57. Neue Herausforderungen
Völlig starr lag Severus in seinem Bett. Das war es also die ganze Zeit gewesen…
Dieses seltsame Gefühl in seiner Magengegend, wenn er nur an sie dachte, diese innere Wärme, die er für sie empfand, dieses rasende Gefühl, wenn er sie mit diesem Collin zusammen sah, dieser tiefe unauslöschbare Wunsch, sie spüren zu wollen… all das wurde Severus nun klar… all das nannte man Liebe.
Er hatte diese Liebe nicht bemerkt. Sie hatte sich langsam und hinterhältig an ihn herangepirscht und ihn in einem unachtsamen Moment überfallen. Diese Liebe hatte die Verliebtheit übersprungen. Da war nicht dieses Bauchkribbeln gewesen wie bei der Regentin. Er hatte sich in Hermines Nähe nicht wie ein verliebter Teenager gefühlt – eher wie der größte Hornochse.
Nein, diese Liebe war anders. Sie war tiefer, sie war intensiver, sie war echt und vor allem war sie ein… grausam. Denn Hermine gehörte nun zu jemand anderen.
*****
Auch Hermine lag in ihrem Bett. Sie fühlte sich elendig, traurig und mehr als verwirrt. Dieses Ordenstreffen wollte ihr nicht mehr aus dem Kopf gehen. Es tat ihr in der Seele weh, dass Severus so angegriffen worden war. Und wenn sie ehrlich war, dann verspürte sie eine ziemliche Wut auf Matt.
Er hätte sich diese letzte Äußerung verkneifen können. Sie war unnötig gewesen. Doch gesagt, hatte sie ihm das auch nicht. Und das allein aus dem Grund, weil sie sich dagegen wehrte, Severus zu verteidigen. Denn wenn sie dies tat, dann müsste sie sich erklären. Und das wollte sie um alles in der Welt vermeiden.
Sie wollte nicht über das Warum nachdenken. Sie wollte auch nicht an Severus denken. Und so lenkte sie ihre Gedanken in andere Richtungen, versuchte verzweifelt, diesen Mann aus ihrem Innersten zu verbannen. Doch egal was sie auch tat. Immer wieder kehrten ihre Gedanken zu Severus zurück.
Verbissen fuhr sie sich durch die Haare und sprang aus ihrem Bett. So wurde das doch alles nichts. Sie zog sich ihren Morgenmantel über, setzte sich an ihren Schreibtisch und nahm sich das erstbeste Buch zur Hand. Es war ein Werk, welches einen guten Überblick über die Geschichte der Zauberei gab.
Und so vertiefte sich die junge Frau in dieses Buch und lernte schließlich die halbe Nacht für ihre Abschlussprüfung in diesem Fach. Denn das konnte sie wenigstens für ein paar Stunden von Severus ablenken.
*****
Die nächsten Tage zogen an Severus und Hermine nur so vorbei. Während er nun beinahe jeden Tag die ausgewählten Mitglieder des Ordens in den dunklen Künsten unterrichtete, lernte sie fleißig für ihre Abschlussprüfungen.
Doch auch sie musste noch Einzelstunden bei Severus nehmen. Und hätte ein Außenstehender beobachtet, wie diese beiden Personen miteinander umgingen, dann hätte er nur ungläubig seinen Kopf geschüttelt.
Wehement weigerten sich beide, sich auch nur im Entferntesten anzusehen. Sie mieden es, sich zu nahe zu kommen, um auch ja keine Berührung zu riskieren. Die Kommunikation bestand lediglich aus Anweisungen seitens Severus´ und einem bestätigendem Nicken von Hermine.
Und genau so war es auch an einem dunklen verregneten Sonntagmorgen. Hermine stand zitternd auf der Wiese und wartete auf Severus. Sie musste zugeben, dass sie gut vorankamen, dass Severus ihr in den letzten Wochen und Tagen eine Menge dunkler Flüche beigebracht hatte.
Doch heute war so ein Tag, an dem sie sich wünschte, dieses Training nie angefangen zu haben. Denn heute sollte sie den Dunkelsten aller Flüche gelehrt bekommen – den Avada Kedavra.
Sie wusste nicht so recht, was sie davon halten sollte. Dieser Fluch tötete Menschen. Und sie hatte nicht vor, dies einmal zu tun. Doch Severus hatte es entschieden. Sie kannte diesen Mann mittlerweile gut genug, um zu wissen, dass sie diese Entscheidung nicht mehr Rückgängig machen konnte. Und, dass er vermutlich einen triftigen Grund für diese Entscheidung hatte.
