C – Das ist nicht wahr und du weißt es.
Damit schaltete sie ihr Handy aus. Das war zuviel Aufregung für einen Morgen. Sie drehte sich herum, schloss die Tür des Badezimmers ab und kniete sich vor die Toilette. Sie würde tun, was sie schon so oft getan hatte. Ja, es war gefährlich. Ja, es war gesundheitsschädlich. Vielleicht war es sogar dumm – aber sie brauchte es um sich zu leeren. Von all den Gefühlen und dem moralischen Ballast der ihr die Brust zuschnürte.
Sie hatte mit dem Feuer das unter dem Namen Chuck Bass bekannt war gespielt und hatte sich die Finger verbrannt. Glücklicherweise war Nate nicht der Hellste, daher würde er weder merken, dass sie ihn anlog noch was sie gerade getan hatte um sich besser zu fühlen. Als sie sich die Zähne geputzt hatte und zurück ins Zimmer kam, stand Nate bereits angezogen am Fenster und starrte geistesabwesend heraus. Sie ging auf ihn zu und blieb einen Meter entfernt stehen.
„Was ist los, Nate?" fragte Blair vorsichtig.
Nate drehte sich zu ihr. „Hör zu, Blair. Wir haben jetzt die einmalige Chance von Vorne anzufangen. Wenn es etwas gibt, das ich wissen sollte, sag es jetzt. Ich werde mich zusammen reißen und dir vergeben wie du mir vergeben hast."
Blair schrak einen Moment zurück. Sie wusste, dass Nate es ernst meinte, aber sie wusste auch, dass egal was er gerade sagte es niemals verzeihen könnte, dass der andere Typ Chuck gewesen ist. Sie entschied sich also zu lügen. Es war besser für alle.
„Nate, wie kannst du nur? Wie kannst du nur diesen haltlosen Gerüchten mehr glauben als mir?" fragte sie in gespielter Bestürztheit.
Nate schaute sie genau an. „Es tut mir leid, Blair." Er machte einen Schritt auf sie zu, küsste ihre Stirn und schaute ihr in die Augen. „Hör zu, ich muss nach Hause und mich umziehen für die Schule. Treffen wir uns um acht vor dem Tor?"
Blair nickte nur. Nate drehte sich auf dem Absatz herum und machte sich auf den Weg. Blair entschied sich zu warten bis er weg ist bevor sie ihr Handy wieder anstellte. Sie hatte zwei neue Nachrichten. Eine von Chuck, eine von Serena. Sie öffnete die von Chuck zuerst.
B – Ach, lass es einfach stecken.
Ooooh nein, das würde sie sicher nicht. Aber vorerst sollte er sich in Sicherheit wiegen. Sie öffnete die Nachricht von Serena.
B – Irgendetwas das ich wissen sollte?
Blair rang einen Moment mit sich selbst, ehe sie sich entschied.
S – Ja, wir müssen reden. Große Pause, unser Waschraum.
Serena wurde nicht wirklich darüber urteilen und Blair musste dieses Geheimnis mit jemanden teilen.
Als Blair um 7.57 Uhr aus der Limousine stieg sah sie sofort wie die Leute die Köpfe zusammensteckten, sie von oben bis unten betrachteten und tuschelten. Aber sie entschied sich, sich auf Nate zu konzentrieren, der mit dem Rücken ans Tor gelehnt stand und sich mit jemanden unterhielt. Als sie die Treppe zur Hälfte hochgestiegen war, konnte sie an Nate vorbeisehen und erkennen mit wem er redete. Es war Chuck. Ihr Herz blieb stehen. Aber Nate lächelte sie an, als sie näher kam und auch Chuck schenkte ihr ein gehässiges Grinsen.
„Morgen, Waldorf." sagte er mit seinem üblichen höhnischen Ton.
„Morgen." sagte sie sehr knapp und ohne ihn anzuschauen. Sie wusste das es ihn wütend machen würde. Sie ging schnurstracks auf Nate zu und gab ihm einen langen, innigen Kuss. Aus dem Augenwinkel sah sie, wie Chuck sein Gesicht zu einer Grimasse verzog. Einer wütenden Grimasse. Als sie Nate losließ, grinste er sie nur an. Blair entschuldigte sich und ging in das Schulgebäude. Sie hatte erst einen Korridor hinter sich gelegt, als sie eine Hand auf ihrer Schulter spürte. Sie drehte sich herum. Es war Chuck. Chuck blickte sich um, die beiden waren allein im Korridor.
„Was soll das alles, Blair? Läufst du jetzt tatsächlich zu Nate zurück?" fragte Chuck wütend.
