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Kapitel 33 – Aufgabenverteilungen
Am Mittwochmorgen war es dann soweit: wie Professor Dumbledore am Montag verkündet hatte, hingen Listen in den Gemeinschaftsräumen. Dort sollten die Schüler eintragen, was sie bei dem Fest am Ende des Schuljahres machen wollten. Ginnys Name stand bereits auf der Liste „Theater: Schauspieler", der von Colin daneben bei „Theater: Bühnenbild". Viele Schüler hatten sich bereits Aufgaben gesucht, einige standen noch unentschlossen mit einer Feder vor den Plänen. Lächelnd betrachtete Ginny das. Zum Glück musste sie sich nicht entscheiden…
„Wollen wir zum Frühstück gehen?" Colin stand neben ihr und sah sie fragend an.
„Ja, gern"
Soweit dies möglich war, war es beim Frühstück in der Halle noch lauter als sonst. An jedem Tisch redeten die Schüler wild durcheinander und fragten andere, was diese bei dem Fest machen würden, ärgerten sich, dass die Plätze bei ihrer Lieblingsaufgabe schon vergeben waren oder freuten sich, in einer Gruppe mit ihren Freunden zu sein. Sogar am sonst disziplinierten Slytherintisch war es lauter als gewöhnlich. Hier schien jedoch der Ärger zu überwiegen. Irritiert vernahm Ginny beim Vorbeigehen die Stimme eines Fünftklässlers: „Ich sehe gar nicht ein, wozu wir z.B. auch beim Büffett helfen sollen. Wozu gibt es denn Hauselfen? Und dann auch noch zusammen mit den anderen Häusern…"
Anscheinend gab es immer noch viele Slytherins, die so dachten. Langsam verstand Ginny auch die Idee von Professor Dumbledore. Er wollte die Häuser durch das gemeinsame Vorbereiten einander näher bringen. Na, hoffentlich ging das nicht nach hinten los.
Später an diesem Tag hatte Ginny eine Freistunde nach dem Mittagessen. Ein Blick auf den Probenplan der Theatergruppe sagte ihr, dass sie keinen Text lernen musste. Inzwischen probten sie bereits den dritten Akt, den letzten des Theaterstücks. Bald würden die Gesamtproben kommen…
Was Blaise wohl gerade machte? Oh, sie vermisste ihn so… sie hatte in der Woche noch keine Möglichkeit gehabt, etwas Zeit mit ihm zu verbringen. Blieben für sie wirklich nur die Wochenenden? Wie nervig! Apropos… sie hatten sich noch nicht wieder verabredet. Vielleicht könnte sie…? Ja, sie würde ihm eine Nachricht schreiben. Zum Glück hatten sie jetzt die von Ginny verzauberten Pergamente. Damit ging die Nachrichtenübermittlung wirklich schneller.
Sie kramte es hervor und nahm sich eine Feder. Dann überlegte sie. Was könnte sie schreiben? ‚Hallo, ich würde Dich gerne am Wochenende sehen.'? Nein, wie einfallslos! Oder ‚Mein Schatzi, ich vermisse Dich gaaaanz schrecklich und hoffe, bald wieder bei Dir zu sein'? Niemals! Kurz musste sie grinsen, als sie daran dachte, was Blaise wohl für Augen machen würde, wenn er eine solche Nachricht bekommen würde. Hmm… Schließlich entschied sie sich:
Wollen wir uns am Wochenende treffen?
Aber kaum hatte sie das geschrieben, kam es ihr schon wieder albern vor. Mist. Aber löschen konnte sie es nun auch nicht mehr.
Plötzlich erschienen unter ihren Worten weitere, in dunkelgrün. Erstaunt sah Ginny darauf. Hatte Blaise etwa auch gerade frei?
Ob ‚wir' uns treffen wollen, kann ich nicht sagen. Ich kenne dazu nur meine Meinung.
Grr, dieser… Kümmelspalter! Er nahm jedes Wort so ernst wie eine Gnomplage. Na warte!
Leider kenne ich auch nur meine Seite… sehr schade. Offensichtlich kann also keine Einigung stattfinden.
Na, mal sehen, was er dazu sagt. Eine Weile passierte nichts. Dann, plötzlich, erschien ein kleiner Punkt in Dunkelgrün unter Ginnys Satz. Offensichtlich hatte er angesetzt zu schreiben – und es dann doch gelassen. Hmm… Ginny schrieb weiter.
