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Kapitel 17 – Ein Versprecher
Eine ereignislose Woche kam. Mit Justin hatte sie verabredet, dass sie sich am Samstag um 9 in der Eingangshalle treffen wollten um gemeinsam nach Hogsmead zu gehen. Dass sie jedoch um 3 mit Blaise verabredet war, hatte sie verschwiegen.
Hermine hatte ihre traurige Stimmung noch nicht abgelegt. Es war etwas besser geworden, aber sie ließ sich nicht helfen. Ginny konnte einfach nicht herausfinden, was ihr so zu schaffen machte.
Jeden Abend versuchte Ginny, einen großen Teil ihrer Hausaufgaben zu erledigen. Auf keinen Fall wollte sie auch in dieser Woche die Theaterprobe versäumen.
Auch diesen Freitag würde sie noch nicht spielen müssen. Ein Blick am Mittwoch auf ihren Probenplan zeigte ihr, dass die zweite Szene im ersten Akt geprobt werden würde: hier spielte König Peter, das war ein Fünftklässler namens Greg aus Ravenclaw, sowie erster und zweiter Kammerdiener: also Finn, die Hufflepuff, und Oliver aus Gryffindor, der diese Rolle zuerst nicht wollte.
Am Freitagmorgen frühstückte sie wie immer in der Großen Halle. Als sie aufgestanden war und hinausgehen wollte, fühlte sie sich beobachtet. Dieser Eindruck verstärkte sich, während sie aus der Halle hinausging. Kurz nachdem sie zur Tür hinaus war, tauchte plötzlich jemand neben ihr auf.
„Komm heute Abend nicht zu spät."
Ebenso schnell, wie Blaise Zabini auftauchte, war er auch wieder verschwunden.
Den Abend saß Ginny wie auf glühenden Kohlen. Häufig sah sie auf die Uhr. Sie wollte nicht zu spät kommen.
Weil sie schließlich schon letztes Mal nicht dort gewesen war.
Die Meinung von Blaise war egal.
Er hatte nur einfach Recht, sie sollte etwas über das Stück lernen.
‚Hoffentlich kommt er auch… HALT, WAS? Also, weil er ja auch eine Hauptrolle hat.'
Und er konnte ja nicht von ihr verlangen zu kommen, und dann selbst nicht erscheinen, oder?
Bereits 15 Minuten vor 8 ging sie los. Natürlich war sie viel zu früh, aber besser nach vorne hin unpünktlich als nach hinten, oder?
Als sie die letzte Treppe hinunter ging, sah sie bereits eine Person im Schatten stehen. Sie ging näher, und ihre Vermutung bewährte sich: es war Blaise Zabini.
‚So überpünktlich, wie der Kerl ist, könnte man denken, in seiner Verwandtschaft gibt es lebende Springuhren.'
Außer ihr und ihm war niemand weiter bereits da. Daher stellte sie sich zu ihm. Was sollte sie sonst machen?
„Hi Blaise."
„Guten Abend."
Aha. Und jetzt?
„Bist du heute dran?"
Dumme Frage, ganz dumme Frage, sie wusste schließlich, dass er heute nicht spielte.
„Nein."
Seine Antwort war noch schlimmer. Gesprächigkeit war bei ihm anscheinend am heutigen Abend nicht vorhanden.
Ginny wusste nicht mehr, was sie sagen sollte. Warum war er so unfreundlich?
Da vernahm sie plötzlich seine Stimme:
„Du hast dir die Szene, welche heute geprobt wird, bereits durchgelesen?"
Erstaunt durch seine plötzliche Frage antwortete sie:
„Ja, natürlich, ich habe das ganze Stück gelesen."
„Nein, das meine ich nicht. Du solltest die Szenen am Tag der Probe noch einmal durchlesen. Je besser du eine Szene kennst, desto besser verstehst du, was passiert, und desto besser kannst du die Regieanweisungen nachvollziehen."
Die Gryffindor nickte. Was Blaise sagte, klang logisch.
