-Prongs Rides Again-

-Kapitel Elf: Dumbledore's Job Opportunity-

Der Beginn des neuen Hogwarts-Schuljahres kam für James' Geschmack zu schnell. Kaum hatte er seinen Sohn kennengelernt, war er schon wieder in der Schule. Am Morgen der Abreise herrsche Chaos im Haus, denn die Weasley-Zwillinge machten es den anderen besonders schwer sich fertig zu machen. Das Kreischen von Mrs. Black hallte durch das ganze Haus, und das Hetzen der Füße auf der Treppe machte es James schwer, überhaupt mit Harry zu reden.

Schließlich gelang es ihm, Harry aus dem Trubel des Haupthauses herauszuholen und ihn in ein Nebenzimmer zu führen, wo er in Ruhe mit ihm sprechen konnte, ohne ständig von Fred und George unterbrochen zu werden. Als James seinen Sohn ansah, war er unheimlich stolz. In der Nacht seines Todes, als er Voldemort das letzte Mal gegenüberstand, hatte James befürchtet, dass er seinen Sohn nie wieder sehen würde. Wäre ihm keine zweite Chance gegeben worden, hätte er Harry in diesem Alter ohnehin nicht mehr gesehen. Stattdessen wären seinem Sohn nur die Bilder seiner Eltern geblieben und er hätte sich gefragt, ob seine Eltern ihn wirklich geliebt hätten.

„Harry", begann James, „ich möchte, dass du mir etwas versprichst."

Harry schluckte und wartete.

„Ich weiß, dass ich in der Schule ein Rebell war und nie getan habe, was mir gesagt wurde, aber du, Harry, bist mir wichtig. Ich will dich nicht verlieren, vor allem nicht nach dem, was dir letztes Jahr passiert ist." Sein Mund fühlte sich trocken an. „Ich möchte, dass du mir versprichst, dass du nichts Drastisches tun wirst. Sei vorsichtig und geh nirgendwohin, wo du weißt, dass du verletzt werden könntest. Ich weiß, dass ich dir vertrauen kann, aber bitte, ich wünsche mir ein Versprechen."

Harry sah, wie sich Schmerz in den Augen seines Vaters spiegelte. Wie konnte er ihm das abschlagen? James war sein Vater und sorgte sich um ihn. Er hatte ihm schon einmal ein ähnliches Versprechen gegeben, als Sirius auf der Flucht war und die Weasleys glaubten, er wolle Harry ermorden. Mr. Weasley hatte Harry gebeten, ihm zu versprechen, sich nicht auf die Suche nach Black zu machen und Harry hatte dieses Versprechen gehalten. James würde enttäuscht sein, wenn er seine Bitte nicht erfüllte. Mit Voldemort auf freiem Fuß war alles möglich.

„Ich verspreche es, Dad. Ich bleibe in Hogwarts, nur an den Wochenenden können wir nach Hogsmeade fahren. Einverstanden?"

James nickte und zerzauste Harrys Haare. „Danke. Habt Spaß in Hogwarts. Lebe deine Kindheit, solange du kannst. Du hast es dir verdient, nach allem, was du getan hast."

Vater und Sohn traten aufeinander zu und umarmten sich. Keiner von ihnen wusste, wann sie sicch wiedersehen würden. Sie hatten sich gerade erst kennen gelernt und nun trennten sie sich. Und das war es, was James ein schlechtes Gewissen bereitete. Er musste in harrys Nähe sein, um sein Versprechen halten zu können. Wie konnte er das tun, wenn sein Sohn in Hogwarts war und er für den Orden arbeitete?


James beobachtete, wie Sirius sich von Harry verabschiedete. Seit der Anhörung vor fast drei Wochen war James klar geworden, wie sehr Sirius sich um sein Patenkind sorgte. Sirius hatte James erklärt, dass, obwohl er nicht die Möglichkeit hatte ihn aufzuziehen, hatte er, nach seiner Flucht, versucht auf Harry aufzupassen. Er hatte sogar gesagt, dass er in der Nacht, in der er sich in den Gryffindor-Turm geschlichen hatte, nach Harry gesehen hatte, bevor er versucht hatte, Wurmschwanz zu töten. Wenigstens hatte Sirius an Harry gedacht, auch wenn Harry keine Ahnung hatte, was Sirius' wahres Motiv für seine Flucht aus Askaban war.

