Disclaimer: Das Harry-Potter-Universum ist geistiges Eigentum von J.. Mit dieser Geschichte wird kein Geld verdient. Das Stück „Leonce und Lena", die Handlung, der Inhalt, Personen, Handlungsorte, Ideen, Worte, usw. usf gehört Georg Büchner.

Kapitel 40 – Die Eröffnung

Inzwischen war Nachmittag. Die Generalprobe hatte einiges an Zeit erfordert. Es war ein komisches Gefühl, dass dies die letzte Probe gewesen sein sollte – in 2 Tagen war die Premiere des Stückes, vor der gesamten Schule und vielen Eltern! Bei dem Gedanken hatte Ginny ein leichtes Ziehen im Bauch. Oh, wobei – streich das, es war eher ein starkes Ziehen!

Zum Glück gab es heute viel, um sie ein wenig abzulenken. Zum Beispiel die Ankunft ihrer Eltern. Sie wollten, gemeinsam mit ihren älteren Brüdern später anreisen. Percy kam noch nicht mit. Er hatte angekündigt, zu viel zu tun zu haben, jedoch gesagt, er werde sich am Mittwochabend frei nehmen – „Ich werde es zumindest versuchen, auf Grund meiner verantwortungsvollen Position kann ich jedoch nicht versprechen, dass ich abkömmlich sein werde.".

Ginny freute sich besonders auf Bill und Charlie. Sie hatte die beiden ältesten Brüder seit einiger Zeit nicht mehr gesehen und konnte es kaum erwarten, wieder etwas Zeit mit ihnen zu verbringen. Natürlich musste sie auch zugeben: als Nesthäkchen und zudem einziges Mädchen der Familie wurde sie von den beiden auch regelmäßig ein wenig verwöhnt. Anders als die jüngeren Brüder hatten sie sie eher selten geärgert, sondern eher beschützt.

Beschützt. Apropos. Moment, was wäre, wenn ihre älteren Brüder nun entdecken würden, dass sie einen Freund hatte…? Und noch dazu: einen Slytherin? Die waren schließlich, im Allgemeinen, nicht gerade für ihre Umgänglichkeit bekannt… Ron hatte die Tatsache ja schon mehr oder minder verdaut (auch wenn Ginny von Zeit zu Zeit etwas Angst um Blaise hatte – sie war sich nicht sicher, ob Rons Drohung, „Zabini die Eier abzureißen, falls er dir auch nur irgendwie weh tut, oder nur daran denkt, dir weh zu tun, oder jemanden kennt, der daran denkt, dass er dir weh tut" nicht doch sehr ernst gemeint war), aber der hatte auch Hermine als Beschwichtigerin, und Harry noch obendrein.

Warum war das nur alles so kompliziert?

Apropos kompliziert… hey, Moment, diese ständigen Gedankensprünge wurden allmählich etwas lästig. Sie war wirklich sehr aufgeregt. Oder hatte sie etwa ihre Tage, Hormone und so? Nein, egal. Jedenfalls, kompliziert. Also, Blaise. Nun, nicht das Blaise generell kompliziert war (und manchmal sogar höchst unkompliziert. Wenn sie zusammen kuschelten, zum Beispiel, dann war er einer der liebsten Menschen der Welt. Und sexy. Oh Blaise… die letzte Zeit, die sie gemeinsam verbrachten, war schon viel zu lange her…). Ah, jedenfalls. Was zum Teufel hatte er mit seiner Aussage gemeint?! Als sie meinte, sie würde den Mädels gerne sagen, dass er, Blaise, zu ihr gehören würde, hatte er geantwortet: „Wenn es dich stört… was hält dich davon ab, ihnen genau das das nächste Mal zu sagen?" Hieß das jetzt, er wollte, dass sie es öffentlich machte? Oder hatte er zumindest nichts dagegen? Hmm. Ach, verdammter Slytherin! Eigentlich hatte er nur eine Frage gestellt. Was sie davon abhalten würde. Und sie, typisch Frau, hatte gleich Schlussfolgerungen gehabt. Aber wenn man genau darüber nachdachte… Ginny seufzte. Was sie davon abhielt, es öffentlich zu machen? Dass sie nicht wusste, wie er darüber dachte! Und er hatte leider eigentlich nichts Konkretes gesagt...

