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Kapitel 34 – Und wieder Hogsmead
„Hey, willst Du mir vielleicht heute erzählen, mit wem Du nach Hogsmead gehst?" Gut gelaunt setzte sich Colin neben Ginny an den Frühstückstisch. Es war Donnerstag. Übermorgen, am Samstag, stand der nächste Hogsmead-Ausflug an. Die meisten Mädchen hatten sich mit irgendjemandem verabredet, um dorthin zu gehen. Deswegen lag Colin Ginny ständig in den Ohren, das sollte diese doch auch tun: „Du kannst schließlich nicht ewig solo bleiben!".
„Offenbar tut Deine Freundin Dir nicht gut – Du bist in letzter Zeit viel zu übermütig.", erklärte Ginny trocken.
„Leider ganz im Gegensatz zu Dir. Aber das kriegen wir auch noch hin." Er zwinkerte ihr zu. Herrje, manchmal konnte Colin ganz schön nervig sein…
Aber eigentlich hatte er Recht. Ihre Laune war nicht die Beste. Sie hatte Blaise in dieser Woche nur kurz gesehen, auf dem Weg zu Verwandlungen, für einen Kuss war keine Zeit geblieben. Langsam wurde sie dieser Situation wirklich überdrüssig. Dazu das Problem mit Hogsmead. Wie gerne würde sie dort mit ihrem Freund hingehen! Aber es waren zu viele andere Schüler dort, die sie sehen konnten… aber allein hatte sie auch keine Lust.
In einer langweiligen Stunde Verteidigung gegen die Dunklen Künste – sie machten gerade die Theorie eines Fluches, den Ginny schon vom DA her konnte – holte sie das Pergament heraus, mit dem sie Blaise schreiben konnte. Sie musste ihn einfach wegen Samstag fragen…
Hi, hast Du gerade Zeit?, schrieb sie.
Kurz passierte nichts. Dann, nach einigen Minuten, kam die Antwort:
Worum geht es? Ich habe gerade Zauberkunst, aber wir wiederholen lediglich.
‚Und da muss er nicht aufpassen? Er ist wirklich von sich überzeugt.', grinste Ginny innerlich. Zurück schrieb sie:
Samstag ist Hogsmead-Wochenende.
Schweigen auf der anderen Seite. Nun gut, also musste sie ihn noch etwas weiter in die richtige Richtung schubsen:
Was hast Du da vor?
Er antwortete recht prompt:
Hingehen.
Na super – jetzt wusste sie auch nicht mehr. Ginny fragte also:
Und… mit wem? Ich meine, wir könnten uns ja da treffen.
Eine ganze Weile passierte nichts. Ginny wollte das Pergament schon enttäuscht wegpacken, da erschien Blaise' Antwort:
Wie stellst Du Dir das vor?
So genau wusste sie das ja auch nicht…
Na ja, keine Ahnung… wir gehen getrennt hin, treffen uns vielleicht dort irgendwo… und gehen halt wieder getrennt nach Hause.
Wieder Stille. Ginny schob nach:
Ich würde mich wirklich freuen, mit Dir einen Nachmittag mal außerhalb von Hogwarts verbringen zu können.
Nun antwortete Blaise:
Ich kann Dir nichts versprechen…
Leise seufzend schrieb Ginny:
Ich weiß.
Nun antwortete Blaise wieder:
Es gibt da ein kleines Café, etwas außerhalb des Zentrums. Ich glaube nicht, dass dort andere Hogwarts-Schüler sein werden – es ist nicht so populär wie Miss Puddifoots oder die Drei Besen.
Ginny Herz klopfte schneller als sie das las. Er wollte sich also mit ihr dort treffen? Wahnsinn! Wie schön!
Wie heißt es?, fragte sie.
‚The Red Haired Maid'. Es ist in der Schlösserstraße. Ist um 2 für Dich ok?
