Disclaimer: Das Harry-Potter-Universum ist geistiges Eigentum von J.. Mit dieser Geschichte wird kein Geld verdient. Das Stück „Leonce und Lena", die Handlung, der Inhalt, Personen, Handlungsorte, Ideen, Worte, usw. usf gehört Georg Büchner.
Kapitel 41 – Let's talk about...
Pünktlich um 10 am nächsten Morgen stand Ginny frisch geduscht und mit gewaschenen Haaren in dem Gang im fünften Stock, in welchem der Raum der Wünsche war.
Die meisten Schüler verbrachten den Vormittag mit ihren Eltern, zeigten ihnen die Schule, bereiteten sich auf den Abend vor oder waren mit der Arbeit in die verschiedenen Arbeitsgemeinschaften eingespannt. Die Eltern hatten zudem Informationsveranstaltungen und konnten den Lehrern Fragen stellen oder Neues über die Fortschritte ihrer Kinder erfahren.
So kam es, dass niemand sie sah, als sie dreimal hin- und her ging und fest an einen Ort dachte, an dem sie mit Blaise eine ungestörte Stunde verbringen konnte. Die Tür erschien, und schnell schlüpfte sie hinein.
Der Raum war heute, zur Sommerzeit passend, wie ein modernes Wohnzimmer in frischen Farben und mit großen Fenstern eingerichtet. Tatsächlich konnte Ginny sogar einen Balkon vor den Fenstern ausmachen. Blaise war bereits da – er saß auf dem beige-farbenen Sofa und las in einem Buch.
"Hallo.", lächelnd setzte sie sich neben ihn. Er sah sofort auf, legte das Buch weg und zog sie in eine Umarmung. Ach, wie hatte sie es vermisst, von ihm geküsst zu werden – ohne die Angst dass jemand anders ihnen zu sah. Sie versanken in einem Kuss und lösten sich erst nach einer Weile wieder. Immer noch saßen sie eng beieinander. Ginny kuschelte sich in seine Arme und war einfach nur glücklich, bei ihm zu sein.
Ihr Blick fiel auf das Buch, welches Blaise gewesen hatte. Es war "Leonce und Lena".
"Du kannst wohl nie Pause machen, hmm?", zog sie ihren Freund auf.
"Ich möchte gut vorbereitet sein.", gab dieser zurück.
Ginnz lachte: "Du meinst wohl, du bist nervös."
"Nein, wieso sollte ich?"
"Ach so, ich vergas: große, böse Slytherins haben vor nichts Angst."
"Richtig. Für eine Gryffindor bist du erstaunlich schnell von Begriff."
"Hey! Na warte." Zum Glück gab es auf einem Sofa auch immer Kissen, und die passten, Ginnys Meinung nach, ganz wunderbar in Blaise' Gesicht. Vielleicht brachte das ja seinen großen Mund zum Schweigen... nur, leider kam sie jetzt auch nicht mehr an seinen Mund ran...
"Wa... hmmmmmmbllllhmpf." Noch bevor sie eine Entscheidung treffen konnte, hatte auch Blaise sich schon ein Kissen geschnappt und es nun seinerseits in ihr Gesicht gedrückt. Schnell ergab sich hieraus eine Kissenschlacht. Dummerweise war Blaise stärker als sie, sodass ihr schließlich nur eines übrig blieb: eine Kitzelattacke.
Laut lachend und ohne sich zu wehren zu können lag er daraufhin unter ihr. Großer, böser Slytherin, pah! Nur – das änderte auch nichts daran, dass er stärker war und sich leider allzu bald dagegen wehrte. Schade, ihre Konzentration hatte nachgelassen, und das nutzte er sofort und ging zum Gegenangriff über. Ginny musste lachen und...
Plumps! Verdatterte schaute das Mädchen sich um. Was war...? Blaise lachte laut auf.