„Hallo" grüßte Severus sie knapp, als auch er den Treffpunkt erreicht hatte.
Leicht aufgeschreckt, da er sie aus ihren trüben Gedanken gerissen hatte, konnte sie ihn im ersten Augenblick nur Anstarren. Doch schließlich würgte auch sie ein zaghaftes Hallo hervor.
Es fiel dem Tränkemeister nicht leicht, die Gryffindor noch weiter zu unterrichten. Nicht nachdem er sich hatte eingestehen müssen, dass er sie liebte. Es war hart, beinahe unerträglich gewesen, als er genau diesen Gedanken zum ersten Mal erfasst hatte.
Jahrzehnte lang hatte er sein Herz einer Frau geschenkt, die von dem dunklen Lord ermordet worden war. So viele Jahre lang hatte er sie geliebt. Und er war sich sicher gewesen, nie wieder so lieben zu können. Doch diese verdammte besserwisserische Gryffindor hatte es geschafft, sich heimlich und langsam in sein Herz zu stehlen. Und er hatte es noch nicht einmal gemerkt.
Da musste sich erst sein Patronus vor seinen Augen verwandeln, damit ihm diese Liebe bewusst wurde.
Er hasste es. Er hasste es abgrundtief, dass sich sein Herz abermals eine Frau ausgesucht hatte, die bereits vergeben war, die einen anderen liebte.
Denn noch einmal wollte er das nicht durchmachen. Es hatte ihn damals beinahe umgebracht, als Lily sich gegen ihn und für James entschieden hat.
Und nun drohte sich all das zu wiederholen. Doch er hatte keine Kraft mehr dafür. Er wusste, dass er daran zugrunde gehen würde.
„Können wir anfangen?" fragte Hermine und durchbrach somit dieses Mal seine Gedanken.
Schnell hatte er sich wieder gefasst, schlüpfte in seine strenge Lehrerrolle, auch wenn die bei Hermine schon lange nicht mehr dieselbe Strenge aufwies, wie noch bei den anderen.
Er nickte ihr lediglich resolut zu und nahm dann seine Position ein. Er zog seinen Zauberstab und richtete ihn auf einen Punkt vor sich. Nach einem kurzen gemurmelten Spruch erschien eine Ratte vor ihnen, die er mit einem weiteren Zauber davon abhielt zu entkommen.
Hermine schluckte, als sie ahnte, was er nun vorhatte. Und als sie ihren Blick von der Ratte hob und seinen schwarzen Augen begegnete, sah sie sich in ihrem Verdacht bestätigt.
„Nimm deinen Zauberstab." Befahl er ihr mit ungewöhnlich sanfter Stimme. Doch er vermied es, die junge Frau dabei anzusehen.
Mit nervösen Fingern umklammerte sie das Stück Holz und richtete es deutlich unsicher auf das kleine Tier.
„Gut." meinte Severus nur. „Und nun konzentriere dich allein auf die Ratte."
Starr blickte Hermine auf das Wesen. Doch so sehr sie es auch versuchte, sie konnte es nicht fixieren.
„Konzentriere dich Hermine." Wiederholte er nun mit schärferer Stimme.
Die Gryffindor atmete tief ein und aus. Kurz schloss sie ihre Augen. Abermals fixierte sie die Ratte, versuchte all ihre Aufmerksamkeit zu fokussieren. Doch allein der Gedanke daran, dass sie dieses Wesen nun töten sollte, lenkte sie zu sehr ab.
„Ich kann das nicht." Wisperte sie schließlich nur und ließ ihren Zauberstab sinken.
„Es gibt Situationen, da musst du es aber können." Entgegnete er resolut.
Ihr Blick hob sich und traf auf seinen. Die gewaltige Wucht ihrer braunen Augen wurde ihm entgegengeschleudert und nun war er es, der seine gesamte Konzentration zusammenkratzen musste, um nicht seine Beherrschung zu verlieren.
Doch schnell brach sie diesen Blickkontakt wieder ab. Wild schüttelte sie ihren Kopf. Sie konnte das nicht. Sie konnte nicht diesen absolut verbotenen Zauber heraufbeschwören.
