21. Zurück
Wohlbekannte und warme Augen blickten Hermine entgegen, fixierten die junge Frau mit einem seltsamen Ausdruck in diesen.
„Remus." Sprach sie mit vibrierender Stimme und erfasste schließlich seine Hand, die sie schließlich wieder auf die Beine zog.
Remus Lupin nickte der jungen Frau lediglich knapp zu, bevor er zu seinem Begleiter blickte. Hermine folgte seinem Blick und sah Shacklebolt, der gerade Snape aufhalf. Eine riesige Erleichterung machte sich in Hermine breit. Sie waren gerettet. Jetzt würden sie wieder zurück nach Hogwarts gebracht werden. Und dieser Spuk hätte ein Ende.
„Wie habt ihr uns gefunden?" Fragte Snape die beiden Retter mit einem gewissen Argwohn in der Stimme.
„Wir wurden beauftragt, euch nach Hogwarts zu bringen." Erwiderte Lupin mit ernster Miene.
Snape kräuselte seine Augenbrauen. „Woher wusstet ihr, dass wir im verbotenen Wald sind?" Die Skepsis war deutlich in seinen Augen zu sehen.
„Es konnte nur der verbotene Wald sein." Antwortete dieses Mal Shacklebolt, der gerade dabei war, Snapes notdürftig abgebundene Wunde mithilfe eines Zaubers zu heilen.
Sowohl Snape als auch Hermine blickten Shacklebolt erstaunt an. „Seit wann kannst du heilen?" richtete Snape erneut eine Frage an ihn.
„Schon seit einiger Zeit." War die etwas ungenaue Antwort, die er daraufhin bekam.
So langsam aber sicher ging Snape das Gehabe der beiden mächtig auf die Nerven. Die beiden waren doch sonst nie so redefaul. Besonders Lupin musste man sonst immer einen Schweigezauber verpassen, damit er zumindest einmal für wenige Minuten den Mund hielt.
Auch Hermine machte sich mittlerweile so ihre Gedanken über die beiden Retter. Besonderes Augenmerk hatte sie dabei auf Lupin gelegt. Er wirkte ernster als sonst. Und auch sein äußeres Erscheinungsbild war anders. Seine Haare waren ordentlich zurückgekämmt, seine Haltung gerade und selbstbewusst, seine Sachen neu und edel.
Als Hermine dies auffiel, überkam sie ein seltsames Gefühl. Es war merkwürdig Lupin in dieser Erscheinung zu sehen. Noch nie hatte er so aristokratisch und respekteinflößend gewirkt, wie in diesem Augenblick.
„Remus, was ist mit deinen Sachen passiert?" traute sich die Gryffindor ihn schließlich zu fragen.
Kurz sah er sie schweigend an, sein Blick wirkte noch immer ernst. Doch dann huschte ein flüchtiges Lächeln über seine Züge. „Nun, ich dachte, ich könnte meinen Look mal ein wenig verändern."
„Ein wenig verändern ist gut." Meinte Snape nur mit Argwohn in der Stimme. „Du siehst aus wie der Adel höchst persönlich."
„Vielen Dank." Erwiderte Lupin daraufhin nur und verbeugte sich sogar leicht.
Verwirrt runzelte Snape seine Stirn. „Das war kein Kompliment."
„Ich habe es aber als solches aufgefasst." Meinte Lupin mit ruhiger Stimme und einem seichten Lächeln im Gesicht.
Während Snape entrüstet über diese Frechheit schnaubte, wusste Hermine nicht, ob sie das nun lustig oder beängstigend finden sollte.
„Das tut jetzt nichts zur Sache." Schaltete sich nun Shacklebolt wieder ein. „Wir müssen die beiden nach Hogwarts bringen. Und das sollten wir tun, bevor es dämmert."
Kurz blickten sich Snape und Hermine an. In beiden Gesichtern standen dieselben Fragen geschrieben, doch beantworten, konnte sie keiner.
„Warum sollen wir noch vor der Dämmerung zurück sein?" fragte Hermine Shacklebolt.
„Das ist nicht wichtig." Entgegnete dieser nur einsilbig.
Hermine zog ihre Stirn in Falten. „Und ob das wichtig ist." Ereiferte sie sich. „Offensichtlich gibt es dafür einen Grund und den würde ich gerne wissen."