Offenbar hatte sie seinen Eltern gut gefallen, das hatte er ihr gesagt. Aber solange sie sich nicht sicher war, wie er dachte, wollte sie es nicht jedem erzählen.

Obwohl, vielleicht die ein oder andere Andeutung gegenüber Marie – damit diese sich vielleicht auch einen in ihrem Alter suchen konnte! Sie war schließlich erst 15, und hatte das Mädel denn noch nie etwas von der „Altersregel" gehört? Gemeinsam mit einem Mädchen aus ihrem Schlafsaal hatte Ginny das einmal in einer Zeitschrift, der „Young Witch Weekly" entdeckt. Also, um das niedrigste Alter, welches ein Mädchen haben kann, mit dem ein Junge ausgeht, zu ermitteln, rechnet man: man nehme das Alter des Jungen, teile es durch 2, und addiere anschließend 7. Wenn das Mädchen dann jünger ist, dann passt das auch beziehungsmäßig nicht. Für Blaise hieß das also: er war 18, geteilt durch 2 macht 9, und dazu 7 addiert: 16! Und Marie war 15, also zu jung. …Natürlich muss man daran nicht glauben (und vielleicht war es ein großer Schmarrn), aber irgendwie fand Ginny es gut, auch ein logisches und rationales (ja, genau, logisch und rational!) Argument zu haben, warum Marie nicht zu Blaise passte. Und sie viel besser. Hmpf.

Vielleicht sollte sie immerhin mit ihren Eltern und Brüdern über ihre Beziehung zu Blaise reden. Sie wollte gar nicht wissen, was ihre Mutter sonst für einen Aufstand machen würde, wenn sie von einer anderen Quelle als Ginny selbst erfahren würde, dass diesen einen Freund hat…

Oh nein, ihre Eltern! Wie spät war es eigentlich? Sie hatte mit ihnen verabredet, sich um 5 Uhr in der Eingangshalle zu treffen. Um 6 würde dann der Einlass für das Eröffnungsbüffett sein. Bevor sie sich allerdings mit ihren Eltern und Brüdern traf, musste sie sich dafür noch umziehen, die Haare machen… und sie war noch nicht einmal geduscht nach der Generalprobe! Tonks hatte leider Recht gehabt, man schwitzte wirklich sehr viel auf der Bühne, und daher wäre es wohl angebracht…

„Aaaah! Schon kurz vor 4 Uhr!". Timer-Management war wirklich nicht ihre Stärke…

Nach einer raschen Dusche stand Ginny ein wenig ratlos vor dem Kleiderschrank. Da es ein festlicher Anlass war, war den Schülern erlaubt, eine andere als die normale Schulkleidung zu tragen. Sie wollte nicht schon wieder das Kleid vom Weihnachtsball anziehen – mit diesem war sie bereits mit Blaise und seinen Eltern essen gewesen, und was, wenn sie dessen Eltern heute erneut sah? Sie sollten nicht denken, dass Ginny nur dieses eine Kleid hatte, wenngleich es, zugegebenermaßen, ihr hübschestes war. Dennoch, heute fiel es aus. Grübelnd stand sie eine Weile da, probierte das ein oder andere an und entschied sich schließlich für einen luftigen, dunkelblauen Sommerrock mit dezentem Blütenmuster und einem passenden T-Shirt. Es war schließlich relativ warmes Wetter, und mit diesen Sachen und ihren Riemchensandalen sah sie wirklich passend gekleidet (so hoffte sie zumindest) und gut aus.

Mit Schrecken fiel Ginny der Abschlussball am Donnerstag ein – davor würde sie dringend shoppen gehen müssen!

Heute jedoch hatte sie erst einmal andere Probleme – der Blick auf die Uhr bestätigte ihr, dass nur noch wenig Zeit für ein dezentes Make-up war. Ihre Haare ließ sie, der Einfachheit halber (und weil die Zeit drängte), offen über ihre Schultern fallen. Ein letzter Blick in den Spiegel, dann ging sie rasch in die Eingangshalle – zu ihrer Familie.

