Disclaimer: Das Harry-Potter-Universum ist geistiges Eigentum von J.K.Rowling. Mit dieser Geschichte wird kein Geld verdient. Das Stück „Leonce und Lena", die Handlung, der Inhalt, Personen, Handlungsorte, Ideen, Worte, usw usf gehört Georg Büchner.
Kapitel 38 – Deine Eltern?
An diesem Abend, am Samstag vor der Festwoche, lag Ginny noch lange wach. Blaise hatte sie für den morgigen Sonntag zu einem Rendez-vous eingeladen. Aber was sie machen wollten, das hatte er nicht gesagt. Was es wohl war? Sie kannte ihn inzwischen gut genug um zu erkennen, dass es irgendetwas Außergewöhnliches sein musste – und der Hinweis, dass sie „etwas Hübsches" anziehen sollte, machte das Ganze noch rätselhafter. Worum ging es nur?
Am nächsten Tag war zunächst wenig Zeit, weiter darüber nachzugrübeln – Tonks hatte ein weiteres Treffen der Theatergruppe einberufen, diesmal im Raum der Wünsche, da die Große Halle schon dekoriert wurde. In der Festwoche würde wenig Zeit sein, weiter zu proben, so musste das also heute sein. Eine weitere Durchlaufprobe sollte stattfinden.
Kostüme und Bühnenbild hatten die Schauspieler schon in den Wochen vorher teilweise gesehen – viele Kostüme mussten auch noch angepasst und geändert werden, ebenso wie es bei dem Bühnenbild noch Änderungswünsche gab. Heute sollte jedoch alles fertig sein. Natürlich waren die beiden Gruppen, die diese Aufgaben übernommen hatten, mit dabei – für letzte Änderungen.
Es war ein ganz anderes Gefühl, in einem richtigen Kostüm zu stehen und darauf zu warten, auf die Bühne zu gehen – die mit einer richtigen Kulisse ausgestattet war. Ginny fühlte sich aufgeregter als sonst, die Stimmung in der ganzen Gruppe schien geladener. Finn fing nach einem Witz von Justin hysterisch an zu kichern, Dennis saß still in einer Ecke und starrte auf die Bühne, und Mary und Claire kamen aus dem Giggeln und Kichern gar nicht mehr heraus.
Die Slytherins standen, wie immer, leicht abseits von den anderen. Unauffällig schielte Ginny zu Blaise. Er hatte, wie so oft eine arrogante Miene aufgesetzt. Dennoch sah er nicht genervt aus, wie es vorher meistens der Fall gewesen war, wenn die anderen Häuser sich aufführten wie „außer Rand und Band". Ginny musste grinsen, als sie an die Worte ihres sonst meist gesetzt wirkenden Freundes dachte.
Nachdem bei Carl, dem Ravenclaw der König Peter spielte, noch eine kurze Änderung am Kostüm stattgefunden hatte („Das ist irgendwie enger geworden, das Kostüm."), konnte es mit der Probe losgehen.
Sie hatten nun schon mehrere Gesamtproben gehabt, aber nie waren alle Kostüme und alle Bühnenbilder vollständig gewesen. Und am Mittwoch sollte schon die Aufführung sein!
Justin und Blaise, die die erste Szene begannen, gingen auf die Bühne. Die anderen Schüler setzten sich schnell auf die Stühle. Tonks klatschte einmal in die Hände – das war das Zeichen, dass die Szene begann.
Irgendwie war es seltsam, Blaise und Justin dort oben auf der Bühne zu sehen – als Leonce und Valerio. Beide hatten altertümliche Sachen an, Blaise in einem dunklen Blau, Justin dagegen in einem fröhlicheren Grün mit Gelb durchsetzt. Dazu hatte Justin eine passende kecke Kappe mit einer Feder auf. ‚Und man kann sagen, was man will' , dachte Ginny, ‚aber irgendwie machen solche Klamotten doch etwas her… und von wegen unmännlich…'.
Es ging weiter. Vor jedem Szenenwechsel wurde es kurz dunkel und die Mitglieder der Bühnenbild-AG, die extra hierfür Verstärkung von Schülern älterer Jahrgänge bekommen hatten, wechselten, mittels Zauberei, den Hintergrund.
König Peter, also Carl, spielte seine Szene sehr lustig, und Finn daneben als Diener war sehr niedlich – in ihrem eifrigen Ernst unterstützte sie das lächerlich überzogene Gehabe des Königs.
Die Szene mit Leonce und Rosetta war auch sehr gut – widerwillig musste Ginny zugeben, dass Diamante, die die Rosetta darstellte, einfach sehr gut spielte. Natürlich war es irgendwie seltsam, ihren Freund mit einer anderen zu sehen, aber es war ja auf der Bühne.
Wieder trat nun König Peter auf und erklärte Leonce, er solle Prinzessin Lena, welche er ja gar nicht kannte, heiraten. Daraufhin beschlossen Leonce und Valerio, zu fliehen.
Ganz in die Betrachtung der Szene versunken, merkte Ginny erst spät, wie Hannah, die Gouvernante, sie leise ansprach.
„Ginny, wir müssen langsam los.", flüsterte diese.
Erschrocken bemerkte das Mädchen, dass die Szene der beiden Jungen, des leicht melancholischen, der Langeweile überdrüssigen Blaise, und des Spaßvogels Justin, fast vorbei war – und danach waren sie und Hannah dran!
Leise gingen die beiden zum Rand der Bühne, wo der Aufgang war. Schon wurde es kurz dunkel, das Bühnenbild wechselte. Dann gingen Ginny und Hannah auf die Bühne…
Die beiden fanden sich in einem hübschen Garten wieder. Sogar ein leichtes Vogelzwitschern meinte Ginny zu hören. Hannah hatte ein schlichtes, braunes Kleid an, welches sehr weit geschnitten und etwas ausgestopft war, sodass sie etwas breiter und mütterlicher wirkte als sonst. Ganz anders war es bei Ginny selbst: ihr Kleid war dunkelblau durchsetzt mit hellblau, was ihre rotbraunen Haare sehr gut betonte. Es war tailliert geschnitten. Zudem trug sie etwas Schmuck: Ohrringe, einen Haarreif und eine schlichte Kette und Armband. Der Schmuck schimmerte silbrig und passt gut dazu.
