Disclaimer: Das Harry-Potter-Universum ist geistiges Eigentum von J.. Mit dieser Geschichte wird kein Geld verdient. Das Stück „Leonce und Lena", die Handlung, der Inhalt, Personen, Handlungsorte, Ideen, Worte, usw. usf gehört Georg Büchner.
Kurzes „Was bisher geschah": Es soll ein einwöchiges Fest am Ende des Schuljahres stattfinden, damit die Häuser mehr zusammenwachsen (HP6&7 bitte kurz vergessen, Voldemort ist tot). Ginny und Blaise spielen in der neu gegründeten Theatergruppe, natürlich die Hauptrollen (genauso wie Justin und Hannah – Justin und Ginny verstehen sich auch sehr gut, er wollte etwas mehr, sie nicht). Sie kommen sich durch gemeinsames Arbeiten am Stück näher, und noch näher, haben nach dem ersten Kuss einen Streit, finden wieder zusammen, beschließen jedoch, ihre Beziehung, auf Grund der immer noch schlechten Häuserbeziehungen geheim zu halten. Das geht mal mehr, mal weniger gut (mit Treffen im Raum der Wünsche usw) – inzwischen wissen Colin (hier lebendig und Ginnys bester Freund), Hermine und Ron (die zusammen sind) und Harry (der durch den Kampf gegen Voldemort etwas depressiv geworden ist) Bescheid (Ron droht, Blaise die Eier abzureißen, aber Hermine beruhigt ihn).
Die Festwoche hat angefangen, am vorigen Abend hat Ginny die Eltern von Blaise kennen gelernt, sie waren gemeinsam Essen. Und nun, Vorhang auf für: „The Morning After"
Kapitel 39 – Generalprobe
‚Wecker…? Schule…?'. Irgendetwas schrillte hier sehr laut. Aber sie schlief doch gerade so schön… hmm, warme, weiche Decken…
„Grr. Das ist ja nicht zum aushalten.". Frustriert schlug Ginny ihre Decke auf und stand auf, um den Wecker abzustellen. Puh, es war viel zu früh am Morgen… und woher kamen diese leichten Stiche in ihrem Kopf?
Dann fiel es ihr schlagartig wieder ein: Blaise! Sie war gestern mit ihm und seinen Eltern essen gewesen. Und hatte zu jedem der 5 Gänge ein wenig Wein getrunken.
‚Na, kein Wunder. Toll gemacht. Dabei ist doch heute Generalprobe… Mist, wie spät ist es eigentlich?!'. Aufgeschreckt sah Ginny auf die Uhr. Schon um 9? Oje, und halb 10 sollte die Probe anfangen! Wie gut, dass sie am gestrigen Abend noch daran gedacht hatte, den Wecker zu stellen.
Hoffentlich war das Badezimmer frei und von keinem anderen Mädchen besetzt, sonst hätte sie jetzt allmählich ein echtes Zeitproblem. Hastig griff sie nach ihren Sachen.
‚Oje – offensichtlich sind diese schnellen Bewegungen keine gute Idee…' Mit großem Schrecken bemerkte sie, wie jede rasche Bewegung eine neue, kleine Welle der Übelkeit durch ihren Körper schickte. Wenn der Tag schon so anfängt… aber man soll auch immer das positive sehen: immerhin konnte sie sich so das Frühstück, für welches sie ohnehin kaum Zeit hatte, ganz sparen: sie hätte ohnehin nichts herunter bekommen.
Um kurz vor halb 10 kam sie schließlich an der großen Halle an. Es hatte sich heraus gestellt, dass auch das hellere Licht außerhalb des abgedunkelten Schlafraumes keine perfekte Umgebung für diesen Morgen war. Nie wieder Wein! Sie war zwar schon von Butterbier angetrunken gewesen, aber das hatte man am nächsten Morgen wenigstens nicht gemerkt…
„Hey, Ginny, so richtig wach bist du heute noch nicht, oder?" rief in diesem Moment eine Stimme. Es war Hannah, die gerade in die große Halle ging. Offenbar waren die anderen schon herein gegangen. Oder zumindest fast alle, denn in diesem Moment hörte sie einige schnelle Schritte hinter sich.
„Blaise!", sagte sie erstaunt. Es war nun wirklich nicht seine Art, zu spät zu kommen.
