8. Das Spiel mit dem Feuer
Als Hermine wieder erwachte, war es draußen bereits dunkel. Sie schaute auf ihre Uhr und musste geschockt feststellen, dass sie den ganzen rechtlichen Tag verschlafen hatte. Es war bereits 23.15 Uhr. Die Zeit, in der man eigentlich schlafen sollte. Doch die junge Frau war nun hellwach.
Es brachte nichts mehr, jetzt noch zu versuchen Schlaf zu finden. Und auch wenn Hermine damit ihren normalen Rhythmus völlig durcheinander brachte, stand sie schließlich auf.
Erst jetzt bemerkte sie, dass sie sogar noch ihre Schuluniform trug. Sie war so müde gewesen, dass sie es noch nicht einmal mehr geschafft hatte, sich umzuziehen. Hermine schüttelte kurz ihr lockiges Haar aus und spritzte sich etwas kaltes Wasser ins Gesicht.
Anschließend nahm sie ihren Zauberstab und verließ ihren Raum. Sie wollte sich in die Küche schleichen und die Hauselfen um einen kleinen Snack bitten, da sie ja das Abendessen verschlafen hatte.
Die Gryffindor war sich wohl bewusst, dass sie Gefahr lief, einem Lehrer über den Weg zu laufen. Wahrscheinlich würde es sich dabei um einen ganz bestimmten Lehrer handeln und es graute ihr jetzt schon vor dem nächsten Zusammentreffen. Das letzte hatte so seltsam geendet. Ohne Worte, ohne Kränkungen. Einfach so.
Nach einer ganzen Weile hatte sie schließlich die Küche von Hogwarts erreicht. Es war sehr warm und stickig und unzählige unterschiedliche Gerüche strömten auf Hermine ein. Ein etwas gewöhnungsbedürftiger Mix aus süßem Kürbissaft, herzhaften Schinken und fettigem Bratgeruch.
Zahlreiche Elfen wuselten noch um diese Zeit durch die Küche und putzen, fegten und spülten als ob es kein Morgen gab. Hermine war es ein wenig unangenehm, die Elfen jetzt zu unterbrechen, aber sie hatte einen so schrecklichen Hunger.
Und so räusperte sie sich vorsichtig, um auf sich aufmerksam zu machen. Und tatsächlich. Sofort hielten alle Hauselfen in ihrem Tun inne und blickten die junge Frau mit tellergroßen Augen an.
„Miss Hermine!" quiekte plötzlich eine schrille Stimme und durchbrach somit die aufgekommene Stille. „Dobby freut sich riesig Sie hier begrüßen zu dürfen. Was darf Dobby für Miss tun?"
Sofort stand der kleine Elf vor Hermine und blickte diese mit leuchtenden Augen an.
„Hallo Dobby." Begrüßte die Gryffindor den kleinen Wicht freundlich und schenkte ihm ein warmes Lächeln. „Ich wollte nur fragen, ob ihr noch etwas zu essen übrig habt. Ich habe nämlich das Abendessen vergessen." Gab sie leicht peinlich berührt zu.
Sofort sprang Dobby quiekend in die Luft und klatschte vor Freude in die Hände. „Dobby hilft gerne Miss. Alles was Miss will." Und ohne auf eine Erwiderung von Hermine zu warten, wirbelte er los und war sofort hinter einem der vielen Herde verschwunden.
Keine fünf Minuten später stand der kleine Hauself wieder mit leuchtenden Augen vor der jungen Frau und hielt ihr einen Teller mit frischen Pfannkuchen entgegen. Ein herrlich süßlicher Geruch, ausgehend von dem Sirup, welcher sich herrlich über die Pfannkuchen ergoss, stieg Hermine in die Nase.
Dankend nahm sie Dobby den Teller ab und setzte sich an den angebotenen Platz, um in Ruhe essen zu können.
Eine viertel Stunde später verabschiedete sich Hermine zufrieden und mit vollem Magen von den Hauselfen und verließ die Küche. Erst wollte sie wieder in ihre Räume zurückkehren. Doch schließlich beschloss sie, noch ein wenig frische Luft zu schnappen. Sie war jetzt so voll gefressen, dass ein wenig Bewegung sicher gut tat.
