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Kapitel 35 – Du hast WAS?
Nein, sie wusste wirklich nicht, ob sie ihm so schnell verzeihen konnte. Sie wusste es auch jetzt noch nicht, als sie vor dem Raum der Wünsche stand. Gestern war Hogsmead-Tag gewesen. Heute wollten sie sich wieder, in altbekannter Umgebung, treffen, den Nachmittag gemeinsam verbringen. Ja, natürlich, sie freute sich darauf. Aber ihre leisen Zweifel, ob diese Beziehung auf Dauer gut gehen konnte – die wollten nicht verschwinden. Colin hatte sie auch wieder so seltsam angesehen, als sie aus dem Gryffindor-Turm gegangen war. Er fragte sich sicher, wohin sie ging. Sie verschwand einfach zu oft, inzwischen…
Ginny drückte die Türklinke herunter, in der Erwartung, wieder im Raum mit dem Sofa zu landen. Doch als sie die Tür öffnete, zog sie überrascht die Luft ein.
„Blaise?"
Sie befand sich in… in einem Café? Der Raum sah zumindest so aus. Die Wand war geschmackvoll gestrichen, an den Fenstern hingen Gardinen. Mehrere kleine Tische mit je 2 Stühlen standen da, leise Musik erklang im Hintergrund, an der Wand hingen Bilder. Insgesamt war der Raum eher französisch eingerichtet: die Bilder zeigten den Eiffelturm, den Champs-Elysées und den Arc de Triomphe. Auch die Stühle und Tische… nun gut, sie kannte sich nicht aus, aber es wirkte irgendwie französisch. Ein Blick zur kleinen Theke bestätigte das: dort lagen nicht nur Croissants mit Schokoüberzug, sondern auch andere leckere Teilchen. Insgesamt war es sehr gemütlich eingerichtet.
Plötzlich merkte Ginny, wie sich Arme von hinten um ihre Hüfte legten. Jemand zog sie zu sich, schon spürte sie den warmen Atem an ihrem Ohr und Blaise' dunkle Stimme fragte:
„Na, gefällt es Dir?"
Sie drehte sich in seiner Umarmung um und legte ihre Arme um seinen Hals. „Ja, sehr!". Er hatte also verstanden, wie schön sie diesen Café-Besuch gefunden hätte – und jetzt, da sie nicht zum Café kommen konnten, holte er das Café also zu ihnen. Wie süß…
Die beiden versanken in einem Kuss. Blaise strich ihr sanft mit einer Hand über den Rücken, während er die andere in ihrem Nacken hielt. Sie selbst hielt ihn einfach nur umarmt, küsste ihn und fühlte, wie das Misstrauen wie eine Last von ihr fiel. Er, dieser sonst so unsentimentale Slytherin, wurde in ihrer Gegenwart sanft, gefühlvoll und… einfach süß.
Bei diesem Gedanken musste sie grinsen. Blaise und süß – das durfte sie nicht laut sagen, so etwas würde er sofort von sich weisen. Ihr Freund bemerkte ihr Grinsen und unterbrach den Kuss: „Was ist?"
„Ach, nichts… ich freue mich einfach nur.", erklärte Ginny lächelnd.
Unerwartet lächelte Blaise zurück. Wieder bemerkte das Mädchen, dass fast nichts von dem kalten, arrogantem Nimbus, der ihn sonst umgab, übrig blieb, wenn er sie so ansah.
„Komm, lass uns hinsetzen.", sagt er. Dann führte er sie an einen der kleinen Tische. Die Kerze, welche darauf stand, war schon angezündet, obwohl es eigentlich nicht so dunkel war. Ginny hatte gar nicht gewusst, dass Blaise so romantisch sein konnte. Wahrscheinlich war es immer noch eine Entschuldigung für den gestrigen Tag. Und vielleicht hatte er das, als Franzose, einfach im Blut. Wieder musste Ginny grinsen, als sie an dieses Vorurteil dachte. Kein Wunder, dass es auch zwischen den Häusern so viele Vorurteile gab – man ordnete die Menschen einfach unwillkürlich ein.
Inzwischen hatte sich auch Blaise zu ihr gesetzt. Er stellte eine Tasse vor ihr ab, auch sich selbst stellte er eine hin.
Das Getränk sah aus wie Milchkaffee, es roch auch in etwa so. Aber da war noch etwas anderes… das Mädchen schnupperte genauer. Schokolade! Da war noch der süße, würzige Geruch von Schokolade dabei. Blaise bemerkte ihr fragendes Gesicht, er erklärte:
„Das ist Schoko-Milchkaffee. Ich dachte, das ist vielleicht mal etwas anderes als das übliche Hogwarts-Gebräu. Und ich dachte, da du Schokolade magst, schmeckt es dir vielleicht."
Woher wusste er das mit der Schokolade? Ach, klar! Am Abend vorher lag ja welche neben ihr, als sie traurig gewesen war. Er hatte das bemerkt?
„Hast du auch ein Aroma in deinem Kaffee?", fragte sie neugierig.
„Ja… Vanille". Er sah dabei nicht sie an, sondern blickte in die Tasse. War ihm das peinlich? Natürlich, klar, der böse Junge aus Slytherin konnte ja nicht einfach frei zugeben, dass er Kaffee mit süßem Aroma mochte. Wieder grinste Ginny. Dann beugte sie sich schnell über den Tisch und gab ihm einen Kuss auf die Wange.
Der Kaffee war wirklich köstlich. Die zwei redeten über dieses und jenes, hauptsächlich, wie ihre Woche gewesen war, ließen aber den Hogsmead-Nachmittag heraus. Nach einer Weile standen beide auf und nahmen sich jeweils eins der leckeren Gebäckstücke.
Herzhaft biss Ginny hinein: „Oh, lecker…"
„Ja, es ist ok", meinte Blaise, „aber so lecker wie zu Hause ist es nicht! Oder erst wie in Paris…"
„Die Hogwarts-Hauselfen sind ja auch keine französischen Konditoren. Hast du eigentlich wieder Dobby gebeten, dass hier zu backen?"
