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Kapitel 25 – Die Weihnachtsfeier
Freitag! Ginny erwachte mit einem Gefühl der Vorfreude. Heute Abend war die Weihnachtsfeier der Theatergruppe. Das würde sicher lustig werden. Wenn Tonks etwas plante, dann richtig!
Schon die ganze Woche hatte sich Ginny auf diesen Tag gefreut. Außerdem war sie neugierig, ob Blaise kommen würde. Sie hoffte es wirklich, aber was, wenn nicht?
Als sie in der großen Halle frühstückte, merkte sie, dass es viel lauter war als sonst. Die meisten Schüler erzählten freudig und laut, was sie in den Ferien machen würden. Am nächsten Morgen brachte der Hogwarts-Express die meisten nach Hause. Ginny würde, zusammen mit Hermine, Harry und Ron, nach Hause fahren und dort feiern. Sie freute sich bereits darauf. Nach einigen traurigen Weihnachtsfesten würde dieses wieder schön werden – das erste Weihnachtsfest nach dem Sturz Voldemorts.
Da es so kurz vor den Ferien war, waren auch die Lehrer heute etwas freundlicher gestimmt. So verging der Unterricht sehr schnell. Danach packte Ginny – am nächsten Morgen und heute Abend würde sie keine Zeit mehr haben.
Als sie fertig war, warf sie einen Blick auf die Uhr – und erschrak. Sie hatte nur noch 1 ½ Stunden bis sie unten in der Halle sein sollte. Es war halb 6! Und sie hatte sich noch nicht fertig gemacht.
Schnell rannte sie in den Waschraum. Sie musste sich doch noch ihre Haare waschen… und eine Frisur machen… und ihr Kleid anziehen… ob sie sich etwas schminken sollte? Eigentlich schminkte sie sich nicht, aber es wirkte erwachsener.
Während sie noch so überlegte, stellte sie sich unter die Dusche und säuberte sich und ihre Haare. Jaja, das Haarewaschen. Sie musste grinsen, als sie daran dachte, wie oft sie sich in den letzten Monaten den Kopf darüber zerbrochen hatte, ob sie es machen sollte oder nicht. Heute jedenfalls war sicher ein Anlass, saubere Haare zu haben. Tonks hatte schließlich gesagt, sie sollten sich gut anziehen.
Nach dem Duschen trocknete sie sich die Haare etwas mit einem schnellen Zauberspruch, ließ sie jedoch noch etwas feucht, da sie sie so besser frisieren konnte. Sie hatte sich entschieden, sie am heutigen Abend offen zu tragen. Oder doch nicht? Ach, das war so schwierig zu entscheiden! In diesem Moment klopfte es an der Tür.
„Hallo?"
Ein jüngeres Mädchen trat ein. Es war Natalie McDonald, eine Gryffindor im gleichen Jahrgang wie Dennis, der jüngere Bruder von Colin.
„Ja?", fragte Ginny überrascht. Normalerweise hatte jeder Jahrgang seine eigenen Waschräume.
„Peeves hat unsere Duschen unter Wasser gesetzt. Könnte ich vielleicht bei euch duschen?", fragte Natalie.
„Ja, klar."
Das Mädchen schlüpfte in den Raum und ging unter eine der Duschen. Dabei erzählte sie:
„Kräuterkunde war heute so anstrengend, wir mussten einige Pflanzen umtopfen und die haben sich gewehrt. Deshalb wollte ich gerne noch vor dem Abendessen duschen. Was machst du um diese Zeit hier?"
„Ach, ich…"
„Ach so, ist heute nicht die Weihnachtsfeier der Theatergruppe?" Neugierig steckte das Mädchen den Kopf aus der Dusche. „Dennis hat davon erzählt."
„Äh, ja, genau."
Natalie trocknete sich inzwischen ab. „Das wird sicher lustig. Ach, ich beneide dich fast, in der Theatergruppe sind einige richtig süße Jungs." Sie zwinkerte ihr zu.
Ginny lachte. Das Mädchen war ihr sympathisch. Sie war sehr offen und sagte, was sie dachte.
