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Kapitel 32 – Der Frühling kommt

Gleich am nächsten Morgen ging Ginny in die Eulerei. Sie hatte zwar an diesem Tag relativ viel zu tun, aber für diesen kurzen Brief musste einfach die Zeit sein… es musste einfach funktionieren!

Den gesamten Samstag verbrachte sie arbeitend vor ihren Schulbüchern. Dabei wurde sie noch nicht einmal von Ron gestört, denn dieser wiederholte zusammen mit Hermine und Harry einiges an Stoff; in wenigen Monaten waren schließlich schon Abschlussprüfungen, sie hatten schon fast April! Hermine war fast hysterisch geworden, als ihr dies aufgefallen war. Auf Harry's grinsenden Kommentar hin, dass ihr wohl „einiges in letzter Zeit wichtiger sei als Schule" und den wissenden Blick in Rons Richtung, welcher zwar rot angelaufen war aber dennoch ein gewisses Grinsen auf dem Gesicht trug, wurde Hermine nur noch wütender und hatte spitz erklärt: „Ich kann meine Prioritäten ja auch wieder komplett verlagern; oder was denkst du darüber, Ronald? Aber irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass das deinen Wünschen entspricht…". Daraufhin hatten die beiden Jungs einige Entschuldigungen gemurmelt und sich von Hermine zum Lernen überreden lassen. Nachdem diese nun wieder der Eifer gepackt hatte, saßen sie schon den ganzen Tag an ihrem Lieblingstisch im Gemeinschaftsraum und büffelten.

Gegen Nachmittag wurde Ginny langsam nervös. Es könnte doch langsam mal eine Antwort kommen? Sie hatte auch keine Lust mehr, sich immer nur mit den Hausaufgaben und Lernen zu beschäftigen. Fast alles hatte sie schon erledigt – was bedeutete, dass sie den nächsten Tag fast frei haben würde. Ein seltenes Gefühl. Und es wurde von Jahr zu Jahr schlimmer – wenn sie schon in der zweiten Klasse kurz vor den Abschlussprüfungen gedacht hatte, sie hätte wirklich viel zu tun (an die Umstände in ihrem ersten Jahr wollte sie wirklich nicht denken…), so war es in der dritten schlimmer geworden, im Jahr darauf noch mehr… und so steigerte es sich von Jahr zu Jahr. Aber man konnte sich an alles gewöhnen… hoffentlich.

Kurz vor der Abendbrotszeit musste Ginny einsehen, dass wohl keine Post mehr kommen würde. Sie war enttäuscht, durfte sich das aber nicht anmerken lassen. Schließlich wussten die anderen nicht, dass sie eine Eule erwartete. Aber… warum kam diese nicht? Warum kam keine Antwort auf ihren Brief?

Beim Abendessen war sie, wie so oft, bemüht, nicht allzu auffällig oder allzu oft zum Slytherin-Tisch hinüber zu sehen. Leicht fiel es ihr nicht – sie konnte Blaise gar nicht entdecken. Wo war er nur? War er vielleicht krank geworden? Nein, das konnte nicht sein… am Abend vorher hatte er noch gesund ausgesehen, und so plötzlich kommt doch wohl keine Krankheit? Außer, jemand aus einem anderen Haus hätte ihn verzaubert – aber das konnte Ginny sich auch nicht vorstellen; erstens war er Siebtklässler, zweitens ein ziemlich guter Schüler und würde sich somit ganz sicher nicht verzaubern lassen, und drittens kannte sie niemanden, der gegen ihn einen besonderen Groll hegte – außer dem üblichen „Iiiiiieh, er ist ein Slytherin" halt. Verflucht, wo war er nur? Und sie konnte noch nicht einmal irgendjemanden nach ihm fragen, weil das viel zu auffällig gewesen wäre – ganz abgesehen davon, dass sie wahrscheinlich keine Antwort bekommen würde. Von Draco Malfoy sowieso nicht (der konnte auch gar nicht reden, schließlich war er schon wieder in eine wilde Knutscherei mit Diamante vertieft – wie schafften die beiden es überhaupt, nicht an Sauerstoffmangel zu sterben?), und auch die anderen Slytherins würden kaum sehr hilfsbereit sein… halt, war das schon wieder ein Vorurteil? Nein, wenn, dann ein gegenseitiges: Gryffindors und Slytherins mochten sich nun einmal nicht, Punkt. Da gab es nichts dran zu rütteln… äh, wobei… es gab auch Ausnahmen…

„Huhu, Ginny, noch da?", holte Harry sie aus ihren Gedanken.

