27. Neue Laster

Es war früh am Morgen, als Hermine die große Halle betrat. Dies war der einzige Raum im gesamten Schloss, der sich nicht wesentlich verändert hatte. Und wahrscheinlich genau aus diesem Grund kam sie so gerne in diese Halle.

Noch immer wurde sie zum Essen genutzt. Doch im Gegensatz zur Gegenwart, kam man hier lediglich zum Abendessen zusammen. Das Frühstück und das Mittagessen verbrachte jeder zu seiner Zeit.

Offensichtlich brauchten die Mitglieder der KRÄHE ihre Zeit für sich. Denn so wie Hermine bereits mitbekommen hatte, hielten sich die Mitglieder im Schloss kaum alleine auf.

Die Zeiten waren wohl zu gefährlich, um selbst auf Hogwarts ohne Begleitung durch die dunklen Korridore zu laufen. Sie selbst hielt sich jedoch nicht so wirklich daran. Zumindest tagsüber brauchte sie keinen Begleitschutz.

Offenbar waren die Mahlzeiten die einzige Möglichkeit, etwas Zeit für sich zu haben. Was für die Gryffindor irgendwie unlogisch war. Aber was war in dieser Zeit schon logisch und normal?

Hermine wusste ehrlich gesagt nicht, ob ihr das gefiel oder nicht. Einerseits verstand sie die Sehnsucht nach Ruhe. Aber andererseits war sie immer ein geselliger Mensch gewesen. Und so ganz alleine zu Frühstücken, war doch schon ungewohnt.

Aber Hermine hatte Hunger. Und daher beschloss sie auch, nicht noch ewig auf einen Tischgenossen zu warten. Und so setzte sie sich an einen der großen Tische, die zu ihrer Zeit noch als Haustische der verschiedenen Häuser fungiert hatten, nieder.

Sie kam sich ein wenig verloren an dieser langen Tafel vor, aber als plötzlich das Frühstück vor ihr auf dem Tisch erschien, vergaß sie dieses Gefühl ganz schnell.

Was bei den herrlichen Anblick und leckeren Duft von Eiern, Speck, Toast, Honig, Kaffee und frischen Eierkuchen auch nicht verwunderlich war. Sofort nahm sie einen großen Schluck von dem frisch gebrühten Kaffee.

Angenehm rann ihr die heiße Flüssigkeit die Kehle hinunter. Genießerisch schloss sie ihre Augen und ein Gefühl von ein wenig Normalität breitete sich in ihr aus. Es war ein angenehmes Gefühl, welches ihr eine Wärme spendete, die sie in den letzten Tagen vermisst hatte.

Das Aufschwingen der mächtigen Flügeltür ließ Hermine wieder aus ihrer inneren Ruhe erwachen. Neugierig, wer die Halle wohl betreten hatte, blickte sie zur Tür. Auf sie zu kam Feline – ihre Tochter. Allein dieser Gedanke reichte, dass Hermine sich schrecklich am Kaffee verschluckte.

Sie versuchte dem Hustenreiz wieder Herr zu werden, doch ihr Zwerchfell schien nicht im Traum daran zu denken. Immer wieder zog es sich schmerzhaft zusammen und der unangenehme Reiz im Hals wurde zunehmend stärker. Tränen liefen ihr bereits über das Gesicht und ihre Hände verkrampften sich unter dem anhaltenden Hustenanfall.

Doch plötzlich ließ dieser Reiz nach und sie bekam wieder genug Luft, um sich beruhigen und tief durchatmen zu können. Die junge Frau sah auf und blickte in die dunklen so vertrauten Augen von Feline. Das Mädchen war neben sie getreten und hatte noch immer ihren Zauberstab auf Hermine gerichtet.

„Geht es wieder?" fragte Feline mit unsicherer Stimme.

Hermine musste sich noch ein paar Mal räuspern, bevor sie wieder zum Sprechen fähig war. „Ja." Erwiderte sie mit noch heiserer Stimme. „Vielen Dank."