Ihre Eltern, Bill, Charlie und die Zwillinge warteten bereits auf sie. Glücklich fielen sich alle in die Arme und sie wurde mit der typisch Weasly'schen Herzlichkeit begrüßt. Alle fragten durcheinander nach den verschiedensten Sachen, wie das Schuljahr gewesen war, wie die Abschlussprüfungen, was alles für die Festwoche geplant war, und natürlich wollte auch Ginny alle Neuigkeiten von ihren Brüdern und Eltern wissen. Bald stieß auch noch Hermine zu ihnen. Sie hatte den Tag damit verbracht, Gäste im Schloss herum zu führen, wie es ihre Aufgabe war. Ron war gerade beschäftigt mit den letzten Vorbereitungen für das Büfett, und auch Harry half beim Aufbau. Tatsächlich hatte jeder Schüler seine Aufgabe, und bis auf einiges Murren, dass man ab und an von den Slytherins hörte, schien auch jeder sie gut zu erfüllen, so sah es zumindest bis jetzt aus. Natürlich – niemand wollte sich vor den eigenen Eltern blamieren.

Die Weasleys und Hermine setzten sich auf die Ländereien um noch ein wenig das gute Wetter genießen zu können. Glücklich saß Ginny im Kreise ihrer Familie. Wie hatte sie das doch vermisst! Natürlich war es schön, in Hogwarts zu wohnen – aber Familie blieb nun einmal Familie.

Die Stunde bis zur Öffnung der Großen Halle und damit des Eröffnungsbüffetts verging schnell und schon war es Zeit, wieder hinein zu gehen. In der Eingangshalle waren inzwischen sehr viele Eltern mit ihren Sprösslingen, fast alle lächelten, lachten und machten einen entspannten Eindruck. Ginny freute sich. Die Festwoche schien ein voller Erfolg zu werden.

„Wo sind eigentlich deine Eltern?", fragte Ginny Hermine.

„Sie haben leider nicht die ganze Woche Zeit, da sie in der Zahnarztpraxis arbeiten müssen. Außerdem ist die Anreise sehr lang. Und sie sind Muggel… sie werden übermorgen kommen, genauso wie viele andere Muggel-Eltern. Sie konnten sich aussuchen ob morgen oder übermorgen, zum musikalischen Abend oder zum Theaterstück."

Also war es an 2 Abenden auch Muggeleltern möglich, an dem Fest teilzunehmen. Dumbledore hatte sich wirklich alle Mühe gegeben!

Die Eingangstür in die große Halle öffnete sich und alle strömten hinein. Die Halle war anders eingerichtet als sonst: überall standen kleinere, runde Tische. An 2 gegenüberliegenden Wänden war ein langes Büfett aufgebaut, von dem es schon wunderbar duftete. Irgendwie schien es insgesamt viel größer als sonst – was es wahrscheinlich auch war, magisch vergrößert um die viel größere Menge an Menschen zu fassen.

Die Weasleys und Hermine suchten sich 2 Tische nebeneinander in der Nähe des Essens, welche sie ein wenig zusammenrückten. Nun kamen auch Ron und Harry wieder hinzu. Sie sahen etwas geschafft, aber zufrieden aus. Ron wirkte sogar etwas stolz und sagte allen, sie müssten nachher unbedingt den Entenbraten probieren, welchen er gekocht hatte. Zum Glück fing Ginny Freds und Georges schelmische Blicke auf und schüttelte dezent den Kopf, um ihnen zu bedeuten, wenigstens heute Abend den Familienfrieden zu wahren und nicht geraden den Entenbraten in die Luft zu sprengen. Als kurz darauf eine Bowle in die Luft ging wusste sie, dass es immerhin ein wenig geholfen hatte.

Nachdem alle ihren Platz gefunden hatten, stand Dumbledore auf um die Eröffnungsrede zu halten.

„Meine lieben Gäste, Ehemalige, Eltern, große Geschwister, kleine Geschwister, liebe Lehrer, und natürlich besonders, liebe Schüler! Ich kann euch nicht sagen, wie stolz ich heute darauf bin, Schulleiter dieser Schule zu werden. Unsere Schüler haben im Laufe dieses Jahres ganz erstaunliches geleistet, um uns nun dies bieten zu können: eine ganze Woche, in welcher wir zusammen sein, feiern und glücklich sein können. Wir hatten nicht immer die leichteste Zeit in der Vergangenheit – lasst uns nun umso mehr die Gegenwart genießen. Ich hoffe, für jeden ist in dieser Woche etwas dabei, welches ihm große Freude bereitet: Kultur morgen und übermorgen mit einem musikalischen Abend und einem Theaterstück, auf welche ich mich ganz besonders freue, ein Tanzabend am Donnerstag, und wem das alles nicht gefällt, der wird hoffentlich immerhin heute mit dem Essen glücklich sein. Der Dank für dies alles gilt unseren Schülern. Ich denke, es liegt eine großartige Zukunft vor uns! Und nun, lassen wir uns nicht mehr länger von den Worten eines alten Narren aufhalten, sondern: Haut rein!"