Wow – seit wann fragte er sogar, ob ihr die Zeit passte? Es geschahen noch Zeichen und Wunder. Aber natürlich war das so ok! Sofort schrieb Ginny zurück:
Klar! Ich freue mich darauf :-)
Blaise schrieb noch zurück:
Gut. Bis dann…
Dann konzentrierte sich Ginny wieder auf den Unterricht. Allerdings mit einem viel schöneren Gefühl im Bauch…
Die Theaterprobe am Freitagabend verlief ereignislos. Sowohl Ginny als auch Blaise spielten nicht mit – sie saßen wieder vor der Bühne und sahen zu. Das leicht schmerzliche Gefühl konnte Ginny diesmal gut ignorieren – schließlich würden sie sich morgen sehen. Die ganze Zeit musste sie daran denken… sie würden in ein Café gehen! Wie ein ganz normales Pärchen… es würde so schön werden…
So überstand sie auch die kurze, emotionslose Verabschiedung von ihm am Ende der Probe. Es gab ja Hogsmead…
Samstagmorgen stand sie gemeinsam mit ihren Zimmerkameradinnen auf, um sich zu duschen und hübsch zu machen. Die Mädchen alberten ausgelassen herum – jede freute sich auf den Tag in Hogsmead.
Beim Frühstück fiel Colin Ginnys gute Laune natürlich sofort auf. Er sah sie mit einem neckischen Ausdruck im Gesicht an, halb fragend, halb grinsend, aber sie antwortete ihm nur mit einem Augenzwinkern. Sie hatte heute einfach zu gute Laune, um sich von ihrem besten Freund ärgern zu lassen.
Zusammen mit Ron, Hermine und Harry ging sie später in das kleine Dorf. Ron und Hermine trennten sich, wie abgemacht, bald von den beiden, um zu Miss Puddifoots zu gehen. Ron wurde zwar leicht rot um die Ohren, als Hermine erwähnte, was sie vorhatten, aber er ging seiner Freundin zuliebe mit. Ginny musste sich ein Grinsen verkneifen. Die beiden waren einfach zu süß…
Zusammen mit Harry ging sie zum Honigtopf. Dann schlenderten sie durch die Gegend. „Zonkos" fanden sie längst nicht mehr so spannend, vor allem, seit sie sich von den Zwillingen beliefern lassen konnten. So kamen sie auch in einige Randgebiete des Dorfes. Plötzlich erinnerte sich Ginny, schon einmal hier gewesen zu sein: mit Justin. Damals hatte die Wahrsagerin erzählt, dass um Weihnachten herum schlechte Dinge passieren würden… nun, sie hatte Recht gehabt.
„Komm, lass uns umkehren.", sagte Ginny zu Harry. Dieser nickte:
„Wir könnten in die ‚Drei Besen', Mittagessen."
„Gute Idee."
Also gingen sie in das ziemlich überfüllte kleine Lokal.
Nachdem sie beide ein belegtes Brot gegessen und ein Butterbier dazu getrunken hatten, beschlossen sie, wieder aufzubrechen. Nach einem kurzen Blick auf die Uhr hatte Ginny erschrocken festgestellt, dass es schon kurz vor halb 2 war – in einer halben Stunde war sie mit Blaise verabredet und sie musste noch das Café finden! Und irgendwie musste sie auch noch Harry sagen, dass sie nun allein gehen wollte… es war so schwierig, ihre Freunde anzulügen!
„Ähm… und was haben wir jetzt so vor?", fing Ginny unverbindlich an.
„Ich weiß nicht – früher kam mir das Dorf immer viel größer vor. Hast Du noch einen Vorschlag?"
„Ich… also…". Verlegen hörte sie auf.
Erstaunt sie ihr Gegenüber sie an: „Was ist?"
„Na ja… ich würde gerne noch etwas hier bleiben… aber es macht mir nichts aus, wenn Du schon zum Schloss zurück möchtest.". Nun gut – das war wohl noch recht nett formuliert…
„Ach so… ok… na gut, ich sehe mich auch noch etwas um. Viel Spaß Dir – bei was auch immer!" Er zwinkerte ihr zu. Wahrscheinlich dachte er jetzt, sie hätte ein Date. Nun gut, eigentlich hatte er damit Recht. Trotzdem tat es ihr weh, dass sie es nicht einfach sagen konnte. Vor allem, als sie Harry allein die Straße entlanggehen sah. Er hatte es nicht verdient, angelogen zu werden – in letzter Zeit war er sowieso viel zu oft allein…
Inzwischen war es nur noch eine Viertelstunde bis um 2. Zum Glück hatte Professor Flitwick ihnen einen Orientierungszauber beigebracht, sodass Ginny den Weg zum Café relativ gut fand. Pünktlich stand sie davor.