"Oh, dieses blöde Sofa! Das ist aber auch viel zu schmal gebaut..." Sie war tatsächlich herunter gefallen. Blaise grinste immer noch, und auch sie konnte ein Kichern nicht mehr unterdrücken. Das Leben war wirklich kein Kitsch-Roman, oder? Da passierte so etwas nie!
"Hey, du Gentleman,", wandte sie sich schließlich an Blaise, "du könntest mir aber echt mal wieder rauf helfen!"
"Aber natürlich,", sagte er und reicht ihr seine Hand, "wenngleich es ein wenig schade ist, es ist zu süß, wie du da liegst..."
Er hatte es schon wieder gesagt... aber ihr kurzer Ärger darüber war rasch verflogen, als sie ihre Hand in die seine legte und er sie, überraschend stark, wieder herauf zog. Von diesem Schwung ein wenig überrascht landete sie halb auf seinem Brustkorb.
Ihr Lippen waren nur wenige Zentimeter voneinander entfernt. Sie merkte, wie sich sein Atem leicht beschleunigte. Und nicht nur das – war da nicht auch eine Bewegung an ihrem Oberschenkel gewesen? Sie musste grinsen. "Na, findest du es immer noch schade?"
Er hatte den Anstand, zumindest leicht ertappt auszusehen. Dann jedoch wurde sein Ausdruck etwas ernster. Er sah ihr direkt in die Augen, so intensiv, dass es sie fast ein wenig erschreckte.
"Findest du es denn schade, hier zu sein?"
Sie war überrascht. "Nein, aber das weißt du doch! Ich verbringe sehr gerne Zeit mit dir."
Sie merkte, dass er überlegte, was er nun sagen sollte. Typisch Kerl – über ihre Gefühle reden, konnten sie alle nicht wirklich. Schließlich jedoch sagte er:
"Du musst wissen, es war mir wirklich wichtig, dass du meine Eltern kennen lernst."
Ginny wartete. Schon diese Aussage hatte sie ein wenig überrascht, aber sie wusste, dass war nicht alles, was er ihr sagen wollte. Tatsächlich sprach er nun weiter.
"Ich hoffe wirklich, dass wir auch, nachdem ich die Schule nun verlasse, noch... in Kontakt bleiben werden.", endete er, etwas lahm.
"Ja, das hoffe ich auch.". Sie konnte nicht anders, sie musste lächeln. Die romantischste Liebeserklärung war dies nicht gerade, aber sie wusste, was sie an ihm hatte und wie er es meinte. Sie beugte sich vor und sie versanken erneut in einem Kuss.
Sie spürte wie er seine Arme auf ihren Rücken legte und langsam und sanft auf und ab strich. Schließlich zog er sie noch näher an sich heran und drehte sich, sodass sie schließlich unter ihm lag. Er löste den Kuss. Bevor sie jedoch protestieren konnte, spürte sie, wie seine leicht gelockten Haare sie an der Nase kitzelten, und kurz darauf seine Lippen an ihrem Hals. Gleichzeitig wanderte seine Hand langsam ihre Hüfte hinauf und schob sich vorsichtig unter ihr T-Shirt, streichelte sanft die linke Seite ihres Bauchs.
Sie vergrub ihre Hände in seinen Haaren, liebkosten seinen Nacken, die empfindliche Stelle hinter dem Ohr, während er mit seinem Kopf immer tiefer wanderte, dabei jeden Zentimeter ihres Halses küsste und schließlich beim Schlüsselbein ankam. Ginny entfuhr ein leises Seufzen. Dieses schien er als Bestätigung zu nehmen. Während er ihr T-Shirt weiter hoch schob, sah er ihr in die Augen. Sie beeilte sich, zu nicken, und fing gleichzeitig an, an seinem T-Shirt zu ziehen. Sie konnte es kaum erwarten, wieder seine Haut auf der ihren zu spüren.