„Äh, was?". Erschrocken sah sie ihn an. Mist, hatte sie irgendetwas verpasst?

„Ich wollte dich nur fragen, ob du mir mal die Pastete reichen kannst."

„Ja, natürlich…"

Ihre Gedanken schweiften in letzter Zeit eindeutig zu oft ab. Shit. Das konnte so doch nicht weiter gehen. Sie durfte nicht mehr so oft an Blaise denken… Blaise… dieses Stückchen Bauch, dass sie damals gesehen hatte… und wie leidenschaftlich er sie küssen könnte… ach, wäre es doch nur etwas öfter… seine Haare, seine Augen…

„Ginny!!!"

„Äh… wie?"

„Die Pastete?"

„Ach so, ja…"

Mist. Sowas aber auch. Ginny wurde knallrot. Von wegen, ‚weniger abschweifende Gedanken'.

Zurück im Gemeinschaftsraum setzte Ginny sich an die letzte verbliebene Hausaufgabe – ein Aufsatz. Der Tag war sowieso schon ruiniert, sie hatte schon die ganze Zeit gelernt, da machte es nun auch nichts mehr… und so würde sie morgen einfach einen komplett freien Tag haben.

Schade, dass sie immer noch keine Post bekommen hatte… langsam war sie beunruhigt.

„An oooold man turned ninety-eight…" Ginny sang gern unter der Dusche. Es entspannte… umso mehr nach einem Tag, der ausgefüllt war mit Schulsachen und viel zu wenig, was ihr wirklich Spaß machte – wie z.B. Musik… oder…

„Giiiiiiiinny!"

Shit, wer störte sie denn da beim Duschen?

Liz, ein Mädchen aus ihrem Schlafsaal, rief von draußen: „Ginny, komm mal bitte schnell!"

Hmpf. Schnell schlang sie sich ein Handtuch um den Körper und patschte auf nassen Füßen nach draußen.

„Was ist de…?"

Schon flatterte ihr eine Eule entgegen.

„Sie wollte sich nicht davon abbringen lassen, dir den Brief zu übergeben, und hat nach uns gehackt, als wir versucht haben, ihr den abzunehmen und die dann hinzulegen, weil du ja gerade geduscht hast…", beschwerte sich Liz.

„Oh, danke."

Ginny hatte es inzwischen geschafft, die Eule von dem Brief zu befreien. Sofort flatterte diese wieder los, den Gang entlang und sicher zum nächsten Fenster hinaus.

„Äh…" Immer noch triefnass stand Ginny mit dem Brief in der Hand da. Hoffentlich würde die Tinte nicht verlaufen… „Kannst du den Brief bitte auf meinen Nachttisch legen?"

„Ja klar."

Liz griff nach dem Brief. Doch kaum hatte sie ihn in der Hand, ließ sie ihn auch schon erschrocken fallen. „Autsch, was ist das? Der ist ja ganz heiß!"

Verwundert hob Ginny den Brief wieder auf. Offensichtlich hatte der Absender dafür gesorgt, dass wirklich nur sie ihn in die Hände bekommen sollte… ob das…?

„Danke. Ich bringe ihn wohl selbst dahin; vielleicht kann ich mich dann auch fertig abtrocknen."

Auf dem Weg in den Schlafsaal sah Liz Ginny neugierig von der Seite, die lieber so tat, als bemerke sie das nicht. ‚Ich will gar nicht wissen, was sie jetzt denkt, was das für ein Brief ist.'