Ein leichtes Lächeln erschien auf den kindlichen Zügen des Mädchens. „Gern geschehen." Erwiderte sie nur und setzte sich neben Hermine. „Darf ich mit dir frühstücken?" fragte sie die Gryffindor schließlich mit unsicherer Stimme und einen Glanz in den Augen, der Hermine beinahe umhaute.

„Sehr gerne."

Vor dem Mädchen erschien ebenfalls ein großes Frühstück. Jedoch trank Feline noch keinen Kaffee. Stattdessen erschien eine dunkle und dampfende Schokolade vor ihr, an der das Mädchen vorsichtig nippte.

Hermine fühlte sich seltsam neben ihrer Tochter zu sitzen. Zumal sie zu diesem Zeitpunkt gerade einmal sechs Jahre älter war als Feline.

„Ich habe mich ganz schön erschreckt, als ich dich das erste Mal gesehen habe." Meinte Feline mit der Ehrlichkeit eines Kindes.

Mit großen Augen blickte die Gryffindor das Mädchen an. Sie wusste im ersten Moment nicht, was sie darauf erwidern sollte. Doch das war auch gar nicht nötig, da Feline scheinbar noch nicht fertig mit ihren Ausführungen war.

„Aber Mama hat mir dann erklärt, dass du ihr jüngeres Ich bist." Sprach sie, während sie mit leuchtenden Augen ihren Schokopudding auflöffelte. Hermine musste bei diesem Anblick zart schmunzeln. In diesem Moment erinnerte Feline sie stark an sich selbst. Auch sie hatte als Kind eine Schwäche für Schokopudding gehabt. Mittlerweile war dieses Laster von einem anderen, nicht minder ungesünderen abgelöst wurden – dem Kaffee.

„Es ist lustig, meine Mama als Kind kennen zu lernen." Sprach Feline weiter.

Erbost weiteten sich Hermines Augen. „Ich bin kein Kind mehr." Erwiderte sie leicht pikiert. „Ich bin 17 Jahre alt."

„Du siehst aber so aus." Meinte das Mädchen ehrlich und nüchtern und steckte sich anschließend einen weiteren Löffel Schokopudding in den Mund.

Hermine wusste im ersten Augenblick nicht, ob sie jetzt schimpfen oder lachen sollte. Doch schließlich entschied sie sich für das Zweite. In ein lautes Gelächter brach die junge Frau aus und sie wusste noch nicht einmal, warum sie sich jetzt so vor Lachen wand.

Auch Feline schien das nicht so ganz nachvollziehen zu können. Fragend und mit großen Augen blickte sie die Gryffindor an. „Was ist so lustig?" fragte das Mädchen trocken. So trocken, dass Hermines Lachanfall sich nochmals verstärkte.

Als sie sich nach einigen Momenten wieder einigermaßen unter Kontrolle und sich die Lachtränen aus den Augen gewischt hatte, richtete sie sich wieder an das Mädchen. „Tut mir Leid." Entschuldigte sich Hermine für ihren Ausbruch. „Aber du hast gerade in demselben nüchternen und trockenen Tonfall wie Snape… ich meine wie dein Vater gesprochen."

„Ich weiß." Seufzte das Mädchen beinahe entzückt. „Das habe ich schon oft gehört. Besonders von Mama und Papa."

Plötzlich wurde Hermine wieder ernst, als sie den sehnsüchtigen Blick von Feline wahrnahm. Es war nicht zu übersehen, wie sehr sie ihren Vater vermisste. Aber Hermine beschloss, nicht weiter darauf einzugehen. Das war ein zu sensibles Thema, um es jetzt anzusprechen. Und so entschied sich Hermine für den Themenwechsel.

„Wo hast du denn so gut zaubern gelernt." Mit dieser Frage sprach sie den Zauber an, der Hermine vorhin von dem lästigen Hustenanfall befreit hatte.

„Von Mama, Papa und Onkel Remus."

„Onkel Remus?" fragte Hermine mit erhobenen Augenbraunen nach.

„Ja Onkel Remus." Erwiderte Feline mit der Naivität eines elfjährigen Mädchens. „Er ist mein Patenonkel. Darum nenne ich ihn auch Onkel Remus."