Die kühle Nachtluft hieß die junge Frau herzlich Willkommen. Es duftete herrlich nach frischem Gras und nach Seeluft, die vom schwarzen See von Zeit zu Zeit herüber getragen wurde.
Ihr Weg führte sie am Ufer des Sees entlang, bergauf zu Hagrids Hütte und schließlich zurück zu den Gewächshäusern. Dort verharrte sie, schloss die Augen und genoss den seichten Wind, der ihr sanft ins Gesicht blies.
In diesem Moment fühlte sie sich so frei, so glücklich. Eine innere Ruhe breitete sich in ihr aus, die jäh durch ein lautes Knacken wieder zerstört wurde. Hermine öffnete ihre Augen und erkannte eine dunkle Gestalt, die ganz in ihrer Nähe ebenfalls über die Ländereien spazierte.
Ohne zu zögern, schlich sie sich hinter dem Gewächshaus durch das Gestrüpp. Sie versuchte so leise wie möglich zu sein, nicht auf irgendwelche knackenden Äste zu treten oder sich im Gestrüpp zu verfangen, um womöglich noch hinzufallen. Schließlich hatte sie sich auch durch das Dickicht gekämpft und war an der Rückseite des Schlosses angekommen.
Das gewaltige Gemäuer des Schlosses türmte sich vor ihr auf. Hermine versuchte ihren Herzschlag wieder zu beruhigen und ihren Atem ruhig zu halten. Nach mehreren Sekunden, in denen sie kein Geräusch vernehmen konnte, wurde sie schließlich wieder ruhiger. Anscheinend hatte man sie nicht bemerkt.
Kurz schloss sie erleichtert ihre Augen und bekam beinahe einen Herzinfarkt, als sie diese wieder öffnete und sich Snape gegenüber stehen sah. Erst glaubte sie einen Geist zu sehen, denn sie konnte sich nicht erklären, wie er auf einmal so aus dem Nichts hatte auftauchen können.
Mit großen Augen blickte sie ihn offen an und zu ihrem größten Erstaunen, erwiderte er ihren Blick, ohne etwas zu sagen. Sie wartete. Auf eine Zurechtweisung, eine Strafe, eine Beleidigung. Doch nichts dergleichen kam.
Stattdessen stand er, scheinbar völlig ruhig, vor ihr und musterte sie mit seinem dunklen Blick. Die junge Frau merkte, wie sie immer tiefer in seinen schwarzen Augen versank, wie sie immer mehr von ihnen in den Bann gezogen wurde.
Und plötzlich war da eine innere Wärme. Eine Wärme, die heftige Wallungen nach sich zog. Und Hermine wusste nur zu gut, dass dieses Feuer gerade deutlich in ihren mandelförmigen Augen zu sehen war.
Sie wollte diesen verschmelzenden Augenkontakt unterbrechen und fliehen. Doch mit einem Mal konnte sie deutlich spüren, wie sich etwas veränderte. Sie glaubte beinahe die Funken fliegen zu sehen. Funken, die sich von ihr auf Snape übertrugen, sich in ihn einnisteten.
Snape konnte sich nicht erklären, was hier gerade passierte. Er wusste nur, dass es gefährlich und irgendwie nicht echt war. Aber dennoch wirkte es unheimlich verlockend auf ihn. Er blickte ihr tief in die Augen. In das tiefste und satteste Braun, was er je gesehen hatte. Eine unbändige Hitze stieg in ihm auf, als er sich ihrer Gefühle gewahr wurde, die deutlich in ihren Augen loderten. Gefühle, die man ihm eigentlich nicht entgegenbrachte.
Snape merkte, wie er immer schwacher, immer willenloser wurde, wie er sich nicht mehr wehren konnte und wie er schließlich von denselben Wallungen ergriffen wurde wie Hermine. Und ohne sich noch dagegen wehren zu können, ließ er dieses Gefühl schließlich die Kontrolle übernehmen.
Mit einem gewaltigen Schritt hatte Snape die Gryffindor erreicht, sie an sich herangezogen und seine Lippen hart auf ihre gepresst. Er küsste Hermine wie er noch nie eine Frau zuvor geküsst hatte. Diese Leidenschaft, dieses hell lodernde Feuer war so stark, dass es nicht mehr zu löschen war.