Plötzlich reichte dieser ihr ein kurzes Stück Pergament. Er musste es verkleinert in der Tasche seines Umhangs gehabt haben.
„Hier. Nutze die Zeit und sieh dir die Szene noch einmal an."
Als Ginny nach dem Pergament griff, berührte ihre Hand kurz die von Blaise. Dann jedoch, nach einer Zeit, die zugleich unendlich und dennoch so kurz erschien, hatte sie das Pergament in der Hand.
Ginny vertiefte sich in die Szene. Bereits im ersten Satz stutzte sie.
„Was meint König Peter mit ‚Der Mensch muss denken, und ich muss für meine Untertanen denken, denn sie denken nicht, sie denken nicht'", fragte sie, unbewusst laut.
Blaise sah sie an. „Was denkst du?"
Die Gryffindor unterdrückte ein Lachen. Sie war sich nicht sicher. Eigentlich konnte es nicht sein. Oder hatte der Slytherin eben einen Teil seines Humors gezeigt? War das eine Form seines Sarkasmus?
Sie antwortete:
„Ich weiß nicht. Dieser Satz erscheint sinnlos. Er ist doch nicht der einzige Mensch, der denkt, oder?"
„Ja, aber das denkt er."
Jetzt war sie sich sicher, sogar ein kleines, kurzes Grinsen auf seinem Gesicht gesehen zu haben. Oder nicht?
Dann hatte sie eine Idee: „ Aber, zeigt das nicht, dass er seinen Untertanen gegenüber ignorant ist?"
Erstaunt sah Blaise sie nun an. Was war das für ein Ausdruck in seinen Augen? Konnte das… „Das könnte es zeigen.", antwortete er.
„Wie kann er dann für alle denken, wenn er die anderen nicht kennt?", fragte Ginny nun weiter.
„Das Stück ist eine Satire auf damalige Zustände.", erklärte Blaise jetzt. Er beobachtete die Gryffindor inzwischen mit Interesse.
Mutig geworden antwortete diese nun: „Meinst du damit, dass er die Obrigkeit kritisiert?"
„Vielleicht."
Wieder hatte sie das Gefühl, diesen Ausdruck in seinen Augen zu sehen. Etwas wie… Anerkennung?
Aber bevor sie sich wirklich darauf konzentrieren oder erkennen konnte, was es war, kam ein leises Quieken von einer Treppe. Es war die, von der die Hufflepuffs immer kamen. Da sah Ginny, was passiert war: Finn war gestolpert und hingefallen. Schnell ging das ältere Mädchen hin um zu sehen, ob diese sich verletzt hatte.
„Ist dir etwas passiert?", fragte sie.
„N-nein, geht schon. Ich war nur etwas unaufmerksam.". Sie kicherte nervös.
Die Kleine war wirklich süß. Sie sah nun, da sie sich von dem Schreck erholt hatte, dennoch sehr verängstigt aus. Ginny nahm an, dass es an der bevorstehenden Probe lag, daher versuchte sie, Finn etwas aufzumuntern.
„Es ist toll, dass du auch bei uns mitspielst. Und dein Rolle ist auch schön, nicht?", fragte sie in nettem Tonfall.
Aber anscheinend war es doch das Falsche. Aus großen, verängstigten Augen sah Finn sie an:
„Ich werde mich jetzt ganz schrecklich blamieren!"
„Ach, das ist Unsinn.", wischte Ginny diesen Einwand weg.
„Aber wenn ich nun den Text vergesse? Oder auf der Bühne stolpere? Oder lache? Oder…"
„Du musst dich einfach nur anstrengen, dann spielst du sicher gut.", unterbrach die Gryffindor sie. „Außerdem, selbst wenn etwas nicht klappt, dann ist das nur natürlich und immerhin ist es die erste Probe. Mach dir keine Sorgen."
Finn schien wieder etwas Mut gefasst zu haben. „Danke Ginny."
„Kein Problem. Und jetzt komm, Tonks hat gerade die Halle aufgeschlossen!"