Sein Anblick erstaunte sie immer wieder. Eigentlich konnte sie es immer noch nicht fassen, dass dieser gutaussehende junge Mann wirklich ihr Freund war. Sie wurde nie müde, mit seinen Haaren zu spielen, oder fasziniert die leichte Gänsehaut zu beobachten, welche sich auf seinen Armen zeigte, wenn sie an seinem gut gebauten Bauch hinunter strich...
Er trug eine kurze Hose, deren Knopf sie rasch geöffnet hatte und nun nach unten zog. Sie selbst trug nur einen Wickelrock, dessen Knoten Blaise nun löste. Langsam entledigte sie sich des Stückes Stoff.
Seine Küsse führten ihn ihre Seite entlang, zu ihrem Bauchnabel. "Meine Ginny", murmelte er, "wenn du wüsstest, wie gern ich dich habe..."
Ihn derart nah bei sich zu spüren, brachte sie beinahe um den Verstand. Sie wollte noch näher bei ihm sein, ihn vollkommen bei sich haben...
Ihre Hand landete auf seinem Po, strich dort sanft entlang, bewegte sich um seinen Oberschenkel herum, entlockte auch ihm ein kurzes Aufkeuchen.
Seine Hand wanderte ihren Oberschenkel hinab, fuhr auf die Innenseite und wanderte wieder hinauf. Kurz stoppte sie in ihren eigenen Bewegungen – er ließ sie alles um sich herum vergessen, seine Finger liebkosten ihre sonst unter Röcken und Hosen versteckten Stellen. Schnell zog sie ihn wieder in einen atemlosen Kuss, drückte sich an ihn...
Drrrriiiiiiiing! Drrriiiiiing!
"Was?!" Ginny zuckte so sehr zusammen, dass sie aus Versehen mit ihrem Kopf an den von Blaise stieß.
"Au. Nicht so stürmisch."
"Haha, sagst ausgerechnet du.", bemerkte Ginny trocken. "Was ist das?"
"Das ist der Alarm. Ich wollte mich an diesem Nachmittag mit meinen Eltern treffen."
"Oh, shit! Das wollte ich auch.", aufgeschreckt sah Ginny auf. Sie hatte es wirklich vollkommen vergessen! "Wie spät ist es?"
"Halb eins. Meine Eltern kommen in einer Stunde", antwortete Blaise.
"Und meine Eltern wollten etwa um eins da sein!"
Rasch stand sie auf und zog sich ihre Kleider wieder an. Der Blick auf ihren Freund, der immer noch da saß und ihr beim anziehen zusah, half ihr nicht gerade in ihrer Entscheidung, sich zu beeilen. Sie musste seufzen – diesmal jedoch aus Enttäuschung. Blaise bemerkte das. Er lachte leise, breitete dann seine Arme aus und sagte: "Komm her."
Sie war inzwischen angezogen, und ging zu ihm. Er zog sie auf seinen Schoss.
"Ich finde auch, der Wecker war ein wenig... schade." Sie musste lachen, auch wenn sie ein wenig errötete. Er fuhr fort: "Aber vielleicht hast du im Sommer ein wenig Zeit, und wir könnten uns treffen?"
"Oh Blaise, natürlich, das wäre wunderbar!" Ups. So ein Ausbruch! Aber sie freute sich nun einmal so sehr. Hoffentlich hatte sie ihn mit dieser Antwort nicht überrumpelt. Rasch drückte sie ihm einen kurzen Kuss auf die Wange. Er grinste und setzte hinzu:
"Meine Eltern meinten, du könntest uns auf unserem Anwesen besuchen – vorausgesetzt, du möchtest das."
Diesmal konnte sie nicht an sich halten und fiel ihm um den Hals. "Aber sicher möchte ich, was denkst du denn? Denkst du etwa, ich möchte den ganzen Sommer ohne dich sein?"
"Und ich nicht ohne dich.", murmelte er. Aber gleich darauf, wie, als ob es ihm peinlich gewesen wäre, sagte er, etwas lauter: "So, nun solltest du aber wirklich gehen, sonst müssen deine Eltern auf dich warten."
