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Kapitel 19 – Hermines Kummer

Es war ein typischer Sonntagmorgen: viele Schüler saßen im Gemeinschaftsraum und machten Hausaufgaben, einige spielten „Snap explodes" und weitere waren nicht da: sie waren in der Bibliothek, um zu recherchieren oder mit Freunden aus anderen Häusern unterwegs.

Ginny saß da und versuchte, sich auf einen Verwandlungen-Aufsatz zu konzentrieren. Es wollte ihr nicht wirklich gelingen. Sie musste die meiste Zeit an den gestrigen Tag denken. Es war so verwirrend: das Treffen mit Justin war wirklich schön gewesen und sie mochte ihn. Sie hatte sich auch am heutigen Morgen gefreut, als sie aufgewacht war und seine Blume neben ihrem Bett hatte stehen sehen. Aber irgendwie musste sie auch an das ‚Rendez-vous' mit Blaise denken… sie verstand ihn einfach nicht. Sie hatte keine Ahnung, was dieser Slytherin dachte und das machte es so kompliziert mit ihm zu reden. Oder sich von ihm zu verabschieden. Was war gestern Abend los gewesen? Sie hatte sich unbeholfen gefühlt. Er wirkte, als könnte er fast nett sein. Als würde er das nur verbergen, unter einer Hülle aus Arroganz. Hatte sie sich das nur eingebildet?

Nach einer halben Stunde, in der sie nicht mehr als 3 Zeilen zustande gebracht hatte, gab sie entnervt auf. Sie hatte noch eine Woche Zeit, bis der Aufsatz abgegeben werden musste, daher beschloss sie, für den heutigen Tag mit Verwandlungen aufzuhören.

Auf der Suche nach Ablenkung sah sie sich um Gemeinschaftsraum um. Lernende Schüler, spielende Schüler, einsame Schüler… Moment mal.

Hermine saß, wie so häufig in letzter Zeit, einsam in einer Ecke über ihren Hausaufgaben. Ja, sicherlich, gelernt hatte sie schon immer, aber sie hatte dabei noch nie so… verloren gewirkt. Wie als wäre sie mit den Gedanken an einer anderen Stelle. Hermine sah absolut nicht glücklich aus.

Ginny musste es versuchen: sie musste einfach einen weiteren Versuch wagen, ihre Freundin aus der Depression zu holen. Bisher hatte sie ihr nicht erzählen wollen, weshalb sie Trübsal blies. Vielleicht heute?

Zögerlich ging die Rothaarige zu Hermine, bis sie vor ihr stand. Ob das wirklich so eine gute Idee war? Sie wollte die Ältere auch nicht stören.

In diesem Moment sah Hermine von ihrer Rolle Pergament auf. Ginny fiel auf, dass auf dieser nur recht wenig stand, was sehr untypisch für ihre ältere Freundin war.

„Oh, hi Ginny.", sagte sie. Sie gab sich Mühe, Freude in ihre Stimme zu legen, aber dennoch klang es leicht tonlos.

„Hallo Hermine.", begrüßte diese sie besorgt. Was sollte sie nur machen?

Hermine sah sehr blass aus. Ginny beschloss, dass es das Beste wäre, wenn ihre Freundin mal wieder an die frische Luft käme.

„Wollen wir einen Spaziergang machen? Du sitzt hier schon so lange, frische Luft wird dir gut tun."

‚Ich klinge wie meine eigene Mutter.'

Aber Hermime sagte zu: „Ja, vielleicht hast du Recht."

Die beiden Mädchen gingen und holten ihre Jacken.

Vor dem Schloss blies ihnen ein kalter Wind entgegen. Ginny zog ihre Jacke enger zu. Brr, der Herbst war wirklich nicht ihre liebste Jahreszeit!

Hermine und Ginny gingen eine Weile schweigend nebeneinander her. Erfreut bemerkte Ginny, dass ihre ältere Freundin allmählich wieder etwas Farbe auf die Wangen bekam. Statt wie sonst blass, hatten sie nun einen Hauch von Röte. Es stand ihr.

Die beiden Gryffindors gingen hinunter zum See, wie so oft. Die meisten Spaziergänge in Hogwarts endeten hier.

