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Kapitel 27 – Melancholie

Mittwoch. Ginny erwachte. Sie gähnte und streckte sich. Ein neuer Tag begann…

Seit dem Gespräch mit Hermine am Wochenende ging wenigstens diese mit Ron nicht mehr um, als sei er aus Glas. Sie versuchte, sich ihm gegenüber normal zu verhalten. Ron dagegen verhielt sich weiterhin seltsam. Dieses Verhalten Hermines schien ihn noch mehr zu verwirren. Tatsächlich war er am vorigen Morgen beim Fürhstück rot angelaufen, als die Braunhaarige ihn lediglich gebeten hatte, ihr das Rührei zu reichen. Normal war das jedenfalls nicht.

Ginny seufzte. Ja, Hermine und Ron… irgendetwas passierte da. Und bei ihr selbst? Nichts. Gar nichts. Blaise und sie hatten immer noch kein Wort miteinander gesprochen. Nein, es war nicht so, als ob er sie ignorieren würde. Tatsächlich nickte er ihr, wie zum Gruß, manchmal auf dem Gang zu wenn sie sich begegneten. Aber das war es auch. Dann sah er wieder in eine andere Richtung, ebenso wie sie, wie als ob sie sich kaum kennen würden, lediglich eine flüchtige Bekanntschaft, zwei junge Menschen, die zufällig beide in der Theatergruppe waren, die gerade den Namen des anderen kannten und von Tonks zur Höflichkeit im Umgang miteinander verdonnert wurden waren. War das nicht so? Ginny schüttelte den Kopf, um diesen Gedanken zu vertreiben.

Seufzend stand sie auf und streckte sich. Dabei fiel ihr Blick auf das Pergament mit dem Probenplan, der auf ihrem Nachttisch lag. Da blinkte etwas… ein kurzer Blick darauf sagte ihr, dass sie am Freitag wieder eine Szene spielen würde. Ein Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Sie hatte lange nicht gespielt, ja, sie freute sich darauf. Den Gedanken an Blaise schob sie schnell zur Seite. Sie wollte sich von diesem Slytherin nun wirklich nicht auch noch die Freude am Theaterspielen nehmen lassen…

Der Freitag kam schnell. Pünktlich abends kurz vor um 8 ging Ginny zur Großen Halle. Sie war pünktlich. Und glücklich, sich diese Woche nicht mit der Frage beschäftigen zu müssen, wo sie sich hinsetzen sollte und ob Blaise es ihr übel nehmen würde, wenn sie neben ihm saß. Sie würde diesmal auf der Bühne stehen. Gut.

Hannah, mit der sie sie diese Szene spielte, war noch nicht da. Nur Tonks saß bereits auf einem Stuhl vor der Bühne als Ginny herein kam. Kurz darauf trafen auch Hannah und darauf Blaise ein.

‚Komisch, er ist spät. Normalerweise ist er so pünktlich?', bemerkte Ginny irritiert. Aber schnell verdrängte sie diesen Gedanken. Sie musste sich nun auf die Szene konzentrieren, die sie mit Hannah spielen musste. Den Text hatte Ginny gelernt. Hoffentlich konnte sie ihn nun auch überzeugend spielen.

Die Probe begann. Hannah fing mit ihrem ersten Satz an, Ginny setzte ein. Tonks unterbrach nicht, sondern ließ sie spielen. Gerade hatte Hannah, also die Gouvernante, erklärt, dass sie keinen Platz zum Schlafen hätten. Ginny alias Lena seufzte und erwiderte:

„Wir haben alles wohl anders geträumt mit unsern Büchern hinter der Mauer unseres Gartens, zwischen unsern Myrten und Oleandern."

Traurig und etwas zornig erklärte die Gouvernante:

„Oh, die Welt ist abscheulich!" Jäh durchzuckte Ginny der Gedanke, dass Georg Büchner, der Autor des Stücks, in diesem Moment zwar sehr absolut schrieb, aber eigentlich Recht hatte. Unsinn, was dachte sie da? Sie sollte sich auf das Stück konzentrieren! Hannah redete weiter: „An einen irrenden Königssohn ist gar nicht zu denken."