„Dir auch einen wunderschönen guten Morgen.", erwiderte dieser galant. Kurz kam Ginny der Gedanke, was sie sich eigentlich dabei gedacht hatte, mit einem Slytherin und gleichzeitig Franzosen zusammen zu kommen: katerresistent, unverschämt, und… jedenfalls, wenn SIE sich schon schlecht fühlte, und indirekt, oder eigentlich sogar ziemlich direkt, wegen IHM, dann sollte es ihm doch eigentlich auch schlecht gehen, oder? Emanzipation und so, oder wie hieß das Wort?
„Kaffee?" unterbrach er ihre, durch Kopfschmerzen bedingt leicht gereizten, Gedanken.
Mürrisch wollte sie schon abschlagen, da beugte er sich plötzlich vor und gab ihr einen kurzen Kuss auf den Mund.
„Du siehst süß aus, wenn du schmollst.", murmelte er, strich ihr sanft über die Wange und reichte ihr die Tasse. Ginny wurde knallrot. Offenbar war niemand sonst in der Eingangshalle, aber dennoch, so öffentlich hatte er seine Zuneigung bisher noch nicht gezeigt. Wenngleich – „Hey, was soll das? Ich bin 17, ich bin ganz sicher zu alt um noch ‚süß' zu sein, das sagt man doch eher zu jüngeren Mädchen."
Dieser Ausbruch, und wahrscheinlich auch ihr Gesichtsausdruck, brachte Blaise allerdings nur noch mehr zum Grinsen. Gleich sah er jedoch wieder etwas ernster aus: „Wir sollten nun wirklich rein gehen, wir sind bereits ein wenig spät. Und nimm den Kaffee einfach, glaube mir, er wird dir gut tun."
Damit drückte er ihr den Kaffee und die Hand und drehte sich zur Großen Halle. Ginny war baff. Das war ja mal wieder typisch Slytherin! Erst so nett, und dann wieder so ein Umschwung. In dem Moment drehte sich Blaise mit dem Kopf zu ihr herum: „Was ist? Kommst du… Süße?"
‚Wa…? Grrrr!' Trotz ihres Ärgers musste sie unwillkürlich ein wenig lachen.
Gemeinsam gingen die beiden in die Große Halle. Wie ungewöhnlich das war, fiel ihr erst auf, als mehr als ein Gesicht sie erstaunt ansah. Wieder wurde sie ein wenig rot, und schlürfte, um ihre Verlegenheit zu verbergen, an dem Kaffee. Beinahe augenblicklich wurden auch ihre Kopfschmerzen besser. Erstaunt nahm sie noch einen Schluck. Moment, das war nicht nur einfacher Kaffee, da war noch ein Beigeschmack… Blaise hatte ihr tatsächlich ein wenig Kater-Ex gegeben. Na ja, es heißt ja immer, Kerle sollen sich um ihre Freundinnen kümmern – auch wenn das nicht gerade das beste oder romantischste Beispiel war, in dem Moment war sie ihm jedenfalls doch sehr dankbar.
Endlich konnte sie sich auch ein wenig mehr auf das Geschehen in der Großen Halle konzentrieren. Es waren sehr viele Schüler dort, liefen entweder auf der Bühne herum, dekorierten an den Wänden der Halle, standen in kleinen Grüppchen und schwatzten aufgeregt, standen in Kostümen herum mit anderen Schülern neben sich welche rasch noch einige Änderungen vornahmen, oder saßen auf diversen Stühlen, während wieder andere Schüler sich um Haar und Make-up kümmerten. Alles schien ein großes Durcheinander zu sein, und auch sie und Blaise wurden nicht weiter angestarrt, da alle genug zu tun hatten. Tonks jedoch kam rasch auf die beiden zu.
„Da seid ihr ja!" rief sie aus. Ihre Haarfarbe war heute eine wilde Mischung aus hellrosa und babyblau, wechselte allerdings alle paar Minuten zu einer anderen Farbe. Offenbar war auch sie recht aufgeregt. „Wir haben schon auf euch gewartet! Könntet ihr bitte in eure Kostüme gehen, und Ginny, gehe bitte danach zu Natalie, sie wird dir deine Frisur richten, während Blaise… ja, geh am besten zu Marlon, er macht dir das Make-up."
„Make-up?" Den Gesichtsausdruck von Blaise als ‚fassungslos' zu bezeichnen, war leicht untertrieben. Er hatte noch nicht einmal, entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten, eine ordentliche Frage formuliert, wie Ginny grinsend feststellte.