Ein rascher Blick auf die Uhr, und Ginny fuhr hoch: es war bereits 10 vor 1! Ein kurzer Kuss, dann rannte sie aus dem Raum. Und immer noch so viele Treppen bis zur Eingangshalle, wo ihre Eltern auf sie warten würden...
Als sie den Gang entlang rannte, fiel es ihr ein. Mist, sie hatte ihn gar nicht gefragt, wie er diesen Kommentar am vorigen Tag nun gemeint hatte, von wegen anderen Schülern von ihrer Beziehung erzählen. Wenn sie bei ihm war, vergas sie einfach zu oft alles andere... wobei das, wie sie mit Gedanken an die letzte Stunde befand, auch nicht allzu schlecht war.
Ups, nun sollte sie aber wirklich aufhören zu träumen und rennen!
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"Hallo Mum, hallo Dad!" Leicht atemlos erreichte Ginny die Halle. Ihre Eltern standen bereits dort, gemeinsam mit ihren älteren Brüdern. Harry, Ron und Hermine waren beschäftigt. Fred und Goerge waren durchaus glücklich, wieder einmal in Hogwarts zu sein, sprachen von "der guten alten Zeit" und schienen zu so viel Schabernack aufgelegt zu sein, dass es tatsächlich nur schwer zu glauben war, dass sie keine Schüler mehr waren, sondern vernünftige Erwachsene und eigentlich somit auch eine Vorbildfunktion inne hatten. Man konnte sich wirklich nur wünschen, dass niemand diese Vorbilder allzu ernst nahm...
Auch Bill und Charlie sahen sich interessiert um und versuchten festzustellen, ob und was sich seit ihrer eigenen Schulzeit geändert hatte. Allzu viel war es nicht – das Schloss war vom Laufe der Jahre relativ unbeeinflusst geblieben.
Ihre Mutter schien ohnehin seit dem gestrigen Abend in Erinnerungen zu schwelgen und wurde nicht müde, ihren Mann auf immer neue Sachen, an die sie sich erinnerte, hinzuweisen. Ginny wusste nicht, wie sie es finden sollte, dass dazu auch häufig die ein oder andere Anekdote erzählt wurde...
Als sie ankam, hatte ihre Mutter zum Beispiel gerade das Porträt von Egon dem Eigenwilligen entdeckt, hinter dem sich eine Abkürzung in den zweiten Stock befand. "Ach, Arthur, erinnerst du dich noch, im sechsten Jahr, als wir uns nach dem nächtlichen Ausflug an den See dahinter verstecken mussten, um nicht erwischt zu werden, und wir hatten nicht einmal Handtücher dabei gehabt." Daraufhin ließ sie einen kurzen Ton ertönen, der 30 Jahre vorher sicherlich als "mädchenhaftes Kichern" bezeichnet worden wäre, in Anbetracht der heutigen Tatsachen jedoch reichlich fehl am Platz wirkte. Um Gottes Willen, wusste Dumbledore eigentlich, was ein solcher Besuch an der alten Schule bei den Eltern auslösen konnte? Ginny war sich sicher, dass nicht nur sie heute einenleichten bis mittelschweren Schock erhielt. Eltern waren Eltern, verdammt noch einmal! Und was diese in ihren Teenagerzeiten so gemacht hatten, wollte sie eigentlich gar nicht so genau wissen.
"Oder der Abend, als wir von Slughorn etwas getrockneten Riesengnulch haben mitgehen lassen..."
NEIN, sie wollte es wirklich nicht wissen! An etwas anderes denken... nicht daran, dass Riesengnulch als Aphrodisiakum verwendet wird... an etwas anderes denken, schnell!
Zum Glück schien es auch Bill und Charlie so zu gehen. Fred und George hatten sich bereits bei dem ersten Anzeichen von neuen Stories ans anderen Ende der Halle verzogen.
