Sie kamen alle gleichzeitig in der Winkelgasse an. Joanna und Marlene materialisierten sich in einem Hauseingang, drehte sich schnell um, um sich einen Überblick zu verschaffen und hatten die Lage schnell eingeschätzt. Es waren ungefähr zehn Todesser, welche sich schon vor dem Eingang und wohl in dem Laden von Mr. Olivander einen heftigen Kampf lieferten. Die Fensterscheiben seines Ladens waren zersplittert, jedes einzelne war zerstört und die Scherben lagen auf dem Bürgersteig vor dem Laden. Von Mr. Olivander war weit und breit keine Spur.
Rücken an Rücken stießen Marlene und Joanna in den Tumult vor, duckten sich unter Flüchen und Sprüchen hinweg um nicht in die Schussbahn zu gelangen und entdeckten nicht weit von ihnen James und Sirius, die sich schon einen heftigen Kampf lieferten. Wie es schien, hatte James nun doch das Vergnügen, endlich Fenrir Greyback kennenzulernen, denn er stürzte sich gerade auf ihn. James wehrte ihn jedoch gekonnt mit einem Fluch ab – fürs erste.
Joanna duellierte sich mit einem ihr unbekannten Todesser, als sie ein roter Lichtblitz knapp verfehlte, weil Marlene sie geistesgegenwärtig zur Seite zerrte.
Jemand neues kam in ihr Sichtfeld. Bellatrix Lestrange, frühere Black, lächelte sie hämisch an. Joanna wollte gerade einen bissigen Kommentar abgeben, als Bellatrix schon einen Fluch abfeuerte, der sie nur um Haaresbreite verfehlte. Sie konterte geschickt zurück, hatte aber gegen die ältere Hexe kaum eine Chance.
„Crucio!", schrie diese gerade und Joannas Protego-Spruch kam einige Sekunden zu spät. Schon krümmte sie sich unter dem Fluch der Anderen. Sie kämpfte dagegen an, unter Schmerzen auf die Knie zu sinken, da sie wusste, dass dies ihren sicheren Tod bedeuten konnte, wenn sich die Schwarzhaarige dazu entschied, sie nicht einfach nur quälen zu wollen. Mit zusammengebissenen Zähnen richtete sie ihren Zauberstab auf Bellatrix. „Petrificus Totalus!"
Zwar verfehlte der Spruch seine eigentliche Wirkung um Längen, es reichte aber aus, um Bellatrix kurzzeitig von den Füßen zu heben und rückwärts stolpern zu lassen, was den Blickkontakt zu Joanna abbrechen lies. Noch immer sah sie kleine Sternchen vor Augen, da der Schmerz nicht lassen wollte.
Sie feuerte umgehend weitere Sprüche auf Bellatrix los, doch keiner von ihnen schaffte es an sein Ziel. Bellatrix wehrte jeden einzelnen mühelos ab.
Wieder einmal verfluchte Joanna die kurze Dauer ihrer bisherigen Ausbildung. Doch noch bevor sie einen weiteren Schritt tun konnte, ertönte schon von Seiten der Todesser das Signal, welches ihren Rückzug forderte. Bellatrix lachte noch einmal lang und kreischend auf und schickte einen letzten Fluch in Joannas Richtung. Ihre Augen wurden dabei groß und ein irrer Ausdruck legte sich auf ihr Gesicht. „Incencio.", schrie sie schrill und voller Wahnsinn lachend, während in dem gleichen Moment ein Todesser namens Rookwood „Morsmordre!" brüllte.
Bevor noch jemand etwas dagegen unternehmen konnte, waren die Anhänger des dunklen Lords auch schon in schwarzem Rauch verschwunden.
Die Auroren hielten sich hustend Schals oder Umhänge vor Nase und Mund. Das Feuer, welches Bellatrix zuletzt heraufbeschworen hatte, loderte hoch auf und zerstörte den Laden von Mr. Olivander nun zur Gänze. Die Scheiben der Geschäfte daneben und gegenüber gaben der Hitze und dem Druck nach und zerplatzen klirrend, die Scherben regneten über das gesamte Aurorenteam.
