Kapitel 5 - Die Erkenntnis, dass manchmal einmal zu wenig ist
Jacobs Sicht
„Jacob, du kannst nicht mitkommen. Du musst dich erholen, ansonsten verheilen deine Verletzungen nicht richtig."
Seit Stunden muss ich mir die Diskussionen anhören, warum ich nicht mit kommen kann. Nun war Sam an der Reihe, Embry, Seth, Leah und meine Mutter hatten schon aufgegeben mich zu überzeugen. Tja, ich bin eben ein kleiner Sturkopf.
„Aber Sam mir geht es wieder gut. Schau doch, ich kann wieder mein Bein bewegen."
Während ich das sprach, schaue ich auf mein Bein und bewege dieses ein wenig.
Ich kann förmlich spüren wie Sam seine Augen verdreht.
„Ich glaube es ist aussichtslos mit dir noch stundenlang zu diskutieren. Immerhin bist du alt genug um zu entscheiden, was du für Richtig hältst. Allerdings werden wir dann nicht laufen, sondern mit Autos fahren."
Ich strahle ihn an. Wenn wir laufen würden, wären wir schneller, aber ich bin froh, dass ich überhaupt mit darf. Also warum noch die Geduld anderer weiter strapazieren?
„Wann wollt ihr denn los?"
„Ich denke jetzt sofort. Ich werde mal alle zusammen trommeln."
Während Sam den gesamten Rudel bescheid sagt, will ich mir etwas anderes anziehen.
Oje, ich habe es mir zu einfach vorgestellt. Viel Auswahl hat man nicht gerade, wenn man mit einem geschienten Bein rumlaufen muss.
Nach weiteren 10 Minuten unschlüssig vor dem Kleiderschrank zu stehen, entscheide ich mich für eine graue Jogginghose und einem roten Shirt.
„Jake, wirst du endlich mal fertig. Es warten alle nur auf dich.", rief Sam.
„Ja, ja, ich komm ja schon."
Unter großer Mühe nicht die gesamten drei Stufen runter zu purzeln, schreite ich nun auf die Autos zu.
„Da bist du ja endlich. Du brauchst ja fast schon so lange wie ein Mädchen."
Ich ignoriere einfach Pauls Kommentar und frage ihn stattdessen, wer bei wem mitfährt.
„Also, du wirst bei Sam, Embry, Quil, und Seth mitfahren. Die Restlichen fahren mit dem anderen Auto."
„Echt nett, von dir Paul, uns als „die Restlichen" abzustufen."
„Typisch Mädchen. Warum macht ihr immer alles komplizierter als es ist. Du würdest jetzt noch erklären wer wo sitzt und wer fährt. Ich glaube, dass interessiert hier keinen wirklich. Hauptsache wir kommen noch irgendwann an."
Autsch, das hat gesessen. Eigentlich hat ja Paul Recht, manchmal liegt die Kürze in der Würze. (*hehe*) Allerdings hat es Leah nicht immer so leicht mit uns. Sie ist immerhin das einzige Mädchen im Rudel.
„Hey Jake, kommst du? Alle sitzen schon im Auto, nur du lässt schon wieder auf dich warten." Verdammt.
Nachdem ich auch endlich im Auto Platz genommen hatte, fahren wir los.
„Was wollen wir denen eigentlich sagen, weil wir einfach bei ihnen auftauchen?
Hey, wir wissen zwar, dass ihr den Vertrag nicht gebrochen habt. Allerdings haben wir ein paar Fragen an euch und wir müssen euch etwas beichten."
Embry haut Seth auf seinem Hinterkopf und meint, dass würde das Denkvermögen anregen.
„Natürlich nicht. Am besten über lässt du uns das Reden und auch das Denken und du stehst einfach nur uns zur Seite.", meinte jetzt Sam.
Irgendetwas murmelt Seth vor sich hin, was ich jedoch nicht ganz verstehen kann. Er faselt irgendetwas von: „Immer auf die Kleinen."
Autsch! Wenn Doofheit wehtun würde, würde er den ganzen Tag lang „Au" rufen.
Er ist ja immerhin nicht der Kleinste. Außerdem liegt es ja nicht an seiner körperlichen Größe, sondern an seiner geistigen Größe, die im Moment im Keller liegt. Sind wir heute wieder einmal nett.
Embry sollte ihn noch mal schlagen. Nach dem ersten Mal hilft es wohl nicht.
Vielleicht ist er auch einer dieser hoffnungslosen Fälle. Wer weiß?
Imaginär verpass ich ihm noch einen leichten Schlag auf den Hinterkopf. Mmh… Vielleicht noch einen. Immerhin sind alle guten Dinge drei.
Ich bemerke wie das Auto anhält und ich sehe, dass wir schon da sind.