Es war inzwischen fast Schlafenszeit. Nachdem die anderen Mädchen still geworden waren, hatte Ginny endlich genug Ruhe, den Brief zu lesen. Sie zog sich die Bettdecke über den Kopf und öffnete das Pergament:

Ich warte morgen um 2Uhr im Raum der Wünsche auf Dich. Es würde mich freuen, wenn Du kommst.

Blaise

Unwillkürlich musste Ginny lächeln. Er hatte ihre Nachricht also bekommen… sie hatte ihm geschrieben, dass sie gerne mit ihm reden würde und gefragt, wann er denn mal Zeit hätte. Seine Antwort war typisch: leicht arrogant, denn er würde auf sie warten und somit auch offensichtlich erwarten, dass sie kommt; aber dennoch ließ er mit seinem zweiten Satz durchblicken, dass sie nicht unbedingt kommen musste – aber es würde ihn freuen. Nennt sich so etwas emotionale Erpressung? Mit einem Lächeln auf den Lippen schlief Ginny ein. Sie freute sich so auf den morgigen Tag… endlich hätten Blaise und sie mal wieder Zeit füreinander.

Sonntag! Wie herrlich! Ein Blick aus dem Fenster hob ihre Laune noch mehr: langsam ließ sich die frühlingshafte Sonne blicken. Es war wunderschön, wie sie auf Hogwarts' Ländereien strahlte. Wenn der Tag schon so begann, musste er einfach schön werden.

Und sie hatte Zeit. Einfach: Zeit. Die Hausaufgaben hatte sie schließlich bereits am Vortag komplett erledigt. Nach dem Frühstück würde sie noch etwas für Zaubertränke lernen, wo sie vielleicht in der nächsten Woche einen Test schreiben würden, aber auch das würde nicht lang dauern, denn sie hatte den Stoff begriffen und musste nur einige Details noch einmal wiederholen.

Und das Beste: heute Nachmittag um 2… beinahe hätte sie einen Freudensprung gemacht. Aber das gehörte sich für eine Volljährige eigentlich nicht. Genauso wenig wie Rennen, Schneeballschlachten und einige weitere schönen Sachen des Lebens… ach, aber es konnte ihr doch niemand verbieten, oder? Erwachsen wurde sie schon noch früh genug! ‚Schön ist die Jugend, doch schnell verschwunden. Wer glücklich sein will, nutze die Stunden…', erinnerte sie sich an einem Spruch ihrer Großmutter. Und die musste es ja wissen.

Die Stufen hinabhüpfend ging sie in den Gemeinschaftsraum. Dort traf sie auf Colin und gemeinsam gingen sie in die Große Halle zum Frühstücken. Auch Colin war guter Laune – er hatte bereits einige Einfälle zu möglichen Bühnenbildern und redete wie ein Wasserfall. Fröhlich gab Ginny ihre Kommentare dazu ab. Das Leben konnte so schön sein…

Pünktlich um 2 stand sie vor dem Raum der Wünsche. Sie ging 3 mal auf und ab und dachte daran, dass sie Blaise sehen wollte. Prompt erschien die Tür. Ginny trat ein.

Der Raum war heute etwas anders als sonst. Er wies hohe, breite Fenster auf, die sehr viel von der Frühlingssonne hinein ließen. Ein bequem aussehendes, großes Ecksofa stand darin. Darauf saß Blaise. Er las in einem Buch, ließ es jedoch sinken, als er sah, dass Ginny eintrat. Sie lächelte ihn an. „Na du?", sagte sie.

Er lächelte zurück. Oder kam es ihr im Gegenlicht nur so vor?

„Hallo."

Sie ging auf ihn zu und setzte sich neben ihn aufs Sofa. Die ganze Zeit wandten sie den Blick nicht voneinander ab. Ginny war sich nun sicher: er lächelte wirklich. Er, der kalte, böse Slytherin… lächelte. Sie saßen nun nebeneinander. Ginny konnte nicht anders: sie legte die Arme um ihn. Langsam kamen sich ihre Gesichter näher. Ihre Nasenspitzen berührten sich. Sie sah, wie er die Augen schloss. Ihre Nasenspitzen umkreisten sich. Sie spürte seinen warmen Atem auf der Wange. Dann zog er sie in einen Kuss. Seine Hand strich durch ihr Haar, der andere Arm hielt sie fest umfasst.