Das Café ‚The Red Haired Maid' war in einem kleinen, gemütlich aussehenden Haus untergebracht. Die Fenster waren ziemlich dunkel, sodass man von außen nicht gut hinein sehen konnte. Blaise hatte eine gute Wahl getroffen… sie war gespannt, wie es drinnen aussah.
Als sie eintrat, schellte eine kleine Glocke. In dem Raum war es ziemlich dunkel, vor allem im Gegensatz zu der Sonne draußen. Sie sah sich um: kleine Tische, ähnlich wie bei Miss Puddifoots, bloß mit viel weniger Kitsch darauf, sondern sehr stilvoll. Es war alles in Erdtönen gehalten, selten waren an einem Tisch mal mehr als 3 Stühle.
Bevor sie sich noch weiter umschauen konnte, hörte sie plötzlich eine ihr wohlbekannte Stimme:
„Ah, eines der Wiesel… na, bist du aus deinem Loch heraus gekommen?"
Dazu das übliche, schnarrende Lachen. Draco Malfoy! ‚Was macht der denn hier?', fragte sich Ginny geschockt.
Ihre Augen hatten sich jetzt endgültig an den Helligkeitsunterschied gewöhnt. Was sie nun erkannte, schockte sie sogar noch mehr.
An zwei zusammengestellten Tischen in der Ecke saßen einige Slytherins: Draco Malfoy, welcher natürlich seinen Arm um Diamante gelegt hatte – sie hatten ihre Knutschorgie sicher nur unterbrochen, um über Ginny herzuziehen, wie typisch – daneben Theodore Nott, ein Mädchen, welches wohl Fünftklässlerin und auch eine Slytherin war… und Blaise.
Er saß dort und sah sie nicht an, während die anderen Slytherins sie mit unverhohlenem Spott musterten.
„Was führt dich hierher, Wiesel?", fragte nun die Fünftklässlerin. „Suchst du vielleicht eine Aushilfsstelle, damit du und deine Sippe in den Ferien nicht verhungert?"
Die anderen Slytherins lachten. Draco legte noch einen drauf: „Unsinn, selbst dafür braucht man gute Klamotten… aber vielleicht kann sie ja trotzdem schon mal üben. Hey, Wiesel, bring mir einen Kaffee! Und für Blaise auch gleich einen, nicht wahr?". Er stupste den neben ihm sitzenden Blaise an, welcher die ganze Zeit still dagesessen hatte.
Ginny kam sich vor wie in einem Albtraum. Das konnte nicht wahr sein… sie hatte sich so auf das Treffen mit Blaise gefreut, und nun? Wo kamen die ganzen Slytherins her. Sie war total durcheinander, enttäuscht, traurig… wortlos drehte sie sich um und stürmte aus dem Café. Das musste alles ein böser Traum sein….
Immer schneller gehend, bald rennend, fand sie den Weg zurück zum Schloss. Sie wollte einfach allein sein… bald spürte sie, dass einige Tränen anfingen, ihr über die Wangen zu laufen. Blaise… wie konnte er sie nur so im Stich lassen? Er hatte einfach dagesessen. War es ihm etwa egal, was die anderen zu ihr sagten?
Mit rotem Gesicht und vollkommen mit den Nerven am Ende kam sie im Gryffindor-Turm an. Leider saß dort jemand im Gemeinschaftsraum…
Harry stand auf und kam auf sie zu: „Hey, Ginny, was ist denn los?". Er wirkte vollkommen überrascht. „Ist etwas passiert?"
