16. Blut

Als Hermine Snapes Labor betrat, fiel ihr sprichwörtlich die Kinnlade herunter. Bis an die Decke gestapelt, waren Ingredienzien über Ingredienzien auf zahlreichen Regalen verstaut. Gläser, Tiegel, Phiolen, kleine Fläschchen und Keramikgefäße beherbergten unzählige Kräuter, Lösungen, Tränke, Gifte und sonstige Zutaten, über die man nicht so genau nachdenken wollte.

Hermine fragte sich, wie sie dass alles in einer Nacht schaffen sollte. Das war ohne Magie völlig unmöglich. Doch es hatte keinen Zweck, jetzt herumzujammern. Dies würde ihr Problem auch nicht lösen.

Und so krempelte die Gryffindor ihre Ärmel hoch, straffte ihre Haltung und machte sich daran, die ersten Phiolen zu sortieren und wenn nötig, neu zu beschriften.

Mit der Zeit fand Hermine beinahe gefallen an der Sache. Es war zwar eine ziemlich eintönige und mühselige Arbeit, aber dafür besaß Snape unzählige wertvolle und seltene Ingredienzien, die Hermine in ihrem Leben zuvor noch nie gesehen hatte.

Schalen und Schuppen vom Norwegischen Stachelbuckel, Phönixfedern, Blüten von seltenen hochgiftigen Pflanzen, weißes Haar von einem Einhorn und Elfenstaub waren nur einige der zahlreichen Stoffe, die Snape hier so beherbergte.

Und nicht nur einmal fragte sich die junge Frau, warum er sie hier alleine arbeiten ließ. Sie kam nicht umhin zu glauben, dass er es ihr zutraute, keinen Schaden anzurichten. Doch warum sollte ausgerechnet Snape so ein Vertrauen in ihr haben?

Andererseits konnte sich die Gryffindor nicht vorstellen, dass sich ihr Lehrer nicht bewusst war, was hier alles passieren konnte. Hermine müsste nur einmal unachtsam sein und schon könnte sie eine Phiole mit einem wertvollen Inhalt zerstören.

Doch auch diesen Gedanken verfolgte sie irgendwann nicht mehr weiter. Denn es war einfach zu sinnlos, sich Gedanken darüber zu machen, was Snape denkt oder fühlt. Denn das herauszufinden, war so wahrscheinlich wie das Wahrheitspotenzial von Trelawneys Vorhersagen. Und so versuchte sich Hermine wieder auf ihre eigentliche Arbeit zu konzentrieren.

Stunden lang versuchte die Gryffindor wenigstens ein wenig Ordnung in dieses Chaos zu bringen. Doch sie bräuchte gut und gerne mehrere Wochen, um hier ein System hineinzubekommen.

Außerdem schwanden der jungen Frau so langsam die Kräfte und die Konzentration. Ihre Augen wurden immer schwerer und ihr Blick verschwamm mehr und mehr. Und so passierte das, was sie hatte vermeiden wollen.

Durch ihre Unachtsamkeit stieß sie einen Glasbehälter um. Wie in Zeitlupe sah sie den Behälter zu Boden fallen und dort schließlich in tausend kleine Splitter zerbersten.

Hermine stöhnte laut auf, als sie die herumliegenden Scherben und Kräuter, die in dem Behälter aufbewahrt worden waren, sah. Zum Glück war der Aufprall nicht sehr laut gewesen, denn andernfalls wäre Snape schon in sein Labor gestürmt, um Hermine für ihre Unachtsamkeit zu verhexen.

Snape schien tatsächlich nichts mitbekommen zu haben. Erleichtert, wenigstens einmal Glück zu haben, atmete die Gryffindor laut aus.

Anschließend sah sie sich nach einem leeren Behälter für die Kräuter um, die weitestgehend unbeschädigt geblieben waren. Und tatsächlich fand Hermine nach längerem Suchen einen anderen Glasbehälter, der noch nicht befüllt war.

Vorsichtig sammelte sie das empfindliche Grün ein und verschloss es in dem neuen Behälter.

„Jetzt einen Zauberstab." Murmelte sie nur, als sie die vielen kleinen Scherben auf dem Fußboden liegen sah. Wie sollte sie die ohne Hilfsmittel nur beseitigen?

