Phedolas hat das Reh versorgt. Nun liegt er auf seinem Bett und versucht sich auszuruhen. Er schließt seine Augen doch er findet keinen Schlaf. Immer wieder hat er das Gesicht von der hübschen Elfe vor sich. Ihre langen braunen Haare, ihre smaragdgrünen Augen und ihr wunderbares Lächeln. Ohne es zu wollen holen ihn die Erinnerungen ein. Erinnerungen an eine Zeit, die er am liebsten vergessen würde. An eine Zeit von vor 70 Jahren.
Rückblende (Phedolas vor 70 Jahren)
„ Phedolas? Phedolas, wo seid Ihr?" Eine junge Elfe ruft laut nach ihrem Liebsten. Sie bekommt keine Antwort, doch plötzlich umschlingen sie von hinten zwei starke Arme. „Ich bin hier, Lalia." Die junge Elfe wirbelt herum und küsst den jungen Elfen. „Ich kann es kaum erwarten, dass wir endlich heiraten." Lalia schmiegt sich an die Brust von Phedolas. Dieser lächelt glücklich. "Nur noch zwei Wochen, Liebste. Dann werden wir endlich den Bund des Lebens eingehen." Lalia nickt, doch sie bekommt kein Wort heraus. "Wir werden uns jetzt ein paar Tage nicht sehen." "Warum nicht, Phedolas ?" "Das ist eine Überraschung meine liebste Lalia," Und mit einem letzten Kuss trennt sich Phedolas von seiner Liebsten und verschwindet im Wald.
Nur noch ein paar Tage und dann ist Phedolas ein richtiger Waldläufer. Er hat Lalia nichts davon erzählt, denn er möchte sie damit überraschen. Der junge Elf ist so in Gedanken versunken, dass er die Gruppe Orks, die ihn beobachtet, nicht bemerkt. Plötzlich ertönt lautes Geschrei und die Orks greifen an. Entsetzt dreht sich Phedolas um und im selben Moment zieht er sein Schwert. Doch es war zu spät. Der Angriff trifft ihn voller Wucht und reißt ihn zu Boden. Unglaubliches Schmerzen durchströmen seinen Körper und machen es ihm unmöglich sich zu wehren. Er hört noch laute Schreie und Waffenklirren bevor er ohnmächtig wird.
Phedolas erwacht und hört leise Stimmen. Er versteht nicht was sie sagen. Sein ganzer Körper schmerzt. Er möchte seine Augen öffnen, doch seine Augenlider gehorchen ihm nicht. Er stöhnt leise und schläft wieder ein. Als er wieder erwacht, sind seine Schmerzen geringer. Es ist leise und wieder versucht er seine Augen zu öffnen. Dieses Mal gelingt es ihm. Er blinzelt zweimal und versucht seinen Kopf zu bewegen. Das letzte, an das er sicher erinnern kann, ist der Angriff der Orks. Er versucht etwas zu sagen, doch seine Stimme verweigert ihren Dienst. "Endlich bist du erwacht, Phedolas. Ich habe mir solche Sorgen um dich gemacht." Phedolas hört die Stimme seiner Mutter. Er konzentriert sich und versucht die Schmerzen zu verdrängen. Langsam findet er seine Stimme wieder. "Mutter? Was ist passiert?" "Orks haben dich angegriffen, mein Sohn. Eine Gruppe unserer Jäger kann zufällig vorbei und hat die Orks erledigt. Doch du wurdest schwer verletzt." Langsam dreht Phedolas den Kopf zu seiner Mutter. Sie sitzt an seinem Bett und hat Tränen in den Augen. "Bewege dich nicht, Phedolas. Du musst dich ausruhen." Phedolas schließt die Augen und schon bald schläft er wieder ein.
Als er einige Zeit später erwacht, fühlt er sich schon viel besser. Langsam richtet er sich im Bett auf. Er sieht sich um und bemerkt, dass er in seinem Zimmer ist. Doch der Raum ist leer. Seine Mutter ist nicht zu sehen. Phedolas fühlt sich sehr schwach. Doch er schafft es langsam aufzustehen und sich anzukleiden. Als er fertig angezogen ist, verlässt er das Zimmer und macht sich auf die Suche nach seiner Mutter. Er findet sie in der Küche. "Mutter..." Beim Klang seiner Stimme wirbelt seine Mutter herum. "Phedolas. Du solltest noch nicht ausstehen. Du bist noch viel zu schwach." "Ich habe Hunger." Seine Mutter lächelt leicht und deutet auf einen leeren Stuhl. Der junge Elf setzt sich. Kurz darauf gibt ihm seine Mutter etwas zu essen. Phedolas isst alles auf und danach fühlt er sich besser. "Wie lange war ich bewusstlos?" "Drei Wochen. Die Kleriker haben ihr bestes getan um dich zu heilen. Doch du hast viel Blut verloren. Ich bin so froh, dass es dir besser geht." Phedolas nickt nur leicht bei dieser Antwort. Drei Wochen… vor einer Woche wollten er und Lalia heiraten.