„Ja…". Blitzschnell kam ihr die Erkenntnis, dass sie ihm nicht erzählen konnte, was los war. Er würde auf die Slytherins schimpfen – er würde auch Blaise nicht verschonen. Das wollte sie auch nicht – außerdem würde er nicht verstehen, warum sie diese Situation so aufregte… oder was sie dort gemacht hatte. Die Tränen begannen wieder zu fließen, sie antwortete „Also, nein… ach, verzeih mir, aber brauche gerade meine Ruhe!"
Dann floh sie aus dem Gemeinschaftsraum.
‚Wo kann ich hin? Ich will einfach nur meine Ruhe… allein sein Aber wo gibt es schon so einen Ort, in Hogwarts?'
Dann fiel es ihr ein: natürlich, der Raum der Wünsche…. Sie ging, auf möglichst wenig benutzten Wegen, dorthin. Ginny hatte Glück: die meisten Schüler waren noch in Hogsmead. Vor dem Raum angekommen, wünschte sie sich einen Ort, an dem niemand sie finden konnte und sie ihre Ruhe hatte...
Die Tür öffnete sich. In dem Raum stand einfach nur ein großes Bett vor einem Kamin. Darauf waren sehr, sehr viele Kissen. Ginny schnappte sich eins, ließ sich auf das weiche Bett fallen, drückte ihr Gesicht in das Kissen und weinte hemmungslos.
Nur langsam beruhigte sie sich wieder. Irgendwann entdeckte sie den kleinen Tisch neben dem Bett, auf dem ein Teller mit einigen Keksen und Schokolade stand. Sie griff zu. Schokolade war ja bekanntlich der beste Stimmungsaufheller, und in solchen Situationen wirklich unentbehrlich…
Wie konnte Blaise nur zusehen, dass sie so fertig gemacht wurde? Wie konnte er sie so…verletzen? Sie war unendlich enttäuscht. Sicherlich, was hatte sie auch erwartet… eine geheime Beziehung? Das konnte ja nicht gut gehen…
Ihre Augen brannten schon wieder. Sie drückte das Gesicht in das Kissen.
Eine ganze Weile saß sie so da. Plötzlich merkte sie etwas Komisches an ihrem Bauch. Es… vibrierte? Da war etwas in ihrem Umhang…
Hastig stand sie auf und suchte. In einer Tasche fand sie schließlich das vibrierende, ruckelnde Ding: es war ein Stück Pergament.
Genauer: das Nachrichten-Pergament, mit dem Blaise und sie sich austauschen konnten. Natürlich, sie hatte es heute Morgen noch schnell eingesteckt, für den ‚Notfall'. Hatte es plötzlich ein Eigenleben entwickelt?
Ohne dass sie es wollte, fiel ihr Blick darauf. Blaise hatte etwas geschrieben. Nein, sie wollte jetzt nichts von diesem… diesem… Lügner! Macho! Arrogantem Slytherin! lesen…
Nein, nein, das wollte sie wirklich nicht.
Überhaupt nicht.
Es interessierte sie auch gar nicht.
Nein, wieso sollte es sie interessieren?
Vollkommen unwichtig.
Sie wollte das gar nicht lesen.
Gaaar nicht.
…
‚Na ja, ein Blick kann nicht schaden… wer weiß, was er mir da für Lügen auftischt!'
Also entrollte sie das Pergament.
Ginny! Es tut mir so Leid… ich wollte das nicht. Bitte glaube mir! Ich wusste nicht, dass die anderen in dem Café sind. Es tut mir Leid. Ich dachte, dort sei niemand. Verzeih mir! Ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte…
Erstaunt ließ Ginny das Blatt sinken. So offen war Blaise noch nie gewesen. Er bat um Verzeihung? Er, ein Slytherin? Sie las weiter:
Ginny, ich wollte das so nicht… die anderen waren schon im Café, als ich eintrat, sie haben mich zu ihrem Tisch gewunken, und dann kamst auch schon Du. Ich war einfach zu überrascht… es tut mir so Leid.
Nun war Ginny vollkommen überrascht. So war es gewesen… nein, sie zweifelte nicht an seinen Worten. Aber der Schmerz saß noch zu tief. In diesem Moment erschienen neue Worte auf dem Pergament:
Bitte, wir müssen miteinander reden. Wo kann ich Dich finden?
