23. Die Krähe

Hermine sah ihr älteres Ich mit Tränen in den Augen an. Doch sagen konnte sie nichts. Der Tod von Harry saß zu tief, hatte sich fest um ihr Herz gekrallt und beherrschte dieses nun mit all seiner Grausamkeit.

„Harrys Tod… war der Anfang vom Ende." Wisperte die Ältere. Und auch sie schien noch immer mit den Verlust ihres besten Freundes zu kämpfen. Kurz schloss sie ihre Augen. Als sie ihren Blick wieder öffnete, schien dieser gefasster zu sein.

„Was ist danach passiert?" fragte nun Snape, als er bemerkte, dass seine Schülerin offensichtlich nicht dazu in der Lage war, zu sprechen.

Traurig blickte die Gastgeberin Snape an. „Nachdem Harry gefallen und zahlreiche Mitglieder des Ordens gefangen und hingerichtet wurden waren, übernahm Voldemort die Herrschaft über die Zauberwelt." Sie machte eine kurze Pause, schien nachzudenken, wie sie die ganzen Ereignisse berichten sollte.

Doch nach mehreren Sekunden fuhr sie schließlich fort. „Es sind nur wenige von uns übrig geblieben. Die, die überlebten und noch im vollen Besitz ihrer Kräfte waren, bildeten eine Widerstandsgruppe. Die so genannte KRÄHE."

„Krähe?" fragte Hermine etwas verwirrt nach.

Die ältere nickte. „Dieses Tier steht für Kraft, Intelligenz, Anpassungsfähigkeit und Hartnäckigkeit. All diese Tugenden versuchen wir zu vereinen, um Voldemort wenigstens einen gewissen Widerstand zu bieten."

„Aus wie vielen Zauberern besteht diese Widerstandsgruppe?" hakte Snape weiter nach.

„Der harte Kern besteht aus 10 Mitgliedern, die alle hier auf Hogwarts wohnen. Aber die KRÄHE hat auch noch zahlreiche Mitglieder, die im Ministerium, welches ebenfalls von Voldemort eingenommen ist, spionieren. Einige kämpfen tagtäglich an der Front und wieder andere haben sich in die Reihen der Todesser geschlichen. Doch wir sind zu wenige. Wir können keinen großen Schaden anrichten – nicht mehr."

Diese letzten Worte brachten eine seltsame Stille mit sich, die niemand so richtig unterbrechen wollte. Doch nach mehreren Minuten erfasste die Ältere abermals das Wort.

„Diesen Kampf, den ihr gesehen habt,… der ist 10 Jahre her. Seit diesem Kampf versuchen wir einen Weg zu finden, um die Welt vor Voldemort und seinen Anhängern zu befreien."

„Was ist mit Albus?" fragte Snape nach, der sich schon die ganze Zeit wunderte, warum sein Mentor kein einziges Mal erwähnt wurde."

Tief sah die ältere Hermine Snape in die Augen. Ihr sanfter brauner Blick hatte etwas Trauriges angenommen. Etwas, womit Snape nicht umgehen konnte. „Er ist kurz nach Harry gestorben."

Ein Stich zog sich durch Severus´ Körper. Das konnte nicht sein! Ein Albus Dumbledore stirbt nicht so einfach.

„Was ist passiert?" Seine Stimme war rau, wirkte seltsam verzehrt, als er diese Worte sprach.

Doch die Angesprochene schwieg nur. Ihr Blick lag traurig auf dem Tränkemeister – und er sprach Bände.

Severus Snape musste stark schlucken, als er die Wahrheit in ihren Augen lesen konnte. Fragend sah er sie an, hoffte, dass er sich irrte, doch als sie schließlich zart nickte, wusste er, dass es die Wahrheit war. ER hatte Albus Dumbledore umgebracht.

Auch Hermine hatte den Blick ihres künftigen Ichs gedeutet. Erstarrt saß sie neben ihrem Lehrer und wagte nicht, ihn anzublicken. Snape sollte Dumbledore auf den Gewissen haben? Das konnte sie nicht glauben, das wollte sie nicht glauben.

„Es war sein Wunsch gewesen." Durchbrach die Ältere das geschockte Schweigen. „Er hat es für den Sieg über Voldemort getan."

Snape verstand gar nichts mehr. Warum sollte sich Albus freiwillig umbringen lassen?