Okay, sie könnte Snape holen und ihn um einen Besen bitten. Doch dann würde er ihr kleines Missgeschick unweigerlich mitbekommen und das wollte sie unbedingt vermeiden. Und so blieb der jungen Frau nichts anderes übrig, als die Scherben vorsichtig mit ihren Händen aufzusammeln.

Scherbe für Scherbe verschwand in der Tasche ihrer Strickjacke. Mit ruhigen Fingern sammelte sie ein spitzes Glasstück nach dem anderen auf. Und schließlich hatte es die junge Frau tatsächlich geschafft, alles aufzulesen.

Zufrieden betrachtete sie den nun wieder glasfreien Boden. Erleichterung machte sich in ihrem Körper breit. Und mit der Erleichterung kam auch die Unüberlegtheit zurück.

Ohne noch weiter an die Scherben in ihrer Tasche zu denken, steckte sie ihre Hand hinein und presste diese in die scharfen Scherben. Sekundenschnell breitete sich ein reißender Schmerz in ihrer Hand aus, der sich geschwind über ihren gesamten Arm ausbreitete.

Panisch zog Hermine ihre Hand wieder aus dem Scherbenmeer, doch es war bereits zu spät. Zahlreiche Einschnitte übersäten ihre Haut. Blut quoll aus den Öffnungen hervor und lief ungehindert ihre Hand entlang.

Der Schmerz wurde beißender, sodass ihr die Tränen in die Augen stiegen. Doch Hermine hatte nicht vor, jetzt zu Snape zu rennen. Mit dieser kleinen Verletzung würde er sie sicher nur auslachen. Und so angelte sie sich ein Taschentusch aus ihrer anderen Tasche und band es notdürftig um die verletzte Hand.

Den Schmerz versuchend zu ignorieren, machte sich die Gryffindor schließlich weiter an die Arbeit. Tapfer ordnete und sortierte sie Flaschen und Tiegel und beschriftete sie neu.

Doch die Arbeit wurde von Minute zu Minute schwerer. Immer öfter verschwammen die Gegenstände vor ihren Augen. Eine gleißende Hitze breitete sich ungehindert in ihrem gesamten Körper aus und als sie auf ihre stark blutende Hand blickte, die bereits schon den Fußboden voll getropft hatte, erfasste sie ein so starker Schwindel, dass sie sich krampfhaft am Regal festhalten musste.

Schweißtropfen bildeten sich auf ihrem Gesicht und ein unangenehmes Pochen hatte sich in ihrer Hand ausgebreitet. Sie versuchte ruhig zu amten, sich wieder zu beruhigen, doch die Panik und der Blutverlust taten schließlich ihr übriges.

Mit schwirrendem Kopf und reißenden Schmerzen sank die junge Frau schließlich zu Boden und blieb dort bewusstlos liegen.

Snape hatte die ganze Zeit über Aufsätze korrigiert. Es war nicht wirklich ein Vergnügen gewesen, da die meisten Schüler nicht den Hauch einer Ahnung hatten, von dem, was sie da schrieben.

Es hatte ihn, wie schon so oft, dermaßen geärgert, dass er fast allen Schülern eine schlechte Note gegeben hatte. Diese Dummköpfe sollten sehen, wo sie mit ihrem Halbwissen standen.

Nach zwölf kontrollierten Arbeiten hatte er sich schließlich einem Buch über verschiedene Tränke gewidmet. Fast eine Stunde lang hatte er darin gelesen, als ihm schließlich auffiel, dass er schon seit geraumer Zeit keinen Mucks mehr aus seinem Labor gehört hatte.

Angestrengt hörte er mehrere Minuten lang in die Stille hinein. Doch Nichts. Kein Glasgeklapper, keine Rascheln von Kleidung. Nur eine absolute Stille.

Mit einem leisen Knurren erhob sich Snape von seinem Stuhl. Wenn die Granger es gewagt hatte, ihre Arbeit einzustellen oder gar einzuschlafen, dann gnade ihr Gott.

Mit großen Schritten hatte er seine Labortür erreicht und öffnete diese mit einem gewaltigen Ruck.