Das Eintreffen von Ginny war jedenfalls eine gute Gelegenheit, schnell das Thema zu wechseln, und so wurde sie laut und ausführlich von ihren ältern Brüdern begrüßt und überschwenglich (und ausführlich) nach ihrem bisherigen Morgen befragt. Leider konnte sie diese Frage nicht allzu ausführlich beantworten, daher beschränkte sie sich auf ein genuscheltes "Frühstück gegessen, geduscht, Text gelernt..." und wechselte rasch das Thema.
"Was wollen wir mit Nachmittag anfangen?", stieg schließlich auch Arthur in ihre Diskussion mit ein. "Wir könnten doch vielleicht nach Hogsmead gehen und ein Eis essen. Das habt ihr doch früher alle immer gern gemacht."
"Ja, als wir 5 Jahre alt waren.", murmelte Ginny und verdrehte leicht die Augen. Ihre Eltern wollten einfach nicht akzeptieren, dass sie jetzt eigentständige, vernünftige Erwachsene waren und...
"Das ist eine super Idee!", stimme allerdings Charlie begeistert zu, auch Bill bekräftigte durch Nicken, und von der anderen Seite der Halle riefen die Zwillinge unisono: "Haben wir gerade das Wort Eis gehört?"
Das war ja wohl unglaublich! Typisch Männer. Oder Jungs, besser gesagt.
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Nun gut, vielleicht war die Idee doch nicht so schlecht gewesen. Als sie eine Stunde später vor einem großen Eiskaffee saß, der bei dieser sommerlichen Wärme einfach wunderbar passte, musste Ginny dann doch zugeben, dass es durchaus etwas für sich hatte.
Viele andere Schüler waren mit Eltern auch unterwegs, und so war die Stimmung im ganzen Dorf ausgelassen und fröhlich.
Lange hatten nicht mehr so viele Familienmitglieder an einem Tisch gesessen, es gab viel zu erzählen und noch mehr zu lachen. Ginny fühlte sich glücklich – auch wenn sie sehr gerne in Hogwarts war, ahtte sie ihre Familie doch sehr gern und hatte sie sehr vermisst. Sie konnte sich gar nicht vorstellen, wie es sein sollte, wenn Ron im nächsten Jahr nicht mehr in Hogwarts war... dann würde sie eine der Ältesten an der Schule sein! Wie seltsam, sie war doch gerade erst angekommen.
Und Blaise würde dann auch nicht mehr da sein...
"Einen Penny für deine Gedanken.", wurde sie plötzlich von Bill angesprochen. Sie errötete dezent Verflucht, dieses blöde Weasley-Gen und das ständige Erröten!
"Es ist nichts.", nuschelte sie als Antwort. "Ich habe nur an das Theaterstück morgen gedacht,". Nun gut, in gewissen Sinne stimmte das ja auch – schließlich spielte Blaise da mit.
Nach dem Eis entschloss sich die Familie, einen kurzen Spaziergang vor die Tore Hogsmead' zu machen. Fred und George, die noch nie für Spaziergänge zu begeistern gewesen waren, verabschiedeten sich mit der Ausrede, bei Zonkos vorbeischauen zu wollen - "Natürlich aus rein geschäftlichem Interesse. Wir müssen die Konkurrenz beobachten.".
So waren es nur ihre Eltern, Charlie, Bill und sie, die an diesem wunderschönen Sommertag auf dem Weg vor Hogsmead entlang schlenderten. Es schienen nicht viele andere Familien auch auf diese Idee gekommen zu sein. Kein Kunststück, wenn man bedachte, dass es im Dorf so viele interessantere Sachen zu bestaunen gab. Und Teenager nun einmal generell eher schwer für Spaziergänge zu begeistern waren.
Nach einer Weile gemächlichen Geplauders stellte ihre Mutter endlich die Frage, welche sie wahrscheinlich schon seit einiger Zeit quälte: "Und was ist nun mit diesem jungen Mann aus der Theatergruppe? Gestern haben wir ja leider nicht mehr die Zeit gefunden, damit du uns hiervon mehr erzählen kannst."