Der See war, trotz des ungemütlichen Wetters, friedlich. Kaum Wellen kräuselten seine Oberfläche. Wenn man ihn ansah, spürte man die ganz besondere Magie, die von diesem See ausging.

Ginny und Hermine suchten sich einen Platz am Rand des Sees. Ein umgefallener Baumstamm in der Nähe des Verbotenen Waldes diente ihnen als Sitzplatz.

Seit sie aus dem Gemeinschaftsraum gegangen waren, hatten sie kein Wort miteinander gesprochen. Und trotz der gesünderen Gesichtsfarbe sah Hermine immer noch traurig aus.

Immer noch schweigend saßen die beiden nebeneinander. Nach einer Weile hielt Ginny es nicht mehr aus. Aber was könnte sie sagen? Sie begann schließlich einfach:

„Ich sitze gerne hier am See. Als ich klein war, wollte ich immer nach Hogwarts und mich an den Rand des Sees setzen und auf den Riesenkraken warten, von dem Charlie immer erzählt hat. Ich habe mir vorgestellt, der Kraken würde mich dann mitnehmen und in eine ganz andere, ganz eigene Welt entführen."

Bei der Erinnerung an ihre früheren Träume lächelte sie. Vorsichtig drehte sie sich zu Hermine um. Auch diese lächelte. Aber dann bemerkte Ginny erschrocken, dass sich in ihren Augen Tränen angesammelt hatten. Trotzdem begann sie zu erzählen:

„Ich habe früher auch von fremden Welten geträumt, die ich besuchen kann. Du kennst das Märchen ‚Der Zauberer von OZ' wahrscheinlich nicht. Ich habe es geliebt: Dorothy wird durch den Wind in eine fremde, wunderbare Welt geweht."

Hermine schwieg. Dann erzählte sie weiter:

„Dann bin ich nach Hogwarts gekommen. Das ist für mich so etwas wie diese fremde, wunderbare Welt, weißt du?

Aber auch Dorothy in dem Märchen sieht, dass in dieser Welt nicht alles perfekt ist. Sie trifft einige Fabelwesen, welche verschiedene Wünsche haben. Um diese erfüllt zu bekommen, müssen sie den gelben Backsteinweg entlang gehen."

Sie seufzte. Eine weitere Träne rann ihr über die Wange.

„Ich wünschte, ich hatte auch einfach einen Weg, an den ich mich halten kann.", sagte sie dann leise.

„Hermine!", sagte Ginny erschrocken. Sie hatte erstaunt zugehört.

„Ginny, es ist schwer.", sagte diese dann. Sie hatte wohl, durch die Erinnerung an ihren Kindheitstraum, endlich den Mut gefunden, über das zu sprechen, was sie bedrückte.

„Meine Eltern verstehen seit meinem 11. Lebensjahr nicht mehr viel von dem, was passiert. Sie freuen sich für mich, dass ich nach Hogwarts gekommen bin, aber was hier wirklich passiert, das verstehen sie nicht."

Ginny sah ihre Freundin an. Sie konnte es sich nur schwer vorstellen, wie es war, wenn nicht die ganze Familie Zauberer waren. Hermine sprach weiter:

„Und Harry… seitdem er gegen Voldemort gekämpft hat, hat er sich verändert. Er ist stiller geworden. Manchmal frage ich mich, ob das noch der Harry ist, den wir alle kennen. Sicher, er ist freundlich wie immer, aber da ist etwas… es muss etwas im finalen Kampf passiert sein, was ihn verändert hat. Keiner weiß, was wirklich zwischen Harry und Voldemort passiert ist. Aber es hat ihn verändert."

„Viele haben sich geändert", gab Ginny zu bedenken. „Aber ich weiß, was du meinst. Auch ich habe das schon gespürt. Es ist etwas Dunkles bei ihm, etwas Melancholisches. Ich denke, dass das leider nie ganz verschwinden wird.", gab sie zu bedenken.

Hermine nickte. Dann schluchzte sie plötzlich und vergrub das Gesicht in den Händen. Instinktiv ahnte Ginny:

„Aber das war nicht alles, nicht war? Es ist noch etwas passiert. Hermine, vielleicht hilft es dir, wenn du darüber redest!". Verzweifelt sah sie ihre Freundin an.