Hey, ich habe eine Idee! Wir könnten einfach miteinander reden, oder was meinst Du? Du sagst mir, ob Du Zeit hast, ich sage Dir, ob ich Zeit habe – und vielleicht können wir ja dann eine gemeinsame Schnittmenge finden.
Fast sofort kam die Antwort:
Oh, wirklich eine gute Idee! Bist Du da ganz allein drauf gekommen?
Ginny grinste.
Nein, mein großer Bruder hat mit dabei geholfen… quatsch. Also, was denkst Du, würdest Du Dich gerne mit mir am Wochenende treffen?
Gespannt wartete sie auf die Antwort.
Würdest Du?
Argh! Irgendjemand sollte diesem Jungen mal beibringen, dass man nicht mit Gegenfragen antwortet!
Ja.
Hmm, schlicht, aber aussagekräftig, ihre Antwort. Ebenso wie seine:
Also Sonntag um 3 im Raum der Wünsche.
Oh, wie schön! Fröhlich schrieb Ginny, ohne groß zu überlegen, zurück.
Ich freue mich darauf.
Sie glaubte nicht, dass noch eine Antwort kam und wollte das Blatt schon weglegen, als plötzlich ein Wort erschien:
Dito.
Beim Abendessen an diesem Tag war das große Thema immer noch die Aufgabenverteilung beim Abschlussfest. Ginny hatte glänzende Laune. Sie freute sich auf das Wochenende, darauf, Blaise wieder nahe zu sein. Und sie freute sich ganz besonders darüber, dass er sich auch darauf freute, und das sogar zugegeben hatte… in der ihm üblichen Art und Weise. Wer benutzte schon ‚Dito'? Das Wort, welches wohl ‚ebenso' ausdrückte, hatte einen lateinischen Ursprung, ja… vielleicht deshalb? Wurde es in Frankreich verwendet? Gut möglich. Sie könnte Hermine danach fragen. Aber die war gerade in eine wilde Diskussion mit Ron und Harry verstrickt.
„…und wenn ihr euch nicht bald in die Listen eintragt, bekommt ihr nur noch undankbare Aufgaben!", sagte sie gerade.
„Was machst Du eigentlich?", unterbrach Ginny sie, um den beiden zu Hilfe zu kommen.
„Ich helfe mit bei der Gästebetreuung. Professor McGonnagall hatte mich angesprochen. Wir werden die Gäste im Schloss herum führen und ihnen alles erklären und natürlich dafür sorgen, dass sie sich so wohl wie möglich fühlen. Somit repräsentieren wir Hogwarts nach außen… Professor McGonagall meinte, ehemaligen Vertrauensschülern würde diese Aufgabe besonders liegen."
„Komisch.", unterbrach da Ron, „mich hat sie nicht angesprochen!"
Er hatte, wie so oft, mit vollem Mund gesprochen. Ginny musste lachen. „Ja, großer Bruder, rat mal wieso!"
Er zog eine Grimasse und wand sich dann wieder seinen Nudeln zu. Doch Hermine ließ noch nicht locker.
„Lasst uns nachher mal sehen, welche Aufgaben es noch gibt. Dann könnt ihr euch eine aussuchen."
Gesagt, getan. Nach dem Essen gingen die 4 in den Gemeinschaftsraum vor die Listen. Die meisten waren schon voll. Nur bei einigen waren noch Zeilen frei, in die die Schüler sich eintragen konnten. Ginny entdeckte, dass ich Natalie McDonald, das Mädchen, welches ihr zu Weihnachten die Frisur gemacht hatte, bei den Frisuren für das Theater eingetragen hatte. Nur 2 Plätze waren dort, auch der zweite war bereits vergeben. Ebenso war es bei dem Make-Up: Parvati und Lavender waren die schnellsten gewesen. Was nicht wirklich verwunderte…
„Hey, beim Kochen sind noch Plätze frei!", kam es da von Hermine.
„Ron, das wäre doch was für dich.", grinste Ginny. Der Angesprochene lief rot an. „Nein, ich… wieso…"
„Weil Mum dir in diesem Sommer das Kochen beigebracht hat. Sie meinte, bei dem Hunger, den du immer hast, solltest du es können bevor du ausziehst. Soweit ich weiß, hast du dich gar nicht schlecht angestellt." Ginny grinste.
