Kapitel 2

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, schmerzte mein Kopf. Ich stöhnte und quälte mich dann aus meinem weichen Bett. Ich hatte immer noch die Klamotten von gestern an, sie waren jetzt ziemlich verknittert.

Schlurfend ging ich in das Bad und duschte mich kalt. Das eisige Wasser machte mich ein wenig munterer.

Nachdem ich mich gewaschen hatte, zog ich mir frische Sachen an und schminkte mich ein wenig.

Dann ein kurzer Blick auf die Uhr und ich stellte fest, dass es zu spät war um zu Hause frühstücken. Immerhin war es schon fast halb acht und ich musste in einer halben Stunde anwesend sein ...

„Mist!", fluchte ich, schnappte mir meine Jacke und rannte nach draußen.

Ich holte mir beim Bäcker in der Nähe eine trockene Semmel, stellte mich an den Straßenrand und versuchte ein Taxi zu bekommen.

Doch irgendwie wollte heute keines anhalten. Ich seufzte, bis noch zwei große Happen von der Semmel ab, warf sie dann in den Müll und rannte los.

Zum Glück hatte ich heute nicht die Pumps angezogen, die Alice mir zum letzten Geburtstag geschenkt hatte, sondern meine geliebten schwarzen Chucks. Seitdem sie einen Blick in meinen Schuhschrank geworfen hatte und mit entsetzter Miene festgestellt hatte, dass ich nur ein paar Chucks und meine alten Hausschlappen besaß, schenkte sie mir Schuhe. Nur noch Schuhe ... und zwar immer mit Absätzen, obwohl sie ganz genau wusste, dass ich darauf nicht laufen konnte.

~*~

Keuchend kam ich schließlich bei dem Hotel an und sah mein Spiegelbild in der Fensterscheibe. Meine Haare waren zerzaust und meine Wangen puterrot.

Ich sah schrecklich aus. Ich fuhr einmal durch meine Haare, bevor ich die Türe aufschlug und ich dem Portier freundlich zunickte, so wie jeden Tag.

Alice meinte, er wäre in mich verliebt und ich sollte ihn mal ansprechen.

Hallo? Der ist doch bestimmt erst 16 und von der Schule geflogen ...

„BELLA!", kreischte plötzlich Alice und bevor ich mit der Wimper zucken konnte, hing sie mir schon um den Hals.

„Alice ... bist du wieder gesund?", fragte ich verwirrt.

Alice hatte kurze, schwarze Haare, die zu allen Seiten abstanden und war klein.
Sehr klein. Aber dennoch war sie ziemlich hübsch, und seit drei Jahren mit Jasper zusammen. Er saß jeden Abend hier im Restaurant nur um mit Alice zu reden. Sie fand dass hoffnungslos romantisch und vereinbarte mit ihm ein Date und siehe da – die beiden sind ein Paar!

„Nein. Eigentlich nicht ... aber heute kommt doch er!", flüsterte sie kichernd.

„Wer?"

„Jetzt komm schon, Bella. Sag bloß du weißt es nicht?", tadelte sie mich.

Ich schüttelte den Kopf.

„Mensch Bella! Heute kommt er – Edward Cullen!", klärte sie mich auf.

„Der Edward Cullen? D-der ... FILMSTAR?"

Alice nickte und sie blickte verträumt zur Decke. Ich schlug mir mit der Hand auf die Stirn. Heute kam laut dem „People Magazine" (nicht, dass ich es lesen würde. Alice hatte mir den Artikel nur tausendmal gezeigt) der 'Sexiest man Alive' in dieses Hotel und ich sah total fertig aus.

„Bella! Wie siehst du denn wieder aus? Ich hab dir doch erst letzte Woche die besten Schminktipps gezeigt und du ... du hast sie nicht angewendet!", warf sie mir vor.

„Sorry. Aber ich hab verschlafen!", verteidigte ich mich.

Alice sah mich misstrauisch an, dann nahm sie meine Hand und zog mich hinter sich her in das Damenklo.

„Was soll denn das?", fragte ich genervt.

„Das soll dich wieder hübsch machen.", erklärte sie und zog ein kleines Ledertäschchen aus ihrer Handtasche.

Daraus kamen Puder, goldener Lidschatten und Wimperntusche hervor.

Ich stöhnte ergeben und Alice kicherte. Eigentlich war ich froh darüber, dass sie mich schminken wollte (wahrscheinlich das erste Mal ...), so würde ich wenigstens nicht ganz so schlimm aussehen ...

~*~

„Und wie findest du's?", fragte sie mich stolz, als ich in den Spiegel blickte und mich betrachtete.