Severus Snape hatte ja vieles erwartet, aber das Bild, was sich ihm nun bot, nicht. Seine Schülerin lag kreidebleich und bewusstlos auf dem harten Boden, ihre eine Hand blutete stark. So stark, dass sich bereits eine Lache auf dem Boden gebildet hatte.

Sofort eilte er zu Hermine und fühlte ihren Puls. Er war schwach aber Gott sei Dank da. Vorsichtig schlug er mit seiner Hand gegen ihre Wange, um sie wieder aufzuwecken. Doch Hermine rührte sich nicht.

Dann glitt sein Blick zu der blutenden Hand. Er entfernte vorsichtig das bereits blutdurchtränkte Taschentuch und sofort glitzerten ihn kleine Glaspartikel entgegen.

„Verdammt." Bellte Snape nur und hob schließlich seine Schülerin hoch. Mit großen Schritten verließ er sein Labor, durchquerte das Büro und trug die Gryffindor schließlich in seinen Wohnraum.

Dort angekommen, legte er sie vorsichtig auf dem Sofa ab, welches direkt neben dem Kamin stand.

Anschließend eilte er in sein Badezimmer. Hier hatte er einen Arzneischrank mit wichtigen Tränken für die erste Hilfe. Mit geübten und ruhigen Fingern zog er zwei Phiolen mit unterschiedlichen Flüssigleiten heraus.

Ohne den Schrank wieder zu schließen, verließ er das Bad und kehrte in seinen Wohnraum zurück.

Er kniete sich vor Hermine hin, erfasste ihr Gesicht und flößte ihr den ersten bräunlichen Trank gegen Blutarmut ein. Anschließend verabreichte er ihr den zweiten blauen Trank gegen die Entzündung und die Schmerzen.

Snape konnte nur hoffen, dass es noch nicht zu spät war. Denn mit einer Schnittverletzung, hervorgerufen durch Glas, war nicht zu spaßen. Glas wanderte und wenn es erst einmal in die Blutbahn gelangt war, dann gab es keine Hilfe mehr.

Er nahm seinen Zauberstab und murmelte einen Spruch. Augenblicklich wurden die kleinen Glassplitter in Hermines Körper sichtbar. Erleichtert stellte er fest, dass nur einige wenige noch in ihrer Hand steckten. Die meiste hatte sie wohl schon entfernt gehabt.

Dann richtete er die Spitze seines Zauberstabs auf die vielen kleinen Einschnitte in Hermines Haut. Ein bläuliches Licht drang aus der Spitze hervor und legte sich wie ein Schleier über Hermines Verletzungen. Nur wenige Sekunden später waren diese verschlossen. Nur noch feine dunkle Linien blieben von den Schnitten übrig.

Er murmelte erneut einen Zauber, der der jungen Frau einen erholsamen Schlaf schenkte. Anschließend nahm er eine Decke, die immer auf der Sofalehne lag und wollte sie über die junge Frau legen, als ihm etwas Glitzerndes ins Auge stach.

Langsam näherte er sich Hermines Tasche, aus dem dieser Schein kam und weitete diese mit seiner Hand ein wenig. Was er dort sah, ließ ihn ungläubig seinen Kopf schütteln. Unzählige scharfe Glassplitter funkelten ihn munter entgegen.

„Verdammte sture Gryffindor." Meckerte er seine bewusstlose Schülerin an.

Mit einem weiteren Schwenk seines Zauberstabs waren auch die Überreste von dem Glasbehälter beseitigt und nun deckte er die Gryffindor wirklich zu.

Erschöpft setzte sich Snape in seinen Sessel, der gegenüber vom Sofa stand. Erneut nahm er seinen Zauberstab zur Hilfe, um sich einen Kaffee herbeischweben zu lassen. Tief sog er den herrlichen Duft des schwarzen Gebräus ein und sofort schien sich sein Körper wieder zu beruhigen.

Diese kleine Nervensäge hatte ihm wirklich einen ziemlichen Schrecken eingejagt. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn er sie erst später gefunden hätte.

Er nahm einen großen Schluck von seinem Kaffee und versuchte den Gedanken zu verdrängen, der sich ihm eben auferlegt hatte. Warum war auch dieses sture Gör nicht zu ihm gekommen?