Harry warf seinem Vater einen Blick zu, winkte lächelnd. Er drehte sich dann zur Tür, wo Mrs. Weasley wartete, und ging dann auf die Straße hinaus. James seufzte und wünschte, er könnte seinen Sohn zum Bahnhof begleiten. Doch leider hatte Dumbledore darum gebeten, mit ihm und Sirius zu sprechen, so dass weder Sirius noch James Harry begleiten konnten.

„Ich vermisse ihn jetzt schon", murmelte James.

Sirius drehte sich zu ihm um. Ein Stirnrunzeln lag auf seinem Gesicht, aber seine Augen waren traurig. „Wenigstens bist du noch hier, James, dann langweile ich mich nicht zu Tode."

Lachend drehte sich James weg und ging den Flur entlang zur Küche, wo Dumbledore sie erwarten würde. „Ich bin vielleicht nicht mehr lange hier, Tatze. Ich hab das Gefühl, dass Dumbledore etwas für mich zu tun haben könnte."

Sirius runzelte verärgert die Stirn.

„Er hat auch darum gebeten, dich zu sehen. Vielleicht kannst du mitkommen."

„Unwahrscheinlich,, da er mir gesagt hat, dass ich das Haus nicht verlassen darf. Meine Sicherheit ist wichtiger."

James verschränkte die Arme und entgegnete: „Er hat recht, weißt du, ich will nicht, dass du für etwas, das du nicht getan hast, wieder nach Askaban geworfen wirst. Wenn du rausgehst, könntest du erwischt werden. Du hast es selbst gesagt, Fudge würde nicht mal mit der Wimper zucken bevor er dich den Dementoren übergibt."

Sirius schwieg und folgte seinem Freund durch Grimmauldplatz in die Küche. Als sie den kleinen Raum betraten, fanden sie Albus Dumbledore am Tisch sitzen, der alt und weise aussah.

„Ich bin gekommen, um euch einen Job anzubieten."

„Einen Job?", spottete Sirius. „Ernsthaft?"

Dumbledore nickte. „Nun, James der Job."

„Was ist er?", fragte James. Die Aufregung stieg ihm in den Magen. Würde er nach Hogwarts gehen? War das die Gelegenheit, das Jahr mit Harry zu verbringen?

„Rubeus Hagrid ist noch nicht von den Riesen zurückgekehrt. Ich weiß nicht, wann er ankommen wird, deshalb möchte ich, dass du, James, wenn es für dich passt, die Schüler in Pflege magischer Geschöpfe unterrichtest. Ich wollte dich bitten, Verteidigung gegen die dunklen Künste zu übernehmen, aber leider hat einer von Fudges Lakaien diese Aufgabe bekommen. Er hat sie beauftragt, Hogwarts zu überprüfen und herauszufinden, wie Fudge die Öffentlichkeit dazu bringen kann, Hogwarts als fehlgeleitet zu betrachten."

„Wer ist ‚sie'?"

Dumbledore lächelte. „Dolores Umbridge, die ranghöchste Untersekretärin des Ministers und Fudges treuste Anhängerin. Es ist ziemlich unglücklich, dass sie die Fünftklässler unterrichtet, denn ihre Unterrichtsmethoden sind ganz anders als die, die sie bisher hatten."

James runzelte die Stirn. „Es scheint nicht fair zu sein, dass das Ministerium Hogwarts überwacht.", seufzte er. „Ich soll den Job übernehmen?"

Der Schulleiter nickte. „Ja, sollst du. Es würde dir die Möglichkeit geben, Zeit mit Harry zu verbringen und auf ihn aufzupassen."

„Das wäre schön, ja, ich nehme den Job.", verkündete James. Die Aussicht, Zeit mit Harry zu verbringen, war zu überzeugend. Es störte James auch nicht sonderlich, dass er Slytherins unterrichten musste. Wenigstens konnte er den Leuten Nachsitzen aufbrummen, anstatt es selbst zu bekommen. Er grinste Sirius an, der enttäuscht aussah.

„Was ist mit Sirius? Kann er mit?"

Sirius suchte Augenkontakt mit Dumbledore. Jedes Mal, wenn er darum gebeten hatte, das Haus zu verlassen, war ihm das verweigert worden und er bezweifelte, dass es nun anders sein würde. Aber…

„Solange Sirius den ganzen Tag über und vor den Schülern in seiner Animagusform bleibt, sehe ich nicht, was ihn daran hindern könnte, James. Nur in euren Zimmern könntest du in Menschengestalt sein."

„Ich darf das Haus verlassen? Auch nachdem du mir gesagt hast, dass ich es nicht darf?", fragte Sirius, überrascht über Dumbledores Sinneswandel.