Plötzlich öffnet sich die Tür und Lalia tritt herein. Phedolas springt auf und stürmt auf seine Liebste zu. Er umarmt sie freudig und bemerkt, dass sie seine Umarmung nicht erwidert. "Was ist mit Euch, Lalia?" "Phedolas… ich… ich denke es ist besser, wenn wir nicht heiraten. Ich… ich kann euch nicht mehr heiraten." Phedolas lässt Lalia los und sieht sie fragend an. "Wieso? Wieso können wir nicht mehr heiraten." Die junge Elfe dreht ihr Gesicht kurz weg bevor sie ihn wieder ansieht. "Es tut mir leid." Phedolas tritt einen Schritt zurück und sieht sie an. Seine Augen weiten sich. In ihrem Gesichtsausdruck liegt Angst und Ekel!? Ohne ein weiteres Wort zu verlieren dreht sich Lalia um und läuft zur Tür. Bevor sie den Raum verlässt dreht sie sich noch einmal um. "Ich werde Helias heiraten. Lebt wohl." Mit diesen Worten verlässt sie das Haus.
Der junge Elf steht da und weiß nicht was passiert ist. Fassungslos sieht er zu der Tür, durch die seine Liebste verschwunden ist. "Wieso?" "Phedolas…" Er hört die Stimme seiner Mutter und sieht sie an. Seine Mutter hat Tränen in den Augen. Langsam kommt sie auf ihn zu und nimmt seine Hand. "Sie ist undankbar. Wenn sie dich wirklich lieben wurde, dann würde sie dich nicht verlassen. Auch wenn du…" Weiter kam seine Mutter nicht. Sie umarmt ihren Sohn und bricht in Tränen aus. "Es tut mir so leid, Phedolas. Es ist nicht deine Schuld." Phedolas erwidert die Umarmung seiner Mutter. Er wundert sich was passiert ist. "Mutter, wieso will sie mich nicht mehr heiraten? Kennst du den Grund?" Seine Mutter lässt ihn los. Sie geht schweigend in ihr Zimmer und kommt bald darauf mit einem Spiegel wieder. Sie reicht ihrem Sohn den Spiegel. "Sei stark, mein Sohn." Phedolas nimmt den Spiegel und hebt ihn langsam an. Er blickt hinein und erschrickt. Sein Gesicht ist von schrecklichen Narben entstellt. Er versteht nun, warum ihn Lalia verlassen hat. Der Spiegel gleitet ihm aus der Hand, fällt auf den Boden und zerspringt. Sie hat ihn wegen der Narben im Gesicht verlassen. Doch nicht nur das, sie hat schon einen Ersatz für ihn gefunden. Er fragt sich, ob sie ihn jemals wirklich geliebt hat.
Sein Gesicht versteinert sich. "Phedolas?" Seine Mutter sieht in besorgt an. "Ruhe dich bitte noch aus, mein Sohn. Es wird sich alles finden." "Nein Mutter. Ich kann nicht hier bleiben. Ich werde dieses Dorf verlassen." Seine Stimme ist kalt und jagt seiner Mutter Schauer über den Rücken. Ohne ein weiteres Wort zu sagen geht er in sein Zimmer. Er zieht seine Rüstung an und nimmt seine Waffen. Er geht zurück in die Küche und küsst seine Mutter auf die Stirn. "Leb wohl Mutter. Ich werde gehen und ich werde nicht zurückkommen." Bevor seine Mutter etwas erwidern kann verlässt er das Haus. Schweigend und ohne sich umzudrehen läuft er durch das Dorf. Er ignoriert alle Leute und ihre mitleidigen Blicke. Er verlässt das Dorf und geht einer ungewissen Zukunft entgegen. Und er schwört sich, dass er sich niemals wieder verlieben wird.
Ende der Rückblende
Phedolas wischt sich den Schweiß von der Stirn. Langsam steht er auf und schaut durch das Fenster nach draußen. Es ist dunkel. Wie in Trance öffnet er die Tür und läuft in den Wald. Er läuft in das Dorf; in das Dorf, wo die hübsche Elfe Asarin ist. Schon bald steht er vor der Tür des Hauses, das als Krankenstation dient. Er überprüft, ob seine Kapuze auch tief genug in sein Gesicht gezogen ist. Dann öffnet er langsam die Tür und tritt herein. Asarin kniet auf dem Boden, ihre Hände im Schoß gefaltet. Sie bewegt sich nicht. Neben ihr kniet Helana. Der Bürgermeister und Oleff stehen etwas abseits und blicken den Neuankömmling an. Bürgermeister Kalonn geht zu Phedolas und sieht ihn fragend an. Er schwitzt sehr und wischt sich den Schweiß von der Stirn.