Plötzlich merkte sie, wie warme Finger sanft ihr Kinn erfassten und es nach oben zogen. Sofort konnte seine gesamte gewaltige Präsenz spüren. Ihr Körper begann zu reagieren. Ihr Herz trommelte wild, ihr Blut rauschte in ihren Ohren, ihr Atmen wurde flacher und schneller. Von den tausend Schmetterlingen in ihrem Bauch ganz zu schweigen.
„Hermine" sprach er nun mit leiser, sanfter Stimme. „Es ist wichtig, dass du das lernst… bitte vertrau mir."
Sie verlor sich in seinen schwarzen Tiefen. Und in diesem Moment hätte er alles mit ihr tun können, alles von ihr verlangen können. Sie hätte es ohne zu überlegen, getan. Sie schluckte den festen Kloß in ihrem Hals hinunter und versuchte sich auf das eben gesagte zu konzentrieren.
„Ich vertraue dir." Hauchte sie ihm nur mit kratzender Stimme entgegen. Gott, was machte dieser Mann mit ihr?
Auch wenn Severus es nach außen hin gut versteckte, so musste er all seine Beherrschung, die er besaß, aufbringen, um nicht einfach ihre Lippen mit seinen zu einem süßen Kuss zu verschließen. Es war verlockend, doch er widerstand.
Er ließ sie abrupt wieder los und trat einen großen Schritt zurück. Er brauchte eine kurze Zeit, um sich wieder völlig unter Kontrolle zu bekommen.
„Diese Ratte hier existiert nicht wirklich." Nahm er schließlich das Thema wieder auf. „Sie ist nur eine Lichtgestalt." Demonstrativ hob er seinen Zauberstab. Keine Sekunde später stob der grüne tödliche Strahl aus der Spitze und traf das Wesen in der Brust. Augenblicklich sackte die Ratte in sich zusammen.
Hermine keuchte entsetzt auf. Die weit aufgerissenen braunen Augen auf das Tier gerichtet.
Ein weiteres Mal schwenkte der Tränkemeister seinen Zauberstab und sofort erwachte die Ratte wieder zum Leben.
Vorsichtig sah Hermine Severus an. Als er ihr seicht zunickte, hob sie ihren Zauberstab erneut und richtete ihn abermals auf das Tier, welches nun wieder quicklebendig war. Ihre Hand zitterte stark, ihre Kehle schnürte sich zu.
„Du darfst nur an dein Ziel denken." Vernahm sie seine Worte, die sanft an ihr Ohr drangen.
Seine Stimme, das Wissen, dass er da war, beruhigten sie. Das Zittern wurde weniger, ihr Ausdruck in den braunen Augen gefasster und schärfer. Ihr Blick fokussierte sich allein auf die Ratte.
„Alles andere um dich herum ist unwichtig." Hörte sie Severus erneut sprechen. Und seine Worte, seine so vertraute und angenehme Stimme taten schließlich den Rest. Hermines Wahrnehmung war nun nur noch auf dieses eine kleine Tier gerichtet. Es existierte nichts anderes mehr. Kein Kampftraining, keine Schule, noch nicht einmal ein Matt.
Eine Weile lang verharrte sie in dieser Position. Allein ihr Atem war zu hören. Sie sah nur die Ratte vor sich, die quicklebendig ihre Umgebung beschnupperte.
Und dann formten sich beinahe wie von allein diese zwei grausamen Worte. Avada Kedavra. Ein gewaltiger Blitz schoss aus ihrem Zauberstab und raste ungebremst auf die Ratte zu. Keine Sekunde später war diese tot.
Augenblicklich kehrte Hermines Wahrnehmung wieder zurück. Sie erstarrte, als sie sich über ihre eigene Tat bewusst wurde. Sie hatte es getan. Sie hatte diesen Fluch ausgesprochen. Wie paralysiert starrte sie auf den leblosen Körper des Tieres.
Die junge Frau fühlte sich schrecklich. Sie war nicht dazu geboren, jemanden zu töten – und wenn es nur eine herbei gezauberte Ratte war.
Doch plötzlich rührte sich die Ratte wieder. Langsam und noch etwas steif streckte sie ihre Glieder, die schwarzen Knopfaugen blickten spähend in die Umgebung, die Nase schnupperte neugierig in alle Richtungen.