„Ich tue es , weil James nicht allein sein möchte. Außerdem kann ich mich darauf verlassen, dass James dich verteidigen würde, solltest du entdeckt werden. Natürlich liegt es an dir, ob du dein Leben aufs Spiel setzten willst. Sei dir aber bewusst, dass du, wenn du entdeckt oder gefangen wirst, wahrscheinlich keine Chance bekommst, dich zu erklären."

Sirius nickte. Er verstand die Risiken und das war seine einzige Chance, mit James zusammen zu sein. Er würde zwar draußen sein, aber konnte er es so lange aushalten, ein Hund zu sein? Natürlich konnte er das. Außerdem konnte er sich nicht damit herausreden, dass er Angst hatte. Wenn ihn jemand entdeckte, konnte er abhauen. James würde ihn beschützen. Er schaute seinen Freund an, der ihn mit großen Augen anschaute und auf seine Antwort wartete.

Ein Lächeln schlich sich auf sein Gesicht und er grinste. „Ich werde das Risiko eingehen."

„Ja." James warf die Arme in die Luft vor Freude, dass sein bester Freund ihn nach Hogwarts begleiten konnte. „Ausgezeichnet. Wir können so viel Spaß haben."

Dumbledore räusperte sich. „Da das Schuljahr heute beginnt, erwarte ich, dass ihr beide heute Nachmittag ankommt, bereit für das Fest. Der Unterricht beginnt dann morgen."

James nickte. „Wir kommen, so schnell wir können."

„Wir sehen uns später, Gentlemen." Mit einer Verbeugung verließ der Schulleiter den Raum und ließ die beiden Zauberer zurück, die einen Blick austauschten und dann lachten. Es schien unmöglich, dass James Schüler unterrichten würde.

„Wenigstens kannst du dein überragendes Wissen über magische Geschöpfe weitergeben. Vielleicht solltest du ihnen deine Animagusform zeigen."

James runzelte die Stirn. „Das ist mein Geheimnis. Wenn sie wüssten, dass ich ein Animagus bin, würden sie vielleicht die Tatsache in Frage stellen, dass du der Hund sein könntest. Es ist allgemein bekannt, dass du mein bester Freund warst."

„Gutes Argument.", murmelte Sirius. „Hey, kannst du dich überhaupt an irgendetwas über magische Kreaturen erinnern?"

James runzelte die Stirn. „Ich erinnere mich an ein paar Dinge. Solange ich viele Bücher über sie habe, schaffe ich das bestimmt."

„Wir werden sehen, wie gut Krone das Krönchen und seine Freunde unterrichten kann."

„Nenn ihn nicht so!"


James betrat die Große Halle von Hogwarts mit Sirius (in seiner Animagus-Form) an seiner Seite. Die Schüler würden erst in ein paar Stunden eintreffen, so dass James sich in Ruhe in der Schule umsehen konnte. Das letzte Mal, als er hier gewesen war, war er achtzehn Jahre alt gewesen. Er vermisste die Schule und hatte immer gehofft, eines Tages wiederzukommen, um Harrys Abschluss zu sehen. Wenigstens hatte er jetzt die Chance - und die Möglichkeit -, dies zu tun.

Seine Augen flogen zum Tisch von Gryffindor. Es gab viele Erinnerungen, die dort saßen. Ein leises Lachen fand seinen Weg in seine Kehle und er kicherte, als er sich daran erinnerte wie er und Sirius Snapes Haar mit einem von ihnen hergestellten Zaubertrank, den sie in sein Essen getan hatten, in ein leuchtendes Rot und Gold verwandelt hatten. Der Scherz war unbezahlbar gewesen und die beiden waren leider erwischt worden. Ein Monat Nachsitzen hatte sie aber nicht davon abgehalten, es noch einmal zu tun, selbst als Lily Evans sie davon abgehalten hatte.

Sirius sah zu ihm auf und knurrte leise. Als James den Kopf drehte, sah er die Ursache für Sirius' Knurren. Severus Snape kam auf sie zu, mit einem ständigen finsteren Blick, aber Dumbledore ging neben ihm, was James daran hinderte, eine Beleidigung zu schreien.

„Severus.", sagte er höflich und versuchte sich zivilisiert zu verhalten, obwohl er merkte, dass es eine Weile dauern würde, bis er Snape als einen Von Dumbeldores Leuten anerkannte.

„Potter.", spuckte Snape mit wütendem Blick. „Wie ich sehe, geht es dir gut."

