Titel: Ein Malfoy in Gryffindor? – Niemals! – Oder doch?
Disclaimer: Nix meins, alles J.K. Rowlings… leider…
Kategorie: Drama/Romance
Pairing: Draco Malfoy/? Entweder Harry Potter oder Hermine Granger
!! im Moment tendiere ich eher in Richtung Harry! Sorry für alle Hermine/Draco Fans, aber bis sie alt genug für eine Beziehung sind, kann sich da ja noch was ändern.
Raiting: erstmal K; später vielleicht T
Inhalt: Was passiert wenn Draco Malfoy von dem Hut nach Gryffindor gesteckt wird und nicht nach Slytherin? Richtig, sein schlimmster Albtraum würde wahr! Oder könnte das Ganze doch etwas Positives haben? Warum ist Draco überhaupt in das Haus der Löwen gekommen?
FoFF: Überraschung und Ablenkung von bösen Gedanken gelungen? Das hier ist ein zusätzlicher Daumen!
Kapitel 5
Wochenend' und Sonnenschein und andere Katastrophen
Der Traum Hogwarts…Ja, so sah Draco seine Schulzeit im Moment noch. Für ihn war es das erste Mal, dass er Freunde hatte, sich nicht um seine Maske kümmern musste und einfach nur Spaß haben konnte. Klar, die Lehrer machten ihm hin und wieder mit einem ganzen Stapel Hausaufgaben einen Strich durch die Rechnung, doch Draco fand trotzdem seine Zeit um mit Harry etwas zu unternehmen.
Harry… Noch nie hatte sich Draco in Gegenwart eines anderen Menschen so sicher und gelöst gefühlt. Er wusste, dass das daran lag, dass er bis jetzt noch keine richtigen Freunde gehabt hatte, und doch erstaunte es ihn immer wieder, wenn Harry und er sich ohne Worte verstanden.
Und zwar nicht nur wenn sie über irgendetwas diskutierten oder sich mit Blicken stumm verständigten wenn Hermine und Ron sich mal wieder über die Hausaufgaben stritten, nein, auch im Unterricht konnten sie durch einen einfachen Blick ausmachen, dass sie sich später zu einer neuen Erkundungstour treffen wollten, oder dass sie beide total genervt von Professor Binns waren.
Den Unterricht fand Draco total interessant. Zwar hatte er von seinem Vater schon einige Sprüche beigebracht bekommen, aber das war immer mit Schmerz verbunden. In Hogwarts lerne er, dass Lernen Spaß machen konnte.
Zaubertränke entwickelte sich schnell zu seinem Lieblingsfach und er war wirklich sehr gut darin, was Severus ja bereits prophezeit hatte. Doch genau wie Hermine bekam er nie einen Punkt für seine gute Arbeit, doch im Gegensatz zu der ehrgeizigen Gryffindor hatte er damit kein Problem, denn ein heimlicher, anerkennender Blick von seinem Patenonkel genügte ihm voll und ganz. Harry war im Gegensatz zu ihm ziemlich schlecht in diesem Fach, dagegen war er in Verteidigung gegen die dunklen Künste überragend, was Draco aber nicht groß wunderte. Allerdings war ihr Lehrer, Professor Quirrell nicht so gut. Trotzdem konnte Harry immer wieder mit einer erstaunlich schnellen Leistung beim Lernen neuer Zauber aufweisen.
Draco fragte sich manchmal ob es Harry nicht helfen würde, wenn er ihm den Studienraum zeigen würde. Denn dort konnte man wunderbar Zaubertränke üben, schließlich hatte jeder der Gründer seine eigene Brauecke in den großen Raum gehabt! Draco hatte jedes Mal das Gefühl Harry zu verraten, wenn er Abend für Abend seine Hausaufgaben in seinem Studierzimmer machte, doch trotzdem wollte er Harry den Raum nicht zeigen. Es war ein Ort für ihn, an den er sich zurückziehen konnte, wenn er traurig oder sauer war, an dem er keine Maske brauchte, wo er einfach mal für sich alleine sein konnte. Das genoss er sehr, denn er war es von klein auf an gewöhnt gewesen alleine zu sein. Jetzt den ganzen Tag von Menschen umgeben zu sein strengte ihn an und ermüdete. Einmal war er sogar in einem der Sessel eingeschlafen und nur dank des Abkürzraumes noch rechtzeitig vor der Ausgangssperre wieder im Gemeinschaftsraum zu sein.