Blaise nickte. „Irgendwie freut er sich immer noch, wenn er mir einen Gefallen tun kann. Muss wegen seiner Freundin Winky sein…" Blaise hatte dieser Butterbier-abhängigen Hauselfe irgendwann einfach mal verboten, Alkohol zu trinken, sodass sie inzwischen wieder ohne Alkohol leben konnte. Dobby war ihm dafür sehr dankbar gewesen.
Während sie ihr Gebäckstück aßen, redeten sie weiter. Das Gespräch kam auf die Familien, Ginny erzählte von Charlie und seiner Arbeit bei den Drachen und dem Rest ihrer Familie.
„…und Vater arbeitet im Ministerium. Was machen deine Eltern eigentlich?", fragte Ginny neugierig.
„Nun…", sagte Blaise gedehnt, „meine Mutter verwaltet unsere Güter, sie sorgt dafür, dass alles sauber ist und kümmert sich um diese ganzen Sachen, und mein Vater arbeitet auch im Ministerium – allerdings im französischen."
„Aha? Was macht er da?"
„Was macht dein Vater?", kam prompt die Gegenfrage.
„Er… arbeitet im Büro gegen den Missbrauch von Muggelartefakten". Abwartend sah sie ihn an. Sie wusste, dass er wegen seiner von einem Muggelautofahrer getöteten Schwester schlecht auf Muggel zu sprechen war – außerdem war der Beruf ihres Vaters in Zaubererwelt allgemein nicht sehr hoch angesehen. Aber Blaise nickte einfach, offensichtlich fand er nichts schlechtes daran, dann antwortete er:
„Mein Vater ist… Obliviator? Wie heißt das bei euch?"
„Ach, ein Vergissmich? Das ist interessant."
Blaise nickte. „Ja, finde ich auch. Ich kann mir vorstellen, später auch so etwas zu machen."
Es war das erste Mal, dass er von seinen Berufsplänen erzählte. Ginny hakte nach: „Das, oder was noch? Hast du noch andere Ideen?"
„Vielleicht… was willst du eigentlich mal werden?"
„Ich bin mir nicht ganz sicher", antwortete Ginny, „aber Heilerin kann ich mir gut vorstellen."
„Das ist ziemlich schwierig.", sagte Blaise.
„Ich weiß – aber ich denke, ich kann das schaffen. Außerdem… es würde mir Freude machen, anderen Menschen zu helfen, denke ich."
„Typisch Gryffindor".
Fast wollte sie empört sein, doch dann sah sie das leise Funkeln in seinen Augen, dass seine Worte begleitet hatte. Er hatte nur einen Spaß gemacht. Sie grinste und streckte ihm die Zunge raus. „Und du, was sind die anderen Pläne?"
Noch zögerte er, dann kam: „Ich weiß nicht. Ich denke, so etwas wie…", immer noch wollte er nicht wirklich sprechen. Ginny sah ihn abwartend an, da fuhr er fort: „Diplomat. Das stelle ich mir interessant vor. Verhandlungen führen, Vorteile sichern, zur Verständigung beitragen, die eigenen Ziele klar vertreten und dennoch die anderen erkennen… außerdem muss man dabei auch etwas schauspielern." Er grinste, das typische Slytherin-Grinsen.
Ginny war überrascht. Der Job war sehr Slytherin-untypisch. Aber, bei genauerer Betrachtung… eigentlich passte es, irgendwie. Blaise auf internationalem Parkett? Warum nicht, schließlich ging er auch in einem anderen als seinem Heimatland zur Schule.
Der Kaffee und das Gebäck waren alle. Draußen war es dämmrig geworden. Die Kerze sorgte nun für ein angenehmes Licht. Eine Weile saßen sich die beiden nur gegenüber und sahen sich in die Augen. Wieder betrachtete Ginny fasziniert die kleinen, braunen Punkte in den ansonsten graugrünen Augen. Irgendwann beugte sie sich vor und gab ihm einen vorsichtigen Kuss. Er erwiderte ihn. Er griff unter dem Tisch nach ihrer Hand, sie verschlangen die Finger ineinander. Sie wollte ihm näher sein, stand auf, setzte sich auf seinen Schoss. Wieder küssten sie sich, mal sanft, wilder werdend, wieder vorsichtig. Er war so schön warm.
Eine Hand schob vorsichtig ihr T-Shirt hoch, begann, auf ihrer nun nackten Haut auf und ab zu fahren, streichelte, liebkoste. Ihr entwich ein leises Seufzen, sie vergrub ihre Hände in seinen Haaren, wollte mehr. Ihre eigene Hand ging auf Forschungsreise, auch sie schob seinen Pullover hoch. Als sie sanft mit einem Finger an seinem Rücken entlangstrich, die Wirbelsäule nachfuhr, entfuhr auch ihm ein leises Seufzen. Sie grinste in den Kuss hinein. Oh, wie sie es mochte, wenn er seine kalte Wand fallen ließ, wenn etwas von dieser alles umfassenden Beherrschung verschwand.
Plötzlich merkte sie, wie er sie unter ihren Beinen fasste, ihren Rücken abstützte – und dann stand er auf, hob sie sanft mit sich hoch. Schnell klammerte sie sich an seinem Hals fest, der Kuss unterbrach. Er hielt sie nun in den Armen, lächelte sie an, gab ihr einen Kuss auf die Stirn. Dabei ging er ein kleines Stück. Dann spürte sie, wie sie auf etwas weichem abgelegt wurde, bemerkte erstaunt, dass es ein Bett war. ‚Wie gut, dass wir im Raum der Wünsche sind… das muss er sich eben gewünscht haben', dachte sie, wurde dabei wieder unterbrochen, als auch Blaise nun auf das Bett kam. Er hatte ihre und seine Schuhe abgestreift und beugte sich über sie, strich ihr das Haar aus dem Gesicht und küsste sie. Er lag nun über ihr, stützte sich mit den Armen neben ihrem Kopf ab…
Ihre Hände strichen wieder seinen Rücken entlang. Wann war der Raum um sie herum so warm geworden? Sie versanken in einem Kuss. Ob wohl…? Vorsichtig schob sie seinen Pullover wieder etwas rauf. Er protestierte nicht. Sie schob ihn weiter. Er verstand, streckte die Arme. Ginny zog seinen Pullover über die Arme… und nun war er so, stützte über ihr, mit freiem Oberkörper.
