4. Der silberne Schleier der Unschuld

Sofort suchte sie Deckung hinter den breiten Stamm einer gewaltigen Buche und hoffte inständig, dass sie nicht gesehen wurden war. Erst nach ein paar Sekunden, indem sie ihre Atmung wieder einigermaßen beruhigt hatte, traute sich die Gryffindor, vorsichtig hinter dem Baum hervorzugucken. Und tatsächlich. Wenigstens dieses Mal schien sie Glück gehabt zu haben. Noch schien sie nicht bemerkt worden zu sein.

Im Schutz der Bäume und der Nacht stand Severus Snape, seinen Zauberstab in der Hand haltend, die Augen geschlossen und sein Gesicht gen Himmel gestreckt. Auch er schien, wie noch Hermine vor wenigen Minuten, die angenehme Frühlingsluft zu genießen.

Hermine duckte sich hinter einen dicken Strauch, hinter dem sie ihn beobachten konnte. Denn obwohl ein großer Teil in ihr sie förmlich anbrüllte, wieder zum Schloss zurückzukehren, blieb sie. Sie war eine Gryffindor. Und das bedeutete, dass sie neben einer Portion großen Mut auch eine gewaltige Menge an Neugierde besaß.

Sie beobachtete, wie Snape wieder seine Augen öffnete und einmal tief durchzuatmen schien. Dann hob er seinen Zauberstab, richtete ihn auf einen Punkt vor sich und sprach die Worte „Expecto Patronum."

Mit weit aufgerissenen Augen sah die junge Frau, wie sich der silberne Faden des formlosen Patronus immer mehr zu einem Körper formte. Erst konnte sie das Wesen nicht erkennen, doch nach wenigen Sekunden hatte sich der silberne Schleier zu einer grazilen Hirschkuh gewandelt, die nun direkt vor Snape stand.

Es war ein mächtiger Patronus, denn der weiße Schimmer des Rehs reichte bis zu Hermine rüber und sie musste ihre Augen ein wenig zusammenzukneifen, um nicht geblendet zu werden.

Die Gryffindor war fasziniert von diesem Wesen, welches sich nun auf Snape zu bewegte. Hermine begann sich gerade zu fragen, warum Snape mitten in der Nacht seinen Patronus heraufbeschwor und das offensichtlich ohne Grund, als Snape wieder ihre ganze Aufmerksamkeit auf sie zog und mit seinem Verhalten indirekt ihre Frage beantwortete.

Der große schwarze Mann sank auf die Knie und streckte langsam eine Hand nach der silbernen Hirschkuh aus. Sein Blick wirkte weniger dunkel, beinahe schon leidend, als er sich seinem Patronus gegenübersah.

Und dann passierte etwas Magisches. Etwas, was Hermine noch nie gesehen hat. Etwas, wovon sie noch nicht einmal gewusst hatte, dass dies passieren konnte. Als Snape die Hirschkuh mit seiner Hand zart am Hals berührte, begann diese sich zu verwandeln.

Ein weißer Wirbel aus Nebelschwaden umgab den Körper des Wesens, welcher sich nun in etwas größeres verwandelte. Gebannt beobachtete Hermine diesen Zauber und als der Nebelwirbel verschwunden war, sah sie, in was sich die Hirschkuh verwandelt hatte: In eine hübsche junge Frau.

Auch sie sank auf ihre Knie und blickte Snape mehrere Sekunden lang in die tiefschwarzen Augen, die nun zu glühen schienen. Dieser Stille Moment des Betrachtens gab Hermine die Gelegenheit, die junge Frau genauer zu beobachten.

Sie war sehr schlank und wirkte beinahe elfengleich, was dieser weiße Schimmer, in dem sie erschien, nur noch unterstrich. Sie hatte langes wallendes Haar, welches ihr anmutend ins Gesicht fielen. Ihre ganze Person schimmerte in derselben Nuance wie zuvor die Hirschkuh und nur allein ihre Augen glänzten in einem tiefen Grün.

Hermine konnte sich nicht helfen. Diese Frau kam ihr seltsam bekannt, so vertraut vor, aber gleichzeitig war sie sich sicher, ihr noch nie begegnet zu sein.