Die Anderen hatten ihn natürlich schon nach den ersten paar Tagen mit Fragen bestürmt wo er die ganze Zeit sei. Da war ihm klar geworden, dass er diesen Fragen nicht immer aus dem Weg gehen konnte. Deshalb hatte er ihnen irgendwie versucht klar zu machen, dass er sich in ein Klassenzimmer zurückzog um ungestört seine Hausaufgaben zu machen. Hermine hatte ihn bewundernd angeschaut, da sie Ron und Harry jeden Abend aufs Neue zum Lernen ermuntern musste. Dass Draco das von ganz alleine tat und sogar extra in einen anderen Raum ging um besser arbeiten zu können, bezeichnete Ron als Streber. Harry hatte dazu nichts gesagt. Er hatte ihm nur einen undefinierbaren Blick zugeworfen. Doch da Draco wirklich jeden Tag seine Hausaufgaben hatte schöpften Hermine und Ron keinen Verdacht, dass noch ein bisschen mehr hinter seinem Hausaufgaben steckte.
Das Wochenende, auf das er sich so gefreut hatte, begann für Draco mit einer Katastrophe:
Nachdem er am Samstagmorgen, genau wie alle anderen Erstklässler lange geschlafen hatte, schafften Harry und Draco es gerade noch rechtzeitig zur morgendlichen Post. Draco wünschte er hätte sie verpasst!
Kaum war in die Halle getreten, stieß auch schon die Eule seines Vaters zu ihm herab und ließ einen purpurnen Brief vor seinen Füßen fallen. Draco schluckte. Er wusste was das bedeutete. Er hatte bis jetzt erst einmal von seinem Vater einen purpurnen Heuler bekommen und deshalb wusste er, dass sich in diesem unschuldigen Briefumschlag nicht nur eine laute und wütende Schimpftirade versteckte, sondern auch eine ganze Reihe saftiger Flüche.
Aschfahl im Gesicht, klaubte er den Brief vom Boden auf und rannte in die Kerker.
Auf das besorgte ‚Draco?' von Harry reagierte er nicht, denn es gab nur einen Ort hier, wo er es sich zugetraute sich der Rache seines Vaters zu stellen. Deshalb rannte er jetzt durch den Hauptgang der Kerker, kam schlitternd vor der Tür an, stützte sich dagegen und murmelte leise ‚Verirren'. Kaum war die Tür auf, stürzte Draco hindurch und schlug sie hinter sich zu, damit Harry ihm nicht folgen konnte.
Er spürte schon wie der Brief in seiner Hand zu vibrieren anfing. Hastig rannte er in den Abkürzraum, tastete fahrig nach der Vertiefung und dem Hebel der Tür zum anderen Kerkergang, quetschte sich durch den schmalen Spalt ins Studierzimmer, dachte noch ‚Hoffentlich ist das Studierzimmer gegen Zerstörung geschützt' und schleuderte dann den purpurnen Heuler von sich.
Keine Sekunde zu früh.
Der unschuldige Umschlag explodierte. Rauch quoll aus dem Papier und Flüche zuckten kreuz und quer durch die Gegend. Draco duckte sich hastig hinter einen der Schreibtische. Doch auch das konnte ihn nicht vor der Stimme seines Vaters schützen, die ihn zusammen schrie.
„DRACO LUCIUS MALFOY!! ICH… MIR FEHLEN DIE WORTE!! GRYFFINDOR?? ES IST JA SCHON SCHLIMM GENUG, DASS DU NICHT IN SLYTHERIN BIST, ABER GRYFFINDOR! NACH ALLEM, NACH ALLEM WAS DEINE MUTTER UND ICH FÜR DICH GETAN HABEN, NACH DEINER GRANDIOSEN ERZIEHUNG TUST DU UNS SO ETWAS AN? WAS SOLL DENN DER LORD VON UNS DENKEN? WIE SOLLEN WIR IHM JEMALS WIEDER UNTER DIE AUGEN TRETEN KÖNNEN. DU HAST UNSERER FAMILIE GROSSE SCHANDE GEBRACHT!! UNSERE FAMILIE? WAS REDE ICH DENN DA, WIR SIND NICHT LÄNGER DEINE FAMILIE, DRACO!! UND MIT DEM NAMEN MALFOY DARFST DU DICH AUCH NICHT MEHR EHREN! JAWOHL, ICH WERDE DICH ENTERBEN! DAS DU SO TIEF GESUNKEN BIST, HÄTTE ICH NICHT GEDACHT! MERLIN, GRYFFINDOR?? Vielleicht kann ich noch etwas retten, indem ich Dumbledore und den Schulrat besteche, dich das Haus wechseln zu lassen. UND WENN DAS NICHT KLAPPT, DANN SCHWÖRE ICH DIR, DASS DU BALD DEINEN LETZTEN