„Du hast Recht,", brachte sie erstickt hervor. „Das war nicht alles. Das Schlimmste… das Schlimmste ist, wie Ron… er verbringt kaum Zeit mit uns und…"

Wieder kamen Tränen in ihre Augen. Sie wandte sich ab, um sie wegzuwischen.

Daher kam also ihr Kummer. Ron hatte zu wenig Zeit für sie. War das alles? Fragend sah Ginny ihre Freundin weiter an.

Diese hatte sich inzwischen wieder etwas gefasst. Sie starrte geradeaus auf den See. Es schien ihr wirklich gut zu tun, über ihren Kummer zu reden. So wagte Ginny zögerlich den Versuch und fragte:

„Ist… hat es etwas mit Sarah zu tun?"

Sie bemerkte, wie Hermine bei der Erwähnung dieses Namens leicht zusammen zuckte. Deshalb bohrte sie nicht weiter in Hermine hinein, sondern wartete, ob diese von selbst etwas erzählte.

Nach einer Weile begann diese:

„Ron… und ich haben uns schon lange gut verstanden, das weißt du. In der vierten Klasse haben wir uns häufiger gestritten, wegen Viktor. Aber auch das war irgendwann vergessen. Ich schreibe mir nur noch selten mit Viktor, weißt du. Er hat eine Bulgarin gefunden, mit der er verlobt ist.

Im letzten Jahr, als die Angst vor Voldemort herrschte, sind Ron und ich uns näher gekommen. Nein, nicht so nah.", bemerkte sie, als sie Ginnys Gesichtsausdruck sah. „Er hat mir lediglich Halt gegeben in dieser schwierigen Zeit und ich denke, dass auch ich ihm geholfen habe.

Nach den Sommerferien jedoch war es anders. Sicher, er ist immer noch der gleiche Ron, der lacht und herum albert. Aber es ist da etwas anderes… als ob etwas zwischen uns stehen würde. Ich weiß nicht, wieso das kam.

Und als er dann immer mehr mit Sarah unternommen hat, ist mir klar geworden, dass Ron mir mehr bedeutet. Es klingt kitschig, ich weiß. Aber es ist die Wahrheit. Ron ist nicht nur ein Freund für mich. Ich wusste, dass ich keine Chance bei ihm hatte. Dennoch war es ein Schock, als er mit der anderen zusammen gekommen ist."

Sprachlos sah Ginny ihre Freundin an. Das steckte als hinter ihrem Verhalten.

Liebeskummer.

Es war tragisch, dass sie das erst erkannt hatte, als es, laut ihrer Ansicht, schon zu spät gewesen war. Kein Wunder, dass sie traurig war. Stumm rannen ihr wieder die Tränen übers Gesicht.

‚Aber war es denn wirklich zu spät?', kam Ginny plötzlich ein Gedanke. Aber um ihrer Freundin keine unnötigen und womöglich falschen Hoffnungen zu machen, sprach sie ihn nicht laut aus.

Stattdessen folgte sie einer spontanen Eingebung und nahm ihre Freundin einfach in den Arm. Sie waren inzwischen gleich groß, daher ging das gut.

Wie es ihre Mutter bei ihr immer gemacht hatte, strich sie ihr die Haare aus dem Gesicht und wischte es ihr mit einigen hergezauberten Tüchern weg.

‚Die Taschentücher der Muggel sind doch zu mehr gut, als sich nur die Nase zu putzen. Blaise sollte nicht so arrogant darüber denken. Halt… wieso denke ich eigentlich dauernd an Blaise?'

Sie biss sich auf die Unterlippe.

Hermine, die sich wieder gefangen hatte, bemerkte, dass ihre jüngere Freundin kurz gezögert hatte. Prüfend sah sie sie an.

„Einen Penny für deine Gedanken."

„Was?", fragte Ginny perplex, die dieses Muggelsprichwort natürlich nicht kannte.

„Das ist nur so eine Redensart. Aber ich frage mich, worüber du gerade nachgedacht hast. Schau nichts so unschuldig. Man sieht es dir an, dass auch du ein Problem mit dir herum trägst."