Nein, auf einen solchen kann man wohl kaum hoffen. Kurz flog Ginnys Blick zu Blaise. Wieder versuchte sie diesen Gedanken zu verdrängen. Es ist unsinnig, auf den Traumprinzen zu warten! Sie begann ihren Text und versuchte krampfhaft, an die wunderschöne Welt zu denken. Dennoch gelang es ihr nicht, eine gewisse Melancholie aus ihren Worten zu verbannen:

„Oh, sie ist schön und so weit, so unendlich weit! Ich möchte immer so fort gehen, Tag und Nacht." Und es wurde ihr bewusst, dass sie das wirklich wollte. Einfach weg gehen, weg von den Problemen… wollte sie das? Davonlaufen?! Bloß wegen… ihr Blick fiel wieder auf Blaise. Er saß da, vollkommen ungerührt, die Arme verschränkt und starrte auf die Bühne.Plötzlich konnte sie sich nicht mehr vorstellen, ihn geküsst zu haben. Es erschien ihr so surreal.

Den Rest der Szene brachte sie mehr oder weniger verwirrt hinter sich, ohne sich allzu sehr auf den Text konzentrieren zu können. Tonks erklärte ihr und Hannah hinterher einige spezielle Stellen, die sie besser machen konnten, allgemein war sie jedoch mit der Leistung der beiden zufrieden.

„Wir haben außerdem noch weitere Proben in dieser Szene:", schloss sie ihre kurze Rede. Dann wünschte sie den Schülern eine gute Nacht.

Langsam, in Gedanken versunken, verließ Ginny die Große Halle. So konnte es nicht weiter gehen, wirklich nicht. Sie war die letzte, als sie die Tür hinter sich schloss. Hannah war bereits gegangen, sie musste an einer Hausaufgabe für Kräuterkunde arbeiten. Auch Blaise war auf dem Weg zu den Kerkern. Müde sah Ginny ihm nach, sah, wie sein Umhang bei jedem Schritt schwang, sah, wie er sich immer weiter von ihr entfernte. Auf einmal hielt sie es nicht mehr aus. Die Spannung, die bereits den ganzen Abend auf ihr lastete, entlud sich mit einem Mal. Sie rief:

„Warte!"

Was war nur in sie gefahren? Ihre Beine trugen sie schnell hinter dem Slytherin hinterher, bis sie vor ihm stand. Er hatte tatsächlich gestoppt und sah sie nun an. Ginnys Herz sank ihr in die Hose. Sie wusste nicht, was sie erwartet hatte – aber sicher nicht diesen Blick. Was war das? Gleichgültigkeit? Sie wusste nicht, was sie sagen sollte und brachte schließlich nur wenige Worte hervor:

„Gute Nacht."

Sie hatte auf den Boden gesehen, während sie das sagte. Nun sah sie auf. Erwartete sie immer noch etwas? Sie sah ihm direkt in seine Augen. Grün, mit kleinen braunen Sprenkeln… eine verirrte dunkle Locke war ihm auf die Stirn gefallen und hing nun vor seinem Auge. Es musste passiert sein, als er sich umgedreht hatte, weil sie ihn mit ihrem Ruf überrascht hatte. Sie hatte plötzlich den Drang, diese Locke vorsichtig, zärtlich zur Seite zu streichen. Sie widerstand ihm und behielt ihre Hände, wo sie waren.

Dann… nickte Blaise. Er nickte ihr einfach zu, daraufhin drehte er sich von ihr weg und setzte seinen Weg fort. In die Keller, zu den Slytherin-Räumen. Weg von ihr.

Die folgende Woche verging ereignislos. Am Freitag sollte eine Szene mit Leonce und Valerio geprobt werden, also mit Blaise und Justin. Ginny freute sich darauf. Sie sah die beiden gerne zusammen spielen – auch wenn Blaise es verleugnete, sie waren auf der Bühne gute Partner.

