Kapitel 3

Alice und ich diskutierten noch eine geschätzte halbe Stunde, wie gut er aussah und wen er denn jetzt eigentlich angelächelt hatte. Alice war sich sicher, dass er sie gemeint hatte, doch ich stimmte dagegen.
Wir führten uns auf, wie verliebte Teenager, dachte ich.
Aber was soll's? Immerhin war er Edward Cullen ...
Doch schließlich unterbrach uns Jessica, die anscheinend gerade erst zur Türe hereingekommen war. Ihre Augen waren rot und ich war mir sicher, dass sie geweint hatte.

„Jess. Hey, was ist denn los?", fragte ich vorsichtig.

Sie sah mich traurig an.

„Ich hab ihn verpasst, nicht? Er war schon da!", fing sie plötzlich an, zu motzen.

Ich traute meinen Ohren nicht.

„Du weinst, weil du ihn verpasst hast?", wollte ich wissen.

„Nicht nur. Aber deswegen auch, aber nicht so wichtig.", winkte sie ab, „Sah er denn gut aus?"

„Oh ja! Und er hat mich angelächelt! Und berührt hat er mich auch!", erzählte Alice.

„Hey. Das stimmt nicht! Er hat mich angelächelt!", fuhr ich dazwischen.

Jessica fing an zu kichern und verschwand dann im Gemeinschaftsraum.

„Wir müssen es irgendwie schaffen, dass wir sein Zimmer sauber machen können.", fing Alice an.

Dabei leuchteten ihre Augen, wie immer wenn sie eine blendende Idee hatte.

„Und wie sollen wir das anstellen?"

„Blondie. Sie hat gute Laune, warum sollten wir nicht etwas schleimen?", schlug Alice vor.

„Und du meinst, dass das funktioniert?", meinte ich skeptisch.

„Wer nicht wagt, der nicht gewinnt."

„Und wer nicht kämpft hat schon verloren, schon klar, Alice."

Sie lachte und dann machten wir uns auf die Suche nach Rosalie. Nach einer guten Viertelstunde fanden wir sie an der Bar. Sie hatte ein Glas Oragensaft vor sich und lächelte selig.

„Hey Rose.", meinte Alice vorsichtig.

„Oh. Alice, Bella.", meinte sie.

Anscheinend war sie gerade in Gedanken gewesen.

„Ist was passiert?", fügte sie noch hinzu.

„Nein, nein. Wir ... ähm ... hätten nur ein kleines Anliegen ...", fing Alice an.

Ich hielt mich lieber im Hintergrund. Ich wollte es nicht zugeben, aber Blondie machte mir manchmal ein wenig Angst ...

„Ich weiß schon. Ich teile euch für das Zimmer ein, glaubt ja nicht, ich hätte euch nicht durchschaut. Aber jetzt los, an die Arbeit."

Auch wenn sie uns wieder Befehle gab, war ihre Stimme weich und friedlich. Ich hätte gern den Grund gewusst ...

Alice klaschte zufrieden in die Hände.

„Danke, Rose!", murmelte ich vorsichtig.

Man wusste ja nie, wann sie sich wieder in das Monster zurück verwandelte ...

Den restlichen Tag verbrachten Alice und ich damit, die Zimmer zu reinigen, die auf unsrem Plan standen. Edward Cullen's Zimmer würden wir erst morgen sauber machen müssen.
Auch wenn wir nicht in seiner Nähe waren, hielt es uns nicht davon ab, über ihn zu reden.

„Ach Gottchen!", quiekte Alice, „Vielleicht sehen wir ihn morgen nochmal."

„Weißt du eigentlich, wie lange er bleibt?"

„Keine Ahnung.", sie zuckte mit den Schultern, „Ich hoffe lange."

„Sehr lange.", stimmte ich kichernd zu, „Aber sag mal, was ist eigentlich mit Jasper?"

„Wie meinst du das?"

„Naja. Wird der nicht eifersüchtig?", kicherte ich.

„Nein. Glaub ich nicht. Aber ich fänd's irgendwie süß wenn er es würde.", lachte sie.

Ich sah sie misstrauisch an. Manchmal glaubte ich, sie fand alles süß, was mit Jasper in Bezug kam ...

„Guck doch nicht so!", beschwerte sie sich.