Während Shacklebolt nur ungeduldig seinen Kopf schüttelte, trat Lupin an die junge Frau heran. Er blickte sie nun etwas milder an, als er sprach. „In der Morgendämmerung laufen noch mehr gefährliche Wesen durch den Wald als in der Nacht."
„Wo hast du denn das gelernt Lupin." Mischte sich Snape mit ein, der das Gespräch mit nachdenklicher Miene beobachtet hatte.
„Es ist eine Tatsache." Erwiderte Remus ruhig und blickte Snape dabei freundlich in die Augen. „Vertraut uns einfach. Den Wesen, die in der Dämmerung durch den verbotenen Wald streunen, wollt ihr nicht begegnen."
„Schlimmer als die Mantikore können sie nun auch nicht mehr sein." Meinte Snape mit säuerlicher Miene.
„Ich würde nicht drauf wetten, Severus." Sprach Remus und wandte sich dann von Snape und Hermine ab. „Also, lasst uns gehen." Sprach er, ohne sich dabei noch einmal umzudrehen.
Wieder warfen sich Hermine und Snape verwirrte Blicke zu. Was war hier los? Seit wann war Shacklebolt so hart und Lupin so… so anders? Snape konnte ebendiese Frage deutlich in den braunen Augen seiner Schülerin sehen, doch er konnte ihr leider keine Antwort geben.
Und auch wenn es ihnen nicht gefiel, so hatten sie beide wirklich keine andere Wahl, als Shacklebolt und Lupin zu vertrauen und zu hoffe, dass die beiden sie aus diesem Wald führen würden.
Mit einem zarten Nicken in die Richtung, in der Lupin gegangen war, zeigte Snape seiner Schülerin, dass sie Remus folgen sollte.
Kurz überlegte die junge Frau, doch schließlich befolgte sie Snapes Anweisung und setzte sich in Bewegung, um zu Lupin aufzuschließen. Dicht hinter ihr reihte sich Snape ein. Und mit gezücktem Zauberstab bildete Shacklebolt das Schlusslicht der Gruppe.
Sie bahnten sich einen Weg durch dickes Gestrüpp, riesigen Bäumen und gefährlichen Hängepflanzen, die sich gerne auch mal um diverse Körperteile schlangen. Doch dank der wachsamen Augen von Lupin und Shacklebolt hatten diese Pflanze nicht den Hauch einer Chance Beute zu machen.
Hermine hingegen fühlte sich ausgelaugt und müde. Sie konnte sich kaum noch konzentrieren und ihre Schritte wurden immer schleppender und langsamer. Sie wusste weder, wie spät es war, noch wie lange sie sich schon durch den verbotenen Wald kämpften.
Snape bemerkte die körperliche Schwäche seiner Schülerin und kam nicht umhin, ein Schnauben von sich zu geben. Die Gryffindor sollte sich gefälligst zusammenreißen. Schlafen konnte sie noch lange genug, wenn sie wieder in Hogwarts waren.
Doch auch Lupin schien Hermines schwerer Schritt aufgefallen zu sein. Er verlangsamte seinen Gang und wandte sich zu der jungen Frau um. „Wir haben es bald geschafft Hermine. Dann kannst du dich ausruhen."
Tapfer nickte die Gryffindor und folgte Remus weiter einen schmalen Pfad entlang. Innerlich versuchte Hermine sich selbst zu stärken, sich mit ihrem warmen Bett zu motivieren. Doch irgendwann war auch ihr Geist zu müde und so schwand die Motivation immer und immer mehr.
Doch die nächsten Worte von Lupin weckten sowohl Hermines Geist als auch ihren Körper wieder auf.
„Da vorne ist die Grenze. Wir haben es geschafft."
Gebannt blickte Hermine auf die Grenze des verbotenen Waldes, die ihre Freiheit und Sicherheit zugleich bedeutete. Die Bäume wurden immer lichter, die Sträucher kleiner und schließlich trat sie zusammen mit den drei Männern auf die Lichtung, die den Blick auf Hogwarts freilegte.
Doch was Hermine sah, ließ sie glauben, in einem bösen Traum gefangen zu sein. Sie blickte nicht, wie erwartet, auf die blühenden und grünen Ländereien von Hogwarts, sondern auf eine trostlose Mondlandschaft.
