43. Zerbrochen
In Gedanken versunken, saß Severus im Büro des Direktors. Albus hatte ihn zu sich bestellt, erzählte ihm bereits die ganze Zeit etwas. Doch Severus wäre nicht dazu in der Lage gewesen, nur ein einziges Wort von Albus wiederzugeben.
Denn es beherrschten ganz andere Gedanken sein Gemüt. Seitdem er in Hermines Gefühlswelt Einblick bekommen – oder besser gesagt – sich diesen genommen hatte, wirbelte eine Frage in seinem Kopf umher. Und er war kurz davor, diese zu beantworten.
„Severus mein Lieber, hörst du mir überhaupt zu?" Der Direktor sah sein Gegenüber mild-fragend an, als Severus seinen Blick hob.
Er atmete laut aus und erhob sich von seinem Stuhl. „Tut mir leid Albus." Murmelte der Tränkemeister Dumbledore entschuldigend entgegen.
„Du scheinst mir heute sehr… abgelenkt." Stellte der Direktor mit einem väterlichen Lächeln fest. „Was beschäftigt dich so?"
Severus hatte nicht vor, Albus irgendetwas über die Begebenheiten von heute zu schildern. Aber irgendwas musste er ihm sagen, das war ihm klar.
„Ich bin nur sehr müde, das ist alles." Erwiderte Severus schließlich und fand seine Ausrede selber mehr als jämmerlich.
Aber zu seinem Glück ging Dumbledore nicht drauf ein.
„Erzähl mir lieber, was es so wichtiges gibt." Ergänzte Severus, indem er seinen Mentor mit einer Ernsthaftigkeit anblickte, die sogar Albus´ Schmunzeln für wenige Sekunden von seinen Lippen wischte.
„Es gibt einen Vorschlag aus dem Orden." Sprach Albus Dumbledore mit einer seltsam verzerrten Stimme.
Severus hob daraufhin nur fragend seine Augenbrauen. „Was für einen Vorschlag?"
„Nun." Erwiderte Albus, indem er bedächtig seine Hände ineinander faltete. „Schwarze Magie zu benutzen."
Stumm blickte Severus sein Gegenüber an. Hatte er das eben richtig verstanden? „Du meinst wir sollen den dunklen Lord mit seinen eigenen grausamen Flüchen schlagen?"
„So in der Art." Bestätigte der Direktor mit ernster Stimme. „Jedoch denke ich, dass die meisten Mitglieder des Ordens eher dagegen sein werden."
„Du hast mit ihnen darüber noch nicht gesprochen?" Severus war überrascht. Albus setzte sich doch sonst auch immer gleich mit den Orden zusammen, wenn es einen neuen Vorschlag gab.
„Ich wollte es erst mit dir besprechen." Meinte Dumbledore mit ruhiger Stimme. „Was hältst du davon?"
Severus nahm seinen Blick von seinen Mentor und richtete ihn auf das große Fenster. Er wusste nicht so wirklich, was er davon halten sollte. Einerseits fand er diesen Vorschlag mutig und gerissen. Die Todesser mit ihren eigenen Flüchen zu schlagen, wäre schon eine Ironie des Schicksals. Doch andererseits war diese Idee der reinste Wahnsinn.
„Ich bin mir nicht ganz sicher." Sprach Severus mit langsamer Stimme. „Ich denke, die Idee ist nicht schlecht, beinahe intelligent. Doch es kann schnell gefährlich werden." Er wandte seinen Blick wieder auf den Direktor, der ihn nur sachte zunickte.
„Du weißt, dass nicht jeder dazu in der Lage ist, mit schwarzer Magie umzugehen. Einige, deren Wille zu schwach ist, könnten sich verleiten lassen. Und ich weiß selber am Besten, wo das hinführen kann." Severus´ Blick hatte nun etwas Verbissenes angenommen.
„Was ist demnach dein Rat Severus?" fragte der Direktor nach.
