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Kapitel 18 – Hogsmead
Wie die anderen Mädchen ihres Schlafsaals stand Ginny am Samstagmorgen um 8 Uhr auf. Sie waren zu viert: 3 hatten eine Verabredung um 9 Uhr.
Die Frage nach dem „Haare waschen oder nicht Haare waschen" zu beantworten, blieb Ginny heute erspart. Denn die anderen Mädchen wuschen sich alle noch einmal die Haare – es blieb ihr also gar nichts anderes übrig als auch zu duschen, oder?
Somit saß sie pünktlich halb 9 an einem laut lachenden und schwatzenden Gryffindor-Tisch. Viele der Schüler redeten über den kommenden tag in Hogsmead. Die Jungen erklärten, was sie alles bei „Zonkos" kaufen wollten, die Mädchen überlegten, wie viel sie im Honigtopf naschen konnten, ohne dass man es an ihrer Figur sah.
Viele der jüngeren Schüler, die noch nicht oft in Hogsmead gewesen waren, machten sich einen Plan, was sie alles besichtigen wollten. Einige ganz Mutige aus der 3. Klasse wollten in die Heulende Hütte einbrechen und das ‚Ungeheuer' stellen – wie sie lautstark erzählten und zu den Mädchen in ihrer Nähe schielten. Eine Gruppe Zweitklässlerinnen war davon stark beeindruckt und bedauerte zutiefst, nicht auch mitgehen zu können.
Kurz: es herrschte die übliche Aufregung vor einem Ausgangstag. Auch Ginny war etwas aufgeregt – einfach, weil sie einen Tag außerhalb von Hogwarts vor sich hatte und aus ihrem Alltag ausbrechen konnte, wie sie sich sagte. Das hatte nichts mit irgendwelchen Treffen oder gar Rendez-vous' zu tun – gar nichts.
Kurz nach dreiviertel 9 erhoben sich die meisten Schüler. So auch Ginny. Sie ging noch einmal in ihr Zimmer, um eine kleine Tasche und ihre Jacke zu holen. Es war bereits empfindlich kalt geworden, wenngleich es erst Oktober war. Sie waren schließlich weit im Norden Großbritanniens.
Kurz vor 9 kam Ginny in der Eingangshalle an. Suchend sah sie sich nach Justin um. Einige Schüler hatten sich bereits in eine Schlange gestellt, um an Argus Filch, dem Hausmeister, vorbeizugehen, der dafür sorgte, dass nur Schüler, denen es erlaubt war, nach Hogsmead gingen.
Ginny sah Justin nicht weit von ihr entfernt neben Hannah Abott, seiner besten Freundin, stehen. Die beiden waren in ein Gespräch vertieft.
Plötzlich wusste Ginny nicht mehr, was sie machen sollte. Sich einfach dazu stellen? Wäre das nicht unhöflich? Oder hier stehen bleiben? Aber dann müsste Justin auf sie warten, das war genauso unhöflich.
Zum Glück befreite Justin sie aus dieser unangenehmen Situation. Er hatte sie entdeckt und winkte sie nun zu sich hin.
„Hi Ginny!". Der Hufflepuff strahlte sie an. Sein Gesicht war freundlich, sodass Ginny gar nicht mehr wusste, was sie eben noch für Probleme gehabt hatte. Justin war einfach nett, selbst eine eventuelle Unhöflichkeit würde ihn nicht ärgern.
„Hi Justin, hallo Hannah!", grüßte sie daher, ebenso charmant, zurück.
„Hi Ginny.", erwiderte Hannah. Dann sprach sie, an beide gewandt, weiter: „Ich gehe jetzt zu Adrienne, wir wollten zusammen nach Hogsmead gehen. Ich wünsche euch einen schönen Tag!"
Sie lächelte ihnen beiden noch zu und ging dann zu einem anderen Mädchen, von welchem Ginny glaubte, dass sie eine weitere Hufflepuff sei. Den Blick, mit dem Hannah Justin angesehen hatte, sowie dass sie ihm zugezwinkert hatte, hatte Ginny nicht bemerkt.
Jetzt war die Gryffindor mit Justin allein. Etwas verlegen standen sie voreinander. Schließlich brach der Junge das Schweigen:
„Wollen wir uns anstellen?"
„Wie? Oh, ja, klar!"
Gemeinsam stellten sie sich in die, inzwischen lange, Reihe der Schüler, die nach Hogsmead wollten. Etwas verlegen stand Ginny neben dem Hufflepuff.
„Hast du etwas bestimmtes in Hogsmead vor?", fragte dieser plötzlich. Überrascht blickte Ginny ihn an. Er fuhr fort:
„Also, zum Postamt gehen und einen Brief schicken, oder in den Honigtopf oder so?"
„Nein, habe ich nicht. Ich habe mir noch nicht so viele Gedanken gemacht, was wir machen könnten, in letzter Zeit hatte ich ziemlich viel Stress.", antwortete die Gryffindor.
„Das verstehe ich. Ich habe auch sehr viel zu tun im Moment. Aber ich denke, wir finden schon etwas, was wir in Hogsmead machen können."