„Weißt du schon, was du anziehst?", fragte sie jetzt.
„Hm, ja. Aber mit meiner Frisur bin ich noch nicht zufrieden." Missmutig starrte Ginny in den Spiegel.
„Oh, darf ich mal versuchen? Ich hab da so eine Idee…"
„Wenn du denkst?"
„Meiner jüngeren Schwester habe ich auch immer die Haare gemacht. Sie ist jetzt in der dritten Klasse, in Hufflepuff."
Unbefangen plauderten die Mädchen weiter, bis Natalie schließlich sagte: „So! Fertig. Du kannst in den Spiegel schauen."
Neugierig betrachtete sich Ginny.
„Das… das sieht toll aus!"
Natalie hatte ihr zwei französische Zöpfe geflochten, die so über ihren Kopf verliefen, dass es aussah wie eine Krone. Hinter dem Kopf liefen sie zusammen und waren ab der Stelle nicht weiter geflochten. Die restlichen Haare fielen ihr leicht gelockt offen über die Schultern. Mit einem Schwenk ihres Zauberstabs hatte Natalie dafür gesorgt, dass die Frisur hielt.
„Ich danke dir! Das ist wirklich hübsch.", lächelte Ginny.
„Oh, bitte, gern geschehen. Es macht mir Spaß, neue Frisuren auszuprobieren."
Die beiden Mädchen verabschiedeten sich. Jetzt musste Ginny nur noch das Kleid anziehen. Sie hatte sich gegen Make-up entschieden. Die Frisur und das Kleid waren raffiniert genug.
Vorsichtig zog sie es an. Dann stellte sie sich vor den Spiegel.
Das Dunkelgrün stand ihr wirklich hervorragend. Der leuchte, seidige Glanz ließ das Kleid dazu edel aussehen. Es wirkte wirklich erwachsen… was ihre Mutter wohl denken würde, wenn sie sie so sehen würde?
Das Kleid hatte schmale Träger an den Schultern, ansonsten war es ärmellos. Vorne lief der Ausschnitt spitz zu – nicht zu tief, aber durchaus hübsch. Ebenso hinten. Nach unten hin fiel das Kleid in sanften Wellen, die ihre Beine umspielten. Es war lang, fast bis zum Boden. Zum Glück hatte Ginny dazu passende, schwarze Riemchen-Sandalen.
Alles in allem, dachte sie sich, konnte sie sich wirklich sehen lassen.
Inzwischen war es nur noch eine Viertelstunde bis 7 Uhr. Sie ging los, um rechtzeitig in der Großen Halle einzutreffen.
Als sie unten ankam, waren bereits einige weitere Mitglieder der Theatergruppe dort. Mary und Claire winkten ihr zu. Sie hatten hübsche Kleider an, in hell- und dunkelrot. Die meisten anwesenden Jungen hatten sich für eine Festrobe entschieden. Alles in allem sahen sie wirklich gut aus. Justin hatte sich für eine blaue Festrobe entschieden, Hannah neben ihm für ein oranges Kleid. Im Gegensatz zum Einheits-Schwarz war es also an diesem Abend wirklich bunt.
Suchend sah Ginny sich um. Hm, wo war Blaise? Sie merkte, wie sich Enttäuschung in ihr breit machte. Er würde also doch nicht kommen…
Da hörte sie Schritte, die von der Treppe, die aus dem Kerker heraus führte, zu kommen schienen. Ja, die Schritt kamen näher. Und dann sah sie es: die drei Slytherins tauchten auf.
Alle 3 hatten Schwarz an: der Fünftklässler eine einfache, jedoch teuer aussehende Festrobe; Diamante ein schwarzes, raffiniert geschnittenes und edles Kleid; und auch Blaise trug eine schwarze Festrobe.
Die drei waren die Letzten gewesen. Jetzt fehlte nur noch Tonks. Aber auch diese tauchte kurz darauf auf.
„Hallo meine Lieben! Jetzt wird gefeiert.". Sie lachte in die Runde. „Und weil das in der Großen Halle nur schwer geht, habe ich einen anderen Raum besorgt. Folgt mir einfach."