Als er merkte, wie sie schließlich seinen leidenschaftlichen Kuss mit der gleichen Intensität erwiderte, presste er sie hart gegen die Mauer. Sein gesamter Körper drückte sich an ihre zarten Rundungen und brachte ihn damit um den Verstand.
Auch Hermine hatte all ihre Hemmungen verloren. Ihre Hände entfernten flink seinen Umhang, öffneten hastig seinen Gehrock und griffen schließlich zielsicher nach seinem Hemd, um es ihm in einem Zug aufzureißen.
Sie strich über seine glatte Brust, reizte mit ihren Daumen und Zeigefinger immer wieder seine Brustwarzen und leckte ihm genüsslich über die so sinnlichen Lippen.
Seine Lust steigerte sich bis ins Unermessliche. Eine Lust, die er so zuvor noch nie gefühlt hatte. Keinen Moment dachte Snape an die Konsequenzen dieses Stelldicheins. Er dachte nicht daran, dass es seine Schülerin war, der er gerade voller Ungeduld ihr Höschen unter ihrem Rock zerriss und es zu Boden fallen ließ. Es war ihm egal, denn in diesem Moment trieb ihn nur die pure Leidenschaft.
Ohne noch weiter Zeit zu verschwenden, hob der die Gryffindor hoch und presste sie noch fester gegen die Mauer. Sofort schlang Hermine ihre Beine um seine Hüften und begann ungeduldig seine Hose zu öffnen. Ohne einen Blick, ohne überflüssige Romantik drang er hart in sie ein und nahm sie sofort in Besitz.
Sie fühlte sich wahnsinnig gut an. So eng, geschmeidig und unverbraucht. Mit stetig steigender Wonne stieß er immer wieder und mit heftiger werdenden Stößen in sie ein. Ihre keuchenden und stöhnenden Laute unterdrückten beide durch die feurigen Küsse, die sie ununterbrochen austauschten.
Wild tanzten ihre Zungen einen feurigen Tanz und erkundeten dabei mit einer ansteckenden Leidenschaft den heißen verführerischen Mund des jeweils anderen.
Hermine fühlte sich wie betrunken. Eine gewaltige Spannung baute sich stetig in ihr auf und mit jedem Stoß, den er ihr zuteil werden ließ, merkte sie, wie sie der Explosion immer näher kam. Es war quälend, dieses leichte Kribbeln in sich zu spüren und zu wissen, dass die Erlösung noch mehrere Stöße entfernt war.
Sie wollte endlich explodieren, andernfalls würde sie wahnsinnig werden. Gierig streckte sie sich Snape noch mehr entgegen, sodass er noch tiefer in sie eindringen konnte. Und tatsächlich. Es klappte. Nun stieß er jedes Mal mit seiner Spitze genau gegen ihren empfindlichsten Punkt, reizte ihn bis aufs Äußerste.
Hermine hatte große Not nicht laut aufzuschreien, als schließlich die Welle über ihr zusammenbrach und sie mit in einen gewaltigen Strudel aus Lust und Seligkeit zog. Nur am Rande ihres Bewusstseins merkte sie, wie auch Snape seinen Höhepunkt erreichte und sich genussvoll in ihr ergoss.
Schwer atmend und schweißgebadet hielten sie sich aneinander fest und genossen den süßen Nachklang ihrer Leidenschaft. Eine ganze Weile verharrten sie so, bis sie sich schließlich dem Ausmaß ihrer Tat gewahr wurden.
Mit einem Mal überrollte die umbarmherzige Realität die beiden Personen. Sofort ließ Snape von der jungen Frau ab. Sein Blick wirkte gehetzt, beinahe panisch.
Mit wackeligen Beinen stand Hermine dicht gegen die kalte Wand gedrängt. Ihr Blick ging nun ins Leere. Sie versuchte zu ergründen, was passiert war, wie es passiert war. Alles stürzte plötzlich auf die junge Frau ein, schien sie gnadenlos zu erdrücken.
Snape hatte sich mit seinen Händen an der Mauer abgestützt. Er hatte Halt gebraucht, irgendetwas, was ihn stützte. Auch sein Blick war ins Leere gerichtet. Er konnte die Gryffindor jetzt nicht in die Augen sehen. Sie war seine Schülerin verdammt! Was hatte er nur getan?!