Die saftigen Wiesen waren verdorrt – Oder waren sie gar verbrannt? Bäume gab es keine mehr. Nur noch vereinzelte abgebrannte und abgestorbene Stumpfe konnte man hier und da erblicken. Es flogen keine Vögel umher, keine Insekten, kein Leben.
Grau und trist thronte Hogwarts auf dem kahlen Felsen. Dicke graue Wolken hingen über dem Schloss und verliehen ihm damit etwas Düsteres und Lebloses.
„Was… was ist hier passiert?" fragte Hermine, als sie sich wieder einigermaßen gefangen hatte.
Doch sie erhielt keine Antwort. Stattdessen setzten sich Lupin und Shacklebolt wieder in Bewegung, gingen Richtung Schloss.
Auch Snape hatte diesen Anblick erst einmal verdauen müssen. Wie konnte das sein? Was war hier in den vergangenen Stunden passiert? Dieser Anblick machte ihn traurig und wütend zugleich. Und als dann auch noch ihre beiden Retter Hermines Frage, die sich ihm selbst aufdrängte, ignorierten, verlor er seine sonst so beständige Fassung.
Blitzschnell hatte er seinen Zauberstab gezogen und den beiden Zauberern eine Ganzkörperklammer verpasst, sodass sich nur noch ihre Augen und ihre Münder bewegen konnten.
Mit großen Schritten ging er auf Lupin und Shacklebolt zu. Seine Augen waren dunkel und unergründlich. „Sie hat euch etwas gefragt." Raunte er den beiden entgegen. „Und es ist doch äußerst unhöflich, einer Frau nicht zu antworten."
„Wir sind angehalten worden, nicht darüber zu sprechen." Sprach Shacklebolt mit ruhiger Stimme und einem strengen Blick, der deutlich machte, was er von dieser Aktion hielt.
„Von wem? Von Dumbledore?" hakte Snape nach.
„Nein." Antwortete dieses Mal Lupin.
„Von wem dann?" Snape wurde langsam ungeduldig. Musste man den beiden heute denn alles aus der Nase ziehen?
Doch die beiden Gefangenen blickten Snape nur unbewegt an.
Hermine, die dieses ganze Geschehen mit beobachtete, fühlte sich hin und her gerissen. Sie sah die Wut in Snapes Augen, die in ihm hoch kochte. Aber sie konnte ihren Lehrer auch verstehen. Die beiden Zauberer konnten einen in den Wahnsinn treiben – und das ganz ohne großes Gerede.
Snape hatte indessen mehr als genug von den beiden `Schweigsamen´. Ohne mit der Wimper zu zucken, hob er erneut seinen Zauberstab und hielt ihn direkt vor Lupins Gesicht. „Wenn dir dein nun durchaus gepflegtes Gesicht etwas wert ist, dann würde ich dir raten, auf meine Frage zu antworten."
Die beiden Männer sahen sich unentwegt in die Augen. Keiner wollte nachgeben. Doch schließlich siegte Snapes bohrender Blick, der bis auf den Grund einer Seele schauen konnte. Und so senkte Lupin seinen Kopf und schloss für einen Moment seine Augen.
„Wir haben den Befehl von unserem Oberhaupt erhalten." Beantwortete er schließlich Snapes Frage.
Doch weder Severus noch Hermine konnte mit dieser Antwort etwas anfangen.
„Aber Dumbledore ist das Oberhaupt des Ordens." Sprach die Gryffindor, die nun neben Snape getreten war.
„Nein." Beteiligte sich nun auch Shacklebolt wieder an diesem ´Gespräch´.
Snape stöhnte entnervt auf. Das war doch jetzt nicht wahr oder? Das hatten sie doch erst gerade gehabt. „Geht es auch ein wenig genauer?" fragte der Tränkemeister mit dunkler Stimme nach.
„Ihr werdet Antworten erhalten, wenn ihr in Hogwarts sein." Sprach Remus wieder. „Wir dürfen euch nichts sagen. Nur soviel. Wir haben den Auftrag erhalten, euch nach Hogwarts zurückzubringen."
Weder Hermine noch Snape waren mit dieser Antwort zufrieden. Doch beide mussten einsehen, dass sie wohl nicht mehr erfahren würden. Sie mussten wohl oder übel warten, bis sie in Hogwarts waren.
Resignierend hob Snape die Ganzkörperklammer auf.
„Vielen Dank." Sprach Lupin und man konnte an seiner Stimme nicht erkennen, ob er diesen Dank jetzt wirklich ernst gemeint hatte oder nicht.