ATEMZUG GETAN HAST! IN HOGWARTS MAGST DU NOCH SICHER SEIN, ABER IRGENDWANN KOMMEN DIE FERIEN UND DANN MUSST DU AUS DEINEM ACH SO GESCHÄTZTEN SCHLOSS RAUS! UND WAS NOCH DAZU KOMMT: MIR IST ZU OHREN GEKOMMEN, DASS DU DICH MIT HARRY POTTER ANGEFREUNDET HAST! DAS SCHEINT JA EIN KLUGER SCHACHZUG ZU SEIN, DEN FEIND AUSZUSPIONIEREN, ABER ICH KENNE DICH, DAZU BIST DU VIEL ZU DUMM!! UND EIN SCHLAMMBLUT ZÄHLT SICH AUCH SCHON ZU DEINEM FREUNDESKREIS?! WIE KONNTEST DU NUR? HAT DENN UNSERE ERZIEHUNG DENN GAR NICHTS GEBRACHT? JA, JETZT SCHLOTTERST DU VOR ANGST! ABER DAS HILFT DIR AUCH NICHTS MEHR! DU KANNST DEINEN FEHLER NICHT MEHR GUT MACHEN! UND MEINE STRAFE WIRD NICHTS IM VERGLEICH ZU DER DES DUNKLEN LORDS SEIN! VERLASS DICH DRAUF! AUSSERDEM HAST DU DEINE MUTTER SEHR ENTTÄUSCHT! SIE IST SCHWER GESCHOCKT UND HAT BIS JETZT NOCH KEIN WORT RAUSBEKOMMEN! WIR SIND BEIDE SEHR ENTTÄUSCHT VON DIR! WIR HÖREN VON EINANDER, VERLASS DICH DRAUF! ICH HOFFE EINER DER FLÜCHE HAT DICH GETROFFEN UND DIR SCHON MAL EINEN VORGESCHMACK AUF MEINE STRAFE VERSCHAFFT!!"
Draco zitterte. Er hatte die Arme über dem Kopf verschränkt und sich ganz klein gemacht.
Er hatte ja gewusst, dass Lucius außer sich sein würde, aber, dass er ihn enterben würde, dass hatte er nicht gedacht. Wie sollte er denn jetzt seine Schulsachen bezahlen? Und seine Mutter…
Draco schluchzte bei dem Gedanken an sie laut auf. Natürlich hatte sie nichts gesagt, denn wahrscheinlich freute sie sich insgeheim für ihn. Ach, seine arme Mutter! Und sie musste nun leiden, nur weil er nicht auf die Erziehung Lucius' angesprungen war. Verzweifelt versuchte Draco sich klar zu machen, dass seiner Mutter keine Gefahr drohte, denn immerhin würde sie wirklich nicht wissen, wo er in den Ferien sein würde. Er wusste es selber noch nicht mal. Doch trotzdem wusste sie, dass er sich schon lange gegen die Zügel von Lucius gewehrt hatte. Würde er ihr das ankreiden, wenn er es erfuhr? Bestimmt. Konnte er nur hoffen, dass Lucius in den Ferien so von seinem Verschwinden eingenommen sein würde, dass er nicht auf die Idee kommen würde, seiner Mutter die Frage zu stellen, die den ganzen perfekten Plan von Dumbledore zerstören könnte.
Immer noch zitternd richtete Draco sich auf. Als er langsam auf die Beine kam, bemerkte er, dass das Studierzimmer wirklich gegen Zerstörung gefeit war. Kein einziger Zauber hatte Schaden angerichtet. Und Draco hatte einige wirklich üble Zauber erkannt. Er fragte sich nur, wie Lucius sich das leisten konnte. Denn wenn Draco einen der Crucios abbekommen hätte, dann hätte sich Lucius einiges zu erklären gehabt. Naja, dachte er sich, er wird schon daran gedacht haben. Vielleicht lag ein Zauber auf dem Brief, dass er nur explodierte, wenn Draco alleine war.
Draco seufzte. Seine Zeit hier hatte so toll angefangen, aber dieser Brief hatte seiner Laune einen ordentlichen Dämpfer verpasst. Dabei hatte er doch gewusst, dass so etwas passieren würde.
Gedankenverloren stand Draco im Mitten seines Zimmers (er nannte den Studienraum inzwischen in Gedanken ‚sein Zimmer') starrte auf die Überreste des Briefes. Dann lies er seinen Blick langsam in die Runde gleiten.
Er wollte sich eigentlich nur für den Rest des Tages verkriechen um diesen Brief zu verdrängen, aber das Studierzimmer hieß nicht umsonst ‚Studier'zimmer. Die 4 Schreibtische und Brauecken und die Regale nahmen den fast den ganzen Platz ein. Die kleine Sitzgruppe war in eine Ecke gequetscht, was zwar gemütlich war, aber trotzdem nicht viel Platz zum ausspannen ließ. Dabei lag Draco so gerne hier auf den Kissen und blickte auf das nächtliche Märchenschloss Hogwarts.