Während die zwei Mädchen hinein gingen, fragte Finn die Gryffindor: „Wieso nennst du sie eigentlich Tonks?"
„Sie hat gesagt, wir sollen sie so nennen, oder nicht?"
„Ja, aber sie ist doch dennoch eine Lehrerin! Professor Tonks! Ich würde mich nie trauen, sie nur… sie ohne Professor anzureden."
„Ich glaube, das sieht sie nicht so eng. Mach dir nicht so viele Gedanken.". Sie lächelte der Hufflepuff aufmunternd zu.
Durch das Schwatzen waren sie die Letzten, die in die Halle traten. Wieder war eine Bühne aufgebaut. Ginny und Finn hängten ihre Roben an die Garderobe und gingen dann zu dem Rest der Gruppe, die um Tonks herum standen.
Diese erklärte, als alle beisammen waren, wie der Szenenaufbau sein sollte:
„Die Regieanweisung ist klar: ‚König Peter wird von 2 Kammerdienern angekleidet.' Greg, du als der König stehst also in der Mitte, während Finn und Oliver um dich herum gehen und dir helfen, deine Sachen anzulegen.".
Mit einem Schwenk ihres Zauberstabs war auf der Bühne ein Schrank entstanden. Seine Türen waren geöffnet und zeigten die reiche Auswahl. Wahrhaft Kleidung, welche eines Königs würdig war.
Greg sah inzwischen peinlich berührt aus.
„Ich muss aber nicht nackt sein, oder?", fragte er schließlich.
„Nein, natürlich nicht.", widersprach Tonks, „Nicht komplett."
Daraufhin wurde Greg sogar noch um einige Stufen blasser. Ginny kam der Gedanke, dass sie die leicht braune Haut eines Franzosen der immer blässlichen eines Engländers vorziehen würde, jedoch verdrängte sie ihn schnell.
Tonks redete unterdessen munter weiter: „Ich denke, es reicht, wenn du dich bis auf deine Unterhose ausziehst. Die kannst du anbehalten."
„Aber…", versuchte Greg noch einzuwerfen.
„Du wirst das toll machen!", versicherte die Leiterin ihm. „Na los, auf die Bühne, ihr drei!
Und wir,", sagte sie zu Blaise und Ginny gewand, die die Einzigen waren, die nicht mitspielten, „setzen uns auch.".
Wieder schwang sie ihren Zauberstab. 3 Stühle erschienen ca. 4 Meter vor der Bühne. Tonks ging hin und setzte sich auf einen der äußeren, bevor Ginny oder Blaise reagieren konnten.
Mit der ihm eigenen arroganten Art ließ der Slytherin sich so auf dem anderen äußeren Stuhl nieder, sodass Ginny keine andere Wahl blieb als sich zwischen die beiden zu setzen – Blaise zu ihrer Rechten, Tonks zu ihrer Linken.
Letztere sah nun mit strahlendem Gesicht auf die Bühne. Dort standen Finn, Oliver und Greg. Dieser hatte inzwischen seinen Pullover ausgezogen und schien unsicher, ob er weiter machen sollte. Dies machte er jedoch nach einem aufmunternden Nicken von Tonks, unsicher und hastig, wie als ob er es schnell hinter sich bringen wollte.
„Tss.", machte es neben Ginny.
„Hast du was gesagt?", fragte sie Blaise.
„Nein. Ich frage mich nur, warum dieser Ravenclaw sich so anstellt.", erklärte dieser.
„Würdest du das etwa nicht", fragte Ginny erstaunt.
„Es ist Theater, oder? Wenn es für meine Rolle nötig ist, dann würde ich auch das machen."
Wieder war Ginny überrascht, was für eine Einstellung der Slytherin hatte. Was dieser begann, das führte er auch zu Ende. In die Theatergruppe mitarbeiten – das hieß für ihn ‚Ganz oder Gar nicht'.
Dieser Gedanke wurde jedoch von einem ganz anderen verdrängt. Unwillkürlich dachte sie wieder an sein Stück Bauch, was sie bereits kannte – und wie es wäre, wenn sie mehr zu sehen bekäme.