Oje. Ein Ablenkungsmanöver wie Bills Kind würde heute sicher nicht noch einmal funktionieren. Außerdem wollte sie ihren Eltern wirklich von Blaise' berichten. Sie hatte es sich schließlich auch vorgenommen. Diesmal würde sie aber wirklich etwas tatktischer vorgehen als gestern mit Charlie... und sollte es dann immer noch nicht gut funktionieren, so hatte sie immer noch ihren großen Bruder als Unterstützung. Und, mal ehrlich, Bill konnte auch nciht allzu viel dagegen haben! Schließlich hatte er ja eine Französin geheiratet, oder? Na bitte, also war jetzt der perfekte Zeitpunkt.
"Ja, also... in diesem Stück spielen halt auch Jungen mit." Nun gut, das war schon mal ein vielversprechender und höchst vielsagender Anfang. "Und wir hatten oft lange Proben... dann haben wir noch gemeinsam an den Hintergründen des Stücks gearbeitet..."
"Das klingt bis hierhin noch recht vernünftig. Aber warum druckst du so herum, junge Dame?". Ihre Mutter schaute etwas argwöhnisch. Das Mädchen holte tief Luft und erzählte weiter.
"Jedenfalls lernt man sich dann auch etwas näher kennen... und bemerkt vielleicht, dass der Gegenüber doch recht nett ist, und vielleicht sogar unerwartet nett, und man sich sehr gut versteht...
und manche Menschen sind überhaupt nicht so, wie man sich das vielleicht vorher gedacht hat! Und Vorurteile und so weiter soll man ja auch überwinden..."
An dieser Stelle unterbrach ihre Mutter sie: "Ginny, was versuchst du uns denn damit zu sagen? Du redest im Moment ein wenig in Rätseln, meine Liebe."
Ups. Nun gut, es war ja auch fast geschafft, also weiter. "Jedenfalls... ich habe einen Jungen kennen gelernt."
"Du hast was? Einen Jungen? Bist du dafür nicht noch ein wenig jung?", warf ihre Mutter besorgt ein. "Und wie weit ist es mit euch? Weiß er bereits von deiner Zuneigung?"
An dieser Stelle musste Charlie lachen. "Aber Mum, sie ist doch schon 17. Du warst in dem Alter auch schon etwas weiter, oder?"
Immerhin hatte ihre Mutter den Anstand, ein wenig zu erröten. "Das waren auch andere Zeiten..."
"Eben. Und heute werden die jungen Menschen deutlich schneller erwachsen. Außerdem haben wir uns alle etwas Freude und Glück verdient...", fügte Bill ruhig hinzu. Ginny lächelte. Das lief doch bisher ganz gut.
"Und wer soll dieser junge Mann sein?", fragte schließlich ihr Vater. Er sah etwas gequält aus. Sein kleines Mädchen wurde ihm eindeutig zu schnell erwachsen.
Ginny holte tief Luft. Ok, jetzt wurde es noch einmal etwas schwieriger. "Wie ich bereits gesagt habe, es ist auch wichtig, Vorurteile zu überwinden und den Menschen hinter dem Namen kennenzulernen..."
"Ginny", unterbrach ihre Mutter ungeduldig, "Was ist denn los?"
"Er heißt Blaise!", platzte sie schließlich heraus.
"Oh, ein Franzose?", fragte Bill. "Sehr nettes Volk."
"Ein ungewöhnlicher Name...", murmelte ihr Vater.
"Und warum die lange Vorrede?", fragte ihre Mutter, die wohl schon ahnte, dass noch etwas kommen musste.
Ok, und los. "Es ist Blaise Zabini. Er ist ein Slytherin."
Daraufhin brachen drei Stimmen auf einmal los.
"Ginny, ich verstehe ja, dass du einen Franzosen willst, aber gibt es nicht auch außerhalb von Slytherin noch genug?", jammerte Bill.