Wieder lächelte er sie an. Ginny wusste selbst nicht wieso, aber die errötete leicht. Justin hatte ein süßes Lächeln.
Zum ersten Mal an diesem Tag betrachtete sie ihn etwas genauer. Unauffällig versuchte sie, ihn von der Seite anzusehen.
Im Laufe der letzten Jahre hatte sich Justin von dem leicht hysterischen Jungen zu einem ausgeglichenen und freundlichen jungen Mann gewandelt. Seine Haare waren lässig kurz, sie waren dunkelblond. Einige Spitzen hatte er gelb-blond gefärbt. Sie wirkten meist etwas durcheinander, das war wohl Absicht. Justins Gesicht war nichts Besonderes, aber sicher auch nicht hässlich: blau-graue Augen, eine einfache, gerade Nase mit, wie Ginny zum ersten Mal auffiel, einigen Sommersprossen und gleichmäßige Gesichtszüge – guter Durchschnitt also, wenn man das so sagen wollte. Wenn Justin jedoch lächelte, hob er sich aus der Masse der anderen heraus. Woran das lag? Vielleicht an der Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit mit der er lächelte. Ginny wusste es nicht.
Während sie noch so in die Betrachtung vertieft war, drehte sich Justin plötzlich zu ihr. Vorher hatte er versucht zu sehen, wieso Filch so lange brauchte.
Justin sah ihr direkt in die Augen.
‚Oh nein! Hoffentlich hat er nicht gesehen, wie ich ihn angestarrt habe!'. Wieder errötete Ginny, diesmal noch mehr als vorher.
Blaise hätte sie jetzt mit einem spöttischen Blick bedacht, nicht jedoch Justin. Nein, es schien IHN verlegen zu machen, SIE verlegen gemacht zu haben – wie verwirrend.
HALT, stellte sie jetzt Vergleiche zwischen Justin und Blaise an? Nein, oder? Wieso sollte sie denn so etwas machen? Die beiden konnte man doch überhaupt nicht vergleichen! Schließlich war Blaise… arrogant, ja genau, und ein Slytherin - und Justin war… immer nett und freundlich. In seiner Gegenwart fühlte Ginny sich auch viel wohler als in der von Blaise. Bei Justin hatte sie nie das Gefühl, alles falsch zu machen und sie fühlte sich auch nicht so ungeschickt und linkisch wie bei dem Slytherin. Bei dem hatte sie Angst, alles falsch zu machen und war in seiner Gegenwart immer verwirrt. Bei Justin war das total anders, sie fühlte sich befreiter und entspannt. Demnach mochte sie den Hufflepuff also eindeutig mehr. Oder? Es war logisch. War es das? Natürlich.
‚Ach, Gehirn, halt die Klappe! Ich möchte mir jetzt einfach nur einen schönen Tag machen.'
„Es ist ziemlich kalt.", bemerkte Ginny.
Sie und Justin waren auf dem Weg nach Hogsmead. Im Abstand von mehreren Metern gingen vor und hinter ihnen jeweils weitere Schülergruppen.
Der Wind blies ihnen in ins Gesicht, links und rechts an den Bäumen am Wegrand begannen bereits Blätter ab zu fallen. Kurz: es war ein sehr ungemütliches Wetter.
„Wir sind bald in Hogsmead. Dort können wir in ein Geschäft gehen, da ist es warm.", erklärte Justin.
Die beiden liefen bereits eine Weile nebeneinander her. Sie unterhielten sich die meiste Zeit: über die Schule, Quidditch, was Justin nach mehr als 6 Jahren in der Zaubererwelt mochte und vieles weitere.
Sie redeten heiter und unbekümmert. Nach der dunklen Zeit mit Voldemort hatten alle etwas zusätzlichen Spaß nötig.
Und den konnte Ginny mit Justin haben. Bereits nach kurzer Zeit lachte sie unbekümmert über seine häufigen Späße.
Dann kamen sie in Hogsmead an. In dem kleinen Dorf waren viele Hogwarts-Schüler zu sehen. Jeder, der in der dritten Klasse oder älter war, schien hier zu sein.
„Was wollen wir jetzt machen?", fragte Ginny ihren Begleiter.
„Ich weiß nicht. Entscheide du.", erwiderte dieser.
Ginny überlegte.
„Ich brauche noch neue Pergamentrollen. Mein Verbrauch in diesem Schuljahr ist doch größer als ich dachte."
„Na dann las uns gehen."
So gingen die 2 Schüler zu einem kleinen Laden für Schreibbedarf.
Dieser war, trotz seiner geringen Größe, gedrängt voll von Schülern. Viele ging es so wie Ginny, und so war der Umsatz an Schreibfedern, Pergamenten und Tintenfässchen an diesem Tag sicherlich sehr hoch.
Nachdem sie ihre Einkäufe erledigt hatten, standen Justin und Ginny vor dem Laden. Durch das Gedränge und den Aufenthalt in dem Laden war ihnen wieder wärmer geworden, sodass sie beschlossen, etwas durch Hogsmead zu laufen und sich umzusehen.
Die 2 schlenderten die Hauptstraße entlang. Sie waren zwar schon einige Male in dem Dorf gewesen, aber dennoch gab es immer wieder etwas Neues zu entdecken. Natürlich, in einem Dorf voller Zauberer konnten an jeder Ecke neue Überraschungen auftauchen.