Wieder überlegte der Tränkemeister kurz. Doch schließlich hatte er eine Entscheidung getroffen, die er auch vertreten konnte. „Wir werden es versuchen." Antwortete er mit starrer Stimme. „Aber nur ausgewählte Ordensmitglieder werden wir darin einweihen. Und nur ich werde sie darin unterrichten."
Dieses Mal war es der Direktor, der eine Weile überlegte. Doch schließlich stimmte er Severus nickend zu. „Ich vertraue dir Severus. Du wirst wissen, welche Flüche du uns lehren kannst und welche nicht."
Severus fühlte sich nicht wirklich wohl bei den Gedanken, Mitglieder des Ordens die schwarze Magie zu lehren. Es war ein Spiel mit dem Feuer. Aber zusammen mit Albus würde er die richtigen Personen auswählen.
„Wessen Vorschlag war das?" fragte der Tränkemeister schließlich nach. Er hatte absolut keine Ahnung, wer auf solch eine verrückte Idee kommen würde.
Lange sah Albus Dumbledore ihn an. Er schien zu überlegen, ob er es ihm sagen sollte oder nicht. Und Severus wusste nicht, was er mit dieser Geste anfangen sollte.
„Dieser Vorschlag kam von Hermine." Hörte es Severus schließlich in seinen Ohren widerhallen.
Ungläubig blickte er den Direktor an. Er hoffte, sich verhört zu haben. Doch egal was er tat, Albus´ letzten Worte waren zu präsent, als dass er sie sich hätte einbilden können.
„Ich weiß, dass dir das nicht gefällt Severus." Sprach der Direktor ihn an – mit betont besänftigender Stimme.
Severus hätte jetzt gerne den Tobsuchtanfall ausgelebt, der in seiner Brust festsaß. Doch er beherrschte sich und setzte sich stattdessen wieder auf den Stuhl. Dort verharrte er, mehrere Minuten lang, ohne irgendetwas zu sagen. Er musste diese Nachricht erst einmal wieder verdauen.
Albus ließ ihn die Zeit. Blickte ihn geduldig an.
„Sie ist meinetwegen im Orden." Stellte Severus schließlich mit nüchterner Stimme fest. Das war sie. Die Antwort, die er die ganze Zeit über gesucht hatte. Die Antwort auf die Frage, warum Hermine das alles tat.
Dumbledore erwiderte nichts, sah ihn nur weiterhin väterlich an.
Der Tränkemeister hob seinen Blick und richtete ihn auf seinen Mentor. „Du hast es zu gelassen, dass sie meinetwegen dem Orden beitritt." Seine Stimme war ruhig gewesen, aber dennoch hatte er den Vorwurf nicht verhehlen können.
„Wegen eines Todessers!" abermals war er aufgesprungen, abermals lief er unruhig im Büro des Direktors auf und ab.
„Niemand hätte sie davon abbringen können." Sprach Albus mit milder Stimme. „Auch du nicht."
Severus fuhr herum, sah Dumbledore mit wildem Blick an. „Glaub mir, ich hätte diese völlig absurde Idee zu verhindern gewusst." Er machte eine Pause, um sich wieder ein wenig zu beruhigen. „Wenn ihr irgendetwas passiert, ist das meine Schuld."
„Du weißt, dass das nicht stimmt. Es war allein Hermines Entscheidung." Versuchte Albus zu beruhigen.
„Aber ich fühle mich für sie verantwortlich!" Aufgebracht blickte er den Direktor an. Egal was er ihm sagen würde. Er würde sich immer schuldig fühlen, wenn ihr etwas zustoßen würde.
„Du weißt nicht, wie du damit umgehen sollst." Stellte der Direktor schließlich frei heraus fest.
Severus sackte etwas in sich zusammen. Jetzt ging das Gespräch in eine völlig falsche Richtung. „Natürlich weiß ich das nicht. Ich bin ihr Lehrer Albus! Und ich bin beinahe doppelt so alt wie sie!"