Hermine konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Denn die Bezeichnung Onkel Remus fand sie aus irgendeinem unerfindlichen Grund witzig. „Onkel Remus ist ziemlich ernst oder?" fragte Hermine nach. Sie hatte sich diese Frage nicht verkneifen können, da sich Lupin doch sehr verändert hatte.

„Manchmal." Kam es gemurmelt zurück. „Aber Onkel Lupin kann einem auch leid tun."

„Warum?" fragte Hermine vorsichtig nach.

„Er ist oft traurig."

Hermine hielt in ihrer Bewegung inne. Sie hatte gerade einen weiteren Schluck Kaffee trinken wollen, doch diese Geschichte schien spannender zu sein. „Weshalb ist er denn so traurig?"

„Wegen Lenny." Gab Feline an einem Toast kauend zurück.

„Und wer ist Lenny?" Hermine platzte beinahe vor Neugierde. Frau sein, war doch echt etwas Schlimmes. Immer dieses Getratsche und diese Lust auf Neuigkeiten!

„Lenny ist mein bester Freund." Meinte Feline nur.

„Und warum ist Lupin dann traurig?" Hermine kam noch nicht so ganz mit den kindlichen Ausführungen mit. Das man Kindern auch immer alles aus der Nase ziehen musste.

„Lenny ist fort gegangen." Antwortete sie und plötzlich wurde Felines Blick traurig. „Einfach so, ohne mir vorher auf Wiedersehen zu sagen. Genauso wie Papa."

Hermines Herz krampfte sich zusammen, als ihr die Bedeutung dieser Worte bewusst wurde. Sie sah das Mädchen mitfühlend an und hätte sie am liebsten in ihre Arme gezogen. Doch sie wusste nicht, ob Feline das zulassen würde.

„Seitdem Lenny weggegangen ist, ist Onkel Lupin immer traurig. Und jetzt ist er ein einsamer Papa ohne Kind."

Hermine biss sich auf die Lippen, um nicht laut aufzuschluchzen. Es war grausam, in was für einer Welt die kleine Feline aufwuchs. Sie hatte nicht nur ihren Vater verloren sondern auch ihren besten Freund. Und jetzt verstand sie auch, warum Lupin immer so verschlossen und ernst war – er hatte sein Kind im Krieg verloren.

„Das tut mir leid." Meinte Hermine mit rauer Stimme.

„Sie sind immer bei mir." Erwiderte Feline nur und blickte Hermine dabei tief in die Augen, sodass sie die Ehrlichkeit ihrer Worte deutlich in den dunklen Pupillen erkennen konnte. „Sowohl Papa als auch Lenny sind immer bei mir. Das hat mir Mama gesagt. Sie wachen jetzt von einem anderen Ort über mich."

Eine schwere Betroffenheit machte sich in Hermine breit. Sie hatte sehr mit ihren Tränen zu kämpfen und musste mehrmals hart schlucken, um nicht loszuweinen.

Doch Feline kam scheinbar mit diesem sensiblen Thema besser zurecht als die Gryffindor. Mit einem aufmunternden Lächeln tätschelte das Mädchen Hermines Hand. „Es ist schon okay." Meinte Feline beinahe erwachsen.

Daraufhin entrang sich noch ein letzter Schluchzer Hermines Kehle, bevor sie sich wieder etwas beruhigen konnte und sie mit Feline in einer einvernehmlichen Stille das Frühstück beendete.

*****

Severus Snape schlenderte gedankenverloren und mit einem mürrischen Ausdruck im blassen Gesicht durch die Gänge von Hogwarts. Er hatte die letzte Nacht kaum geschlafen. Um genau zu sein, hatte er gar nicht geschlafen.

So viele Dinge waren ihn durch den Kopf gegangen. Der Angriff im verbotenen Wald, die Geschichte, welche die Regentin ihnen über die Höllenwesen erzählt hatte und auch das Gespräch mit Hermine.

Es war lange her gewesen, dass er sich so friedvoll mit jemandem Unterhalten hatte. Und auch wenn er sich anstrengte, so konnte er sich nicht daran erinnern, wann er zuletzt so ein Gespräch geführt hatte.