„Albus hatte gespürt, dass das Alter langsam seinen Tribut einforderte. Er fühlte sich schwach, konnte nicht mehr an den Kämpfen teilnehmen." Fuhr die Gastgeberin fort. „Aber seine Kräfte, seine Magie war noch immer da. So stark und mächtig wie eh und je. Doch sein Körper konnte diese Kräfte nicht mehr nutzen. Sie waren in ihm gefangen."

Kurz machte sie eine Pause, um das Gesagte bei den beiden ankommen zu lassen. Als Hermine schließlich ihren Blick hob und Severus es ihr gleichtat, fuhr die Ältere mit ruhiger Stimme fort.

„Albus wusste, welche Magie in ihm wohnte. Und er wusste auch, dass man diese nicht einfach so verschwenden konnte. Und somit kommst du ins Spiel Severus."

Stumm blickte der Tränkemeister sein Gegenüber an. Ihre Augen lagen mitfühlend auf ihm, ihr Mund lächelte ihn zart an.

„Albus hat dir seine Magie geschenkt." Meinte sie zart. „Doch dies war nur möglich, indem du ihn umbrachtest."

Snape verstand das alles nicht. Es war zu viel für ihn. Der Sinn dieser Tat wollte sich bei ihm nicht einstellen. Dies schien auch die Ältere zu bemerken.

„Wenn man einem mächtigen Zauberer die Magie entzieht, entzieht man ihm auch gleichzeitig seine Lebensenergie. Albus wollte nicht qualvoll verenden und somit hat er dich gebeten, ihn mit dem Todesfluch zu erlösen."

„Erlösen?!" spie der Tränkemeister der Frau entgegen. „Ich habe ihn nicht erlöst! Ich habe ihn umgebracht!"

Sie erwiderte seinen Blick. Mehrere Sekunden lang. „Ich kann dich verstehen." Sagte sie schließlich. „Genau so hast du damals auch reagiert." Ein trauriges Lächeln bildete sich auf ihrer Mimik. Ein Lächeln, was sowohl Hermine als auch Snape bis in die Knochen ging.

„Aber offensichtlich habe ich es dann doch getan." Meinte er mit verholendem Zorn in der Stimme.

„Du hast das Richtige getan Severus." Erwiderte die ältere Hermine.

„Den einzigen Freund umzubringen, den man hat, bezeichnest DU als richtig?!" er war wüten, traurig und er konnte weder sich noch die künftige Hermine verstehen.

Diese atmete tief ein und aus. Es war auch für sie nicht einfach, das alles noch einmal zu durchleben. Doch sie hatte keine andere Wahl.

„Eines Tages wirst du es verstehen." Erwiderte sie mit einem traurigen Lächeln im Gesicht.

Das war nun wirklich zu viel für den Tränkemeister. Mit einem gewaltigen Ruck war er aufgesprungen und blickte sein Gegenüber nun mit einem wilden Ausdruck in den schwarzen Augen an. „Ich würde es aber gerne jetzt erfahren." Presste er um Beherrschung bemüht zwischen seinen Zähnen hervor.

Ruhig erwiderte die Ältere den aufgebrachten Blick Snapes. „Ich wollte damit eigentlich noch ein wenig warten. Aber wenn du es wissen musst, dann werde ich euch den Grund zeigen."

Abwechselnd sah sie ihre Gäste an. Hermine wusste nun gar nicht mehr, was sie noch denken oder fühlen sollte. Ihr älteres Ich schien um einiges Ernster und Mächtiger zu sein, als sie es jetzt war. Doch ob ihr das nun gefallen sollte oder nicht, konnte sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen.

Auf ein zartes Nicken der Älteren hin, setzte sich Snape wieder neben Hermine auf die Couch. „Das, was ihr jetzt sehen werdet, wird euch nicht gefallen. Aber denkt daran, es ist eure Zukunft."

Kurz hielt sie inne, um das Gesagte wirken zu lassen. Und es verfehlte seine Wirkung durchaus nicht. Hermine hatte nun wirklich Angst vor dem, was sie erfahren würde. Doch ein Zurück gab es nun nicht mehr.

„Schließt eure Augen." befahl die Ältere sanft.

Dieses Mal taten es Snape und Hermine sofort ohne zu zögern. Eine kurze aber heftige Dunkelheit umgab die beiden, doch nach wenigen Augenblicken formte sich eine Szenerie vor ihrem inneren Auge.