„Ich denke, du wirst lernen müssen, damit umzugehen." Gab Dumbledore zu bedenken.
Severus schnaubte nur laut auf. „Das denke ich nicht." Erwiderte er kühl. „Diese alberne Verliebtheit wird sicherlich auch irgendwann vorbei sein. Spätestens, wenn sich ihre Hormone wieder beruhigt haben."
Nachdenklich blickte der Direktor sein Gegenüber an. „Ich hoffe für euch beide, dass du Recht behältst."
Und ob er Recht behalten würde. Doch jetzt wollte er lieber wieder zum eigentlichen Thema zurückkehren. Denn er hatte noch ein Anliegen, welches er vor Albus äußern wollte.
Dafür setzte er sich abermals auf seinen Platz und versuchte sich wieder zu beruhigen. „Es gibt da noch etwas, was ich mit dir besprechen wollte." richtete der Tränkemeister schließlich das Wort an Dumbledore.
Interessiert erwiderte Albus den Blick von Severus. Daraufhin fuhr der Tränkemeister fort.
„Ich möchte, dass du für Hermine einen Partner findest. Da ich ihre Entscheidung ja sowieso nicht mehr rückgängig machen kann, soll sie wenigstens nicht alleine in den Kampf ziehen."
„Nun, das ist wohl eine gute Idee." Erwiderte Dumbledore mit Zustimmung. „Aber ich denke, Hermine wird sie so gar nicht gefallen."
„Das ist mir ehrlich gesagt mehr als egal Albus. Sie bekommt einen Partner an ihre Seite gestellt und damit Basta!" Hermine konnte sich auf den Kopf stellen. Doch dieses Mal würde er sich durchsetzen.
„Also gut. Ich werde sehen, was ich machen kann. Wenn ich jemand geeignetes finde, dann wird Hermine beim nächsten Ordenstreffen davon erfahren."
Severus war zufrieden. Wenigstens würde die Gryffindor dann ein wenig Schutz während eines Kampfes haben. Eine gewisse Rückendeckung konnte einen durchaus das Leben retten.
*****
Zusammen mit Harry und Ron saß Hermine im Fuchsbau. Sie hatten in dem großen Zimmer Platz genommen, welches als Ordenstreffpunkt fungierte. Sie war leicht nervös, da dies ihr erstes richtiges Ordenstreffen war. Sie hatte keine Ahnung, was auf sie zukam.
Harry und Ron waren in ein Gespräch mir Mr. Weasley vertieft. Das gab ihr die Zeit, sich innerlich auf die Versammlung des Ordens vorzubereiten.
Doch nicht allein das Treffen bereitete ihr Sorgen, sondern viel mehr die erste Begegnung mit Severus nach diesem Fauxpas. Das einzig beruhigende daran war, dass sie nicht mit ihm alleine sein musste.
Gott sei Dank waren Harry und Ron an ihrer Seite. Wobei Harry nicht wirklich eine Hilfe war. Er war noch immer enttäuscht darüber, dass sie ihm nicht erzählen wollte, was genau passiert war. Doch so leid es ihr auch tat. Sie konnte es ihm nicht sagen.
Ein dunkler Schatten zog plötzlich an Hermine vorbei und sofort versteifte sie sich. Sie musste nicht aufsehen, um zu wissen, wer sich gerade ein paar Plätze neben sie gesetzt hatte. Sie schluckte hart und versuchte verbissen, nicht allzu peinlich berührt zu wirken.
Warum konnte sie sich denn nicht einfach verstellen? Oder besser noch! Ihre eigenen Gefühle abstellen? Das wäre doch mal eine wirklich nützliche Eigenschaft gewesen.
Bis Albus Dumbledore endlich das Treffen für eröffnet erklärte, hatte Hermine krampfhaft versucht, Severus´ Blicken nicht zu begegnen. Doch nun, wo der Direktor, der sich ausgerechnet neben Severus gesetzt hatte, seine Ansprache hielt, musste sie wohl oder übel in diese Richtung blicken. Und sie hasste es.