Mir war, als wäre ich ein anderer Mensch. Ich sah nicht mehr so müde aus, und meine Augenringe waren verschwunden. Meine Augen schienen durch die Wimperntusche größer und der Lidschatten war dezent aufgetragen.

„Perfekt.", murmelte ich.

Alice lachte und dann gingen wir wieder in die Halle.

„Komm, wir suchen Rosalie und fragen, ob wir die Rezeption übernehmen dürfen!", schlug Alice vor.

Ich nickte aufgeregt. Eigentlich interessierte ich mich nicht für irgendwelche Stars, aber Edward Cullen war nicht 'irgendeiner'. Edward Cullen spielte in meinem absoluten Lieblingsfilm mit und sah dazu auch noch supergut aus.

Bronzefarbene Haare, blasse Haut und wunderschöne, tiefe grüne Augen.

Alice schleifte mich in den Zimmermädchen-Gemeinschaftsraum.

Rosalie stand an der kleinen Küchenzeile und machte sich, dem Geruch nach, Kaffee.

„Mrs Hale?", fragte Alice vorsichtig.

Rosalie drehte sich langsam um und sah uns mit einem starren Lächeln an.

Hatte sie das vor dem Spiegel geübt, oder was?

„Ja?"

„Ähm ... wir wollten fragen, ob wir heute Vormittag, die Rezeption übernehmen könnten.", sagte Alice und ich kniff die Augen zusammen.

Ich erwartete ein Donnerwetter oder sonst was, aber es kam nichts. Stattdessen meinte unsere Chefin verträumt:

„Aber sicher doch!"

„Das ist echt nett von ihnen!", lachte Alice.

„Nennt mich doch Rose."

Was war denn mit der los? Verklemmte Schreckschraube mutiert zu supernetter Chefin!? War das möglich?

„Okay ... Rose.", erwiderte Alice und lächelte.

Alice und ich verließen den Raum und ließen uns hinter dem Tresen nieder. Meine Freundin kicherte siegessicher.

„Jetzt können wir ihn life sehen und dann auch noch mit ihm sprechen! Ist es schon so weit, oder bin ich im Himmel?", schwärmte sie.

Ich sah sie mit hochgezogenen Augenbrauen an und dann prusteten wir los.

„Aber jetzt mal zurück in die Realität!", fing ich an.

„Oh nein! Bitte nicht!"

„Oh doch. Was ist denn mit Blondie los?", fragte ich.

Blondie, war unser geheimer Spitzname für Rosalie.

„Keine Ahnung. Aber ist doch auch egal! Freuen wir uns, dass sie mal nett ist!", kicherte Alice.

Da hatte sie allerdings Recht ...

~*~

Wir saßen fast den ganzen Vormittag an der Rezeption und langweilten uns.

Jedes mal, wenn die große Eingangstüre aufschwang streckten wir uns erwartungsvoll und jedes Mal war es ein unbekannter Gast.

Doch dann, um 13.47 Uhr (ich hatte mir die Uhrzeit eingeprägt) öffnete sich die Türe und es trat ein großer Mann mit bronzefarbenen Haaren ein. Er warf dem Portier sein Gepäck hin und stolzierte dann auf die Rezeption zu.

Ich bekam fast einen Herzinfarkt, so gut sah der Typ aus.

„Guten Tag! Was können wir für sie tun?"

War das ich, die da sprach? Alice war es jedenfalls nicht, als musste ich es sein.

„Ich will ein Zimmer. Das größte. Ich bin -"

Ich ließ ihn nicht ausreden.

„- Edward Cullen. Ich weiß."

Ich fing an, hysterisch zu kichern.

Oh mein Gott!

Er grinste mich an und entblößte dabei seine perfekt weißen Zähne.

Mit welcher Zahncreme er wohl putzte?, dachte ich verzückt.

Mit welcher Zahncreme er sich die Zähne putzt? Jetzt war es offiziell – Ich bin verrückt.

„Sie haben Zimmer 513.", meinte Alice und gab ihm einen goldenen Schlüssel mit einem weißen Anhänger auf dem – natürlich in goldener Schrift – die Zimmernummer stand.

Er nahm ihr den Schlüssel ab und berührte dabei ganz kurz ihre Hand.

Auf Alice Gesicht breitete sich ein breites Lächeln aus. Dann drehte er sich um, rief nach dem Portier, der sich mit seinem Koffer abmühte und stellte sich vor den Aufzug.

„Er. Hat. Mich. Berührt.", quiekte Alice.

„Und mich hat er angelächelt.", antwortete ich.

Warum ließ uns eigentlich nicht der Sabber aus den Mündern?