Trotzdem konnte er hier nicht einfach umräumen… Erstens benutzte er das Zimmer ja nur, und es gehörte ihm ja nicht und zweitens wusste er gar nicht die nötigen Zauber um die Möbel zu verschieben und alles mit der Hand zu machen war ihm dann doch zu anstrengend.
Aber er wollte trotzdem lieber hier oben bleiben, als den Anderen unter die Augen zu treten und zu erklären, warum er so plötzlich abgehauen war. Was konnte er also tun? Hausaufgaben? Nö, die hatte er schon alle fertig. Aber einfach nur hier rumsitzen und lesen, das lenkte ihn auch nicht von seinen Gedanken ab.
Plötzlich kam ihm ein Gedanke. Wenn er Harry den Abkürzraum zeigen wollte, musste er den Eingang des Studierzimmers irgendwie tarnen, sonst würde Harry ihn sofort finden und aus irgendeinem Grund wollte Draco das nicht. Aber in diesem Zimmer standen so viele Bücher. Da würde er ja wohl eins finden, mit dem er etwas anfange konnte.
Entschlossen ging er auf die Regale zu, fuhr mit den Fingern die Buchrücken nach und zog hin und wieder ein Buch heraus. Die Arbeit tat ihm gut denn er wurde von seinen düsteren Gedanken abgelenkt. Nach einiger Zeit, die für Draco wie im Flug verging, in Wirklichkeit aber 2 bis 3 Stunden waren, hatte er nicht nur einen sehr guten Tarnzauber für Mensch und Gegenstand gefunden, sondern auch eine ganze Reihe anderer nützlicher Zauber, die er zwar noch nicht beherrschte, aber nach einigem Üben sicherlich hinbekommen würde.
Zufrieden trat der Gryffindor auf den Kerkergang hinaus und versuchte den Tarnzauber über den schmalen Eingang zu sprechen. Doch nichts passierte. Eigentlich hatte er es ja auch gar nicht erwartet, aber gehofft hatte er es doch, dass es beim ersten Mal klappen würde… Aber aufgeben würde er nicht, schließlich war das gelingen des Zaubers das Wichtigste für das Zeigen des Abkürzraumes. Leicht frustriert ging er zurück und las sich noch einmal ganz genau die Anweisungen durch.
„Abstrudo", der nächste Versuch ging auch daneben, aber beim dritten Versuch war Draco so voller Tatendrang, dass er seinem Zauberstab geradezu aufzwängte den Zauber zu machen. In der nächsten Sekunde war der Eingang verschwunden, aber Draco hatte ihn so oft benutzt, dass er ganz genau wusste, wo er war. Triumphierend ging er wieder zurück und ließ sich in einen der weichen Sessel am Kamin fallen.
Im nächsten Augenblick gab sein Magen ein wütendes Knurren von sich. Kein Wunder Draco hatte seit dem vorigen Abend nichts mehr gegessen. Ob er wohl hier oben auch etwas zu Essen bekommen konnte? Immerhin war das der Studierraum von den Gründern gewesen und die hatte bestimmt auch keine Lust gehabt immer wieder in die große Halle zu laufen um sich was zu Essen zu holen!
„Ähm…Hallo? Hauself?", Draco hatte eigentlich nicht damit gerechnet, dass etwas passieren würde, aber fast im gleichen Augenblick indem er das Wort ausgesprochen hatte erschien mit einem lauten Plopp ein Hauself. Er sah genauso überrascht aus wie Draco sich fühlte.
„Dipsy entschuldigt sich. Dipsy wusste nicht, dass hier wieder jemand arbeitet. Herr, bitte vergebt Dipsy." Draco starrte die schlotternde Hauselfe an.
„Äh… kein Problem… Nein, du kannst doch da nichts für!"
„Ach Herr sein sehr nett, aber Dipsy hätte jeden Tag überprüfen müssen, ob jemand hier ist. Nur, bitte vergebt Dipsy, es war doch sooo lange niemand hier, da hat Dipsy ihre Pflichten vernachlässigt…" Dipsy schnäuzte sich geräuschvoll in ihr sauberes, wie Draco erstaunt feststellte, Geschirrtuch. Dann schien sie sich gefasst zu haben. „Also, was kann Dipsy für den Herrn tun?"
Verwirrt über das plötzliche dienstbeflissene Gehabe der Elfe brauchte Draco einen Moment bis ihm wieder einfiel warum er überhaupt nach einem Hauselfen gerufen hatte.