Die junge Frau versuchte sich voll und ganz auf die Worte des Direktors zu konzentrieren. Doch so ganz wollte ihr das nicht gelingen. Und schließlich passierte es. Ihr Blick glitt nach rechts und sofort hatten sie die vertrauten dunklen Augen des Tränkemeisters gefangen genommen.
Mehrere Sekunden lang blickte er sie seltsam an. Dann wandte er sich von der Gryffindor ab. Hermine war durcheinander. Dieser seltsame Blick von eben wollte ihr nicht mehr aus den Kopf gehen. Sie versuchte, dessen Bedeutung zu ergründen. Doch je mehr sie darüber nachdachte, desto mehr verwirrte sie es.
Schließlich riss ihr eigener Name sie aus den Grübeleien. Sofort richtete sie ihre gesamte Aufmerksamkeit auf Albus, der sie mit glänzenden Augen anblickte. Hermine hoffte in diesem Augenblick inständig, dass er bis jetzt nur ihren Namen gesagt hatte. Andernfalls dürfte es jetzt mehr als peinlich werden.
„Wir, das heißt Severus und meine Wenigkeit, haben einen Entschluss gefasst." Fuhr der Direktor fort.
War Hermine im ersten Moment noch erleichtert darüber, dass sie wohl tatsächlich nichts verpasst hatte, so schwante ihr bei der Erwähnung Severus und Entschluss gefasst nichts Gutes.
Gespannt blickte sie den Direktor an.
„Wir haben beschlossen, dir einen Partner zur Seite zu stellen." Klärte Albus die nun völlig überrumpelte Hermine auf.
Sofort schoss ein wütender Blick zu Severus. In diesem Moment war es ihr völlig egal, was vor ein paar Tagen auf den Ländereien passiert war.
Severus hätte beinahe gelächelt, bei ihren furienhaften Anblick. Er hatte mit so was schon gerechnet. Und dass er Recht behalten hatte, ließ ihn innerlich triumphieren.
„Es ist besser, wenn du vor allem zu Beginn deiner Zeit im Orden jemanden hast, auf den du dich verlassen kannst und der dir einen gewissen Schutz bei Außeneinsätzen bietet." Fuhr der Direktor fort.
Hermine fehlten die Worte. Sie konnte dazu überhaupt nichts sagen. Sie war einfach nur sprachlos und ungeheuer wütend. Am liebsten hätte sie gegen diesen Vorschlag rebelliert. Doch sie wollte sich im Beisein des Ordens nicht blamieren. So musste sie ihren Wutausbruch wohl oder übel hinunterschlucken und auf später verschieben.
„Und wer soll mein Partner werden?" fragte sie um Beherrschung bemüht. Sie musste ihre Zähne zusammenpressen, um nicht laut los zu schreien. Wie konnte es dieser ungehobelte Mensch von Zaubertränkemeister nur wagen, sie so zu bevormunden?
„Ich habe bereits jemanden für dich ausgesucht. Sein Name ist Matt Collin und er ist bereits darüber informiert. Er müsste eigentlich jeden Moment hier erscheinen." Ließ der Direktor mit einem freudigen Strahlen verlauten.
Hermine fühlte sich in diesem Augenblick grausam. Es war nicht die Tatsache, dass sie einen Partner bekam. Viele Ordensmitglieder hatten einen. Und sie sah auch ein, dass dieser eine gewisse Sicherheit bot. Doch warum hatte man das über ihren Kopf hinweg entscheiden müssen? Und warum hatte ER das entscheiden müssen? Was glaubte er eigentlich, wer er war?!
Der Rest des Treffens zog an Hermine wie ein Sommergewitter vorbei. Es war laut, es war heftig, aber es war auch schnell wieder vorbei. Kurz nachdem Albus das Treffen für beendet erklärt hatte, leerte sich der Raum.