Tief in seinem inneren wusste er die Antwort, doch die schob er mal wieder ganz weit nach hinten.

Die Gryffindor im Auge behaltend, nahm er sich ein Buch und begann darin zu lesen. Doch irgendwann machten ihn das Lesen und das monotone Knistern des Feuers im Kamin müde. Kurz überlegte er, ob er sich einfach in sein Bett legen sollte, doch schließlich entschied er sich dagegen.

Und so blieb er in einer etwas unbequemen Haltung im Sessel sitzen und schlief irgendwann ein.

Als Severus Snape am nächsten Morgen erwachte, wurde er bereits von zwei müden aber immerhin wieder wachen braunen Augen beobachtet.

Beschämt blickte Hermine ihren Lehrer an, offensichtlich noch nicht wirklich dazu in der Lage zu reden.

Snape richtete sich unter leichten Schmerzen auf und versuchte die Verspannungen von der letzten Nacht irgendwie wegzudehnen.

„Wie geht es Ihnen?" fragte er seine Schülerin schließlich, als sie auch nach mehreren Minuten des Schweigens nichts gesagt hatte.

„Gut." Erwiderte sie scheu wie ein Reh.

Snape verdrehte daraufhin nur seine Augen. „Wenn ich mir so Ihr kalkweißes Gesicht und die Schweißtropfen darauf betrachte, glaube ich kaum, dass es Ihnen gut gehen kann."

Hermine schluckte. „Mir ist ein wenig übel." Gab sie schließlich zu und sank zurück auf die Couch.

„Das kommt von ihrem enormen Blutverlust." Erklärte er, erhob sich und verschwand im Bad. Nach einigen Momenten kam er wieder und reichte Hermine eine Phiole mit einer weißlichen Flüssigkeit drin.

Mit großen braunen Augen blickte sie ihren Lehrer an.

„Gegen die Übelkeit." Fügte er erklärend hinzu.

Mit leicht zitternden Händen nahm sie ihm die Phiole ab. „Danke." Murmelte sie etwas kleinlaut. Hermine schüttelte sich, als sie das bittere Gebräu hinuntergeschluckt hatte. „Sind Sie sich sicher, dass das nicht übelkeitsfördernd statt hemmend ist?" beschwerte sie sich über den Trank.

Ein leichtes filigranes Lächeln breitete sich auf Snapes Zügen aus. „Wenn Sie schon wieder meckern können, dann sind sie bald wieder ganz gesund."

Überrascht über seine leicht neckenden Worte, blickte sie ihren Lehrer an. Noch etwas unsicher lächelte sie ihn zart an und für einen kurzen Augenblick schien sich so etwas wie Einklang zwischen beiden ausgebreitet zu haben.

Doch schnell wurde Snape wieder ernst. „Was haben Sie sich nur dabei gedacht!" donnerte er seine Schülerin auch sogleich zusammen.

Hermine zuckte unter seinen plötzlichen lauten Worten zusammen und musste sich erst einmal wieder sammeln.

Beschämt blickte Hermine auf ihre Hand, die bereits wieder geheilt war. „Es tut mir leid, dass… dass ich Ihr Eigentum beschädigt habe.

Kurz blickte Snape seine Schülerin stumm an. „Sie hätten tot sein können, wissen Sie das?" sprach Snape mit strenger belehrender Stimme weiter. „Und Sie machen sich Gedanken darüber, weil sie einen Glasbehälter zerbrochen haben?"

Hermines Augen füllten sich ungewollt mit Tränen. Jetzt verstand sie ihren Lehrer gar nicht mehr. Hatte sie ihn so falsch eingeschätzt? „Ich… ich dachte, dass sie es hassen, wenn jemand ihr Eigentum beschädigt." Schluchzte Hermine unbeholfen ihrem Lehrer entgegen.

Snape indessen fühlte sich auch nicht wirklich sicherer. Was sollte er denn jetzt mit einer weinenden Schülerin anfangen? Das wurde ja immer besser. „Das tue ich auch." Gab er barsch zurück. „Aber noch mehr verabscheue ich es, wenn sich Leute aus Stolz Hilfe verwehren."