Verwirrt sah Hermine ihren Tränkeprofessor an, doch als sie seinen Zauberstab sah, der noch auf das Wesen gerichtet war, wusste sie, dass er die Ratte wieder belebt hatte – allein damit Hermine sich besser fühlte.
Dankbar lächelte sie Severus an. Ein Lächeln, was so warm und ehrlich war, dass Severus es einfach nur erwidern konnte.
„Danke." Hauchte sie ihm nur entgegen. Dieses Training war ihr an die Substanz gegangen, aber dennoch fühlte sie sich seltsam befreit.
Er nickte ihr lediglich leicht zu. Sagen konnte er jetzt nichts.
„Warum dieser Fluch?" fragte die junge Frau schließlich in die Stille hinein. „Warum bringst du mir diesen Fluch bei?"
Ruhig erwiderte er ihren leicht aufgebrachten Blick. „War es nicht deine Idee, dunkle Magie zu verwenden?"
Sachte schüttelte sie ihren Kopf. „Ich…ich hatte doch niemals daran gedacht, dass ich diesen Fluch gelehrt bekomme… er… er ist verboten."
Beinahe flehentlich blickten ihre sanften Augen ihm entgegen. Ein zärtlicher Ausdruck legte sich über seine sonst so strengen Züge. „Ich habe mit Albus lange darüber nachgedacht, ob wir den Todesfluch lehren sollen. Doch schließlich sind wir zu den Schluss gekommen, dass in diesem Krieg schon so viele Grenzen überschritten wurden, dass es auf eine mehr auch nicht ankommt."
Überrascht blickte Hermine ihn an.
Severus seufzte leise auf, als er ihre Skepsis bemerkte. „Was glaubst du, warum wir nur so eine kleine Auswahl an Ordensmitgliedern getroffen haben? Den Avada Kedavra bekommen nur die gelehrt, bei denen sich Albus und ich wirklich sicher sind, dass sie der dunklen Versuchung, die von diesen Fluch ausgeht, auch widerstehen können."
Hermine ließ seine letzten Worte erst einmal in ihrem Verstand ankommen. Und schließlich verstand sie. „Danke." Hauchte sie schließlich nur, konnte ihn dabei aber nicht mehr ansehen.
„Wofür?" kam es leise zurück.
Mutig hob sie ihren Blick wieder und versenkte ihre Augen dabei tief in seine. „Für dein Vertrauen in mich."
Severus´ Herz begann Purzelbäume zu schlagen, ohne dass er es hätte irgendwie kontrollieren können. Ein leichtes Lächeln legte sich über seine Züge, was wiederum Hermine in Wallungen versetzte.
„Es muss schrecklich sein, diesen Fluch real anwenden zu müssen." wisperte sie mit unsicherer Stimme in die Stille hinein. Dieser Gedanke verfolgte sie schon eine ganze Weile, doch erst jetzt hatte sie das Gefühl, diesen auch aussprechen zu können.
Severus blickte sie an. „Es ist grausam." Antwortete er schließlich. „Ich wünsche dir, dass du es nie herausfinden musst."
Ihre Augen hielten seinen Blick gefangen. Sie waren fragend, und eine plötzliche Erkenntnis, die sie traurig werden ließ, hatte sie schließlich erfasst.
„Du… du hast schon einmal jemanden mit diesem Fluch umgebracht. Zuletzt… Goyle." Hermine hatte damals mitbekommen, dass Goyle leblos zu Boden gefallen war. Doch sie hatte es nicht realisiert gehabt. Vielleicht, weil Severus den Avada Kedavra nicht ausgesprochen hatte, vielleicht weil sie so völlig durcheinander gewesen war. Doch jetzt… jetzt schlug die Erkenntnis über Hermine zusammen.
Severus musste bei dieser Erkenntnis hart schlucken. Man hatte ihn schon oft gefragt, wie es war, einen Menschen mit diesem Fluch zu töten. Doch noch nie in dieser Konnotation. Hermine wusste, dass er diesen Fluch schon angewandt hatte – und das nicht nur einmal. Sie wusste, dass er Menschenleben damit ausgelöscht hatte.
Doch sie verurteilte ihn nicht dafür. Sie wollte es einfach nur wissen, ohne ihm einen Vorwurf zu machen. Und das war etwas, was Severus erstaunte, was er kaum fassen konnte.
„Das habe ich." Erwiderte er schließlich mit rauer Stimme. Beschämt senkte er seine Lider.