„Gut.", meinte Hermine, „Dann haben wir für dich ja schon etwas gefunden." Bevor ihr Freund protestieren konnte, trug sie seinen Namen in die Liste ein. „Nun zu Harry… was hälst Du von Dekoration?"
Die beiden Mädchen mussten kichern. Daraufhin nahm Harry eine Feder und trug sich einfach selbst bei ‚Aufbau' ein – er war der erste auf dieser Liste. „Ich glaube, hier kann ich noch am ehesten mithelfen…"
Freitagabend. Vor der Großen Halle war es ungewöhnlich laut. Nach den letzten Szene, in denen häufig nur wenige Schüler mitgespielt hatten, war dies die erste größere Szene. Landrat, Schulmeister und Bauern spielten mit. Die Rolle des Schulmeisters hatte der dritte Slytherin in der Theatergruppe: Jonathan. Nachdem Ginny sich den Text durchgelesen hatte, konnte sie auch gut verstehen, wieso Tonks gerade ihn für diese Rolle gewählt hatte: die Rolle war nüchtern, sachlich – und irgendwie befehlend. Ja, das passte zu einem Slytherin… Moment! War das schon wieder ein Vorurteil? Aber es stimmte doch auch, oder? Slytherins waren kalt… also, bis auf gewisse Ausnahmen. Wenn sie da an Blaise dachte… er konnte so lieb sein… wenn er wollte…
Bevor sie allzu sehr in ihre Gedanken versinken konnte, kam auch schon Tonks und ließ die Schüler in die Halle. Außer Jonathan waren 2 Jungen Ravenclaw, außerdem Mary und Claire und ein Hufflepuff-Mädchen da.
Kaum waren sie in der Halle, kamen Mary und Claire zu Ginny: „Spielst Du heute auch mit?"
„Nein, ich sehe nur bei den Proben zu… damit ich das ganze Stück kenne und besser spielen kann.", erklärte diese.
„Aha… ist der da deswegen auch da?"
Ginny drehte den Kopf in die Richtung, in die Claire zeigte. Dort kam gerade Blaise, mit einem wie so oft leicht gelangweilten Gesichtsausdruck, in die Halle. Er sah sich um, um zu sehen, wer bei dieser Probe dabei sein würde. Die Blicke des Slytherins und der Gryffindor trafen sich. Ginny spürte plötzlich schmerzlich das Verlangen, auf ihn zuzugehen und ihn einfach zu umarmen. Sie hatten schon wieder viel zu lange keine Zeit füreinander gehabt… aber es ging nicht. Und so beließ sie es bei einem kleinen Nicken in seine Richtung, was er kaum merkbar erwiderte. Als sie ihren Blick von ihm abwandte, spürte sie einen kleinen Stich im Herzen. Dies war aber vermischt mit Wut, Wut über die Ungerechtigkeit der Hogwarts-Welt. Warum konnten sie sich nicht einfach wie jedes andere Paar auch benehmen? Als ob dann gleich der Nordturm explodieren würde oder so!
Auch Blaise sah etwas finster drein. Jeder andere würde nun vielleicht sagen „Das liegt daran, dass er ein Slytherin ist!". Aber vielleicht war es auch bei ihm einfach das Bedauern über die Umstände… Ginny wusste es nicht, und sie konnte es ihn auch nicht fragen. Zumal die Proben gerade beginnen sollten.
Jonathan und die anderen hatten sich bereits auf die Bühne begeben. Davor standen, wie immer, einige Stühle, drei Stück. Tonks setzte sich auf den rechten. Na super: für Ginny und Blaise blieben nun nur noch 2 Stühle nebeneinander übrig. Natürlich, an sich war das schön – aber doch nicht, wenn alle zusahen!
Etwas verkrampft ließ sich Ginny auf dem mittleren Stuhl wieder. Blaise setzte sich, still und ohne Emotionen zu zeigen auf den linken. Tonks gab währenddessen die ersten Anweisungen: sie legte fest, dass die Bauern, Statisten, die im restlichen Stück noch ein weitere, größere Rolle hatten, also auch Marie und Claire auf einer Seite der Bühne standen und Jonathan als Schulmeister und ein Ravenclaw, Konstantin, als Landrat auf der anderen Seite.
Unauffällig versuchte Ginny zur Seite zu schielen. Blaise schien vollkommen konzentriert auf die Bühne zu sehen.