„Ja, natürlich", antwortete Tonks auch prompt, „zumindest ein wenig Puder. Bei dem vielen Licht auf der Bühne würdest du ansonsten schwitzen, und bald nicht mehr wie ein gut aussehender junger Adeliger, sondern eher wie ein Stück Schweineschwarte."
Mit diesem höchst unromantischen Vergleich zog sie auch schon von dannen, um anderen Schülern mitzuteilen, was diese nun machen sollten. Immer noch leicht irritiert sah Blaise kurz zu Ginny, welche sich ein Lachen verkneifen musste. „Na, meine liebste Schweineschwarte, dann sollten wir uns mal umziehen gehen.", brachte sie schließlich heraus und drehte sich in Richtung von Sarah, welche die Oberherrschaft über die Kostüme führte. Nur leise hörte sie Blaise noch hinter sich murmeln „Für diesen Spitznamen bringe ich Tonks um…"
Er nannte sie nicht einmal mehr ‚Professor Tonks'. Wie viel sich in dem einen Jahr doch schon geändert hatte…
15 Minuten später war es soweit. Alle Schauspieler waren umgezogen, hatten passende Frisuren und waren geschminkt. Das hatte nicht nur bei Blaise, sondern nahezu allen männlichen Schauspielern ein leichtes Grollen hervorgerufen. Aber Tonks beruhigte alle, dass man z.B. Lippen und Augenbrauen durchaus noch einmal betonen würde, da sie ansonsten im hellen Bühnenlicht kaum zu sehen wären, „und es wäre jammerschade, wenn dadurch eure Gesichtsausdrücke nicht so gut beim Publikum ankommen.". Ginny fand schon jetzt die Gesichtsausdrücke sehr gut und amüsierte sich gemeinsam mit Hannah und Claire königlich über einige Jungen, die verstohlen mit Zipfeln ihres Kostüms versuchten, die Schminke wegzuwischen, was dank der magisch verstärkten Variante allerdings reichlich misslang. Nur Marie war etwas ruhiger, und sah ab und an misstrauisch zwischen Ginny und Blaise hinterher. Sie hatte sich doch wohl nicht wirklich in den Slytherin verguckt, und etwas von ihnen beiden mitbekommen? Andererseits sahen verliebte Mädchen nun einmal überall Gespenster… nur das dieses hier leider kein Gespenst war.
Ein lautes „Schhhhh!" unterbrach ihre Gedanken. Das Licht wurde langsam dunkler. Blaise und Jack hatten auf der Bühne Platz genommen. Sie spielten die erste Szene.
Da ging das Licht auf der Bühne auch langsam wieder an. Das Bühnenbild wirkte wie ein Garten – die Schüler, die hierfür verantwortlich waren, hatten sich wirklich große Mühe gegeben. Sogar ein kleiner Vogel flog herum und ließ von Zeit zu Zeit ein leises Tschilpen ertönen.
Blaise und Jack begannen, die Szene zu spielen. Erstaunt bemerkte Ginny, dass sie fast den gesamten Text leise im Kopf mitsprechen konnte, so oft hatte sie die Szene inzwischen schon gesehen. Das gab ihr jedoch die Möglichkeit, sich mehr auf das Spiel zu konzentrieren. Sie lächelte. Auch die Schüler um sie herum schienen gebannt von den beiden auf der Bühne. Es würde morgen sicher ein großer Erfolg werden.
Auf der Bühne sprach Blaise gerade: „Dass die Wolken schon seit drei Wochen von Westen nach Osten ziehen…", hierbei schaute er in den, fiktiven, Himmel und zeigte mit seinem Arm die Richtung an. Da passierte es: der kleine Vogel flog genau über ihm und… ließ der Natur freien Lauf. Mit einem leisen ‚platsch' landete des Vogels Kot genau auf Blaise' rechter Augenbraue. Der wischte es irritiert weg, sah auf seine nun beschmierte Hand und sagte: „…das macht mich ganz melancholisch."
Ginny konnte ein leises Lachen nicht zurück halten, ebenso wenig wie viele andere Schüler. Er hatte sich sogar an seinen Text gehalten!