Betroffen blickte sie ihn an. Seine Worte hatten sie ergriffen. Ein dicker Kloß hatte sich in ihrem Hals gebildet, sodass sie nichts mehr sagen konnte.
„Dieser Fluch beschmutzt deine Seele." Fügte er mit leiser Stimme an. „Aber er kann dir auch das Leben retten."
Stumm blickte sie ihn an. Ein warmes Gefühl für diesen Mann zog sich durch ihren Körper und ließ diesen erzittern. Sie wäre jetzt gerne zu ihm gegangen, um ihn zu berühren. Und wenn sie nur seine Hand erfasst hätte. Der Wunsch ihm nahe zu sein, war in diesem Moment beinahe übermächtig.
„Versprich mir, dass du ihn einsetzt, wenn dein Leben in Gefahr ist." Severus hatte keine Ahnung, woher diese Worte auf einmal gekommen waren. Noch nie hatte er jemanden gebeten, diesen Fluch zu benutzen. Doch bei Hermine war alles anders. Offensichtlich hatte die Liebe zu ihr plötzlich die Kontrolle übernommen.
Sie sah ihn an, versuchend ihre eigenen Gefühle irgendwie zu bewältigen. Noch vor ein paar Monaten, vielleicht sogar Wochen, hätte sie diese Bitte beunruhigt, ihr sogar Angst gemacht. Doch irgendetwas hatte sich verändert. Sie vertraute diesem Mann vor sich so unendlich, dass es beinahe unheimlich war. Doch sie konnte nichts dagegen tun.
„Ich verspreche es." Flüsterte sie schließlich zurück. Ein gewaltiger emotionsgeladener Sturm brauste in ihr auf, als sich ihre Blicke erneut trafen. Diese Dankbarkeit und Erleichterung, die sie daraufhin bei ihm finden konnte, ließ ihr Herz mit einem Mal gewaltig höher schlagen.
„Hermine?!" ertönte plötzlich Matts Stimme und riss die beiden damit aus diesem vertrauten Moment.
Erschrocken wirbelte die Frau herum, blickte ihren Freund mit großen Augen an. „Matt." Meinte sie nur. „Was machst du hier?"
„Eigentlich wollte ich dich abholen, aber ich konnte ja nicht ahnen, dass ich euch bei irgendwelchen Schwüren stören würde." Gab er kühl zurück.
Hermine zog ihre Stirn in Falten. Doch sie vermied es, dazu etwas zu sagen.
Und auch Severus hatte sich für diese Variante entschieden. Es brachte ja doch nichts, sich jetzt mit diesem Collin anzulegen. Außerdem konnte er es nicht ertragen, Hermine mit ihm zu sehen. Und so zog er sich, nachdem er sich mit einem knappen „Die Stunde ist beendet" verabschiedet hatte, zurück.
Hermine hätte ihn gerne zurückgehalten. Sie wollte nicht, dass er ging, nur weil Matt irgendetwas nicht passte. Doch sie wusste auch, dass dies Matts Unmut nur noch mehr schüren würde.
„Was sollte das?" fragte Matt Hermine auch sogleich.
„Was sollte was?" Hermine hatte absolut keine Ahnung, was sein Problem war.
„Warum hast du ihn so etwas versprochen?"
„Warum hätte ich das nicht tun sollen?" ereiferte sich die junge Frau. Warum musste sie sich jetzt vor Matt rechtfertigen?
„Verdammt Hermine! Er hat dir das Versprechen abgenommen, den Todesfluch einzusetzen." Seine Stimme war nun lauter geworden. So aufgebracht hatte man den jungen Mann noch nie gesehen.
„Ja, und zwar um mein Leben zu retten!" gab sie nun ebenso laut und gereizt zurück.
„Was soll dieses Theater eigentlich Hermine? Erst könnt ihr euch auf den Tod nicht ausstehen, dann redet ihr Tage lang nicht miteinander, dann plötzlich behandelt ihr euch wie Porzellan und jetzt versprichst du ihn solche abstrusen Dinge!"
Matts sonst so gütigen blauen Augen funkelten die junge Frau enttäuscht und wütend zugleich an.
„Worum geht es dir hier eigentlich Matt?" stellte Hermine die Gegenfrage.
„Es geht darum, dass ich langsam nicht mehr weiß, wie du zu Snape stehst." Antwortete er mit einer gewissen Streitlust in der Stimme.