Neugierig gingen die Schüler hinter ihr her. Tonks führte sie in den fünften Stock, dann einige Gänge und Korridore entlang.
„Hier ist es!"
Sie standen vor dem Raum der Wünsche, wie Ginny verwundert bemerkte. Natürlich, das war die Idee! Hier konnte man wirklich gut feiern. Wie der Raum wohl heute dekoriert war…?
Tonks ging voraus, die Schüler folgten ihr und traten ein.
Der Raum der Wünsche sah toll aus. Es standen Sofas und Sessel herum, alles in den Farben rot und grün, ein dicker, flauschiger Teppich lag und auch einige Knabbereien und Getränke standen dort. In der Mitte des Raumes war Platz: dort war anscheinend eine Tanzfläche. Außerdem waren einige Nischen im Raum, wo auch Sofas standen. Dort konnte man sich gemütlich und ungestört hinsetzen, wenn man sich mal ausruhen wollte.
Die Schüler besahen sich alles begeistert. Tonks strahlte über das ganze Gesicht. Auch Ginny grinste. Das war toll!
Dann fiel ihr Blick auf die Decke. Oh, nein… Doch. Dort hingen an einigen Stellen Misteln. So, wie es Weihnachtstradition war…
Die Schüler verteilten sich nun auf die zentral stehenden Sessel und Sofas. Auf ein Schnipsen von Tonks hin erschienen kleine Tischchen, auf denen einiges Leckeres lag.
Ginny hatte sich zu Dennis gesetzt. Auch Finn kam hierhin. Hannah und Justin saßen ganz in der Nähe. Es gab nicht die strenge Häusersitzordnung, wie man es erwarten könnte. Alle saßen durcheinander und griffen ordentlich zu. Nur die Slytherins waren etwas abseits.
Man lachte und redete, erzählte und spaßte. Irgendwann waren alle satt. Tonks stand auf, um eine kleine Rede zu halten.
„Ich bin wirklich froh, dass ihr heute alle gekommen seid. Wir haben in den letzten Monaten einiges zusammen geschafft – jetzt haben wir es uns verdient, zu feiern, denke ich! Ich hoffe, ihr habt Spaß!"
Es war eine kurze Rede, die zeigte, dass Tonks selber lieber feiern wollte als lange Reden zu schwingen. Musik setzte ein, kaum dass sie das letzte Wort gehört hatte. Auch die Musik war typisch: laut, schnell, lustig. Schnell füllte sich die Tanzfläche.
Auch Ginny tanzte mit. Auf der Tanzfläche war, trotz der wenigen Mitglieder der Theater-AG, ein ziemliches Durcheinander. So kam es, dass sie auf einmal vor Justin stand. Verlegen lächelte sie ihn an. Und… er lächelte tatsächlich zurück. Dann fragte er: „Wollen wir Tanzen?"
Ginny nickte. Er war ihr also nicht mehr böse?
In diesem Moment setzte jedoch plötzlich langsame Musik ein. Ginny errötete. Wieso gerade jetzt? Aber sie hatte gesagt, dass sie mit Justin tanzen würde. Sie trat ein Stück an ihn heran. Verlegen sah auch er sie an, aber auch er ging ein Stück auf sie zu. Er legte einen Arm um sie und fasste sie mit der anderen Hand bei der Hand. Langsam begannen sie, sich zum Takt zu bewegen.
Zum Glück hatte Percy ihr bereits vor einigen Jahren das Tanzen beigebracht. Sie erinnerte sich daran – damals war sie noch nicht auf Hogwarts gewesen. Zum Glück konnte sie es noch.
Justin war außerdem ein recht guter Partner. Es machte Spaß, mit ihm zu tanzen. Nur einmal trat er ihr fast auf den Fuß, entschuldigte sich aber sofort.
Bald war das Lied vorbei. Ginny war jetzt warm, sie wollte etwas trinken gehen. Auf dem Weg zurück von der Tanzfläche sah sie am Rand plötzlich Blaise und Diamante. Auch die beiden hatten anscheinend miteinander getanzt. Diamante deutete gerade über sich. Ginny sah dorthin: eine Mistel!