„Oh…", sagt Ginny leise. Sie fuhr seine Konturen mit einem Finger der rechten Hand ab, fuhr seinen Bauch entlang, an dem einige Muskeln zu erkennen waren, über die sportliche Brust, bis sie schließlich an seiner Wange landete. Seine Haut war gebräunt und sein Körper wirklich… sexy. Sie fand kein andere Wort. Es waren nicht übertrieben viele Muskeln, nein – aber man merkte, dass Blaise gerne ab und zu Sport trieb. Sie legte ihre Hand schließlich in seinem Nacken ab. Sie lächelte ihn an, er grinste zurück. Dann zog sie seinen Kopf zu sich herunter, sie begannen sich wild zu küssen.
Auf einmal merkte sie, wie seine Arme sich unter sie schoben, dann drehte er sich – und zog sie mit sich. Sie lag nun auf ihm, stützte sich ihrerseits neben seinem Kopf ab. Ihre Haare fielen ihr in das Gesicht, er lachte leise, strich sie zurück. „Ginny…", sanft, fast zärtlich kam dieses eine Wort aus seinem Mund.
„Blaise…" Sie lächelte.
Er zog sie wieder zu sich, küsste sie. Erneut spürte sie, wie seine Hände an ihrem Rücken entlang strichen. Ihr Herz pochte schneller als sie spürte, dass seine Hände unter ihr T-Shirt fuhren. Er streichelte ihr nackte Haut. Sie lösten den Kuss, sahen sich an. Er lächelte, flüsterte:
„Darf ich?"
Wie benommen konnte sie nur nicken. Vorsichtig schob er ihre T-Shirt weiter rauf, sie streckte ihre Arme, er zog… das T-Shirt war aus, sie saß im BH vor ihm. Kurz hatte sie das Gefühl, sich wegdrehen zu müssen. Ihr Körper war so… unperfekt. Doch er erkannte ihre Intention, fasste sie an den Schultern, zwang sie, ihn anzusehen. Er lächelte.
Blaise richtete sich langsam auf, Ginny saß nun auf ihm, sie waren auf einer Augenhöhe.
„Du bist hübsch.", murmelte der Slytherin, dann begann er sanft ihre Wange zu küssen, ihren Hals entlang, auf der Schulter, den Nacken… dabei legte er sie langsam wieder um, sie drehten sich, lagen nun am Fußende des Bettes, er wieder über ihr. Seine Finger spielten in ihren Haaren, glitten an ihrer Seite entlang, schienen überall zu sein. Sie selbst fuhr auf seiner Haut entlang, konnte nicht genug bekommen von diesem Gefühl, sein nackter Bauch kam auf ihrem zu liegen, er war wieder auf ihr. Nur ihre Hosen waren zwischen ihnen… und ihr BH. Er hatte sich inzwischen wieder etwas aufgerichtet, küsste wieder ihren Hals, kam zum Schlüsselbein, ging weiter nach unten… Sanft küsste er am Rand ihres BHs entlang. Nein, er zog ihn ihr nicht aus – sollte sie froh sein, dass er so rücksichtsvoll war, oder sollte sie enttäuscht sein?
Sein Gesicht tauchte wieder vor ihrem auf. Sie hatte sich noch nicht für eine der beiden Varianten entschieden und wurde rot. Er grinste. „Ist etwas?"
„Nein, ich… Du kannst mir den BH ruhig ausziehen, also…"
Sie wurde noch röter. Oh bei Merlin, was hatte sie da gesagt? Sie drehte den Kopf weg, die Hitze in ihrem Gesicht wurde noch stärker.
Dann hörte sie ihn leise lachen. Er strich an ihrer Wange entlang, kam mit dem Gesicht zu ihrem Ohr, hauchte hinein, meinte: „Du brauchst dich nicht schämen. Ich habe es dir schon gesagt und ich sage es gerne wieder: ich finde dich schön… wunderschön. Ich würde nichts machen, was du nicht auch willst."
Er küsste sie, am Ohr entlang, über die Wange. Dabei fuhr seine rechte Hand unter ihren Rücken, landete am Verschluss des BH. Kurz bevor er mit seinem Mund bei ihren Lippen angelangt war, fragte er noch einmal: „Darf ich?"
„Wenn du willst… ja." Sie drehte sich ihm wieder ganz zu, lächelte. Sie versanken in einem Kuss.
Ginny bemerkte, wie Blaise den BH öffnete. Kurz fragte sie sich, wo er das gelernt hatte – mit einer Hand. Aber dieser Gedanke wurde schnell verdrängt. Sie schob selbst die Träger von ihren Schultern, zog das Stück Stoff weg – und lag nun mit nacktem Oberkörper unter Blaise.
Seine Hand ging weg von ihrem Rücken, strich den Bauch entlang, zögerte kurz… und tastete sich weiter zu ihrer Brust. Als er über ihre Brustwarze strich, stöhnte Ginny auf. Es war einfach zu schön… sie versanken in Küssen, streichelten sich, waren glücklich, den Körper des anderen entdecken zu können…
„Du, Blaise?"
„Ja?"
Sie lagen da, auf der Seite. Er war hinter ihr, hatte seinen Kopf in ihrem Haar verborgen und hielt sie von hinten um den Bauch umfasst. Sie mochte es, fühlte sich sehr geborgen, ihren Rücken an seinem Bauch. Die Hosen hatten beide immer noch an, aber die Oberteile hatten sie nicht wieder angezogen, lagen nun einfach so da, waren zufrieden.