„Äh… Könntest du mir wohl etwas zu Essen und einen Kürbissaft bringen? Ich habe schrecklichen Hunger." Draco hatte noch nicht ganz ausgesprochen, da war Dipsy auch schon mit den Worten ‚Natürlich Herr, Dipsy ist sofort wieder da.' Verschwunden.
Es dauerte keine 2 Minuten da erschien die Elfe auch schon wieder mit einem großen Tablett, auf dem sich Suppen, Salate, Hauptspeisen, Kuchen, andere Desserts und eine große Kanne Kürbissaft türmten. Die Elfe transportierte es vorsichtig zu einem der Schreibtische, der nicht von Draco mit Büchern vollgestellt worden war.
„Dipsy wünscht dem jungen Herrn einen guten Appetit. Ach und, ist der Herr mit den Büchern fertig?" Draco warf einen Blick auf seine Liste mit Zaubern und nickte. Dipsy schnipste mit den Fingern und alle Bücher flogen an ihren Platz zurück. Als er das sah, kam Draco eine Idee, die er vielleicht irgendwann mal angehen würde, aber jetzt musste er erst mal was essen. Heißhungrig stürzte er sich auf das Essen und bekam gerade noch ein ‚Danke' heraus.
„Wenn der Herr noch etwas braucht soll er Dipsy rufen!" Ein Ploppen und Dipsy war verschwunden.
Den Rest des Tages verbrachte Draco lesend in einem der gemütlichen Sessel und konnte hin und wieder einfach nicht den Blick von der herrlichen Landschaft nehmen.
Jetzt war er erst 1 Woche hier und hatte schon so viel erlebt. Außerdem hatte sich sein Leben um 180 Grad gedreht. Was er jedoch nicht unbedingt schlimm fand.
Auch das Abendessen ließ Draco sich in das Studierzimmer bringen. Doch danach konnte er nicht mehr länger hier bleiben. Die Anderen machten sich bestimmt schon schreckliche Sorgen. Deshalb erhob sich Draco mit einem Seufzen in ging hinaus in den Abkürzraum. Bevor die Tür hinter ihm zu fiel, drehte er sich noch einmal um, um sich zu vergewissern, dass das Studierzimmer auch wirklich nicht zu sehen war. Nein, der Tarnzauber funktionierte hervorragend. Also kein Grund sich weiter vor den Fragen der Anderen zu drücken.
Schicksalsergebend betrat er den bunten Raum, änderte dann jedoch im letzten Moment seine Meinung, und betrat den kurzen Gang, der auf die Ländereien hinausführte. Dort blieb er einen Moment stehen und sog die Abendluft in sich ein. Dann machte er sich auf den Weg zum Schlossportal.
Als er die Eingangshalle betrat wollte es der Zufall so, dass Harry, Hermine und Ron gerade vom Abendessen kamen. Hermine und Ron waren mal wieder in eine hitzige Diskussion vertieft und deshalb bemerkten sie ihn auch nicht. Harry jedoch sah sehr besorgt aus und er sah Draco sofort. Er wurde langsamer, blickte ihn lange an und winkte ihn dann zu sich.
Draco war ihm total dankbar, dass er nicht auf ihn zu gerannt war und eine große Szene gemacht hatte. So konnte er schnell und leise zu seinen Freunden aufschließen, wurde von Harry einmal kurz umarmt und lief dann mit ihm still hinter Ron und Hermine her. Nur ein kleines ‚Danke!' murmelte er seinem besten Freund zu. Harry lächelte ihm beruhigend zu, dann wurde das Lächeln zu einem verschwörerischen Grinsen und er legte einen Finger an die Lippen. Draco wusste natürlich ganz genau was er meinte.
Hermine und Ron hatten eine Diskussion über IHN. Hermine war überzeugt, dass sie zum Professor McGonagall gehen sollten und Ron fand das viel zu übertrieben. Draco gab ihm Recht. Aber das Witzige war ja, dass Draco direkt hinter ihnen war. Wann sie das wohl merken würden…
Sie bemerkten ihn erst im Gemeinschaftsraum. Da die Beiden vor Harry und Draco waren, waren sie auch die Ersten, die durch das Portrait stiegen, Harry und Draco folgten ihnen.
„Harry, du machst dir doch auch Sorgen! Meinst du nicht a…" Sie hatte sich umgedreht. Hermine stieß einen kleinen Schrei aus und flog Draco um den Hals.
Der war so überrumpelt, dass er sie ganz reflexartig in den Arm nahm.
„DRACO!! Mein Gott, wo warst du nur? Wir haben uns solche Sorgen gemacht." Draco schob sie sanft von sich.