„Severus.", warnte Dumbledore.

„Verzeihung, Direktor. Ich wollte nicht so respektlos klingen."

Der Schulleiter warf Snape und James einen finsteren blick zu und sprach dann mit seiner weichen, weisen Stimme. „Ich möchte, dass ihr beide mit diesem kleinlichen Gezanke aufhört. Ihr arbeitet gemeinsam an dieser Schule. Ihr mögt vielleicht eine gewissen Abneigung gegeneinander haben, aber das war in der Vergangenheit. Geht einfach zivilisiert miteinander um. Wir können doch nicht zulassen, dass Cornelius Fudge von dummen Streitereien zwischen Lehrern erfährt, oder?"

James schüttelte den Kopf. „Nein." Er streckte seine Hand aus. „Ich bin bereit, neu anzufangen, wenn du mich lässt, schließlich bereue ich alles, was ich dir je angetan habe. Lily hat mir das vor Augen geführt. Es tut mir alles leid, und ich weiß, dass es nicht genug ist, aber ich bin bereit, es zu versuchen." James lächelte. „James Potter, Professor für die Pflege magischer Geschöpfe."

Widerwillig, wie es schien, nahm Snape James' Hand und schüttelte sie. Tut mir leid, das ist nicht gut genug, Pott – James. Ich kann nicht vergessen, was ich wegen dir sieben Jahre lang durchmachen musste, aber ich bin bereit, mit dir zusammenzuarbeiten, unter einer Bedingung." Seine Augen verengten sich gefährlich.

„Oh und welche ist das?", fragte James.

Sirius knurrte. Ein plötzliches verlangen brach in ihm aus. Er wollte Snape beißen, weil er James' Friedensangebot abgelehnt hatte.

„Du hältst ihn von mir fern." Der Zaubertränkemeister deutete auf Sirius in seiner Hundegestalt, seine Augen blitzten gefährlich.

James überlegte einen Moment, stimmte dann aber ohen zu zögern zu. „In Ordnung, solange du dich Harry gegenüber zivilisiert verhältst. Ich weiß, dass du ihn meinetwegen hasst. Ich werde Schnuffel von dir fernhalten, solange du Harry nicht piesackst."

Snape blinzelte, ging aber widerwillig auf das Angebot ein. James grinste Sirius an, der mit dem Schwanz auf den Boden klopfte.


„Es ist wunderbar, dich wiederzusehen, James."

„Sie haben sich kein bisschen verändert, Professor.", erwiderte James.

Minerva McGonagall lachte. „Damit kommst du jetzt nicht mehr durch, James, das kann ich dir sagen. Aber bitte, wenn du dich mit anderen Lehrern unterhältst, hast du meine Erlaubnis, mich Minerva zu nennen. Du bist kein Schüler mehr. Es wird dir nicht schaden, wenn du mich beim Vornamen nennst."

James grinste erfreut.

Sie winkte ihm mit dem Finger zu. „Und wehe, du bringst den Weasley-Zwillingen Tricks und Streiche bei, mit denen sie uns Älteren erwischen."

Lachend erwiderte James: „Ich bezweifele, dass ich die Zeit dazu hätte. Ein Lehrer zu sein, scheint harte Arbeit zu sein. Außerdem muss ich dienstagabends in den Korridoren patrouillieren. So sehr ich mich auch auf das Unterrichten freue, bin ich nicht ganz sicher,m ob ich das fach so gut kenne. Ich meine, von uns vieren haben wir in den Fach Pflege magischer Geschöpfe kaum etwas gelernt. Remus war gut darin, aber das lag daran, dass ihn die magischen Geschöpfe Faszinierten. Er war auch gut in Verteidigung."

„Soweit ich mich erinnere, warst du in Verwandlung außergewöhnlich gut. Du warst in allem ein guter Schüler." Sie legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Ich bin sicher, du wirst es gut machen. Die Schüler werden sich jedenfalls freuen, dich als Lehrer zu haben."

„Warum dass denn?"

„Du hast den tod gesehen, James. Der erste Mensch, der stirbt und zurückkehrt. Es wird viele Fragen geben. Die Schüler werden dich dafür bewundern, dass du dein Leben weitergeführt hast, obwohl du das Leben, das du einmal hattest, verloren hast,. Du bist ein Held für sie. „

James schluckte. Als McGonagall wegging, schaute James zu Sirius, der neben seinen Füßen lag. „Glaubst du wirklich, dass man mich bewundern wird?"

Sirius bellte nur als Antwort.

TBC