Eiskalt lief es ihr den Rücken hinunter. Blaise würde doch nicht… oder… auch Blaise sah über sich. Der Ausdruck auf seinem Gesicht, als er die Mistel erkannte, war undeutbar. Er wirkte verschlossen wie eh und je.
Doch dann beugte er sich vor. Und gab Diamante einen Kuss, direkt auf ihren Mund.
Unfähig, weiter zu gehen, starrte Ginny die beiden an. Das konnte doch nicht wahr sein… natürlich, er hatte sie nur wegen der Mistel geküsst, aber dennoch… war es wirklich wegen der Mistel?
Mist, sie konnte hier nicht stehen bleiben, das war auffällig. Ginny zwang sich, weiter zu gehen und sich ein Butterbier zu nehmen. In einem Zug war der Becher leer. Sie nahm sich einen weiteren Becher. Auch dieser war rasch geleert.
Auf Tanzen hatte sie jetzt keine große Lust mehr. Sie setzte sich neben den Tisch mit den Knabbereien und aß lustlos einige Feuerdrachen. Verdammt, warum brachte dieser Kerl sie immer wieder so durcheinander?
Irgendwann kam jemand auf sie zu. Es war Finn.
„Hallo!", sagte die Kleine.
„Hi.", antwortete Ginny.
„Es ist lustig, oder? Ich finde, Tonks hat das toll organisiert.". Finn ließ sich in den Sessel neben Ginny plumpsen.
„Hm."
„Warum sitzt du hier so rum?"
„Ach, weiß nicht."
„Na dann kannst du ja auch tanzen! Kommst du mit? Mit mir wollte nämlich gerade niemand mehr tanzen…"
Die Kleine sah sie mit einem so drolligen Blick an, dass Ginny lächeln musste.
„Na gut, ich komme mit."
Vergnügt hopste Finn los, Ginny folgte ihr. Es lief wieder schnellere Musik und es dauerte nicht lange, bis die beiden Mädchen ausgelassen tanzten. Finn war sehr quirlig und sprang mehr, als dass sie tanzte. Ginny machte mit.
Allerdings war das sehr anstrengend, so dass sie nach einer Weile meinte:
„Puh, Finn, ich kann nicht mehr. Ich setze mich etwas hin, ok?"
Die Jüngere nickte, und so ging Ginny von der Tanzfläche.
Sie wollte etwas Ruhe haben. Dafür geeignet wäre eine der Nischen. Zielstrebig ging sie auf eine im Schatten liegende Nische zu. Hier würde sie niemand sehen und sie hätte eine Weile Zeit zum Nachdenken…
„Blaise!"
Ginny hatte aber auch ein Pech. Gerade in der Nische, wo sie hin wollte, saß schon jemand. Mist, zurückgehen konnte sie nun nicht mehr – das würde zu seltsam aussehen.
„Hallo", grüßte Blaise sie. Er sah sie nicht an, wirkte aber auch nicht so, als ob er sich von ihr gestört fühlen würde.
‚Ich habe keinen Grund, vor ihm zu flüchten.', sagte sich Ginny und setzte sich in den zweiten Sessel.
Am liebsten hätte sie sich jetzt bequem hingefläzt, aber das war ja leider nicht möglich – schließlich hatte sie ein Kleid an.
„Und, wie gefällt es dir?", fragte sie also, bemüht, eine Konversation in Gang zu bringen.
„Es ist ansprechend. Professor Tonks hat sich sicherlich viel Mühe gegeben."
Er klang geschraubt, aber etwas aufgeschlossener als sonst.
„Ja. Es ist recht weihnachtlich."
„Weihnachten wird lediglich aus Tradition gefeiert. Traditionen
sollte man wahren – aber einiges ist dennoch lächerlich."
Sein
Blick flackerte kurz zu den Misteln. Ginny bemerkte, dass er schon
wieder diesen ‚Slytherin-Blick' bekam, dieses
‚Ich-werde-gleich-jemanden-fressen' und wechselte daher schnell
das Thema.