„Das bin ich schon. Und aus gutem Grund. Lass mich in Ruhe, Chuck. Es ist aus!" schnauzte Blair zurück. Sie drehte sich herum und ging weiter Richtung Mädchenschule.
„Es ist erst aus, wenn ich das sage!" rief Chuck ihr nach.
Wären die Beiden nicht so laut gewesen, hätten sie die Schritte gehört, die um die nächste Ecke näher kamen. Es war Jenny. Und sie hatte die Diskussion gehört. Einerseits war es ihr egal, was genau das alles zu bedeuten hatte. Seit Blair sie zum Teufel gejagt hatte, wollte sie mit allem nichts mehr zu tun haben. Der andere Teil von ihr wollte genau wissen worum es ging, denn sie hatte noch eine Rechnung mit Blair für all die Zeit der unentgeltlichen Dienstmagd offen. Dafür musste sie aber mehr herausfinden….
Als es zur großen Pause läutete, lief Blair schnurstracks zum Damenwaschraum in St. Judes gegenüber dem Lehrerzimmer. In diesem Waschraum kam fast nie jemand vorbei, weil es keine Frauen im Lehrerkollegium von St. Judes gab und das ein Ort war, an dem sonst seltenst Frauen vorbei kamen. Hätte Blair einen Blick über die Schulter geworfen, hätte sie gesehen, dass Jenny ihr auf den Fersen war. Blair öffnete die Tür und trat ein. Serena stand schon wartend mit ihrem Handy in der Hand an den Waschbecken. Jenny öffnete die Tür einen Spalt weit und lauschte.
„Hey S."
„Hi B. Also? Schieß los."
„Du hast den GG Text gelesen oder?"
„Ja, was für eine dreiste Lüge! Du musst so sauer auf sie sein, B."
„Nunja…." Blair brach den Satz an und blinzelte Serena nervös an.
„Nein, nicht die Möglichkeit…" Serenas Mund blieb offen stehen.
Blair nickte nur einmal und grinste dann schuldbewusst.
„Wer war der andere, B?"
„Du darfst mich nicht dafür verurteilen, S!" sagte Blair hysterisch.
„Natürlich nicht. Also wer? Carter?"
„Chuck." Man konnte die Stille in den Raum explodieren hören. Serena war geschockt.
„Sag das das ein Scherz ist, Blair."
„Ich wünschte es wäre so. Es ist einfach passiert, Serena. Ich wollte es nicht soweit kommen lassen. Aber dann war Schluss mit Nate und er war da. Und dann war der Geburtstag und er war wieder da. Und wieder und wieder. Es passierte einfach."
„Oh mein Gott. Es war nicht mal ein ONS, es war eine Affäre? Wie lange?"
„Einige Wochen." gab Blair geknickt zu.
„Und wann hast du es beendet?"
„Vor dem Ball."
„Und dann bist du nach dem Ball mit Nate nach Hause?"fragte Serena ungläubig. Blair nickte als Antwort.
Jenny schloss die Tür leise. Sie lehnte sich mit dem Rücken an die Wand. Was sollte sie tun? Es für sich behalten oder Rache üben? Sie wusste es nicht. In dem Moment kam Chuck um die Ecke. Als er sie erkannte zog er einen Mundwinkel nach oben und schaute sie von oben bis unten an.
„Man sollte doch meinen, dass Constance dem Brooklyn Trash dem es Stipendien gewährt wenigstens noch ein Paar Dollar für Klamotten spendieren könnte." Chuck sagte es so abwertend wie möglich. Er hatte sein blaues Auge dank der kleinen Heulsuse vor ihm nach der Kiss on the lips Party noch bestens in Erinnerung. Jenny warf ihm nur ein gehässiges Grinsen zu und drehte sie herum. Ihre Entscheidung war gefällt. Nun musste sie nur noch Nate finden.
Chuck starrte ihr nach, bevor er sah, dass in dem Damenwaschraum zwei Gestalten standen. Eine große Blonde und eine kleinere Brünette. Er schaute Jenny nochmal nach und riss dann die Tür auf. Er schaltete sofort was gerade passiert war.
„CHUCK!" schrie Serena empört.
„Über was habt ihr gesprochen?" fragte er ernst.
„Was geht es dich an, Bass?" gab Blair pikiert zurück.
„Sag es mir, Waldorf!" befahl er.
„Warum?" fragte Serena verwundert.
„Das kann ich dir sagen, Sis. Die kleine Jenny Humphrey hat euch belauscht und ist gerade Richtung Schulhof abgehauen." sagte Chuck, ehe er die Tür losließ und Jenny nachlief.