„Aguamenti!" Mit vereinten Kräften versuchten sie, das sich ausbreitende Feuer unter Kontrolle zu kriegen, scheiterten jedoch kläglich. Andere Ministeriumsarbeiter apparierten, wahrscheinlich die Zauberer aus der Abteilung für magische Unfälle und Katastrophen, und nahmen sich dem Feuer an. Die Auroren blickten sich schockiert um. Über ihnen schwebte verhängnisvoll das Dunkle Mal und obwohl es erst drei Uhr mittags war, war es so dunkel wie in der Nacht. Der Himmel über London hatte sich dunkel zugezogen und es donnerte bedrohlich. Ein Gewitter kündigte sich an.
Mit den Augen suchten sie alle den Boden ab. „Wer fehlt? Wer vermisst seinen Partner?", schrie Moody durch das Gedränge und im gleichen Moment erschienen die Sanitäter, welche schon einige der Auroren dazu drängten, sie zu begleiten.
Moody bekam keine Antwort. Weiter wurde gesucht, bis es schließlich James war, der in der Gasse hinter der nächsten Biegung einen reglosen Körper fand. „William!"
Er sankt neben ihm auf die Knie. Die ersten Regentropfen fielen und benetzen das starre Gesicht, welches in den Himmel blickte, die Augen schrecklich weit aufgerissen, aber leblos. Aus verschiedenen Wunden an seinem Körper trat Blut aus, welches sich nun mit dem Abwasser und dem Regen auf der Straße vermischte und in einem Rinnsal seinen Weg auf die Hauptstraße der Winkelgasse fand.
Sirius schloss entsetzt die Augen. William war gestern noch bei den Potters gewesen. Hatte mit ihnen zu Abend gegessen. War später in einem der Gästezimmer verschwunden, in dem er gewohnt hatte, seitdem Todesser seine eigene Wohnung zerstört hatten.
„Wo ist Dearborn?!", fluchte Moody, schloss dem toten jungen Mann die Augen und sah sich heischend um. „Dearborn!"
Der Mann, der eigentlich der Partner des verstorbenen William war, meldete sich nicht zu Wort. Auch nach weiteren Rufen, wurde er nicht auffindbar. Fluchend humpelte Moody zurück auf die Hauptstraße, sich nicht darum scherend, dass er in eine große, inzwischen rot gefärbte, Pfütze trat. „Ist jemand verletzt? Wir disapparieren! Sanitäter ebenfalls zurück in die Aurorenzentrale!", kommandierte er und war keine zwei Sekunden später verschwunden.
Die anderen schluckten noch einmal, warfen einen letzten Blick auf William. Er sah aus, als würde er einen Traum träumen, aus dem er nie wieder aufwachen würde. Das hellbraune Haar klebte ihm in Strähnen auf der Stirn, dort festgehalten aus einer Mischung aus Regenwasser und Blut. Ein verstörender Anblick, welcher zugleich grausam, aber auch beunruhigend friedlich war.
Noch einmal gellte ein Schrei nach Caradoc Dearborn durch die Winkelgasse, doch abermals keine Antwort.
Der junge Zauberer, welcher erst vor sechs Monaten in der Aurorenzentrale aufgenommen worden und zu gleicher Zeit dem Orden beigetreten war, sollte nie wieder gesehen werden.
Zurück im Ministerium saß Sirius reglos auf seinem Schreibtisch und sah dabei zu, wie ein Sanitäter Joanna untersuchte und verarztete. Sie hatte den Cruciatus-Fluch abbekommen, welcher ihre Haut aschfahl gefärbt hatte und sie übergab sich grade zum zweiten Mal in James' Mülleimer. Sie hatten ihn weggeschickt, um ihre Arbeit ungehindert verrichten zu können. Jeden Trank, den sie seiner Freundin reichten, erbrach sie sofort danach in den Mülleimer.
Sirius selbst war unverletzt, jedoch schwach auf den Beinen. Seine Lippen waren blau angelaufen, sein Hemd klebte ihm nass auf dem Oberkörper und sein Umhang hing in zerrissenen Fetzen an ihm runter. Er fror so unsäglich, dass er leicht anfing zu zittern. James, dem es kaum besser ging, legte eine Hand auf seinen Arm. Eine kleine Geste der Freundschaft, aus der Sirius in diesem Moment jedoch eine Menge Kraft und Mut zog.