„Nachdem das geklärt wäre, können wir ja jetzt endlich weiterziehen." Ließ Shacklebolt mit tiefer Stimme verlauten.
Snape hätte daraufhin beinahe schon wieder einen Ganzkörperfluch auf diesen geschickt. Von wegen geklärt. Nichts war geklärt. Ganz im Gegenteil!
Doch schließlich fügte sich der Tränkemeister seinem Schicksal und folgte den beiden Zauberern und seiner Schülerin.
Schweigend stiegen sie die karge Landschaft empor, vorbei an graue Felsen, toten Pflanzen und an den schwarzen See, der in dieser Landschaft noch bedrückender und gefährlicher wirkte.
Eine halbe Stunde mussten sich die Vier den steilen Aufstieg hinaufkämpfen, bis sie das große Eingangsportal von Hogwarts erreicht hatten. Shacklebolt löste sich daraufhin von der Gruppe, schritt direkt an das große Tor heran und murmelte mehrere Bannsprüche.
Hermine konnte deutlich hören, wie sich gewaltige Metallriegel von innen aufschoben und somit den Weg in das Schloss hinein ebneten. Langsam und quietschend öffnete sich das gewaltige Eisentor. Hermine hatte den Eingang noch nie als so mächtig empfunden, wie heute.
„Gehen wir." Riss sie Lupins Stimme aus ihren Gedanken.
Kurz blickte sie Snape an, doch als dieser ihr zart zu nickte, folgte sie Shacklebolt und Lupin. Als Hermine die Eingangshalle betrat, blieb sie kurz stehen und sah sich um. Erleichtert stellte sie fest, dass wenigstens hier alles so aussah, wie sie es verlassen hatte.
Auch Snape, der neben der Gryffindor stehen geblieben war, wirkte auf eine gewisse Weise beruhigt. Man konnte es nicht wirklich beschreiben, doch auch er schien durchaus erleichtert darüber zu sein, dass wenigstens in Hogwarts alles beim Alten war.
„Hier entlang." Forderte Shacklebolt schließlich mit ernster Stimme. „Ihr werdet erwartet."
Stumm sahen sich Hermine und Snape an. Von wem sollten sie denn bitte erwartet werden, wenn nicht von Dumbledore? Diese ganze Sache kam beiden mehr als merkwürdig vor. Doch sie hatten keine andere Wahl, als sich diesem ominösen Oberhaupt zu stellen, von dem sie bis jetzt noch nichts wussten.
Vielleicht hatte Dumbledore ja seinen Nachfolger gewählt, ohne dass irgendjemand davon gewusst hatte. Doch wie war das möglich? Sie waren nur wenige Stunden fort gewesen. Was war in der Zwischenzeit passiert? Warum lag Hogwarts auf einmal inmitten einer kargen Mondlandschaft? So viele Fragen schossen der jungen Frau durch den Kopf. Doch Antworten bekam sie darauf nicht.
Und so folgte Hermine schließlich Snape und den beiden vorangegangenen Zauberern. Sie stiegen die große Treppe empor und schritten dann einen langen Korridor entlang. Am Ende angelangt, standen sie vor einer großen dunklen Holztür.
Snape versuchte sich verzweifelt an eben diese Tür zu erinnern. Doch so sehr er sich auch anstrengte, er kannte diese Tür nicht. Er war sich sicher, dass dort, wo die Tür war, sonst immer ein ganz normaler Aufenthaltsraum für die Lehrerschaft gewesen war. Aber sicher nicht mit solch einer massiven Flügeltür.
Vorsichtig blickte er zu seiner Schülerin und stellte erleichtert fest, dass auch sie offensichtlich mit dieser Tür überfordert war.
Als sie seinen Blick bemerkte, sah sie ihn mit großen Augen. „Bitte sagen Sie mir, dass ich diese Tür bisher nur übersehen habe."
„Ich fürchte, ich muss Sie enttäuschen. Ich habe diese Tür ebenfalls noch nie gesehen." Entgegnete er mit leiser Stimme, sodass nur Hermine ihn verstehen konnte.
„Irgendwas stimmt hier nicht Sir." Flüsterte sie ihm entgegen.
„Das Gefühl habe ich leider auch." Entgegnete er ruhig. „Aber ich fürchte, wir müssen uns jetzt dem stellen, was da auf uns zukommt."