So kamen sie nach einiger Zeit in eine kleine Sackgasse.
„Warst du hier schon einmal?", fragte Ginny den Hufflepuff.
„Nein.", antwortete dieser. Er wirkte etwas beunruhigt.
Die Gasse war dunkel und es roch seltsam.
„Lass uns umkehren.", sagte Justin.
Ginny nickte. Sie drehten sich um und wollten zurückgehen, als…
„Hallo, meine Süßen."
Die Stimme einer alten Frau, kratzig und von der Zeit geprägt, drang in ihre Ohren. Erschreckt machte Ginny einen Schritt zu Justin, wie es ihren Reflexen entsprach. Sie standen nun nah beieinander, was der Gryffindor, als sie es bemerkte, peinlich war. Aber Justin sah beruhigend, wenn auch etwas alarmiert wegen der Situation, zu ihr hinunter. Da sie ein Stück kleiner war als er, ging das.
Inzwischen hatte sich eine alte Hexe gezeigt. Sie ging etwas gebeugt. Als sie sprach, enthüllte sie Reihen verfaulter Zähne:
„Ich bekomme gerne Besuch. Ihr wollt doch nicht schon wieder so schnell gehen?"
Mit einem ekligen Grinsen sah sie die beiden an.
Ginny hatte Angst. Man wusste nie, was kommen könnte. Sie hatte gar nicht bemerkt, dass Justin inzwischen seinen Arm schützend um sie gelegt hatte. Beide sagten nach wie vor kein Wort zu der Alten, die jetzt ein Stück auf sie zuhumpelte. Wegzulaufen versuchten sie auch nicht, da sie nicht wussten, ob das die Hexe verärgern würde.
Diese sprach weiter:
„Mein Mädchen, einen netten Burschen hast du da. Tjaja…", sie lachte ein kurzes, heiseres Lachen, „aber vielleicht willst du dennoch einen Blick in die Zukunft werfen?"
Ginny starrte die Alte an. Es war also eine Wahrsagerin. Langsam löste sich ihre Anspannung. Sie schüttelte den Kopf.
„Nein, danke."
„Es kostet auch nicht viel. 2 Sickel. Für ein hübsches Mädchen wie dich 1 Sickel.", schmeichelte die Alte.
Aber Ginny blieb fest.
„Ich möchte keinen Blick in die Zukunft werfen."
Die Alte wurde wütend.
„Komm, lass uns umkehren.", flüsterte Justin der Rothaarigen zu. Sein Atem kitzelte etwas an ihrem Ohr, da sie so nah beieinander standen. Sie nickte unauffällig.
Die 2 drehten sich um und wollten gehen. Das machte die Hexe nun noch wütender.
Sie waren schon fast aus der kleinen Gasse heraus, als sie immer noch zeterte:
„Mädchen, das wird dir noch Leid tun! Wenn du wüsstest, was ich weiß, könntest du ein Unglück noch abwenden, welches auf dich zukommt, zu einer Zeit, in der grüne Zweige, welche nie zu Bäumen gehörten, unter zugemauertem Himmel hängen!"
Eilig liefen die beiden weiter. Justin schien die Alte gar nicht gehört zu haben. aber Ginny hatte ihre Worte erkannt. Aber was sollte das schließlich zu sagen haben? Die Alte war offensichtlich verrückt und wenn ihr Können dem Trelawneys ähnelte, war diese Voraussage keinen Pfifferling wert. Abgesehen davon, war sie in Rätseln gesprochen, die Ginny nicht verstand.
Sie machte sich also keine weiteren Gedanken darum und verdrängte es. Unbewusst war sie jedoch beunruhigt und prägte sich daher die Worte ein.
Die beiden Hogwarts-Schüler gingen zurück zum belebteren Teil des Dorfes. Mehr und mehr sahen sie weitere Schlossbewohner. Sie waren jetzt nicht mehr so nah beieinander wie zuvor. Nachdem sie von der Hexe weg waren, waren sie beide etwas verlegen gewesen und einen Schritt auseinander getreten.
Kurz kam Ginny der Gedanke, dass sie Justins Wärme vermisste, als wieder der kalte Wind durch ihr Haar fuhr.
Während sie gingen, fragte Justin plötzlich etwas über ihre unheimliche Begegnung.
„Warum wolltest du eigentlich nicht in deine Zukunft blicken?"
Ginny überlegte, bevor sie antwortete: „Ich denke, es ist lediglich Geschwätz, was diese Frau erzählt. Außerdem, selbst wenn sie mir meine Zukunft sagen könnte: was würde mir diese Information helfen? Was du Zukunft bringt, erfahre ich auch so. Es dauert nur etwas länger. Und stell dir vor, sie sagt etwas Negatives: dann werde ich mich schon jetzt ärgern, dass dies später passiert. Das muss nicht sein. Meine Zukunft ist zudem das Produkt so vieler Faktoren, dass bereits dass wissen darüber, was passieren könnte, sie beeinflussen würde. Das will ich nicht. Und ist es nicht viel spannender, alles so zu erleben, ohne zu wissen, was kommt? Jeden Morgen wache ich auf und frage mich, was mir der Tag bringt. Jeden Tag erlebe ich um mich herum etwas Neues. Wieso sollte ich wissen wollen, was in der Zukunft passiert, wenn ich doch die Gegenwart habe?"