‚STOPP Ginny! SOFORT STOPP! Das, was ich denke, ist total… hormongesteuert! Ach, diese blöden Hormone…'
Sie versicherte sich fest, dass ihre Gedanken nur von ihren, wahrscheinlich wegen der Pubertät überschäumenden, Hormonen gekommen sein musste. Da dachte man so etwas schon mal. Ganz normal, kein Grund zur Beunruhigung.
Oder doch?
Hey, wieso ging ihr das Bild nicht aus dem Kopf?
‚Argh! Bei Merlin, jetzt sieht mich Blaise auch noch an. Kann er Gedankenlesen? Hoffentlich nicht. Argh! Was soll dieser Blick?'
Panisch schaute Ginny auf den Slytherin, der sie belustigt ansah.
„Was starrst du mich so an? Denkst du gerade, dass besser ich den König Peter hätte spielen sollen?"
Er hatte wieder diesen Spott in den Augen, was Ginny im Normalfall rasend machte. Jetzt, in diesem speziellen Fall jedoch, hatte sie andere Gedanken.
‚ARGH!'
Sie versuchte, sich halbwegs zu fassen. Blaise durfte nicht wissen, dass er, vielleicht, also teilweise, ein bisschen, nicht viel Recht hatte mit seiner Frage. Wirklich nicht viel.
Zum Glück fiel ihr eine passende Antwort ein:
„Ja, du hättest König Peter spielen sollen, dann wärst du jetzt auf der Bühne und würdest mich… nicht…" ‚Durcheinander bringen? Ablenken?', „…nerven.", vollendete sie den Satz etwas schwach.
Entsprechend spöttisch sah Blaise immer noch aus, aber wenigstens drehte er sich weg und wandte sich wieder der Bühne zu.
Dort hatten sich die 3 Spielenden inzwischen postiert, Tonks hatte noch einige Hinweise gegeben und nun wollten sie anfangen.
Greg alias König Peter begann:
„Der Mensch muss denken, und ich muss für meine Untertanen denken; denn sie denken nicht, sie denken nicht."
„Halt.", unterbrach ihn Tonks.
Das verstand Ginny. Der Text war zu sehr geleiert gewesen, das Ende hatte wie eine Frage geklungen. Das merkte nun auch Tonks an. Dann, plötzlich, wandte sie sich zu Ginny:
„Wie würdest du den Text betonen?"
Erstaunt sah diese ihre Lehrerin an. Dann erinnerte sie sich an das, was sie mit Blaise besprochen hatte. Erst zögerlich, dann immer sicherer, sagte sie den Satz so, wie sie es für richtig hielt.
Tonks nickte. „Greg, versuche einmal, Ginnys Betonung zu übernehmen."
Dieser nickte.
Dann versuchte er es noch einmal – und es klang schon viel besser als beim ersten Mal.
Nun sagte er seinen nächsten Satz. Anscheinend hatte er jetzt besser verstanden, um was es ging, sodass auch dieses gut klappte.
Dennoch unterbrach ihn Tonks nach kurzer Zeit:
„Greg, du machst das ganz gut, aber ich hätte gerne von dir, dass du noch hochnäsiger, noch mehr von dir überzeugt bist, ok? Finn und Oliver, ihr müsst auch aktiver sein. Ihr sollt Greg anziehen, versteht ihr? Also, reicht ihm die Sachen und helft ihm hinein – Finn, du holst die Gewänder und Oliver, du hilfst Greg beim anziehen. Außerdem solltet ihr, während der König spricht, ihm zustimmen, indem ihr nickt und ähnliches. Ihr seid schließlich seine Diener, er ist es gewohnt, von euch Zustimmung zu erhalten. Gebt sie ihm."
Die 3 Spielenden nickten. Dann begann Greg seinen Text von vorne.
Es ging gut bis zum Ende des kleinen Monologs:
„Ha, was bedeutet der Knopf im Schnupftuch? Kerl, was bedeutet der Knopf, an was wollte ich mich erinnern?"