Albus Dumbledore lehnte mit geschlossenen Augen und einem seltsam gequälten Ausdruck im Gesicht gegen die morsche Rückwand von Hagrids Hütte. Es war stockdunkel, schwarze Wolken hingen schwer über den Ländereien.

Kurz drehte der Direktor seinen Blick zur Seite, dann öffneten sich seine müden Lider wieder. Ein zartes Lächeln breitete sich auf seinen alternden Zügen aus, als er Severus ansah.

Der Tränkemeister erwiderte diesen Blick mit einem Ausdruck in den Augen der sowohl Unglaube als auch tiefe Betroffenheit widerspiegelte. „Ich kann das nicht tun." Hauchte er seinem Mentor entgegen. „Weißt du eigentlich, was du da von mir verlangst?!"

Severus." erwiderte Dumbledore mit schwacher Stimme. „Du musst es tun. Du hast keine andere Wahl."

Und ob ich die habe Albus!" Erwiderte Snape mit angespannter Miene. „Ich werde dich nicht umbringen! Hast du mich verstanden?!"

Müde lächelte der alte Zauberer seinen Schützling an. „Meine Zeit ist abgelaufen mein Junge. Du würdest mir damit einen großen Gefallen tun."

Snapes Körperhaltung verkrampfte sich, seine Hände ballten sich zu Fäusten, in denen das Fleisch weiß hervortrat.

Nur für den Fall, dass du mich nicht verstanden hast alter Mann. Ich werde dich nicht umbringen."

Für einen stillen Augenblick lang schloss Dumbledore seine blauen Augen. „Du musst es tun." sagte er schließlich. Er öffnete seine Augen wieder und blickte Snape ernst an. „Du brauchst meine Kräfte, um den dunklen Lord zu besiegen."

Verwirrt blickte Snape seinen Mentor an. „Ich bin nicht der Auserwählte Albus." Raunte er Albus leicht erbost entgegen.

Aber Harry ist tot." Flüsterte der Direktor. „Und du bist unsere letzte Hoffnung."

Warum ich?!"

Müde lächelte Albus seinen Schützling an. „Du bist der mutigste Zauberer den ich je kennen lernen durfte. Du hast Dinge auf dich genommen, die dich mit Selbsthass straften und Vorwürfen quälten." Kurz hielt der alte Zauberer inne. Sein Blick lag väterlich auf Severus.

Du bist außergewöhnlich stark, besitzt ein enormes Wissen in den dunklen Künsten, du beherrschst Flüche, von denen die meisten aus dem Orden noch nicht einmal gehört haben. Du bist der Mann, der Voldemort zu Fall bringen wird."

Bar jeglicher Emotion blickte Severus auf seinen Mentor herab. Er verstand nicht. Er verstand das hier alles nicht.

Ich versteh nicht." Presste er mühsam um Beherrschung kämpfend hervor.

Ich möchte dir meine gesamte Magie schenken Severus."

Ungläubig schüttelte der Tränkemeister seinen Kopf. Das schwarze Haar fiel ihm dabei wirr ins Gesicht.

Ich bin ein alter Mann. Mein Körper kann nichts mehr mit dieser Magie, die noch immer in mir innewohnt, anfangen. Aber dein Körper ist noch jung und stark genug, um diese aufzunehmen, um diese anzunehmen und sie für das Gute einzusetzen."

Severus blickte seinen Mentor starr an. Seine Miene hatte sich wieder verschlossen. All seine Emotionen waren hinter einer massiven Mauer verschlossen.

Indem du meine Kräfte annimmst, wirst du der mächtigste Zauberer sein, der die schwarze und weiße Magie in sich vereint. Du wirst über soviel Magie verfügen, dass du Voldemort entgegentreten und ihn vernichten kannst. Doch all dies kannst du nur, wenn du mir das Leben nimmst."

Mit einer Geste der Verzweiflung fuhr Severus sich mit der Hand fahrig durchs Haar. „Aber ich will dir weder dein Leben noch deine Kräfte nehmen." Erwiderte Snape schwach. „Ich kann das nicht!"

Du bist die letzte Hoffnung für die Zauberwelt." Versuchte ihn Dumbledore zu überzeugen. Doch Snape wehrte sich wehement gegen diesen Plan.