Ihr Vater fragte besorgt: "Hat er dich irgendwie verwirrt, mein Mädchen? Hast du etwas komisches getrunken? Das kann nicht freiwillig sein."
Und ihre Mutter meinte gar: "Wie lange läuft das jetzt schon? Du wirst natürlich sofort mit ihm Schluss machen. Vielleicht scheint er dir ja heute ganz nett, aber spätestens in wenigen Wochen wird er dir das Herz brechen."
Da platzte Ginny der Kragen. War denn ihre Vorrede vollkommen ins Leere gelaufen?
"Ich habe nichts komisches getrunken! Und nein, ich werde natürlich nicht mit ihm Schluss machen! Und wir sind seit März zusammen, wenn du es genau wissen willst. Er hat mich sogar schon seinen Eltern vorgestellt. Er ist wirklich nett!"
Wieso musste sie sich hier eigentlich rechtfertigen? Sie war 17 Jahre alt, verdammt, und damit volljährig!
"Weisst du, was er und seinesgleichen getan haben? Hast du so viel vergessen?"
"Da war er nicht mit dabei, er ist kein Anhänger von Du-weißt-schon-wem. Und außerdem, es waren auch Menschen aus anderen Häusern, die sich ihm angeschlossen haben."
Ihrer inzwischen auch hitzigen (irgendwoher musste sie das Temperament ja geerbt haben ) Mutter gingen die Argumente ein wenig aus, also kam sie mit dem üblichen Totschlag-Argument: "Aber wir wollen doch nur dein Bestes!"
Nun platzte Ginny endgültig der Kragen: "Wie könnt ihr wissen, was das Beste für mich ist, wenn ihr ihn gar nicht kennt? Und wenn ihr auch mich nur selten seht? Blaise macht mich glücklich, Mum!"
Ihre Mutter sah nun sehr unglücklich aus. "Aber..." gab sie noch leise von sich.
"Nichts aber! Habt nicht ihr beide mir immer gepredigt, dass man auf den Menschen achten soll, und nicht auf die Herkunft? Seid ihr, wenn ihr ihn verurteilt, ohne ihn zu kennen, nur auf Grund seiner Hauszugehörigkeit, nicht ebenso wie diejenigen, die ihr verurteilt?" Moment, der Satz war ein wenig verwirrt... aber den betretenen Mienen ihrer Eltern nach zu urteilen, kam er an. Ginny seufzte tief.
Ihr Vater meinte schließlich: "Weisst du, es fällt uns einfach schwer zu akzeptieren, dass unsere Jüngste nun auch erwachsen wird, ihre eigenen Wege geht und bei ihren Entscheidungen ihre Eltern nicht mehr zu Rate zieht."
"Und du bist doch noch so jung."
"Mum, ich bin 17! Und nebenbei, das Argument hattest du schon."
Nun mischte sich Charlie endlich ein: "Ich denke wirklich, dass Ginny weiß, was sie da tut. Ihr habt sie schließlich zu einer selbstständigen, überlegten jungen Frau erzogen."
'Super Schachzug', dachte Ginny. Komplimente kommen immer gut. So auch dieses Mal – und ohne ernsthafte Argumente konnte ihre Mutter sowieso schlecht weiter streiten.
"Aber kennenlernen müssen wir den jungen Mann trotzdem noch.", brummte ihre Mutter, halb überzeugt. "Danach werden wir weiter reden..."
Ginny merkte, wie sich ein leichtes Lächeln auf ihrem Gesicht ausbreitete. Damit war es eigentlich schon fast geschafft.
Nun mischte sich ihr Vater, der die ganze Zeit etwas unglücklich aussehend daneben gestanden war, noch einmal ein: "Wieso wussten wir bisher davon noch nichts?"