Apropos Blaise… auch in dieser Woche war zwischen ihnen nichts weiter als dieses flüchtige Grüßen auf den Gängen, einmal lief er auch einfach an ihr vorbei, anscheinend ohne sie zu bemerken. Worte wechselten sie keine. Obwohl Ginny versuchte, das zu ignorieren – sie konnte ihm ja wirklich nicht ewig nachtrauern – verletzte es sie sehr.

Aus irgendeinem Grund hatte sie auch keine Lust, aus der mysteriösen Tasse zu trinken, die sie Weihnachten bekommen hatte. Jedenfalls nicht morgens beim Frühstück. Einerseits, weil es ihr seltsam vorgekommen wäre, ihre eigene Tasse mit zum Frühstück zu bringen – schließlich war alles vorhanden. Andererseits aber auch, weil sie sich nicht den Fragen der anderen stellen wollte, woher sie diese Tasse denn hätte. Sie wusste es ja selbst nicht. Der Gedanke, sie könne von Blaise sein, ließ ihr Herz jedesmal etwas schneller klopfen, aber was, wenn nicht? Nein, sie wollte so wenig wie möglich daran denken, schließlich schien auch er es so zu halten. Für das Geschenk hatte er sich natürlich nicht bedankt. Hatte er es überhaupt wahrgenommen, oder war es neben den gewiß teuren Geschenken seiner Hauskumpane und Verwandte untergegangen?

Alle diese Gedanken lenkten sie jedoch nicht im Geringsten ab, sondern ließen sie nur umso mehr an den dunkelhaarigen Slytherin denken. Verdammt, wann war er ihr so wichtig geworden?

Freitagabend, nach dem Abendessen. Es war noch eine gute Stunde bis zum Beginn der Theaterprobe, Ginny hatte also Zeit. Umso mehr, da sie keinen Text lernen musste – schließlich würde sie heute nicht spielen.

Sie hatte sich gemütlich mit einem Buch in einen Sessel im Gemeinschaftsraum gefläzt, als Ron auf sie zutrat.

„Hi Ginny."

Er sah irgendwie anders aus als sonst. Verlegen? Ja, aber er versuchte es zu verbergen. Pech für ihn, dass sie ihn seit ihrer Geburt kannte – schließlich war er ihr Bruder.

„Hallo Ron."

Sie war etwas erstaunt, dass er so plötzlich vor ihr stand. Was wollte er?

„Könntest du… also, hast du Lust auf einen Spaziergang?"

„Jetzt?", fragte Ginny verwundert.

„Bitte."

Er sah sie mit flehendem Blick an. Irgendetwas musste passiert sein. Schnell wischte Ginny den Gedanken an Theater beiseite. Ron war jetzt wichtiger. Er schien ein Problem mit sich zu tragen.

Die beiden holten ihre Jacken, schließlich war es immer noch Winter und daher kalt. Dann gingen sie raus. Automatisch führte ihr Weg in Richtung See.

Schweigend liefen sie eine Weile nebeneinander her.

Schließlich begann Ron.

„Ich… habe ein Problem."

‚Ach, wirklich?', dachte sich Ginny. Aussprechen tat sie es nicht. Es fiel Jungen auch so schon sehr schwer, über so etwas zu reden. Das hätte ihn jetzt vollends verschreckt. Und er brauchte wirklich jemanden zum reden, das merkte sie. So blieb sie einfach ruhig. Er würde schon reden, wenn er es wirklich wollte.

Eine Weile schwiegen sie wieder. Dnan begann Ron erneut.

„Ich weiß nicht, wie ich anfangen soll… es ist alles kompliziert."

„Das ganze Leben ist kompliziert.", rutschte es Ginny heraus.

Das brachte Ron jedoch etwas zum Lächeln. „Du hast wohl Recht. Auch wenn ich es eigentlich nicht gut finde, dass meine kleine Schwester so etwas sagt."

„Tja, du wirst mich nicht immer beschützen können."

Ron seufzte. „Ja… dich nicht… und auch sonst…"

Aha, langsam kamen sie dem Problem näher.

„Wieso sagst du so etwas?", fragte Ginny verwundert.

Ron seufzte. „Ginny, ich glaube, ich habe einen Fehler gemacht."

Neugierig sah sie ihren älteren Bruder an. Was meinte er? Redete er vielleicht von dem Kuss mit Hermine?