Als Joanna es letztlich doch geschafft hatte, wenigstens die Hälfte des Trankes bei sich zu halten, wankte sie auf Sirius zu, welcher sie sogleich in die Arme schloss. Keiner von ihnen redete ein Wort. Der Schlafmangel der letzten Wochen zeigte deutlich seine Spuren. Unter ihren Augen lagen tiefe Ringe, die sich deutlich von der blassen und gräulichen Haut absetzten. Joanna schien schon an Sirius' Oberkörper einzuschlafen, als Moody mit grimmiger Miene auf sie zu gehumpelt kam.
„Sirius, James, Joanna…", seine Stimme war wie üblich barsch und unfreundlich, aber ein vertrauter Unterton schwang deutlich mit, wie immer, wenn er privat mit den drei jungen Auroren redete. „Nach Hause mit euch. Ab ins Bett." Mit einem Seitenblick seines magischen Auges auf Joanna fügte er hinzu, „Vielleicht sollte man ihr vorher mal was ordentliches zu essen geben. Sieht aus, als wäre sie nicht mehr weit von einem absoluten Nervenzusammenbruch entfernt. Und Black!", ein durchdringender Blick traf Sirius. „Ihnen würde ein warmes Bad eventuell nicht schaden. Sieht nicht gesund aus, was da mit ihren Lippen passiert."
Er verabschiedete sich nicht, als er sich umdrehte und sich in sein Büro zurückzog. Da er später am Tag sicherlich noch im Hauptquartier des Ordens auftauchen würde, war das aber auch nicht von Nöten.
James, Sirius und Joanna machten sich auf den Nachhauseweg. Es goss in Strömen, als sie auf der Terrasse des Anwesens ankamen und Sirius musste unwillkürlich noch einmal an William denken und fragte sich, ob der Regen sein Blut inzwischen weggespült hatte. Die Sanitäter hatten ihn kurze Zeit später ins Ministerium befördert, wo er wohl seiner Familie übergeben werden würde. Wahrscheinlich würde es in den nächsten Tagen eine Beerdigung geben. Von denen gab es, nach Sirius' Meinung, in letzter Zeit deutlich zu viele.
Sie hatten es nicht sonderlich eilig ins Haus zu kommen, durchnässt waren sie sowieso schon bis auf die Unterhosen und durchgefroren bis auf die Knochen. Sirius hatte einen Arm um Joanna gelegt und gemeinsam sahen sie durch die Fensterfront in die Küche, wo wie immer wildes Treiben herrschte.
James drückte die Klinke runter und sofort schlug ihnen der Lärm entgegen. Sofort wurden sie begrüßt und Sirius und James drängten sich sofort durch zu dem Sofa, welches im hinteren Teil der Wohnküche stand, die auch als Wohnzimmer genutzt werden konnte. „Hey, Mama", Joanna umarmte ihre Mutter, welche sie besorgt ansah. „Jo, Schatz, was ist passiert?"
Die beiden Frauen setzten sich an den Küchentisch, an das Ende, welches nicht schon von ein paar Ordensmitgliedern bevölkert wurde, und Joanna erzählte von ihrem Arbeitstag. Ihre Mutter fuhr sich bestürzt mit der Hand über die Augen und wischte sich eine kleine Träne aus dem Augenwinkel. „William war ein wirklich netter Mann.", murmelte sie und strich ihrer Tochter über den Rücken. „Ich bin froh dass es dir gut geht. Und James und Sirius natürlich." Dass ihre Mutter sich immer große Sorgen machte, wenn sie morgens zur Arbeit verschwand, wusste Joanna. Zu Recht machte sie sich dann auch größere Sorgen um sie, als um ihren Bruder und ihren Freund. Ohne Zweifel war sie weit weniger gut in dem was sie tat. James und Sirius waren einfach in ihrem Job schon jetzt wirklich sehr gut. Auch wenn Mad Eye es nicht gern zugab, die beiden hatten in den letzten Monat die meisten Festnahmen erzielt. Wenn auch zugegebener Maßen nicht immer mit fairen Tricks. Aber die wendeten die Todesser ja bekanntlich auch nicht an.