Abgesehen von diesem kleinen Zwischenfall ging die Szene glimpflich vorüber, Justin trat auf und brachte mit seinem lustigen Spiel viele Schüler zum Lachen. Die beiden, Justin und Blaise, waren auf der Bühne wirklich ein gutes Team, was bei den Schülern, die aus anderen AGs waren und erst seit wenigen Gesamtproben dabei waren, einiges Erstaunen auslöste. Ginny hörte sogar ein Mädchen zu ihrer Freundin murmeln: „Man würde kaum glauben, dass er aus Slytherin ist, so gut, wie er sich benimmt!". „Ja, sie spielen echt beide sehr gut", kam die Antwort, „und sehen dabei auch noch so gut aus…". „Ich würde sie jedenfalls beide nicht von der Bettkante stoßen.", mischte sich eine dritte ein, und alle fingen an zu kichern. Erstaunt blickte Ginny hin: es waren 2 jüngere Mädchen aus Hufflepuff und eine Ravenclaw, sie waren für das Bühnebild mit zuständig. Und sie sprachen über ihren Freund – das wussten diese zwar nicht, aber ein kurzer, einschüchternder Blick war dennoch angebracht, fand Ginny.
Um diese Generalprobe so realistisch und nah an der Aufführung wie möglich zu gestalten, gab es auch zwischen den Szenen keine Pausen, sondern es wurde, nachdem es kurz dunkel war und das Bühnenbild umgezaubert wurde, weiter gespielt. Es sollte eine Pause ungefähr in der Mitte des zweiten Akts geben, in der die Zuschauer 15 Minuten über das Gesehene sprechen konnten, kleine Snacks verkauft und Getränke gereicht werden sollten.
Jetzt war die Szene, in der auch Finn mitspielte, das kleine Mädel von Hufflepuff. ‚Auf sie passt wirklich die Bezeichnung süß.', dachte sich Ginny, als sie lächelnd zusah, wie die Kleine auf der Bühne eifrig hin- und her rannte.
Bei der Szene, die Blaise und Rosetta gemeinsam spielten, konnte Ginny ihre Eifersucht wieder kaum unterdrücken. Wieso musste er sie auch küssen? Natürlich, es war nur auf der Bühne, aber dennoch… eindeutig die blödeste Szene im ganzen Stück, befand Ginny. Zu ihrem leichten Amüsement ließ jedoch auch eins der drei Mädels ein leises „Humpf" ertonen, als Blaise Diamante küsste. Sie musste sich wirklich langsam vor Konkurrenz in Acht nehmen, oder?
Der Blaise auf der Bühne als Leonce war wirklich ein anderer, als man ihn normalerweise erlebte. Er wirkte offener, lustiger, weniger ernst, und gleichzeitig blieb die Melancholie, die man manchmal auch bei Blaise zu spüren vermeinte. Tatsächlich war Leonce ähnlicher bei dem Blaise, den Ginny in den letzten Monaten kennen gelernt hatte als bei dem Blaise, den man sonst im „normalen" Leben sah – und den er vielleicht spielte. Moment, hieß das nun, dass Blaise auf der Bühne gar nicht mehr spielte? Das war verwirrend, und Ginnys Kopf begann wieder zu schmerzen. Rasch nahm sie noch einen Schluck Kaffee…
„Baaah.". Fast hätte sie den Schluck wieder ausgespuckt. Igitt, kalter Kaffee…
„Ginny, wir sind bald dran!". Hannah unterbrach sie. Herrje, es stimmte! Bald würde ihrer beider Szene kommen, nach welcher der erste Akt zu Ende war. Rasch gingen beide zum hinteren Bühneneingang. Wieder wurde es kurz dunkel, und das Bühnenbild wurde verändert. Die Schüler mussten das wirklich oft geprobt haben, es war gar nicht so einfach, im Dunklen schnell alles in seine bestimme Form zu bringen. Nicht nur die Theatergruppe hatte in diesem Jahr einiges gelernt – besonders auch die Zusammenarbeit zwischen den Schülern beeindruckte…
Sobald sie auf der Bühne war, waren diese Gedanken wieder wie weggeblasen. Sie war nun Lena – verurteilt, jemanden zu heiraten, den sie gar nicht kannte. Sie begannen ihr Spiel, und Ginny fühlte die Verzweiflung von Lena tief mit.
„O Gott, ich könnte lieben, warum nicht?", kam sie schließlich an die Stelle. ‚Warum nicht?', schoss es ihr durch den Kopf, ‚Warum kann ich meine Liebe nicht zeigen?'. Schnell jedoch hatte sie sich wieder gefangen, und sie spielten die Szene zum Ende.