Es erhob sich ein tosender Applaus, die Zwillinge pfiffen und viele fingen an, aufgeregt mit den Tischnachbarn zu reden und zu diskutieren, welches das Highlight der kommenden Woche war. Dann schlichen auch schon die ersten, noch etwas zögerlich, zum Büfett, und nachdem das Eis erst einmal gebrochen war gab es bald lange Schlangen an beiden Seiten.

Als sie neben ihrer Mutter in der Schlange stand und beide das Treiben betrachteten, kicherte Mutter Weasley ein wenig vor sich hin. „Man kann doch sagen, was man will – aber ehemalige Internatskinder erkennt man sofort. Den Futterneid und die Angst, kein gutes Essen mehr zu bekommen, legen sie auch im Erwachsenenalter noch nicht ab."

Auch Ginny musste ein wenig kichern. Besonders ihre großen Brüder waren hierfür ein hervorragendes Beispiel – sie häuften sich von allem so viel auf die Teller, als ob es kein Morgen gäbe.

Schließlich saß die ganze Familie an den Tischen und plauderte über dies und das. Ginny saß gemeinsam mit ihren Eltern, Bill und Charlie an einem Tisch, während die Zwillinge und das goldene Trio sich den anderen Tisch teilten.

„Ginny, wie ist das eigentlich", meinte ihre Mutter irgendwann, „du hattest doch in einem Brief von einem netten, jungen Mann in der Theatergruppe erzählt. Wie geht es dem denn, kennen wir ihn?"

Schlagartig wandten sich alle Blicke Ginny zu und ihre Familienmitglieder sahen sie neugierig an. Ginny errötete dezent. Ihre Mutter hatte dieses Leuchten in die Augen, ihr Vater sah ziemlich bestürzt aus (offenbar hatte er noch nicht ganz verarbeitet, dass seine Jüngste nun erwachsen wurde), Bill wirkte milde neugierig und Charlie sah relativ amüsiert drein.

„Ja, also, ganz gut… Bill, wie geht es eigentlich Fleur? Und dem Baby?"

Sofort stürzte sich ihre Mutter auf dieses neue Thema – zu Ginnys Glück. Die Erwähnung von Bills Kind, dem Lieblingsthema ihrer Mutter, ließ immer schnell alles andere verstummen.

Fleur und ihr Kind, so stellte sich heraus, war zu Hause geblieben, da sie noch keine lange Reise zumuten wollte. Ginny nutzte die Gunst der Stunde, um wieder an das Büfett zu verschwinden und sich noch einen Nachtisch zu holen. Wer weiß, sonst würden sie vielleicht wieder anfangen… und sie war sich noch nicht allzu sicher, was sie darauf antworten wollte und konnte.

Als sie sich gerade ein wenig von dem Obstsalat auftat, bemerkte sie eine andere Person hinter sich. Sie drehte sich um und blickte in die ruhigen Augen von Madame Zabini.

„Guten Abend, Miss Ginevra." Blaise' Mutter nickte ihr freundlich zu und hatte sogar ein dezentes Lächeln auf den Lippen.

„Bonsoir, Madame Zabini.". Wow, sie hatte sich zum Glück sogar an die französische Grußform für „Guten Abend" erinnert. Zumindest hoffte sie, dass das so stimmte. Frau Zabini nickte ihr erneut zu und verschwand dann Richtung Salatbar.

Kurz stand Ginny verwirrt da – seine Eltern in einem schicken Restaurant zu treffen, wenn sie alleine waren, war eine Sache. Sie jedoch in Hogwarts wieder zu treffen war eine ganz andere. Ob jemand den kurzen Austausch bemerkt hatte?

„Wer war denn das?", ertönte in dem Moment eine neugierige Stimme hinter ihr. Damit wäre die Frage ja dann wohl beantwortet – Charlie hatte sie gesehen. Konnte man denn in einer Großfamilie nie einmal seine Ruhe haben?