Sanft hob die Frau ihre Hände und erfasste Snapes Gesicht. Ein zartes, beinahe tröstendes Lächeln zeigte sich auf ihren weichen Zügen. Snape schloss kurz seine Augen und wisperte einen Namen. Einen einzigen Namen, der Hermine die Luft zum Atmen nahm – Lily.

Snape schien um seine Beherrschung zu kämpfen, doch schließlich gab er den Kampf auf und ließ sich von Lily Potter in die Arme ziehen. Er verbarg sein Gesicht in ihrer Halsbeuge, schloss seine Augen und schien ihre Nähe in sich aufzusaugen.

Trotz des Schocks, dass es sich bei der Frau offensichtlich um Harrys Mutter handelte, beschlich sie ein Gefühl der Rührung. Dieser Anblick, wie der große unnahbare Zaubertränkeprofessor in den Armen der zarten Frau lag und das suchte, was er sich immer verwährt hatte – Geborgenheit und Liebe – machte sie beinahe traurig.

Erst nach einer ganzen Weile löste sich Snape aus der Umarmung. Ein trauriges Lächeln bildete sich auf seinen herben Zügen, seine Augen schienen einen Moment tränenlos zu weinen.

„Ich danke dir." Wisperte Snape Lily entgegen.

Diese nickte ihrem Gegenüber leicht zu und mit einem zarten Lächeln löste sich die Gestalt der jungen Frau wie ein Nebelschwaden in der Sonne auf. Zurück blieb ein noch immer kniender Tränkeprofessor, der mit leerem Blick in die nun wieder dunkle Nacht starrte.

Auch Hermine verbarg sich wieder ganz hinter ihrem Versteck und lehnte sich mit nachdenklichem Blick gegen den rauen Baumstamm. Ihr Herz raste auf unerklärlicher Weise und auch ihre Atmung wirkte unkontrolliert.

Die Bilder, die sich ihr eben gezeigt hatten, schienen sich in ihre Netzhaut eingebrannt zu haben. Noch immer konnte sie diese beiden ineinander verschlungen Personen vor sich sehen. Snape so emotional und menschlich zu erleben, war beinahe schon zu viel für die junge Frau. Und hinzu kam das Wissen, dass er sie umbringen würde, wenn er jemals herausfand, dass sie dies mit angesehen hatte.

Eine plötzliche Angst doch noch entdeckt zu werden, packte Hermine und ließ sie sich von dem Baumstamm abstützen, gegen den sie gelehnt hatte. Eilig wollte sie ihr Versteck verlassen, um möglichst ungesehen aus Snapes Blickfeld zu verschwinden. Doch leider hatte sie in ihrer Eile nicht auf den mit Wurzeln durchwachsenden Boden geachtet. Und so passierte das, was passieren musste.

Sie stolperte in der Dunkelheit über das Wurzelwerk, verlor das Gleichgewicht und schlug mit einem dumpfen Geräusch auf dem lehmigen Waldboden auf. Wie erstarrt blieb sie liegen und hoffte inständig, dass er sie nicht gehört hatte. Sie hielt ihren Atem an, versuchte sich nicht zu rühren und hoffte, betete, flehte.

Gespannt horchte sie in die Stille hinein. Sie konnte nichts hören. Keine Schritte, kein Atmen, nichts. Und so traute sich Hermine, sich langsam wieder aufzurappeln. Ihr Knöchel schmerzte ein wenig, doch sie war froh, sich durch diese gewaltige Wurzel nichts gebrochen zu haben.

Sie klopfte sich die Erde von ihren Sachen, atmete erleichtert aus, drehte sich um und erstarrte augenblicklich. Nur wenige Meter vor ihr stand eine große dunkle Gestalt. Snape.

Panik ergriff die junge Frau. Er hatte sie also doch gehört. Doch sie war sich sicher, dass er sie in dieser absoluten Dunkelheit noch nicht erkannt hatte. Und so tat Hermine das Törichtste, was man in ihrer Situation hätte tun könne. Sie floh.