Besorgt sah sie die Rothaarige an.

„Ginny, mir hat es geholfen, über meine Gefühle zu sprechen. Vielleicht hilft es dir auch?"

„Ich weiß nicht, was du meinst.", murmelte die Angesprochene.

„Oh doch, das weißt du genau. Du wirkst auch häufig traurig. Als du gestern aus Hogsmead zurückgekommen bist, warst du nicht so fröhlich wie die anderen. Und das obwohl, wenn man den Erzählungen der anderen Mädchen trauen kann, Justin sehr nett zu dir war."

„Was? Woher wissen die das?"

Etwas wie Belustigung zeigte sich in Hermines Augen, als sie antwortete: „Weißt du das nach mehr als 5 Jahren Hogwarts immer noch nicht? Alles spricht sich schnell herum, besonders solche Sachen. Der Buschfunk funktioniert gut."

Ginny seufzte. Privatsphäre war in Hogwarts schwer zu bekommen. Resigniert antwortete sie:

„Ja, du hast Recht. Justin ist nett. Ich mag ihn auch wirklich gerne."

„Aber?"

„Nichts aber."

„Warum klingst du dann so zweifelnd?"

„Ich… ich weiß es nicht. Verdammt, wieso ist alles so furchtbar kompliziert?"

Leicht verzweifelt starrte sie auf den See.

Prüfend sah Hermine sie an.

„Justin ist nicht das einzige Problem, oder?"

Die Siebtklässlerin hatte den Spieß rumgedreht. Nun war es an Ginny, zu antworten.

„Ich… ja, ich glaube, du hast Recht. Es ist… so schwer. Ich verstehe es einfach nicht!"

Verwirrt sah Hermine sie an. Was bedeutete dieser Ausbruch?

„Er… Hermine, es gibt jemanden… ich weiß einfach nicht, was ich denken soll, verstehst du?"

Ihre Freundin war immer noch irritiert, aber etwas wie Erkenntnis blitzte in ihren Augen.

„Ginny, ich weiß nicht, von wem du redest.", sagte sie schließlich, „Du musst es mir auch nicht sagen. Aber vielleicht kann ich dir einen Tipp geben: versuche heraus zu finden, was du fühlst. Je früher, desto besser. Es könnte irgendwann zu spät sein…"

Hier sah sie wieder auf den See. Nach einiger Zeit des Schweigens sprach Hermine weiter:

„Und tu es nicht nur für dich. Tu es auch für Justin und den anderen."

Dann nickte sie ihrer Freundin zu:

„Ich denke, es war gut, dass wir miteinander geredet haben. Ich gehe nun besser in die Bibliothek, ich muss noch einen Aufsatz schreiben."

Ginny nickte. Anscheinend ging es Hermine besser.

„Ich bleibe noch etwas hier."

Die beiden Mädchen verabschiedeten sich voneinander, dann verschwand Hermine in Richtung Schloss.

Inzwischen war es dämmrig geworden. Der See sah nun viel dunkler aus als im hellen Tageslicht. In Gedanken versunken starrte Ginny darauf.

„Werde dir über deine Gefühle im Klaren. Es könnte sonst zu spät sein.", flüsterte sie. Ob sie es zu sich selbst oder zu dem See sagte, wusste sie nicht.

Da hörte sie plötzlich das Brechen eines kleinen Zweiges, ganz in ihrer Nähe. Erschrocken sah sie sich um.

Eine Gestalt in dunklem Mantel stand 1 ½ Meter entfernt links von ihr. Sie war so in Gedanken versunken gewesen, dass sie sie vorher nicht bemerkt hatte.

Erschrocken starrte sie die Person an. Doch as sie noch einen Schritt auf sie zu machte, bemerkte Ginny, wer es war: ausgerechnet Blaise Zabini.

„Guten Abend. Was machst du so spät hier unten am See?", fragte er.

„Das Gleiche könnte ich dich fragen.", antwortete sie.

„Ich brauche keinen Grund."

„Muss ich dann einen haben?"

Schweigend sahen sie sich an: sie saß weiterhin auf dem dicken Baumstamm, er stand daneben.