Justin sah sie an. Er sah erstaunt aus. Dann nickte er.
„Diese Einstellung… ist bewundernswert, finde ich."
Schweigend gingen sie eine Weile nebeneinander her. Ginny genierte sich, ihre Gedanken und Gefühle so offen ausgesprochen zu haben, aber Justin hatte sie verstanden.
„Wollen wir in den Honigtopf gehen?", brach dieser nach einer Weile das Schweigen.
„Ja, gerne!", sagte Ginny erleichtert.
Sie machten sich auf den Weg in den Süßigkeitenladen. Je näher sie kamen, desto mehr Schüler sahen sie, welche große Tüten mit dem Symbol eines Honigstopfes in der Hand hatten oder kauten, schleckten, lutschten und naschten.
Es war gar nicht so einfach, in das bei Schülern beliebteste Geschäft des Dorfes hinein zu kommen. Nur Zonko konnte an Gedränge hier wohl mithalten, jedoch waren dort hauptsächlich Jungen, während sich im Honigtopf beide Geschlechter um Lakritzzauberstäbe, Schokofrösche und Zuckerfederkiele rissen.
Irgendwie schafften es Ginny und Justin dennoch, sich in den Laden hinein zu quetschen.
Außer den üblichen Süßwaren gab es hier auch alles andere an Süßem, was man sich nur vorstellen konnte: die neueste Kreation waren Nugatfeuerblitze, die einem direkt in den Mund flogen. Aber nicht nur die waren neu: es gab inzwischen eine ganze Kreation an Quidditchutensilien als Süßigkeit: Zuckerwattequaffel, kandierte Früchte mit Flügeln als Schnatz, welche den Vorteil hatten, dass sie, wenn man sie gefangen hatte, so klebten, dass sie nicht wieder wegfliegen konnten, und vieles weitere.
Interessiert sahen sich die beiden Schüler um. Bei jedem Besuch gab es hier neues zu entdecken.
In einer Ecke waren besonders viele Mädchen. Neugierig drängelte sich auch Ginny dorthin. Ein Stimmengewirr empfing sie:
„Oh, schaut mal, ist das nicht toll?"
„Was gäbe ich dafür, wenn Tom mir so eine schenken würde!"
„Das ist die beste Süßigkeit, die sie hier je hatten."
„Besonders jetzt im Herbst, ist das nicht entzückend?"
„Und sie blüht tatsächlich?"
Auch Ginny starrte auf diese neueste Kreation: Zuckerblumen.
Es war wirklich eine nette Idee. Unter diesen stand ein Schild:
Zuckerblumen: Rosen, Tulpen, Nelken – In allen gewünschten Farben, bitte fragen sie bei Bedarf unsere Mitarbeiter.
Eine Kreation aus Marzipan, glasiert mit einer bunten Zuckerschicht.
Die Zuckerblumen blühen morgens auf und schließen nachts ihre Blüten.
Beim Genuss eines der Blätter erhellt sich die Stimmung. Jede Farbe hat hierbei ihre eigene Wirkung. Sammeln Sie und probieren Sie es selbst aus!
Das war also das Besondere: die Blütenblätter waren so verzaubert, dass sie die Stimmung hoben. Neugierig überlegte Ginny, was welche Farbe wohl bewirken würde.
Sie bemerkte nicht, wie auf einmal Justin neben sie trat. Er hatte einen Korb unter dem Arm, in dem er seine Einkäufe legte.
„Hey Ginny, plötzlich warst du weg! Hast du auch schon etwas gefunden?"
Sie nickte und zeigte ihm ihren eigenen Korb. Dann fiel ihr etwas ein:
„Oh, ich habe noch etwas vergessen! Ich wollte doch Hermine noch einige Konzentrier-Gums mitnehmen."
Sie huschte davon. Ihr fiel nicht auf, dass Justin vor dem Regal stehen geblieben war und nach kurzer Überlegung eine weiter Sache in seinen Korb legte.
An der Kasse trafen sie sich wieder. Justin hatte bereits gezahlt und hielt nun einen Beutel mit seinen Einkäufen unter dem Arm. Kurz darauf gesellte sich auch Ginny zu ihm und zusammen drängten sie sich aus dem überfüllten Honigtopf.
Als Ginny nach draußen an die frische Luft trat, war die Kälte erfrischend. Tief atmete sie ein.
Auch Justin schien es so wie ihr zu gehen. Er sah sie etwas nachdenklich an. Nach kurzer Zeit fragte er:
„Wollen wir etwas essen gehen? Es ist Mittagszeit."
Ginny nickte. Sie war inzwischen recht hungrig geworden. Gemeinsam gingen sie in Richtung „Drei Besen".
Es war voll, aber sie fanden einen Tisch, an dem sie sich setzen konnten.
Als Madam Rosmerta vorbei kam, bestellten sie bei ihr jeweils ein Butterbier und dazu einen Teller Brote. Tagsüber hatten die „Drei Besen" seit kurzem kleine Snacks, was nun Justin und Ginny zugute kam.