„Du… du hast vielleicht in letzter Zeit mit Hermine gesprochen?", fragte Ron nun. Er sah sie ängstlich an, wie als hätte er Angst vor ihrer Antwort oder dem weiteren Gespräch.

Ginny nickte einfach. Ron stotterte weiter.

„Dann, ähm… also vielleicht hat sie etwas erwähnt… wir… ich… also sie ist mir wichtig.", platzte er schließlich heraus. Nachdem das heraus war, ging es ihm wohl besser, und er begann etwas flüssiger zu erzählen:

„Schon eine Weile, weißt du? Aber, ich weiß nicht wie sie denkt… ich glaube… nach der Sache mit Sarah, da war sie irgendwie so komisch… vielleicht habe ich sie etwas überrumpelt. Also, Weihnachten mein ich… also, äh…"

Er wurde rot und brach ab.

Ginny seufzte innerlich. Es fiel Jungs wohl wirklich schwer über ihre Gefühle zu reden. Schließlich sagte sie:

„Warum fragst du sie nicht einfach?"

Geschockt sah ihr Bruder sie an.

„Wie… sie fragen?"

„Na ja, rede mit ihr. Sage ihr, was du denkst."

„Aber das kann ich nicht!"

„Wieso nicht?", fragte Ginny.

„Ich meine…"

„Ist es etwa besser, so, wie es jetzt ist?"

Ron schwieg. Ginny wusste, dass ihr Argument ins Schwarze getroffen hatte. Irgendwann begann Ron erneut:

„Aber wir sind schon so lange Freunde. Ich will nicht, dass sich das verändert."

„Ron, sei ehrlich zu dir: es ist schon lange verändert. Und selbst wenn Hermine anders als du denken sollte, seit ihr beide erwachsen genug, mit dieser Situation umzugehen.", erklärte Ginny bestimmt.

Nach einer Weile sagte Ron noch:

„Und Harry? Er…"

„Er will auch nur, dass ihr glücklich seid."

Sie gingen wieder eine Weile schweigend. Beide hingen ihren Gedanken nach.

Nach einer Weile fröstelte Ginny leicht. Sie fragte:

„Wollen wir wieder rein gehen? Es wird doch kalt…"

Ron nickte und so kehrten sie in den warmen Gryffindor-Turm zurück.

Erst als sie abends im Bett lag, fiel Ginny auf, dass sie die Theaterprobe versäumt hatte. Aber ihr Bruder war wichtiger gewesen. Es würde weitere Proben dieser Szene geben. Dennoch wurde sie ein leises, ungutes Gefühl in der Magengrube nicht los.

Am Samstag schaffte es Ron offensichtlich nicht, sich aufzuraffen und mit Hermine zu reden. Beide saßen zwar fast den ganzen Tag zusammen mit Harry in einer Ecke und machten Hausaufgaben und lernten, aber Rons Verhalten wirkte immer noch leicht verkrampft, während Hermine versuchte, sich nichts anmerken zu lassen. Doch auch sie war etwas fahriger als sonst. Rons Gegenwart machte sie offensichtlich etwas nervös. Erst abends bewegten sich die Siebtklässler von ihrem Stammplatz weg. Beim Abendessen versuchte Ginny Ron ermutigende Blicke zu schenken. Sie wusste, dass er den ersten Schritt machen musste.

Endlich, am Sonntagnachmittag, fragte Ron die anderen beiden ob sie mit auf einen Spaziergang raus wollten. Er brauche frische Luft. Grinsend beobachtete Ginny, wie Hermine zusagte und kurz darauf Harry meinte, dass er nicht mit raus könne, da er die Strategie für das nächste Quidditch-Spiel gegen Ravenclaw vorbereiten musste. So würden Ron und Hermine also allein hinaus in die verschneite Landschaft gehen. Wenn das nicht romantisch war… hoffentlich war Ron mutig genug.

Mehr als 2 Stunden später beantwortete sich diese Frage. Ron und Hermine kamen endlich wieder in den Gemeinschaftsraum – beide mit geröteten Wangen. Na, ob das nur von der Kälte kam? Jedenfalls lächelten die Beiden. Gestritten hatten sie sich offensichtlich nicht.