„Nein.", erklärte Tonks, „Wenn du das sagst, dann musst du doch auch ein Schnupftuch in der Hand haben! Es ist in der Tasche deiner Robe. Und den letzten Satz, den sagst du zu einem der Kammerdiener, zu Finn. Am besten, du hälst ihr dabei das Tuch auch unter die Nase."
Ginny bemerkte, dass Blaise mit gerunzelter Stirn dasaß. Sie überlegte: sollte se ihn fragen, was er hatte? Sie entschloss sich dafür.
„Was ist?", fragte sie.
„Nichts.", antwortete er.
Irgendwie konnte Ginny das nicht so recht glauben. Sie sah ihn weiter fragend an.
Plötzlich erklärte er: „Ich verstehe nicht, warum diese dummen Muggel ein ‚Schnupftuch' benutzen."
„Sie können sich nun mal nicht einen Trank nehmen und wieder gesund sein, oder sich den Popel wegzaubern. Knuddelmuffs, die den Popel fressen, haben sie auch nicht."
„Es ist eklig. Du meinst, du schnäuzen da rein?"
„Ich glaube schon. Dad hat mal eine Packung zum Geburtstag geschenkt bekommen.", erklärte Ginny. Was regte der sich eigentlich so auf?
Greg war inzwischen am Ende seines Monologs angekommen. Auch den letzten Satz spielte er diesmal besser.
Nun war Finns großer Auftritt: sie musste antworten. Die Kleine stotterte:
„Als eure Majestät diesen Knopf zu geruhten ans Schnupftuch tun zu wollten…"
‚Was redet sie da?', fragte Ginny sich. Sie wagte einen Blick in Blaise Gesicht. Er hatte wieder seinen überheblich-spöttischen Slytherin-Gesichtsausdruck aufgesetzt, wie als wolle er sagen: ‚Noch nicht mal einen Satz kann sie ordentlich sprechen. Typisch Hufflepuff.'
Finn bemerkte selbst, wie falsch es gewesen war. Sie wurde rot. Dann rannte sie von der Bühne, bevor jemand sie stoppen konnte.
„Finn!", rief Tonks noch, doch die Hufflepuff war schon fast zu Tür hinaus.
Ohne länger nachzudenken, stand Ginny auf und ging ihr rasch hinterher. Sie bekam noch mit, dass Tonks ihr zunickte; also war sie anscheinend damit einverstanden, dass Ginny sich um Finn kümmerte.
Kurz hinter der Eingangstür hatte die Gryffindor das Mädchen eingeholt. Diese war immer noch rot und sah inzwischen so aus, als wäre sie kurz davor, loszuweinen.
„Hey, was ist los?", fragte Ginny daher einfach.
„Ich… ich habe die Szene kaputt gemacht.", schluchzte Finn los.
Ginny hatte als Tochter in einer kinderreichen Familie gelernt, wie sie auf eine solche Situation reagieren könnte. Sie verließ sich daher einfach auf ihre Instinkte und nahm die Jüngere in den Arm, um sie zu trösten.
„Das stimmt doch gar nicht. Du hast die Szene nicht kaputt gemacht."
„Aber ich konnte meinen Text nicht."
„Das passiert doch jedem einmal. Du warst einfach nur aufgeregt, das ist alles."
„…Du meinst also, Professor Tonks ist mir nicht böse?"
„Nein, ganz sicher nicht.", versprach Ginny lächelnd. „Außerdem kannst du deinen Text doch."
Finn nickte. „Als Eure Majestät diesen Knopf in ihr Schnupftuch zu knüpfen geruhten, so wollten Sie – sich an etwas erinnern."
Ginny nickte. „Siehst du! Es hat jetzt funktioniert, also wird es auch dann klappen."
Freudig strahlend nickte nun auch die junge Hufflepuff. Gemeinsam gingen sie wieder in die Große Halle.