„Also, hmm, das war nur die Mutter eines Mitschülers."

„Und woher kennt ihr euch?"

„Nun…"

„Hat sie etwa etwas mit dem geheimnisvollen netten, jungen Mann aus der Theatergruppe zu tun?"

„Schhh, nicht so laut!". Leichte Panik stieg in ihr auf. Das musste jetzt wirklich noch nicht jeder mitbekommen. „Wenn du es wissen willst, können wir nachher nach dem Dessert einen Spaziergang machen, ok?"

Gesagt, getan. Die beiden verabschiedeten sich nach dem Dessert nach draußen, um „frische Luft zu schnappen". Mutter Weasley ließ sie gerne gehen, sie hatte eine ehemalige Schulkameradin gefunden und war in ein angeregtes Gespräch vertieft, während dessen beide ab und an mädchenhaft kicherten. Fast ein wenig gruselig. Auch ihr Vater und die anderen Brüder waren beschäftigt.

„Also, was hat es mit dieser Geheimnistuerei auf sich? Wer war diese Frau?", wollte Charlie wissen, sobald sie draußen waren und einen ruhigen Weg, weitab von all dem Trubel, gefunden hatten.

„Das ist eine etwas längere Geschichte. Das eben… war Frau Zabini."

„Zabini? Das habe ich schon einmal irgendwie gehört…"

„Ja, das ist eine französische Zaubererfamilie."

„Und sie haben einen Sohn?", fragte Charlie neugierig.

„Ja, also – hey, ist das so offensichtlich?"

Charlie musste lachen. „Ehrlich? Ja, ist es. Normalerweise meine ich mich erinnern zu können, dass du eine relativ große Klappe hast, mein Schwesterlein. Da diese gerade irgendwie verschwunden ist, muss etwas Außergewöhnliches passiert sein."

Ginny musste grinsen. War sie wirklich derart einfach? „Ja, und jedenfalls… also, der Sohn heißt Blaise, und wir haben uns beim Theater kennen gelernt, und seit einigen Monaten gehen wir miteinander aus, also, jedenfalls wir treffen uns, und ich mag ihn sehr, und gestern Abend hat er mich mitgenommen und wir haben seine Eltern getroffen und sind essen gegangen, und, nun, ich mag ihn."

Charlie musste ein wenig lachen. „Ja, offenbar, das hast du nämlich sogar 2mal gesagt."

Auch Ginny fing an ein wenig zu lachen. Typisch Teenager und ihre Hormone…

„Ich verstehe jedoch nicht ganz, wo das Problem ist?" fuhr Charlie in dem Moment fort.

Ok, nun der schwierige Teil. Sie würde es einfach sanft und dezent einführen, geschickte Andeutungen, clever gewählte Worte… „Er ist ein Slytherin!" platzte es da plötzlich aus ihr heraus. Na super. Geschickt.

Charlie jedoch schien davon überhaupt nicht beeindruckt zu sein. „Und?"

„Findest du das etwa nicht schlimm?", fragte Ginny erstaunt.

„Nein, offenbar macht er dich glücklich. Und außerdem: ich arbeite mit Drachen. Glaube mir, wenn man einmal einen Norwegischen Stachelbuckel erlebt hat, wie er seine Eier verteidigt, dann findet man Slytherins rückblickend betrachtet doch ganz nett."

Beide lachten. Dann legte Charlie einen Arm um seine Schwester und drückte sie ein wenig. „Mach dir nicht so viele Sorgen. Uns ist doch allen nur wichtig, dass es dir gut geht. Falls er dich allerdings schlecht behandelt, oder, nur daran denkt, dich schlecht zu behandeln…"

„Dann reißt du ihm die Eier aus, schon klar."

„Ich sehe, offenbar hast du schon mit Ron gesprochen." Charlie zwinkerte ihr zu.

Auf dem Weg zurück ins Schloss kam Ginny nicht umhin, sich ein paar Gedanken um ihren Freund zu machen. Sie hoffte nur, dass nie wirklich etwas Schlechtes zwischen ihnen beiden passierte – das würde der arme Kerl bei ihren 6 älteren Brüdern kaum überleben…

„Ich werde es Mum und Dad morgen sagen, denke ich." meinte sie, kurz bevor beide wieder ins Schloss gingen. Ja, das war wohl eine gute Idee.