Was? Er wollte sie finden, also, er wollte zu ihr kommen? Nicht wieder dieses ‚Sei dann und dann da und da', sondern eine Frage? Es musste ihm wirklich Leid tun. Ginny merkte, wie sie begann, nachzugeben. Ja, es tat ihm Leid. Und an dieser Situation hatte er auch keine Schuld… und, verdammt, sie wollte ihn ja auch sehen! Und sie mussten wirklich miteinander reden.
In einer Tasche ihres Mantels fand sie eine Feder. Sie schrieb zurück, nur 3 Worte:
Raum der Wünsche
Dann überlegte sie kurz, und setzte hinterher:
Jetzt.
‚War das jetzt richtig gewesen?', fragte sie sich, während sie auf das Eintreffen von Blaise wartete. ‚Er hat sich falsch verhalten… kann ich ihm so schnell verzeihen?' Ach, sie war verwirrt…
‚Aber eigentlich… man soll immer eine zweite Chance geben…
Dennoch – habe ich ihm nicht schon genügend Chancen gegeben?
Ach, wir sollten einfach darüber reden… das ist das einzig Vernünftige… denke ich…'
Dann klopfte es auch schon an der Tür. Blaise hatte sich wirklich beeilt. Er musste direkt nach ihr aus Hogsmead losgelaufen sein. Ginny dachte kurz daran, dass er herein kommen durfte – da konnte er auch schon die Tür öffnen.
Der Slytherin trat ein. Sofort bemerkte Ginny, dass er nicht den üblichen, arroganten Nimbus um sich verbreitete. Sicher, er versuchte es – aber es wirkte aufgesetzt. Tatsächlich war er eher… unsicher? Er schloss die Tür hinter sich, dann drehte er sich ganz zu ihr um.
„Hallo", sagte der Dunkelhaarige. Dann stand er verlegen da. Ginny begriff, dass auch er nicht wusste, wie er mit dieser Situation umgehen sollte. Er hatte das ganze wirklich so wenig gewollt, wie sie…
„Setz dich.", meinte sie.
Er nahm, relativ steif, auf dem Rand des Bettes platz und drehte sich zu ihr. Abwartend saßen sie sich gegenüber, bis er die Stille durchbrach.
„Ginny…"
Er fuhr sich mit der Hand über die Stirn, wie verlegen, um einige Haare wegzuwischen. Das ganze fiel ihm wirklich schwer. Wo war seine übliche, kalte Verkleidung? Er hatte sich ihr in den letzten Wochen immer weiter geöffnet. Aber noch nie zuvor hatte Ginny das Gefühl gehabt, den ‚wahren' Blaise so sehr zu sehen wie jetzt.
Dann faltete er die Hände im Schoss, sah nach unten und sagte: „Es tut mir Leid…". Plötzlich sah er auf, ihr direkt in die Augen: „Wirklich… sie waren gemein zu Dir, dass… war so falsch… es tut mir so Leid." Wieder sah er weg.
‚Er schämt sich… für seine Hauskameraden… und… seine Feigheit?', schoss es Ginny durch den Kopf. Aber…
„Ich weiß nicht, ob ich Dir das so einfach verzeihen kann."
Wieder rannen Tränen über ihre Wangen. Blaise sah sie an, schien es zu bemerken, wirkte erschrocken.
„Ginny…"
Auf einmal rutschte er zu ihr heran, nahm sie in den Arm. Zuerst wollte sie sich sträuben, dann merkte sie, wie gut es war, von ihm umarmt zu werden. Die Tränen flossen schneller – wieso war das alles nur so kompliziert. Sie schloss die Augen.
Dann merkte Ginny, wie etwas sehr sanftes ihre Wange berührte. Blaise… er küsste ihre Tränen weg, strich ihr durchs Haar.
Der Slytherin musste selbst sehr aufgewühlt sein, sonst hätte er wohl niemals so sensibel sein können.
Eine ganze Weile saßen die beiden so da. Ginny merkte, wie wieder etwas Vertrauen in sie zurückkam. Sie hörte auf zu weinen.