„Es ist schön bei dir."
„Danke."
Wieder lagen sie da. Draußen war es fast dunkel geworden, bald würde es Abendbrot geben.
„Ginny?"
„Ja?"
„Ich bin gerne bei dir."
Sie musste einfach lächeln. Er war so süß… sie hatte ihn so gerne… wenn sie ihn doch nur öfter sehen könnte. Sie merkte, wie der altbekannte Kloß in ihrem Hals aufstieg. Ein leises Schniefen entwich ihr. Dazu diese Aktion gestern…
„Was ist?", Blaise richtete sich auf und beugte sich vor, um sie ansehen zu können.
„Ich… ach, keine Ahnung. Es ist einfach so…" Nun konnte sie ein Schluchzen nicht mehr unterdrücken. Warum musste das auch so kompliziert sein?
Blaise legte sich jetzt ihr gegenüber hin, sodass sie ihm ins Gesicht schauen konnte. Seine Augenbrauen waren leicht zusammengekniffen, ein Zeichen für leichte Beunruhigung.
„Ach, Blaise, ich möchte nicht, dass unsere Beziehung geheim ist. Das ist zu schwierig. Ich… ich möchte den anderen zeigen können, dass ich mit dir glücklich bin. Mit dir, mit Blaise… ich… habe dich so gern, warum sollte jemand etwas dagegen haben?"
Tränen liefen ihr Gesicht entlang, tropften auf das Kissen. Blaise lag da, etwas hilflos. Dann nahm er sie in den Arm, sie barg ihr Gesicht an seinem Hals, er streichelte ihren Rücken, versuchte sie zu beruhigen. Flüsterte ihr schließlich ins Ohr:
„Wenn es dir so wichtig ist, warum sagst du es dann nicht einfach deinen Freunden? Diesem… wie heißt er? Der in deiner Klasse, mit dem Fotoapparat… mit ihm verstehst du dich gut, oder? Oder dem Trio… wenn du möchtest, sag es ihnen."
Eine Weile herrschte Schweigen, Ginny versuchte, diese Worte zu verdauen. Dann sprach Blaise weiter:
„Ich glaube nicht, dass ich in Slytherin so einfach jedem gleich sagen kann, wie es… dass wir zusammen sind. Aber… rede mit deinen Freunden, wenn du magst. Aber wehe, sie tun dir dann etwas!"
Er blickte ihr nun in die Augen. Ginny hatte einen leichten Schluckauf bekommen, sah ihn nun überrascht an. „Du… meinst wirklich?"
„Ich denke, du kannst das besser entscheiden, als ich. Aber ich denke…". Er brach ab, wusste nicht weiter. Fing wieder an: „Wir können uns nicht ewig verstecken. Und ich werde mir auch etwas überlegen."
Dann gab er ihr einen kleinen Kuss auf die Stirn.
Eine Weile lagen sie noch so da, jeder in seine Gedanken versunken. Ginny merkte, dass es Blaise nicht leicht gefallen war, ihr das so zu sagen. Er hatte Bedenken, natürlich. Aber offensichtlich vertraute er ihr.
Dann gingen sie zum Abendessen. Es war schon spät, am nächsten Tag war wieder Schule. Sie betraten die Große Halle getrennt. Wie lange das noch so sein musste? Ginny wusste es nicht. Aber der erste Schritt war wohl getan…
„Ginny, wo warst Du so lange?"
Colin hatte sie schon erwartet, als sie an diesem Abend in den Gryffindor-Turm kam. Sie wollte schon mit einer Ausrede kommen, wieder etwas erfinden… dann spürte sie den Widerwillen dagegen, heftig, unbequem. Also holte sie Luft und antwortete: „Ich sage es dir morgen."
Am nächsten Tag, nach dem Unterricht, kam Colin wieder auf sie zu.
„Wollen wir einen Spaziergang machen?", fragte er.
Sie nickte. Beide holten eine Jacke, da im Moment noch häufig starker Wind wehte, der sehr kühl werden konnte. Sie gingen raus, auf die Ländereien Hogwarts'.
Die frische Luft tat gut. Andererseits klopfte Ginnys Herz schneller, als sie daran dachte, was sie ihrem besten Freund nun sagen wollte. Es lief jetzt schon eine ganze Weile, das mit Blaise und ihr. Mehr als einen Monat. Aber dennoch, es jetzt jemanden sagen…?
‚Nein, ich möchte das. Es ist richtig so. Colin wird es verstehen. Außerdem hat er schon etwas bemerkt, glaube ich…', so verscheuchte sie einige nagende Gedanken. Sie hatte die Entscheidung getroffen, mit Blaise zusammen zu sein. Jetzt musste sie auch dazu stehen.
Sie waren nun schon eine Weile schweigend nebeneinander hergegangen. Offensichtlich wartete Colin, dass Ginny anfing, etwas zu sagen. Sie holte tief Luft und begann…
„Ich… Du hast doch sicher gemerkt, dass ich… also, dass ich in letzter Zeit nicht oft da war?" ‚Toller Anfang, spitze!', ärgerte sie sich, kaum dass sie diese Worte gesprochen hatte. Colin nickte. Er sah sie neugierig an.
Nervös blickte Ginny sich noch einmal um, ob irgendjemand in der Nähe war. Nein, sie waren die Einzigen. Inzwischen waren sie fast am See angekommen. Am See… hier hatte Blaise ihr im letzten Herbst mal seinen Mantel geliehen… sie war einfach in ihn verliebt, bemerkte sie plötzlich. Plötzlich war sie sich dessen so sicher, wie noch nie. Und sie wusste, dass Colin es wissen musste. Er würde es verstehen. Sie war glücklich mit Blaise – wo sollte da der Fehler sein?