Irgendwie war es ein ganz anderes Gefühl – alles schien viel realer an als sonst. Das machte Ginny kurz sehr nervös – würde sie dennoch spielen können? Sie kannte sonst nur „die Bühne", eine ganz andere Welt – dort konnte sie jemand ganz anderes sein. Aber hier, es wirkte fast… normal? Aber nach einem kurzen Blick auf Hannah, die so ganz anders aussah als sonst, die gar nicht mehr Hannah, sondern eben die Gouvernante war, wurde ihr klar – nein, sie stand nicht hier als Ginny. Sondern als Lena. Und als diese spielte sie.
Der Rest der Probe verlief gut. Inzwischen konnte jeder seinen Text fließend, wodurch es leichter war, sich auf das eigene Spiel zu konzentrieren. Mary und Claire als Polizeidiener waren wahnsinnig komisch, was man den beiden Ravenclaws zu Beginn gar nicht zugetraut hätte – hieß es nicht, sie würden nur lernen? Auch bei den anderen Schülern war die Freude am Spiel deutlich spürbar.
Ginny selbst war recht zufrieden mit der Probe. Sicherlich, kleine Dinge hier und dort gab es immer noch zu verbessern – bei der Kuss-Szene zwischen ihr und Blaise hatte einer der Bühnenbildhelfer, ein Sechstklässler aus Hufflepuff, dem der Schalk im Nacken saß, laut gepfiffen, woraufhin sie rot geworden war und fast den Text vergessen hätte. Bei der Aufführung durfte das natürlich nicht passieren. Aber ansonsten ging es. Es war befremdend, Blaise' in seinem Kostüm als Leonce gegenüber zu stehen – da sie jedoch schon ganz in der Rolle der Lena war, als sie ihm gegenübertrat, gab es auch hier keine Probleme.
Sie waren eine gute Truppe geworden und Tonks war sehr stolz auf sie. Es war inzwischen halb 3 am Nachmittag – das Mittagessen hatten sie verpasst. Spontan beschlossen die Schüler der am Stück beteiligten AGs, im Raum der Wünsche gemeinsam zu essen. Gesagt, getan. Nur wenige Gedanken später war der Raum gemütlich eingerichtet und nachdem man den Hauselfen Bescheid gesagt hatte, kamen kurz darauf einige Platten des leckeren Hogwarts-Essens.
Kleinere und größere Tischgruppen standen willkürlich verteilt im Raum und ebenso zwanglos setzten sich die Schüler daran; nach der gelungenen Probe war die Atmosphäre großartig.
Vielleicht lag es an der ungezwungenen Atmosphäre, vielleicht lag es an einer plötzlichen Aufwallung des berühmten gryffindor'schen Mutes, vielleicht lag es auch einfach nur daran, dass Ginny die übertriebene Geheimniskrämerei satt hatte – im Nachhinein konnte sie selbst nicht mehr sagen wieso. Tatsache war, dass sie Justin und Hannah fragte „Wollen wir uns dort hin setzen?", und dann voraus ging – an den Tisch, wo sich Blaise gerade nieder gelassen hatte. Diamante und Jonathan, die beiden anderen Slytherins der Theatergruppe, waren nicht zu sehen.
„Hallo". Sie lächelte ihn freundlich an, während sie den Teller auf den Tisch stellte und sich einen Stuhl heranzog. Justin und Hannah folgten zögerlich, kamen dann jedoch auch dazu – sie waren loyal.
Etwas erstaunt sah Blaise sie an. Seine Überraschung erkannte Ginny an der leicht hochgezogenen linken Augenbraue… was auf den ersten Blick arrogant wirkte, konnte noch mehr aussagen, wenn man ihn nur näher kannte.
„Hallo…", kam es leise von Hannah, „Hey…" sagte Justin. Sie wirkten noch unschlüssig, setzten sich aber schließlich hin.
„Ich fand die Probe heute wirklich super!", versuchte Ginny, die Stille zu durchbrechen. Mist, was hatte sie sich jetzt nur dabei gedacht? Das würde doch nie was… doch zu ihrer Überraschung stieg Justin darauf ein.
„Ja, war wirklich gut… du spielst echt spitze.", meinte er, an Blaise gewandt.
Kurz hielt Ginny die Luft an. Und jetzt? Aber eigentlich müssten sie sich doch jetzt lang genug kennen…? Hoffentlich brach kein Streit vom Zaun… was war das?
Verblüfft registrierte das Mädchen, dass Blaise seinem gegenüber leicht, fast unmerkbar zunickte und mit einem „Ebenso." antwortete.
Diese, für einen Slytherin wohl überschwänglich positive Antwort, brachte nun auch Hannah dazu, mehr aus sich heraus zu gehen. Bald waren die beiden Mädchen und Justin in eine angeregte Unterhaltung über die Probe vertieft, wer heute wie gut war, wo noch etwas verbessert werden müsste, wie das Bühnenbild, die Kostüme waren. Sogar Blaise warf einige Kommentare ein – zwar war es, wie konnte es anders sein, hauptsächlich Kritik an noch nicht perfektionierten Szenen, aber was sollte man auch anderes erwarten?
Später kamen Marie und Claire zu der Gruppe dazu, das Gespräch wurde lustiger, bald lachten alle bei der Erinnerung an König Peter, sogar Blaise lächelte etwas.
Nach einer Weile meinte Marie keck: „Ich wusste gar nicht, dass Slytherins auch so… normal sein können."
„Ja, wir dachten, ihr esst kleine Kinder.", warf Claire giggelnd ein.
Oh bei Merlin. Wie würde er…?
Aber alle Befürchtungen Ginnys waren unbegründet. Mit dem ihm eigenen, trockenen Humor antwortete Blaise: „Woher willst du wissen, dass es nicht so ist? Ich hatte schließlich noch keinen Nachtisch…"
Kurz herrschte Stille. Dann mussten alle anfangen zu lachen. Ein leichtes Grinsen stahl sich auf Blaise Gesicht. Zum Glück hatten alle in der Theatergruppe ein Jahr Zeit gehabt, Vorurteile zumindest teilweise zu überwinden. Wer hätte sonst je gedacht, dass alle vier Häuser so, erstaunlich entspannt, an einem Tisch sitzen konnten?
Bald darauf löste sich die Runde jedoch auf – man war satt und alle hatten an diesem Nachmittag noch etwas zu tun. Die Eltern würden bald kommen und die Ankunft wollte gut vorbereitet sein. Als erstes verabschiedete sich Blaise mit einem Nicken an die gesamte Tischrunde, dann ging er mit wehendem Umhang davon. Das veranlasste Claire wieder zu kichern:
„Professor Snape muss ihnen darin Sonderunterricht geben – so den Umhang wehen lassen können auch nur Slytherins."
Marie fiel ein und meinte: „Ja… aber es sieht auch echt sexy aus."