Wie ein gewaltiger Blitz hatte sie sich umgedreht und die Flucht angetreten. Sie wusste nicht, wo sie hinlief, doch das war ihr egal. Alles war besser, als Snape in die Arme zu laufen. Die Panik bescherte ihr eine Geschwindigkeit, von der sie selbst nichts wusste. Die Gryffindor rannte um ihr Leben, denn sie wusste nur zu gut, dass Snape mit ihr kurzen Prozess machen würde, wenn er sie in die Hände bekam.

Mit einem Mal konnte Hermine die gewaltigen Türme von Hogwarts durch das Dickicht sehen. Die junge Frau konnte ihr Glück kaum fassen, doch noch bevor sich Erleichterung in ihr ausbreiten konnte, riss sie ein gewaltiger Blitz von den Füßen und schleuderte sie schmerzhaft zu Boden.

Mit einem lauten Keuchen kam sie auf dem nun wieder etwas steinigeren Boden zum Liegen.

„Hab ich dich." Hörte sie Snape nur noch raunen, bevor er einen Lumos sprach und das bläuliche Licht die beiden Personen aus der Dunkelheit löste.

„Granger!" zischte Snape sowohl verärgert als auch überrascht, als er seinen „Fang" erkannt hatte.

Vorsichtig sah sie ihren Professor an. Alles in ihr wirbelte durcheinander und eine schneidende Angst machte sich in ihr breit. Was würde er jetzt mit ihr anstellen? War das jetzt ihr Ende?

Eine erste Antwort auf ihre Fragen erhielt sie auch prompt. Hart wurde sie hochgerissen und gegen den nächsten Baum gepresst. Die harte raue Rinde bohrte sich unangenehm in ihren Rücken. Doch dies war nichts im Vergleich zu der rasenden Wut, die in Snapes schwarzen Augen stand.

„Was tun Sie hier Granger?!" blaffte er sie mit dunkler Stimme an und verstärkte zur Unterstützung seiner Frage den harten Griff um ihre Oberarme.

Ein leises Wimmern entrang sich ihrer Kehle. Sie wollte keine Angst zeigen. Nicht vor ihm. Aber seine gewaltige Präsenz und diese von Zorn getriebene Aura bohrten sich tief in ihren Körper und ließ diesen erzittern.

„Antworten Sie mir gefälligst!" schrie er sie nun an. Hermine erkannte deutlich, dass seine Beherrschung nur noch an einem seidenen Faden hing. Doch was sollte sie ihm sagen? Dass sie von ihm geträumt hatte und deswegen frische Luft gebraucht hatte. Dass sie so ganz aus Versehen im verbotenen Wald gelandet und völlig unfreiwillig sein Treffen mit Lily gesehen hatte?

Das würde ihre Situation wahrscheinlich auch nicht verbessern. Doch irgendwas musste sie sagen, sonst würde er sie nie wieder von diesem Baum lassen und ihre Arme noch irgendwann zerquetschen.

„Ich… ich konnte nicht schlafen." Wimmerte sie hilflos. Ja, zugegebenermaßen war das nicht die beste Antwort, doch etwas Sinnvolleres war ihr auf die Schnelle nicht eingefallen.

Mit einem heftigen Ruck wurde sie noch einmal fester gegen die harte Rinde gepresst. „Wagen Sie es nicht noch einmal, mich zu verarschen Granger." Fauchte er ungehalten. Sie wusste, dass ihn nicht die Tatsache, dass sie sich unerlaubt und mitten in der Nacht hier draußen befand, so rasend machte, sondern das Wissen, dass sie ihn mit Lily – in einem für ihn schwachen Moment – gesehen hatte.

Und dies ließ er sie jetzt schmerzlich spüren. Seine Augen hatten sich in ihre versenkt und schienen ihren Blick nicht mehr loslassen zu wollen. „Was haben Sie hier zu suchen?!" drängte er sie abermals zu einer Antwort.

Hermine musste hart schlucken. „Das habe ich Ihnen doch schon gesagt Sir." Wiederholte auch sie sich erneut. „Ich… ich konnte nicht schlafen und dachte, dass… dass ein wenig frische Luft mir gut tun würde." Versuchte sie sich weiter zu erklären.