„Ich…nun ich…äh… ich musste mal ein bisschen alleine sein… Weil… weil ich einen Brief von Zu… von meinem Va… also von Lucius bekommen hab." Draco schluckte trocken. Er brachte die Worte Zuhause und Vater irgendwie nicht raus. Harry war der Einzige, dem es auffiel und er legte Draco tröstend eine Hand auf die Schulter, wusste er doch am Besten wie Draco sich fühlte.
Und dann lachte er plötzlich los. Hermine sah ihn schockiert und böse an.
„Harry! Das ist nicht komisch!"
„Ich weiß… aber…aber ihr… ihr habt es wirklich nicht gemerkt! Er… er war schon seit der Eingangshalle hinter euch… und… und hatte eure ganze Debatte mitbekommen!"
Hermine wurde rot. „Warum hast du denn nichts gesagt?"
Weil ich mich mit dieser Situation jetzt, am Besten vor den Fragen drücken konnte, dachte Draco still. Er zuckte nur mit den Schultern und warf Harry wiedermal einen dankbaren Blick zu.
Am nächsten Morgen, einem Sonntag, blieb Draco lange im Bett liegen. Es war eigentlich schon früh wach gewesen, da er sich am Abend zuvor früh ins Bett verzogen hatte, um Hermines Fragen zu entgehen, aber er hatte es genossen einfach noch ein bisschen liegen zu bleiben, vor sich hin zu dösen, und den morgendlichen Geräuschen zu lauschen.
Nach dem vergangenen Tag überlegte er lange, ob er Harry den Abkürzraum zeigen sollte. Eigentlich sprach ja nichts dagegen, aber irgendwie hatte der Brief von Lucius etwas in ihm wachgerüttelt. Es war fast so, als wenn er seinen Vater erneut verraten würde. Aber verdammt, das wollte er doch! Warum also, hatte er dieses Gefühl? Das machte doch keinen Sinn!!
Verwirrte steckte Draco den Kopf noch tiefer in sein Kissen. Drehte er jetzt vollkommen durch? Die letzte Woche war die beste seines bisherigen Lebens gewesen und so ein einfacher Brief von Lucius machte seine ganze gute Laune zunichte. Das durfte ja wohl nicht wahr sein. Und dann vertraute er Harry noch nicht mal mehr richtig.
Nein, er würde ihm den Abkürzraum auf jeden Fall zeigen. Genau, dachte er trotzig, damit ich Lucius wenigstens in Gedanken eins auswischen kann!!
Nach einigen weiteren Minuten stand er stöhnend auf um im nächsten Augenblick sich am liebsten wieder in sein warmes Bett zu verziehen. Mein Gott, war das kalt hier draußen.
Schnell flitzte er ins Bad unter die heiße Dusche und saß 20 Minuten später, um halb 12 endlich am Gryffindortisch um zu frühstücken.
Hermine, Ron und Harry, die nicht auf ihn hatten warten wollen, waren gerade im Begriff wieder zu gehen, da, laut Hermine, sie noch Hausaufgaben machen mussten. Als Harry jedoch Draco entdeckte, ließ er sich wieder auf die Bank fallen und sagte zu Hermine, dass er seine Hausaufgaben schon erledigt hatte. Sie sah ihn einen Augenblick schief an, wahrscheinlich zweifelte sie daran, dass er die Wahrheit sagte, doch mit einem Achselzucken zog sie Ron hinter sich her und verschwand.
Draco war das nur Recht, da konnte er mit Harry ganz in Ruhe verschwinden. (AN: Ich weiß, wie sich das anhört, aber bedenkt, dass sie in der 1. Klasse sind ;) Ich konnte es einfach nicht lassen, diesen Satz zu schreiben… °g°) Während er sein Frühstück langsam herunterwürgte (er hatte überhaupt keinen Hunger, nach seinem ausgiebigen Mahl im Studierzimmer) quetschte er Harry aus, ob dieser wirklich schon seine Hausaufgaben gemacht hatte. Erstaunlicher weise, ja! Umso besser!
„Hast du Lust mal wieder auf Entdeckungstour zu gehen? Ich wüsste da ein paar Stellen, wo wir noch nicht waren!" Das war maßlos untertrieben. In diesen paar Tagen hier, hatten sie vielleicht 1/20 von Hogwarts erkundet, aber diese Äußerung brachte den gewünschten Effekt. Harry sah ihn schief an und antwortete:
„Sicher. Ich habe natürlich immer Lust auf eine neue Entdeckungstour. Aber kannst du mir verraten, warum ich das Gefühl habe, dass es diesmal eher eine Expedition unter deiner Führung wird, als eine Entdeckungstour? Komme ich vielleicht in den Genuss zu erfahren, wo du dich jeden Abend rumtreibst? Und gestern wahrscheinlich auch?! Nein, versuch' gar nicht erst mir weiß zu machen, dass du draußen warst. Das nehme ich dir nicht ab, nachdem du jeden Abend unauffindbar warst!"