Als das Essen eintraf, machten sie sich darüber her. Das warme Butterbier löste in Ginny Wohlgefühl aus, welches sich von ihrem Bauch über den ganzen Körper verbreitete. Butterbier war etwas Herrliches.
Während des Essens unterhielten sich die beiden. Ginny fühlte sich immer wohler in Justins Gegenwart. Sie war entspannt und fröhlich.
„Was willst du nach Hogwarts machen?", fragte sie ihn.
„Ich weiß es noch nicht genau. Aber ich würde gerne im Zaubereiministerium arbeiten, vielleicht in der Abteilung für Internationale Magische Zusammenarbeit."
„Oh nein, mach das nicht, das ist so langweilig!", platzte Ginny heraus, „Mein Bruder Percy arbeitet dort."
Belustigt sah Justin sie an. Nicht hämisch-spöttisch wie Blaise, sondern aus Freude über ihr jugendliches Ungestüm.
„Ich würde aber gerne mit Menschen zusammenarbeiten. Und mit Zauberern aus dem Ausland arbeiten und so die Kommunikation zwischen den Menschen fördern stelle ich mir schön vor.", erklärte er.
Ginny nickte. Sicher, er hatte Recht. Sie konnte ihn sich auch gut an einer solchen Stelle vorstellen. Er war nett, es würde ihm leicht fallen, neue Kontakte zu knüpfen. Ganz anders als Blaise… verdammt, warum spuckte der eigentlich dauernd in ihrem Kopf herum?
Zum Glück riss Justin sie aus ihren Gedanken:
„Und was möchtest du einmal machen?"
„Ein Beruf als Heilerin würde mir gefallen, denke ich. Ich weiß es noch nicht."
„Du hast ja auch noch ein Jahr Zeit.", sagte Justin, sie aufmunternd anlächelnd.
So redeten die beiden weiter. Die Zeit verging wie im Flug. Sie saßen da, redeten, lachten und tranken ab und zu einen Schluck Butterbier.
Als Ginny nach einiger Zeit auf ihre Uhr sah, erschrak sie: es war halb 3! Nur noch eine Viertelstunde bis zu ihrem Treffen mit Blaise. Und sie hatte Justin noch nicht erklärt, dass sie weg musste. Mist, wie sollte sie das machen?
„Äh, Justin…", fing sie an.
„Ja?"
Hmpf… und weiter?
„Ich… es ist halb 3."
Aha. Toll.
Justin sah sie leicht erstaunt an: „Ja, das ist es. Wieso?"
„Ich… muss weg."
Jetzt war es raus. Irgendwie.
Entsprechend perplex starrte der Hufflepuff sie an: „Was?"
‚Wie bitte heißt das.', dachte Ginny. Und verfluchte sich sofort dafür.
Sie versuchte, weiter zu erklären:
„Also, äh, ich bin, nun, ich treffe mich mit… mit jemandem, weil… wir noch etwas besorgen wollten.", stotterte sie eine Erklärung. „Wir treffen uns um 3.", fiel ihr noch ein.
Justin sah sie an. Es war etwas wie Verletzung in seinen Augen.
„Na dann…", begann er.
„Ach Justin!", verlor Ginny fast die Nerven. Sie wollte nicht, dass er etwas Falsches dachte. Sie wollte einfach nicht, dass er dachte, sie ginge nur, weil sie von ihm weg wollte. So war es ja nicht!
„Es tut mir Leid, ich habe nun einmal diese Verabredung, ich wollte das selbst nicht, das musst du mir glauben. Aber es ließ sich leider nicht verschieben. Es tut mir Leid."
Der Hufflepuff sah auf. Er blickte ihr direkt in die Augen. Dann sagte er:
„Ich glaube dir. Ich hätte nicht so reagieren sollen.". Er wurde etwas verlegen.
Ginny hätte vor Erleichterung lachen können. Zum Glück war der Hufflepuff nicht nachtragend.
„Es war wirklich schön, weißt du? Ich würde mich freuen, wenn wir demnächst öfter etwas zusammen unternehmen.", sagt sie noch, als weitere Ermutigung. Sie wollte wirklich nicht, dass Justin womöglich doch böse auf sie war.
Aber er war es nicht. Stattdessen lächelte er sie an.
„Das wäre schön. Aber jetzt sollten wir gehen, damit du nicht zu spät kommst."
Er winkte Madam Rosmerta zu sich. Trotz Ginnys Protest zahlte er für sie beide.
Sie zogen sich ihre Jacken an und gingen vor die Tür und ein Stück die Straße entlang.
„Wo trefft ihr euch?", fragte Justin. Obwohl er zu diskret war, sie zu fragen, mit wem sie sich traf, schwang diese Frage unausgesprochen mit. Aber er nahm wohl an, dass es um eine ihrer Freundinnen ging und so ließ Ginny ihm, der Einfachheit halber, diesen Glauben.
„Wir treffen uns hier, vor den Drei Besen.", erklärte sie.
Dann fiel es ihr siedend heiß ein. Sie müsste dafür sorgen, dass Justin weg war, wenn Blaise kam. Wie sollte sie das anstellen?
