62. Epilog

13 Jahre später

Bereits völlig außer Atem und mit rasendem Herzen rannte sie durch Hogwarts. Sie wusste nicht, wo sie genau hinwollte. Doch ihr Herz schien es zu wissen. Ohne dass Hermine irgendetwas machen musste, stürmte ihr Körper die Treppen hinauf, lief die Gänge entlang.

Und als sie schließlich vor einer kleinen metallenen Tür stand, wusste sie, wo sie hinwollte. Zum Astronomieturm. Nach Luft ringend erklomm sie auch die letzten Treppenstufen, die sie schließlich nach draußen entließen.

Auf dem Turm angekommen wehte ihr ein heftiger kalter Wind entgegen. Sie konnte kaum atmen, so schneidig war er. Langsam schritt sie den Turm entlang, auch wenn sie kaum Hoffnungen hatte, ihn hier zu finden.

Doch plötzlich konnte sie – im Dunklen verborgen – einen mächtigen Umhang im Wind wehen sehen. Sie stockte, versuchte dieses wahnsinnig schnelle Galoppieren ihres Herzen wieder zu kontrollieren. Doch dies war nun nicht mehr möglich.

Langsam schritt sie auf ihn zu, noch hatte er sie nicht bemerkt und sie fragte sich in diesem Moment, wie er wohl reagieren wird, wenn er sie sieht.

Sie hatte ihn schon fast erreicht, als er sie bemerkte. Ungläubig, beinahe fassungslos sah er die junge Frau an. Mehrere Sekunden lang passierte gar nichts. Auch Hermine konnte sich weder bewegen, noch irgendetwas sagen.

Wie sehr hatte sie sich nach ihm gesehnt. Sie hatte nichts mehr gewollt, als ihn einfach nur zu sehen, als ihm einfach gegenüberzustehen und sich in seinem tiefen Blick zu verlieren. Und genau das tat sie gerade.

Hermine sah Severus an, dass er nicht wusste, wie er mit dieser Situation umgehen sollte, dass er unsicher war. Und sie konnte ihn nur zu gut verstehen. Erst ließ sie ihn einfach gehen, weil sie sich gegen ihr Herz entschieden hatte und dann tauchte sie plötzlich wieder bei ihm auf.

Doch sie hatte es nicht mehr ausgehalten. Ihr Herz, ihre Seele, alles in ihr hatte sich nach diesem Mann gesehnt. Und nun war sie hierher geführt wurden, zu ihm.

Hermine ging noch einen Schritt auf ihn zu, seinen Blick, der sie regelrecht fixierte, nicht aus den Augen lassend.

„Es tut mir leid." Hauchte sie ihm mit zitternder Stimme entgegen.

Er schloss seine Augen und als er sie wieder öffnete, konnte sie seinen ganzen Schmerz sehen, dem sie ihn durch ihre Entscheidung zugefügt hatte. Und dennoch hatte er sie gehen lassen.

„Mir auch." Raunte er ebenso leise zurück.

Hermine schluckte hart. Sie wollte ihm so viel sagen, doch sie hatte Schwierigkeiten, diese Gedanken in Worte zu fassen.

„Ich kann mich nicht mehr dagegen wehren." Ihre Stimme hatte einen verzweifelten Ton angenommen, spiegelte somit ihr derzeitiges Seelenleben wider.

Lange Zeit schwieg er. Und es war wie Folter für Hermine.

„Dann lass es." Kam es schließlich von ihm zurück.

Und genau das war der Funke, der noch gefehlt hatte. Dieser Satz hatte bei Hermine wie ein Zeichen, wie das fehlende Puzzelstück gewirkt, denn augenblicklich riss sie ihre eigenen Barrieren nieder, die sie an ihrer Liebe zu Severus hinderten.

Sie schlang ihre Arme um seinen Hals und zog ihn zu einem erlösenden Kuss zu sich heran. Sie hatte das Gefühl zu schweben, zu fliegen. Ihre Knie drohten nachzugeben und hätte Severus sie nicht mit seinen Armen ebenso fest umschlungen, wäre sie umgefallen.

Sehnsüchtig seufzte sie in diesen Kuss hinein, was Severus scheinbar um den Verstand zu bringen schien, da er sie noch enger, soweit das überhaupt noch möglich war, an sich heranzog und den Kuss nun mit einer Intensität erwiderte, der ihr schier den Verstand raubte.