Dort setzte sich Ginny wieder auf ihren Platz zwischen Tonks und Blaise, während Finn zurück auf die Bühne ging. Greg hatte in der Zwischenzeit seinen Monolog noch einmal gehalten gehabt, sodass Finn bald einsetzen musste. Und diesmal verhaspelte sie sich nicht, sondern sagte ihren Satz klar und deutlich.
Auch Tonks war zufrieden, sie unterbrach nicht, sodass die Schauspieler weiter spielten.
„Eine verwickelte Antwort! – Ei! Nun, und was meint er?", fragte Greg, während er sich zu Oliver, dem zweiten Kammerdiener, wandte.
„Eure Majestät wollten sich an etwas erinnern, als Sie diesen Knopf in ihr Schnupftuch zu knüpfen geruhten.", sagte dieser, dem Text entsprechend.
So ging die Szene weiter. Blaise, das bemerkte die Gryffindor, sah die meiste Zeit aufmerksam auf die Bühne, aber auch häufig prüfend auf Tonks, wie als wolle er abschätzen, wie diese die Schauspielerei der Schüler fand.
Nach einiger Zeit sahen diese auf. Anscheinend war die Szene vorbei. Tonks ließ es sie noch einmal spielen.
Ginny hatte bemerkt, dass Blaise die Stirn kurz kraus gezogen hatte. Sie fragte ihn flüsternd:
„Ist etwas?"
Er antwortete genau so leise: „Du hättest die Szene vorher noch einmal lesen sollen, dann würdest du jetzt nicht so fragen."
„Tut mir Leid, ich bin leider nicht über den ersten Satz hinaus gekommen."
„Du musstest ja auch diese Hufflepuff ‚retten', anstatt dich um wichtige Dinge zu kümmern."
„Entschuldige mal, aber das war wichtig.", zischte Ginny erbost.
Der Slytherin zog eine Augenbraue hoch, wie als wollte er sagen: ‚Wenn du das meinst… ich denke anders.'
Die Gryffindor fühlte wieder Wut in sich hoch kochen. Das war mal wieder typisch Slytherin. ‚Kümmere dich als Slytherin um niemand anderen als dich selbst, oder wie?'
„Wie bitte?"
Oh nein, sie hatte doch nicht wieder laut gesprochen?
„Was hast du gerade gesagt?", fragte Blaise, nun schon eindringlicher.
Doch, hatte sie anscheinend. Und jetzt? Sie entschied sich für den einzigen Weg, der ihr einfiel: Flucht nach vorne. Es abzustreiten, würde nichts ändern.
„Ich sagte, dass Slytherins sich anscheinend lieber um sich selbst als um andere Menschen kümmern.", wiederholte sie. Sie hatte ein mulmiges Gefühl im Magen.
Blaise sah sie weiter an. Was war das für ein Blick? Wie konnte man ihn deuten? Es war einfach unergründlich. Plötzlich antwortete er ruhig:
„Du solltest wissen, dass das in manchen Fällen von Vorteil sein kann. Aber es ist nicht so, dass Slytherins kein Herz haben, wie du offenbar denkst. Auch wir sind nur Menschen, selbst wenn das niemand zu bemerken scheint."
Dann wand er sich um und sah wieder auf die Bühne.
Perplex saß Ginny da. Er hatte sie falsch verstanden. Aber wieso?
‚Vielleicht hat er mich auch nicht falsch verstanden…', bemerkte sie plötzlich. War es nicht wirklich das, was sie dachte? Zumindest teilweise?
Ihre Meinung von Slytherin war von klein auf geprägt gewesen. Häufig genug hatte sie mitbekommen, dass die meisten schwarzen Zauberer aus Slytherin kamen. Dass sie mit schwarzer Magie nichts zu tun haben wollte, war selbstverständlich. Verstärkt wurde diese Abneigung, dieses Misstrauen gegenüber Slytherin später durch die Erzählungen ihrer Brüder, die in den Ferien von ihrem Schulalltag berichteten. Nur allzu oft hatte sie zugehört, wenn über das Haus der Schlange hergezogen wurde. Besonders Ron und seine starke Abneigung gegenüber diesen Schülern, insbesondere Draco Malfoy, hatte sie geprägt, da er ihr Lieblingsbruder war.