Ein kalter Luftzug kam. Fröstelnd zog Ginny die Schultern zusammen. Dann hatte sie eine Idee und sagte:
„Du… solltest zurück nach Hogwarts gehen, damit du dich nicht erkältest."
Er sah sie mit einem merkwürdigen Ausdruck in den Augen an.
„Ich will dich aber nicht alleine warten lassen. Und außerdem könntest du dich ebenso erkälten."
Sie standen sowieso schon nah beieinander, doch Justin ging noch einen weiteren Schritt auf sie zu. Er stand direkt vor ihr. Sie musste ein Stück nach oben blicken, um sein Gesicht zu sehen.
„Ich will nicht, dass du frierst", murmelte er. Dann, vorsichtig, legte er ihr einen Arm um die Schulter und trat noch näher an sie heran. Es war eine einfache, zärtliche Geste.
Er war warm. Ginny fühlte sich geborgen, sie mochte Justin. Also ergab sie sich der vorsichtigen Umarmung und schmiegte sich leicht an ihn.
So standen sie eine Weile da: beieinander, der kalten Luft und dem Wind trotzend, auf einer Straße in Hogsmead.
Dann lösten sie sich voneinander. Es entsprang einem gemeinsamen Impuls. Beide waren gleichzeitig einen kleinen Schritt zurück getreten.
Verlegen standen sie nun voreinander. Ginny senkte den Blick, damit Justin nicht sehen konnte, dass sie rot geworden war.
Da sprach dieser: „Ginny?". Sie sah auf.
Er hielt eine der Zuckerblumen aus dem Honigtopf in der Hand. Es war eine rosafarbene Rose.
Erstaunt sah Ginny darauf. Justin gab sie ihr in die Hand.
Er sagte: „Es war ein schöner Tag heute mit dir."
Dann, nachdem er kurz gezögert hatte, beugte er sich vor und gab ihr einen Kuss auf die Wange.
Nicht wirklich ein Kuss, kaum mehr als ein Hauch.
Rasch hatte er sich wieder zurückgezogen. Verlegen stand er nun da.
Auch Ginny war wie versteinert. Dann stahl sich ein zaghaftes Lächeln auf ihr Gesicht. Justin war nett, oder nicht? Und der Tag heute mit ihm war sehr schön gewesen. Er sah recht gut aus. Sie müsste sich glücklich fühlen. Sie fühlte sich glücklich. Oder? Natürlich fühlte sie sich glücklich. Die Zuckerrose hatte sie in ihren Beutel vom Honigtopf getan.
Justin bemerkte dieses kleine Lächeln. Er war angespannt gewesen, aber nun lächelte er zurück.
„Ich hoffe, wir unternehmen in Zukunft öfter etwas gemeinsam."
Gerade als Ginny zu einer Antwort ansetzen wollte, durchbrach eine Stimme ihre bisherige Zweisamkeit.
„Weasley! Es ist 3 Uhr. Komm endlich, ich habe nicht den ganzen Tag Zeit."
Blaise Zabini. Er stand direkt vor dem Honigtopf, 10 Meter von ihnen entfernt.
‚Scheiße.', war das Einzige, was Ginny denken konnte. Musste dieser Slytherin ausgerechnet jetzt auftauchen?
Auch Justin sah ihn überrascht an. Dann blitzte Verstehen in seinen Augen auf.
„Mit ihm wolltest du dich treffen.", sagte er. Seine Stimme klang tonlos.
„Ja, ich… wir… wir versuchen, etwas über die Hintergründe des Theaterstückes heraus zu finden."
Sie wollte nicht, dass Justin ihr böse war! Verdammt.
Inzwischen war Blaise näher getreten.
Er hatte sein übliche höhnisches Gesicht aufgesetzt.
„Ach, das war deine Verabredung? Ich hätte dir mehr zugetraut."
Dieser Mistkerl! Obwohl… schwang da nicht auch etwas in seinen Worten mit, was keine Beleidigung war? Egal. Er hatte Justin angegriffen. Dieser war nun wütend.
„Zabini.", presste er zwischen den Zähnen hervor.
„Ist etwas? Ist es dir nicht recht, dass ich dir deine kleine Freundin ‚entführe'?"
Er schien es zu genießen, fies zu Justin zu sein.
Dieser wollte gerade zu einer saftigen Antwort ansetzen, als Ginny die beiden Streithähne unterbrach:
„Hört auf! Verdammt, warum müssen sich Jungs eigentlich immer streiten?"
Die beiden sahen sie an. Erstaunlicherweise blieben sie tatsächlich ruhig.
Ginny holte tief Luft.
Dann sagte Justin: „Ihr solltet jetzt besser gehen, schließlich hat Zabini keine Zeit, wie er so treffend bemerkte. Ginny, ich glaube dir, dass das Treffen heute mit ihm nicht freiwillig ist. Wie könnte es das, mit diesem Slytherin? Ich wünsche dir viel Glück. Bis später."
„Tschüß.", verabschiedete sich Ginny. Sie fühlte sich total durcheinander.
Justin drehte sich um und ging.
Jetzt war Ginny mit Blaise allein.
