Als die SG1 am nächsten Morgen von der Entführung des Generals erfuhr, waren alle zutiefst erschüttert. Walter war immer noch damit beschäftigt den Code aus seiner Erinnerung zu schreiben. Dennoch fiel es ihm schwer. Zu sehen wie sein Chef bedroht wurde, von einem Mann, der als tot galt, war ein schwerer Schock für ihn gewesen.
Ein noch größerer Schock war es jedoch für Carolyn. Nachdem Sam ihr offenbarte, dass der Angreifer überlebt und ihren Vater entführt hatte, war sie in Tränen ausgebrochen. Sie war immer noch zittrig bei dem Gedanken daran, dass ihr Vater irgendwo da draußen war und vermutlich…
‚Nein! Fang nicht an so zu denken!' dachte sich Carolyn.
„Wir werden ihn retten", sagte Teal'c mit seiner tiefen Stimme. Er beruhigte Carolyn dadurch und sie nickte bedächtig.
„Holt ihn zurück", flüsterte sie beinahe. „Ich will nicht meinen Vater verlieren. Wie soll ich das Mum erklären?"
Das Team versammelte sich und Walter zeigte ihnen den vermutlichen Code.
„Ich konnte mir das letzte Zeichen nicht genau merken. Die Chance, dass es nicht richtig ist, liegt leider sehr hoch." Walter biss sich auf die Lippen.
„Wenn wir ihn dort nicht finden, Walter, dann muss es nicht Ihre schuld sein", antwortete Carter. „Vermutlich werden sie den Standort wechseln. Wir müssen jede Möglichkeit in Betracht ziehen."
„Wurde der Kerl eigentlich untersucht? Ich dachte ich hätte ihn getötet." Mitchell fühlte sich, als wäre dieser Kerl ihm auf dem Leim gegangen.
„Er hat vielleicht eine hohe Regenerationsrate wie Teal'c. Die Schüsse könnten dafür gesorgt haben, dass sein Herz kurzzeitig aussetzte oder der Puls war kaum bemerkbar." Dr. Jacksons Vermutung klang schlüssig.
„Seit wann bist du Doktor der Medizin? Normalerweise wühlst du doch im Dreck nach irgendwelchen Sachen, die andere dort versteckt oder verloren haben vor tausenden von Jahren", antwortete Vala.
„Das war nicht sehr nett", kommentierte Daniel.
Plötzlich stürmte Dr. Lam in den Raum. „Dieses Monster hat alle Mitarbeiter der Krankenstation getötet, als er wieder aufgestanden ist." Sie bebte am ganzen Leib.
Mitchell, Teal'c und Jackson rannten aus dem Raum. Carter, Vala und Walter kümmerten sich um Landrys Tochter. Auf der Krankenstation angekommen, bekam selbst Teal'c einen leichten Schauder. Diese Menschen sahen aus wie zu Tode gequält und ihre Gesichter waren dabei furchtbar verzerrt worden. Das Furchtbare überhaupt war, das nirgendwo Blut lag. Nicht ein Tropfen.
Einer der Mitarbeiter, der gestern keinen Dienst hatte, blickte bleich zu den Ankömmlingen. „In den Körpern befindet sich nur ein kleiner Teil des eigentlichen Blutvolumens. Wie ist das möglich?"
Während in der Krankenstation die Toten weggebracht wurden, saß das SG1-Team an dem Tisch.
„Meint ihr, wir haben es mit einer Art Vampir zu tun?", fragte Dr. Jackson.
„Wie eklig!", rief Vala aus. „Was ist das?" fragte sie dann weitaus neugieriger.
„Das ist nach dem Aberglauben der Menschen ein Wesen, dass Blut aus den Körpern von Menschen saugt, da sein eigener Körper nicht in der Lage dazu ist, rote Blutkörperchen herzustellen. Tatsächlich gibt es in der Geschichte der Menschheit Fälle bei denen Menschen wirklich Blut tranken, um ihr Überleben zu sichern. Die meisten litten unter einer Art Anämie. Andere glaubten jedoch nur, dass das Blut, vor allem von Jungfrauen, Schönheit und ein langes Leben garantierten. Es gab eine Baronin, die im Blut ihrer Dienerinnen gebadet hatte, weil sie Angst vor dem Altern gehabt hatte."
„Okay, das ist wirklich eklig." Vala schüttelte sich und hatte ein komisches Gefühl auf der Zunge. Es war die Art wie Daniel dies erklärt hatte, was das ganze leicht bizarrer auf sie wirken ließ.
Carolyn betrat den Raum.
„Wir haben die Leichen untersucht", sagte sie und atmete tief durch. „Auf den ersten Blick konnte ich keine Wunde erkennen, die den Blutverlust erklären würde. Doch ich fand auf dem zweiten Blick bei jedem Opfer ein seltsames, kreisrundes Mal auf dem Hals."