„Ja…", stimmte Claire, etwas zögerlicher, ein. Moment, hatte das Mädchen gerade zu Justin geschaut, oder hatte sich Ginny geirrt…?
„Vor allem, da er auch noch erstaunlich nett ist – also, für einen Slytherin. Und mysteriös.", giggelte Marie weiter.
„Oh, ich sehe schon – das werden Mädchengespräche.", unterbrach Justin lachend. „Ich gehe dann auch mal lieber."
Er zwinkerte den beiden Mädels zu und stand auf. Hannah kam mit ihm: „Ich habe auch noch etwas zu tun, tschüssi!"
Und sie hatte sich nicht getäuscht! Claire sah Justin fast etwas sehnsüchtig nach…
Bald darauf verabschiedeten sich auch die übrigen drei Mädchen voneinander, um in ihre jeweiligen Türme zu gehen. Auf dem Weg grübelte Ginny über diese erstaunliche Wende nach. ‚Sie haben sich nicht die Köpfe abgerissen, waren sogar fast freundlich. Und Marie findet ihn sogar ‚sexy'? Wow…'
Zurück in ihrem Zimmer fand Ginny auf ihrem Nachttisch das Pergament, mit dem sie und Blaise Nachrichten austauschten. Ein neuer Satz war erschienen. Neugierig kam sie näher und las:
Wir treffen uns heute um 7 vor dem Hogwarts-Eingang. Bis dann.
Um 7 also? Gut, dann hatte sie ja noch… ‚Nur 2 ½ Stunden? Mist, ich muss mich beeilen!'
Also schnell unter die Dusche. Als sie, noch vollkommen verstrubbelt, aus dem Badraum heraus kam, lief ihr Natalie entgegen – die Viertklässlerin, die für die Frisuren beim Theater verantwortlich war.
„Hey, Ginny, ich habe dich schon gesucht!", sagte sie fröhlich. „Ich wollte noch etwas Neues ausprobieren – ich denke, es könnte dir noch besser stehen."
„Äh, ich…" Eigentlich hatte sie ja keine Zeit! Wenngleich… Natalie konnte wirklich gute Frisuren machen, und sie wollte heute Abend schließlich gut aussehen… „Ok, gut.", willigte sie also ein.
Das jüngere Mädchen nahm sie bei der Hand und zog sie hinter sich her in ihr eigenes Zimmer. Ginny setzte sich auf einen Stuhl und Natalie begann, indem sie zunächst das noch leicht feuchte Haar trocknete („Aber nicht zu trocken – dann kann man besser arbeiten") und kurz durchkämmte („Das geht mit einem richtigen Kamm immer noch am besten, finde ich."). Dabei redete die jüngere die meiste Zeit fröhlich auf Ginny ein. Sie sprachen über das Fest, darüber, die Familien bald wieder zu sehen und vieles weitere. Schließlich schwang Natalie einige Male den Zauberstab, murmelte etwas und zupfte danach noch hier und dort an den Haaren rum. Dann trat sie zufrieden einen Schritt zurück und meinte: „Fertig!". Sie gab Ginny einen Spiegel.
„Oh!" Natalie hatte es geschafft, ihr sonst eher wirres Haar sanft fallen zu lassen. Die Haare, die ihr sonst immer ins Gesicht fielen, waren zusammen genommen und an beiden Seiten des Kopfes nach hinten geführt, wo sie sich in einem dünnen Zopf trafen, der hinunter fiel auf die ansonsten offenen, seidigen Haare.
„Das ist echt schön…", sagte Ginny.
„Ja… ich denke, es könnte vielleicht für Lena doch etwas schlicht sein. Aber für Flucht finde ich das so ok, man kann ja die Frisur auch mal wechseln."
Das jüngere Mädchen strahlte sie an. Spontan stand Ginny auf und umarmte sie. „Dankeschön, ich finde es hübsch. Du bist wirklich lieb."
Nachdem sie sich von Natalie verabschiedet hatte, ging sie in ihr Zimmer um sich umzuziehen. Es war allmählich wirklich Zeit dazu. Einige andere aus dem Gryffindor-Turm waren schon weg, da viele heute Abend mit den Eltern weggehen würden, so auch die Mädchen aus ihrem Schlafsaal. Sie war also ungestört.
Wie Blaise ihr geraten hatte, zog sie dasselbe Kleid an, welches sie auch am Weihnachtsball angehabt hatte. Es war das schönste, was sie hatte – und es stand ihr wirklich ausgezeichnet. Außerdem wusste sie wirklich nicht, was sie vorhatten – also war es wohl besser, sich an seine Vorschläge zu halten.
So angekleidet drehte sie sich einmal vor dem Spiegel – das dunkelgrüne, sanft fallende Kleid betonte ihre hübsche Figur. ‚Alles in allem, sehe ich gar nicht schlecht aus.'. Bei dem Gedanken, was Blaise wohl zu ihr sagen würde, musste sie leicht lächeln. Blaise… sie waren nun schon einige Monate ein Paar, wenngleich es niemand wusste. Sie hatte ihn besser kennen gelernt – und sich wohl auch in ihn verliebt…
„Mist!"
In einer Viertelstunde musste sie unten vor dem Eingang sein. Schnell zog sie ihre schwarzen Riemchen-Sandalen an und nahm sich einen Umhang und etwas Geld – sie wusste schließlich nicht, was Blaise vor hatte und ob es kalt werden würde. Außerdem würde sie so etwas weniger auffallen. Aber da viele heute festliche Kleidung trugen, würde es sowieso niemanden stören. Dann ging sie die Treppen hinunter, zu ihrem Rendezvous mit ihrem Freund.
Pünktlich, wenige Minuten vor 7, stand sie aus dem Eingangstor von Hogwarts. Blaise wartete dort bereits auf sie.
„Hallo.". Rasch sah er sich um, ob jemand in der Nähe war, dann nahm er sie kurz in den Arm gab ihr einen kleinen Kuss. „Wir müssen uns etwas beeilen."
„Was haben wir denn vor?", fragte Ginny neugierig.
„Zunächst gehen wir nach Hogsmead.", sagte er, während er schon losging. Schnell lief Ginny hinterher.
„Und dann?"
Kurz war es still. Blaise sah sie nicht an, wie, als wüsste er nicht, wie er formulieren sollte, was er zu sagen hätte. Schließlich meinte er: „Wir gehen essen."
„Oh, schön!", Ginny freute sich. „Aber… komm, du hast doch noch etwas zu sagen, ich sehe es dir an der Nasenspitze an!"