Serena und Blair warfen sich einen geschockten Blick zu und liefen ihm nach.
„Nate." sagte Jenny atemlos. Sie musste tiefe Atemzüge nehmen weil sie so aus der Puste war.
„Hallo, Jenny." grüßte Nate freundlich.
„Nate ich muss dir etwas sagen." sagte Jenny ernst.
Nate schaute sie verwundert an. „Schieß los."
„Du hast den GG Text heute morgen gelesen oder? Über Blair?" fragte Jenny.
„Ja, habe ich. Warum?" Nate runzelte die Stirn.
„Es ist wahr Nate. Sie hatte einen anderen."
„Jenny. Wen?"
Doch ehe Jenny antworten konnte kamen Chuck, Serena und Blair die große Treppe heruntergerannt. Nate warf den dreien einen Blick zu und schaute dann wieder zu Jenny. Jenny nickte. Die Erkenntnis traf Nate wie einen Schlag. Chuck hatte mit Blair geschlafen. Deswegen waren beide in letzter Zeit ständig beschäftigt oder abwesend.
„Nate." rief Chuck und schaute ernst drein.
Nate machte nur große Schritte auf ihn zu und ballte seine Fäuste. Doch Blair war schneller. Sie sprang vor Chuck und beide Jungen schauten sie verwirrt an.
„Bitte Nate, lass uns darüber reden." flehte Blair kleinlaut.
„Reden? Du willst reden? Warum gehst du nicht mit Chuck reden – am besten in den nächsten Besenschrank du Miststück!" fauchte Nate.
Blair schossen die Tränen in die Augen. Jedoch nicht nur weil seine Worte sie so verletzt hatten, sondern vor allem weil die Wut in ihr aufkochte.
„Hab ich dir nicht verziehen als du unbedingt Serena vögeln musstest?" fauchte Blair zurück. „Wer ist ihr das Miststück?"
Bevor Nate wusste was er tat, hatte er Blair geohrfeigt. Die ganze Schule hatte es gesehen und die Blitze von Fotohandys erhellten die Kulisse. Blair erstarrte, doch Chuck reagierte blitzschnell. Er trat an ihr vorbei und verpasste Nate einen Fausthieb. Nate wehrte sich und die beiden starteten eine Prügelei. Es brauchte 7 andere Schüler und zwei Lehrer um die beiden zu trennen. Beide wurden an Blair vorbei ins Büro des Direktors gebracht. Blair fühlte die Blicke aller auf sich. Es fühlte sich an als würde sie brennen. Sie lief vom Schulhof auf die Straße, rief sich ein Taxi und stieg ein. Die besorgten Rufe von Serena hinter sich, ignorierte sie. Sie sagte dem Fahrer die Adresse ihres Apartments und ließ sich zurücksinken.
Zu Hause angekommen, warf sie sich mit dem Rücken auf ihr Bett, starrte die Decke an und ließ ihren Tränen freien Lauf. Das perfekte Leben der Blair Waldorf war in Flammen aufgegangen.
Zu allem Überfluss klingelte ihr Handy und sie wusste, was es war.
Gesichtet: Eine Prügelei zwischen besten Freunden um die Freundin. Sehr nobel von dir, Queen B, gleich für beide die Beine breit zu machen. Jetzt, da du dich dazu entschieden hast, ein weiterer Eintrag im großen, schwarzen Sammelband des Chuck Bass zu werden, denke ich, darfst du dich offiziell als entthront betrachten, Blair. Ihr wisst, ihr liebt mich. xoxo
Blair rollte sich auf die Seite, zog die Beine an und schluchzte heftig. Sie lag eine ganze Weile da, als die Tür aufging. Sie drehte sich um und sprang auf die Beine. Es war Chuck. Sie schaute ihn musternd an doch zum ersten Mal in Jahren konnte sie nicht sehen was in ihm vorging. Er hatte eine gebrochene Nase und eine aufgeplatzte Lippe. Blair ging auf ihn zu und legte eine Hand auf seine Wange. Tränen liefen ihr die Wangen hinunter.
„Chuck." flüsterte sie.
„Blair, ich bin hier um dir etwas zu sagen. Ich möchte nichts mehr mit dir zu tun haben." sagte Chuck kalt.
„Was?" fragte Blair leise und mit ungläubiger Stimme.
„Das ist alles deine Schuld. Du musstest zu Nate zurücklaufen und schau dir an was passiert ist. Ich will dich nicht mehr. Ich will nur noch meine Ruhe vor dir."
Mit diesem Satz drehte er sich herum und ließ sie stehen.
