Erstaunt bemerkte sie, dass er das nächste Treffen vorgeschlagen hatte – was gut war. Ohne sie zu fragen – was typisch war. Blaise indes fuhr fort:
„Es ist aber schon spät. Wie gesagt, ich habe noch etwas anderes zu tun.". Mit diesen Worten stand er auf. „Au revoir. Bis nächsten Sonntag". So schnell, wie es nur ein Slytherin konnte, war er weg.
Ginny stand auch auf. Es war halb 4. Sie würde weiter nach Hermine suchen.
Auf dem Weg zurück in den Gryffindor-Turm dachte sie die meiste Zeit an Blaise und die Worte, die er benutzt hatte: Rendez-vous…
Im Gryffindor-Turm war immer noch nichts von Hermine zu sehen. So spielte sie mit Colin eine Runde Zaubererschach.
Sie erzählte ihm von dem Treffen, und was sie neues erfahren hatte.
„Hm…", machte Colin. „Weißt du, was ich glaube? Das klingt wie hier in Hogwarts."
„Und weißt du, was ich glaube? Du versuchst mich abzulenken. Aber das wird nichts.". Sie ließ einen ihrer Türme einen von Colins Bauern schlagen.
„Nein, wirklich. Hier ist auch alles klein und vereinzelt. Die einzelnen Häuser, weißt du?"
„Das ist ja wohl etwas anderes!"
„Weiß ich nicht… und übirgens: das mit dem Ablenken klappt doch. Schach!"
Nach einer Revanche setzten sich beide hin und erledigten einige Hausaufgaben. Ginny dachte weiter nach. Vielleicht hatte Colin doch Recht. Zusammen könnten die Häuser viel mehr erreichen, als wenn jedes allein arbeitet.
Anmerkungen:
Zusatz-Disclaimer: Das Stück „Leonce und Lena", die Handlung, der Inhalt, Personen, Handlungsorte, Ideen, Worte, usw usf gehört Georg Büchner.
Ich habe mir mit diesem Kapitel Mühe gegeben, aber es war schwer zu schreiben. Das nächste wird wieder lustiger…
Trotzdem, wie hat es euch gefallen? Hier am Ende ist eine der Parallelen, von der ich gesprochen habe! Später wird das noch wichtig
Was denkt ihr über das Nebenpairing?
Schreibt mir einfach ein Review, wie ihr das Kapitel fandet! Bitte!
(Im nächsten wird's wieder mehr zwischen Ginny und Blaise geben! Freut euch drauf!)
DANKE an alle Reviewer des letzten Kapitels: Alfiri, ClaireBlack, Steffi, Elanor Ainu, sweetlittleGinny, ValentineMalfoy, crazylolly14, Tanea, Schokomilchriegel und MoonyTatze!