„Gut, du hast Recht.", gab sich Blaise geschlagen. „Wir werden nicht allein sein. Meine Eltern sind dabei."
„Was?". Vollkommen erstaunt war Ginny stehen geblieben. „Und das sagst du mir erst jetzt? Ich bin gar nicht ordentlich genug angezogen. Ich werde gar nicht wissen, was ich sagen soll! Und… können sie Englisch? Ich kann kein Französisch! Und wenn sie mich nun nicht nett finden? Und was wenn…"
„Ginny!", unterbrach Blaise ihren bestürzten Redeschwall, „Meine Eltern werden dich nicht fressen! Sie sind nett, außerdem können sie Englisch. Ich möchte, dass du sie kennen lernst – und sie dich."
Dabei war er an sie heran getreten und hatte das, immer noch sehr verwirrte, Mädchen in den Arm genommen.
„Es wird schon. Und übrigens… was sollte das mit dem ‚Ich bin nicht ordentlich genug angezogen'? Du würdest dich für jemand anderen also hübscher anziehen als für mich? Ich weiß nicht, ob ich nicht eifersüchtig werden sollte…"
Nun musste Ginny wieder leise lachen. Blaise war manchmal echt unmöglich.
Sie waren nun schon ein Stück von Hogwarts entfernt, niemand würde sie mehr sehen. So versank das junge Paar in einem Kuss.
Den restlichen Weg nach Hogsmead grübelte Ginny nach. Es war typisch Blaise, dass er ihr erst kurz vorher erzählte, was sein eigentlicher Plan war! Aber gut, hätte sie es vorher gewusst, hätte sie sich wahrscheinlich viel länger deswegen Sorgen gemacht; und das wusste ihr Freund…
Dennoch war sie verblüfft, dass er sie seinen Eltern vorstellen wollte. Vorsichtig fragte sie nach: „Warum möchtest du, dass deine Eltern und ich uns kennen lernen?"
Er war kurz ruhig, dann antwortete er: „Nun, einerseits sind sie gerade hier – das ist nicht häufig. Und du hast heute Abend nichts vor, während alle anderen unterwegs sind. Das trifft sich ganz gut. Außerdem kennen meine Eltern leider nur sehr wenig aus meinem Leben. Ich bin einfach zu selten zu Hause, die anderen Leute aus der Schule wohnen zu weit weg. Und… du bist ein wichtiger Teil in meinem Leben, genauso wie sie, daher möchte ich, dass ihr euch kennen lernt." Hier machte er eine kurze Pause. „Und abgesehen davon ist meine Mutter sehr neugierig und wollte unbedingt das Mädchen kennen lernen, welches neben mir in dem Theaterstück eine Hauptrolle spielt, und welche wohl recht nett zu sein scheint."
Ginny musste kichern. „Mütter!"
„Eben."
Schweigend liefen sie weiter nebeneinander her. Blaise durchbrach schließlich die Stille: „Sie werden dich mögen. Sie scheinen vielleicht etwas reserviert zu sein, aber das ist ihre Art."
Ginny war halbwegs beruhigt, auch wenn natürlich immer noch ihre Gedanken wirr waren. Und was, wenn doch nicht? Allein schon der Name ‚Weasley' und die damit einhergehende Verbindung zu Muggeln… wenngleich, außerhalb von Großbritannien dürfte das kaum bekannt sein. Also sollte ihr zumindest hier kein Vorurteil begegnen. Und ansonsten… ‚Habe ich nicht in den letzten Wochen etwas zugenommen?'
Kurz vor Hogsmead stoppte Blaise plötzlich. Er nahm Ginny in den Arm und gab ihr einen Kuss auf die Stirn: „Das wird schon." Auch er schien etwas nervös zu sein, wie Ginny bemerkte. Sie streckte sich und gab ihm einen kurzen Kuss auf die Nasenspitze: „Genau."
Dann nahm er ihre Hand und sie gingen in das kleine Zaubererdorf.
Schon von weitem sahen sie zwei Menschen auf dem Platz vor dem Honigtopf warten, wo sie sich treffen wollten. Als sie näher heran kamen, erkannte Ginny, dass es wirklich seine Eltern sein mussten: die Familienähnlichkeit war deutlich erkennbar.
Seine Mutter war zierlich, schlank und hatte ein schmales Gesicht. Sie trug ein weinrotes, elegant geschnittenes Kleid mit breitem Gürtel und darüber einen hellen Umhang. Sie sah hinreißend aus. Ihre Hautfarbe war eher hell, für eine Französin. Sie hatte lange, gelockte Haare und dunkle Augen. Der Mann jedoch hatte dieselben grünen Augen wie Blaise. Von der ganzen Statur, inklusive der Sportlichkeit, war er seinem Sohn sehr ähnlich. Lediglich seine Haut war dunkler als die seines Sohnes, wie als ob er deutlich mehr Zeit in der Sonne verbringen würde als dieser. Er trug einen dunkelblauen Festumhang. Von Blaise wusste sie, dass seine Mutter hauptsächlich die Ländereien der Zabinis verwaltete und der Vater im französischen Ministerium Vergissmich war. Die beiden strahlten eine Selbstsicherheit aus, die Ginny beeindruckte – und etwas einschüchterte.
Dann standen die beiden schließlich vor ihnen.
„Bonsoir, maman, papa.". Blaise umarmte seine Mutter flüchtig und nickte seinem Vater zu. Dann trat er wieder einen Schritt zurück. Ginny, die nicht wusste wohin mit ihren Armen, Beinen und allem anderen, stand währenddessen schüchtern daneben. Dennoch kam sie nicht umhin zu bemerken, dass es irgendwie süß war, wenn er Französisch sprach, auch wenn es nur 3 Worte gewesen waren. Nun jedoch fuhr er auf Englisch fort:
„Darf ich euch meine Freundin Ginevra vorstellen?" Dann wandte er sich an sie: „Ginny, das sind meine Eltern, Fabien und Marielle Zabini."
Nun wusste sie auch nicht genau, was sie machen sollte, aber seine Eltern nahmen ihr die Entscheidung ab. Sie reichten ihr die Hände und Ginny ergriff (‚Zunächst die Frau! Höflichkeit…') zunächst die von Madame Zabini, und schüttelte sie. Dabei musste sie irgendwie dem Drang widerstehen, auch noch zu knicksen – aber das hätte wohl wirklich lächerlich gewirkt.
„Guten Tag, Ginevra. Ich freue mich, dich kennen zu lernen.", sagte Madame Zabini mit einem leichten französischen Akzent. Sie lächelte dezent, sah ihr Gegenüber jedoch aus so klaren, musternden Augen an, dass Ginny das Gefühl hatte, geröntgt zu werden.