„Mit dem ersten Akt sind wir jetzt durch, nicht wahr?"
„Ja, wie es geplant war. Nach den Ferien beginnen wir mit dem zweiten."
„Das wird sicherlich interessant."
„Wird es."
Ginny setzte wieder an:
„Ich finde es erstaunlich, wie sich manche in der kurzen Zeit gesteigert haben, du nicht? Finn zum Beispiel."
„Du meinst Perzephona?". Argh, warum mussten Slytherins immer so überkorrekt sein?
„Äh, ja.", antwortete Ginny.
„Ja, das hat sie tatsächlich. Sie ist dennoch nicht gut."
„Aber sie gibt sich Mühe."
Es war kurz ruhig. Ginny merkte, dass es in dem Raum äußerst warm war. Sie sah Blaise an. Auch er schien zu schwitzen – natürlich, seine Robe war recht warm.
„Schwitzt du nicht?", rutschte es ihr heraus. Blaise sah sie erstaunt an. „Äh, ich meine… hier ist es warm… und du kannst ja deine Robe auch ausziehen, so förmlich ist es hier ja nicht."
Sie wurde rot. Was stotterte sie da eigentlich zusammen?
Kurz darauf erhob sich Blaise. „Ich werde etwas nach draußen gehen."
Ginny biss sich auf die Lippen. Typisch Slytherin. Ihm war wirklich warm. Und jetzt wollte er sie hier einfach so sitzen lassen?
„Kann ich mitkommen?"
Überrascht drehte sich Blaise um.
„Die Luft hier ist wirklich stickig."
Ginny war nicht umsonst eine Gryffindor. Sie hatte einfach ihren Mut zusammen genommen und ihn gefragt. Was wollte er auch wieder so eine Einzelgänger-Show abziehen?
Mit undurchschaubarer Miene antwortete Blaise: „Wenn du denkst.", und ging los. Schnell ging Ginny hinterher.
Unbemerkt gingen sie aus dem Raum und weiter durch das nächtliche Hogwarts. Blaise ging in Richtung des Astronomie-Turmes, wie Ginny bald erkannte. Natürlich, der war nicht weit weg, außerdem gab es dort frische Luft. Auf dem Astronomie-Turm war eine Plattform, wo die Schüler manchmal saßen um die Sterne zu beobachten. Anscheinend wollte Blaise auch jetzt dorthin.
Der Weg war nur kurz, sie waren bald dort und traten hinaus in die kühle Winterluft. Unbewusst atmete Ginny tief ein. Wie gut das tat, nach der Zeit in dem stickigen Raum!
Eine Weile standen sie ruhig da. Man konnte lediglich einige Sterne erkennen, da die Wolken viele verdeckten. Dennoch war es schön, über die winterliche Landschaft von Hogwarts zu schauen. Blaise blickte in die Ferne.
Nach einer Weile sagte Ginny:
„Es ist schön hier."
Es war kaum mehr als ein Flüstern, dennoch hatte Blaise es gehört. Er sah sie an. Sie wurde rot.
„Ich meine", fuhr sie fort, „die frische Luft und so… und die Landschaft. Mir gefällt das."
Wieder war es ruhig. Ginny dachte nach. Morgen würde sie ihn für 2 Wochen nicht sehen. Dieser Gedanke versetzte ihr einen Stich. Außerdem machte sie die dunkle, beschneite Landschaft melancholisch. So konnte sie später selbst nicht mehr sagen, wie es kam, dass ihr plötzlich die Wort heraus rutschten:
„Es gefällt mir auch, dass du hier bist."
Oh nein. War ihr die frische Luft doch nicht bekommen? Sie wurde über und über rot und wandte sich von Blaise ab. „Entschuldigung.", murmelte sie.
Es blieb ruhig. Fast dachte sie, Blaise sei gegangen. Ohne dass sie es steuern konnte, traten ihr Tränen in die Augen. Was musste sie auch so einen Mist daher reden?
Ein eiskalter Windhauch ließ sie frösteln. Sie hatte nur das dünne Kleid an.