Hermine schluckte schwer. Das gefiel ihr so gar nicht. Aber ihr Lehrer hatte Recht. Sie hatten keine andere Wahl. Jetzt nicht mehr. Und so nickte sie ihm nur beipflichtend zu.
Nur einen Moment später öffnete sich die massive Tür vor ihnen. Sowohl Snape als auch Hermine mussten sich die Hände schützend vor die Augen halten. Denn aus dem Raum kam ihn ein so helles Licht entgegen, an das sich ihre Augen erst noch gewöhnen mussten.
„Ihr könnt schon eintreten. Ihr werdet gleich empfangen." Sprach Lupin und trat beiseite, um Hermine und Snape den Eintritt zu gewähren.
Langsam und mit der nötigen Vorsicht traten sie in den hellen Raum hinein. Kaum hatten sie diesen vollständig betreten, durchströmte eine angenehme Wärme ihre Körper und ein Gefühl der Behaglichkeit stellte sich bei ihnen ein.
Verwundert blickten sie sich in dem geräumigen Zimmer um. Es hatte große Fenster, durch die die goldenen Strahlen der Sonne schimmerten. Offenbar ein Zauber, da noch vor wenigen Minuten dicke graue Wolken am Himmel über Hogwarts thronten.
Die große Fensterfront war mit weißen seidenen Gardinen behangen, die leicht im sanften Windzug umher schwangen, welcher durch ein geöffnetes Fenster in den Raum getragen wurde.
Vor dem mittleren Fenster stand ein großer Schreibtisch, der in dem gleichen Holz gehalten war, wie die massive Flügeltür. Auf der anderen Seite stand eine große Couchgarnitur aus feinem rotem Samt. Zwei passende Ohrensessel waren in Richtung des Kamins ausgerichtet, in dem ein behagliches Feuer prasselte.
Beinahe alle Wände waren mit großen dunklen Regalen bestellt, die unzählige Bücher beherbergten. Hermines Augen wurden immer größer, als sie die Buchrücken mit ihren Augen abtastete. Erstaunt stellte sie fest, dass sie viele Bücher davon selbst besaß. Aber längst nicht alle. Da waren Werke dabei, die so selten wie kostbar waren, dass man diese sich nur leisten konnte, wenn man viel Geld und einen bedeutenden Namen in der Zauberwelt besaß.
„Also eins ist klar." Durchbrach Snape Hermines Bewunderung für die kleine Bibliothek. „Wer auch immer uns hier erwartet. Der dunkle Lord ist es nicht."
Mit hochgezogenen Augenbrauen blickte Hermine ihren Lehrer an. „Wie kommen sie denn jetzt da drauf?"
Er zuckte nur mit seinen Schultern. „Es ist ja wohl offensichtlich, dass an dieser ganzen Sache hier etwas gewaltig faul ist."
„Und sie glauben, dass Voldemort uns in den verbotenen Wald geschickt hat, um schnell mal Hogwarts zu übernehmen, Lupin und Shacklebolt zu seinen Anhängern zu machen, um uns dann von ebendiesen wieder aus dem verbotenen Wald aufsammeln zu lassen?"
„Dass es der dunkle Lord nicht sein kann, habe ich ja eben gerade aufgrund dieser freundlichen und gemütlichen Einrichtung ausgeschlossen. Aber sonst haben sie den Nagel ziemlich genau auf den Kopf getroffen."
Mit großen Augen blickte die Gryffindor ihren Lehrer an. „Das ist verrückt."
„Was Sie nicht sagen." Erwiderte er ruhig. „Aber Sie müssen doch zugeben, dass seit einiger Zeit nichts mehr wirklich normal ist."
Hermine wollte gerade etwas darauf erwidern, als sich die mächtige Tür mit einem leisen Knarren öffnete. Langsam drehten sich Hermine und Snape zu der Person um, die nun hoffentlich Antworten auf all ihre Fragen haben würde.
Doch als sie die Person, die nun vor ihnen stand, erblickten, erstarrten beide Augenblicklich. Sie glaubten zu träumen oder den Verstand verloren zu haben. Unfähig sich zu bewegen blickten sie die Person an, hofften, dass sich ihre Gestalt noch wandeln würde, doch ihr Erschienungsbild veränderte sich nicht.
Das konnte nicht sein. Das war unmöglich…