‚Beachtet er mich denn gar nicht? Was ist los?', fragte sich Ginny. Kurz kam ihr ein vollkommen absurder Gedanke: ‚Vielleicht hätte ich mir die Haare noch mal waschen sollen?'. Aber den verdrängte sie sofort wieder. Ihre Haare sahen gut aus. Daran lag es nicht – es lag nicht an ihr… Trotzdem war es irgendwie schwer. Halt, was war das? Hatte er nicht auch kurz zu ihr gesehen, aus den Augenwinkeln?
Jonathan und Konstantin begannen derweil ihren Dialog.
„Lieber Schulmeister, wie halten sich Eure Leute?", fing der Ravenclaw an. Tonks unterbrach ihn:
„Du musst nicht so unterwürfig klingen. Ihr 2 steht auf einer Stufe, er ist Dir nicht übergeordnet oder so. Versucht es noch einmal!"
Kurz sah Jonathan aus, als wollte er aufbegehren. Er und gleichgestellt wie dieser Ravenclaw. Aber nachdem er noch einmal zu den 3 Zuschauern gesehen hatte, fing er sich wieder. Er warf in einer eleganten Bewegung seine Haare zurück, fast wie als wollte er sagen ‚Ich bin dennoch besser als ihr!', und konzentrierte sich dann wieder auf das Schauspiel.
Gut, dieser erste Konflikt war gut überstanden… kurz hatte es ausgesehen, als würde die Situation eskalieren. Wieso das wohl nicht passiert war? Ein Seitenblick sagte Ginny, dass Blaise Jonathan ziemlich streng ansah. Ob es wohl an ihm lag, dass Jonathan sich so zurück gehalten hatte? Möglich war es. Die Slytherins hatten eine ziemlich strikte Rangordnung, in der ältere Schüler oben standen. Blaise als Siebtklässler konnte also vielleicht wirklich Einfluss auf den Fünftklässler Jonathan nehmen. Aber das hieß dann… machte sich Blaise nicht mehr so viel aus den Streitereien zwischen den Häusern? Eine interessante Frage…
Ach! Seine Hand lag da, in seinem Schoss… wie schön es wäre, sie jetzt einfach zu nehmen…
Die Schüler auf der Bühne waren inzwischen zu der Stelle gekommen, an der die Bauern einsetzten. Der Platz des Geschehens war vor dem Schloss des Königs Peter, also Leonce' Vater. Die Hochzeit der beiden Versprochenen sollte bald stattfinden – noch weiß noch niemand, dass das Brautpaar weggelaufen war, sich getroffen und nicht erkannt hatte und wieder im Land war. Für die Hochzeitsfeierlichkeiten sollten die Bauern einen Jubelruf anstimmen. Dieser sollte nun geprobt werden.
Jonathan als der Schulmeistern gab den Bauern den Einsatz vor:
„Könnt ihr noch eure Lektion? He? Vi…!"
Die Bauern stimmten ein: „Vat!".
Aber was für ein Durcheinander war das! Jeder rief zu einer anderen zeit. Tonks rief: „Stopp!"
Sofort waren alle ruhig. Die Leiterin erklärte: „ Der Ruf muss gleichzeitig kommen. Am besten, ihr zählt alle leise: sobald Jonathan ‚Vi' gesagt hat, zählt ihr leise eins, zwei, und auf drei seit ihr dann dran! Ok?"
Die Schüler nickten. Tatsächlich, bei diesem Durchlauf lief es nun viel besser. Tonks ließ die ganze Szene noch einmal spielen, dann erklärte sie die Probe zufrieden für beendet.
Die meiste Zeit hatte Ginny sich nun so auf das Geschehen auf der Bühne konzentriert, dass sie gar nicht mehr wirklich an Blaise gedacht hatte. Erst jetzt, als er aufstand und ein leichter Schatten auf Ginny fiel, bemerkte sie ihn wieder. Er sah mit einem undeutbaren Blick auf sie herunter. Wieder blickten die beiden sich an. Plötzlich schienen diese grünen Augen das wichtigste auf der ganzen Welt zu sein. Er war wirklich groß… wenn sie jetzt aufstehen würde, müsste sie nur einen kleinen Schritt vorwärts gehen und würde an ihm lehnen, er würde sie in den Arm nehmen, sie würden sich…
„Ginny!"
„Was?"
Der Traum war zerplatzt. Blaise hatte sich umgedreht und war gegangen, nachdem er ihr kurz zugenickt hatte. Er war schon fast aus der Großen Halle raus. Marie hatte nach ihr gerufen:
„Wie fandest Du die Probe?"