Draco war bei Harrys Worten merklich kleiner geworden…
„Schon gut, schon gut. Du hast recht: Ja, ich werde dir etwas zeigen. Ja, ich war gestern nicht auf den Länderein. Aber nein, ich werde dir nicht sagen, wo ich war! Du weißt doch, ein verlassenes Klassenzimmer wo ich Hausaufgaben gemacht habe." Er grinste Harry verschmitzt an.
Der schnaubte nur, schien aber trotzdem zufrieden zu sein, wenigstens eins von Dracos Geheimnissen zu erfahren.
„Dann sagst du mir vielleicht warum du dich schon so gut hier zu Recht findest und fast nie mehr zu spät kommst?" Draco lächelte geheimnisvoll und stand auf.
„Komm. Aber pass auf, dass dir niemand folgt. Das soll schließlich unter uns bleiben!" Harry sah ihn mit einem Blick an, der sagte ‚Und Ron und Hermine?', sprach es jedoch nicht laut aus und folgte Draco hinaus in die Eingangshalle. Als er jedoch bemerkte, dass Draco die Kerker ansteuerte, zögerte er. Draco verharrte ebenfalls kurz im Schritt, winkte ihm dann aber ungeduldig, ihm zu folgen.
Ein paar Minuten später blieb er vor der unscheinbaren Tür stehen, vergewisserte sich, dass niemand in der Nähe war und wandte sich dann an Harry:
„Also Harry… Was ich dir jetzt zeigen werde, habe ich an unserem ersten Tag hier entdeckt. Als ich nach dem Gespräch bei Dumbledore nicht bei Snape aufgetaucht bin! Ich finde es wirklich nützlich, aber ich will nicht, dass so viele Leute das wissen, deshalb zeige ich es nur dir. Warte", unterbrach Draco Harrys aufkeimende Fragen mit erhobener Hand, „ich wollte es Ron und Hermine deshalb nicht zeigen, weil ich weiß, dass Ron seine Klappe nicht halten kann und wenn es erst mal unserer Schlafsaal inklusive Neville weiß, dann weiß es in kürzester Zeit auch die ganze Schule. Und das will ich auf jeden Fall vermeiden! Und jetzt könntest du mal diese Tür öffnen!"
Draco sah Harry fies an. Der sah ihn verwirrt an.
„Du glaubst doch nicht, dass ich dir abnehme, dass ich diese Tür öffnen kann. Du wirst mich schon nicht umsonst hier herunter geführt haben, nur damit ICH eine Tür für dich öffne!"
Draco grinst ihm zu.
„Du hast Recht! Also pass auf!" Er legte eine Hand an die Tür und sagte klar und deutlich ‚Verirren'. Die Tür sprang auf.
„Ok, gut aufgepasst?" Er wartete keine Antwort ab, sondern betrat den kurzen Gang, und Harry blieb keine andere Wahl, als ihm zu folgen. Als sie in den Abkürzraum kamen, klappte Harry die Kinnlade runter.
„Was… Was ist das hier? So eine Art Kunstgalerie?" Draco sah ihn an, als hätte er den Verstand verloren und zog es vor nicht darauf zu antworten, sondern beließ es bei einem vernichtenden Blick. Dann ging er zielstrebig auf eine die Blume zu, hinter der die Länderein lagen. Er steckte den Finger in die Vertiefung, drückte den Hebel und hielt Harry die Tür auf.
„Kommst du? Wir wollen doch nicht den ganzen Tag hier unten in den Kerkern verbringen! Wir wäre es mit ein bisschen frischer Luft?" , fragte er ganz unschuldig.
Harry starrte ihn an.
Draco starrte zurück. Dann wurde es ihm zu bunt und er ging einfach durch die Tür, sodass Harry ihm folgen musste, wenn er nicht Gefahr laufen wollte, in einer ‚Kunstgalerie' eingesperrt zu werden, da er ja nicht wusste, wie er hier wieder raus kam.
Draco hatte im Gang auf ihn gewartet und hielt ihm jetzt auch wieder die Tür auf, durch die man den See sehen konnte. Wieder starrte Harry ihn an, doch diesmal war es ungläubig und Draco musste ihn nicht erst auffordern durch die Tür zu treten, Harry tat es ganz von alleine.
Darauf hatte Draco nur gewartet. Mit einer blitzschnellen Bewegung und einem fiesen Grinsen, schlug er die Tür hinter Harry zu. Mal sehen, wie gut dieser aufgepasst hatte…
Grinsend ging Draco zurück in den Abkürzraum, ließ sich auf den weichen Teppich sinken und wartete.