"Eben wegen dieser Situation!", sagte Ginny. "Ich wollte mir erst selbst vollkommen sicher sein, bevor ich euch beunruhige. Ich kann wirklich mit reinem Herzen sagen, dass ich sehr gerne mit Blaise zusammen bin und es mir gut tut." Erstaunt bemerkte Ginny, dass das stimmte. Sie könnte es jedem sagen, dass sie mit Blaise zusammen war – denn sie war sich ihrer Sache sicher. Er war richtig für sie. Der Gedanke ließ sie lächeln.
Ihr Vater nickte nachdenklich, fügte aber dennoch hinzu: "Aber, wenn dieser Junge daran denkt, dir weh zu tun, oder auch nur jemanden kennt, der dir weh tut, oder jemanden kennt, der daran denkt, also..."
"Jaja, schon klar, Vati." Ginny musste grinsen. Was das nicht so etwas wie eine Zustimmung? "Dann reisst du ihm die Eier ab."
"Oh", sagte ihr Vater erstaunt. "Eigentlich wollte ich sagen, dann werde ich mal ein ernstes Wörtchen mit ihm reden, aber die Idee ist auch nicht schlecht."
"Ist schon gut, Dad", warf Bill ein, "Du kannst gerne mit ihm reden. Ich werde dann den anderen Part übernehmen."
Um Merlins Willen. Wusste ihr Freund eigentlich, worauf er sich bei ihr eingelassen hatte - bei 6 großen Brüdern?
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Wenig später wurden ihre Sorgen von den Zwillingen erneut geschürt. Auch sie regten sich kurz auf, auf Grund ihrer ohnehin unkonventionellen Art fanden sie es aber nicht unmöglich, dass Ginny etwas mit einem Slytherin hatte. Für sie zählte eher, dass alle ihren Spaß hatten und glücklich waren. Dennoch würde er bei den beiden sicher noch eine Art Feuertaufe bestehen müssen, bevor sie ihn als den Freund ihrer kleinen Schwester akzeptierten. Schließlich waren Slytherins nicht für ihren guten Humor bekannt. "Aber vielleicht kann man denn ja heraus kitzeln.", erklärte Fred ernsthaft.
Nun gut. Also musste sie Blaise später beim musikalischen Abend nur von 6 übervorsichtigen Brüdern (davon zwei mit diesem sehr gefährlichen Blitzen im Augen...) beschützen müssen, und ihn ihren Eltern vorstellen, die immer noch skeptisch waren. Und entscheiden, ob sie bei dem Stress wirklich noch den Stress wollte, dass ganz Hogwarts von ihrer Beziehung zu Blaise erfuhr... Nebenbei eine gute Figur machen, ihre Nervosität wegen des Theaterauftritts am morgigen Abend unterdrücken... 'GAAAH! Morgen! Theater! Oh mein...'
Alles in allem war das Leben doch mal wieder erstaunlich einfach.
Anmerkungen:
Juchhu, Blaise ^^ Ich hatte Spaß daran, diese Szene zu schreiben, auch wenn es sehr sehr schwer war. Ich will nicht, dass es zu "billig" wirkt. Klappt das halbwegs? Kam es gut rüber?
Oh, und natürlich: wie fandet ihr die Reaktion der Eltern? Ich muss sagen, die der Zwillinge habe ich jetzt gekürzt, weil, das wird sonst auch immer nur das Gleiche...
Nächstes Kapitel: musikalischer Abend, Ginny stellt Blaise ihren Eltern vor. Muhaha, das wird nochmal ein Spaß. Und wie werden die beiden sich in der Öffentlichkeit verhalten? Uuuhuuu, es wird spannend ;)
Kurze Werbung in eigener Sache: "Am Vorabend" berichtet von Hermines Gedanken an dem Abend, bevor sie das erste Mal nach Hogwarts geht. Eher nachdenklich.
Wie gefällt dieses Kapitel? Kommentare SEHR erwünscht! Worauf sollte ich in folgenden Kapiteln mehr eingehen, was war vielleicht zu viel?