Bei diesen Worten schnellte Hermines Kopf nach oben. Mit tränennassen Augen blickte sie ihren Lehrer leicht beleidigt an. „Ich bin nicht aus Stolz beinahe verblutet." Gab sie trotzig zurück. „Sondern aus Angst."

Ruhig erwiderte Snape den aufgebrachten Blick der jungen Frau. Was er in diesem Moment fühlte, konnte er nicht wirklich einordnen. Doch es war kein schönes Gefühl zu wissen, dass Hermine aus Angst so gehandelt hatte. Doch das Schlimmste an dieser ganzen Geschichte war, dass er sie durchaus verstehen konnte.

Er atmete laut aus. Und schließlich tat er das, was er noch nie getan hatte – er entschuldigte sich. „Es tut mit Leid, was vor zwei Tagen passiert ist."

Scheu blickte die junge Frau ihren Lehrer an. Hatte sie das eben richtig verstanden? Hermine zweifelte kurz wirklich an ihrem Verstand, doch in seiner Mimik, in seinen Augen konnte sie nichts Abfälliges, nichts Sarkastisches entdecken.

„Aber ich denke, dass es auch nötig war." Fügte er doch noch an und machte diesen seltenen Moment somit doch wieder zunichte.

Hermine sackte leicht in sich zusammen. „Sie hätten mir auch anders klarmachen können, dass Sie mir nicht glauben." Gab sie kleinlaut und beschämt zurück.

Snape schloss kurz seine Augen. Na wunderbar. Da hatte er sich ja in ein tolles Gespräch hineinmanövriert. Denn eigentlich hatte er vorgehabt, diesen Vorfall totzuschweigen. Aber es kommt wohl doch immer anders, als man denkt.

„Das habe ich ja wohl ein paar Mal versucht." Gab er barsch zurück.

„Aber sie hätten mich nicht gleich so demütigen müssen!" schrie sie ihm nun entgegen. Mit Tränen in den braunen Augen sah sie ihn direkt an. Er sollte ruhig sehen, was er ihr angetan hatte.

Und es verfehlte seine Wirkung nicht. Snape fühlte sich in diesem Moment mindestens genauso beschämt wie Hermine selbst. Er war zu weit gegangen. Und das jetzt so vor den Kopf geknallt zu bekommen, traf ihn härter als erwartet.

„Ich weiß, dass ich zu weit gegangen bin." Gab er schließlich zu und das viel ihn verdammt schwer.

Hermine wusste nicht so recht, ob sie sich damit zufrieden geben sollte. Doch noch bevor sie etwas dazu sagen konnte, richtete Snape abermals das Wort an sie.

„Falls es Sie beruhigt. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass mich… dieser Ausrutscher kalt gelassen hat."

Hatte Snape sich gerade in Selbstironie geübt? Was ging denn hier nur vor sich?!

„Das sollte es aber. Sie sind mein Lehrer." Erwiderte sie mit einem leicht kecken Unterton.

„Ich bin auch nur ein Mann." Spielte er den Ball zurück und fragte sich im selben Augenblick, wo dieses Gespräch noch hinführte. Um das nicht herausfinden zu müssen, beschloss er es zu beenden, bevor es zu heikel und intim wurde.

Er hatte sich sowieso schon wieder zu weit aus dem Fenster gelehnt. Und so räusperte er sich kurz und holte den strengen Blick in seine Augen zurück. „Sie sollten zurück in ihre Räume, nicht dass man Sie noch vermisst."

Hermine hatte den plötzlichen Stimmungswandel ihres Lehrers sehr wohl bemerkt und sie würde sich hüten, Snape jetzt wieder zu reizen, indem sie sich weigerte zu gehen. Denn wenn sie ehrlich war, so wäre sie gerne noch eine Weile hier geblieben. Über den Grund dafür wollte sie lieber erst Mal nicht nachdenken.

Aber schließlich erhob sich die Gryffindor und torkelte mehr oder weniger zur Tür. Sie musste gegen ihren noch sehr labilen Kreislauf hart ankämpfen, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren.

„Lassen Sie sich für heute vom Unterricht befreien." Forderte er noch von Hermine, bevor er mit seinem Zauberstab die Tür öffnete und seine Schülerin dadurch entließ.