Und wenn ich das gar nicht sein will?! Wenn ich nicht der letzte Hoffnungsträger für diese beschissene Welt sein will!? Hast du daran schon einmal gedacht?!" Severus war aufgewühlt, sein Blick glühte. Er wusste nicht, wohin mit seinen Emotionen. Warum er? Warum musste er immer diese Bürden auferlegt bekommen?

Denk an Hermine." Flüsterte Albus. Und diese Worte waren es, die einen gewaltigen Ruck durch den Körper des Tränkemeisters fahren ließen.

Mit einem Mal verlor sein Blick an Strenge und Kälte. Eine Wärme, eine gewisse Faszination breitete sich über seine schwarzen Augen aus.

Lass sie da raus." Hauchte er nur schwach, doch er wusste, dass er verloren hatte. Albus hatte seinen wunden Punkt getroffen.

Sie hat eine friedliche Zukunft verdient, ihr habt diese verdient. Bitte nimm mein Geschenk an. Bitte erlöse mich." Die letzten Worte waren nur noch ein Flüstern gewesen. Ein schwaches Flüstern eines alten sterbenden Mannes.

Resignierend blickte der Tränkemeister seinen Mentor an. Stumm nickte er. Das Leid, die Schmach stand ihm ins Gesicht geschrieben. Aber dennoch zog er mit einer fließenden Bewegung seinen Zauberstab und richtete ihn direkt auf Albus.

Er hätte Albus gerne noch so viel gesagt. Er hätte ihm so gerne für alles gedankt, er hätte ihn gerne angeschrieen, für all die grausamen Dinge, die er von ihm verlangt hatte, diese Tat eingeschlossen. Er hätte ihm gerne gesagt, wie wichtig er ihm war. Doch Severus blieb stumm.

Ein letzter kräftezehrender Blick glitt zu seinem Mentor, dann schloss er die Augen, nur einen kurzen Augenblick lang, bevor er die beiden todbringenden Worte mit versteinerter Miene über seine Lippen brachte.

Augenblicklich sackte Albus Dumbledore leblos in sich zusammen. Der mächtigste weiße Zauberer seiner Zeit war Geschichte.

Stumm und fassungslos blickte Snape auf den toten Zauberer. Mehrere Sekunden lang passierte gar nichts. Er regte sich nicht, er dachte nichts, selbst das Atmen schien auf ein Minimum reduziert worden zu sein.

Doch dann leuchtete Severus´ Zauberstab hell auf. Die Spitze zeigte noch immer auf den toten Körper Dumbledores. Beharrlich hielt Severus´ Blick an seinem Zauberstab fest.

Der Stab begann leicht zu erzittern. Zart und kaum merklich. Doch plötzlich ging ein gewaltiger Ruck durch den Stab. Das Erbeben wurde so stark, dass Severus mit seiner zweiten Hand die andere stützen musste.

Ein gewaltiger gleißender Lichtstrahl stob plötzlich aus Dumbledores Körper heraus und wurde von Snapes Zauberstab eingefangen. Sowohl Dumbledore als auch Severus waren nun in ein helles weißes Licht gehüllt, wurden dadurch miteinander verbunden.

Immer mehr von Albus´ Magie übertrug sich durch diese Verbindung auf Severus. Er spürte ein seichtes Kribbeln, eine seltsame Wärme, die seinen Körper erfasste.

Severus keuchte laut auf, als er die Last dieser Magie nicht mehr länger tragen konnte. Zu viel Energie wurde mit einem Mal auf ihn übertragen. Er ging in die Knie, sein Gesicht hatte einen verbissenen Ausdruck angenommen, seine Augen spielten den Schmerz und die Anstrengung wider, die ihm diese Übertragung abverlangte.

Doch plötzlich riss der Lichtstrahl ab. Severus sank erschöpft zu Boden. Die Transformation der Zauberkräfte war geschafft.

Schwer atmend öffneten Hermine und Snape ihre Augen. Ihre Herzen schlugen wild gegen den Brustkorb, ihr Puls raste. Das eben Gesehene hatte beide so aufgewühlt, dass sie ein paar Sekunden brauchten, um sich wieder zu beruhigen.

Und diese Zeit gewährte die Ältere ihnen auch. Erst als die Blicke der beiden wieder klarer wurden und an Panik verloren, sprach sie mit leiser sanfter Stimme weiter.

„Ich hätte euch das gerne erspart. Es tut mir leid."