„Ich freue mich auch, Ihre Bekanntschaft zu machen.", erwiderte sie. Dann wandte sie sich an Monsieur Zabini und schüttelte auch seine Hand. Er sagte, etwas zurückhaltender als seine Frau: „Sehr erfreut, ihre Bekanntschaft zu machen, Miss Ginevra.". Sie antwortete, ähnlich zurückhaltend: „Vielen Dank, ebenso, Monsieur Zabini."
„Gut, wollen wir dann los?", fragte Blaise. Ginny fand, dass er leicht nervös wirkte. Ohje, hoffentlich hatte sie noch nichts Falsches gesagt oder getan? In den ersten Minuten! Und sie hatten gerade erst die Begrüßung geschafft… das würde ein langer, schwieriger Abend werden.
„Wir apparieren nach London und gehen dort ins ‚Chez Olivier'.", erklärte Madame Zabini an Ginny gewandt, „es ist das wohl beste Restaurant in Großbritannien."
„Wir mögen die englische Küche nicht.", fügte Monsieur Zabini hinzu, „und auch Blaise hat sicher seit einiger Zeit nichts Gutes mehr gegessen."
„Papa, ich sagte dir bereits, dass die Küche in Hogwarts nicht schlecht ist."
„Ja, das sagtest du. Ich bin dennoch etwas skeptisch."
„Hört auf zu streiten.", warf Blaise' Mutter ein, „es soll ein schöner Abend werden." Dann wandte sie sich wieder an Ginny: „Kannst du apparieren?"
Diese nickte. „Ja, ich habe es dieses Jahr gelernt. Wohin geht es genau?"
„Zunächst einmal zum Tropfenden Kessel.", erklärte Blaise. „Geht das?"
„Ja, das finde ich."
„Wir laden dich selbstverständlich heute Abend ein.", erklärte Madame Zabini.
„Nein, das ist nicht nötig, ich…"
„Wir möchten es gerne so.". Frau Zabini sah mit einem sehr bestimmten, unbezwingbaren Lächeln an. ‚Diese Frau bekommt, was sie will.', dachte sich Ginny, und nickte. „Vielen Dank!".
Daraufhin apparierten alle 4 Personen nach London.
Vom Tropfenden Kessel aus gingen sie in die Winkelgasse und dort in eine Gegend, in der Ginny noch nicht oft gewesen war; es war die Gegend, wo man wohl eher Draco Malfoy antreffen würde. Alles war hier etwas „exklusiver", und natürlich teurer. Aber, nun gut, auch die Zabinis waren eine alte und reiche Zaubererfamilie. Sie passten wohl hierher. Für sich selbst war Ginny sich da nicht so sicher.
Schließlich standen sie vor einem großen, sehr vornehm aussehenden Haus mit vielen, großen Fenstern. Die Stufen waren aus Marmor, ebenso wie einige Säulen, die neben dem Eingang empor ragten. Ein Teppich führte ins Innere, welche hell erleuchtet war. Davor stand ein sehr elegant angezogener Hauself, der ihnen sofort die breite Tür öffnete.
„Bonsoir, Monsieur Zabini, Madame Zabini.", sagte er – zwar mit breitem, englischen Dialekt, aber er gab sich wirklich Mühe.
Drinnen war es noch eleganter als von außen. Ginny war wirklich froh, den Vorschlag von Blaise bezüglich ihrer Garderobe befolgt zu haben. Es war wirklich ihr bestes Kleid und alles andere wäre hier wohl negativ aufgefallen. Schon so war sie nervös genug. Sie war noch nie in einem solchen Restaurant gewesen; sicherlich, einige Male hatte sie auch sehr gut gegessen, aber noch nicht im „besten Restaurant Londons".
„La famille Zabini!", begrüßte sie ein großer, ausgesprochen gut gekleideter Mann. „Je suis content de vous approuver à mon restaurant. Je souhaite vous une bonne soirée!".
„Merci, Olivier.", antwortete Monsieur Zabini galant. „Wir freuen uns auf diesen Abend."
‚Zum Glück redet er wieder Englisch.', dachte Ginny erleichtert. Ihr Französisch reichte wohl kaum für einen ganzen Abend Konversation aus. Soweit sie verstanden hatte, war dies der Besitzer des Restaurants, er hatte sie begrüßt und ihnen einen schönen Abend gewünscht. Die Zabinis waren wohl öfter hier.
Nun führte der Mann, Olivier, sie an einen Tisch. Er war bereits für 4 Personen eingedeckt, mit allerlei Geschirr, Besteck, Gläsern… dazwischen standen einige Kerzen, sodass es wieder elegant wirkte. Na, hoffentlich würde sie hier nicht aus Versehen etwas Falsches machen. ‚Von außen nach innen, beim Besteck. Und bei den Gläsern?'
Sie setzten sich hin. Immer noch war Ginny sehr nervös. Was sollte sie nur bestellen? Ob sie die Karte überhaupt würde lesen können? Und überhaupt, und sowieso…
Da unterbrach Blaise ihre Gedanken und erklärte: „Der Besitzer kennt uns, weil er ursprünglich aus Frankreich kommt und er einige Jahre über meinem Vater in Beauxbatons war. Wir sind immer hier, wenn meine Eltern mich von der Schule abholen oder wieder hin bringen."
„Er hat später in Bordeaux Koch gelernt. Unsere Ländereien sind dort in der Nähe.", fügte der Vater hinzu.
„Wir wohnen teilweise an der Küste. Es ist nicht weit bis Bordeaux, einer der schönsten Städte Frankreichs."
„Kommt da nicht der gute Wein her?", wagte Ginny dazwischen zu fragen.
„Ja, genau.", erwiderte Blaise' Mutter, leicht lächelnd, „und das gute Essen."
„Apropos, mesdames, messieurs,", Olivier stand wieder an ihrem Tisch und lächelte sie an, „Was wünschen Sie heute zu speisen?" Huch, nun sprach er Englisch? Wahrscheinlich ging er damit auf Blaise' Vater ein, der auch auf Englisch gewechselt hatte. Etwa nur wegen ihr…?
„Für uns bitte das Menü des Tages.", erwiderte Monsieur Zabini galant und deutete auf sich und seine Frau.
Blaise sah Ginny fragend an, diese nickte, da sie sowieso nicht wusste, was es hier gab, und so sagte auch ihr Freund zu dem Ober: „Für uns ebenso, vielen Dank."