Sie setzten sich zu Harry und Ginny, die sich gute Sessel in der Nähe des Feuers gesichert hatten. Ginnys beiläufige Frage „Und, wie wars?" ließ die beiden noch mehr erröten.

„Schön", nuschelte Ron schließlich. Hermine nickte dazu.

Harry sah sie an. „Ich werde das Gefühl nicht los, dass ihr uns was verheimlicht." Er grinste die beiden an. Auch Ginny lächelte.

Ron wurde, soweit das möglich war, noch röter. Hermine fasste schließlich einfach seine Hand.

„Also, wir…"

„Sind zusammen?", ergänzte Harry.

„Äh, ja, aber woher weißt du…", stotterte Ron.

„Na komm, ihr schleicht seit Weihnachten umeinander wie die Katze um den heißen Brei. Es wurde ja Zeit. Ich freue mich für euch."

Obwohl auch Ginny etwas überrascht war, grinste sie das Pärchen an, wie als wolle sie sagen: ‚Ich habe es euch ja gesagt!'.

Die vier verbrachten einen wunderschönen Abend mit Gesprächen am Kaminfeuer. Hermine und Ron waren immer noch schüchtern zueinander, aber ihr Glück war ihnen dennoch deutlich anzusehen. Ginny freute sich wirklich für die beiden – dennoch konnte sie einen leichten Stich im Herzen nicht verdrängen. Ihr Lieblingsbruder war mit ihrer besten Freundin zusammen… beide würden nun wohl weniger Zeit für sie haben. Aber Harry ging es ebenso. Außerdem, wie könnte sie sich über das Glück zweier der wichtigsten Menschen in ihrem Leben beschweren?

Auch ein Gedanke an Blaise kam ihr an diesem Abend. Wenn sie doch auch so glücklich sein könnte… schnell verdrängte sie diese Gefühle. Sie sollte langsam darüber hinweg kommen. Wirklich.

Die nächste Woche kam und mit ihr der Februar. In etwas mehr als einem Monat würde Ginny volljährig werden. 17 Jahre… das würde viele Freiheiten mit sich bringen. Aber noch war Zeit.

Blaise war weiterhin gleichgültig ihr gegenüber. Vielleicht war das besser, als wenn er sie jedesmal böse angefunkelt hätte, wenn sie sich begneten. Aber dieses Gefühl, als wären sie nur flüchtige Bekannte, war vielleicht noch unangenehmer.

Mit gemischten Gefühlen ging Ginny am Freitagabend zur Probe der Theatergruppe. Die Polizeidienerszene würde heute zum 2. Mal geprobt werden. Sie freute sich natürlich auf die Probe, wie immer. Marie und Claire waren lustig auf der Bühne. Andererseits würde sie auch Blaise wiedersehen. Sie war sich inzwischen nicht mehr sicher, ob sie das wollte. Ginny war des „Konflikts" müde.

Tonks war bereits da, als sie in der Großen Halle ankam. Marie und Claire kamen kurz nach ihr. Sie waren etwas zu spät, es war bereits 3 Minuten nach 8. Tonks klatschte in die Hände.

„Gut, dann fangen wir also an!"

Sie setzte sich auf einen der 2 Stühle vor der Bühne, Ginny auf den anderen. Sie war verwirrt. Blaise war nicht gekommen? Wieso das? Er hatte noch nie bei einer Probe gefehlt… und war er ihr nicht sauer gewesen, als sie einmal nicht da war? Hey, sie dachte, er würde das Ganze mit der Theatergruppe ernst nehmen… vielleicht war er krank? Nein, er war ein Slytherin, die wurden doch nicht krank…

Ginny konnte sich zuerst kaum auf die Probe konzentrieren, da sie über das Nicht-Erscheinen Blaise' nachgrübelte. Dann riss sie sich zusammen. Es brachte nichts, darüber nachzudenken. Sie war wegen Marie und Claire hier. Den Rest der Zeit konzentrierte sie sich auf die beiden Schauspielenden. Sie waren, im Vergleich zur letzten Probe, besser geworden. Natürlich. Es machte Spaß, ihnen zuzusehen.