Joanna strengte sich nichtsdestotrotz sehr an und arbeitete hart an sich und für ihren Erfolg bei dem was sie tat. Und so langsam schien sich diese Arbeit bezahlt zu machen, auch wenn sie zugeben musste, dass Marlene ihr heute mehr als nur einmal den Hintern gerettet hatte. Das hätte teilweise wirklich böse enden können ohne ihr Eingreifen. Aber Joanna konnte sich nicht darauf verlassen dass Marlene, Sirius oder James nicht nur ihre Gegner, sondern auch noch Joannas ständig im Blick hatten und wenn nötig für sie in die Bresche sprangen.
Sie löste den Knoten, zu dem sie ihre Haare zusammengebunden hatte und fuhr sich einmal mit der Hand durch den Haarschopf. Ihr war schlecht, sie hatte Kopfschmerzen nicht beschreibbaren Ausmaßes und Muskelkater an Stellen, von denen sie nicht mal wusste, dass sie dort Muskeln besaß. Sie war so müde, dass sie das Gefühl hatte, sie würde eine Woche durchschlafen müssen um das zu kompensieren. „Möchtest du dich etwas hinlegen?", fragte ihre Mutter mit sanfter Stimme, doch Joanna winkte ab. Was sie gerade wirklich wollte war eine Zigarette und einen von Sirius' dicken Kapuzenpullovern, in die sie sich immer so herrlich einkuscheln konnte. Sie holte sich einen aus ihrem Zimmer und schon allein für den Gang von der Küche in ihre Zimmer und wieder zurück brauchte sie mindestens doppelt so lange wie normal. Danach zog sie die Kapuze tief ins Gesicht und lehnte sich auf der Terrasse mit dem Rücken an die Glasfront, von der aus man in die Küche schauen konnte. Dies war einer der ersten Momente seit Tagen, ach was, Wochen, in denen sie einfach ganz für sich allein war. Die paar Minuten zwischen dem ins Bett steigen und dem Einschlafen mal nicht mit eingerechnet.
Nachdem sie sich in der letzten Stunde, in der sie mit ihrer Mutter erzählt hatte, aufgewärmt hatte, fröstelte es sie nun wieder leicht. Sie beobachtete, wie ein Blitz am Himmel zuckte. Es war heute ungewöhnlich dunkel schon den ganzen Tag. Mit einem Blick auf die wurde ihr klar, dass es wohl auch nicht mehr hell werden würde. Schon sechs Uhr. Sie drückte ihre Zigarette aus und ging zurück in die Küche. Es war voller geworden und Joanna sah die Weasleys auf dem Sofa sitzen. Arthur hielt seinen kleinen Sohn auf dem Arm und unterhielt sich mit Sirius, der schon so schien als würde er mit offenen Augen schlafen. James hatte den Kopf in den Nacken gelegt, sein Mund stand einen Spalt weit offen, seine Augen waren geschlossen. Er war definitiv am Schlafen. Joanna lächelte.
Zaghaft zupfte etwas an ihrem T-Shirt. Sie wandte ihren Blick von James ab und bemerkte Bill, der neben ihr stand, seinen Knuddelmuff sorgsam in der Brusttasche seines kleinen Hemdes verstaut. Selbst der rote, lebende Plüschball schien zu schlafen. „Jo. Ich habe Hunger." Bill sah sie mit solch großen, niedlichen Augen an, dass Joanna kurz davor war ihn auf den Arm zu nehmen.
„Wo ist denn deine Mama, kleiner Mann?" „Sie ist im St. Mungos… Sie hat sich verbrannt heute, als sie einen Trank gemacht hat."
Müde biss Joanna sich auf die Lippen und sah erneut zu dem Sofa. Wie gerne würde sie sich neben Sirius setzen, ihren Kopf auf seiner Schulter ablegen und schlafen.
„Na dann, mein Süßer. Dann werden wir dir mal was kochen. Was möchtest du haben?" Sie packte Bill unter den kleinen Achseln und hob ihn neben sich auf die Küchenanrichte. „Spaghetti.", strahlte Bill und Joanna nickte. „Das kriegen wir sicherlich hin."
Kurze Zeit später kochten in einem riesigen Topf eine Unmenge an Nudeln. Bill saß neben der Herdplatte und rührte konzentriert in einem etwas kleineren Topf mit einem Holzlöffel die Tomatensoße um. Währenddessen stellte Joanna Teller, Löffel und Gabeln auf den Tisch, deckte die Plätze mit einem Platzdeckchen und stellte jedem ein Glas Wasser davor.