Es kam ihr so vor, als setzten seine Küsse jedes Mal wieder ein Feuerwerk in ihr frei. Ihn zu küssen, bei ihm zu sein… unwillkürlich entfuhr ihr ein kleiner, genussvoller Seufzer.

Blaise zog sich etwas zurück und öffnete die Augen. Er sah sie mit hochgezogenen Augenbrauen an. Anders als sonst lächelte er jedoch immer noch. Er strich ihr über die Wange, was sie noch röter machte, als sie sowieso schon war. Dann beugte er sich wieder vor. Statt sie jedoch zu küssen, wie sie dachte, lehnte er sich zu ihrem Ohr und flüsterte:

„Ich freue mich auch, dass Du hier bist."

Dann küsste er ihr Ohrläppchen. Langsam wanderte er den Hals entlang, bis er bei ihrem Mund war. Wieder versanken sie in einem Kuss. Ginny rückte, soweit das möglich war, noch näher zu ihm ran.

Die Sonne schien durch die großen Fenster auf die beiden. Bald wurde es ziemlich warm. Sie lösten sich voneinander.

„Ähm… schöne Sonne heute… es ist ziemlich warm…", begann Ginny.

„Dann zieh doch deinen Pullover aus.", grinste Blaise.

Und wieder wurde Ginny rot. ‚Wow, inzwischen könnte man denken, ich habe Sonnenbrand.'

Dass sie rot wurde, brachte Blaise noch mehr zum Grinsen. Dann beugte er sich vor und gab ihr einen schnellen Kuss auf die Stirn.

„Was denkst du nur von mir?", fragte er, immer noch grinsend.

„Vielleicht das Richtige?", grinste sie zurück.

„Wahrscheinlich hast du Recht, schließlich sind alle Slytherins abgrundtief böse.", erwiderte er. Er sah sie gespielt ernst an. Sie musste lachen.

„Sicher, vor allem die, die grad hier neben mir sitzen." Sie versuchte, ihn am Bauch zu kitzeln.

„Hey, was soll das?" Er war noch ruhig. Aber dann… Blaise lachte. Er lachte wirklich. Nicht das übliche, kurze, spöttische Auflachen, sondern ein wirkliches Lachen. Ginny konnte sich nicht erinnern, jemals einen Slytherin so offen gesehen zu haben. Erstaunt hörte sie damit auf ihn zu kitzeln und betrachtete ihn. Fast sofort hörte er auch auf zu lachen, aber das Lächeln verschwand nicht von seinem Gesicht.

„Du schaust irritiert.", kommentierte er die Situation.

„Äh, ja…", murmelte Ginny verwirrt. Sie entdeckte immer neue Seiten an ihm. Und diese hier gefiel ihr wirklich, wirklich gut.

Blaise währenddessen zog seinen Pullover aus. „Es ist wirklich ziemlich warm."

Darunter trug er ein T-Shirt, natürlich in schwarz. Auch Ginny beschloss, dass es für Pullover inzwischen eindeutig zu warm war. Sie zog ihn über den Kopf. Darunter trug sie ein Top, wie so häufig. Unterhemden mochte sie einfach nicht, also zog sie ein Top oder ein T-Shirt unter den Pullover. Das heutige war dunkelblau. Sie spürte Blaise' Blick. Er hatte sie wohl noch nie bewusst ohne Schuluniform und in solchen Freizeitsachen gesehen. Irgendwie war es seltsam.

Auch er fand es… neu. Sie merkte es an der Art, wie er die Locke, die ihm manchmal in die Stirn fiel, aus dem Gesicht wischte. Sie rutschte etwas näher zu ihm und legte die Arme um ihn. „Ich hab dich lieb…", murmelte sie. Sie legte den Kopf an seine Brust. Leise hörte sie sein Herz schlagen. War es etwas schneller als normal, oder kam ihr das nur so vor?

Plötzlich spürte sie, wie er sie zart in den Nacken küsste. Sie bekam eine leise Gänsehaut.