„Eine Wunde wie bei den Opfern von Symbionten?", fragte Carter.
„Nein, eher wie von einem Neunauge", antwortete Carolyn.
„Was ist ein Neunauge?", fragte diesmal Teal'c.
„Ein Neunauge ist eine uralte, aalähnliche Fischart, die noch aus der Steinzeit stammt und sich vom Blut anderer Lebewesen ernährt. Er hat einen Rundmund mit Hornzähnen und saugt sich damit an eine Hautstelle des Opfers. Mit seiner Zunge fügt er dem Opfer eine Wunde zu, sodass Blut aus dieser fließt und er es aufsaugen kann." Carolyn erschauderte bei dem Gedanken, dass ihr Vater in den Händen eines Aliens war, das sich vermutlich auf diese Weise von Menschen ernährte.
„Das ist…tatsächlich…noch ekliger", war Valas Antwort.
„Um auf diese Weise seine Opfer aufzusaugen müsste er doch Zeit benötigen. Wie hat er es geschafft einen Arzt und drei Krankenschwestern unbemerkt das Leben auszusaugen?" fragte Carter. „Das ist doch unlogisch. Die Opfer sahen alle aus, als wären sie noch bei Bewusstsein gewesen. Ihre Gesichter waren qualvoll verzerrt."
„Vielleicht hat er sie erst mal betäubt und dann einen nach dem anderen aufgeweckt", vermutete Mitchell.
„Dann ist der Kerl nicht nur eklig, sondern auch noch ein Psychopath." Valas Kommentar wurde kaum beachtet.
„Nun gut, wir haben es also mit einem Wesen zu tun, welches sich auf die gleiche Art ernährt wie dieses wandelnde Fossil", dachte Dr. Jackson laut. „Warum hat es General Landry mitgenommen?"
„Das haben wir schon vermutet", antwortete Sam Carter. „Vielleicht wurde er geschickt, um unsere Stellung zu schwächen und hat deswegen unseren Anführer mitgenommen. Er könnte glauben, dass das Fehlen eines Befehlshabers moralische Folgen für uns hat."
„Aber wir wissen es nicht", entgegnete Mitchell. „Wir wissen nicht, warum er Landry wollte. Es wäre möglich, dass er will, dass wir ihm folgen und er ködert uns mit dem General."
„Auch das ist nur eine Vermutung", ließ Teal'c verlauten. „Team 7 ist er durch das Tor gefolgt. Vielleicht hat er General Landry dorthin mitgenommen."
„Stimmen die Codes beider Ziele überein, Walter?", fragte Sam Carter.
„Nein, das ist es ja. Er hat völlig andere Codes in den Computer eingegeben." Walter Stimme ließ die anderen spüren unter welchem Druck er stand.
„Sie sollten sich ausruhen", sagte Teal'c. „Der Vorfall hat Sie sehr erschöpft. Legen Sie sich hin."
Walter nickte und verließ den Raum. Carolyn stand immer noch an der Tür und wirkte bedrückter als je zuvor.
„Dr. Lam, wir danken Ihnen. Sie sollten zurück an ihre Arbeit gehen", antwortete Teal'c ruhig. Sie nickte kurz und verließ den Raum.
„Wir sollten den Ort überprüfen. Ob eine Falle oder nicht. Der General muss gerettet werden. Das hat jetzt oberste Priorität", sagte Colonel Carter und stand auf. Sie mussten sich ihre Ausrüstung besorgen.
Carolyn biss sich auf die Fingernägel. Sie wollte ihren Vater wieder in Sicherheit wissen. Als sie an die Nacht nach dem ersten Angriff des Eindringlings dachte und das Gesicht ihres Vaters in jener Nacht, als sie ihn nach Hause fuhr, wurde ihr angst und bange. Nach so langer Zeit, waren sie endlich wieder bei dem anderen angekommen. Ihr Verhältnis hatte sich sehr verbessert. Am nächsten Morgen hatte sie sich mit einem Lächeln bei ihrem Vater verabschiedet und ihn fest umarmt.
Sie wäre gern länger geblieben. Doch sie musste nach Hause und sich umziehen, bevor sie zur Arbeit fuhr. Wenigstens haben sie gemeinsam auf seiner Dachveranda an diesem Morgen gefrühstückt und dabei den Vögeln gelauscht.
Es war schön gewesen. Das konnte doch jetzt nicht alles sein, was ihr bleiben würde oder?
SG1 versammelte sich vor dem Tor. Eine Sonde hatte die Lebensumstände überprüft. Eine hohe Luftfeuchtigkeit lag dieser Welt zugrunde. Doch der Sauerstoffgehalt der Luft war genau richtig für die Menschen. Team 1 drehte sich zu Walter um, der keine Ruhe fand bis Landry wieder zurück in Sicherheit war, und nickten ihm zu, bevor sie durch das Tor schritten, um ihren General zu retten.