„Und da dachten Sie, der verbotene Wald wäre der richtige Ort für einen romantischen Nachtspaziergang?" ätzte Snape weiter.

Mutig hielt sie seinem Blick stand und so langsam aber sicher kehrte auch ihr Gryffindorscher Mut zurück. „Ja, ich dachte, hier könnte man ungestört nachdenken." Gab sie nun etwas kecker zurück.

Innerlich schollt sie sich für ihren Trotz, den sie ihn nun entgegenbrachte. Das würde die Situation auch nicht bessern und Snapes Wut lindern. Aber sie konnte nichts dagegen tun, dass die Angst nun diesem Gefühl wich.

„Werden Sie nicht frech Granger." Drohte er ihr mit zusammengekniffenen Augen.

„Wie? Das ist Ihnen auch nicht recht?" ereiferte sich die junge Frau. „Meine erste Antwort hat Ihnen ja offensichtlich nicht so zugesagt. Da dachte ich, vielleicht mögen sie eine andere Variante."

„Sie vergessen gerade, wen Sie vor sich haben." Seine Stimme floss wie schwarzer Samt zu ihr und bescherte ihr auf unerklärlicher Weise eine Gänsehaut, die sie noch mehr ängstigte als Snapes gewaltige Präsenz.

„Und Sie vergessen, dass ich noch immer eine Schülerin und somit eine Schutzbefohlene von Ihnen bin." Spielte sie den Ball zurück – und das mit Erfolg.

Snape wurde sich seiner Lage bewusst und ließ Hermine schließlich los. Er hatte eine Schülerin bedroht. Er hatte die Kontrolle über sich verloren, weil dieses Gör nun etwas von ihm wusste, was niemals jemand hätte erfahren sollen.

„Wenn Sie irgendjemanden von der heutigen Nacht erzählen, dann werden Sie es bitter bereuen." Stellte er auch sogleich seinen Standpunkt klar.

Hermine, die gerade wieder versuchte zu Atem zu kommen, da Snape nun nicht mehr mit seinem ganzen Gewicht gegen ihren Körper drückte, sah ihn überrascht und verletzt zugleich an. „Schade. Ich hatte eigentlich vor, diese Story gleich morgen an den Tagespropheten zu verkaufen." Gab die junge Frau gereizt zurück, worauf sie nur eine hochgezogene Augenbraue kassierte.

Als er nichts dazu sagte, fügte sie nun weniger gereizt hinzu: „Glauben Sie wirklich, ich renne morgen gleich zu Harry und sage ihm, dass ich seine Mutter mit Ihnen zusammen im verbotenen Wald gesehen habe? Was glauben Sie wohl, was Harry dann von mir halten würde."

Mutig blickten ihre braunen Augen Snape an. Dieser schien zu überrascht von ihrem plötzlichen Sarkasmus zu sein, als dass er sie hätte anbrüllen können. Doch schließlich hatte Snape sich wieder im Griff.

„Sie lehnen sich eindeutig zu weit aus dem Fenster." Mahnte er in bester Lehrermanier. Doch innerlich kam er nicht umhin, sie für ihren Mut und ihren sarkastischen Witz zu bewundern. Wenigstens ein kleinwenig.

Hatte sie zuerst noch panische Angst vor ihm gehabt, die er in ihren Augen hatte ablesen können, hatte sie nun ihren Löwenmut wieder gefunden. Minerva wäre wahrlich stolz auf ihr Löwenbaby, dachte Snape nur zynisch.

Hermine hingegen schien es nun wirklich vorzuziehen lieber zu schweigen. Sie hatte ihren Professor an diesem einen Tag schon genug verärgert.

„Gehen wir zurück zum Schloss." Unterbrach er schließlich die Stille, die sich zwischen beiden entwickelt hatte. „Und morgen werde ich dann über eine angemessene Strafe für ihr inakzeptables Verhalten nachdenken." Ergänzte er in einem gehässigen Tonfall.