Auch Hermine hatte mittlerweile realisiert, dass sie gerade gegen die Schulregeln, gegen jegliche Moral verstoßen hatten. Ein penetranter Fluchtgedanke packte sie. Hastig richtete sie ihre Kleidung. Und ohne ihren Lehrer noch eines Blickes zu würdigen, kroch sie unter seinen Armen hindurch und verschwand in der Dunkelheit.
Snape, blickte ihr nicht nach, ließ sie einfach gehen. Sein Gesicht war nach unten gerichtet, sein Kopf ließ er zwischen seinen Armen hängen und die Augen hielt er gequält geschlossen. Was war nur passiert? Er konnte es sich nicht erklären. Sie waren einfach übereinander hergefallen – wie hungrige Tiere. Sie hatten noch nicht einmal ein einziges Wort miteinander gesprochen.
*****
Hermine knallte die Tür zu ihren Räumen hinter sich zu und schmiss sich auf ihr Bett. Sie kuschelte sich in die Kissen und versuchte nun gar nicht mehr, die Tränen zurückzuhalten. Warum sie wirklich weinte, wusste sie nicht. Aber wahrscheinlich war es der Schock. Der Schock darüber, dass sie sich ohne Kontrolle ihrem Lehrer überlassen hatte.
Ihr Gehirn hatte sich irgendwann verabschiedet und diesem Gefühl Platz gemacht, welches nicht ihres war. Die junge Frau machte sich nichts vor. Es war dieselbe unbekannte Macht, die ihr auch immer diese Worte in den Mund legte.
Doch eine Sache war anders. Ein Detail, welches ihr ein wenig Angst machte. Snape hatte sich nicht mehr gewehrt. Er schien genauso willenlos gewesen zu sein wie sie selbst. Und das war absolut nicht gut.
Ein plötzlicher Krach ließ sie hochschrecken. Ihr Herz war wieder außer Kontrolle geraten, doch als sie sah, wer dieses Knallen verursacht hatte, beruhigte sie sich wieder.
Eine kleine Hauselfe, die gerne Mal als Postbote durch das Schloss geschickt wurde, stand mit zitternden Knien vor ihr und hielt der Gryffindor ein zusammengerolltes Pergament entgegen.
„E-eine Na-nachricht von von Mister Master Sn…Snape." stotterte die kleine Elfe und Hermine konnte nur zu gut nachvollziehen warum.
Dankend nahm sie der Elfe das Pergament aus der Hand und keine Sekunde später war das kleine Wesen auch schon wieder verschwunden.
Nun stand Hermine alleine und verlassen in ihrem eigenen Raum und hielt eine Nachricht von Snape in den Händen. Sie wusste im Moment nicht wirklich, was sie davon halten sollte. Hatte er ihr einen Heuler geschickt, in dem er sie aufs Übelste zusammenstauchte? Oder gab er ihr gleich bekannt, dass sie das gesamte nächste Jahr bei ihm Strafarbeiten absolvieren durfte?
Mach es auf, dann weißt du es, drängte ihre innere Stimme und schließlich gab sie diesem Drängen auch nach. Mit zitternden Fingern entrollte sie das Stück Pergament und las die doch sehr kurze Nachricht.
Kommen Sie sofort in mein Büro.
S.S.
Lange starrte sie diesen einen Satz an. Er befahl ihr allen ernstes, dass sie JETZT in sein Büro kam? Es war weit nach Mitternacht. Und wenn sie ehrlich sein sollte, dann hatte sie Snape so schnell eigentlich nicht wieder sehen wollen.
Angespannt stand Hermine vor Snapes Bürotür. Sie hatte schon aufgehört zu zählen, wie oft sie bereits versucht hatte zu klopfen. Immer wieder hatte sie ihre Hand, kurz bevor diese das Holz der Tür berührte, zurückgezogen. Sie konnte einfach nicht klopfen. Es war wie eine innere Sperre.
„Das ist doch bescheuert." Sprach sie schließlich zu sich selbst. Sie war eine Gryffindor. Und somit sollte sie auch den Mut besitzen, sich in die Schlangenhöhle vorzuwagen. Ohne noch einmal genauer darüber nachzudenken, hob sie ihre linke Hand und klopfte schließlich gegen das massive Holz.