Ich kicherte und dann arbeiteten wir weiter.

~*~

So sehr wir es uns auch wünschten, heute trafen wir keinen Edward Cullen mehr. Leider.
Alice und ich verabschiedeten uns vor der Eingangstüre des Hotels. Ein Küsschen links, ein Küsschen rechts.
Dann verschwanden wir beide in die entgegengesetzten Richtungen.

„Bella!", hörte ich plötzlich Alice noch rufen.

„Ja!", schrie ich zurück.

„Vergiss nicht, morgen hochhakige Schuhe anzuziehen. Am besten die silbernen Stilettos die ich dir vorletztes Jahr geschenkt hab!"

„Okay!", log ich.

Ich wusste jetzt schon, dass ich diese Stiletten – oder wie hießen die Dinger noch gleich !? - nicht anziehen würde.
Die hatten zehn Zentimeter Absätze. Mindestens.
Kopfschüttelnd winkte ich nach einem Taxi. Und ich hatte Glück, es blieb ein Taxi stehen. Gerade als ich die Türe aufmachen wollten, drängelte sich jemand an mir vorbei.

„Hey!", beschwerte ich mich, doch dann erkannte ich, wer es war.

Edward. Edward Cullen.

„Sorry. Aber ich habe eine wichtige Verabredung. Du hast doch hute sicher nichts mehr vor. Kannst ja zu Fuß gehen.", schlug er vor und lächelte mich siegessicher an.

Ich brachte kein Wort mehr hervor, obwohl ich innerlich einen Wutausbruch erlitt.

'Dieser dreckiger, dummer, hochnäsiger, reicher und gutausehender Schnösel!', lag mir auf der Zunge.

Er nannte dem Fahrer die Adresse, schlug dann die Türe zu und das Taxi fuhr los. Ich stand immer noch am Straßenrand und starrte auf die Stelle, wo er vorher noch gewesen war. Dann wurde ich plötzlich wieder klar im Kopf und schlug mir zur Sicherheit auch noch zweimal kurz mit der Hand auf die Backe.

„Ganz ruhig, Bella. Er ist doch auch nur ein Mensch.", beruhigte ich mich.

Aber ein verdammt hübscher ...

~*~

Da ich kein anderes Taxi bekam, trottete ich nach Hause.
Vielleicht sollte ich mir ein Auto kaufen ...
Ich grinste in mich hinein. Naja, vielleicht besser ein Fahrrad.

Als ich zu Hause ankam, öffnete ich sofort meinen Schuhschrank und holte die silbernen Stilettos (.de/ae/lg_AF_S_Strass_silber_) heraus.
Vorsichtig schlüpfte ich hinein, an ein paar Stellen drückte das Leder, welches mit weißen Strassteinchen besetzt war.
Dann richtete ich mich vorsichtig auf und versuchte einen Schritt zu gehen.
Versuchen war das richtige Wort ...
Ich musste aussehen wie ein einbeiniges Huhn. Ich torkelte durch die Gegend, rutschte mit dem Absatz den Parkettboden entlang und landete dann schließlich auf dem Boden.

„Au!", jaulte ich und rieb mir das Steißbein.

Okay. Stilettos waren definitiv nichts für mich. Ich zog sie also wieder aus und beschloss, mit etwas weniger hohem an zu fangen.

Auch wenn die roten Pumps und die schwarzen High Heels niedrigere Absätze hatten, verhinderte dies nicht, dass ich nicht entweder hinfiel oder wie eine besoffene durch die Gegend wankte.

Ich seufzte traurig, ging dann in die Küche und machte mir ein Brot. Ich hatte keine Lust, mir etwas aufwändigeres zu kochen.

Würde ich doch sowieso nur versalzen, dachte ich sarkastisch.

Dann setzte ich mich vor den Fernsehr und zappte durch die Programme. Nur langweilige Talkshows, dann hatte ich eine Idee.

Ich durchsuchte das DVD-Regal, bis ich schließlich mein Objekt der Begierde entdeckt hatte. 'Until you love me', der Film, indem Edward Cullen mitspielte.
Ich legte in den Player und schaute gebannt zu.

Warum konnte er im echten Leben nicht auch so nett und schüchtern sein?, dachte ich mürrisch.

Tja, das Leben ist eben kein Ponyhof!