Na super, dachte Hermine nur. Nicht nur dass sie gestern erst eine Woche Strafarbeit bei Filch aufgebrummt bekommen hatte. Jetzt konnte sie sich noch auf eine Extrastrafe gefasst machen. Hermine, du kannst stolz auf dich sein, höhnte sie zu sich selbst.

Ohne noch etwas zu sagen, folgte sie ihrem Professor, der sich bereits in Richtung Schloss bewegte. Hermine war gerade einmal wenige Schritte gegangen, als sich plötzlich Worte in ihr manifestierten, die sich unerbittlich in ihr breit machten und nach draußen drängten.

Dieses Gefühl war dasselbe, wie am vorigen Tag, wo sie ihren ersten Fauxpas bei Snape gelandet hatte. Panisch weiteten sich ihre Augen, als sie sich dessen gewahr wurde und presste verbissen ihre Lippen aufeinander.

Nein, nein, nein. Das durfte nicht sein. Sie durfte ihm das nicht sagen. Nicht DAS! Krampfhaft und der Verzweiflung nahe versuchte die Gryffindor diese Worte hinunterzuschlucken, sie zurückzudrängen, presste in ihrer Verzweiflung eine Hand auf ihren Mund.

Doch es war vergebens. Ohne es weiter kontrollieren zu können, sprudelten die Worte aus ihr heraus und wurden, begleitet von einem erschreckten Keuchen, zu Snape getragen.

„Du solltest Lily endlich loslassen. Du quälst dich nur unnötig."

Abrupt blieb Snape stehen, als er den Inhalt ihrer letzten Worte realisiert hatte. Kurz hielt er inne und überlegte, ob er sich ihre Worte eben nur eingebildet hatte, doch schließlich drehte er sich zu Hermine um, kam mit einem gewaltigen Schritt auf sie zu, packte sie abermals an ihrem Pullover und presste sie zum zweiten Mal innerhalb weniger Minuten hart gegen einen Baum.

„Wie können Sie es wagen!" donnerte er auch sogleich los, ohne der jungen Frau die Möglichkeit zu geben, sich zu erklären. „Wie können Sie es wagen, so etwas zu sagen! Wie können Sie es wagen IHREN Namen zu benutzen!"

Snape war außer sich, konnte sich kaum noch beruhigen. Lily war seine Schwachstelle, das wusste er. Und dass Hermine diese nun getroffen hatte, war für ihn kaum zu ertragen. Immer fester presste er die junge Frau gegen den Baum, ignorierte ihre Entschuldigungen und ihr Flehen sie loszulassen. Doch durch seine rasende Wut war er taub dafür geworden.

„Professor." Versuchte es Hermine immer und immer wieder. „Professor bitte, es… es tut mir leid." Wimmerte sie verzweifelt, doch Snape ließ nicht von ihr ab.

„Lassen Sie mich los… bitte." Flehte sie erneut, doch die Worte schienen bei Snape gar nicht anzukommen. Er war in Rage, schien sich und seine so berühmte Selbstbeherrschung gänzlich vergessen zu haben.

„Du tust mir weh!" rief sie plötzlich und abermals hatte Hermine das Gefühl, dass ihr diese Worte auferlegt wurden waren. Doch sie verfehlten ihre Wirkung nicht. Mit weit aufgerissenen Augen ließ er sie schließlich los und stolperte mehrere Schritte zurück.

Beide sahen sich, nun völlig durcheinander, aufgrund ihres eigenen Verhaltens, an. Hermine wusste nicht, warum sie ihn abermals geduzt hatte und Snape konnte sich nicht erklären, warum er eben seine Beherrschung vor dieser kleinen Gryffindor verloren hatte. Irgendetwas stimmte hier nicht. Das war nicht richtig, nicht gut.

Schwer atmend blickte er die junge Frau vor sich an und er fühlte, wie die Wut auf diese Gryffindor zurückkehrte. Und so beschloss er sich leise zurück zu ziehen. Ohne noch irgendetwas gesagt zu haben, verschmolz er schließlich mit der Dunkelheit der Nacht und ließ eine blasse und den Tränen nahe Hermine zurück.