Dann wachte Hermine auf.

Noch ein wenig desorientiert blickte sich Hermine um. Doch schließlich realisierte sie, dass sie in ihrem Garten lag. Die Sonne schien hoch am Himmel, die Vögel zwitscherten. Es war ein herrlicher frühsommerlicher Tag.

Sie musste eingeschlafen sein. Was aufgrund ihres Schlafdefizites nicht verwunderlich war. Erschöpft lehnte sie sich in den Liegestuhl zurück und schloss kurz ihre Augen. Diesen Traum hatte sie nun schon so lange. Und noch immer verfolgte er sie.

Sie fuhr sich nun noch müder als zuvor über das Gesicht. Ein leises Seufzen entrang sich ihrer Kehle.

„Ist alles in Ordnung Liebling?" drang plötzlich die sanfte Stimme ihres Mannes an ihr Ohr.

Hermine blickte ihren Mann an. Ein zartes Lächeln breitete sich auf ihren Zügen aus, als sie ihn mit ihrer kleinen Tochter im Arm neben sich stehen sah. „Ich habe nur… intensiv geträumt." Gab sie geschafft zurück.

Er ging in die Hocke, setzte das kleine Mädchen vorsichtig ab und nahm Hermines Hände in seine. „Du brauchst dringend Schlaf."

„Was du nicht sagst." Erwiderte sie zart und gähnte dabei genüsslich.

Doch sie hatte nicht vor, sich jetzt noch einmal hinzulegen. Das würde auch zu nichts führen. Und so setzte sie sich auf und strich ihrer kleinen Tochter sanft übers Haar. „Was habt ihr beiden denn so Schönes gemacht?" fragte Hermine sie.

Mit großen Augen blickte das siebenjährige Mädchen seine Mama an. „Wir waren spielen."

„Wo wart ihr denn spielen?" hakte Hermine weiter nach, während sie ihre Tochter vorsichtig auf ihren Schoß zog.

„Papa hat mir einen schönen Ort im Wald gezeigt." Meinte die Kleine mit einem gewaltigen Leuchten in den Augen.

Lächelnd blickte Hermine zu ihrem Mann. Sie hatte über die Jahre herausgefunden, dass er einen gewissen Faible für den Wald hatte. Da war es auch nicht verwunderlich gewesen, dass sie ein Haus gekauft hatten, welches nicht weit von einem Wald in den schottischen Highlands gelegen war.

„Soso, der Wald also." Erwiderte sie nur lächelnd und zwinkerte ihrem Mann neckisch zu.

Er erwiderte nur ihr Lächeln, sagte aber nichts weiter dazu. Schließlich wandte er sich wieder zu seiner kleinen Tochter. „Zeit für deinen Mittagschlaf." Sprach er und nahm sie auf seinen Arm, um sie in das Haus zu tragen.

„Ich bin gleich wieder da." Rief er Hermine noch zu, dann war er im Haus verschwunden.

Nun erhob sich auch Hermine und ging zu der Wiege, die nur wenige Meter neben ihr im Schatten stand. So leise wie möglich blickte sie hinein. Und als sie ihren Sohn schlafend vorfand, atmete sie erleichtert aus. Da konnte sie nur noch hoffen, dass er auch mal eine Nacht durchschlafen würde.

Der kleine Junge war erst wenige Wochen alt, doch er hielt seine Eltern, besonders seine Mama, sehr auf Trab. Während ihre Tochter als Baby sehr ruhig gewesen war, machte der Kleine hier sehr großen Krach. Aber es waren halt nicht alle Kinder gleich.

„Sag bloß er schläft." Konnte sie ihren Mann neben sich flüstern hören.

Sie schloss ihre Augen, lehnte sich zurück und wurde auch sogleich von seinem Oberkörper aufgefangen. Seine Arme schlangen sich sanft um ihre Hüfte.

„Warum bist du eigentlich so ausgeschlafen und ich so hundemüde?" fragte sie ihn mit einem leichten Seufzen in der Stimme.

Und auch wenn sie ihn nicht ansah, so wusste sie dennoch, dass er in diesem Moment vor sich hingrinste. „Weil du durch sein nächtliches Geschrei aufwachst und ich nicht." Erwiderte er trocken.