„Na, fertig?", fragte sie dann ihren kleinen Küchenchef und dieser zuckte mit den Schultern. Sie hob mit einer Gabel eine Nudel aus dem Wasser, hielt sie kurz unter Wasser und gab sie dann Bill, der sie in seinen kleinen Mund steckte, darauf herum kaute und dann nickte. Geschäftig verkündete er „Sehr gut!"
Als Joanna die Nudeln abgegossen hatte, verteilte sie sie und die Soße auf die Teller. Dann klatschte sie in die Hände. Lily, die vor ein paar Minuten aus dem St. Mungos gekommen war, lächelte sie an, gab ihr ein Küsschen auf die Wange und setzte sich dann. „Vielen Dank, dass du gekocht hast." Die anderen schienen immer noch etwas skeptisch. „Kann man das denn wirklich essen?", fragte Moody besorgt, doch Lily schob sich schon die erste Gabel Nudeln mit Soße in den Mund und nickte. „Sehr gut." Sie zwinkerte Joanna zu, was diese dazu veranlasste, schnell von ihrem eigenen Teller zu probieren, ob Lily nicht eventuell gelogen hatte. Ihre Kochkünste waren nämlich mehr als nur eingeschränkt. Aber wider ihrer Erwartung schmeckte es Tatsächlich und schnell füllten sich alle Plätze, die der riesige Esstisch zu bieten hatte.
Nach dem Essen hatte die inzwischen angekommene Molly Weasley das Abräumen übernommen, Benjy Fenwick das Spülen und Nanna das Abtrocknen. Joanna schlief auf dem Sofa, den Kopf in Sirius Schoß gelegt, während James ihr die Füße massierte und sich mit anderen Ordensmitgliedern unterhielt. Sirius und Joanna schliefen seit einer Stunde selig, er schnarchte leise, den Kopf auf die Lehne des Sofas gelehnt, den Arm über Joanna gelegt. Sie machte während des Schlafens kein einziges Geräusch. Selbst dazu war sie offenbar zu müde.
Eine weitere Stunde später war Sirius wieder wach und beteiligte sich noch etwas an den Gesprächen der anderen. Dann entschied er sich, nachdem er festgestellt hatte, dass es schon kurz vor zehn war, seine zierliche Freundin auf den Arm zu heben, sich bei den Umstehenden zu verabschieden und ins Bett zu gehen. Joanna öffnete kurz eines ihrer Augen, sah, dass es Sirius war, der sie auf dem Arm hatte, schloss sie direkt wieder und schlief weiter. In ihrem Zimmer stand sie dann aber doch nochmal aus ihrem Bett aus, ging sich die Zähne putzen und zog sich ein Schlafshirt über. Sirius saß schon im Bett und hatte die Decke für sie zurückgeschlagen.
Mit einem langen Kuss bedankte sie sich dafür, dass er sie so fürsorglich ins Bett getragen hatte. Sie kabbelten sich noch kurz und einen Moment lang sahen sie beide einander an, dass sie jeweils darüber nachdachten noch etwas länger wach zu bleiben und etwas intimere Zeit miteinander zu verbringen.
Sirius grinste. Normalerweise war er für solcherlei Aktivitäten mit seiner Freundin natürlich immer zu haben. Aber ausnahmsweise heute… „Sei nicht sauer, Liebling. Aber mir fallen wirklich gleich die Augen zu." Joanna erwiderte sein Grinsen, gab ihm noch einen schnellen Kuss auf den Mund und kuschelte sich dann in seinen Arm. „Frag mich erst mal. Ich glaube ich schlafe, sobald ich nur die Augen schließe."
Sie tat es, in dem Moment, als Sirius die Nachttischlampe ausknipste und die Decke bis zu ihren Ohren zog. Dann sanken sie beide in einen tiefen Schlaf.
Laute Stimmen und Fußgetrappel ließen Joanna und Sirius gleichzeitig aufwachen. „Was…" Er sah auf den Wecker. Zwei Uhr. „Was ist denn da draußen los?"