„Ich habe dich auch lieb.", murmelte er, leise, aber deutlich verständlich. Ginny wand ihm wieder das Gesicht zu und küsste ihn.

Später lagen sie gemütlich auf dem Sofa, Ginny wieder halb auf ihm. Er streichelte ihren Rücken, sie horchte auf den Takt seines Herzens.

„Warum hast du gestern eigentlich erst so spät geantwortet?", fragte sie.

„Ich hatte ziemlich viele Hausaufgaben zu machen. Und ich dachte, es sei besser, sie alle am Samstag zu erledigen, dann hätte ich am Sonntag nichts mehr zu tun und… dann hätte ich am Sonntag Zeit."

Ginny ließ die Worte auf sich wirken. Er hatte also extra den ganzen Samstag gearbeitet, um Sonntag frei zu haben? Zeit zu haben? Zeit… für sie?

„Warst deshalb auch nicht beim Abendbrot?", fragte sie neugierig.

„Ja."

„Was hast du dann gegessen?"

„Eine Hauselfe hat mir etwas gebracht.", erklärte er.

„Ach, das geht?", fragte Ginny erstaunt.

„Ja… die eine Hauselfe erfüllt mir gerne mal einen Wunsch, Dobby heißt sie."

„Dobby? Den kenne ich! Wie kommt das?"

„Nun… seine eine Freundin Winky hatte wohl mal ein kleines Problem mit Butterbier? Sie sollte jedenfalls bei mir aufräumen und ist aber einfach eingeschlafen. Als ich sie gefunden habe, habe ich ihr einfach ausdrücklich verboten, weiter Alkohol oder Butterbier zu trinken. Dobby, der kam um sie zu holen, hatte ich gebeten, darauf zu achten und sie daran zu erinnern. Sie musste sich also daran halten und nun ist sie ihr kleines… Problem los. Dobby ist mir aus unerfindlichen Gründen dafür so dankbar, dass er mir sozusagen jeden Wunsch von den Augen abließt."

Der Slytherin zuckte mit den Schultern. Erstaunt betrachtete Ginny ihn. Das hätte sie nicht gedacht, dass er sich so um eine Hauselfe kümmern würde… für viele reinblütige Zauberer waren sie immer noch eher Sklaven als Lebewesen.

„Ist ja auch egal.", erklärte Blaise. War es ihm nun etwa peinlich? Schnell hab Ginny ihm einen Kuss. Dann legte sie sich wieder gemütlich hin.

Ihre Hand ruhte auf seinem Bauch. Es juckte sie wirklich in den Fingern, mal sein T-Shirt hochzuschieben… und zu schauen… aus der Nähe…

Vorsichtig streichelte sie seinen Bauch, noch mit T-Shirt. Offensichtlich schien er nichts dagegen zu haben. Tatsächlich drückte er sie noch etwas mehr mit dem Arm, den er um sie gelegt hatte. Ginny schob den Stoff des T-Shirts rauf. Sein Bauch lag nun frei da…

‚Er ist… so sexy.', war alles, was sie denken konnte. Die leicht gebräunte Haut, die bei einem Engländer um diese Jahreszeit undenkbar gewesen wäre, dazu die dezenten Muskeln, die sich abzeichneten… Waschbär war etwas anderes. Ginny strich über seinen Bauch. Sie merkte seine Muskeln. ‚Wo hat er die nur her? Soweit ich weiß, spielt er kein Quidditch, aber irgendeinen anderen Sport muss er wohl betreiben…'

„Machst du Sport?", war es ihr auch schon heraus gerutscht.

„Wie bitte? Wie kommst du plötzlich darauf?", fragte er.

„Also…", sie errötete. „Keine Ahnung…"

Er grinste. „Schon klar. Ja, ich betreibe tatsächlich Sport. Volleyball und Schwimmen, hauptsächlich im Sommer. Hier in Hogwarts schwimme ich nur."

„Es gibt hier ein Schwimmbassin?", fragte Ginny erstaunt. „Das wusste ich ja gar nicht!"