„Also…", begann sie wieder, „Du hattest mit deinen Vermutungen recht."
Colin drehte sich ruckartig zu ihr um, blieb stehen.
„Ich habe einen Freund.", platzte Ginny heraus. ‚Toll, wahnsinnig diplomatisch. Die Ruhe in Person, sehr gut überlegt, dann gesprochen… shit'. Das Mädchen war etwas zerknirscht, das legte sich jedoch, als Colin sie plötzlich einfach umarmte.
„Wirklich? Das ist schön, Ginny, ich freue mich so für dich." Er löste sich wieder von ihr, lächelte sie an, fragte aufgeregt: „Wer ist es?"
Colin freute sich wirklich für sie – aber wie lange noch?
„Also… es ist etwas schwieriger…" Sie wusste nicht weiter.
„Was? Ist es… oh nein! Ginny, nein! Das… das ist nicht dein Ernst, oder? Diese Geheimnistuerei… dieser Gesichtsausdruck… Ginny, sag mir, dass das nicht wahr ist!". Etwas entsetzt sah Colin sie nun an.
‚Ich wusste es'. Ginny hatte keine Ahnung, was sie antworten sollte. Resigniert, traurig, ängstlich sah sie ihren (ehemals?) besten Freund an… dieser platzte nun heraus:
„Du hast nichts mit einem Lehrer, oder?"
„Ich… WAS?"
Erschrocken starrte sie Colin an. Dann spürte sie, wie sich die Anspannung etwas löste. Sie musste sogar grinsen.
„Was denn nun?", Colin sah sie nun verwirrt an.
„Nein, es ist kein Lehrer!", beruhigte sie ihn. „Es ist… Blaise."
So, nun war es heraus. Ginny betrachtete den Boden vor sich, traute sich kaum, Colin anzusehen, aus Angst vor seiner Reaktion. Nach einer Weile Stille hielt sie es aber nicht aus, sah auf. Und blickte direkt in dessen warme Augen, bemerkte, wie sich sein Mund zu einem Grinsen verzog.
„Und ich wusste es doch… ich habe es fast vermutet, dass er dich nicht kalt lässt. Das ist dieser Slytherin aus der Theatergruppe, nicht wahr?"
Das Mädchen nickte, noch ganz überrascht.
„Und ich dachte schon…" Plötzlich musste Colin anfangen zu lachen. Die Anspannung fiel nun von Ginny ab, noch etwas nervös stimmte sie mit ein in das Lachen.
„Und ich… und ich dachte, Du… es wäre etwas Schlimmes, Snape oder so…", bemerkte Colin lachend.
„Ich und Snape…", prustete Ginny, „Du hast ja auch nichts mit Trelawney!"
Nach einer Weile hatten sie sich wieder beruhigt. Die unsichtbare Grenze, welche zwischen in der letzten Zeit gewesen war, schien weg zu sein, nun, da sie miteinander gesprochen hatten. Colin wollte, typisch, alle Einzelheiten wissen. Er war erstaunt, dass sie schon so lange zusammen waren, war fast traurig, dass Ginny es ihm nicht früher gesagt hatte, verstand aber ihre Gründe. Nachdenklich meinte er:
„Ich finde es nicht so schlimm – einfach, weil ich mit diesem Vorurteil ‚Slytherin-Gryffindor' nicht aufgewachsen bin, ich bin ja aus einer Muggel-Familie. Außerdem bin ich selbst mit jemandem aus einem anderen Haus zusammen. Ich verstehe deine Bedenken – aber ich finde es nicht schlimm. Es war viel schwieriger, dass ich nicht wusste, was mit dir los ist, weißt du?"
Ginny nickte. Colin fuhr fort:
„Ich dachte, wir könnten über alles reden. Ich bin froh, dass du mir das jetzt gesagt hast. Ich meine, ehrlich: so toll finde ich die Slytherins nicht. Aber wenn du glücklich bist… und ich glaube, das bist du. Du bist schon eine Weile in ihn verliebt, nicht war?"
„Ja… oh Colin, ich bin so froh, dass du es nicht negativ aufnimmst!"
„Na, mal sehen… ich hätte mir ja nettere für dich vorstellen können, aber wenn du denkst, dass du mit diesem Slytherin…"
„Er heißt Blaise", unterbrach Ginny ihn.
„Gut, also wenn du denkst, dass du mit Blaise zufrieden wirst… aber wenn er dir was tut, dann werde ich wirklich ungemütlich."
Jetzt blitzten seine Augen leicht auf, etwas wütend. Aber insgesamt akzeptierte Colin ihre Beziehung. Sie würde die beiden bald mal einander vorstellen müssen, damit Colin sich ein Bild von Blaise machen konnte – aber auch, weil sie wollte, dass Blaise, welcher ein wichtiger Teil ihres Lebens wurde, ihre Freunde kennen lernte.
Den Weg zurück zum Schloss verbrachten die beiden Gryffindors herum albernd, lachend, wie als wäre nie etwas zwischen ihnen gewesen. Colin wirkte zwar manchmal etwas nachdenklicher als sonst, war aber bald wieder fröhlich. Er hatte einfach ein positives Wesen. Die Entscheidung, es ihm zuerst zu sagen, war die richtige gewesen.
Am Abend im Bett fühlte sie sich erleichtert wie lang nicht mehr. Sie war froh, dass ihr bester Freund nun von Blaise wusste und das Geheimnis nicht mehr ganz so schwer wog.
Das positive Gefühl hielt die ganze Woche an. Zum Glück war auch am Freitag noch etwas davon übrig – eine Theaterprobe stand an. Blaise und sie würden wieder gemeinsam auf der Bühne stehen. Es war eine große Szene, denn es wurden einige Statisten benötigt. So kam es, dass außer den Schauspielern Blaise als Leonce, Justin als Valerio, Ginny als Lena, Hannah als Gouvernante, Greg, ein Fünftklässler aus Ravenclaw als König Peter und so der Vater von Leonce und Carl, ein Hufflepuff, als Präsident und somit Vater von Lena, auch einige andere dasaßen. Ginny entdeckte unter anderem Diamante (wie hatte sie es nur geschafft, sich von Malfoy zu entfernen? Waren die nicht inzwischen an den Mündern zusammen gewachsen?) und Finn. Der kleinen Hufflepuff winkte sie zu, diese winkte sofort freudig zurück. Dann begann die Probe.