Sie sah den Slytherin an. Hier, weit weg vom Schloss, wirkte er irgendwie… gelöster. Seine Haltung war lässiger, auch sein Gesichtsausdruck war, soweit sie das in der stärker werdenden Dunkelheit erkennen konnte, nicht so hart wie meist. Vielleicht irrte sie sich auch.

Plötzlich kam ein kalter Wind auf. Sie fröstelte leicht.

Blaise hatte das mit einer hochgezogenen Augenbraue bemerkt.

„Du frierst. Du solltest zurück ins Schloss gehen."

War das Besorgnis?

„Es wäre schlecht, wenn du krank wirst und bei den Proben ausfällst.", erklärte er weiter.

Ja, Besorgnis. Wegen dem Stück. Verdammt, wieso fühlte sie sich traurig deswegen? Warum hatte sie ihm nicht längst gesagt, dass er dorthin gehen solle, wo die Hippogreife heulen?

‚Werde dir über deine Gefühle im Klaren. Es könnte sonst zu spät sein.' Aber warum war das nur so schwer?

„Du solltest zum Abendbrot hoch ins Schloss gehen.", sagte sie, der Streitereien müde. „Dann könntest du mich vielleicht mal in Ruhe lassen."

„Ich will nicht hoch zum Schloss.", antwortete Blaise. Er sagte es ruhig. „Von dort komme ich."

„Du wolltest also einfach einen Spaziergang um den See machen.", stellte Ginny fest.

Er sah sie an: „Ich weiß zwar nicht, was dich das angeht, aber ja."

„Allein?"

„Nach was sieht es denn aus?". Allmählich kam der Spott in seiner Stimme wieder.

„Ich habe ja nur gefragt."

Wieder schwiegen sie. Dann fragte Ginny:

„Wolltest du nicht einen Spaziergang machen? Im Moment stehst du jedenfalls nur rum."

Er sah sie an:

„Ich wurde aufgehalten."

Dann ging er, an ihr vorbei, am Seeufer entlang.

Einer spontanen Eingebung folgend, ging Ginny ihm hinterher.

„Was willst du?", fragte er, als er sie bemerkte. Er sah sie nicht an, sondern weiter geradeaus.

„Einen Spaziergang am See machen.", antwortete Ginny.

„Kannst du das nicht allein?"

„Dies ist ein freies Land, oder? Und es gibt hier nur einen See."

Er gab auf. Anscheinend war er am heutigen Abend auch nicht auf Streitereien aus. Vielleicht war es auch die Atmosphäre, welche in der Nähe des Sees in der Natur herrschte, die ihn alles lockerer sehen ließ.

Schweigend gingen sie eine Weile nebeneinander her.

Ginny hing in ihren Gedanken. Warum war sie ihm jetzt hinterher gegangen?

Es war inzwischen dunkel geworden. Der See lag ziemlich ruhig da, leise kräuselte nur der Wind die Oberfläche, sodass es leise plätscherte.

Ginny hatte schon häufig Spaziergänge um den See gemacht und immer hatte sie auf den See gehört. Kam es ihr nur so vor, oder klang das Plätschern des Sees tatsächlich immer anders?

„Was sagst du?"

Sie hatte doch nicht schon wieder laut gesprochen? Höchstens geflüstert! Der Kerl musste ein verdammt gutes Gehör haben…

„Ich…". Ihr fiel keine Antwort ein. Das war ja so peinlich! Wie konnte sie nur so einen Unfug denken? Zum Glück war es dunkel, sodass er nicht sah, wie sie errötete. Hoffentlich nicht sah.

„Der See hat viele Geheimnisse.", sagte er unerwartet. Mehr nicht. Verwundert fragte sich Ginny, wie sie das zu deuten hatte.

Sie gingen schweigend weiter. Blaise schien sich an ihre Gesellschaft gewöhnt zu haben. Vielleicht nahm er sie auch gar nicht mehr wahr.

Plötzlich kam ein kalter Windstoss. Trotz ihrer Jacke fröstelte Ginny wieder. Sie zog die Schultern zusammen. Auch ihre Zähne klapperten kurz.