Keine drei Sekunden später wurde die Tür auch schon aufgerissen und brachte einen sehr wütend dreinschauenden Snape zum Vorschein.
„Habe ich mich in der Nachricht nicht deutlich ausgedrückt?" ätzte er auch sogleich los.
Verblüfft sah die junge Frau ihren Lehrer an. Was wollte er denn jetzt von ihr.
Er atmete entnervt laut aus. „Wenn ich mich recht erinnere, dann habe ich Sie gebeten, SOFORT zu mir zu kommen." Blaffte er sie erneut an.
Hermine wusste in diesem Moment nicht so wirklich, was sie darauf sagen sollte. Was hatte er denn für ein Problem?
„Es tut mir leid." War das einzige, was sie hervor bekam. Ihre Kehle schien wie zugeschürt und sie schaffte es einfach nicht, ihrem Lehrer in die Augen zu blicken. Zu groß war die Scham vor dem, was vor gut einer Stunde erst passiert war.
Wütend blitzte er die Gryffindor daraufhin an, verkniff sich aber einen weiteren bissigen Kommentar. Stattdessen trat er schließlich beiseite und ließ die junge Frau in sein Büro eintreten.
Hermine kam sich an diesem Platz so falsch vor. Sie sollte nicht hier sein, in seiner Nähe. Völlig verloren blieb sie mitten im Raum stehen und drehte sich zu ihrem Professor um. Doch ihr Blick war stumm zu Boden gerichtete.
Snape war es nicht einfach gefallen, Hermine zu sich zu bestellen. Doch es war nötig. Er war ihr Lehrer und somit trug er auch die Verantwortung und die Konsequenzen ihres gemeinsamen Handelns.
Doch jetzt, wo sie vor ihm stand, so gedemütigt, so schüchtern, kam er nicht umhin, sich für das zu verurteilen, was er getan hatte. Auch wenn er es sich nicht erklären konnte, wie es so weit hatte kommen können, rechtfertigte dies noch lange nicht sein Verhalten.
Hermine fühlte sich elendig in dieser Stille, die sich zwischen ihnen ausgebreitet hatte. Plötzlich sah sie aus dem Augenwinkel, wie sich Snape in Bewegung setzte. Sie glaubte schon, er würde sie wieder packen und sie somit zwingen zu reden, ihn anzusehen. Doch nichts dergleichen geschah. Er ging einfach an ihr vorbei und schien in einem angrenzenden Raum zu verschwinden.
Als er nach wenigen Sekunden sein Büro erneut betrat, hatte sich Hermine noch immer nicht bewegt. Leise ging er zu ihr hinüber und hielt ihr eine kleine Phiole hin. Und endlich blickte die junge Frau auf.
Fragend sahen ihre braunen Augen erst ihn und dann die Phiole, gefüllt mit einer grünlichen Flüssigkeit, an. Ihre Augen weiteten sich unmerklich, als sie die Aufschrift auf dem Etikett las. Verhütungstrank stand dort in verblassten Lettern.
Erstaunt blickte sie Snape an. Sie hatte nicht im Geringsten daran gedacht zu verhüten. Oh mein Gott. Wie verwirrt war sie eigentlich?
„Sie sollten den Trank so schnell wie möglich einnehmen. Er wirkt nur bis zu zwei Stunden danach." Fügte er erklärend hinzu.
Hermine war es verdammt unangenehm, dass sie nicht an so etwas gedacht hatte. Aber gleichzeitig war sie ihrem Professor unendlich dankbar, dass wenigstens er einen kühlen Kopf zu bewahren schien.
Mit zittrigen Fingern nahm sie ihm die Phiole ab und hauchte ihm ein leises Danke entgegen. Ohne noch weiter nachzudenken, entkorkte sie die Phiole und leerte sie in einem Zug. Der bittere Trank ließ sie ihr Gesicht angewidert verziehen, was Snape mit einem amüsierten Schnauben quittierte.
„Ich habe nicht behauptet, dass der Trank gut schmecken würde." Meinte er mit ungewohnt belustigter Stimme.
Leicht beleidigt drückte Hermine die leere Phiole ihrem Lehrer wieder in die Hand. Snape wandte sich daraufhin von der jungen Frau ab und räumte die Phiole wieder weg.