Und hieß es nicht auch in ihrer Umgebung oft genug: „Jedes Haus, außer Slytherin"? Auch sie hatte diesen Satz gedacht, als ihr der Sprechende Hut auf den Kopf gesetzt wurde.
Ja, es stimmte, vielleicht hatte sie Vorurteile gegenüber den Slytherins. Wahrscheinlich sogar. Aber so extrem, wie Blaise dachte, war es nicht. Aber immerhin hatte sie in den letzten 5 ½ Jahren auch nicht versucht, sich eine andere Meinung zu bilden.
Während sie so überlegte, war Tonks aufgestanden:
„So, Schluss für heute! Ich bin zufrieden mit dem, was wir geschafft haben.". Sie nickte den 3 Schülern, die heute gespielt hatten, zu. „Ich freue mich auch, dass ihr gekommen seid."
Hiermit meinte sie Ginny und Blaise.
Dann verabschiedete sie sich noch und wünschte ihnen allen eine gute Nacht.
Die Schüler und ihre Lehrerin gingen aus der Großen Halle. Ginny sah Blaise, wie er zu einer Treppe, die zu den Kerkern führte, gehen wollte. Spontan beschloss sie, sich zu entschuldigen.
Schnell rannte sie, um mit ihm zu sprechen.
„Blaise, warte."
Er drehte sich um und sah sie mit seinem typischen, leicht gelangweilten und auf jeden Fall überheblichen, Gesichtsausdruck an.
„Ich…", fing Ginny an. Dann fasste sie sich und sprach weiter: „Ich wollte mich für das entschuldigen, was ich gesagt habe. Ihr… du… also, ich denke, ich hatte Vorurteile gegenüber euch Slytherins. Es tut mir Leid."
Sie war sich nicht sicher, aber sie meinte, Überraschung in den Augen des Dunkelhaarigen gesehen zu haben. Nur kurz, fast nicht wahrnehmbar. Er hatte sich unter Kontrolle.
Statt einer Antwort, nickte Blaise. Dann sagte er: „Es ist spät. Gute Nacht."
Er hatte sich so schnell umgedreht, dass Ginny ihm wieder nur hinterher rufen konnte: „Gute Nacht… Blaise."
Was hatte dieser Slytherin nur an sich, dass sie nach jedem Zusammentreffen mit ihm so verwirrt war?
Anmerkungen: Freue mich über Reviews, wie immer!
Zusatz-Disclaimer: Das Stück „Leonce und Lena", die Handlung, der Inhalt, Personen, Handlungsorte, Ideen, Worte, usw usf gehört Georg Büchner.
Dieses Kapitel war hoffentlich wieder lang genug? Sorry, dass es etwas länger gedauert hat. Ich habe im Moment so viel zu tun… und dann fast jeden Abend Theaterprobe! Ganz ehrlich, wenn man doch ein Kapitel über eine Theaterprobe (und bei einem ganz anderen Stück) schreibt, wird man schon etwas konfus!
DANKE für alle Reviewer zum letzten Kapitel: BBabygirl90 (urks, ich will euch nicht quälen… gebe mir Mühe), Soul-chan (ich freue mich, dass du dich eines Besseren hast belehren lassen! ), sweetlittleGinny (Hermine kommt bald!), neara1 (hoffe, du magst dieses Kapitel mehr), Nessa (danke!), MissHermineGranger (danke!), crazylolly14 (bald kommt Abwechslung genug, denke ich ), Tanea (), Tuniwell (danke!), Elanor Ainu (nächstes Kapitel endlich Hogsmead! ), Lalena87 (ich beeil mich!), Schokomilchriegel (dies Sache mit Dingsbums merk ich mir grinst du hast mich da auf eine Idee gebracht) und natürlich MoonyTatze (ich liebe deine Reviews!)!
An alle (ja, du da vorm Bildschirm bist gemeint!): bitte sagt mir, wie ihrs fandet!