Doch auch diese Probe ging vorbei und die 3 Mädchen verabschiedeten sich in ihre Schlafsäle.

Abends in ihrem Bett versuchte Ginny die Frage, wo Blaise gewesen war, zu verdrängen. Dennoch schlief sie noch lange nicht ein.

Der Samstag kam – und mit ihm ein langes Ausschlafen und spätes Frühstück. Ginny war nicht zu spät, aber viele Schüler hatten dennoch schon gefrühstückt, sodass nicht viele an den Haustischen saßen. So entdeckte Ginny, ohne es wirklich zu wollen – nun gut, sie hatte doch einmal zum Slytherintisch hinübergeschielt – auch Blaise. Er saß an seinem Haustisch und frühstückte. Ungewöhnlich spät. Nicht viele Slytherins waren außer ihm dort. Neben ihm saß Diamante, das einzige Mädchen aus dem Haus der Schlange, welches in der Theatergruppe war.

Ginny wandte sich wieder ihrem Toast zu. Aus den Augenwinkeln sah sie dennoch den Slytherintisch.

Plötzlich bewegte sich Diamante. Sie beugte sich zu Blaise und… was war das? Hatte Ginny sich geirrt, oder hatte sie ihm wirklich einen Kuss auf die Wange gegeben? Sie drehte sich geschockt etwas weiter dorthin. Blaise wandte ihr nun halb den Rücken zu und sah Diamante an. Er beugte sich leicht vor und küsste sie zurück, direkt auf ihren Mund.

Ginny erstarrte. Mühsam wandte sie den Blick ab und wieder ihrem Toast zu. Erst nach einigen Minuten merkte sie, dass sie keinen Hunger mehr hatte. Sie ließ den Toast liegen, stand auf und ging, oder eher: rannte in den Gryffindorturm. Den Rest des Vormittags verbrachte sie im Bett, ohne einen klaren Gedanken zu fassen. Dann klopfte es an der Tür und Hermine trat ein, um sie mit zum Mittagessen zu nehmen. Sie stockte, als sie bemerkte, dass Ginny in schlechter Verfassung war, und setzte sich neben sie auf das Bett. Ginny starrte sie an.

„Es gibt Mittagessen.", sagte Hermine vorsichtig.

Plötzlich, ohne dass sie wusste, wie es dazu kam, kamen die Tränen. Sie waren plötzlich da. Ginny schluchzte, sie weinte, sie ließ ihren Tränen freien Lauf. Erschrocken reagierte Hermine instinktiv richtig und zog sie einfach in ihren Arm. Wie ein kleines Kind hielt sie ihre Freundin, wiegte sie hin und her und flüsterte ihr beruhigende Worte ins Ohr.

Als sie sich beruhigt hatte, war es zu spät zum Mittag.

„Komm mit", meinte Hermine einfach, „wir gehen in die Küche und lassen uns von Dobby oder Winky etwas Leckeres zu essen geben. Vielleicht haben sie auch etwas mit Schokolade."

Dieser vollkommen Hermine-untypische Ausspruch brachte Ginny zu einem zaghaften Lächeln. Ja, Schokolade war eine gute Idee.

Auf dem Weg zur Küche fühlte sie sich unglaublich dankbar – dankbar dafür, dass sie so gute Freunde hatte.

Anmerkungen:

Zusatz-Disclaimer: Das Stück „Leonce und Lena", die Handlung, der Inhalt, Personen, Handlungsorte, Ideen, Worte, usw usf gehört Georg Büchner.

Uff… bitte lyncht mich nicht! Bitte denkt daran, dass die Story noch einiges an Kapiteln hat Und am Ende des Schuljahres sind wir ja auch noch nicht…

Danke für eure Reviews zum letzten Kapitel!! Juchhu, die Story wird noch gelesen! Sorry, dass ich das Kapitel so spät poste, aber ich war krank. Wie hat es euch gefallen?Ich würde mich wie immer wahnsinnig über Reviews freuen!! alle Leser knuddel