Nach dem Abgang war Ginny ein wenig betrübt. Die viele Geheimniskrämerei ging ihr wirklich auf die Nerven. Am liebsten würde sie den anderen Mädchen sagen, dass sie Blaise' Freundin war, damit diese wussten, woran sie waren – natürlich war es auch irgendwie schmeichelhaft, dass auch andere Mädchen ihn attraktiv fanden, aber ein wenig Eifersucht musste schon sein, oder?
Das Spiel ging so fort, und die Pause in der Mitte des Stückes rückte heran. Damit die Schüler, die für das Büfett verantwortlich waren, auch eine Art Generalprobe haben konnten, gab es für alle Mitwirkenden leckere Häppchen und Saft. Mit einem breiten Grinsen kam Tonks auf die Schauspielergruppe zu.
„Ich bin stolz auf euch!", rief sie ihnen zu, „das klappt wirklich gut!". Und Ginny reichte sie ein Glas mit etwas gelblich-durchsichtigem, in dem kleine Bläschen blubberten. „Hier, das hilft gegen Aufregung". Dann zwinkerte sie ihr zu und ging zu anderen Schülern, um mit ihnen letzte Feinheiten in deren Szenen zu besprechen. Zögernd trank Ginny einen Schluck. Es war wirklich Sekt! Alkohol, in der Schule? Es wurde wirklich liberaler.
Der Alkohol entspannte sie etwas. Aber wieso meinte Tonks, das sei nötig…? Dann fiel es ihr mit einem ziehen im Bauch ein: nach der Pause kam die Szene, in der Blaise und sie sich küssten. Immer noch war sie ein wenig nervös, dies vor einigen anderen Schülern zu tun. Natürlich, es war nur im Stück, aber es fühlte sich dennoch komisch an.
Die nächste Szene begann, und allzu bald kam die Szene, an der Blaise und sie alleine auf der Bühne waren.
„So lass mich dein Todesengel sein!", sprach Blaise, trat auf sie zu und nahm sie zärtlich in den Arm. Diesen Blick in seinen Augen hatte sie bisher nur gesehen, wenn sie beide allein waren. Aber es war ihr nun auch egal – es zählten sowieso nur sie beide. „Lass meine Lippen sich gleich seinen Schwingen auf deine Augen sinken." Er senkte seinen Kopf, um ihre Stirn zu küssen, doch sie bewegte sich so, dass seine Lippen direkt auf ihre trafen. Kurz versanken sie in einem tiefen Kuss, seine Hand fuhr sanft ihren Rücken entlang, und auch sie schwang ihre Arme um seinen Nacken. Dann löste er den Kuss.
Kurz war Ginny durcheinander, sie spielten die Szene zu Ende, zum Glück konnte sie bald von der Bühne rennen. Es war so wunderschön gewesen, ihn zu küssen – natürlich, es klang höchst kitschig, aber die anderen Schüler waren ihr vollkommen egal gewesen. Sie wurde rot, als sie das dachte. ‚Das klingt ja wie in einem der Romane, die meine Mutter immer liest…'
Der dritte Akt brach an, der Akt, in dem die meisten Schüler auf der Bühne waren. Es gab noch einiges Durcheinander, aber dennoch brachten sie es zu einem einigermaßen gelungenen Abschluss. Und Tonks tröstete sie danach, dass bei der Generalprobe immer einiges schief gehen muss, sonst wird es nichts mehr der Premiere – das wäre ein altes Sprichwort im Theater. So richtig glaubte Ginny nicht daran, aber nun gut. Ein wenig beruhigend klang es auf jeden Fall.
Inzwischen war es Nachmittag geworden, und die meisten Schüler verschwanden schnell, um sich mit ihren Eltern zu treffen, die an diesem Morgen einen Schlossrundgang hatten machen können oder die Lehrräume besichtigen und mit den Professoren besprechen. Am gleichen Abend sollte das Eröffnungsbüffett stattfinden und jeder musste sich noch umziehen.
Ginny blieb zurück, da Tonks mit ihr, Hannah, Justin und Blaise noch einige Details in ihrem Spiel ansprach. Zunächst hatte sie mit den jüngeren Schülern gesprochen, damit diese schneller gehen konnten. Für die 4 größten Rollen brauchte sie natürlich am längsten Zeit, und es erschien unfair, alle anderen warten zu lassen.
Mit Ginny war sie ziemlich zufrieden, auch wenn sie sie fragte, ob diese mit den Gedanken heute teilweise woanders gewesen war. Nun gut – die Frage war berechtigt. Ansonsten war Tonks der Ansicht, dass das Stück ein großer Erfolg werden würde.