Hermine musste raus aus diesem Zimmer. Die Luft war so stickig hier drin geworden, dass sie kaum noch atmen konnte. Sie erhob sich von ihrem Platz und verließ unter den fragenden Blicken von Harry und Ron den Raum.
Sie ging in die große Wohnküche, in der gerade niemand war. Erschöpft lehnte sie sich gegen ein Regal und schloss für einen Moment die Augen. „Was für ein Tag." Murmelte sie nur.
„Viel Stress gehabt?" kam es plötzlich unerwartet zurück.
Erschrocken riss sie ihre Augen auf und blickte direkt in das Antlitz eines jungen Mannes. Hermine schätzte ihn auf Mitte zwanzig. Er war groß und schlank gebaut, wirkte aber dennoch nicht hager. Sein Gesicht blickte sie freundlich, beinahe keck an. Die helle Haut war mit Sommersprossen gesprenkelt und verlieh ihm dadurch etwas Jungenhaftes. Er hatte große blaue Augen, sanft geschwungene Lippen und feines blondes Haar.
„Tut mir leid." Meinte der junge Mann mit einem breiten Lachen im Gesicht. „Ich wollte dich nicht erschrecken.
„Schon okay." Murmelte Hermine nur. Ihr war im Moment überhaupt nicht nach guter Laune zumute. Und dieser Kerl vor ihr, besaß eindeutig zu viel davon.
„Ich bin übrigens Matt. Matt Collin." Stellte er sich freundlich vor und streckte seine Hand aus.
Ungläubig blickte Hermine ihn an. Das durfte doch jetzt nicht wahr sein. Bitte lass das ein Witz sein!
Ihr Unglaube wandelte sich in Fassungslosigkeit. Was hatte sich denn Dumbledore dabei gedacht?
„Du bist wohl nicht so gesprächig wie?" meinte Matt nur mit einer Gelassenheit, die beinahe atemberaubend war. Er zog seine Hand wieder zurück und lächelte sie augenzwinkernd an.
Gerade als Hermine dachte, dass es nicht mehr schlimmer werden konnte, betraten Dumbledore und Severus die Küche.
„Ah wie schön, ihr habt euch also schon kennen gelernt." Meinte der Direktor erfreut.
Doch keiner konnte diese Freude so recht teilen. Während Hermine etwas zerknirscht dreinblickte, sahen Matt und Severus erst den Direktor und dann Hermine fragend an.
Doch bei Matt schien irgendwann der Groschen gefallen zu sein. Abermals, mit einem beinahe ansteckenden Strahlen im Gesicht, blickte er Hermine an. „Sag bloß du bist Hermine Granger."
Hermine hätte in diesem Moment diesen Clown da vor sich so gerne die Meinung gesagt. Doch in Anbetracht der Situation, dass sie nicht alleine waren, hielt sie sich zurück.
„Du hast es erfasst." Erwiderte sie schließlich nur und reichte ihm nun doch die Hand.
„Freut mich dich kennen zu lernen." Entgegnete der junge Mann in solch einer charmanten Weise, dass Hermine aufpassen musste, ihn nicht doch noch irgendwie nett zu finden.
Severus hingegen blickte seinen Mentor nur fragend an. Das war jetzt nicht wirklich sein Ernst oder? Doch noch ehe er etwas sagen konnte, widmete sich Albus den Neuankömmling und führte ihn aus der Küche, um alle weiteren Details mit ihm besprechen zu können.
Mit einem freundlichen „Wir sehen uns" verabschiedete er sich von Hermine und an seinem funkelnden Blick war deutlich zu erkennen, dass er auf das Wiedersehen bereits jetzt schon hinfieberte.
Doch Hermine hatte keine Zeit sich über diesen letzten Blick Gedanken zu machen. Denn kaum schwang die Küchentür hinter Albus und Matt zu, da nahm sie sich auch gleich Severus zur Brust.
„Was fällt dir ein, einfach so über meinen Kopf hinweg zu entscheiden?!" schrie sie ihn wütend an. In diesem Augenblick hatte sie das Schamgefühl ihm gegenüber verloren. Die ungeheure Wut war stärker und ließ Hermine somit ihr ungewolltes Liebesgeständnis vergessen.