Plötzlich merkte sie, wie etwas Warmes um ihre Schultern gelegt wurde. War das etwa…?
Er hatte es schon einmal gemacht. Er hatte ihr schon einmal seinen Umhang umgelegt, damit sie nicht fror. War er also doch noch hier?
„Es braucht dir nicht Leid tun.", flüsterte eine Stimme nahe bei ihrem Ohr.
Blaise. Er war es wirklich. Er stand hinter ihr. Und er hatte ihr nicht seinen Umhang um die Schultern gelegt, er war einfach so nah zu ihr getreten, dass seine Robe sie berührte. Sie hielt den Atem an. Wenn sie einen kleinen Schritt zurück treten würde, würde sie ihn berühren. Ob sie…?
Vorsichtig lehnte sie sich etwas zurück. Blaise trat nicht weg, er blieb stehen. Ginny lehnte jetzt an ihm.
Er bewegte sich etwas. Kurz dachte Ginny, sie sei zu weit gegangen, da legten sich seine Arme von hinten um sie und zogen sie noch etwas näher heran.
Eine Weile standen sie so da. Er an ihrem Rücken, hielt sie von hinten umarmt. Ginny legte ihre Hand auf seine. Seine Hände waren warm. Er nahm die ihre zwischen seine. Sie bemerkte, wie er vorsichtig mit dem Daumen darüber strich, unsicher, fast fragend. Ein Slytherin und unsicher? Lag es vielleicht an der Nacht, daran, dass sie allein und ungestört waren? Sie wusste es nicht. Sie wusste nur, dass sie auch diese neue Seite an ihm mochte. Ihr Herz klopfte inzwischen so laut, dass sie meinte, es würde bald zerspringen. Auch sie war unsicher. Vorsichtig drehte sie sich um.
Sie sah ihm nun ins Gesicht. Er hielt sie immer noch umarmt. Ginny war so nah bei ihm, dass sie seinen persönlichen Duft riechen konnte. Sie mochte das. Sie mochte ihn.
Blaise' Augen sahen sie an. Langsam näherte sie ihr Gesicht seinem noch mehr. Auch er bewegte sich auf sie zu. Sie berührten sich nun fast. Ginny hob da Kopf. Sie bemerkte, dass Blaise eine Hand etwas von ihrem Rücken weg und höher geschoben hatte. Sie lag nun in ihrem Nacken.
Ihre Nasen berührten sich nun. Noch einmal blickte Ginny in seine Augen, die einen Ausdruck angenommen hatten, den sie bei ihm noch nie gesehen hatte. Dann schloss sie ihre Augen. Kurz darauf spürte sie, wie seine Lippen ihre sanft berührten.
Viel zu schnell war der Kuss vorbei. Ginny öffnete die Augen. Sie blickte ihm direkt ins Gesicht. Blaise hatte einen Ausdruck auf dem Gesicht, der nur als „unsicher" bezeichnet werden konnte. Sie lächelte ihn an. Und sie konnte es kaum glauben – er lächelte zurück. Es war nur ein kleines Lächeln, aber was will man von einem Slytherin erwarten? Sie legte ihm nun ihrerseits ihre Arme um den Nacken und zog ihn sanft etwas näher. Wieder schloss sie die Augen.
Er küsste sie. Vorsichtig legte er seinen Mund auf ihren. Sie öffnete leicht die Lippen. Anscheinend verstand er sie. Vorsichtig stupste seine Zungenspitze an ihre Lippen.
Sein Kuss war unerwartet zärtlich. Sie hielten sich weiterhin umarmt. Nach einer Weile lösten sie sich voneinander.
„Wir sollten reingehen.", murmelte Blaise. „Ich will nicht, dass du dich erkältest."
Benommen nickte Ginny. Sie lösten sich aus ihrer Umarmung und gingen schweigend zurück in das Schloss.
Inzwischen war es dunkel und sie mussten sicherlich in ihre Schlafsäle. Aber Ginny wollte noch nicht weg. Die Ereignisse der letzten Stunden wurden sie sowieso noch lange keinen Schlaf finden lassen. Es war so surreal. Gerade hatte sie Blaise geküsst…
„Fährst du über Weihnachten nach Hause?", fragte sie. Sie wollte jetzt noch nicht von ihm weg. Zögernd trat sie einen kleinen Schritt und ihn zu. Er antwortete:
„Ja."