Nun waren sie wieder allein an dem Tisch. Immer noch war Ginny etwas nervös, aber es hatte sich schon etwas gelegt. Blaise' Eltern waren zwar reserviert und sicherlich auch sehr auf ihren Stand bedacht, schienen jedoch nicht auf sie herab zu sehen, was sie wirklich erleichterte. Außerdem wirkte die Mutter recht nett, hinter ihrer zunächst vielleicht hochnäsigen Fassade. ‚Klar – sie sind ähnlich wie ihr Sohn. Es lohnt ein zweiter Blick.'
Sie unterhielten sich weiter über Bordeaux, Blaise' Mutter kam fast ins Schwärmen, es war offensichtlich, dass sie die Gegend sehr gerne mochte. Sie fragte auch höflich nach dem Ort, wie Ginny herkam. Als sie hörte, dass diese aus Devon war, zeigte sie sich interessiert.
„Die Landschaft ist wirklich hübsch, es gibt einen Nationalpark in der Nähe, und an manchen Tagen kann man sehr viele verschiedene Vögel beobachten…", erklärte Ginny. Dann stoppte sie und wurde etwas verlegen. Das klang schon sehr ländlich… dabei wollte sie doch gar nicht so wirken, vielmehr weltgewandt, erfahren… aber die nächste Frage von Blaise' Vater befreite sie etwas aus ihrem Dilemma:
„Gibt es dort nicht auch einige Steinkreise?"
„Ja, Stalldown, Brisworthy zum Beispiel… ich finde es interessant, dass man die eigene Geschichte dort kennen lernen kann. Die Druiden früher haben noch auf ganz andere Art gezaubert als wir heute, es ist sehr faszinierend."
Und schon waren sie und der Vater von Blaise' in eine angeregte Diskussion über die traditionellen Zauberformen Englands und Frankreichs verstrickt, welche nur durch Olivier kurz unterbrochen wurde, der ihnen einen Aperitif brachte, einen Pastis. Zunächst war Ginny etwas skeptisch, doch Familie Zabini schien diesen Anisschnaps als selbstverständlich vor dem Essen zu finden; und tatsächlich war nicht so viel Alkohol darin, wie sie befürchtete. Sie wollte sich schließlich vor seinen Eltern nicht blamieren, und wenn das den ganzen Abend so weiter ging…
Der nächste Gang war eine hellgrüne Creme mit etwas, das aussah wie Shrimps und einer gelben Soße. Olivier erklärte: „Avocado-Creme mit Knoblauch und Krabben. Dazu reichen wir einen hellen Weißwein Château La Rose, mild und leicht perlend."
Zum Glück wurde der Wein gleich in das richtige Glas eingefüllt – Ginny brauchte sich daher keine Sorgen zu machen. Vom Besteck her musste es offensichtlich das äußere sein. Sie sah, dass Blaise und seine Eltern zu einem Löffel griffen und machte das ebenso.
Die Creme war wirklich köstlich und der wirklich sehr milde Wein passte hervorragend dazu. Zum Glück hatte man ihr nur sehr wenig eingeschenkt – wenn das so weiter ging, hätte sie sonst am Ende des Abends einen Kater.
Während des Essens unterhielten sie sich weiter. Blaise' Mutter erzählte:
„Wir wollten schon lange die Steinkreise in England und Wales besuchen, es ist ein faszinierendes Thema. Aber obwohl unser Sohn nun schon fast 7 Jahre in Großbritannien zur Schule geht, haben wir es noch nicht gemacht. Vielleicht in diesem Sommer."
Bald darauf kam eine weiter Vorspeise: „Muschelsuppe, frisch zubereitet mit mediterranen Muscheln. Dazu ein würziger Rosé aus der Provence. Bon Appetit!"
Nun wandte sich das Gespräch anderen Themen zu. Madame Zabini wollte wissen, was sie in der Festwoche alles erwartete.
„Am Mittwochabend ist das Theaterstück.", erklärte Blaise.
„Du spielst dort mit, nicht wahr?", fragte sein Vater. „Ich weiß nicht, von wem du das hast, aber nun gut. Ich hoffe, die Arbeit daran hat deine schulischen Leistungen nicht beeinträchtigt."
„Nein, Vater."
„Vielleicht ist es auch ganz gut, mal etwas anderes auszuprobieren.", fügte seine Mutter hinzu. „Was ist an den anderen Tagen?"
Fragend sah Blaise Ginny an. Sie erklärte: "Morgen Abend gibt es ein großes Eröffnungsbüffett. Am Dienstag ist dann Musikalischer Abend, das heißt, Schüler, die ein Instrument spielen können, spielen dort. Am Mittwoch ist, wie erwähnt, das Theaterstück. Und am Donnerstag ist ein Abschlussball. Freitags kann man dann nach Hause fahren. Zwischendurch stellen Lehrer und Schüler die Schule und den Unterricht vor."
Sie redeten weiter über die anstehende Festwoche. Offensichtlich waren Madame und besonders Monsieur Zabini etwas skeptisch, was das anging. Zu ihrer Erleichterung bemerkte Ginny jedoch, dass sie sich nicht über „Schlammblüter" oder etwas Ähnliches ausließen. Nur dem englischen Essen trauten sie nach wie vor nicht.
„Ihr werdet ja sehen, wie es wird.", beendete Blaise schließlich die Diskussion. Der Hauptgang kam gerade.
Olivier erklärte: „Das 'Auptgericht ist Entenbrust mit Trauben auf Salat und Vinaigrette. Dazu reichen wir Rotwein aus Bordeaux, reif und kraftvoll. Bon appetit!"
Es schmeckte ausgezeichnet. Der Alkohol hatte inzwischen auch etwas Wirkung gezeigt. Ginny hatte nicht mehr solche Angst, sich zu blamieren und begann, den Abend zu genießen. Dass Blaise sie seinen Eltern vorstellte, hätte sie nie erwartet. Aber gut, irgendwo war es verständlich. Sie waren sehr traditionell und hatten das ihrem Sohn weiter gegeben. Er fand es wahrscheinlich richtig und höflich, sie vorzustellen. Seine Eltern waren intelligent und höflich, wenn auch deutlich weniger herzlich als ihre eigene Familie, sehr viel reservierter. Aber am Vater bemerkte sie denselben, trockenen Humor den auch sein Sohn hatte, und wenngleich beiden ihr Status wichtig war, schienen sie keine Vorurteile gegenüber Ginny zu haben. Das machte die Sache natürlich einfacher.
„Du bist nun in der 6. Klasse?", fragte Monsieur Zabini sie gerade.