Doch das, was Severus am meisten Kopfschmerzen bereitete, war die Situation, in der er sich seit einigen Tagen befand. Er hatte erfahren müssen, dass er verheiratet war und zwei Kinder hatte. Und damit musste er nun irgendwie zurechtkommen.

Er hatte bereits gestern versucht, diese Tatsache zu verdrängen. Doch immer wieder sah er die überraschten Gesichter der beiden Kinder vor seinem inneren Auge, als er ihnen zum ersten Mal gegenüberstand.

Sie hatten ihn wahrlich wie einen Geist angesehen. Und im Nachhinein konnte er das durchaus nachvollziehen.

Erschöpft aufgrund des angestrengten Nachdenkens stellte er sich an eines der großen Fenster im Korridor und richtete seinen Blick in die weite Landschaft. Auch diese Fenster waren verzaubert worden, denn der herrlichste Sonnenschein strahlte Severus entgegen. Die Vögel zwitscherten fröhlich und flogen aufgeregt über die saftigen Wiesen von Hogwarts.

Und auch wenn dieser Anblick eher das Gegenteil bewirken sollte, so machte er den Tränkemeister nur traurig. Es war grausam zu wissen, dass draußen ein Sturm tobte und hier drinnen ihm die Illusion ein herrlich süßes Spiel vorgaukelte.

„So nachdenklich?" hörte er schließlich eine liebliche Stimme neben sich. Er brauchte die Person nicht anzublicken, um zu wissen, wer es war. Zu gut kannte er diesen sanften Ton der Regentin bereits.

Aber dennoch hob er seinen Blick und traf auf ihren. „Ein wenig." Gab er nur zurück.

Die Regentin blickte ihn daraufhin nur stumm an. Sie wirkte heute irgendwie anders als sonst – beinahe majestätisch. Sie trug ein bodenlanges Kleid aus schwarzer Seide. Die Träger waren im Gegensatz zum schlichten Kleid aufwendig mit dunkelgrüner Seide, weißer Spitze und roten Federn geschmückt. Der Federschmuck und die weiße Spitze standen aufrecht und wirkten dadurch wie ein großer Stehkragen, welcher der Regentin etwas Anmutiges verlieh.

Ihr dunkles Haar hatte sie zu seinem festen Knoten im Nacken zusammengebunden. Eine große dunkelgrüne Blume, die sie sich seitlich ins Haar gesteckt hatte und die magisch dunkel geschminkten Augen rundeten ihre anmutige Erscheinung ab.

Severus kam nicht umhin, sich einzugestehen, dass sie in diesen Moment wie eine Königin auf ihn wirkte. Aber er hätte sich lieber die Zunge abgebissen, als ihr jetzt ein Kompliment zu machen. Dazu gab es auch gar keinen Anlass. Denn immerhin war SIE der Grund, warum er nun in der Zukunft gewissermaßen festsaß.

„Es tut mir Leid, dass ich dich gestern so überfallen habe." Durchbrach sie die Stille.

Beinahe gefährlich blitzte sein schwarzer Blick auf. „Das hattest du dir sicher nicht vorstellen können." Meinte er mit einem triefenden Sarkasmus in der Stimme. „Du hast bestimmt gedacht, dass ich DEINEN Kindern vor Freude um den Hals fallen würde."

Die Regentin blieb ruhig, ließ sich nach Außen hin nichts anmerken. „Ich konnte mir schon denken, dass es ein Schock für dich sein wird." Erwiderte sie etwas zaghaft. „Aber ich musste es euch sagen." Fuhr sie fort. „Ihr hattet ein Recht darauf."

„So, hatten wir das?" zischte er bedrohlich.

Daraufhin nickte sie nur zart.

„Ich denke, dass Miss Granger und ich vor allem ein Recht darauf haben, wieder in unsere Zeit zu gelangen." Nahm er das Thema, was er schon die ganze Zeit über besprechen wollte, auf.

Entschuldigend blickte sie ihn an. „Du weißt, wie sehr ich eure Hilfe benötige. Ihr seid die letzte Hoffnung für die Seite des Lichts."

Bitter schnaubte der Tränkemeister auf. „Hör doch endlich auf, die Weltretterin zu spielen!" meinte er in einem verachtenden Ton. „Du hast uns doch aus reinem Egoismus hierher befördert!"