Snapes Augen funkelten die Frau beinahe böse an. Er hatte genug von dieser ganzen Sache hier. Er musste Dinge erfahren, die ihn so gar nicht gefielen und er wollte endlich die ganze Wahrheit wissen.

„Was hatte das alles mit Miss Granger zu tun?!" befahl er in bester Lehrermanier.

Stumm erwiderte sie den aufgebrachten Blick des Tränkemeisters. Ihre braunen Augen verbargen einen seltsamen Glanz.

„Warum habe ich Albus umgebracht?" Seine Stimme wirkte nun entkräftet, trug einen beinahe verzweifelten Ton mit sich.

Die Ältere seufzte leise auf. Jedoch erschien auf ihren Zügen ein zartes Lächeln. „Möchtest du das wirklich wissen?"

„Sonst hätte ich wohl kaum gefragt." Gab er etwas beleidigt zurück. Gott konnte diese Frau nerven!

„Vielleicht solltet ihr euch erst einmal ausruhen, bevor ich euch das Nächste offenbare. Das waren wohl genug Neuigkeiten für einen Tag." Meinte die Gastgeberin freundlich aber dennoch bestimmt.

Doch Snape dachte nicht daran, sich jetzt von dieser Frau abwimmeln zu lassen. Langsam beugte er sich zu ihr vor. Sein Blick war streng auf sie gerichtet. „Da ich nicht vorhabe, länger als unbedingt nötig hier zu bleiben, würde ich es bevorzugen, wenn du endlich offen mit uns reden würdest." Seine Stimme war dunkel und drohend, sodass selbst die ältere Hermine schlucken musste.

Doch schnell hatte sich die Frau wieder unter Kontrolle. „Wenn das euer Wunsch ist." Meinte sie nur und blickte dabei fragend Hermine an. Die junge Frau wusste schon lange nicht mehr, was sie denken und machen sollte. Die Bilder eben hatten sie geschockt. Und so nickte sie ihrem anderen Ich nur zaghaft zu. Sollte sie endlich alles erzählen. Noch schlimmer konnte es ja nicht werden.

„Du hast Albus´ Wunsch letztendlich akzeptiert, weil er deinen Schwachpunkt kannte." Sprach die Ältere mit leiser rauer Stimme.

Snape runzelte seine Stirn. Sein Schwachpunkt war Lily. Doch sie hatte mit dieser ganzen Sache nichts zu tun. „Ich verstehe nicht ganz."

Und das tat er wirklich nicht, ganz im Gegensatz zu Hermine. Denn sie hatte mittlerweile ein Verdacht ergriffen. Ein Verdacht, der ihr ganz und gar nicht gefiel.

Entschlossen blickte Severus die Gastgeberin an.

„Sie ist deine Schwachstelle." Erwiderte die Ältere und blickte dabei zu Hermine, die nun kreidebleich neben ihrem Lehrer saß und nicht wirklich wusste, ob sie jetzt reagieren sollte oder lieber nicht.

„Du liebst sie." Drang erneut die sanfte Stimme der Älteren an Snapes Ohren. Doch diese Worte hatte er gar nicht mehr gebraucht. Die Erkenntnis war auch ohne sie über ihn eingeschlagen.

Langsam schloss Snape seine Augen. Ihre letzten Worte hallten beharrlich in seinem Kopf wider, schienen ihn gar nicht mehr loslassen zu wollen. Warum gerade er? Warum SIE?!

Auch Hermine saß wie vom Blitz getroffen neben ihrem Lehrer und traute sich weder ihn noch ihr älteres Ich anzublicken. Irgendwie kam ihr das alles hier wie ein seltsamer Traum vor und sie konnte nur hoffen, dass sie bald daraus erwachte.

„Das ist nicht möglich." Raunte Snape, als er seine Stimme wieder gefunden hatte. „Miss Granger ist meine Schülerin und was ich für sie empfinde ist bestenfalls Gleichgültigkeit."

Hermine zog es den Magen zusammen, als sie seine kalten Worte hörte. Und gleichzeitig bestätigten seine Worte, dass sie ihn nie lieben würde. An so einem Mann konnte sie ihr Herz nicht verlieren.

„In der Zukunft ist sie nicht mehr deine Schülerin." Erwiderte die Gastgeberin ruhig. „Und es ist möglich. Denn ich habe deine Liebe selbst erlebt."