Das Büfett war inzwischen fast alle, die Gespräche auch langsam verstummt und Aufbruchstimmung machte sich breit. Die Familie Weasley würde bei einer Tante in Hogsmead schlafen. Sie verabschiedeten sich von den jüngeren, welche noch in Hogwarts blieben, und versprachen, am nächsten Tag kurz nach dem Mittagessen wieder im Schloss zu sein um gemeinsam den Nachmittag zu verbringen.

In ihrem Zimmer angekommen war Ginny noch zu aufgeregt von den Ereignissen des Tages, um sofort in ihr Bett zu gehen. Da sah sie auf ihrem Nachttisch das Stück Pergament, welches sie verzaubert hatte, damit Blaise und sie sich Nachrichten hin- und her schreiben konnten. Sie hatten es meist benutzt, um gemeinsame Treffen auszumachen. Vielleicht war er ja noch wach?

Schläfst du schon?'

schreib sie dann auch bald und wartete gespannt auf eine Antwort. Die ließ nicht lange auf sich warten.

Ja.'

Äh, wie bitte? Sie wusste nicht, ob sie darüber lachen oder weinen sollte – der Kerl wurde immer frecher. Sie entschied sich, zurück zu schreiben.

Wie schade. Dann gehe ich jetzt auch ins Bett und kann dich gar nicht mehr fragen, ob du morgen Zeit für ein kurzes Treffen hättest. Wirklich schade.'

Schmunzelnd wartete sie auf eine Antwort. Sie erschien kurz darauf in dunkelgrüner Tinte:

Zu schade. Wie praktisch allerdings, dass man, wenn man früh ins Bett geht, auch früh aufstehen kann – und somit den Vormittag im Raum der Wünsche verbringen könnte.'

Rasch kritzelte sie zurück:

Ist das etwa eine Einladung?'

Die Antwort kam prompt:

Nein.'

Wa…? Was sollte das denn jetzt? Doch da erschienen auch schon die nächsten Worte von Blaise auf dem Pergament:

Dies hier ist jetzt eine Einladung: hättest du morgen Zeit, um 10 am Raum der Wünsche?'

Lächelnd antwortete sie direkt.

Ja, gerne. Ich freue mich darauf.'

Gut. Bis morgen früh dann – meine Süße.'

Moment. Er hatte sie schon wieder damit angeredet? Sie war 17, jedenfalls zu alt um „süß" zu sein! Na warte…

Schlaf gut, meine Schweineschwarte.'

Ha, zum Glück hatte sie sich noch an Tonks' Bemerkung von der heutigen Probe erinnert.

Hmm. Dennoch. Irgendetwas sollten sie mal machen, mit diesen Spitznamen. So konnte es jedenfalls nicht weitergehen – denn, ehrlich gesagt, Schweineschwarte war dann doch nicht allzu romantisch. Beim besten Willen, man konnte es nicht schön reden.

Lächelnd schlief sie an diesem Abend ein. Es war Sommer, es war Festwoche, und der Tag würde morgens mit Blaise beginnen – konnte es noch besser werden? Es war wirklich perfekt – bis auf die Tatsache, dass sie ihren Eltern nach dem Mittagessen sagen wollte, dass sie mit einem Slytherin zusammen war. Ups.

Bemerkungen:

Wow. Ich bin erstaunt von meiner eigenen Motivation ^^ Hier also Kapitel 40. Wie gefällt es? Ich bin sooo froh, dass es noch Leser gibt! Jedes Review erhellt meinen Tag :)

Übrigens, es hatten (früher, früher) immer mal einige Leser gefragt, ob ich mal aus Blaise' Sicht schreiben könnte. Nicht in dieser Geschichte – aber es wird eine Szene geben, die wird nach dem letzten Kapitel (also, das, was ich als letztes Kapitel plane) und vor dem Epilog (also, das was ich als Epilog plane) spielen, wahrscheinlich als Oneshot, und das ist dann Blaise' Sicht. Aber darauf müsst ihr noch eine Weile warten – erst wird Bühnenreif beendet.

Die „Formel" (Alter:2)+7 habe ich übrigens aus einem Internetcomic :D Es ist von: xkcd. Ich fand es lustig und wollte es mal mit rein bringen.

So, nächstes Kapitel wird jedenfalls mal wieder mehr Blaise. Hihihi. Hihihihihi. *freu