Fragend sah die Regentin ihn an. Ihre Augen versuchten in seinen zu ergründen, was er damit sagen wollte, doch sein Blick war verschlossen.

„Was glaubst du, warum ihr hier seid?" fragte sie ruhig nach. Doch ein leichtes Zittern in der Stimme konnte sie nicht verbergen.

„Die Frage kannst du dir doch selbst am Besten beantworten." Meinte er nur giftig.

„Severus bitte." Flehte sie ihn an. Offensichtlich verstand die Frau nicht, worauf er hinauswollte.

In Snape kochte indessen der herrliche Zorn auf. Stellte sich diese Frau nur unschuldig oder hatte sie über die Jahre nur ihren Verstand einbüßen müssen? „Wir sind doch nur hier, um meinen Tod ungeschehen zu machen! Um DEINEN Fehler wieder gutzumachen!"

Tapfer blickte die Regentin Severus an, doch er konnte ihr deutlich ansehen, dass er ins Schwarze getroffen hatte.

„Und weißt du was?" sprach er weiter, ohne der Regentin eine Chance zu geben, sich zu rechtfertigen. „Dein Plan wird nicht aufgehen." Kurz machte er eine Pause, um den fragenden und ängstlichen Blick der Regentin zu genießen, auf sich wirken zu lassen.

„Denn ich bin mir sicher, dass ich meine Zukunft OHNE dich bestreiten werde. Ich werde dich weder heiraten, noch werde ich Kinder mit dir bekommen UND SCHON GAR NICHT WERDE ICH DICH LIEBEN!"

Die letzten Worte hatten wie eine schallende Ohrfeige gewirkt. Kurz war die Frau unter der Heftigkeit dieser Worte zusammengezuckt. Ihre Augen enthielten nun einen verräterischen Glanz.

Aber dennoch erwiderte sie mutig den bitterbösen Blick des Tränkemeisters. Mehrere Sekunden lang verharrten ihre Blicke ineinander. Und während Snape nur Aufgewühltheit und Unverständnis in den braunen Augen fand, konnte die Regentin etwas erkennen, was ihr noch mehr zuzusetzen schien.

„Es ist wegen Lily nicht wahr?" fragte sie mit rauer leiser Stimme. „Du liebst sie noch immer."

Seine Hände ballten sich zu Fäusten, als sie IHREN Namen erwähnte. Wie konnte sie es sich anmaßen…

„Wie kannst du es wagen." Donnerte er plötzlich mit tiefer dunkler Stimme los. Bedrohlich nahe trat er auf die Regentin zu, seine Augen wie scharfe Dolche in ihre gerammt. Seine gesamte Körperhaltung spiegelte die Ablehnung wider, die er im Moment für diese Frau empfand.

„Wage es nie wieder, über meine Gefühle zu urteilen." Spie er ihr mit Verachtung entgegen.

Ihre rehbraunen Augen zitterten, ihr Atmen war angespannt. Und als er von ihr abließ, glaubte er, sie erleichtert ausatmen zu hören. Hatte sie tatsächlich Angst vor ihm gehabt?

Er wandte sich von ihr ab, war bereits mehrere Schritte gegangen, um sie sich selbst zu überlassen. Doch die Wut hatte die Kontrolle übernommen. Er merkte, wie er anfing zu beben, wie sein Körper begann, ohne seinen Verstand zu handeln.

Severus hielt plötzlich noch einmal inne und drehte sich zu der Regentin um. Sein Blick war gnadenlos. „Ach, wenn du es unbedingt wissen musst." Sprach er mit dunkler leiser Stimme. „Ja, ich liebe Lily noch immer. Und ich werde es auch immer tun. Und zu deiner Information. Ich bin mir sicher, dass mein künftiges Ich ebenso gefühlt hat und dass DU lediglich der Notnagel warst."

Einen Moment lang hielt er der Verletztheit in ihren Augen stand. Doch dann wandte er sich von ihr ab. Seine Mimik war unergründlich. Selbst er wusste in diesen Moment nicht, was er fühlte. Er wusste nur, dass er ihre Würde mit seinen letzten Worten gebrochen hatte.