Eine ganze Weile lang kämpfte Hermine mit sich, doch schließlich fand sie genug Mut dazu, ihm die Frage zu stellen, die ihr schon die ganze Zeit im Kopf herumspukte.
„Sir? Ha…haben Sie das freiwillig getan?"
Mit zitterndem Körper wartete sie auf eine Reaktion von ihm, doch eine Zeit lang stand er einfach nur, mit dem Rücken zu ihr, da und tat gar nichts. Doch schließlich ging ein Ruck durch seinen Körper und er drehte sich zu ihr um.
Sein Blick war nun wieder scharf. Das Schwarz in seinen Augen schien an Dunkelheit und Intensität noch zugenommen zu haben. „Was reden Sie da?!" blaffte er sie auch sogleich an.
Hermine rang nach Luft. Sie wusste nicht, wie sie mit diesem Thema umgehen sollte. Es war noch alles zu frisch, zu surreal. „Ich meine, ob Sie das Gefühl hatten, dass… dass jemand Ihr Verhalten…"
„gesteuert hat?" beendete er barsch ihren Satz. „Fangen Sie schon wieder mit diesem Unfug an?!" sprach er und drehte sich abermals von der jungen Frau weg.
Hermine sackte in sich zusammen. Warum musste dieser Mann auch nur so stur sein? „Sie müssen doch zugeben, dass diese… Begegnung… ziemlich seltsam war." Versuchte sie ihn abermals davon zu überzeugen, dass jemand ihre Triebe und Gefühle gesteuert hat.
„Seltsam ist wohl der richtige Ausdruck." Schnarrte er, ohne sich zu ihr umzudrehen. „Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nicht besessen war." Ätze er weiter.
Hermine wurde wütend. Er nahm sie nicht ernst und zu allem Überfluss machte er sich auch noch über sie lustig. „VERDAMMT NOCH MAL! SIE WOLLEN MIR DOCH NICHT ALLEN ERNSTES WEIß MACHEN, DASS SIE FREIWILLIG MIT MIR GESCHLAFEN HABEN!"
Unbemerkt von der Gryffindor schloss Snape seine Augen. Nein, das hatte er wahrlich nicht. Er hatte sich immer an den Grundsatz eines Lehrers gehalten. Schülerinnen waren tabu! Warum er diesen nun gebrochen hatte und dann auch noch ausgerechnet mit dieser Nervensäge, wusste er nicht.
Aber ihre Erklärung wollte er aus irgendeinem Grund nicht annehmen. Er konnte einfach nicht. Und so drehte er sich, nun wieder mit starrer Maske und klarem Blick, zu seiner Schülerin um und durchbohrte sie mit seinen Augen. „Ich bin auch nur ein Mann." Gab er schließlich ziemlich überheblich zurück.
Das hatte gesessen. Snape hatte es doch tatsächlich geschafft, dass sich Hermine noch schäbiger fühlte als ohnehin schon. „Für Ihre Bedürfnisse gibt es reizende Etablissements. Dazu müssen Sie keine Schülerinnen benutzen." Warf sie ihn an den Kopf.
Kurz blitzten seine Augen gefährlich auf, doch schnell hatte er sich wieder unter Kontrolle. „Ich hatte nicht gerade den Eindruck, dass Sie sich gewehrt hätten." Versuchte er sich zu verteidigen.
„Wenn ich bei vollem Verstand gewesen wäre, dann hätte ich mich auch…"
„SCHLUSS JETZT!" donnerte er plötzlich, sodass Hermine hart zusammenzuckte. „Ich will von ihrer Verschwörungs- oder Besessenheitstheorie nichts mehr hören!"
„Aber"
„Nichts aber Granger." Unterbrach er sie abermals barsch. „Verschwinden Sie jetzt." Befahl er und damit war das Gespräch für ihn beendet.
„Das ist nicht fair." Versuchte es Hermine erneut, doch vergebens.
„Verschwinden Sie jetzt oder ich vergesse mich noch!"
Traurig sah sie ihren Lehrer an. „Das haben Sie bereits." Hauchte sie ihm entgegen. Doch noch bevor er etwas darauf erwidern konnte, war die Gryffindor schon verschwunden.