Aber ganz konnte sie den Nachmittag nicht vergessen.
„Müssen wir… unsere Beziehung weiter geheim halten?", murmelte sie an seinen Hals.
Lange herrschte daraufhin Schweigen. Mehrmals merkte Ginny, wie er ansetzte zu sprechen. Aber er blieb ruhig.
Eine Enttäuschung, welcher jener vom Nachmittag sehr nahe kam, machte sich in ihr breit. Er wollte es also weiter so… geheime Treffen, gegenseitiges Verleugnen…
„Ok, ich habe schon verstanden."
Hierauf antwortete er, beinahe sofort: „Nein! So ist es nicht…"
„Wie ist es nicht?", fragte sie, irritiert, zurück, „Du willst unsere Beziehung offen legen?"
„Das… Ginny, bitte, denk daran… das ist so schwierig…"
Also war er dagegen. Oh, diese Enttäuschung… ihr rutschte ein Satz heraus: „Bin ich Dir etwa peinlich?"
„Unsinn."
„Aha. Das ist es also nicht – was ist es dann?" Ginny wollte nicht streiten, aber diese Sätze kamen einfach aus ihr heraus. Sie hatten sozusagen ein Eigenleben. Dabei wollte sie das gar nicht… oder doch? Sicherlich, sie wollte Klarheit…
„Ginny… versuch doch zu verstehen… ich will nicht, dass die ganze Schule gegen uns ist. Ich will nicht, dass die ganze Schule gegen Dich ist."
Sie drehte sich zu ihm um, sah ihm in die Augen. Er holte kurz Luft, dann fuhr er fort: „Wenn Du es für richtig hältst… dann rede mit Anderen darüber."
Er nahm sie wieder in den Arm, sie schmiegte sich an ihn. Hatte er jetzt verstanden, wie wichtig das für sie war?
Da flüsterte er an ihrem Ohr:
„Ich habe Dich doch so lieb, meine Ginny…"
Und sie wusste, dass er es ernst meinte. Sie umarmte ihn, roch ihn, seinen ganz typischen Blaise-Geruch, sein Duschbad (und war da auch Parfüm dabei?), fühlte sich wieder geborgen…
Der Nachmittag, der so schön werden sollte in Hogsmead, zwischenzeitlich so furchtbar war – er endete, versöhnt, geborgen im Raum der Wünsche. Ein komisches Gefühl blieb. Ja, Blaise hatte sie besänftigt. Sie wusste auch, dass er seine Entschuldigung aufrichtig ernst meinte. Aber dennoch – die Kränkung des Nachmittags einfach zu vergessen war schwer.
Als sie abends in ihrem Bett lag, waren in Ginny gemischte Gefühle. Einerseits natürlich... immer noch etwas Enttäuschung, vielleicht auch Traurigkeit. Andererseits hatte sich Blaise ihr gegenüber noch nie so offen gezeigt. Vielleicht müsste sie Draco dafür sogar dankbar sein… sie wusste nicht, was sie denken sollte. Aber kurz vor dem Einschlafen war ihr letzter Gedanke: „Morgen Nachmittag sehen wir uns wieder…"
Anmerkungen:
Argh… „Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen" – aber hier ist wieder ein neues Kapitel! Hmm, dieses Kapitel war wieder mal fast nur Ginny und Blaise. Wie hat es euch gefallen? Sie mussten sich streiten – dieser ganze Unsinn mit „Geheime Beziehung" kann ja nicht lange gut gehen. Was denkt ihr? Kann sie ihm verziehen? Wird es im nächsten Kapitel vielleicht sogar eine „Versöhnungssex ist der beste Sex"- Szene geben? ;-) Außerdem rückt die Aufführung immer näher, die letzten Proben…
Übrigens: DAAAANKE für über 100.000 Worte Treue! freu Wie hat euch das Kapitel gefallen? Eure Meinungen sind mir sehr wichtig! Es schreibt sich dann viel leichter, wenn man weiß, was erwartet wird. Also, auch liebe Schwarzleser: Kommentar abgeben ist nicht so schwer und freut des Autors Herz sehr! ;-)