Es dauerte keine Minute, und die Tür ging auf und ein wutschnaubender Harry stürmte heraus. Draco grinste noch ein bisschen breiter.
„Hör…auf…zu…lachen!"
Falscher Satz. Draco prustete los.
„Das…ist…nicht…komisch! Wenn ich nun nicht gewusst hätte, wie ich die Tür wieder aufmachen muss?"
„Dann wärst du zurück ins Schloss gegangen und hoch in den Gemeinschaftsraum, was dich ungefähr 20 Minuten gekostet hätte!" Feixte Draco. Damit hatte er leider Recht. Wenn Harry das Passwort wirklich nicht herausbekommen hätte (und hatte ja einfach nur nachmachen müssen was Draco vorgemacht hatte), dann hätte er ganz einfach wieder ins Schloss zurück gehen können. Kein Problem also. Das sah jetzt auch Harry ein, obwohl er ihm erneut einen bösen Blick zu warf.
„Also, was ist das für ein Raum?"
Draco zeigte ihm die 10 Blüten, den Hohlraum, wie er die Türen öffnen konnte und alle Plätze, an die die Türen führten. Harry war stark beeindruckt.
„Jetzt ist mir klar, warum du nie zu spät kommst. Mit diesem genialen Raum ist das ja nicht schwer!" Sie grinsten sich an. Und dann fiel Harry leider das auf, was Draco gehofft hatte, das ihm nicht auffallen würde… die elfte Blume und damit die Tür, die auf den Gang mit dem Studierzimmer führte.
„Hey, da ist ja noch eine Tür. Kerker, Länderein, Eingangshalle, 7. Stockwerke… Wohin führt diese Tür?" Draco konnte sich nur schwer einen Seufzer verkneifen. Harry hatte genau den Grund aufgeführt, der bewies, dass hinter dieser Tür ein zentraler Ort liegen musste. Konnte Draco nur hoffen, dass er nicht darauf kam, dass vielleicht auch ein wichtiger Ort dahinter liegen konnte.
Draco nutzte jetzt zum ersten Mal seine Maske in Gegenwart Harrys.
„Ganz ehrlich? Ich hab keine Ahnung! Ich habe mich das auch schon gefragt, aber ich bin bis jetzt noch zu keinem Ergebnis gekommen. Die Tür führt in einen Kerkergang, aber ich bin ihn nicht sehr weit gegangen, weil ich Angst habe mich zu verlaufen…" Das war doch sehr überzeugend, oder? Hoffentlich nahm Harry ihm das ab… Tat er.
„Ach so. Naja, irgendeinen Grund wird es wohl haben. Vielleicht liegt das Zaubertränkeklassenzimmer nicht weit entfernt, oder es war mal hier in der Nähe. Keine Ahnung, aber das Wichtigste ist ja für uns, dass wir die anderen Türen haben, ne?!"
Draco nickte hastig und konnte sich gerade noch so ein Grinsen verkneifen. Gerade noch mal gut gegangen.
Den Rest des Tages verbrachten die beiden Gryffindors auf den Länderein. Sie genossen die spätsommerliche Sonne und nutzten den See ausgiebig.
Als Draco am Abend todmüde ins Bett fiel, kam ihm der Brief von Lucius noch mal in den Kopf. Er hatte den ganzen Tag nicht an ihn gedacht! Zufrieden seufzend schloss Draco die Augen.
Kurz bevor er einschlief dachte er noch ‚Wenn der Rest meiner Schulzeit so wird wie diese erste Schulwoche, dann wird das die beste Zeit meines Lebens. Dann kommt es nur noch auf die Ferien an."
Wie sich der Rest seiner Schulzeit jedoch von seiner ersten Schulwoche unterscheiden würde, konnte Draco noch nicht einmal ahnen, denn er war eingeschlafen.
Ok, das war's!
Ich hoffe ihr wisst dieses Chapter zu würdigen, denn ich habe mir hier in Kanada EXTRA die Zeit genommen, damit ihr nicht so lange warten müsst!! ;)
Also, wie fandet ihr's? Ich glaube es ist das bisher längste Chap, aber soviel ist ja nicht passiert…
Und was sagt ihr zum meiner bisherigen Pairings-Entscheidung? °Vorsichtig um die Ecke in Richtung Draco/Hermine Fans schiel° … Schlagt mich nicht, bitte!
Äh, noch was: Ich hab kein Latein und musste mich auf ein Online-Wörterbuch verlassen, was den Zauberspruch angeht! Wenn ihr eine bessere Übersetzung für 'Verstecken' oder noch besser 'Tarnen' habt, dann schreibt es mir und ich ändere es noch! Danke!