„Wie soll ich schon zu ihm stehen? Er ist mein Lehrer!" gab Hermine aufgebracht zurück.
„Dein Lehrer?" kreischte Matt schon fast. „Seinen Lehrer duzt man aber nicht. Und erst recht verlangt kein Lehrer von seinem Schüler, den Todesfluch anzuwenden."
Hermine konnte nur entnervt ihre Augen verdrehen. Jetzt fing er schon wieder damit an. „Verdammt Matt! Severus und ich haben viel zusammen durchgemacht. Da passiert es schon mal, dass man den anderen etwas besser kennen lernt."
„So? Wie gut hast du ihn denn kennen gelernt?" kam auch prompt die Frage, die Hermine nun völlig aus den Konzept brachte und ihre Beherrschung auf eine harte Probe stellte.
Sie schluckte hart und konnte es nicht verhindern rot anzulaufen. Doch offensichtlich schien dies Matt in seiner Wut gar nicht zu bemerken. „Du hast mir nie erzählt, was genau ihr beide durchgemacht habt. Ich weiß nur, dass ihr mehrere Monate lang verschollen gewesen wart." Meinte er mit vorwurfsvoller Stimme.
Hermine hätte schreien können. Warum verlangte er so etwas jetzt von ihr? Es hatte ihn doch die ganze Zeit über auch nicht interessiert. „Da gibt es auch nicht viel zu erzählen." Meinte sie nur und hätte dabei selbst beinahe laut losgelacht. Dass was sie mit Severus sowohl in der Zukunft als auch in der Vergangenheit erlebt hatte, reichte für zwei Leben.
„Ich würde es trotzdem gerne wissen!" Beharrte Matt mit verbissenem Gesichtausdruck.
Sie presste ihre Kiefer fest aufeinander. Doch ihre Beherrschung konnte sie dadurch nicht mehr retten. „Also schön!" Spie sie ihm förmlich entgegen. „Ich war mit ihm in der Zukunft. In einer Zukunft, in der wir uns geliebt haben, in der wir verheiratet waren und zwei Kinder hatten! Bist du nun zufrieden?!" Hermine hatte sich in Rage geredete und so hatte sie ihre Worte nicht mehr kontrollieren können. Doch nun, wo sie sich der Bedeutung ihrer Worte gewahr wurde, war es zu spät. Sie konnte es nicht mehr ändern.
Völlig geschockt blickte der junge Mann Hermine an. Er war kreidebleich im Gesicht geworden, sein Körper schien in eine Starre gefallen zu sein.
Wie Hermine ihn dort so sah, bekam sie Mitleid mit ihm. Sie hatte das alles nicht sagen wollen – nicht so.
„Matt?" fragte sie vorsichtig nach, als er auch nach einiger Zeit noch nichts erwidert hatte. Doch er reagierte noch immer nicht.
„Matt" versuchte sie es erneut, nun lauter. Und dieses Mal konnte sie zu ihm durchdringen. Sein Blick wurde wieder klarer, seine Miene versteinerte sich.
„Gut zu wissen." Murmelte er nur verletzt und wandte sich zum Gehen.
Kurz wollte Hermine ihn aufhalten, doch irgendwie kamen ihr nicht die richtigen Worte über die Lippen.
Sie blickte ihn traurig und wütend zugleich hinterher. Warum war das alles so kompliziert? Warum hatte sie Matt nicht einfach sagen können, dass er nichts zu befürchten hatte, dass sie ihn liebte?
Sie war doch gerne mit ihm zusammen. Er brache sie zum lachen, er war immer für sie da, er beschützte sie in allen Lebenslagen, er liebte sie.
Sie war ihm dankbar. So unendlich dankbar dafür, dass er ihr geholfen hatte, als sie so sehr unter Severus´ Ablehnung gelitten hatte. Und jetzt? Jetzt war alles noch verwirrender als vorher. Sie konnte absolut nicht sagen, was das da zwischen Severus und ihr war.
Sie wollte so sehr hoffen, doch sie verbot es sich selbst, sich solche Gedanken zu machen. Und so konzentrierte sie sich wieder auf Matt. Auf den Mann, mit dem sie zusammen war und auch zusammen bleiben würde.
Doch allein bei diesen Gedanken durchzog ein grausamer Schmerz ihr Herz. Ein Schmerz, den sie verbissen zu unterdrücken versuchte.