„Ja, ganz gut…"
Über die vergangene Stunde plaudernd gingen die drei Mädchen aus der Halle. Aber ganz war Ginny mit ihren Gedanken nicht dabei… die waren eher bei einem gewissen Slytherin.
Wieder oben im Gryffindor-Turm dachte Ginny über diesen ‚Abschied' nach. Freundlich oder sogar liebevoll konnte man das wirklich nicht nennen… vielleicht sogar gleichgültig…
Sie musste einen Kloß im hals herunter schlucken. ‚Ach was, ich bin doch albern.'
Sie machte sich bettfertig und ging in ihren Schlafsaal. Dort, auf ihrem Nachttisch, lag das Pergament, mit dem sie sich mit Blaise verständigen konnte.
Huch, was war das? Stand da etwas Neues?
„Lumos", murmelte sie und kroch mit dem Pergament unter ihre Bettdecke. Tatsächlich:
Ich wünsche Dir eine gute Nacht.
‚Wie süß!'. Er hatte sich extra noch einmal gemeldet, weil er sich nicht von ihr hatte verabschieden können… sie schrieb zurück:
Schlaf gut, träum etwas schönes…
Dann legte sie sich hin und fiel fast sofort in einen tiefen, angenehmen Schlaf.
Um am Sonntag möglichst wenig zu tun zu haben, benötigte Ginny fast den gesamten Samstag für ihre Hausaufgaben. Nur am späten Nachmittag ging sie mit Colin raus auf einen Spaziergang. Es war relativ warm, auch ohne Jacke, nur mit Pullover, fror das Mädchen nicht.
Die beiden unterhielten sich über alles Mögliche. Colin war immer noch glücklich mit Nancy. Dennoch stichelte er immer mal wieder, ob Ginny nicht auch einen Freund hätte? Da müsse es doch sicher jemanden geben, in den sie verliebt sei… aber auf diese Fragen hin lächelte Ginny nur.
„Sei nicht immer so neugierig…"
„Irgendwann erfahre ich es ja doch!", neckte er.
„Vielleicht…"
„Du gibst also zu, dass es etwas zu erfahren gibt? Spannend! Erzähl weiter!"
Ginny musste lachen. Colin konnte manchmal ziemlich hartnäckig sein… aber was sollte sie ihm erzählen? Die Wahrheit?
Sonntag!
Heute Nachmittag würde sie endlich Blaise wieder sehen…
Den Vormittag verbrachte sie damit, mit Colin etwas für Verwandlungen zu üben. Das Fach musste gar nicht so trocken sein – tatsächlich konnte es ziemlichen Spaß machen. Sie und Colin verzauberten einige Möbelstücke in Tiere. Nachdem Ginnys Maus fast von Colins Katze verspeist wurde, verhexte Ginny einen Tisch in einen Hund. Irgendwann war das Chaos perfekt – aber zu lachen hatten sie auch viel.
Nach dem Mittagessen war es ziemlich laut im Gemeinschaftsraum. Die jüngeren Jahrgänge vergnügten sich mit Spielen wie Snap explodes und anderem, die älteren hatten Hausaufgaben zu machen. Ginny musste noch für Zaubertränke lernen. Leider war es dazu etwas zu laut. Sie beschloss, an einen anderen Ort, einen ruhigeren Platz zu gehen und dort weiter zu lernen. Also schnappte sich das Mädchen ihr Buch und ging aus dem Gemeinschaftsraum. Aber wohin?
‚Der Raum der Wünsche ist eine gute Idee…', fiel ihr plötzlich ein. Klar, dort hatte sie ihre Ruhe und sie konnte auf Blaise warten, der dann gegen 3 kommen würde…
Vergnügt ging sie los.
Als sie im Gang vor dem Raum der Wünsche stand, ging sie 3-mal hin und her und wünschte sich einen Raum, in dem sie ruhig lernen konnte. Die Tür erschien. Sie öffnete und trat ein.
„Was… Ginny!"
„Du?"
Sie war in einem ähnlichen Raum, in dem sie in der Woche vorher mit Blaise gewesen war. Die Fenster waren groß und ließen viel Licht herein, außerdem boten sie einen herrlichen Blick über die Ländereien. Eine große Uhr hing an der Wand. Ein Tisch stand da, dazu ein gemütliches Sofa, auch ein Sessel.