„Ja. Ich belege Pflege magischer Geschöpfe, Verteidigung gegen die dunklen Künste, Zauberkunst, Zaubertränke, Verwandlungen und Kräuterkunde."
„Das sind ähnliche Fächer wie Blaise, nicht wahr?"
Dieser nickte. „Ja, aber ich habe statt Kräuterkunde Arithmantik."
Blaise' Mutter warf ein: „Es sind recht viele Fächer. Weißt
du, was du später damit arbeiten möchtest?"
"Ich
würde gerne Heilerin werden.", erklärte Ginny offen.
„Ein guter Beruf.", sagte der Vater anerkennend. „Aber auch sehr schwierig."
„Ich arbeite hart daran, diesen Traum zu erreichen.", erwiderte Ginny fest. Daraufhin lächelte die Mutter ihr kurz zu: „Das ist sehr gut.". Offensichtlich war Geburt und Stand längst nicht alles bei Zabinis – auch die Leistung zählte.
„Was arbeiten deine Eltern?", fragte nun der Vater weiter.
„Mein Vater arbeitet im Ministerium und meine Mutter kümmert sich um Haus, Garten und Kinder."
Blaise' Mutter entgegnete darauf: „Also ähnlich wie bei uns. Hast du viele Geschwister?"
„Ja, 6 große Brüder."
„Sechs!", sagte sie erstaunt. „Das sind viele…". Kurz blickte sie leicht melancholisch, hatte sich jedoch gleich wieder unter Kontrolle.
‚Ob sie gerade an ihre Tochter gedacht hat?', fragte sich Ginny. Die ältere Schwester von Blaise' war vor vielen Jahren von einem Muggelautofahrer überfahren wurden.
Das Gespräch wand sich nun wieder dem Essen zu. Es war wirklich ausgezeichnet, aber Ginny war jetzt schon satt. Wie viele Gänge würden noch kommen, zwei?
Das nächste war die Nachspeise: „Créme Caramel!", erklärte Olivier begeistert, „dazu ein schlichter, aber dennoch wohlmundender Cidre. Bon appetit!"
Und wieder Alkohol? Diesmal Apfelwein. Viel Alkohol hatte der nicht, selbst Kinder konnten ihn trinken, dennoch.
Die Créme war ganz hervorragend. Vielleicht hatten Blaise' Eltern doch Recht – die französische Küche schien wirklich gut zu sein.
„Es schmeckt wirklich sehr gut.", bemerkte sie nun auch. Wieder lächelte Blaise' Mutter sie kurz an, auch der Vater sah zufrieden aus.
„Ich sage es doch, unsere französische Küche ist nur schwer zu übertreffen."
„Auch meine Mutter kocht sehr gut.", sagte Ginny nun doch.
„Kochst du auch?", fragte Madame Zabini interessiert.
„Manchmal, ja. Ich helfe ihr in der Küche, aber allzu großes Talent habe ich wohl nicht."
„Bei uns kochen die Hauselfen.", erklärte Monsieur Zabini.
Daraufhin herrschte kurz Stille. Ginny wurde etwas rot. Mist, da hatte sie mal wieder ganz deutlich gezeigt: ihre Familie hatte nun mal keine Hauselfen. Na und?
„Ich finde es gut, dass sie kochen kann. Es müssen ja nicht alle dutzende Diener haben, die für sie sorgen und alles machen.", sagte plötzlich Blaise. Er sah dabei seinen Vater gerade an. Dieser nickte ihm zu. Ginny bemerkte, dass er den gleichen Gesichtsausdruck hatte wie Blaise, wenn er mit sich selbst etwas unzufrieden war. Offensichtlich hatte er etwas gedankenlos gesprochen und es nicht so gemeint. Blaise' Mutter warf ein: „Ich denke, du hast Recht. Man muss die Verantwortung für sein eigenes Leben übernehmen können." Sie nickte Ginny freundlich zu. Diese war erleichtert. Das war noch einmal gut gegangen.
Bald darauf kam der letzte Gang: einige Sorten Käse. „Verschiedene Sorten weicher Käse, von Schaf, Ziege und Kuh, dazu ein edelsüßer Weißwein aus der Bretagne. Bon appetit!"
‚Oh bei Merlin, nicht noch ein Wein!', dachte Ginny bestürzt. Sie hatte zwar immer nur sehr wenig gehabt, dennoch: allmählich reichte es. Der Wein war jeweils sehr gut und passte hervorragend, aber sie war es einfach nicht gewohnt.
Auch dieser letzte Gang war sehr lecker. Ginny mochte Käse recht gerne, und die Qualität war hervorragend. Der Schaf- und Ziegenkäse war zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber dennoch gut. Das Gespräch wandt sich nun lockeren Themen zu.
„Betreibst du einen Sport?", fragte Blaise' Mutter Ginny.
„Ja, ich spiele manchmal Quidditch. In diesem Jahr hatte ich jedoch nicht mehr die Zeit, um ausdauernd in der Hausmannschaft zu trainieren."
„Ah, Quidditch! Ein wirklich schöner Sport. Auf welcher Position?", fragte Monsieur Zabini interessiert.
„Am liebsten als Jäger, aber ich habe auch schon als Sucher gespielt. Spielen Sie auch?"
„Ja, früher. Ich war Treiber.". Ginny nickte. Das hätte sie sich fast denken können – er sah wirklich sportlich aus. „Aber bei uns ist ein anderer Sport sehr beliebt. Hat Blaise dir davon erzählt? Kennst du Rugby?"
„Rugby?", fragte Ginny erstaunt. Es war ein Muggelsport, oder?
„Ja, es gibt mehrere Amateur-Zauberer-Mannschaften in Frankreich. Wir haben sogar eine eigene Liga."
Sie fachsimpelten weiter über Sport, wobei Blaise' Vater darauf bestand, dass Rugby gar nicht so brutal war, wie es vielleicht wirkte, sondern „sehr taktisch".
Irgendwann kam Olivier und fragte, ob sie noch einen Wunsch hätten. „Vielleicht einen Digestif?"
Was? Noch eine Schnaps? Blaise' Eltern bestellten beide einen Armagnac. Ginny bekam große Augen. Gute Güte, die vertrugen vielleicht was… Blaise bemerkte ihren Blick und setzte sein typisches Grinsen auf. Dann wandte er sich an Olivier: „Für mich bitte einfach noch eine heiße Schokolade."
Dieser lächelte breit und fragte nun Ginny: „Und für Mademoiselle?"
„Auch eine heiße Schokolade, bitte."