„Nun, es gibt nicht direkt ein Schwimmbassin – aber überlege bitte, wo wir uns gerade befinden."

Natürlich! Der Raum der Wünsche. Dass sie da nicht früher daran gedacht hatte…

„Und du?", fragte er. „Was ist mit deinen sportlichen Ambitionen?"

„Nun, ich war Jägerin im Gryffindor-Team… aber dieses Jahr hatte ich weniger Zeit zum Training, also sitze ich nur noch auf der Ersatzbank. Ansonsten, das übliche: Schwimmen im Sommer, Schneeballschlachten im Winter, und mich gegen meine großen Brüder verteidigen das ganze Jahr über…". Sie grinste nun.

„Große Brüder? Sind es noch mehr außer Ronald und diesen beiden, die nur Unsinn im Kopf hatten?"

„Du meinst Fred und George? Ja, es gibt dann noch Percy, er war mal Schulsprecher, vielleicht erinnerst du dich, und Charlie und Bill, aber die sind schon lange nicht mehr auf Hogwarts."

„Percy… Moment mal, der ist dein Bruder? Der hat mich mal in der ersten Klasse zurechtgewiesen, weil ich einen Gang entlang gerannt bin, weil ich etwas spät für Zaubertränke war. Nach seiner Standpauke kam ich erst recht zu spät…". Blaise hörte sich immer noch ärgerlich an. Ginny grinste.

„Ja, er kann ziemlich ernst sein…"

„Ihr seid wirklich keine alltägliche Familie – so viele unterschiedliche Charaktere…"

Es klang nicht negativ, wie er es sagte. Er äußerte sich nicht abfällig über ihre Familie… vielleicht erinnerte er sich wirklich noch daran, wie wütend sie geworden war, als er das zu Beginn des Schuljahres einmal gemacht hatte. Vielleicht änderte sich aber auch einfach langsam, stückchenweise, seine Ansicht über Überlegen- und Unterlegenheit… sie wusste es nicht.

Sie streichelte wieder gedankenverloren über seinen Bauch. Er hatte neben dem Bauchnabel zwei kleine Leberflecke… Da merkte sie, wie er zärtlich ihr Haar zur Seite strich. Sie wand ihm ihr Gesicht zu und er gab ihr einen zarten Kuss auf die Stirn. Und plötzlich wusste sie, dass sie sich wirklich in den jungen Mann verliebt hatte.

Irgendwann war es 6 Uhr. Blaise und Ginny hatten den Rest des Nachmittags geschmust und ab und zu über alles Mögliche geredet. Auch er hatte irgendwann ihr Top etwas hochgeschoben und ihren nackten Rücken gestreichelt. Es war einfach wunderschön. Sie freute sich, ihn nun näher kennen zu lernen. Sie hatten auch über die beiden Bücher von Jean-Paul Sartre gesprochen, die sie sich gegenseitig geschenkt hatten. Blaise war ein interessanter Gesprächspartner. Er erzählte spannend und gab gut durchdachte Kommentare. Aber was noch viel wichtiger war: er nahm sie ernst. Tatsächlich hatte Ginny fast das Gefühl, dass er den Großteil seines Slytherin-Gehabes vor der Tür hatte liegen lassen. So verbrachten sie einen großartigen Nachmittag. Nun jedoch mussten sie langsam gehen; es gab Abendbrot und es würde auffallen, wenn sie beide nicht auftauchen würden. Sie wollten sich gerade einen letzten Kuss geben, da fiel es Ginny ein:

„Jetzt hab ichs doch fast vergessen!"

Schnell kramte sie in ihrer Tasche herum. Blaise sah sie mit leicht hochgezogener Augenbraue an. „Was ist los?"

„Hier…". Sie zog 2 Pergamente hervor. Sie sahen vollkommen normal aus. Eines davon drückte sie Blaise in die Hand. Er sah sie weiter mit diesem leicht irritierten Blick an und fragte: „Was ist das?"

„Warte, es ist ganz einfach…". Schnell holte sie noch eine Feder hervor und schrieb auf ihr Pergament einige Worte. Diese erschienen nun auf Blaise' Pergament:

Es ist schneller als eine Eule.