Tonks dirigierte wie immer von einem Stuhl vor der Bühne.
„Also: die Statisten stehen zunächst am Rand." Geschwind schwang sie ihren Zauberstab, die Bühne vergrößerte sich etwas und hatte nun einen Absatz. Auf die tiefere Stufe am linken Rand stellten sich die Statisten. Tonks fuhr fort: „Ihr wartet als Volk darauf, dass die Hochzeit von Leonce und Lena stattfindet. Noch wisst ihr nicht, dass beide fortgelaufen sind. König Peter, der Vater von Leonce, in dessen Reich die Hochzeit stattfindet, sucht nach einer Lösung, der Präsident, Vater von Lena und herübergereist für die Hochzeit, überlegt gemeinsam mit ihm. Das Volk draußen währenddessen unterhält sich leise, wird auch mal lauter: sie warten auf die Hochzeit. Das soll den König nervös machen, ok?"
Die Schüler nickten. Dann wandte sich Tonks den Hauptakteuren zu.
„Also… Ginny, Blaise, Hannah und Justin, ihr müsst eine Maske tragen. Denn ihr wollt ja nicht erkannt werden – Leonce und Lena wollen heiraten, wissen aber noch nicht, dass sie einander sowieso versprochen sind. Daher wollen sie heimlich heiraten und müssen demnach maskiert sein, ebenso wie ihre Begleiter. Klar? Zaubert euch einfach eine Maske, die euch gefällt. Hier, ich habe einige Vorlagen." Sie gab den Schülern einige Masken im Stil derer aus Venedig. Sie saßen auf der Nase, ohne dass man sie festhalten musste – wahrscheinlich ein Zauberspruch.
Die 4 machten ihre Masken jeweils noch etwas eigenwilliger: Ginny entschied sich für ein helles Grün, da das einen schönen Kontrast zu dem roten Haar bot, Justin entschied sich für eine blutrote, Hannah nahm ein dezentes hellblau und Blaise ließ die Maske mit einem einfachen Schwung seines Zauberstabes dunkelgrün werden. So maskiert konnte nun die Szene fast beginnen.
„Also… Peter und der Präsident, also Greg und Carl, stehen in der Mitte am Bühne, also, etwa weiter links, in der Nähe des Volkes. Die anderen vier treten von rechts auf. Blaise und Ginny gehen nebeneinander, schließlich wollt ihr bald heiraten. Und bitte, fangt an!"
Hannah, Justin, Blaise und Ginny traten auf. Greg, also König Peter, fragte:
„Wer seid ihr?"
Justin trat vor: „Weiß ichs?" Er nahm seine Maske ab, darunter hatte er eine weitere. „Bin ich das? Oder das?" Wieder wiederholte er das Spiel. „Wahrhaftig, ich bekomme Angst, ich könnte mich so ganz auseinander schälen und blättern."
Greg fragte wieder: „Aber – aber etwas müsst ihr denn doch sein?"
So nahm das Spiel seinen Lauf. Valerio, also Justin, trieb seinen Schabernack mit dem König, verwirrte ihn, und machte einige Wortspielchen. Die ganze Zeit stand Ginny neben Blaise, fühlte seine Anwesenheit, freute sich teils, bei ihm zu sein, war andererseits nervös in seiner Gegenwart und der Gegenwart so vieler andere. Fast wollte sie ihn küssen, umarmen – aber sie standen ja auf der Bühne. Außerdem sahen alle zu… So ging es, bis Valerio Leonce und Lena nach vorne zog:
„Sehen Sie hier, meine Herren und Damen, zwei Personen beiderlei Geschlechts, ein Männchen und ein Weibchen, ein Herr und eine Dame!"
Justin, also Valerio, fuhr fort, kam schließlich zu:
„Geben Sie Acht, meine Herren und Damen, sie sind jetzt in einem interessanten Stadium: Der Mechanismus der Liebe fängt an, sich zu äußern, der Herr hat der Dame schon einige Male den Schal getragen, die Dame hat schon einige Mal die Augen verdreht und gen Himmel geblickt."
Valerio drängte die beiden nun aneinander, Ginny und Blaise sahen sich durch die Masken hindurch an. Plötzlich war sie gefangen in seinen Augen. Valerio sprach weiter:
„Beide haben schon mehrmals geflüstert: Glaube, Liebe, Hoffnung."
Immer noch konnte Ginny ihren Blick nicht von Blaise lösen, offenbar ebenso wenig wie er. Er griff ihre Hände, hielt sie fest. Sie kamen sich noch etwas näher.
Justin erzählte weiter, während er auf sie zeigte:
„Beide sehen bereits ganz akkordiert aus, es fehlt nur noch das winzige Wörtchen: Amen."
Während er das sprach, waren sich Blaise und Ginny wieder näher gekommen, ihre Gesichter berührten sich fast. Nur noch wenige Zentimeter, schon spürte sie seinen Atem auf ihrer Haut… Durch den plötzlichen Schluss von Justin zuckten sie nun wieder auseinander. Leonce und Lena waren noch nicht verheiratet – und sie beide standen auf der Bühne, vor anderen Schülern.
Inzwischen redete Greg wieder, nachdenklich: „In effigie? In effigie? Präsident, wenn man einen Menschen in effigie hängen lässt, ist das nicht ebenso gut, als wenn er ordentlich gehängt würde?"
Carl antwortete in seiner Rolle als Präsident: „Verzeihen, eure Majestät, es ist noch viel besser, denn es geschieht ihm kein Leid dabei, und er wird dennoch gehängt."