Das war doch wirklich noch eine Alternative. Alkohol wollte sie nun wirklich keinen Tropfen mehr!
Kurz darauf brachte ihnen Olivier die Getränke. Die Schokolade war süß, heiß und lecker, mit einem dezenten Beigeschmack von Vanille. Köstlich…
Sie plauderten ungezwungen über die baldige freie Zeit, das unausweichliche Eltern-Thema „Und wie sind die Prüfungen gelaufen?" und die anstehende Woche. Blaise' Eltern waren wohl relativ streng und wollten, dass ihr Sohn gute Noten hatte, außerdem wohl etwas kühl. Aber da sie sich nun etwas weiter geöffnet hatten, schienen sie wirklich charmant zu sein. ‚Wenn man sie näher kennt, sind es sicher sehr nette Menschen. Es ist wie bei Blaise.'
Irgendwann ging jedoch auch dieser Abend vorbei. Ginny war kurz auf der Toilette gewesen (selbst hier spielte geschmackvolle Musik im Hintergrund!), und als sie wiederkam meinten die Zabinis, sie würden nun langsam gehen. Offensichtlich hatte Monsieur Zabini in der Zwischenzeit gezahlt. Olivier geleitete sie hinaus.
Inzwischen war es dunkel geworden, es war schon nach um 11, wie Ginny mit einem erschrockenen Blick auf die Uhr feststellte. Um 12 mussten sie zurück in Hogwarts sein.
Beim Tropfenden Kessel verabschiedeten sich Blaise' Eltern von ihnen.
„Wir werden hier in London in einem Hotel schlafen. Es war ein sehr netter Abend. Wir freuen uns, dich etwas besser kennen gelernt zu haben, Ginevra.", lächelte Madame Zabini. Ihr Mann nickte zustimmend. „Der Abend war wirklich schön. Auf Wiedersehen, Ginevra."
„Auf Wiedersehen, Madame Zabini, Monsieur Zabini.", erwiderte Ginny lächelnd. Blaise' Mutter nickte ihr freundlich zu.
„À bientôt, papa, maman.", sagte Blaise und umarmte seine Mutter wieder kurz.
Nachdem sie sich verabschiedet hatten, gingen sie zum Apparierpunkt im Tropfenden Kessel.
„Bereit?", fragte Blaise.
„Ja.", sagte Ginny. Blaise lächelte und griff ihre Hand. Dann apparierten sie gemeinsam zurück nach Hogsmead.
Dort angekommen, ließ er ihre Hand nicht los, wie Ginny überrascht feststellte. Sie machten sich auf den Weg zurück nach Hogwarts. Es war eine milde Frühsommernacht, die Sterne schienen. Es war einfach schön, neben Blaise hier entlang zu gehen. Irgendwie fühlte sie sich sehr leicht – ob es daran lag, dass sie den Abend so gut hinter sich gebracht hatte, an der Freude darüber, dass sie Blaise wichtig genug war, dass er sie seinen Eltern vorstellte, oder einfach an dem vielen Alkohol, konnte sie nicht sagen. Aber es war schön, und das war ja die Hauptsache…
„Meine Eltern fanden dich wirklich nett.", durchbrach Blaise ihre Gedanken.
„Ja?", fragte Ginny verblüfft.
„Sie können manchmal sehr reserviert sein, aber ich kenne sie nun doch schon lang genug um zu merken, dass sie dich nett finden."
Ginny grinste. „Das ist schön." Sie blieb kurz stehen und gab Blaise einen Kuss. Dieser erwiderte ihn sofort und zog sie noch näher zu sich heran um den Kuss zu wiederholen.
Nach einer Weile lösten sie sich voneinander. Glücklich betrachtete Ginny ihren Freund. Der Mond beleuchtete sein Gesicht, er lächelte sie an. Es war einfach schön. Wieder küssten sie sich.
Hand in Hand gingen sie den restlichen Weg nach Hogwarts. Eines wollte Ginny noch sagen: „Danke für den schönen Abend. Deine Eltern sind nett. Und sie sprechen sehr gut Englisch!"
„Ja, wir haben Verwandte in Kanada – sie haben zunächst in Québec gelebt, sind dann aber in den englischsprachigen Teil gezogen. Meine Eltern besuchen sie häufig."
Es war inzwischen kurz vor 12, sie mussten sich beeilen. Vor der Eingangstür zog Blaise sie noch einmal kurz an sich, um ihr noch einen letzten Kuss zu geben.
„Schlaf gut.", murmelte er.
„Du auch… träum etwas schönes.", lächelte sie.
„Sowieso. Und du auch… am besten von mir.", grinste er zurück. Sie musste unwillkürlich etwas lachen.
„Du bist arrogant, hat dir das schon mal jemand gesagt?"
„Nicht, dass ich wüsste."
Er gab ihr einen kurzen Kuss auf die Stirn, dann lösten sie sich voneinander und traten ein.
Auf dem Weg in ihrem Schlafsaal fiel Ginny auf, dass es eigentlich doch sehr auffällig war. Man hätte sie sehen können – den ganzen Weg, dort vor der Tür.
„Na und?". Sie hatte es nicht gestört. Und Blaise offensichtlich auch nicht.
Lächelnd und todmüde (und vielleicht auch etwas beschwipst) schlief Ginny an diesem Abend ein. Die Woche würde sicher interessant werden…
Anmerkungen: Danke an meine Beta andrea06 knuddel
JA!! Das nächste Kapitel Es gibt mich noch. Die Geschichte wird beendet. Leider ist mein Leben im Moment etwas stressig (ich habe angefangen zu studieren…), aber es wird schon.
Wie hat es euch gefallen? Wie ist es? Ich hoffe, es gefällt euch noch… war total schwer, Blaise' Eltern darzustellen… wie findet ihr sie? Und sonst? Sagt mir bitte unbedingt eure Meinung!
Zu dem Kapitel: ich weiß, dass Franzosen sich nicht unbedingt die Hände schütteln, genauso wenig wie Engländer. Aber ich fand es so am „angemessensten", und, vllt machen sie das ja in der Zaubererwelt? ;) Und keine Ahnung, ob das Menü zusammen passt. Ich find, es klingt lecker…
Tausend Dank für die vielen Reviews zum letzten Kapitel!! Ihr habt mich echt motiviert, weiter zu schreiben. Danke!!
Im nächsten Kapitel geht's dann endgültig mit der Festwoche los. Was denkt ihr, klingt der Ablaufplan plausibel? Oder fehlt etwas? Überhaupt: wie war das Kapitel?
Liebe Grüße!
schafchen