Blaise nickte. Dann griff er sich Ginnys Feder und probierte es selbst. Unter Ginnys Text, der in einem sehr dunklen Blau gehalten war, schrieb er in Dunkelgrün:

Aber ist es nicht ziemlich auffällig?

Offensichtlich konnte Ginny die Botschaft lesen, denn sie erklärte:

„Es wird niemandem auffallen. Jeder andere außer Dir, der auf dieses Pergament sieht, wird nur einen Abschnitt aus ‚Schmierige Tränke und glitschige Tinkturen' lesen – ich bezweifel, dass das jemanden interessiert." Sie lächelte ihn an.

„Die Idee ist nicht schlecht.", erklärte Blaise.

„Ach komm.", sie boxte ihn leicht in die Seite, „Tu nicht so unbegeistert! Tatsächlich ärgert es dich nur, dass du nicht selbst drauf gekommen bist, stimmt's?"

So weit das ging, wanderte seine Augenbraue noch etwas höher. „Also…", begann er. Dann brach er ab. Sein Mund verzog sich zu einem leichten Lächeln. „Vielleicht hast du Recht… aber nur vielleicht."

Er zog sie zu sich und die beiden versanken in einem letzten Kuss. Danach gingen sie auf getrennten Wegen zur Großen Halle, zum Abendessen. Der Nachmittag war einfach wunderschön gewesen.

Am Montag nach beim Abendessen erhob sich Dumbledore von seinem Platz. Fast sofort kehrte Stille in der Großen Halle an und alle wandten ihre Aufmerksamkeit dem Schulleiter zu – na gut, fast alle. Nur Draco und Diamante störte mal wieder nichts. Wow, Ginny würde wirklich interessieren, was die beiden machen würden, wenn plötzlich eine Horde Erumpents die Halle stürmen würden.

„Wie ihr alle wisst, rückt das Ende des Schuljahres langsam näher.", begann da Dumbledore. Hermine warf ein: „Da hört ihrs, Ron, Harry! Wir müssen wirklich lernen.". Dann hörte die Gruppe wieder aufmerksam zu.

„Und mit dem Ende des Schuljahres kommt auch das Fest, welches wir planen. Damit die Vorbereitungen nicht zu stressig werden, wollen wir bald anfangen. Im Laufe der Woche werdet ihr Listen in euren Gemeinschaftsräumen finden, in die ihr euch eintragen solltet. Ich betone noch einmal: alle sollten etwas zu diesem Fest beitragen,", hier huschte sein Blick kurz zu Draco und Diamante, die ihn aber immer noch nicht beachteten, „und deshalb sucht euch bitte etwas, was euch gefällt. Zur Auswahl stehen unter Anderem Bühnenbild, Kostüme, Frisuren und Make-up für das Theaterstück, Büffetvorbereitung, Dekoration, Musikalisches Rahmenprogramm, Gästebetreuung, aber auch Aufbau, Abbau, Aufräumen… es wird für niemanden zu viel werden.". Er nickte den Schülern noch einmal zu und setzte sich dann wieder auf seinen Stuhl.

Die Schüler begannen aufgeregt miteinander zu reden. Zum Glück hatte Ginny bereits etwas gefunden, was sie machen konnte. Was würden die anderen sich suchen?

Anmerkungen:

Zusatz-Disclaimer: Das Stück „Leonce und Lena", die Handlung, der Inhalt, Personen, Handlungsorte, Ideen, Worte, usw usf gehört Georg Büchner.

SORRY, dass ich so lang nicht weiter geschrieben hab… ich hoffe, dieses Kapitel gefällt euch? Na ja, gut, sooo viel passiert nicht. Draußen scheint gerade die Sonne – es wird Frühling. Davon ist es etwas inspiriert… schreibt doch einfach, was ihr darüber denkt! Ich freue mich über jede Meinung von euch DANKE für die Reviews zum letzten Kapitel! Es ist wirklich schön, wenn ihr einen Kommentar zu meiner Geschichte abgebt +dezent zum Review-Knopf zeig:-)