Nach dem Gespräch nutzte Ginny die Möglichkeit und trödelte ein bisschen. Sie hatte sich nicht verschätzt – auch Blaise ging nicht direkt weg. Nachdem Hannah und Justin ihre goodbyes gewunken hatten, standen sie und Blaise allein in der großen Halle. Es konnte nun jederzeit Schüler mit ihren Eltern vorbeikommen… dennoch beugte sich Blaise zu ihr, nahm sie kurz in den Arm und gab ihr einen Kuss.
„Meine Eltern haben mir noch einmal gesagt, wie höflichund gut erzogen sie dich fangen. Du hast einen sehr guten Eindruck auf sie gemacht."
So viel Kompliment war Ginny beim besten Willen nicht gewohnt, und versuchte rasch abzulenken: „Die anderen Mädchen haben über dich gesprochen
„Oh, haben sie etwa Angst um dich, dass du mit mir auf der Bühne stehen musst? Der große, böse Slytherin…"
Ginny musste sich ein Lachen verkneifen. „Nein, eigentlich haben sie darüber gesprochen, dass sie dich attraktiv finden."
Das schien ihn ein wenig aus dem Konzept zu bringen. „Haben sie denn gar keine… Angst?"
„Nein, ich glaube, du musst an deinem Ruf arbeiten.", stichelte Ginny.
„Offensichtlich… diese Welt wird immer verrückter.". Kurz war es still, dann setzte er wieder an: „Bist du eifersüchtig?"
Ginny fühlte sich etwas ertappt. „Ich weiß nicht. Vielleicht. Es ist komisch, daneben zu stehen, und nicht sagen zu können: ‚Finger weg, der gehört zu mir!'" Das klang selbst in ihren Ohren ein wenig merkwürdig, aber nun war es gesagt.
Blaise blickte sie, ein wenig nachdenklich, an. „Wenn es dich stört…". Er wischte sich mit einer kurzen Bewegung eine Strähne aus der Stirn. War er etwa nervös? Kurz darauf traute Ginny ihren Ohren kaum? Hatte er den Satz gerade wirklich so beendet: „…was hält dich davon ab, ihnen genau das das nächste Mal zu sagen?"
Höchst ungünstigerweise konnte sie in diesem Moment nicht nachfragen, da einige andere Schüler mit ihren Eltern in die Halle gekommen waren.
Mit einem knappen „Tschüß, bis später", verabschiedeten sie und Blaise sich und gingen dann in entgegengesetzte Richtungen davon. Hatte er das jetzt etwa wirklich ernst gemeint?
Anmerkungen:
Es geht weiter ^^ Waaaah, das Kapitel sollte eigentlich länger werden, und noch das Eröffnungsbüffett am Abend abdecken, aber da ich mich so lange nicht gemeldet habe, dachte ich, ich lasse es mal ruhiger angehen. Das nächste Kapitel schreibe ich bald (versprochen, darauf freue ich mich schon) und stelle es dann online.
Ja, ich habe immer noch vor, diese Geschichte zu beenden. Mein Leben als Studentin hat mir dazu leider bisher nur Zeit gelassen. Ich weiß nicht, ob ich ganz zufrieden mit diesem Kapitel bin – ich muss erstmal wieder rein kommen (erschwerend kommt hinzu, dass ich auch eine Weile eher sehr wenig Deutsch gesprochen habe – Auslandssemester…). Ich habe diese Geschichte vor fast 4 Jahren begonnen – natürlich hat sich einiges verändert, ich hoffe jedoch, sie noch zu einem schönen Abschluss zu bringen!! Falls euch dieses Kapitel nicht gefällt, wartet vielleicht noch das nächste ab – vielleicht wird das ja wieder besser
Nun eine Bitte an meine allerliebsten Leser (also euch): was wünscht ihr euch noch von Bühnenreif? Erinnert ihr euch noch an eure liebsten Handlungsstränge? Ich habe, nachdem ich die Geschichte noch einmal gelesen habe, alles, was noch offen ist, heraus gefischt, und werde das nun in den folgenden Kapiteln klären – aber vielleicht habe ich etwas übersehen, daher würde ich mir wünschen, dass, wenn euch etwas einfällt, es mir einfach zu sagen!
Bitte schreibt mir, wie es euch gefällt!!