Begeistert stimmte nun König Peter wieder ein: „Jetzt hab ich's. Wir feiern die Hochzeit in effigie!"
Er trat vor, nahm Leonce an der einen und Lena an der anderen Hand, und sagte: „Das ist die Prinzessin, das ist der Prinz." Dann führte er beide Hände zusammen, sodass Ginny und Blaise sich wieder anfassten, und fuhr fort: „Ich werde meinen Beschluss durchsetzen, ich werde mich freuen. Lasst die Glocken läuten! Macht eure Glückwünsche zurecht! Hurtig, Herr Hofprediger!"
An dieser Stelle war die Szene vorbei. Tonks klatschte in die Hände. Sofort zuckten Ginny und Blaise wieder auseinander. Ginny hatte zu viel Angst, länger seine Hand zu halten – sie dachte, ihn dann sofort umarmen, küssen zu müssen. Tonks fasste nun zusammen, erklärte Fehler, sagte, wo die Betonung besser kommen musste, gratulierte…
Dann fragte sie: „Hat noch jemand Fragen?"
Schüchtern meldete sich eine Stimme. Es war Finn: „Was ist in effigie?"
Tonks setzte an zu antworten, da hörte man eine höhnische Stimme: „Weiß die denn gar nichts? Typisch Hufflepuff!"
Das war Diamante. Kurz herrschte Stille, dann sagte jemand ruhig und beherrscht:
„Sie ist noch recht jung. Sie kann nicht alles wissen."
Erstaunt drehte Ginny sich zu Blaise. Hatte er gerade eine Hufflepuff verteidigt? Gegen jemanden aus seinem eigenen Haus? Er stand weiterhin so ruhig da wie zuvor, während Diamante sichtlich echauffiert war, sich jedoch schnell wieder zusammen riss. Tonks antwortete inzwischen:
„In effigie heißt soviel wie In Vertretung. Das heißt, zwei andere Personen ‚spielen' Leonce und Lena, diese verheiratet man im Namen von Leonce und Lena, und somit sind diese beiden dann verheiratet, also, Leonce und Lena… klar?"
Finn schaute erst etwas verwirrt, doch dann nickte sie. Na gut, die Erklärungen von Tonks waren nicht immer druckreif, aber meist verstand man doch, was sie meinte.
Sie spielten sie Szene ein weiteres Mal durch. Die ganze Zeit hindurch war sich Ginny der Anwesenheit von Blaise bewusst. Außerdem rätselte sie, warum der Slytherin Finn verteidigt hatte – und auch noch vor Diamante!
Dann war die Probe vorbei. Tonks sagte zum Abschluss:
„Es geht gut voran. Wir können bald Gesamtproben machen. Ich bin stolz auf euch, allmählich werden wir eine richtig gute Gruppe! Und jetzt ab ins Bett, schlaft gut!"
Ginny war schon auf dem Weg, als Tonks sie und Blaise noch aufhielt: „Ach, Ginny? Du hast heute gut gespielt. Genauso wie du, Blaise. Ihr seid ein schönes Paar." Sie zwinkerte den beiden zu, dann ging auch sie aus der Halle.
Da die Leiterin sie noch aufgehalten hatte, waren Ginny und Blaise die letzten in der Halle. Abwartend, unsicher, sah Ginny Blaise an. Der trat einen Schritt auf sie zu, sie schloss zögernd den letzten Abstand zwischen ihnen.
Blaise umarmte sie, auch sie schlang ihre Arme um seinen Nacken. Sie gaben sich einen kurzen Kuss, Ginny flüsterte ihm ins Ohr: „Schlaf gut."
Er fuhr ihr noch einmal durchs Haar und antwortete: „Du auch. Träum etwas Schönes."
„Am besten von dir, ja?" Sie grinste.
„Genau". Er zwinkerte ihr zu. Seine Arroganz war manchmal so sexy. Sie gab ihm noch einen kurzen Kuss auf den Mund, dann lösten sie sich voneinander. „Sehen wir uns am Wochenende?"
Er bestätigte. „Den genauen Zeitpunkt können wir dann per Pergament ausmachen. Ich weiß noch nicht, wie viel Zeit ich für die Hausaufgaben brauche. Die Abschlussprüfungen rücken näher." Ginny nickte.
Sie gingen zum Ausgang der Halle. Kurz davor blieb Ginny noch einmal kurz stehen.
„Ach ja… ich habe es Colin gesagt."
Blaise drehte sich um und sah sie an. Ginny merkte, wie sie etwas nervös wurde. Ob es doch falsch gewesen war…? Doch Blaise lächelte, ganz leicht nur, aber erkennbar. „Das freut mich für dich." Kurze Stille. Dann setzte er noch hinzu: „Wir schaffen das."
Der Samstagvormittag verging mit Hausaufgaben. Da sie jedoch schon in der Woche viel gearbeitet hatte, hatte sie am Nachmittag nichts vor. Eine kurze Anfrage per Pergament bei Blaise enttäuschte jedoch etwas: er würde am Nachmittag arbeiten müssen.
So saß Ginny nach dem Mittagessen im Gemeinschaftsraum und langweilte sich etwas. Colin war bei Nancy, die meisten anderen Schüler mussten arbeiten. Nachdem Ginny eine Weile etwas lustlos in einem Buch herumgeblättert hatte, fiel ihr ein, was sie machen könnte: Tee trinken bei Tonks. Sie hatte die junge Lehrerin lang nicht mehr besucht!
Fröhlich ging sie los. Tonks freute sich immer über Besuch, außerdem hatte sie auch am Wochenende meist wenig zu tun. Kurz darauf klopfte das Mädchen an ihrer Tür.
„Herein?"
Ginny öffnete. Sofort…
„Hmblhmpf!"