Dieser drehte sich einfach um und ging Richtung Drei Besen. Ginny blieb nichts anderes übrig, als hinterher zu gehen.
Sie holte ihn ein und gemeinsam traten sie in ein.
Die Drei Besen waren voll. Viele Hogwarts-Schüler tranken noch ein Butterbier, bevor sie zurückgingen. Es war wirklich ungemütlich kalt.
Nur ein Tisch war frei.
Unwillkürlich sagte Ginny: „Dort habe ich eben mit Justin gesessen."
Es war eher eine Bemerkung zu ihr selbst, doch Blaise hatte sie gehört. Er hatte gerade zu diesem Tisch gehen wollen, doch nun drehte er um.
„Ich setze mich an keinen Tisch, wo dieser Muggel gesessen hat."
„Er ist kein Muggel!", widersprach Ginny.
„Aber fast. Es besteht kein großer Unterschied."
Ginny hatte keine Lust, sich weiter zu streiten. So ging sie Blaise hinterher, der inzwischen aus den Drei Besen hinaus trat.
Sie standen wieder auf der Straße. Blaise wandte sich nach links.
„Gibt es hier nicht noch eine weitere Gaststätte?"
„Ich gehe NICHT in den Eberkopf!", sagte Ginny.
„Hast wohl Angst?"
„Nein, dort stinkt es. Vergiss es!"
„Hast du eine bessere Idee?"
Ginny überlegte. „Ich kenne nur noch Madam Puddifoot."
„Dann gehen wir doch dorthin."
„Äh…"
„Dort gibt es wenigstens ungestörte Ecken. Außerdem dürfte da jetzt niemand mehr sein. Die Pärchen sind doch alle früh gekommen und verbringen den Nachmittag anders. Ich will wirklich nicht, dass jemand uns zusammen sieht."
Sprachlos ging Ginny hinter dem Slytherin hinterher. Er erstaunte sie immer wieder. Sie wollten doch jetzt nicht wirklich in das wahnsinnig kitschige Café gehen?
Doch. Wollten sie.
Einige Minuten später saßen sie an einem Tisch in einer versteckten Ecke im Puddifoot's, Blaise auf eine Bank, Ginny auf einem Stuhl. Das erste, was Blaise gemacht hatte, war, die Dekoration von ihrem Tisch zu entfernen.
Dann hatte er ein Stück Kuchen bestellt, ohne auf die Karte zu sehen, wie Ginny erstaunt registrierte. War er öfter hier?
Natürlich, als ein Slytherin spielte er manchmal wahrscheinlich den Herzensbrecher. Zwar war er nicht so schlimm wie Draco Malfoy, aber sicher hatte auch Blaise schon das ein oder andere Mädchen verführt.
Ginny versuchte ihren Groll zu unterdrücken. Auch sie hatte ein Stück Kuchen bestellt.
Währenddessen begann Blaise:
„Wir wollten uns heute mit der Romantik beschäftigen."
‚Er klingt wie ein Lehrer.', dachte sich Ginny. Er holte ein Buch hervor, zauberte es groß und schlug es auf.
„Es war eine deutsche Literaturepoche. In ihr ist das Gefühl das wichtigste Motiv. Dadurch wird alles poetisiert, häufig übertrieben."
Blaise redete recht schnell. Er wollte offensichtlich schnell damit fertig sein.
„Es ist eine Verwandlung der Alltagswelt in das Wunderbare. Die Romantik war gegen die Rationalisierung, Funktionalisierung und Entzauberung der Welt. Somit kann es als Flucht aus der Wirklichkeit betrachtet werden.
Es geht häufig um Natur und Liebe."
„Aha.", sagte Ginny. „Soviel zur Theorie. Aber ich verstehe das nicht ganz: was meinst du mit ‚poetisiert'?"
„Die Sprache wird hochstilisiert."
„DAS habe ich jetzt verstanden.", erklärte Ginny ironisch. „Und wo ist der Bezug zu ‚Leonce und Lena'?"
„Das ist offensichtlich: Georg Bücher macht sich in seinem Stück über die Realitätsflucht der Romantiker lustig.", erklärte Blaise hochnäsig. „Außerdem habe ich noch etwas gefunden: ein Romantiker, Joseph von Eichendorff, hat ein Stück geschrieben: ‚Aus dem Leben eines Taugenichts'. Vielleicht könnte Georg Büchner auch hierauf anspielen, denn Leonce und Valerio sind ebenfalls Taugenichtse, Müßiggänger. Er hält der Romantik einen Spiegel vor um ihre Fehler aufzuzeigen."
Ginny nickte.
„Gut, das habe ich verstanden. Aber ich kann mir darunter immer noch nichts vorstellen."
Entnervt seufzte Blaise.
„Hier ist ein Gedicht von Joseph von Eichendorff."
Er zeigte auf eine Stelle in seinem Buch. Ginny rückte zu ihm auf die Bank, sodass sie nebeneinander saßen und gemeinsam in das Buch sehen konnten.
Die Schrift von dem Gedicht war anders, als Ginny sie gewohnt war.
„Was steht da?", fragte sie.