„Also sehen wir uns erst in 2 Wochen wieder.", bemerkte Ginny.
Blaise nickte. Er hatte ein ausdrucksloses Gesicht aufgesetzt, wie Ginny erschreckt bemerkte. Sie versuchte, ihn aufzumuntern:
„Aber Weihnachten ist doch auch schön."
„Nein.". Erstaunt sah sie ihn an. Sein Gesicht hatte wieder einen harten Zug angenommen. Er wirkte so anders als der junge Mann, den sie noch vor wenigen Minuten geküsst hatte.
„Mit der Familie zusammen sein ist doch immer toll.", erklärte sie verständnislos.
Damit hatte sie ihn jetzt wohl endgültig verärgert.
„Du hast doch keine Ahnung."
Verdammt, wieso verhielt er sich jetzt wieder so? Sie hasste diese Stimmungswechsel. Ihr traten Tränen in die Augen. Sie wollte nicht, dass sie miteinander stritten. Sie wollte einfach nur von ihm in den Arm genommen werden. Stattdessen sah er sie hart an. Ginny sagte mit brechender Stimme:
„Warum glaubt ihr Slytherins eigentlich immer, dass alle euch etwas Böses wollen? Muggel, die anderen Häuser, selbst in der Familie seit ihr nicht glücklich…"
Es war eine Verallgemeinerung, das wusste sie. Es war ungerecht. Aber sie war im Moment einfach so enttäuscht, dass sie nicht anders konnte. Die Worte sprudelten einfach aus ihr heraus.
Es war ein Fehler gewesen. Der Blick, mit dem Blaise sie jetzt ansah, konnte nur als Verachtung bezeichnet werden.
„Das denkst du also von mir? Und ihr Gryffindors seid ach-so-toll? Du hörst ja noch nicht einmal zu… ohne meine Geschichte zu kennen, verurteilst du mich einfach. Wie kannst du das wagen und gleichzeitig behaupten, ehrlich und fair zu sein? Wie kannst du dir anmaßen, über alle anderen urteilen zu können?"
Verstört sah Ginny ihn an. Er sprach leise, gefährlich. Von dem warmen Gefühl in seinen Augen war nichts mehr übrig.
„Virginia Weasley, ich habe dich falsch eingeschätzt. Ich bin zu den Treffen mit dir, weil ich dachte, du seiest anders und würdest nicht nur ‚Slytherin' und ‚Gryffindor' sehen. Ich dachte, wir könnten wirklich etwas herausfinden für das Theaterstück. Ich hätte es wissen müssen. Einmal habe ich wegen dir sogar Diamante versetzt."
‚Deshalb kam er also das eine Mal zu spät.', dachte Ginny. Aber Blaise redete noch weiter. Normalerweise war er nicht so offen. Er musste wirklich unglaublich wütend sein – oder enttäuscht und verletzt…
„Und heute Abend dachte ich sogar, du seiest mehr für mich. Ich habe es bemerkt, als ich Diamante wegen der Misteln küsste. Ich bildete mir wirklich ein, jetzt lieber dich an ihrer Stelle zu haben. Ich bildete mir ein, du seiest anders."
Ginny liefen nun die Tränen über die Wangen. Alles hatte sie vermasselt – alles.
„Aber… warum?", fragte sie leise.
Er blickte sie gefährlich an. „Warum was?"
„Warum… bist du manchmal so…"
„Ach, jetzt willst du das wissen? Ich dachte, du wüsstest es schon längst. Oder du glaubst, es zu wissen, habe ich Recht? Weil ich aus einer dunklen, schwarzmagischen Familie komme. Das ist es doch, was du denkst. Nun, ich muss dich enttäuschen. Ich stamme aus einer ganz normalen Familie."
„Aber du hasst Muggel…"
Es war ihr einfach so heraus gerutscht. Sie sah ihn an.