Severus verschränkte nur seine Arme vor der Brust und blickte sie von oben herab an. „Ich denke, es war die vernünftigste Lösung." Erwiderte er scheinbar unberührt.
Hermine schnaubt laut auf. „Darum geht es doch gar nicht!" Spie sie ihm verachtend entgegen. „Es geht darum, dass du diese Idee hättest vorher mit mir besprechen müssen!"
„Ich muss gar nichts mit dir besprechen Hermine! Ich bin immer noch dein Lehrer und kann somit entscheiden, was gut für dich ist und was nicht." Seine Stimme war nun härter geworden.
„Ach und du glaubst, mir einen Partner an die Seite zu stellen, löst all meine und deine Problem?" fragte sie mit ungewohnt hoher Stimme nach.
Severus zog seine brauen gefährlich zusammen. „Ich wüsste nicht, was dabei mein Problem sein sollte." Schnarrte er ihr mit dunkler Stimme entgegen.
„Ach nein?" fragte Hermine spitz zurück. „Dann werde ich deinem löchrigen Gedächtnis mal auf die Sprünge helfen. Du hattest von Anfang an ein Problem damit, dass ich den Orden beigetreten bin. Du hast es nicht leiden können, dass du kein Mitspracherecht hattest, dass ich alleine entschieden habe und du MEINEN Entschluss nicht wieder rückgängig machen konntest! Und jetzt ist dir diese absurde und völlig lächerliche Idee gekommen, dass du wenigstens bei einem Partner für mich mitbestimmen konntest!"
Aufgebracht funkelten ihre Augen ihn an. Severus hatte ihre Schimpftirade und ihre Vorwürfe einfach so über sich ergehen lassen. Das bedeutete aber nicht, dass es ihn nicht berührt hatte.
„Glaubst du eigentlich, was du da gerade von dir gegeben hast?" fragte er mit drohendem Unterton nach.
„Sonst hätte ich es wohl kaum zum Ausdruck gebracht!" konterte die junge Frau schnippisch.
„Das ist doch einfach nur lächerlich." Severus schüttelte dabei seinen Kopf, um seinen Unmut über dieses ganze Gespräch zum Ausdruck zu bringen.
„So, ist es das?" kam auch prompt die Gegenfrage, doch Hermine ließ ihm nicht die Zeit, darauf irgendwie reagieren zu können. „Es ist doch wohl offensichtlich, dass du es nicht ausstehen kannst, wenn du die Kontrolle verlierst. Du kannst es nicht leiden, wenn du deine Autorität und deine Überlegenheit einbüßt. Aber damit, dass du ständig deine Menschlichkeit und Würde verlierst, damit kannst du Leben! Und das ist meiner Meinung nach der komplett falsche Weg! Aber wie wir alle wissen, beschreitest du ja gerne Mal den falschen Pfad."
Severus sah sie an. Ihre Worte bohrten sich wie Dolche in sein Herz. Und er verstand nicht warum. Er schluckte hart und fühlte sich in diesem Augenblick mehr als gedemütigt.
„Wenn es darum geht, jemanden weit unter der Gürtellinie zu erniedrigen, bist du ganz weit vorne. Du kannst wirklich stolz auf dich sein."
Er hatte die Worte leise und exakt akzentuiert gesprochen, sodass es Hermine durch Mark und Bein ging. Die Worte, die sie ihn eben an den Kopf geknallt hatten, taten ihr selbst in der Seele weh. Doch nun war es zu spät. Alles war zu spät, dass konnte sie in seinen Augen lesen.
Ihre Beziehung, wie auch immer diese ausgesehen hatte, war in diesem Moment zerbrochen. Stumm wandte sich der Tränkemeister von Hermine ab. Ohne sie noch eines Blickes zu würdigen, ließ er die Gryffindor alleine mit ihren Kummer zurück.