„Kannst du denn keine Frakturbuchstaben lesen? Sie werden häufig in alten Zauberbüchern gebraucht, das ist die alte deutsche Schrift."
Ginny schüttelte den Kopf.
„Kannst du es vorlesen?", fragte sie. „Ich verstehe es nicht, wenn du nur von der Theorie redest."
Blaise sah sie an. Dann blickte er in das Buch und begann:
„DIE NACHTBLUME
Nacht ist wie ein stilles Meer,
Lust und Leid und
Liebesklagen
Kommen so verworren her
In dem linden
Wellenschlagen.
Wünsche wie die Wolken sind,
Schiffen durch die stillen
Räume,
Wer erkennt im lauen Wind,
Obs Gedanken oder
Träume? -
Schließ ich nun auch Herz und
Mund,
Die so gern den Sternen klagen:
Leise doch im
Herzensgrund
Bleibt das linde Wellenschlagen."
Während er las, beugte sich Ginny etwas vor, damit sie auch in das Buch sehen konnte. So saßen sie Schulter an Schulter. Blaise las das Gedicht langsam und betont. Es klang, als hätte er es selbst bereits einige Male für sich gelesen und dabei eine passende Betonung gesucht. Es zeigte sich wieder, dass er als Schauspieler gut geeignet war: seine Stimme hatte den richtigen Klang und obwohl er gefühlvoll klang, wirkte es nicht kitschig oder übertrieben.
Als er das Gedicht gelesen hatte, sah er auf. Da sie so nah beieinander saßen, blickte er ihr direkt in die Augen. Sie waren so nah, dass Ginny seinen Atem auf ihrer Wange kitzeln spürte.
Er hatte wieder einen schwer erkennbaren, aber kühlen Ausdruck in den Augen. Die Gryffindor konnte kaum glauben, dass er soeben dieses Gedicht gelesen hatte.
Abrupt lehnte sich Blaise zurück, sodass sie nicht mehr so nah beieinander waren.
Verlegen setzte sich Ginny auf ihren Platz zurück.
So aßen sie schweigend ihren Kuchen. Nachdem sie fertig waren, rief Blaise eine Kellnerin und bezahlte – auch für Ginny.
Diese wollte protestieren, doch er machte es dennoch. Er sagte:
„Glaub mir, an den paar Sickeln wird meine Familie nicht untergehen. Bei deiner ist das allerdings nicht so sicher…"
Wie hatte sie nur annehmen können, es sei eine freundliche Geste? Wut auf Blaise überkam sie, die sie nur schwer zügeln konnte.
Nachdem sie ihre Jacken angezogen hatten, gingen sie hinaus in die Kälte. Schweigend machten sie sich auf den Weg zurück nach Hogwarts.
Den ganzen Weg sprachen sie kein Wort. Als sie in der Eingangshalle ankamen, war außer ihnen niemand dort. Kaum jemand war so lange in Hogsmead geblieben.
Das erste Mal, seit sie im Puddifoot's so nah beieinander saßen, sah Blaise sie direkt an. Sie standen da, in der Eingangshalle und wollten sich voneinander verabschieden.
Blaise blickte Ginny an. Dabei fiel sein Blick auf die Tüte aus dem Honigtopf. Die Zuckerrose, welche Justin ihr geschenkt hatte, ragte heraus.
„Er hat dir sogar eine Rose geschenkt.", brach Blaise das Schweigen. Es klang spöttisch. Aber nur Spott allein wollte ihm nicht gelingen. Ein anderer, unbestimmbarer Ton schwang mit.
Herausfordernd blickte Ginny ihn an: „Ja, hat er."
Schweigend sah Blaise auf sie hinunter. Er war ein Stück größer als Justin, fiel Ginny wieder auf. Einige Momente herrschte Stille. Dann:
„Ich wünsche dir noch einen schönen Abend."
„Ich dir auch.", antwortete Ginny.
Dann drehten sich beide um und gingen, jeder in seinen Gemeinschaftsraum.
Anmerkungen: Das längste Kapitel, das ich je geschrieben habe!
Zusatz-Disclaimer: Das Stück „Leonce und Lena", die Handlung, der Inhalt, Personen, Handlungsorte, Ideen, Worte, usw usf gehört Georg Büchner. Das Gedicht „Nachtblume" ist von Joseph Freiherr von Eichendorff.
Zwischen Blaise und Ginny ist es im Moment etwas kompliziert . Was haltet ihr von Justin? Ganz ehrlich, ich mag ihn ja eigentlich vor Reviewern duck. Aber keine Angst… ;-)
Ursprünglich wollte ich das Kapitel „Hogsmead oder Der erste Kuss" nennen.
Wie hat es euch gefallen? Nachdem ich mir nun soooo viel Mühe gegeben habe mit dem Kapitel schreiben, ist euer Part dran: bitte reviewt! Ihr seid alle aufgefordert, ob Erst-Reviewer oder Jedes-Kapitel-Reviewer oder Immer-mal-Reviewer: ich freue mich wahnsinnig doll über alles! Danke an dieser Stelle an die, die zum letzten Kapitel gereviewt haben! (Juchhu, die Reviews werden immer länger! freu freu freu Aber auch kurze sind Willkommen!)