„Weil die Muggel mit ihren Erfindungen meine Familie zerstört haben. Das erschrickt dich, nicht wahr? Das hast du nicht erwartet.", er sah sie giftig an, „Du hast ja nie gefragt! Du hast einfach deine Schlüsse gezogen."
„Hättest du geantwortet?", schluchzte Ginny. Er blieb still, dann drehte er sich um und wollte gehen.
„Was ist passiert?", fragte das Mädchen. „Bitte. Erzähle es… ich würde es gerne verstehen."
Blaise drehte sich um. Dann schmiss er ihr die Worte hin: „Ich hatte eine ältere Schwester, Vivianne. Sie war fast 10 Jahre älter als ich, dennoch mochten wir uns sehr. Als ich 8 war, war sie bereits ausgezogen. Sie wollte uns am Weihnachtsabend besuchen. Doch sie kam nie an. Ein Muggelautofahrer hatte sie überfahren. Danach hatte er sie liegen lassen, sodass sie verblutete. Daher bin ich auch in Hogwarts – in Beauxbatons wäre die Erinnerung an sie zu stark gewesen, da alle sie dort kannten."
Geschockt starrte Ginny ihn an. Daher hasste er also Weihnachten… es musste ihn immer an den Tod seiner Schwester erinnern. Sie konnte sich gut vorstellen, dass er seit dieser Zeit kein schönes Weihnachtsfest mehr mit der Familie verbracht hatte.
„Aber was erzähle ich dir das eigentlich?", fuhr er fort. „Du bist doch auch nicht anders, als die anderen. Du weißt nichts über mich. Nichts! Und bildest dir ein, urteilen zu können. Wie konnte ich mir nur einbilden, du seiest anders? Wahrscheinlich bist du auch nur hinter dem Geld meiner Familie her. Oder dem Namen. Du bist genau so, wie alle anderen."
Ein letztes Mal sah er sie böse an. Dann drehte er sich um und ging. Stumm und gebrochen starrte Ginny hinter ihm her. Wie konnte er ihr so etwas vorwerfen? Aber… wie hatte sie ihn so verurteilen können?
Mühsam ging sie in ihren Schlafsaal. Dort sank sie auf ihr Bett. Kaum lag sie, kam ein lauter Schluchzer aus ihrer Kehle. Gerade noch schaffte sie es, einen Lärmschutzzauber zu sprechen, dann brach sie endgültig zusammen und weinte, bis das Kissen nass war. Wie konnte das nur geschehen… und wie er sie angesehen hatte. Sie bezweifelte, dass dieser Streit wieder gut zu machen war. Erst sehr spät schlief sie irgendwann mit verquollenen Augen und nassem Gesicht vor Erschöpfung ein. Wie konnte das nur passieren...
Irgendwann wachte sie unruhig wieder auf. Sie hatte das Gefühl, etwas Wichtiges übersehen zu haben. Dann fiel es ihr ein: die Alte aus Hogsmead. War das gemeint gewesen? „Zu einer Zeit, in der grüne Zweige, welche nie zu Bäumen gehörten, unter zugemauertem Himmel hängen" – damit waren die Misteln gemeint gewesen, also Weihnachten. Das war also das Unglück, von dem die Alte gesprochen hatte…
Anmerkungen:
Zusatz-Disclaimer: Das Stück „Leonce und Lena", die Handlung, der Inhalt, Personen, Handlungsorte, Ideen, Worte, usw usf gehört Georg Büchner.
Ok, bitte bringt mich nicht um. Einige wussten ja schon, dass Weihnachten ein ‚Unglück' passiert. Ähm… aber ich hoffe, das vorher hat euch gefallen – es war unglaublich schwer zu schreiben… schreibt mir einfach mal eure Meinung! (REVIEW! REVIEW! ;-))
Ansonsten: es kommen ja noch einige Kapitel ;-)
DANKE an: Fan, Gracia, sweetlittleGinny, littleginny, LookLove, one-winged, MoonyTatze, crazylolly14, Tuniwell, jane.rBlack, bunnylein, noname89 und schokomilchriegel!