„Gut dass Ihr hier seid, Phedolas. Asarin hat alle Heilzauber verwendet, die sie kann. Doch nichts hat geholfen. Und dann… seht selbst. Sie kniet nun schon eine Weile und rührt sich nicht. Wir wissen nicht, was mit ihr los ist." Der Bürgermeister seufzt leise und wischt sich wieder Schweiß von der Stirn. Nun hat auch Helana den Waldläufer bemerkt. Langsam richtet sie sich auf und geht auf Phedolas zu. „Sie ist doch in Ordnung? Sie muss in Ordnung sein."
Phedolas tritt nun näher an die junge Elfe heran. Er hockt sich neben sie und sieht sie genauer an. Dann beginnt er zu lächeln. Er richtet sich auf und wendet sich an die drei Menschen. „Es ist alles in Ordnung mit ihr. Sie betet. Sie betet zu ihrem Gott, zu Lathander." Erleichterung macht sich breit. Phedolas entfernt sich von Asarin und geht zu der Wand neben der Tür. Er lehnt sich mit dem Rücken an die Wand und lässt sich langsam auf den Boden gleiten. Er zieht die Beine an und betrachtet die hübsche Elfe. Er wird nicht müde sie zu betrachten und die ganze Zeit hat er ein Lächeln im Gesicht.
Als der Morgen dämmert, rührt sich die Elfe plötzlich. Sie reibt sich die Augen und richtet sich langsam auf. Als sie sich umdreht, sieht Phedolas die Müdigkeit in ihren Augen. Sie hat die ganze Nacht gebetet und das zeigt sich jetzt. Asarin bemerkt den Waldläufer und lächelt ihn an. Auch der Bürgermeister, Oleff und Helana haben die ganze Nacht kein Auge zugemacht. Alle vier sehen die junge Elfe fragend an. „Lathander hat meine Gebete erhört. Doch ich kann nichts tun. Es liegt nicht in der Macht meines Gottes, diesen Menschen zu helfen." Die Fröhlichkeit der vier weicht aus ihren Gesichtern und Verzweiflung macht sich breit. Wenn nicht einmal die mächtige Klerikerin helfen kann, dann kann es wohl niemand. Doch Asarin lächelt immer noch. „Ich weiß, es ist sicherlich kein Trost, aber Lathander hat mir gesagt, was diesen Menschen widerfahren ist. Es ist ein Fluch. Ein Fluch, der so mächtig ist, dass es ihm und mir nicht möglich ist diesen Fluch mit einem Heilzauber zu brechen. Es tut mir leid, aber Lathander kann nichts dagegen tun."
Helana fängt an zu schluchzen. Oleff nimmt sie in die Arme und versucht sie zu trösten. Doch auch er kann seine Tränen nicht zurückhalten. „Was sollen wir tun? Ist das wirklich das Ende? Es muss doch etwas geben, das wir tun können." Der Bürgermeister schüttelt den Kopf und sieht Asarin fragend an. „Ich kann den Fluch vielleicht nicht brechen, aber ich bin mir sicher, dass es eine Möglichkeit gibt. Irgendwas oder irgendjemand hat den Fluch in dieses Dorf gebracht und wir müssen die Ursache finden." Asarin lächelt den Bürgermeister aufmunternd an. Sie läuft zu Phedolas, der immer noch auf dem Boden sitzt. „Sagt, Phedolas, Ihr kennt Euch doch im Wald aus. Wisst Ihr noch, wo Ihr das erste kranke Tier gefunden habt? Ich denke, dort sollten wir mit unserer Suche beginnen." Phedolas steht langsam auf und sieht die Elfe aufmerksam an. Dann nickt er. „Ja, Asarin, natürlich erinnere ich mich wo ich das erste kranke Tier gefunden habe." „Könnt Ihr mich dorthin führen, Phedolas?" Der Waldläufer zuckt ein klein wenig zusammen. Er ist überrascht, dass die hübsche Elfe ihn um Hilfe bittet. Er überlegt kurz, ob er ihr helfen soll. Dann nickt er. Bei den Gedanken einige Zeit allein mit Asarin zu verbringen, errötet er leicht. Asarin lächelt ihn an. „ Ich muss mich noch ein wenig ausruhen. Doch in wenigen Stunden können wir aufbrechen."
Fortsetzung folgt