Hatte dies Blaise' Aufmerksamkeit erregt? Auf einmal spürte sie, wie etwas Warmes um ihre Schulter gelegt wurde. Es war wie eine kurze Umarmung.

„Ich möchte nicht, dass du krank wirst.", sagte Blaise leise, noch während er ihr seinen Umhang um die Schultern legte.

„Damit ich nicht bei den Proben ausfalle.", sagte Ginny, ebenso leise, mehr zu sich selbst.

Blaise sah sie an, dann starrte er wieder geradeaus. „Ja. Du hast Recht."

Seine Stimme klang etwas belegt. Bildete sie sich wieder etwas ein?

„Und was ist, wenn nun du krank wirst?"

„Ich bin abgehärtet.", erklärte der Slytherin.

„Wir sollten dennoch hoch zum Schloss gehen."

„Du kannst ruhig gehen. Ich habe dich nicht gebeten, mitzukommen."

Kurz lag Ginny auf der Zunge, zu sagen: ‚Du hast es mir aber auch nicht verboten.'. Aber sie blieb ruhig.

Nach wenigen Minuten sagte Blaise:

„Wir sollten zurückgehen, es gibt sonst kein Essen mehr."

Ginny seufzte. Herrje, wie kompliziert. Er konnte wohl keinen Rat von einer Gryffindor annehmen. Aber sie nickte, und so gingen die beiden Schüler zum Schloss.

Als sie in der Eingangshalle waren, welche zu dieser Zeit leer war, wollte Ginny vor dem Essen noch einmal in den Gryffindor-Turm, um ihre Jacke wegzulegen. Es fiel ihr auf, dass sie immer noch Blaise Umhang hatte. Sie errötete leicht und nahm ihn ab.

Mit einem schlichten „Danke!", hielt sie ihm den hin.

Er streckte seinen Arm aus, um ihn zu nehmen. Als er nach seinem schwarzen Umhang griff, streiften seine Finger kurz die Hand von Ginny. Es war ein so plötzliches, seltsames Gefühl, dass sie abrupt zurück zuckte. Dabei ließ sie den Umhang los.

Dieser fiel auf den Boden. Erschrocken sah Ginny erst den Umhang, dann Blaise an. Hatte er auch so abrupt losgelassen?

Schnell bückte sich Blaise nach seinem Umhang.

„Du bist ungeschickt.", sagte er. Erstaunt bemerkte Ginny, das die gewohnte Schärfe fehlte. „Ich… wünsche dir einen schönen Abend."

Er drehte sich um und ging davon.

Fassungslos sah Ginny ihm nach. Hatte gerade er, ein Slytherin wie er im Buche steht, nach Worten suchen müssen?

„Dir auch.", rief sie ihm hinterher. Dann ging sie in den Gryffindor-Turm. Auf halber Strecke fing sie an zu rennen.

‚Was ist nur mit mir los?'

Anmerkungen: Nicht ganz so lang wie das letzte Kapitel, ich weiß…

Zusatz-Disclaimer: Das Stück „Leonce und Lena", die Handlung, der Inhalt, Personen, Handlungsorte, Ideen, Worte, usw usf gehört Georg Büchner.

Na, wie hat es euch gefallen? Inzwischen ist doch wohl unverkennbar, dass Blaise ein klein wenig verwirrt über Ginny ist…

Was mit Hermine los ist (die meisten hatten es ja schon erraten, war ja auch offensichtlich) wisst ihr nun auch. Wie wird es da wohl weiter gehen? (Ich weiß es! Sarah kommt mit Blaise zusammen, Ron und Ginny versuchen Geschwisterliebe weshalb Hermine aus Trauer was mit Hannah anfängt, in die eigentlich Finn verliebt war, die sich jetzt mit Harry tröstet und dann ist nur noch Justin allein und der zieht es vor, in Zukunft beim Kraken im See zu leben. Muahah!) (Quatsch )

Danke an meine liebsten, tollsten Reviewer! strahl Ich versuche, eure Kritik ernst zu nehmen und mich zu verbessern. Allerdings gehen, wie so oft, die Meinungen weit auseinander. Meine Pläne für diese Story habe ich teilweise überdacht. Ich gebe mir einfach Mühe, und freue mich, wenn es euch gefällt!