Und auf diesem Sofa saß… Blaise!
Aber irgendetwas war anders als sonst… Im Gegenlicht bemerkte sie es nicht sofort, aber dann sah sie etwas, was sie wohl nie erwartet hätte.
„Du trägst eine Brille?", fragte sie erstaunt.
Tatsächlich. Blaise hatte eine schlichte, rahmenlose Brille mit schwarzen Bügeln auf. Die Gläser waren viereckig. Jetzt sah er weg und griff mit einem, anscheinend geübten Griff nach dieser Brille und wollte sie absetzen. Ginny unterbrach ihn:
„Nein, lass doch auf."
Blaise erstarrte mitten in der Bewegung, sah sie jedoch immer noch nicht an.
‚Kann es sein, dass ihm das peinlich ist? Wie süß…', grinste Ginny in sich hinein. Sie ging zu ihm und setzte sich auch mit aufs Sofa. Immer noch sah Blaise sie nicht an, sondern aus dem Fenster. Er kratzte sich inzwischen etwas an der Nase.
‚Es ist ihm wirklich peinlich…', dachte sich Ginny. ‚Herrje, Jungs und ihre Eitelkeit! Aber… das ist einfach zu niedlich.'
Schnell beugte sie sich vor und gab ihm einen kleinen Kuss auf die Wange. „Du bist süß…", murmelte sie.
Jetzt, endlich sah er sie an. Sein Gesichtsausdruck war wohl am ehesten als überrascht zu bezeichnen.
„Süß?"
Ginny lief rot an. „Ja…"
Plötzlich grinste er. Einfach sein Blaise-Grinsen. Unwillkürlich lächelte Ginny zurück. Er sagte: „Ich bin ein großer böser Slytherin, ich bin doch nicht ‚süß'!"
Jetzt musste sie doch Lachen. Wieder beugte sie sich vor und gab ihm einen kleinen Kuss, diesmal auf die Lippen. „Doch!"
Dann beugte sie sich vor und kitzelte ihn am Bauch. Wie sie erwartet hatte, musste er anfangen zu lachen. Zwischen 2 Lachen stieß er hervor:
„Hey, lass das…"
Dann ging er zum Angriff über, versuchte sie ebenfalls am Bauch zu kitzeln. Lachend wich sie zurück, legte sich auf den Rücken.
Dann war er über ihr. Er hatte aufgehört sie zu kitzeln. Ihre Gesichter waren noch vielleicht 10 Zentimeter voneinander entfernt. Sie konnte spüren, dass sein Bauch auf ihrem lag. Ihr T-Shirt war etwas hoch gerutscht durch das Gekitzel, ebenso wie sein Pullover. An einer Stelle lag nackte Haut auf nackter Haut… und sein Gesicht war so nah. Sie konnte wieder die braunen Sprenkel in seinen grünen Augen erkennen. Zwar wirkte er mit der Brille ungewohnt, aber dennoch sah er sehr gut aus. Irgendwie… intelligent. Ginny musste grinsen. Ein Vorurteil, aber irgendwie stimmte es.
„Was ist?", fragte Blaise leise. Er kam noch etwas näher. Sie konnte seinen Atem auf ihrer Wange fühlen.
„Ich mag Dich.", flüsterte sie.
Er grinste. Dann küsste er sie. Nach fast einer Woche… es war wunderschön. Er konnte so zärtlich sein. Als sie sich wieder voneinander lösten, grinste er und sagte: „Ich weiß."
Kurz überlegte Ginny, was er meinte, dann musste sie lachen. Dieses Lachen erstickte Blaise mit einem weiteren, atemberaubenden Kuss. Seine Hand hatte er in ihrem Haar vergraben. Auf einmal spürte die Gryffindor etwas Kühles, Glattes an ihrer Schläfe. Kurz darauf löste sich Blaise von ihr. Auf seiner Brille war ein kleiner Fleck, wahrscheinlich hatte er mit dem Glas ihre Haut berührt…
„Deine Brille ist dreckig."
„Ich weiß… und Du bist schuld."
Er grinste. Dann setzte er die Brille ab.
„Du kannst sie doch auch auflassen.", bemerkte Ginny.
„Hmm. Warum bist Du eigentlich schon hier?", wechselte er das Thema. ‚Eitler Kerl!', dachte sich Ginny innerlich etwas amüsiert.