Er stand auf, schnappte sich eine Jogginghose, da er nur eine Boxershorts trug, und öffnete die Zimmertür. Er hörte unverkennbar die Stimmen der Weasleys, Bill, welcher laut weinte und Charlie, welcher brüllte wie am Spieß. Dann hörte er verschiedene Stimmen. Überhaupt – was hatten die Weasleys hier zu suchen? Zwar wohnten die Brüder von Molly, die Auroren Gideon und Fabian Prewett, seit ein paar Wochen schon mit Sirius und den anderen unter einem Dach, aber die Familie rund um Arthur Weasley wohnte eigentlich in einem kleinen Häuschen auf einem Feld, draußen in Westfields End.
Auch Joanna hörte die Stimmen und zog sich ebenfalls eine Hose und einen weiten Pullover an und lief vorbei an Sirius, der ihr jedoch direkt nachsetzte. Sie brauchten erst gar nicht bis in die Küche laufen. Ein Menschenauflauf hatte sich in der Eingangshalle versammelt, diskutierten lautstark, rief durcheinander und gestikulierten wild.
„Was ist denn geschehen?", informierten sich die beiden Neuankömmlinge bei Gideon und dieser seufzte. „Todesser", murmelte er und Sirius sprang erschrocken ein wenig in die Luft und suchte nach seinem Zauberstab im Bund seiner Jogginghose. „Wo?!"
„Sie haben Mollys Haus in Brand gesteckt. Sie konnten gerade noch ihre Notfalltaschen mitnehmen und sind mit den Kindern über die Towerbridge hierher appariert." Joanna klappte besorgt der Mund auf und schnell sah sie zu der rothaarigen Familie. Molly weinte im Arm ihres anderen Bruders, Fabian, während ihr Mann noch immer versuchte seinen jüngeren Sohn zu beruhigen. Bill saß mit Harold Potter auf einer der Stufen der Treppe der Eingangshalle. Er versuchte den kleinen Jungen zu beruhigen, aber wie es schien mit nur mäßigem Erfolg.
Nachdem die Weasleys sich ein kleines Bisschen beruhigt hatten, begab sich ein Teil der schockierten und verängstigten Meute in die Küche, andere disapparierten, wieder andere verschwanden zurück in ihre Betten.
„Na dann.", murmelte Joanna und nahm Arthur seinen kleinen Sohn ab, während Sirius von Joannas Vater den anderen in Empfang nahm. Molly und Arthur brauchten, nachdem sie noch einmal alle Ereignisse der Nacht mit Mad Eye und ein paar anderen des Ordens durchgesprochen hätten, einen ruhigen Schlaf. Deswegen hatten Sirius und Joanna sich angeboten, die Kinder mit zu sich zu nehmen. Nicht etwa, weil sie genug Schlaf in den letzten Wochen bekommen hätten. Sondern weil sie einsehen mussten, dass es Menschen gab, die momentan ein sehr viel schlimmeres Schicksal als sie erlitten. Die Weasleys hatten in einer Nacht nicht nur ihren Wohnsitz, sondern auch ihre komplette Habe verloren. Gott sei Dank waren es nur materielle Dinge gewesen, die man ersetzen konnte, auch wenn viele Erinnerungen an ihnen hingen. Auf Grund dieser Tatsache hatten Sirius und Joanna sich entschieden, ihnen eine ruhige Nacht zu ermöglichen.
Zurück in ihrem Zimmer warf Joanna einen Blick auf den Wecker und seufzte. Es war inzwischen drei Uhr. Der kleine Charlie war bereits auf ihrem Arm eingeschlafen und Bill tapste auch ohne Fragen zu stellen an Sirius Hand durch den Raum auf das Bett zu, legte sich sofort hinein, als Sirius die Decke zurück schlug und schloss schläfrig die Augen. Joanna kletterte über Sirius und Bill und legte sich mit dem Rücken an die Wand, an der das Bett stand. Die beiden Kinder lagen in der Mitte von ihnen. Sirius beugte sich noch vor um Joanna einen Kuss zu geben, dann löschte er zum zweiten Mal in dieser Nacht das Licht. „Schlaf gut, Liebling.", murmelte Joanna und streckte über die kleinen rothaarigen Jungen die Hand nach ihrem Freund aus, der sie ergriff und die Finger mit ihren überkreuzte. Dann fielen sie beide in einen unruhigen Schlaf.