Zum Glück hatte Ginny damit gerechnet, dass Chahan ihr ins Gesicht hüpfen würde. Sie zog den rosa Knuddelmuff von sich und nahm ihn in den Arm.
„Hi Tonks!"
„Hi Ginny! Schön, dass du vorbei kommst. Willst du einen Tee?"
„Ja, gern." Sie lächelte die Lehrerin an.
„Setz dich doch."
Während Tonks Tee aufsetzte, kraulte Ginny den Knuddelmuff, der bald anfing tief zu brummen. Dann kam die junge Lehrerin mit einer Kanne und zwei Tassen an den Tisch und setzte sich zu dem Mädchen. Sie goss Tee ein und die beiden begannen zu plaudern.
Mit Tonks konnte man einfach wunderbar reden – sie war jung genug, um viele der Lehrer noch selbst gehabt zu haben, außerdem war sie einfach selbst noch sehr jugendlich geblieben. So lachten beide bald, bis ihnen der Bauch wehtat, über McGonagalls neuesten Streit mit Professor Trelawney.
„…und dann meinte sie: ‚Ich werde jedenfalls demnächst nicht von einem wild gewordenen Drachen zertrampelt', und McGonagall antwortete: ‚Dabei besteht die Gefahr bei ihnen doch eher, denn Drachen fliegen bekanntlich und ich wohne nicht das ganze Jahr über im höchsten Turm'…"
Nach einer Weile beruhigten sich beide wieder. Dann sprach Tonks den gestrigen Abend an:
„Ich freue mich, dass es mit der Theatergruppe so gut voran geht."
Ginny bestätigte: „Ja, ich mich auch."
„Dabei hatte ich zunächst starke Bedenken. Dass ich das mit der Regie nicht schaffe und so… aber auch, dass sich einfach die Schauspieler nicht verstehen. Wegen den Häuserfeindschaften."
„Das ist ein großes Problem…", antwortete das Mädchen leise. Sie musste wieder an Blaise denken.
Tonks fuhr fort: „Ich meine, es war ja schon immer so, dass sich gerade Gryffindor und Slytherin nicht gut verstanden haben."
Ginny konnte nur nicken.
„Aber das muss nicht sein, weißt Du?", unterbrach Tonks ihre trüben Gedanken plötzlich. „Meine Eltern haben sich ja auch verstanden. Dabei war meine Mutter, Andromeda eine Slytherin – keine überzeugte, aber sie war eine. Mit 11, wenn man in die Häuser kommt, war sie noch recht stark unter dem Einfluss ihrer Familie, in Slytherin konnte sie zudem bei ihrer älteren Schwester sein, was sicherlich ganz gut ist, wenn man so jung von zu Hause auszieht, weißt du? Sie meinte mal, wenn sie ein Jahr später eingeschult worden wäre, wäre sie sicherlich keine Slytherin geworden. Mein Vater, Ted, war ein Gryffindor. Trotzdem haben sich die beiden kennen und lieben gelernt…"
Tonks unterbrach sich. „Aber das interessiert dich vielleicht alles gar nicht."
„Doch, es ist interessant.", sagte Ginny schnell.
„So? Ich mag die Geschichte auch – irgendwie bin ich stolz auf meine Eltern, dass sie sich da durchgesetzt haben, dabei waren beide eigentlich eher chaotisch…", hier seufzte Tonks, „ebenso wie ihre Tochter. Aber sie haben es irgendwie geschafft, sie hatten gute Freunde, und damals war das alles nicht sooo schlimm, weil ja Du-weißt-schon-wer noch nicht da war. Aber der ist heut ja eigentlich auch nicht mehr da… es ist wohl bloß die Tradition, und jeder ist zu faul, sie zu brechen."
„Ich finde die ganze Häuserfeindschaften eigentlich unsinnig. Ich denke, Professor Dumbledore hat auch deswegen dieses Fest ins Leben gerufen, oder?"
„Ja, hat er. Er ist ziemlich clever. Er weiß, dass auch eine Freundschaft zwischen Gryffindor und Slytherin gut gehen kann." Hatte sich Ginny das nur eingebildet, oder hatte Tonks ihr gerade wirklich zugezwinkert?
Die beiden plauderten noch eine Weile, dann ging die Gryffindor zurück in ihren Turm. Auf dem Weg grübelte sie über die Worte von Tonks nach. Wenn es bei deren Eltern geklappt hatte – warum dann nicht auch bei ihr und Blaise?
Kurz vor dem Porträt der Fetten Dame fasste sie einen Entschluss: sie würde es ihren Freunden sagen – Harry, Ron und Hermine sollten von der Beziehung zu Blaise wissen. Hoffentlich würden ihre Freunde verständnisvoll reagieren… aber sie und Blaise konnten sich nicht ewig verstecken. Es reichte – wenn sie Ginny mochten, würden sie es verstehen.
Anmerkungen:
Zusatz-Disclaimer: Das Stück „Leonce und Lena", die Handlung, der Inhalt, Personen, Handlungsorte, Ideen, Worte, usw usf gehört Georg Büchner.
Tädäh! Ein wahnsinnig langes Kapitel… aber das musste alles mit rein (damit mal wieder was passiert). Ich habe die Kapitel-Übersichten jetzt bis zum Ende gemacht – da sich aber häufig bei mir noch etwas verschiebt, etwas neues reinkommt oder etwas rausfällt, kann ich nicht sooo genau sagen, wie viele Kapitel es werden. Ungefähr 40 (insgesamt, vllt etwas mehr, je nach Lust und Laune) + Epilog.
Da ich jetzt so fleißig war und schnell geupdatet hab, seid ihr bitte so lieb und lasst mir eure Meinung da? Danke! Das beflügelt nämlich gleich zum weiter schreiben ;-) Wie fandet ihr die erste Hälfte, wo beide kuscheln? Und Colins Reaktion? Außerdem versuche ich ja, mich zu verbessern… eure Meinungen sind da echt wichtig.
Liebe Grüße, bis bald! Eure schafchen