„Das ist nicht fair Severus." Meinte sie nur trotzig und drehte sich in seinen Armen zu ihm um.

Sein Grinsen hatte sich mittlerweile in ein liebevolles Lächeln gewandelt. „Irgendwann wird auch der kleine Schreihals seine Ruhe finden." Versuchte er sie zu beruhigen.

Hermine zog daraufhin nur eine Schnute. „Ich weiß." Hauchte sie ihm entgegen. „Immerhin haben wir in der Zukunft einen ruhigen vierjährigen Ryan kennen gelernt. Also besteht noch Hoffnung."

Hermine ließ sich von Severus in seine Arme ziehen. Genüsslich kuschelte sie sich an seinen Oberkörper, schloss ihre Augen und genoss dieses unglaubliche Glück, welches sie durchströmte.

Vor gut 13 Jahren hätte sie nie geglaubt, dass sie einmal eine Zukunft mit Severus haben würde. Sie hatte sich für einen anderen Mann entschieden, doch nicht weil sie auf ihr Herz, sondern auf ihr Gewissen gehört hatte.

Doch diese Beziehung hatte gar nicht gut gehen können. Ständig war Hermine mit ihren Gedanken bei Severus gewesen, auch wenn sie sich so sehr bemüht hatte, für Matt da zu sein. Doch sie hatte ihre Gefühle nicht verbergen können – auch nicht vor Matt. Er hatte gemerkt, dass sie einen anderen liebte und so hatte er sie schließlich freigegeben.

Auch wenn es ihr noch heute unendlich Leid tat, dass sie Matt das angetan hatte, so war es damals dennoch eine gewaltige Erleichterung gewesen, als er sie hatte gehen lassen.

Von Matt hatte sie seit der Trennung nichts mehr gehört. Er hatte keinen weiteren Kontakt mit ihr gewollt, was sie durchaus verstehen konnte. Doch eines Tages hatte sie im Tagespropheten über einen Auror gelesen, der trotz seiner Behinderung wieder für das Ministerium tätig war.

Dieser Auror war Matt gewesen. Und auch wenn er nicht mehr gehen konnte, so ermöglichte es ihm ein Schwebezauber dennoch seinen Beruf auszuüben – Unterstützung bekam er dabei von einer hübschen jungen Aurorin…

Nachdem Matt sie freigegeben hatte, war sie zu Severus gegangen, hatte ihn auf dem Astronomieturm vorgefunden. Diese Begegnung hatte ihr gesamtes Leben verändert – vielleicht träumte sie deshalb so oft davon.

Und nun, 13 Jahre später, stand sie hier in den Armen von Severus, ihres Mannes. Sie hatten zwei wundervolle Kinder, so wie es die Zukunft ihnen gezeigt hatte. Aber dennoch hatten sie diese auch ein Stück weit verändert.

Es herrschte kein Krieg mehr, viele der damals Todgeweihten waren noch am Leben und vor allem war Hermine eine ganz normale Hexe. Sie besaß nicht, wie die Regentin große Kräfte. Und das war ihr auch ganz recht so.

„Weißt du, was ich mehr als schade finde?" fragte Severus sie schließlich mit rauer, beinahe verführerischer Stimme.

Sie löste sich ein wenig aus der Umarmung, um ihn ansehen zu können. Abwartend leuchteten ihre braunen Augen ihn an. „Was?" fragte sie neugierig nach, als Severus nicht weiter sprach.

Ruhig ruhte sein dunkler Blick auf der jungen Frau. „Dass wir in der Zukunft nur zwei Kinder hatten."

Mit hochgezogenen Augenbrauen blickte sie ihn an. Es war schon beinahe eine Frechheit, dass er gerade jetzt, wo sie durch Ryans Geschrei so hundemüde war, den Wunsch auf ein drittes Kind äußerte.

Aber dennoch konnte sie sich ein Lachen nicht verkneifen. Sie wusste nicht, woher ihre nächsten Worte kamen. Doch wahrscheinlich waren sie von ihrem Herzen gesprochen worden.

Ein zartes Lächeln zog sich nun über Hermines Züge. „Nun, das können wir ändern." Hauchte sie ihm – mit einem Mal wieder hellwach – entgegen, während sie ihn am Kragen packte, und ihn zu einem sinnlichen Kuss zu sich zog.

- Ende -