Kapitel 2: Rückschlag

Aus der Sicht von Natla

Ich fühlte mich, wie jemand der aufwacht und seine Beine amputiert findet. Ich konnte meine Augen nicht von meinem Rücken wenden. Meine kostbaren Flügel, ich konnte es nicht glauben. Ich hatte grade einen Teil von mir verloren. Viele Erinnerungen waren mit ihnen verbunden. Erinnerungen einer Zeit, in der Atlantis noch existierte, an eine Zeit wo seine Bewohner noch lebten. Ein merkwürdiges Gefühl baute sich in mir auf und begann mein Herz auseinander zu reißen. Trauer.

„Naja, die Blutergüsse sind nicht so schlimm, die werden in kürzester Zeit heilen. Es hätte schlimmer kommen können.", sagte Violetta.

Ich wandte meinen Kopf und starrte sie wütend an, meine Stimme kalt genug Lava zu gefrieren. „Was weißt du denn schon?" Ich stand auf. Ein scharfer Schmerz fuhr durch meine Rippen. „Du weißt gar nichts!" Ich humpelte aus dem Raum, Violetta auf ihrem Kissen sitzen lassend. Sie folgte mir nicht; sie ließ mich gehen, ohne auch nur versuchen mich zu stoppen.

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Aus der Sicht von Violetta

Ich schaltete den Fernseher ein, nachdem sie den Raum verlassen hatte. Sie stand nun auf der Terrasse, in den dunkel blauen Nachthimmel blickend. Ihr Name war Jacqueline Natla; sie war kürzlich in den Nachrichten gewesen, angeblich vermisst nach einer Exkursion im Arktischen Meer. Ich hatte keine Ahnung was dort passiert war, oder wieso, ich wusste nur, dass ich besser sicher ging, dass es ihr bald wieder besser ging, sodass sie wieder zurück nach New Mexico gehen konnte. Ich stand auf und lief in Richtung Terrasse, vorsichtig. Ich wollte nicht, dass sie mich bemerkte. Sie sang etwas, dass mach einer Hymne eines anderen Landes klang. Ich konnte nicht verstehen was sie sang, aber die Melodie macht mich traurig.

Und plötzlich, als hätte sie meine Gedanken gehört, wechselte sie ins Englische, ihre Stimme hoch und voller Leid.

Meine Zeit hier ist vorüber, ich bin die einzige die bleibt.
Die Jahre in denen ich Atlantis regierte sind spurlos verschwunden.
Nun bin ich zurückgeblieben, in einer Welt in die ich nicht gehöre.
Ich wurde sterblich, aber weshalb scheint das so falsch?
Ich kann mich mit niemandem identifizieren.
Es ist niemand hier, den ich kenne.
Ist da eine Chance die Vergangenheit zu ändern?
Nicht wissend, was bleibt,
stehe ich hier allein.

Ich stand im Türrahmen, bis ihr Lied zu Ende war.

Sie glitt am Geländer der Terrasse hinunter und begrub ihr Gesicht in ihren Händen. Ich ging auf sie zu, zögernd, und als ich nur noch drei Schritte von ihr entfernt war blickte sie auf, direkt in meine Augen starrend. Mich traf der Schlag. Sie weinte!