„Ich wollte noch etwas lernen…. Und Du?"
„Ja, ich auch. Hier ist es wenigstens ruhig."
„Genau. Meistens jedenfalls." Sie lächelten sich an. Dann sahen sie sich etwas unschlüssig an. Schließlich nahm sich Ginny ihr Buch. „Am besten, wir lernen jetzt beide noch etwas… und danach…" Sie wurde rot. Mist, was sollte sie da jetzt sagen?
Aber Blaise kam ihr zu Hilfe. Er sagte: „Gut.". Dann gab er ihr einen kurzen Kuss auf den Mund und wand sich seinem Buch zu. Er setzte sich gemütlich auf das Sofa, Ginny lehnte sich mit dem Rücken an ihn. Es war einfach schön…
Kurz nach 3 hörten sie auf mit lernen und verbrachten den Rest des Nachmittags wunderschön. Sie schmusten, redeten miteinander… Ginny erfuhr, dass Blaise einen Hund namens Roger gehabt hatte, als er klein war und erzählte selbst von Charlies Katze Hamlet, mit der sie früher immer gespielt hatte.
„Hamlet? Also schon immer theaterbegeistert gewesen.", neckte Blaise sie.
„Natürlich!", lachte sie, „ich musste Mum ja auch immer erklären, dass Fred und George es gewesen waren und nicht ich, wenn z.B. irgendetwas kaputt gegangen war…"
Sie lachten. „Wie bist Du eigentlich zum Theater gekommen?", fragte Ginny neugierig.
„Schwer zu erklären…", sagte Blaise nachdenklich. „Es hat wohl teilweise etwa damit zu tun, dass jeder ständig schauspielt und seine wahren Gedanken und Gefühle irgendwie verbirgt. Da dachte ich, das kann man auch auf der Bühne ausprobieren. Außerdem finde ich es einfach faszinierend, eine vollkommen andere Rolle anzunehmen. Und… früher waren wir häufig im Theater."
Er sah jetzt nicht mehr Ginny an, sondern blickte ins Leere.
‚Wahrscheinlich war das vor dem Unfall seiner Schwester, die Weihnachten von einem Muggelautofahrer angefahren wurde…', schoss es Ginny durch den Kopf. Sie legte ihre Arme um Blaise. Der drehte sich auch bald wieder zu ihr und nahm sie ebenso in dem Arm. Eine Weile hielten sie sich einfach nur umschlungen.
Und wieder einmal fiel der Gryffindor auf: ‚Slytherins sind nicht kalt…'
Vor dem Abendessen verabschiedeten sie sich wieder liebevoll voneinander, dann gingen sie getrennte Wege. Der Nachmittag war wunderschön gewesen, sie hatte wieder seinen Bauch gestreichelt und er ihren…
Als sie im Gemeinschaftsraum ankam, herrschte großes Gedränge vor dem Schwarzen Brett.
‚Nanu? Die Arbeiten für das Fest sind doch großteils vergeben?', dachte Ginny sich. Dann sah sie es: ein neuer Zettel hing dort!
Der Termin des nächsten Hogsmead-Wochenendes stand fest! Am nächsten Samstag konnten die älteren Schüler das Dorf besuchen.
Eine Viertklässlerin neben Ginny freute sich ganz besonders: „Dann kann Jack mit mir ins Miss Puddifoots gehen! Und du kannst endlich ein Date mit Oliver haben." Dabei zwinkerte sie einer Freundin, die neben ihr stand, zu.
Ginny starrte immer noch auf den Zettel: ‚Und wir?'
Anmerkungen:
Zusatz-Disclaimer: Das Stück „Leonce und Lena", die Handlung, der Inhalt, Personen, Handlungsorte, Ideen, Worte, usw usf gehört Georg Büchner.
Juchhu! Kapitel 33! Hat es euch gefallen? Ist es schön? Ich hoffe doch
Daaanke (!!!) für die vielen lieben, aufmunternden Reviews! Jetzt kommen wieder häufiger Kapitel, versprochen – ich hatte leider in letzter Zeit viel Stress (aber jetzt hab ich frei Abi vorbei! Uff!), aber jetzt schreibe ich weiter.
Ich habe mich total über die vielen Reviews gefreut. Es ist schön, dass viele die Story weiter mögen.
Über Kommentare (und natürlich auch Kritik! Ich will mich schließlich verbessern!) freue ich mich immer! LG, eure schafchen
